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Dresden, Frauenkirche

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Dresden, Frauenkirche, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/6d42ccd6-0655-424a-838c-31d4a481f6b2

Inventarnummer: cbdd40002

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Die Frauenkirche in Dresden wurde 1734 mit Deckenmalerei von Giovanni Battista Grone verziert. Diese ging durch die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg verloren.

Die Frauenkirche in Dresden

Baugeschichte

Der barocke Neubau der Dresdner Frauenkirche erhebt sich an der Stelle der wohl ältesten Kirche der Stadt und des Elbraums. Ihr unmittelbarer Vorgängerbau war eine 1366 erstmals erwähnte und 1388 geweihte schlichte spätgotische Hallenkirche mit verschiedenen Anbauten, welche von einem Friedhof umgeben war. Bereits um 1717/18 hatte der kurfürstlich-königliche Hof seine ambitionierten Vorstellungen für einen Neubau des zu eng gewordenen, veralteten zudem einsturzgefährdeten Kirchenbaus formuliert. Eingebettet in umfangreiche städtebauliche Regulierungspläne für das umgebende unregelmäßige Gebiet des Neumarkts hatte man einen repräsentativen Kuppelbau auf quadratischem Grundriss mit abgeschrägten Ecken präferiert. In diese nicht aus religiösen, sondern aus rein städtebaulichen Gründen gefassten Überlegungen waren vor allem die Vorstellungen Augusts des Starken mit eingeflossen, die dieser auf seinen Reisen nach Spanien, nach Rom und Venedig gewonnen hatte. Die fast vier Jahre währenden Verhandlungen und Diskussionen zum Entwurf der Frauenkirche sind nur zu verstehen vor dem Hintergrund, dass die Einmischung des katholisch gewordenen Hofes in eine Kirchenbauangelegenheit des protestantischen Rats der Stadt mehr als heikel war. Ratzimmermeister George Bähr (1666–1738) reichte 1723/23 ein erstes Projekt ein, das ebenso wie eine 1724 überarbeitete Fassung bezüglich der Gestaltung der Fassaden und vor allem des zentralen Turms bzw. der Kuppel nicht zu befriedigen vermochte. Erst ein im Jahre 1725 als Gestaltungsvorschlag eingereichtes Projekt Johann Christoph Knöffel (1686–1752) forcierte die finale Lösung, indem es die Kirche mit quadratischem Grundriss, einer zentralen, hoch aufragenden Kuppel sowie mit Treppenhäusern in den verbleibenden Zwickeln konzipierte. In einer zweiten Variante schrägte man schließlich die Bauwerksecken ab und besetzte sie mit vier Türmen. Dieser, von George Bähr im Wesentlichen übernommenen Lösung erteilte der Hof am 26. Juni 1726 die Baugenehmigung. Nachdem im Juni 1733 der von Bähr bereits früher vorgebrachte Gedanke einer vollständig steinernen Kuppel prinzipiell genehmigt worden war, schloss man im August 1733 den Kontrakt mit den Steinmetzen. Im März 1734 begann man mit dem Aufmauern der Hauptkuppel, im Juli 1736 war die innere Schale vollendet, im Oktober des Jahres der Laternenfuß. Nach Bährs Tod im März 1738 konnten durch den Leipziger Baumeister David Schatz (1667–1750) schließlich auch die Bedenken des Rats bezüglich der Stabilität der Steinkuppel erfolgreich ausgeräumt werden und man hatte den Bau bis 1743 durch das Aufsetzen der wohl von Ratsmaurermeister Johann Gottfried Fehre (1683–1753) entworfenen Laterne vollendet.[1]

Baubeschreibung

Die Dresdner Frauenkirche ist ein monumentaler, vollkommen aus Sandstein errichteter Kuppelbau überquadratischem Grundriss mit abgeschrägten Ecken. Über glattem Sockel erheben sich, gerahmt von korinthischen Pilastern, hohe Rundbogenfenster. An den Hauptseiten werden die dreiachsigen Risalite mit Dreiecksgiebeln, an den Ecken mit Segmentbögen bekrönt. Über dem Hauptgesims setzt über einer Scheinbalustrade der konkav geschwungene, durch Gurte gegliederte Kuppelanlauf an. Über den vier Ecken des Bauwerks sitzen ebenfalls konkav anlaufende Glockentürme mit sich nach oben verjüngenden Türmen, die in zwiebelförmigen Aufsätzen und Flammenvasen auslaufen. Über einer Blendbalustrade am Fußende erhebt sich die gestreckte, achtteilige Steinkuppel mit ihren Gaupenfenstern. Getragen von Konsolen sitzt darüber die Laterne mit Korbbögen, seitlichen Pilastern und einer geschweiften Haube über dem Abschlussgesims.

Baugeschichte der Kuppel

Im Jahre 1729 trug George Bähr erstmals die Idee einer vollständig steinernen Kuppel für die Frauenkirche vor, im April 1730 stimmte der skeptische Rat aber lediglich einer steinernen Errichtung des sogenannten „Kuppelanlaufs“ und der darin befindlichen Innenkuppel zu. Ende 1731 war die Innenkuppel geschlossen und im Oktober 1732 schließlich auch der Kuppelanlauf vollendet. Zur gleich Zeit setzten durch Johann Christian Feige (1689–1751) Stuckarbeiten in der Innenkuppel mit ihren reichornamentierten Lisenen und den abschließenden Spangen ein. Nachdem man im Mai 1734 Gerüste in der Innenkuppel für deren Ausmalung aufgestellt hatte, erfolgte diese im Verlauf des Jahres durch den venezianischen Maler Giovanni Battista Grone (1682–1748).[2]

Innenraum der Frauenkirche

Der Innenraum der Frauenkirche ist geprägt durch die acht hohen und schlanken, ein weites Rund formierenden Pfeiler, die die vier reich stuckierten und farbig gefassten Emporen und das Betstubengeschoss tragen. Pendentifs leiten über zur Galerie, über der sich wiederum die 23 m weite und 11 m hohe Innenkuppel mit ihrem ca. 7 m breiten Auge erhebt. Die Innenkuppel wird durch lange und schmale, sich nach oben verjüngende Gurte gegliedert, die mit verschiedenartiger Ornamentik teils in Stuck (Rosetten) und teils in Malerei (Bandelwerk) versehen sind und in phantasievollen Kapitellen enden. Zwischen ihnen sind im Wechsel die insgesamt acht Deckengemälde – die vier Evangelisten sowie die (um eine ergänzt) vier christlichen Kardinaltugenden – angebracht. Die Evangelistendarstellungen sind in illusionistisch wiedergegebenen breiten Rahmenfeldern angeordnet, die nach oben konisch zulaufen und sich oben und unten konkav einziehen. Die vier Tugenden sind mit ebensolchen aufgemalten Rahmen versehen, befinden sich hingegen in großen, stehenden Ovalen. Von allen Bildfeldern hängen ferner an großen Voluten verschiedenartige Fruchtgehänge über die Bögen der acht großen Kuppelöffnungen herab. Ober- oder unterhalb der Bildfelder sind schließlich noch in kleinen gerahmten Ovalen biblische Szenen als gemalten Bronzereliefs wiedergegeben, die jedoch das Ergebnis der Rekonstruktion von 2005 sind und sich vor 1945 nur andeutungsweise erschließen ließen.

Die Vorbilder für die Darstellungen Grones waren sehr wahrscheinlich die monumentalen Propheten- und Sibyllengestalten in Michelangelos Sixtinischer Kapelle des Vatikans. In ähnlicher Weise wurden diese Vorbilder bereits 1626/27 bei der Ausmalung der Kuppel des Doms von Piacenza durch Giovanni Battista Barbieri, gen. Il Guercino (1591–1666) verwendet.

Bei der ersten größeren Gesamtrestaurierung des Frauenkirchen-Innenraums im Jahre 1864 waren die Deckengemälde aufgrund von Feuchtigkeitsschäden teilweise übermalt, wenn auch wohl nicht vollkommen zugestrichen worden. Während einer Restaurierung durch Paul Rößler und Karl Schulz in den Jahren 1930–32 wurden diese Übermalungen wieder beseitigt. Die starken Ergänzungen erfolgten jedoch in wenig einfühlsamer Weise unter starker Einwirkung des Zeitstils der 30er und 40er Jahre, so dass die überkommenen Fotodokumente nur noch in wenigen Teilen die Originale Grones wiederzugeben vermögen.[3]

Der Evangelist Lukas

Der auf der Ostseite der Kuppel über dem Altar angeordnete Evangelist Lukas ist – wie sämtliche Figuren der Deckengemälde – vor einem teilweise dramatischen, wolkenreichen Himmel wiedergegeben. Bekleidet mit einem rote Gewand und einem weißen Turban sitzt er in entspannter Haltung, das rechte Bein nach vorne gestreckt auf dem sich längs lagernden Stier, seinem Attribut. Während die Hörner des Tieres als Stütze für seine locker aufliegende Rechte dienen hält er in seiner Linken die aufgeschlagene Schrift, in der er liest.[4]

Die Hoffnung (Spes)

Bekleidet mit einem weißen und hellgrünen Gewand sitzt die weibliche Gestalt der Hoffnung leicht nach rechts gelagert da. Mit ihrer Rechten weist sie andeutungsvoll nach oben, wo ihre Hand von einem hellen Sonnenstrahl beschienen wird.[5]

Der Evangelist Matthäus

Der in nördlicher Richtung angeordnete Evangelist Matthäus ist als bärtiger Mann in gelbem und blauem Gewand wiedergegeben, der in nachdenklicher Pose seine rechte Hand zum Mund führt, während er mit seiner Linken die aufgerollte Schriftrolle festhält. Sein ihm von links nahetretendes Attribut, der Engel in Gestalt eines jungen, blondgelockten Mannes, weist ihn mit seiner rechten Hand auf eine Stelle in der Schrift hin.[5]

Die Liebe (Caritas)

Die Gestalt der Liebe, angetan mit gelben und blauen Gewänden, drückt ein kleines Kind liebkosend an ihre linke Wange, während eines weiteres Kind spielend vor ihren Füßen sitzt und ein drittes seitlich von links kommend auf ihren Bein in ihren Schoß zu klettern versucht.[5]

Der Evangelist Markus

Der auf der Westseite der Innenkuppel dargestellte Evangelist Markus ist als bärtiger Mann in grünen und gelben Gewändern wiedergegeben, welcher in angespannter Haltung und mit vorangestelltem linken Bein dasitzt. In seiner Rechten hält er das aufgeschlagene Buch der Heiligen Schrift. Sein ihm dort beigefügtes Attribut, der grimmig fauchende, geflügelte Löwe, scheint ihm als Buchstütze zu dienen.[5]

Die Barmherzigkeit (Misericordia)

Die mit gelbem und grünem Gewande angetane Figur der Barmherzigkeit sitzt erhöht da und wirft mit gespreizten Fingern ihrer Rechten einige Münzen in den Hut eines rechts hinter ihr aus dem Untergrund auftauchenden, halbnackt wiedergegebenen bedürftigen Mannes.[5]

Der Evangelist Johannes

Der auf der Südseite der Kuppel in Erscheinung tretende Evangelist Johannes ist als Jüngling mit langen blonden Haaren dargestellt und mit rotem und hellgrünem Gewand bekleidet. Auf Wolken sitzend wendet sich sein Blick nach links, während seine Rechte mit dem Federkiel nach rechts gewendet ist, wo er in das aufgeschlagene Buch der Heiligen Schrift hineinschreibt. Sein Attribut, der grimmig dreinblickende Adler, taucht auf der rechten Seite unterhalb von ihm auf.[5]

Der Glaube (Fides)

Die in ein hellviolett und weißes Gewand mit goldenem Saum gekleidete, weibliche Figur des Glaubens sitzt nach links gewendet und mit hochgestelltem rechten Bein da. Sie umfasst mit ihrer Rechten das große, teilweise in Unteransicht wiedergegebene Kreuz und hält in ihrer Rechten goldenen Kelch des Abendmahls.[5]

Bibliographie

  • Henning, Diverse Beiträge, 1995-1999. – Hennig, Gitta Kristine: Diverse Beiträge, in: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch zu ihrer Geschichte und zu ihrem archäologischen Wiederaufbau, Bde. 1–5, Weimar 1995–1999.
  • Hertzig, Der Weg zum Bährschen Kuppelbau, 2005. – Hertzig, Stefan: „Gleichsam nur ein einiger Stein“. Der Weg zum Bährschen Kuppelbau. 2. Teil, in: ebda, Bd. 11, Weimar 2005, S. 163–182.
  • Kuke, Die Frauenkirche in Dresden, 1996. – Kuke, Hans-Joachim: Die Frauenkirche in Dresden. „Ein Sankt Peter der wahren evangelischen Religion“, Worms 1996.
  • Magirius, Die Dresdner Frauenkirche, 2005. – Magirius, Heinrich: Die Dresdner Frauenkirche von George Bähr, Berlin 2005.
  • Marx, Giovanni Battista Grone, 1996. – Marx, Harald: Giovanni Battista Grone (1682–1748). Sein Schaffen in Sachsen und die Gemälde in der Kuppel der Dresdener Frauenkirche, in: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch zu ihrer Geschichte und zu ihrem archäologischen Wiederaufbau, Bd. 2, Weimar 1996, S. 115–136.

Einzelnachweise

  1. Kuke, Die Frauenkirche in Dresden, 1996; Henning, Diverse Beiträge, 1995-1999; Magirius, Die Dresdner Frauenkirche, 2005, S. 11–119.
  2. Marx, Giovanni Battista Grone, 1996, S. 115–136; Magirius, Die Dresdner Frauenkirche, 2005., S. 108–113.
  3. Hertzig, Der Weg zum Bährschen Kuppelbau, 2005, S. 163–182; Magirius, Die Dresdner Frauenkirche, 2005, S. 257-303.
  4. Marx, Giovanni Battista Grone, 1996, S. 115–136
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 5,6 Marx, Giovanni Battista Grone, 1996, S. 115–136.