Diez, Schloss Oranienstein
Inventarnummer: cbdd10167
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Schloss Oranienstein erhielt Anfang des 18. Jahrhunderts bei einem Umbau nach Plänen von Daniel Marot eine reiche Ausstattung mit Deckenmalereien. Sie beziehen sich auf die Funktion des Schlosses als Witwensitz und untermauern den Anspruch des Hauses Nassau-Diez auf das oranische Erbe.

Kurzbeschreibung und Lage
Schloss Oranienstein liegt nördlich des alten Stadtkerns von Diez auf einem steil abfallenden Felsen oberhalb der Lahn. Es präsentiert sich heute als Dreiflügelanlage mit verhältnismäßig tiefem Ehrenhof, wobei sich an die schmalen Seitenflügel vorne auf beiden Seiten Querflügel anschließen die sich aus unterschiedlich hohen Baukörpern mit wechselnder Dachform zusammensetzen. Vorgelagert ist ein formal gestalteter Garten, eine zentral auf den Ehrenhof zulaufende Allee ermöglichte die Anfahrt von der Stadt.
Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte
Am Standort des heutigen Schlosses befand sich das erstmals 1153 erwähnte Benediktinerinnenkloster Di(e)rstein, das möglicherweise durch die Grafen von Diez gegründet[1], zumindest aber seit dem 13. Jahrhundert eng mit ihnen verbunden war[2].
Bereits im 15. Jahrhundert war ein gewisser Niedergang des Klosters feststellbar gewesen, die Einführung der Reformation scheiterte zunächst am Widerstand des Trierer Erzbischofs, der durch den Einzug eines Lehens eine Mitherrschaft innehatte. Nachdem diese jedoch 1564 durch Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg abgelöst worden war und Johann nun alleine die Landesherrschaft ausübte, zudem auch die noch verbliebenen vier Nonnen einen „weltlichen und gelehrten christlichen und evangelischen Prädikanten, der nach der Augsburgischen Konfession predigt“[3] erbaten, stand diesem Vorhaben nichts mehr entgegen. Proteste des Trierer Erzbischofs, der sich auf die 1564 gemachte Zusage, den Untertanen die Religionsfreiheit zu gewähren, berief, blieben erfolglos, da die Klosterschwestern schließlich selbst um einen evangelischen Prediger gebeten hatten.
Während des 30jährigen Krieges nutzte der Trierer Erzbischof eine politisch wie militärisch günstige Situation erfolgreich zur Rückforderung des Klosters, die allerdings nicht zu einer Wiederbesiedlung der vermutlich bereits weitgehend verfallenen Anlage führte - drei Jahre nach der Rückübertragung, 1631, fand man bei einer Visitation von der Kirche nur noch eine Ruine vor.[4]Nachdem bereits 1633 schwedische Truppen in der Nähe ihr Lager aufgeschlagen hatten, endete das kurze trierische Intermezzo.
Die recht ansehnlichen Einkünfte des ehemaligen Klosters weckten jedoch immer wieder Interesse, so des Grafen Johan Ludwig von Nassau-Hadamar (1590-1653), der zum Katholizismus konvertiert war und Dirstein zur Finanzierung seiner Jesuitenniederlassung forderte - erfolgreich, so dass der Superior der Hadamarer Jesuiten 1638 symbolisch von dem weitgehend ruinösen Dirstein Besitz ergreifen konnte.[5]
Die verschiedenen Zweige des evangelischen Hauses Nassau konnten jedoch schon bald eine Einigung erreichen, nach der die Einkünfte des ehemaligen Klosters zukünftig der Hohen Schule in Herborn zugute kommen sollten.
1671 trat jedoch eine Änderung ein: Bereits seit 1564 bestand die Übereinkunft, dass Witwen aus dem Haus Nassau-Diez nach dem Tod ihres Mannes die Einkünfte der Grafschaft Diez zur standesgemäßen Versorgung erhielten und im Grafenschloss, der in der Stadt Diez gelegenen Stammburg, Wohnung nahmen.
Als 1664 (seit 1654: Fürst) Wilhelm Friedrich von Nassau-Dietz (1613–1664) verstarb, galt diese Regelung für seine Witwe Albertine Agnes, die sich 1666 erstmals, aber nur für kurze Zeit, in Diez aufhielt. Vermutlich sagte ihr die noch weitgehend mittelalterlich geprägte Burg in der Stadt nicht zu, so dass sie die Errichtung eines neuen Witwensitzes außerhalb der Stadt, an der Stelle des Klosters Dirstein, ins Auge fasste. Zur Finanzierung des Neubaus und auch ihrer künftigen Hofhaltung zog sie die Einkünfte des ehemaligen Klosters ein und erwarb 1676 von den übrigen Mitinhabern aus dem Haus Nassau deren Anteile an diesen Einkünften zu einem günstigen Preis von 8.384 Reichstalern und zehn Albus.[6]
Bereits bei einem Besuch im Mai 1671 dürfte der Neubau konkret in die Wege geleitet worden sein.[7] Als Bauleiter fungierte der örtliche Amtmann Weitzel, der mit der Bauherrin, die sich wieder in den Niederlanden aufhielt, brieflich über den Fortgang berichtete.
Man räumte zunächst die herumliegenden Trümmer aus den Ruinen, wobei sich die Außenmauern der Klosterkirche als gut erhalten erwiesen, zugleich wurde Bauholz beschafft und angefahren. Im Februar 1672 klagte der Amtmann, dass der aus Mainz stammende Baumeister (dessen Name in den Quellen nicht genannt wird) immer noch keinen Plan geliefert habe, sobald dieser vorläge, könne mit den Maurerarbeiten begonnen werden.
Dabei musste der Amtmann die Fürstin mit guten Worten von ihrer Idee abbringen, man könne die Lahn so umleiten, dass sie (auch?) vor dem ehemaligen Kloster, also südlich, vorbeifließe. Offenbar hatte sie dabei niederländische Kanäle vor Augen und weder den erheblichen Höhenunterschied zwischen Kloster und Fluss, noch die harten Felsen bedacht.
Neben den Planungen für einen landwirtschaftlichen Betrieb zur Versorgung der künftigen Hofhaltung gingen auch die Arbeiten am Schloss voran, wobei im Februar 1673 die Fertigstellung des Küchenbaus im Rohbau gemeldet wurde.
Da jedoch der Mainzer Baumeister nach wie vor keine Pläne lieferte, wurde ein anderer Architekt, dessen Name ebenfalls nicht überliefert ist, beauftragt. Nach dessen Riss konnte der Bau schließlich weitergeführt werden.
Dabei führte Mangel an Baumaterial und Handwerkern immer wieder zu Verzögerungen, so dass die endgültige Fertigstellung und der Einzug der Fürstin erst 1684 erfolgten.
Leider ist wenig über das Aussehen des Schlosses in dieser ersten Bauphase überliefert, wobei aber die in den Neubau einbezogenen und heute noch erkennbaren Reste der Klosteranlage erkennen lassen, dass die Disposition bereits in vielen Punkten bis hin zur inneren Raumaufteilung dem heutigen Bau entsprochen haben dürfte.[8]Damit zeigte bereits der erste Schlossbau die moderne Form der Dreiflügelanlage, wohl eher auf französische Vorbilder in Form der Maison de Plaisance, nicht jedoch auf niederländische Landschlösser zurückgehend.[9]
Damit war das Schloss Albertine Agnes moderner und aufwendiger als die von ihren Schwestern etwa gleichzeitig errichteten Schlösser Oranienburg bei Berlin, Oranienbaum bei Dessau und Oranienhof bei Bad Kreuznach (nicht erhalten), bei denen es sich (ursprünglich) um einflügelige Anlagen handelte.[10]
1696 starb Albertine Agnes, durch Testament fiel Schloss Oranienstein an die Kinder ihrer bereits verstorbenen Tochter, ihr Schwiegersohn als Vormund seiner Kinder, übernahm zunächst die Verwaltung der Anlage, veräußerte sie dann aber 1697 an seine Schwägerin, Fürstin Henriette Amalie von Nassau-Diez (1666-1726), die seit 1696 ebenfalls verwitwet war und daher gleichfalls die Witwenregelung des Hauses in Anspruch nehmen wollte.[11]
Sie veranlasste eine Neuausstattung und Erweiterung des Schlosses, die vermutlich anlässlich ihres Aufenthaltes in Diez 1704 in die Wege geleitet wurde.[12]Ab dem Jahr 1707, als die Baumaßnahme bereits im Gange war, sind jedenfalls die Korrespondenzen der Fürstin mit dem entwerfenden Architekten Daniel Marot und weiteren Bauhandwerkern bzw. den Beauftragten der Fürstin erhalten.[11]
Die Baumaßnahme betraf vor allem die Neuausstattung der Räume mit Stuck und Deckenmalerei sowie die Umgestaltung bzw. Erweiterung der beiden Seitenflügel. Insbesondere die an die Seitenflügel anschließenden Querflügel dürften damals hinzugefügt worden sein, wobei sie zu diesem Zeitpunkt noch unterschiedliche Länge aufwiesen.
Die im östlichen Flügel gelegene Schlosskapelle wurde erst 1716 eingeweiht, die Arbeiten in den übrigen Schlossräumen dürften jedoch schon früher abgeschlossen gewesen sein, so weist etwa die Stuckdecke im am östlichen Ende des Corps de Logis gelegenen Saal die Jahreszahl 1709 auf.[13] Allerdings wurde auch 1711 noch ein Stuckateur Stuckateur zwei Monate lang im Schloss beschäftigt[14], und im November des Jahres wurde noch Ultramarin für den Maler van Dyck (der aber an der Deckenmalerei sehr wahrscheinlich nicht beteiligt war) nach Oranienstein geschickt[15].
Man wird aber annehmen dürfen, dass die Haupträume bereits früher fertig waren, weil Henriette Amalie und sechs ihrer unverheirateten Töchter das Schloss bereits 1709 bezogen (der feierliche Einzug in der Stadt Diez erfolgte am 8. Mai[16]).
Nachdem Henriette Amalies einziger Sohn, Prinz Johann Wilhelm Friso (1687-1711) ums Leben gekommen war (er ertrank beim Übersetzen über die Maas), kam es zu unerfreulichen, juristischen Auseinandersetzungen, die die Frage betrafen, ob Oranienstein Privatbesitz der Fürstin oder Familienbesitz sei. Das Reichskammergericht entschied 1731 zugunsten der Familie bzw. des erst nach dem Tod seines Vaters geborenen Prinzen Wilhelm Karl Friso (1711-1751) des Enkels der Fürstin Henriette Amalie.
Henriette Amalie war allerdings bereits am 18. April 1726 in Oranienstein verstorben, ihre unverheirateten Töchter erhielten jedoch ein lebenslanges Wohnrecht im Schloss, dass sie auch ausübten, bis schließlich die letzte von ihnen, Marie Amalie, 82jährig, am 27. Januar 1771 ebenfalls im Schloss verstarb.
Wilhelm V. von Nassau-Oranien (1748-1806), der Urenkel Henriette Amalies, entwickelte schließlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wieder Interesse an Oranienstein. Zwar hielt er sich als Statthalter der Niederlande nur selten in den nassauischen Stammlanden auf, man kann aber davon ausgehen, dass ihm Oranienstein als dortige Residenzmöglichkeit erschien, nachdem das Dillenburger Schloss im Siebenjährigen Krieg zerstört worden war.[17]
1782 bis 1789 entwickelte Friedrich Ludwig (Ritter von) Sckell (1750-1823) Pläne für die Umgestaltung der Parkanlage, die auch umgesetzt wurden, wie sich bis heute an einzelnen Teilen des Geländes ablesen lässt.[18]
Da die politischen Verhältnisse in den Niederlanden bereits seit längerem schwierig waren und schließlich 1793 französische Truppen einmarschierten, musste Wilhelm mit seiner Familie 1795 nach England fliehen, eine geplante Umgestaltung und Erweiterung des Schlosses Oranienstein wurde unter diesen Umständen nicht mehr umgesetzt.[19]
Als durch den Frieden von Luneville 1801 wieder gesicherte politische Verhältnisse eintraten, konnte an eine Herrichtung des Schlosses gedacht werden, das ab 1802 von Wilhelm und seiner Familie bewohnt wurde. 1803-05 fügte man an den östlichen Querflügel eine Verlängerung und einen Pavillon an, eine Maßnahme, die bereits 1785 geplant gewesen war.[20]
Nach seinem Tod 1806 fiel Oranienstein an seinen Sohn Wilhelm VI. (1772-1843), der gemäß der Verhandlungen des Wiener Kongresses als Wilhelm I. König der Niederlande wurde, dafür aber auf die nassauischen Stammlande und mit ihnen Oranienstein verzichtete.
Die neuen nassauischen Landesherren, Herzog Friedrich August von Nassau-Usingen und Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg hatten wenig Verwendung für Oranienstein, da ersterer im Schloss Biebrich residierte und zweiterer im Schloss Weilburg.[21]Beider Nachfolger Herzog Wilhelm I. von Nassau-Weilburg (1792-1839) benutzte Oranienstein zwar als Unterkunft, wenn die alljährlichen Manöver der nassauischen Truppen abgehalten wurden, doch erst sein Sohn Adolph (1817-1905) und dessen zweite Frau nutzten das Schloss wieder intensiver. Abgesehen von einer Instandsetzung der Innenräume Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in ihrer Zeit vor allem die beiden Querflügel symmetrisch ausgestaltet, indem man 1853[22]den Westflügel entsprechend dem Ostflügel umbaute und dort ebenfalls einen Pavillon anfügte.[23]
1861 gelangte das Schloss nach Beilegung des sog. nassauischen Domänenstreites aus herzoglichem Landesbesitz in Staatsbesitz - um nach der Annexion Nassaus durch Preußen 1866 ebenfalls an den preußischen Staat zu kommen.
Der Plan, das Schloss als „Provinzial-Irrenanstalt“ zu nutzen, wurde schließlich nach energischen Protesten des Herzogs Adolph und des niederländischen Königshauses, das seine Verbindung zu Oranienstein nicht vergessen hatte, fallengelassen.[24]
Stattdessen entschied man 1867 im Schloss eine Kadettenanstalt einzurichten, die 1868 eröffnet wurde. Hierfür entstanden in den folgenden Jahrzehnten mehrere zusätzliche Gebäude auf dem Gelände, von denen besonders zwei spätklassizistische Kompaniegebäude aus den Jahren 1874-76, im rechten Winkel vor den Querflügeln stehend, das Ensemble erheblich beeinträchtigten.[25]
In den Jahren 1907 bis 1910 ließ die preußische Hochbauverwaltung auch das Schloss sanieren, unter anderem wurden verfaulte Fachwerkwände in massivem Mauerwerk erneuert, aus Brandschutzgründen hölzerne Treppen durch massive ersetzt und die einsturzgefährdete Decke der Kapelle durch Einbau einer oberhalb gelegenen Tragekonstruktion gesichert. Diese Instandsetzung war kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges fertiggestellt und respektierte vor allem die bereits seinerzeit als sehr wertvoll eingestuften Stuckdecken und Malereien, auch wenn ansonsten Veränderungen an der Raumaufteilung vorgenommen wurden.[26] Andererseits stellte man später veränderte Räume wieder her, z. B. das sog. Sommerschlafzimmer.[27]Die Pläne stammten von einem Baurat Berninger, den Stuck in der Kapelle restaurierte „Bildhauer Hirz, Frankfurt/Main“.[28]
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs übernahmen französische Besatzungstruppen das gesamte Areal, doch bereits 1927 räumten sie das Schloss, nachdem u. A. Fürsprache durch das niederländische Königshaus erfolgt war. Während die übrigen Bauten der ehemaligen Kadettenanstalt für private und öffentliche Schulen sowie für eine Rebenveredelungsanstalt genutzt wurden, richtete man im Schloss das „Nassauische Heimatmuseum Schloss Oranienstein“ ein, das 1929 eröffnet werden konnte.[29]1932 wurden in Verbindung mit dem preußischen Landeskonservator die beiden Kadettenhäuser vor den Querflügeln des Schlosses im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme abgebrochen und somit die ursprüngliche Ansicht wiederhergestellt.[30]
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 musste die Anlage zunächst teilweise, später komplett für eine „Nationalpolitische Erziehungsanstalt“ geräumt werden.
1945 zogen amerikanische Besatzungstruppen ein die später von französischen abgelöst wurden. Sie zeigten sich sehr verständnisvoll für die Anlage, auch wenn das Gelände streng gesperrt und damit auch nicht für die kunsthistorische Forschung zugänglich war.[31]
In den Jahren 1949 bis 1956 erfolgten im Auftrag des Koblenzer Staats- bzw. Sonderbauamts verschiedene Sanierungsarbeiten, die teilweise auch die Deckenmalereien und Stuckaturen betrafen. Ausgeführt wurden sie durch die Firmen Wilhelm Seibel (Diez) und W. Brinkschulte (Koblenz), Ergänzungen am Stuck nahm, im geringem Umfang, auch der Bildhauer Eugen Keller (1904-1995) vor.[32]
Nachdem allerdings die französischen Truppen abgezogen waren stand das Schloss längere Zeit leer, weil das Land Rheinland-Pfalz (als Rechtsnachfolger Preußens) sich zu einer Wiederherstellung nicht in der Lage sah. Da das Gebäude durch unzureichende Bewachung und Pflege bereits erhebliche Schäden aufwies, musste nach einer neuen Nutzung gesucht werden.
Nach Plänen zur Einrichtung einer Polizeischule gelang es schließlich, unter Vermittlung des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Peter Altmeier bei Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß, eine Übernahme durch die Bundeswehr zu erreichen. Gleichzeitig gründete sich in den Niederlanden die Stiftung „Je Maintiendrai Nassau“, die die Einrichtung eines Museums zur Geschichte des Schlosses und über die Verbindung zum heutigen niederländischen Königshaus finanziell und ideell unterstützte. 1962 konnten die Museumsräume eröffnet und das Schloss an die Bundeswehr übergeben werden.[33]
Im Zuge der Instandsetzung des schließlich in Bundesbesitz übergegangenen Schlosses und der Einrichtung einiger Erdgeschossräume als Museum erfolgte auch eine Restaurierung der Stuckdecken und Deckenmalereien durch die Firmen Julius Hembus, Frankfurt (Stuck), Walter Dick, Wasenbach (Malerei) und Seibel, Diez (Anstriche).[34]
Ab 1990 erfolgte eine weitere Restaurierung der Deckenmalereien und Stuckarbeiten, über die ausführliche Dokumentationen bei der zuständigen Denkmalbehörde vorliegen.[35]
Das Schlossareal wird nach wie vor durch die Bundeswehr genutzt, die museal eingerichteten Innenräume des Schlosses sowie die Kapelle sind nach Voranmeldung für Besucher zugänglich.
Auftraggeberin
Im Hinblick auf die Deckenmalereien des Schlosses Oranienstein kann man sich weitgehend auf Fürstin Henriette Amalie von Nassau-Diez (1666-1726), geborene Prinzessin von Anhalt-Dessau beschränken, da sie die Neuausstattung veranlasste in deren Zusammenhang die Malereien entstanden. Allerdings dürfte die Motivation zur Nutzung des Schlosses als Witwensitz ähnlich gewesen sein wie bei ihrer Schwiegermutter Albertine Agnes von Nassau-Diez (1634-1696), geborene Prinzessin von Oranien. Einerseits waren es sicher die reizvolle Lage außerhalb der Stadt und die den Anforderungen des Zeremoniells eher entsprechenden Räumlichkeiten, die den Vorzug von Oranienstein gegenüber dem alten Grafenschloss in der Stadt Diez ausmachten.
Andererseits war es aber sicher auch der Respekt vor der bereits durch ihre Schwiegermutter und Tante begründeten Tradition des Ortes, die sich ihrerseits aus der Übernahme des Standortes von Kloster Dirstein als einer vielfach mit der gräflichen Familie verbundenen Institution speiste.[36]
Es gab daher wohl nicht nur praktische Gründe, die erhaltenen Reste der Klosterkirche beim Bau des Schlosses mit einzubeziehen, sondern es war auch eine Frage der Pietät, zumal auch ganz profane, andererseits auch wieder sakrale Gründe hineingespielt haben dürften: Die oben erwähnte Inbesitznahme der Klosterruine durch den Hadamarer Jesuitensuperior 1638 ist einerseits im Zusammenhang mit der Inbesitznahme der ehemaligen Klostergüter und deren Einkünften zu sehen, andererseits war sie auch ein konfessionelles Statement des konvertierten Johann Ludwigs von Nassau-Hadamar gegenüber den Grafen von Nassau-Diez, die nach wie vor Protestanten waren.
Somit machten Amalie Agnes und Henriette Amalie diesen Akt gewissermaßen rückgängig, letztere nicht zuletzt auch in Hinblick auf die Kapelle, deren Ausstattung einerseits durch protestantisch-calvinistische Elemente, andererseits aber auch dynastische Verweise geprägt ist.[37]
Henriette Amalie dürfte sich durchaus mit ihrer Tante und Oranienstein identifiziert haben: Die von ihr in Auftrag gegebenen Stuckdecken im Audienzzimmer und im sog. Winterschlafzimmer (siehe unten) tragen die Initialen AA, die traditionell als „Amalia Anhaltina“ gedeutet werden[38], sich aber ebenso auch auf Albertine Agnes beziehen lassen.
Henriette Amalie bezog Oranienstein einerseits als Witwe, andererseits war bei Baubeginn abzusehen, dass ihr Sohn Johann Wilhelm Friso 1708 großjährig werden würde, so dass sie dann keine Vormundschaft über ihn mehr zu führen bzw. seine Geschäfte zu erledigen hatte. Spätestens 1709 war zudem klar, dass er seiner Mutter die Regierung über die Stammlande bis zu ihrem Tod überlassen würde.[39] Somit konnte Henriette Amalie damit rechnen, dass es nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll sein würde, dass sie sich dauerhaft an der Lahn aufhielt. Dass dieser Aufenthalt erhebliche Ausgaben für eine standesgemäße Hofhaltung in Oranienstein mit sich brachte ist nachweisbar[40].
Sie dürften letztlich aber auch damit in Verbindung stehen, dass Henriette Amalie nach dem tragischen Unfalltod ihres Sohnes 1711 versuchte, die Vormundschaft für ihren erst nach dem Tod seines Vaters geborenen Enkel zu erhalten, die aber letztlich vom Schwiegervater ihres Sohne, Landgraf Karl von Hessen-Kassel (1654-1730), übernommen wurde. Konflikte zwischen ihm und Henriette Amalie waren unvermeidlich, nicht zuletzt auch wegen der recht selbstbewussten, freilich nicht immer glücklichen Regierung der Witwe in den Stammlanden.[41]
Hinzu kamen die bereits seit längerem andauernden Streitigkeiten um das oranische Erbe, in denen sich Henriette Amalie ebenfalls recht ambitioniert zu positionieren versuchte. Zum Zeitpunkt des Baubeginns lebte ihr Sohn noch, der 1702 von seinem Onkel Wilhelm III. von Nassau-Oranien (1650-1702) zum Universalerben ernannt worden war, die damit verbundene Standeserhöhung der Familie, auch wenn sie nicht für Henriette Amalie persönlich galt, dürfte mit zum Entschluss beigetragen haben, Schloss Oranienstein umzugestalten und neu auszubauen.[42]
Architekten, Künstler und Handwerker
Planender Architekt des Schlossumbaus unter Henriette Amalie war kein geringerer als Daniel Marot (1661-1752), der nach seiner Tätigkeit für Wilhelm III. von Nassau-Oranien (während dessen Zeit als englischer König) in London gelebt hatte und seit 1702 wieder in den Niederlanden ansässig war. Die Wahl dieses Architekten als ein Akt personeller Kontinuität dürfte ebenfalls im Zusammenhang mit der zu dieser Zeit noch absehbaren Erbfolge an Henriette Amalies minderjährigen Sohn und Universalerben Wilhelms III. zu sehen sein und unterstrich den Anspruch auf dieses Erbe.
Wie erwähnt sind ab 1707 Korrespondenzen zwischen dem Architekten bzw. dem örtlichen Bauleiter und Henriette Amalie erhalten; Marot selbst soll Oranienstein nie besucht haben[43].
Örtlicher Bauleiter war der Schreiner Jean Coulon (1678-1760), der 1707 mit drei Gesellen nach Oranienstein gekommen war. Er war der Bruder von Antoine Coulon, einem Mitarbeiter Marots.[44] Coulon wurde als „Ober-Directeur des Baues von Unserem Haus Oranienstein“ bezeichnet, wurde aber später wegen angeblich mangelhafter Leistungen beim Bau eines Badehauses in (Bad) Ems seiner Ämter enthoben und war 1715 wieder in Amsterdam ansässig. Coulon war offenbar nicht nur für die Umsetzung der Pläne Marots zuständig, sondern sollte auch Änderungen daran vornehmen. [45]
Die Stuckarbeiten in Oranienstein stammen von Eugenio Castelli (gest. 1761 im Alter von 86 Jahren[46]), Antonio Genone und wahrscheinlich auch Cyprian Castelli, dem Bruder Eugenios.[47]
Die Deckenmalereien galten bislang in der Literatur als Werk eines weiteren Niederländers, Jan van Dyck (in der niederländischen Forschung: van Dijk) (um 1690-1769)[48].
Seine Tätigkeit in Oranienstein ist aber nach jetzigem Stand durch Quellen kaum fassbar, Hermann Heck konnte nur einen Eintrag im Diezer Kirchenbuch von 1718 ermitteln[49], hinzu kommt der bereits zitierte Rechnungseintrag von 1711, der den Kauf von Ultramarin belegt, das im Auftrag des Bauleiters Coulon für van Dyck nach Oranienstein geschickt wurde.[15]
Später war van Dyck Hofmaler des Fürsten von Nassau-Idstein und schätzte 1726 nach dem Tod Henriette Amalies ihre Oraniensteiner Gemäldesammlung.[49] Zudem lieferte er die Zeichnung für ein Titelkupfer der Leichenpredigt für Henriette Amalie[50], das eine Ansicht von Oranienstein, das Portrait der Fürstin sowie eine von Tugendallegorien umstandene Tumba zeigt.[51]1735 wurde er zum Bauinspektor von Nassau-Dietz ernannt, 1741 aber entlassen.[52]Er kehrte in die Niederlande zurück, wo er sich bereits vor seiner Entlassung gelegentlich betätigt hatte, seit 1746 lebte er in Amsterdam wo er die Kunstsammlung der Stadt verwaltete und restaurierte, darunter auch Rembrandts Nachtwache.
Es scheint jedoch einen weiteren Maler mit dem Namen van Dyck in Oranienstein bzw. Diez gegeben zu haben, evtl. seinen Sohn, der in Oranienstein tätig war und sich dort offenbar auch nach der Entlassung seines Vaters (?) aufhielt. 1741 stellte nämlich ein Jan van Dyck Restaurierungsarbeiten an (Öl-) Gemälden der Oraniensteiner Galerie in Rechnung und bezog sich dabei auf Absprachen mit dem „geweßenen Bau Inspector Jean van Dyck“.[53]
Eine Auflistung von nach Oranienstein geschickten Waren, darunter auch Malmaterial für Fresko- und Ölmalerei aus dem Jahr 1714 enthält leider keine Namen.[54]Eine im Juli 1709 entstandene Spezifikation von gelieferten Materialien nennt dagegen van Dyck, dem vor allem „24 Stück haar benselger“ ausgehändigt wurden, die übrigen Materialien dieser Liste deuten eher auf Ölmalerei hin.[55]
Auch wenn die Zuschreibung der Oraniensteiner Deckenmalerei an van Dyk bis heute in der Literatur tradiert wird, so ist sie, trotz der oben genannten Gründe, nicht zutreffend.
Eine erhaltene Baurechnung über den Bau der Schlosskapelle 1715 enthält nämlich den Eintrag „dem Fresco Mahler Carl Ludewig Castelly vor die Mahlerey im Plafon 150 [Reichstaler]“ während „dem Stoccador Castilly vor die verfertigte Stoucador-Arbeith 650“ gezahlt wurden.[56]
Somit stammt zumindest dieses im Hinblick auf Größe und Qualität bedeutendste Oraniensteiner Deckengemälde eindeutig von Carlo Ludovico Castelli (1671-1738), bei dem es sich zudem um den Bruder des Stuckateurs handelt und der daher auch aus rein praktischen Gründen (eingespielte Zusammenarbeit) für diesen Auftrag prädestiniert gewesen sein dürfte. Möglicherweise verbirgt er sich somit auch hinter der bisher auf Cyprian Castelli bezogenen Angabe „M. Castel, [und] dessen Bruder“[14].
Ein Vergleich mit anderen, nachgewiesenen Arbeiten Carlo Ludovicos wie sie etwa im Residenzschloss Bad Arolsen (siehe dort) vorhanden sind bzw. waren, bestätigt zudem, dass auch die übrigen Oraniensteiner Deckenmalereien von ihm stammen. Zudem erbrachte die letzte Restaurierung der Oraniensteiner Malereien Anfang der 1990er Jahre technische Übereinstimmung der einzelnen Fresken.[57] Gewisse Unterschiede in der malerischen Qualität dürften auch in der starken Überarbeitung einzelner Bilder liegen, so etwa beim Deckengemälde des Gartenkabinetts.
Baubeschreibung
Oranienstein präsentiert sich heute als Dreiflügelanlage mit nach Süden geöffnetem Ehrenhof. Das Corps de Logis mit drei Stockwerken zu neun Achsen ist im Erdgeschoss in Arkaden geöffnet, die möglicherweise eine Remineszenz an den ehemaligen Klosterkreuzgang darstellen, der sich nämlich an der Stelle des heutigen Hofes befand[58], auch wenn sie zumindest in ihrer heutigen Form wohl erst beim Umbau des Schlosses unter Henriette Amalie eingebrochen wurden.[59] Zumindest aber dürfte der ehemalige Kreuzgang die Form des ungewöhnlich tiefen Ehrenhofes vorgegeben haben.[60]
Auf dem steilen Satteldach sitzt mittig ein mit Rundbogengiebel abgeschlossenes, einachsiges Zwerchhaus. Durch Pilastervorlagen ist die Mittelachse des Flügels vom ersten Stock bis in das Zwerchhaus hinauf betont, zusätzlich ist im ersten und zweiten Stock ein Balkon angebracht. Auf dem steilen Satteldach befanden sich ursprünglich zwei Reihen Gauben, heute ist nur noch eine vorhanden.
Die lediglich zweistöckigen, dafür aber mit Mansarddächern versehenen Seitenflügel besitzen zum Innenhof jeweils zehn Achsen, wobei die jeweils äußerste durch eine Lisene abgetrennt ist, so dass in Verbindung mit einem Wechsel in der Dachlandschaft der Eindruck eines Pavillons entsteht. Die geschweiften Dächer könnten ursprünglich ein kleines Belvedere getragen haben[61]
Nach Osten und Westen schließt sich jeweils ein fünfachsiger Querbau zu zwei Stockwerken mit abgewalmtem Mansarddach an. Die dreiachsigen Zwerchhäuser bilden hier in Verbindung mit Lisenen eine risalitartige Gliederung aus, ihre Dreiecksgiebel wurden jedoch im frühen 20. Jahrhundert hinzugefügt, ursprünglich waren hier Attiken vorhanden.[62]
An diese Querflügel, die durch ihre Gliederung wie selbständige Baukörper wirken und auch etwas hinter die Fronten der Seitenflügel zurücktreten, schließt sich heute ein jeweils fünfachsiger, einstöckiger Trakt mit Mansarddach an auf den ganz außen wieder ein zweistöckiger Pavillon zu zwei Achsen mit geschweiften Dächern folgen.
Wie erwähnt war der westliche Trakt bereits im 18. Jahrhundert vorhanden, sein Pendant an der Ostseite wurde ebenso wie die ganz außen stehenden Pavillons erst im 19. Jahrhundert hinzugefügt
Das ursprüngliche, asymmetrische Aussehen der Südseite überliefern vor allem genaue Grundrisse des Schlosses die Hofschreiner Jakob Kämpfer 1758 anfertigte.[63] Sie geben zudem teilweise die Nutzung der Räume an und sind die wichtigste Quelle für Raumaufteilung und -nutzung, wie sie nach dem Umbau unter Henriette Amalie bestanden. Zwar entstanden sie 32 Jahre nach dem Tod Henriette Amalies, doch da nach ihrem Tod weiterhin ihre Töchter im Schloss wohnten, kann man von einer gewissen Kontinuität der Raumnutzung ausgehen.
Die Grundrisse lassen zudem erkennen, dass bis heute große Teile der ehemaligen Klosterkirche im barocken Schloss enthalten sind: Die Rundung am östlichen Ende des Nordflügels ist nichts anderes als ihre Apsis, auch Teile der Außenmauern sind noch vorhanden.[64]
Die Nordseite des Schlosses zeigt bis heute eine asymmetrische Gestaltung, die eventuell auch durch die Einbeziehung älterer Substanz entstanden sein könnte. Am Ostende des Nordflügels, neben der Rundung der ehemaligen Apsis, ist ein zweistöckiger Baukörper zu drei mal einer Achse angefügt, am gegenüberliegenden Ende springt ein dreistöckiger, nach Norden aber nur zweiachsiger Bau vor. Zwischen diese beiden Annexe ist eine Terrasse eingefügt, vor der sich die etwa dreieckige Fläche des von hohen Stützmauern getragenen Gartens erstreckt (heute als Blumen- oder Pergolengarten bezeichnet). Ein weiterer Garten liegt auf der Ostseite.
Auf der Westseite befindet sich hinter dem Querflügel ein rechtwinklig angebauter Wirtschaftstrakt, der nach Norden schräg auf das westliche Ende des Nordflügels zulaufende Zwischenraum zwischen Wirtschaftstrakt und westlichem Seitenflügel ist heute ebenfalls als kleine Gartenfläche gestaltet, war im 18. Jahrhundert jedoch offenbar ein Wirtschaftshof.
Die Innere Raumaufteilung des Schlosses ist in einem wesentlichen Punkt vom Umbau unter Henriette Amalie geprägt: Marot hatte ursprünglich den Einbau eines Treppenhauses innerhalb des bestehenden Baukörpers vorgesehen, das man sich wohl in der Achse des heutigen Eingangs zu denken hat. Nachdem jedoch die örtlichen Handwerker Zweifel daran geäußert hatten, dass Änderungen der Raumstruktur ohne Einsturzgefahr möglich wären, kamen der Auftraggeberin Bedenken, die auch Marots Einwände nicht zerstreuen konnten. Daher beschloss Henriette Amalie die Verlegung des Treppenhauses an die westliche Schmalseite und beauftragte einen gewissen Jean (Johann?) Arsten mit der Ausarbeitung von Plänen, die wiederum Marot vorgelegt wurden. Dieser nahm lediglich kleinere Änderungen daran vor und sandte sie zurück.[65]
Zur Unterbringung des Treppenhauses wurde am Westende des Nordflügels eine apsisartige Rundung als Pendant zu der am anderen Ende des Flügels gelegenen Apsis der ehemaligen Klosterkirche angefügt. Da beide mit passenden Helmen mit Laterne versehen wurden, entstand zumindest für einen in südlicher Richtung stehenden Betrachter ein symmetrisches Bild, obwohl die beiden „Apsiden“ in Wirklichkeit unterschiedliche Durchmesser aufweisen.
Man betritt das Corps de Logis durch den Haupteingang in der Mittelachse, der unmittelbar in den auf dem Grundriss von 1758 sogenannten „Vorsaal“[66]. Von hier aus führt in westlicher Richtung ein Durchgang in Richtung Treppenhaus. Östlich, d. h. rechts schließt sich das Marschallzimmer („Ein Saal […], welcher bei der Anwesenheit derer Höchstseeligen Herrschaften Hoheiten zur Marschalltafel emploiret worden.“) an, auf das wiederum der heute sog. blau-goldene Saal folgt („Der blaue Saal […], welcher bei der Anwesenheit der Höchstseeligen Herrschaften Hoheiten zum Speisesaal gebraucht worden.“), ein rechteckiger Raum mit von der ehemaligen Apsis vorgegebenem, halbrundem Abschluss im Osten.
In Richtung Garten, im angebauten Trakt und vom blau-goldenen Saal aus durch eine Tür erreichbar, liegt das sogenannte „Gartenkabinett“das durch Türen in den Schmalseiten Zugang zur Terasse bzw. zum Garten ermöglichte.
Am Westende, neben dem Treppenhaus, lagen zwei „Kavalliers Zimmer“ mit zugehörigen „Kabinentgen“.
Die Treppe ist zweiarmig angelegt, wobei das jeweils auf halber Geschosshöhe liegende Wendepodest in der Rundung des Treppenhausanbaues liegt, jeder Treppenlauf wird mittig noch von einem Ruhepodest unterbrochen.
Im ersten Stockwerk gelangte man von der Treppe aus wiederum über einen gangartigen Durchgangsraum Richtung Osten, wo die Raumaufteilung dem Erdgeschoss entspricht und ein Appartement ausbildet: Zunächst „Die Antichambre“ darauf folgend ein Audienzzimmer und schließlich, über dem Saal gelegen und daher ebenfalls mit halbrundem Abschluss nach Osten „ein Zimmer […] welches Ihro Hoheiten glorwürdigsten Gedächtnißes jederzeit zum Schlafzimmer gebraucht.“ Dieser Raum wird heute als Sommerschlafzimmer bezeichnet. Im nördlichen Anbau, also über dem Gartenkabinett im Erdgeschoss, befinden sich ein Ankleidezimmer und ein Kabinett.
Im Gegensatz zum Erdgeschoss, wo zum Ehrenhof der in Arkaden geöffnete Gang liegt, befinden sich im ersten Stock ebenfalls Räume auf der Hofseite. Der mittlere Raum ist hierbei vom Antichambre zu erreichen, dieses sogenannte „Mohrenzimmer“ ist lediglich eine Fensterachse breit, wobei es sich um die Balkonachse in der Fassadenmitte handelt. Der nach Osten anschließende, dreiachsige Raum ist auf dem Grundriss von 1758 „ein Zimmer welches Ihro Hoheiten, der Höchstseelige Herr bei hiesiger Anwesenheit vor sich innegehabt“. Heute wird dieser Raum als Bibliothek bezeichnet. Den auf der gegenüberliegenden Seite des „Mohrenkabinetts“ anschließenden Raum bewohnte Prinzessin Johanette Agnes, ihre Schwester Henriette bewohnte die im Anbau neben dem Treppenhaus gelegenen Räume, zwei weitere Prinzessinnen (Louise und Casimire) bewohnten jeweils einen Raum im westlichen Seitenflügel mit einem dazwischenliegenden, gemeinsamen Vorzimmer. Henriette Amalies Tochter Sophie Hedwig, verheiratet mit dem Herzog von Mecklenburg-Schwerin, trennte sich nach erheblichen Unstimmigkeiten von ihrem Mann und zog ebenfalls nach Oranienstein, wo sie die Räume im ersten Stock des westlichen Querflügels bewohnte, der fortan als „Herzoginbau“ bezeichnet wurde.[67]
Im ersten Stock des östlichen Seitenflügels befanden sich an das Corps de Logis anschließend „die Gallerie“ (heute als „gelber Saal“ bezeichnet) ein die gesamte Breite des Gebäudeflügels einnehmender Raum der ursprünglich eine Deckenöffnung mit umlaufender Balustrade in das darüber liegende Stockwerk besaß, die heute verschlossen ist.
Auf die Galerie folgte „ein Saal, worinen Ihro Hoheiten Glorwürdigsten Gedächtnißes Ihr Collegium musicum gehalten“ (heute: Grüner Saal), ein Raum der ebenfalls die gesamte Breite des Flügels einnahm. Von diesem Raum aus gelangte man geradeaus in einen Raum in dem der „geheime Rath gehalten“ wurde. Dieser Eckraum war offenbar dem Gedächtnis des Ehemannes der Henriette Amalie, Heinrich Casimir von Nassau-Diez (1657-1696) gewidmet war, da der Kaminmantel seine (heute erneuerte) Büste trägt. Der Deckenstuck des Raumes ist durch Trophäen und Putten mit militärischen Attributen geprägt, womit an die Siege der oranischen Truppen im 80jährigen Krieg erinnert werden soll.[68]Da in diesen Raum Anfang des 20. Jahrhunderts ein Treppenaufgang zur Schlosskapelle eingebaut wurde, wird er heute auch als „Treppenhauskabinett“ bezeichnet.
Sowohl von diesem Raum als auch vom Collegium Musicum aus konnte man in die Schlosskapelle betreten, die den ersten und zweiten Stock des südöstlichen Querflügels einnimmt.
Im Erdgeschoss des Querflügels liegt die Orangerie, im östlichen Seitenflügel befand sich das heute nicht mehr erhaltene Bad. Das Erdgeschoss des westlichen Seitenflügels beherbergte dagegen die Wohnung des Kastellans, im Erdgeschoss des südwestlichen Querflügels und im dahinter liegenden Quertrakt waren Küche, Backstube und weitere Wirtschaftsräume eingerichtet.
Im zweiten Stock des Corps de Logis und lagen Gästeräume, in den Mansarden der Seitenflügel Bedientenkammern, weitere Bedientenkammern fanden Platz im Dachraum des Corps de Logis.[69]
Forschungsstand
Die erste Zusammenfassung der Baugeschichte Oraniensteins veröffentlichte Johannes Weniger 1899.[70] Entsprechend der seinerzeit verhältnismäßig geringen Wertschätzung frühneuzeitlicher Bauten gegenüber mittelalterlichen Denkmälern widmete das 1907 veröffentlichte Kunstdenkmälerinventar dem barocken Schloss nur wenige Seiten.[71]Ausführlicher ging Murk Daniel Ozinga in seiner 1938 veröffentlichten Marot-Monographie auf Oranienstein ein[72], seine Angaben wurden nach dem Zweiten Weltkrieg etwa durch Ludwig Baron Döry in seiner Untersuchung von Stuckdecken des frühen 18. Jahrhunderts im Rhein-Main-Gebiet[73]aufgegriffen. Auch die bislang umfangreichste Arbeit über Oranienstein die Hermann Heck 1967 veröffentlichte, griff darauf zurück, ergänzte sie jedoch durch eigene Archivstudien.[74]
Dass das Schloss Potential für weitere Untersuchungen bietet, zeigen einige neuere Aufsätze die sich auch mit dem historischen Umfeld der Baumaßnahme und der Auftraggeberinnen beschäftigen.[75] Eine umfassende Monographie wäre daher auch im Hinblick auf die Qualität der Ausstattung mit Stuck und Deckenmalereien sehr wünschenswert und wurde angekündigt.[76]
Vorsaal
Der im Grundriss von 1758 als solcher bezeichnete „Vorsaal“[77] der in der Forschungsliteratur als „Empfangssaal“ bzw. „Empfangsraum“[78] figuriert, liegt in der Achse des Haupteinganges in das Corps de Logis und wird direkt durch die Eingangstür betreten. Gegenüber der Eingangstür, d. h. nördlich, führt eine Tür in den Garten, links (westlich) öffnet sich der Vorraum des Treppenhauses. Rechts, d. h. in Richtung Osten, führen außen zwei Türen in das angrenzende Marschallzimmer. Zwischen den beiden Türen springt ein breiter Wandpfeiler vor bei dem es sich um die Rückseite des offenen Kamins im angrenzenden Marschallzimmer handelt.
Deckengemälde: Triumph der Flora
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Entstehungszeit des Deckengemäldes lässt sich bislang nur indirekt belegen, da die Stuckateure, wie erwähnt, von 1707 bis 1709 tätig waren.[14] Aus arbeitsökonomischen Gründen wäre es recht wahrscheinlich, dass Ludovico Castelli die Malerei unmittelbar im Anschluss an die Stuckateurarbeit seines Bruders ausführte. Allerdings wurde bei der letzten Restaurierung eine Vorzeichnung (Sinopia) auf dem Arriccio festgestellt, die längere Zeit offen gestanden haben dürfte, da sie Verschmutzungen aufwies.
Bei der letzten Restaurierung konnte festgestellt werden, dass wohl vor allem um 1960 erhebliche Eingriffe vorgenommen worden waren die größere Schäden beheben sollten. So war eine größere Partie des Putzes (die den rechts neben Flora sitzenden Putto umfasste und von den Beinen des schwebenden Genius bis zur Brust der Flora reichte) einmal komplett abgestürzt und die noch vorhandenen Bruchstücke mit Kunstharzkleber wieder befestigt worden. Darüber hinaus waren erhebliche Übermalungen in Dispersionsfarbe festzustellen, die das Erscheinungsbild beeinträchtigten. Sie wurden abgenommen und die erhaltenen Reste der Originalmalerei retuschiert, wo keine Originalsubstanz mehr vorhanden war erfolgten Ergänzungen. Dies betraf insbesondere die Genien mit Korb und die Putten unter- und oberhalb der Flora.
Technisch handelt es sich um eine Kombination von Fresko und Secco-Technik. Die Malerei liegt auf einem ca. 0,5 cm dicken Intonaco, Tagwerksgrenzen sind nur schwer auszumachen, deutlich erkennbar sind dagegen Putzvorritzungen. Vermutlich wurde den dunkleren Malereipartien Kasein zugefügt, den helleren Kalk.. Der Pinselduktus ist in den helleren Partien der Malerei deutlich zu erkennen.[79]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke des Raumes weist reichen Stuck auf: Die Abgrenzung zur Wand erfolgt über ein kräftiges Gesims, über dessen Ecken fast vollplastische Figuren sitzen, deren Beine über das Gesims herunterhängen während der Oberkörper als flaches Relief auf der Deckenfläche liegt.
Die vier Eckfiguren sind ein deutliches Beispiel für die Übernahme Marot’scher Vorlagen durch die Stuckateure und ihre recht freie Umarbeitung: Zugrunde liegt ihnen ein Stich, der vier frei auf Sockeln stehende, vollplastische Gartenskulpturen präsentiert.[80]Aus diesem geht auch die Deutung der vier Stuckplastiken hervor: In der nordwestlichen Ecke Saturn, in der nordöstlichen eine weibliche Figur mit Krone und zwei Schlüsseln, die teilweise als „Theodissa“, die Verkörperung der Stadt Diez (die Bezeichnung leitet sich vom fränkischen Namen des Ortes ab[81]) gesehen wurde.[82]Nach dem Marot-Stich ist es aber „La Terre“. In der südöstlichen Ecke befindet sich Apollo, in der südwestlichen Diana. Zur Anpassung an die Deckensituation mussten die Stuckateure teilweise die Haltung der Arme ändern, sie nutzten aber auch die sich ergebenden Freiheiten aus durch die etwa die fast verspielt übereinander geschlagenen Beine des Saturn möglich wurden.
Die Ecken der Decke sind durch dreipassförmig geführte Leisten abgetrennt, die innerhalb liegende Fläche ist rosafarben gefasst, so dass sich die Eckfiguren deutlich abheben. Durch die Eckfelder ist vorgegeben, dass die übrige, weiße Stuckatur sowohl an den Längs- als auch den Schmalseiten bis an das Gesims herantritt, auf der Ostseite wird dadurch der vortretende Wandpfeiler geschickt eingebunden. An den Schmalseiten berührt der Stuck das Gesims in jeweils zwei Voluten, dazwischen liegt, wiederum auf rosafarbenem Grund eine leere Kartusche. An den Längsseiten ist der Aufbau ähnlich, jedoch durch sockelartige, kannelierte Elemente verbreitert.
Der Zwischenraum bis zum Rahmen des Mittelfelds ist durch Blütengirlanden gefüllt die von aus Akanthusblättern herauswachsenden Putten gehalten werden.
Das Mittelfeld ist rechteckig mit abgerundeten, leicht nach innen verschobenen Ecken. Diese Form wird zunächst von einem Stuckprofil gebildet, auf das eine tiefe Kehle mit Akanthusblättern folgt so dass die Malerei deutlich tiefer als die übrige Decke liegt.
Flora als Hauptfigur des Deckengemäldes ist leicht nach oben links aus der Bildmitte gerückt. Sie sitzt mit ausgestreckten rechtem Arm auf Wolken, umgeben von drei Putten. Während ein Putto auf Höhe ihres rechten Knies ihr Gewand hält, sitzt ein zweiter neben und etwas hinter ihr, er ordnet eine Blütengirlande die um Flora gelegt ist, hinter ihrem bekränzten Kopf flattern ein rosafarbenes Tuch, hinter ihrem rechten Arm steht der dritte Putto und hält fast triumphierend zwei Blumensträuße in die Höhe.
Oberhalb der Flora schweben zwei weitere Putten, dicht nebeneinander und entgegengesetzt zum Betrachter bzw. ihm zugewandt, beide halten ebenfalls Blumen.
Rechts neben Flora (d. h. zu ihrer Linken) schwebt ein Genius abwärts und greift nach einem mit Blüten gefüllten Korb, den ein zweiter, von links leicht nach oben schwebender oder auf der Wolke kniender Genius hält. Aus dem Korb und zwischen den Flügeln des Genius hindurch zieht sich eine Blütengirlande, die von einem Putto gehalten wird, links hinter ihm ist ein weiterer Putto sichtbar, der einen Kranz hält. Das Motiv der Blütengirlande wird in witziger Form dadurch aufgegriffen, dass der untere Genius das Ende einer solchen im Mund hält.
Komposition und Ansichtigkeit
Das Deckengemälde ist für einen durch die Tür aus dem Ehrenhof hereintretenden Betrachter komponiert. Dabei ist der natürliche Lichteinfall insofern berücksichtigt, als die dunklere Zone des Gemäldes in Form der Wolke unterhalb der Genien zur Gartentür hin liegt, also den Teil des Raums in dem das stärkste natürliche Licht zu erwarten ist. Durch die Verglasung der Tür[83]war zudem ein Ausblick in den Garten möglich, so dass das Motiv der Flora durch den Blick auf tatsächliche Pflanzen aufgegriffen wurde.
Vorlage
Es liegt nahe anzunehmen dass auch der Maler, ähnlich wie seine Brüder, die Stuckateure, Kenntnis von druckgrafischen Vorlagen des Architekten hatte. Zur gleichen Folge, in der sich ein 1708 datierter Stich findet, dem die Decke des Treppenhauses von Schloss Oranienstein entspricht (siehe unten), findet sich auch ein Deckenentwurf mit angedeutetem Gemälde das wohl ebenfalls eine Flora zeigt.[84]
Allerdings sind die Übereinstimmungen ähnlich frei abwandelnd wie bei den Stuckplastiken. So ist zwar auch hier eine sitzende Flora mit entblöstem Oberkörper und flatterndem Tuch/Gewand gegeben, aber im Gemälde liegt das Tuch hinter ihrem Kopf und die Körperhaltung ist ähnlich modifiziert wie bei den umgewandelten Gartenfigurentwürfen. Auch der Putto links hinter Flora ist zwar im Stich vorhanden, im Gemälde hält er jedoch statt des Tuches die Blumensträuße und die Blickrichtung ist geändert. Auch der Blumenkorb taucht im Stich auf, dort jedoch von Putten statt ausgewachsenen Genien gehalten, die Girlande verläuft in die entgegengesetzte Richtung, der haltende Putto ist im Stich weiter oben platziert und greift in den Korb, im Gemälde wurde wiederum die Armhaltung verändert.
Vor allem ist bei Marots Stich durch eine umlaufende Brüstung eine starke perspektivische Wirkung aufgebaut, zudem ist das ovale Bildfeld quer zum Betrachter angeordnet, eine Orientierung, die in Oranienstein aufgrund des rechteckigen Grundrisses zwar möglich gewesen wäre, dann hätte allerdings der Betrachter im Durchgang zum Treppenhaus stehen müssen, eine Ausrichtung auf den vom Ehrenhof Eintretenden wäre nicht umsetzbar gewesen.
Somit konnte Ludovico Castelli lediglich Motive aus dem Stich gewissermaßen herausbrechen, ähnlich wie beim Stuck wurde jedoch hierbei darüber hinaus frei abgewandelt, so dass man eher von einer inspirierenden Grundlage als einer reinen Vorlage sprechen kann.
Marschallzimmer
Der in östlicher Richtung auf den Vorsaal folgende Raum wird in Grundriss von 1758 folgendermaßen bezeichnet: „Ein Saal 22 Schuh lang und 26 Schuh breit, welcher bei der Anwesenheit der Höchstseeligen Herrschaften Hoheiten zur Marschallstafel emploiret worden.“[85]
Der in seinem Abmessungen etwa dem Vorsaal entsprechende Raum besitzt zwei Fenster zur (Nord-) Gartenseite, der Grundriss von 1758 zeigt auf der gegenüberliegenden Seite eine Nische, die offenbar nur durch (nachträgliches?) dünnes Mauerwerk geschlossen ist. Mit dem Vorsaal und dem folgenden Raum, dem Blau-Goldenen Saal bzw. Speisesaal steht das Marschallzimmer durch jeweils zwei in Achse sitzende Türen in Verbindung. Zwischen den Türen der Westwand befindet sich ein offener Kamin mit Marmorgewände, entsprechend tritt, wie im Vorsaal, ein breiter Wandpfeiler vor.
Die vier Türen besitzen identische Supraporten in Stuck, die ebenfalls von Daniel Marots Stichvorlagen angeregt sind.[86] Sie zeigen jeweils drei Vasen bzw. Kannen auf Postamenten, zwischen den Vasen spannt sich eine Blattgirlande. Oberhalb der Gefäße liegt ein kassettiertes Feld, bei dem die perspektivisch verzogenen und mit Blättern belegten Kassetten den Blick in ein stuckiertes Gewölbe anzudeuten versuchen - wobei allerdings unklar ist, ob die nicht korrekte Perspektive beabsichtigt war oder ob der Stuckateur die Stichvorlage nicht richtig verstanden hat.[87]
Deckengemälde: Triumph des Bacchus
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Bezüglich der Entstehung des Gemäldes gilt das bereits für den Nachbarraum gesagte, d. h. die Zeit zwischen 1707 und 1709. Bei der letzten Restaurierung 1993 wurde das Bild in einem recht guten Zustand vorgefunden. Lediglich einige kleinere Risse mussten geschlossen und eine sandende Stelle gefestigt werden.[88]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke des Marschallzimmers wird außerhalb des ovalen Bildfeldes durch den reichen Stuck gegliedert. Die Ecken sind durch viertelkreisförmige, an den Enden in Voluten auslaufende Bänder gegliedert. Ihre perspektivisch gestaltete Felderung macht deutlich, dass hier der Eindruck eines in Bögen geöffneten Kuppelraumes als prägender Gedanke vorgelegen hat, den der rosafarbene Grund des inneren Bereichs betont.[89]
Die Grundidee lässt sich auch an einem Stich Marots wiederfinden, der allerdings für einen quadratischen Raum gedacht ist.[90]Auch weitere Ideen wurden aus diesem Stich unternommen, etwa die in den Raumecken angeordneten Vasen mit darauf sitzenden Putten oder die um das Mittelbild herumlaufende Girlande, die freilich in Oranienstein wesentlich weniger betont ist.
Anders als bei Marot liegen in den „Zwickelfeldern“ zwischen dem Mittelfeld und den „Bögen“ in den Ecken keine vollständigen Reliefs, sondern auf glattem Grund liegende Ornamente wie Akanthusblätter und Schabracken, die ebenfalls diversen Vorlagen Marots verpflichtet sind. Mittig ist jeweils eine weibliche Büste mit Frisur in Zeittracht eingelegt, wobei das westliche Feld wegen des vortretenden Kamins kleiner ausfallen musste, möglicherweise wurde daher das von der Vorlage abweichende Ornament auf glattem Grund gewählt, da dieses Zusammenrücken damit leicht zu bewerkstelligen war.
Um das Gemäldefeld läuft zunächst ein profilierter, in Ricktung der Raumecken jeweils aus- und wieder einspringender Rahmen, auf den eine tiefe Kehlung folgt, ähnlich wie im Vorsaal.
Das Deckengemälde „Triumph des Bacchus“ zeigt den jugendlichen Gott des Weines leicht aus der Mitte gerückt auf einer Wolke. Mit der Rechten greift er auf eine Platte mit Weintrauben der im von einer Bacchantin wehendem rotem Gewand gereicht wird. Im Hintergrund, zwischen den beiden, ist eine weitere Bacchantin sichtbar, die einen Pokal hält und über deren Kopf ein grünes Tuch flattert. Oberhalb schweben zwei Putten, sie halten Weinreben. Weiter außen ist ein weiterer Putto platziert, der vor sich eine Schale mit rauben hält und mit offenem Mund staunend zu Bacchus schaut. Hinter dem Rücken des Bacchus schaut ein Leopard heraus, über ihm flattert das gelbe Gewand des Gottes. Weiter im Hintergrund ist ein Satyr erkennbar, der gierig einen Weinkrug leert. Auf sein Bein stützt sich ein Putto, der offenbar bereits in Folge des Weingenusses eingenickt ist.
Unterhalb und im Vordergrund lagert sich eine weitere Gruppe, die aus zwei Bacchanten, zwei Putten, einem Bacchusknaben und einem weiteren Panther besteht. Einer der Bacchanten, der dem Betrachter den Rücken zuwendet, nimmt von dem Bacchusknaben (der durch das gelbe Schultertuch und den Rebenkranz dem Gott zugeordnet ist) einen Becher entgegen. Neben und unter dem Bacchusknaben liegt ein schlafender Putto auf einem kleinen Fass (?) aus dem Weißwein strömt, dahinter ein Fass mit Trauben und Rebblättern.
Der zweite, rechts sitzende Bacchant hält triumphierend eine Traube in die Höhe, aus dem Hintergrund schaut ein zweiter Leopard.
Komposition und Ansichtigkeit
Das Deckenbild ist auf einen Betrachter ausgerichtet, der mit dem Rücken zum Kamin in der Westwand steht. Dies entspricht auch der Wegerichtung, die aus dem Vorsaal in Richtung des Blau-Goldenen (Speise)saales führt.
Vorlagen
Wie beim Deckengemälde des Vorsaals liegt die Suche in Stichen Daniel Marots an denen sich auch die Stuckateure orientierten nahe. Tatsächlich findet sich der neben Bacchus sitzende, gierig trinkende Bacchant auf dem oben bereits als Vorlage für die Stuckarbeiten der Decke benannten Stich wieder.[90] Weggelassen ist das flatternde Gewand, auch wurde die Figur stark in den Hintergrund verschoben. In ihrer Haltung ist die gleichfalls auf dem Stich sichtbare Figur eines Herkules (?) entfernt dem Bacchus vergleichbar, jedoch mit vertauschter Haltung der Arme und veränderter Kopfhaltung. Die charakteristische Rückenfigur des Bacchanten im Vordergrund des Bildes könnte von einem anderen Marot-Stich inspiriert worden sein.[91]
Gartenkabinett
Vom Marschallzimmer gelangt man durch die beiden Verbindungstüren in den heute sogenannten Blau-Goldenen Saal, laut dem Grundriss von 1758 der Speisesaal. Dieser Raum weist in Richtung Osten einen ungewöhnlichen, halbrunden Abschluss auf der sich durch die in den Schlossbau einbezogene, ehemalige Apsis der Klosterkirche ergab. Die Decke des Raumes ist insofern bemerkenswert, weil sie nach einem Entwurf Marots entstand: „nach dem Dessein, so der Architect Marot gemacht“[92] wie es ein Brief der Auftraggeberin an den Kammerherren Rath in Diez vom 30. Juni 1708 ausdrückt. Da diese Decke keine Malerei besitzt, soll hier nicht weiter auf sie eingegangen werden, auch wenn sie einige Elemente aufweist, die wiederum nicht von Marot stammen dürften.[93]
Deckenmalerei findet sich wieder im sogenannten „Gartenkabinett“[94], das vom Speisesaal aus zugänglich ist. Dieser Raum befindet sich in einem nördlich an den Speisesaal anschließenden Anbau mit rechteckigem Grundriss. Er verfügt durch diese Lage an drei Seiten über Fenster bzw. Türöffnungen zum Garten, wobei heute drei Achsen auf die Nordseite und jeweils auf die Ost- und Westseiten entfallen. Das mittlere Fenster der Nordseite stammt jedoch aus neuerer Zeit, der Grundriss von 1758 zeigt hier einen offenen Kamin der um 1900 noch bestand.[95]
Deckenmalereien: Venus und Adonis / Liebschaften des Zeus
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Wie die Stuckdecken dürfte das Deckengemälde zwischen 1707 und 1709 entstanden sein. 1948 wurde der Restaurator Paul Gessner, Wasenbach, mit der Restaurierung des Deckengemäldes beauftragt. Hierbei war „aus der Mitte des Deckengemäldes ein ungefähr 2 qm grosses Stück herausgebrochen. Diese Stelle war ursprünglich bemalt mit einer weiblichen Figur, dem Kernpunkt des Bildes. Zu sehen von der Frauengestalt waren nur noch ein kleiner Rest des Kopfes, ein Stück des rechten Unterschenkels und einige kleinere Reste des äusseren Gewandes. Da keinerlei Fotos von diesem Gemälde aufzutreiben waren, war ich gezwungen, auf diesen wenigen Resten aufbauend von meinem eigenen Einfühlen und Gutdünken heraus diese weibliche Figur in ihrer Haltung und Geste in das Gemälde hinein zu komponieren.“[96] Diese Ergänzung „in freier Figurenkomposition“[97] wurde laut Aussage des Restaurators in „echter Freskotechnik“ ausgeführt.
In der Restaurierungsphase der frühen 1960er Jahre wurden zahlreiche Injektionsbohrungen in das Gemälde eingebracht um die Stuckdecke durch Hinterspritzen sichern zu können, die anschließend wieder geschlossen und retuschiert werden mussten. Anlässlich der letzten Restaurierung 1993 entfernte man diese Füllungen und Retuschen um sie materialgerecht zu erneuern.
Hierbei zeigte sich, dass die 1949 vorgenommene Ergänzung entsprechend der Beschreibung Gessners bis zur Hälfte des Gesichts der weiblichen Figur reicht, von dort aus folgt sie abwärts dem Rand des Oberkörpers und dem Gewandsaum, läuft ungefähr auf Kniehöhe rückwärts und folgt aufwärts wiederum dem Gewandsaum. Auch die beiden Putten scheinen hierzu zu gehören, ebenso der Kopf bis auf die vordere Gesichtspartie. Starke Ergänzungen und Erneuerungen in Dispersionsfarbe finden sich zudem auch im unteren Bereich. Da hierunter keine alte Malschicht mehr feststellbar war, wurden diese Ergänzungen beibehalten und alle neuen Retuschen als Strichretuschen ausgeführt.
Die originale Malerei liegt auf einem 0,1 bis 0,5 cm dicken Intonaco-Putz auf, der einen sehr glatten Malgrund bildet. Es handelt sich offenbar um eine kombinierte Fresko-Secco-Technik, Tagwerksgrenzen sind kaum erkennbar. Den dunklen Bildpartien wurde Kasein beigefügt, den hellen ein starker Kalkanteil. In flächigen Bildpartien ist ein kurzer, welliger Pinselduktus zu erkennen, in den feinteiligen wie z. B. dem Buschwerk, dagegen eine lasierende Malweise. Teilweise (Architektur) sind Vorritzungen erkennbar.[98]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke des Gartenkabinetts ist ähnlich opulent stuckiert wie des Vorsaals und des Marschallzimmers. Allerdings bildet die Decke eine höhere Voute aus als in den übrigen Räumen, dafür liegt allerdings das Bildfeld hier nicht eingetieft. Möglicherweise sind die eingetieften Bildfelder als nobilitierendes Element zu verstehen, da sie sich nur in der besonders repräsentativen Raumfolge Vorsaal-Marschallzimmer-Speisesaal finden.[99]
Wie in den übrigen Räumen bildet auch hier ein kräftiges Stuckprofil den Abschluss zur Wandfläche, wie im Vorsaal sitzen in den Ecken fast plastische Figuren, hier sogar im Oberkörperbereich freistehender als im Vorsaal, da durch die stärkere Voutenkehlung der Decke mehr Raum in der Höhe zur Verfügung stand. Im Gartenkabinett stellen die vier Figuren, allesamt weiblich, die vier Jahreszeiten dar. In der nordöstlichen Ecke der Frühling, in der südöstlichen der Sommer, südwestlich der Herbst und nordwestlich der Winter. Die den Figuren als Attribute beigegebenen Früchte bzw. Pflanzen (Frühling: Blüten, Sommer: Kornähren; Herbst: Weintrauben; Winter: Zitronen als in der künstlichen Wärme der Orangerie auch im Winter reifende Früchte) finden sich auch in den Girlanden, die neben der jeweiligen Figur von einem „über Muscheln hinwegeilenden Fäunchen“[100] gehalten werden und zur Mitte der jeweiligen Deckenseite reichen, an den Längsseiten hält hier ein weiterer Faun die Girlande
Die Mitte der Decke wird von einem Rahmenfeld gebildet, das an den Längsseiten zweimal, an den Schmalseiten einmal nach außen schwingt, wo es auf Postamenten ruht. An den Schmalseiten ist hier jeweils ein hochovaler Rahmen eingeschoben, der von Palmwedeln begleitet und von einem darübersitzenden Adler an einem Band gehalten wird. An den Längsseiten ist dieses begleitende Bildfeld in die Randzone gerückt, wo es an einem Band aufgehängt wurde. Das querrechteckige, allerdings leicht ein- und ausspringende Hauptbildfeld ist mit einem akanthusbelegten Rahmen eingefasst. Die ovalen bzw. runden Rahmen enthalten jeweils ein Gemälde in Grisaille.
Das (Haupt-) Deckengemälde wurde als „Diana und Apoll“ gedeutet[101], es zeigt jedoch eine eindeutig erotische Atmosphäre: Der den Vorhang zuziehende Putto und seine beiden lauschenden Artgenossen, nicht zuletzt der entblößte Oberkörper der weiblichen Gestalt. Daher dürfte eine andere Deutung zutreffend sein, nämlich Venus und Adonis.[102] Venus will Adonis mit Liebe von der Jagd abhalten, aber er bricht dennoch auf und wird getötet.
Entsprechend spielt sich die Szene im Freien ab, lediglich eine rechts im Hintergrund aufragende Architektur verweist auf die Zivilisation. Venus sitzt links, unter einem Vorhang, den ein in Rückenansicht schwebender Putto zuzieht, der rechts sitzende Adonis weicht vor ihren Annäherungsversuchen zurück. Zwei Putten neben Venus beobachten die Szene, der vordere fordert zum Schweigen auf. Rechts hinter Adonis ist der Muschelwagen der Venus zu erkennen. Die Zugtiere, zwei auf einer unter dem Wagen hervorquellenden Wolke sitzende Tauben, deuten ebenfalls auf Venus hin. Neben Adonis liegen zwei Windhunde, im Vordergrund beschäftigt sich Amor mit einem Jagdhorn.
Als weitere Jagdutensilien liegen ein Bogen und Pfeile bereit, eine Saufeder, auf der Amor sitzt, deutet auf den weiteren Verlauf der Geschichte: Adonis geht trotz Venus Bemühungen auf die Jagd und wird von einem wilden Eber getötet. Amor hat zudem gewissermaßen die Waffen der Liebe (Pfeil und Bogen) gegen Jagdutensilien eingetauscht, was letztlich zum Tod des Geliebten führen wird.
Man kann diese bevorstehende Situation auch auf die Funktion des Gebäudes als Witwensitz beziehen: Nach dem Tod des Geliebten bleibt Venus alleine in der Natur zurück.
Die vier kleinen Bildfelder, die jeweils mittig an den Schmal- bzw. Längsseiten dem Hauptbild zugeordnet sind, zeigen die Liebschaften des Zeus.[103]
Bei den runden (Längsseiten) bzw. ovalen (Schmalseiten) Bildfeldern handelt es sich um Grisaillen. An der Südseite zeigt das Bild eine auf Wolken sitzende weibliche Gestalt in Rückenansicht, sie hält den rechten Arm ausgestreckt, so als wolle sie einen Adler abwehren, der mit ausgebreiteten Schwingen hinter der Wolke auftaucht. In Verbindung mit den übrigen Darstellungen wäre an „Ägina mit Zeus als Adler“ zu denken, wobei Ovid (Matamorphosen VI, 108) erwähnt, dass Zeus sich als Adler der Titanide Asteria genähert habe. Angesichts der Popularität der „Metamorphosen“ käme daher auch diese Deutung in Frage.
Auf der Nordseite findet sich „Leda mit dem Schwan“: Leda sitzt auf Wolken, rechts von ihr steht der Schwan, auf dessen Rücken sie ihre Linke gelegt hat. Mit der Rechten deutet sie auf das Tier.
Im Osten zeigt das Ovalfeld „Danae empfängt Zeus als goldenen Regen“. Sie sitzt auf einer Wolke, nach links schauend, die Arme in einer überraschten Geste ausbreitend, hinter ihr flattert ein zur Bekleidung gehörendes Tuch. Der Himmel wird von aufreißenden, dunklen Wolken gebildet, aus dem Riss in den Wolken fällt der goldene Regen.
Im Westen zeigt das Bildfeld „Antiope und Zeus als Satyr“. Antiope sitzt hier, in ähnlicher Haltung wie Danae auf Wolken, zu ihrer Rechten tritt im Hintergrund Zeus in Gestalt eines Satyrs (erkennbar am Pferderohr) an sie heran, seine Gestalt wird jedoch teilweise vom Gewand Antiopes verdeckt,
Komposition und Ansichtigkeit
Das Hauptbild ist auf einen vor der Nordwand mit Blick nach Süden stehenden Betrachter ausgerichtet, die vier begleitenden kleinen Trabantenbilder sind dagegen jeweils senkrecht zur Wand ausgerichtet und somit für eine Einzelbetrachtung bestimmt.
Die Komposition des Hauptbildes wird im Hintergrund durch eine V-Linie der Baumkronen in der linken Hälfte und dem Hauptgesims der rechts sichtbaren Architektur bestimmt. Die hierdurch entstehende Tiefe wird aber durch einen Baum und Wolken innerhalb der blauen Himmelsfläche wieder stark reduziert. Ebenfalls eine gewisse Unsicherheit verrät die Architektur auf der rechten Seite, deren eigentliche Funktion nicht zu erkennen ist. Das Gebäude müsste, wie die Proportionen und vor allem die an der vorderen Ecke sichtbare Säule zeigen, entweder tief im Erdboden stecken oder auf einem deutlich niedrigeren Geländeniveau stehen. Letzteres freilich scheint nicht der Fall zu sein, da der Maler offenbar nicht in der Lage war, die nach der Geländebeschaffenheit in diesem Fall notwendige Entfernung bildlich zu evozieren.
Vorlagen
Anders als bei den Decken in Vorsaal und Marschallzimmern lassen sich bei der Decke des Gartenkabinetts weniger Abhängigkeiten von Marot feststellen. Hier haben offenbar die Stuckateure stärker auf eigenes Material zurückgegriffen. Dies gilt auch für die Malerei Ludovico Castellis, wobei vermutlich die erwähnten Schwächen in der Komposition gerade dadurch entstanden sein könnten, dass er hier keiner Vorlage folgte. Dabei weisen einzelne Teile des Bildes, z. B. der Jagdhornblasende Amor durchaus eine gewisser Qualität auf, die möglicherweise auf noch unindentifizierte Vorlagen verweist.
Treppenhaus
Das Treppenhaus des Schlosses liegt am westlichen Ende des Corps de Logis. Wie bereits erwähnt, hatte Daniel Marot ursprünglich ein im Inneren des Baukörpers gelegenes Treppenhaus vorgesehen, doch die Auftraggeberin hatte im Januar 1707 geäußerte Bedenken wegen der erheblichen Eingriffe in die Bausubstanz die hierfür nötig gewesen wären. Daher ließ sie Pläne für ein Treppenhaus am Ende des Baukörpers ausarbeiten die Marot zur Stellungnahme übersandt wurden, der Architekt nahm jedoch nur kleinere Änderungen vor.
Leider sind die ursprünglichen Pläne Marots zu Oranienstein bislang nicht aufgetaucht, so dass über das Aussehen des ursprünglich geplanten Treppenhauses nur Spekulationen möglich sind. Allerdings existiert ein 1708 datierter Stich von Marot, dem die Decke des ausgeführten Treppenhauses ziemlich exakt entspricht.[104]
In seiner ausgeführten Form liegt das Treppenhaus, wie erwähnt, am Westende des Corps de Logis. Soweit aus den späteren Grundrissen und dem Augenschein ersichtlich wurde die ehemalige Außenwand des Gebäudes abgebrochen und ein halbrunder Anbau angefügt, der ein Pendant zu der von der ehemaligen Klosterkirche vorgegebenen Rundung am Ostende bildet. Dieser auch von der Bauherrin in ihrem Brief an den Architekten Marot erwähnte Turm[43] nimmt dabei die (somit halbrunden) Wendepodeste der Treppe auf und ist weitgehend in Fenster aufgelöst um das notwendige Licht zuzuführen.
Man erreicht das Treppenhaus vom bereits erwähnten Vorsaal und einen relativ dunklen Vorraum. Die Treppenläufe sind dabei gerade und jeweils durch ein Ruhepodest auf halber Höhe unterbrochen; die Treppenläufe sind an der Nord- und Südwand des Treppenhauses entlanggeführt und werden durch jeweils zwei Konsolen unter den Wendepodesten getragen. Die Wendepodeste liegen, wie erwähnt, im turmartigen Anbau und sind folglich halbrund.
Auf Höhe des Dachgeschossfußbodens ist in den Turm noch eine halbrunde Galerie eingehängt, die zum Treppenhaus hin geöffnet bzw. mit einer Balustrade versehen ist. Da sie die Rundung des Anbaus ausfüllt hat die höher gelegene, eigentliche Treppenhausdecke eine quadratische Form.[105]
Auch wenn die Gestaltung des Treppenhauses als etwas primitiv[106] kritisiert wurde, so ergab sich diese Lösung aus der Forderung, möglichst keine Innenwände des Schlosses auszubrechen. So erklärt sich auch, dass das von den Treppenläufen gebildete Auge relativ schmal ist.
Deckenmalereien: Jupiter und Juno / Apoll / Hermes
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde „Apoll mit der Leier“ wurde in Fresko-Secco-Technik auf einem 0,5cm dicken, feinen Intonaco ausgeführt. Vorritzungen sind erkennbar und entsprechen der ausgeführten Malerei. Helle Partien lassen einen Pinselduktus erkennen und wurden offenbar mit starkem Kalkanteil ausgeführt. Insbesondere das Gewand wies bis zur letzten Restaurierung 1993 starke Übermalungen auf, darunter waren nur geringe Reste der originalen Malerei erhalten. Nach Abnahme der Übermalung wurden die Reste durch Strichretuschen verbunden, unsachgemäße Kittungen (nicht die Figur betreffend) wurden entfernt, sachgerecht erneuert und retuschiert.[107]
Hinsichtlich der Maltechnik entsprach der Befund beim Gemälde „Hermes“, hier waren jedoch stärkere Schäden zu erkennen. Insbesondere das rückwärtig flatternde Gewand aber auch der ausgestreckte Arm wiesen erhebliche Schäden auf, auch im Gesicht waren größere Verluste der originalen Malschicht eingetreten.[108] Sämtliche Schäden wurden retuschiert um ein geschlossenes Gesamtbild zu erreichen.
Beschreibung und Ikonographie
Der quadratische Teil der Treppenhausdecke bildet über einem Gesims eine hohe Kehlung aus. Sie wird auf jeder Seite durch jeweils vier, zu Zweiergruppen zusammengerückte Pilaster gegliedert. Mittig, zwischen diesem Pilastern, liegt eine von Akanthusblättern flankierte Muschel. In der Muschel wächst jeweils ein Putto aus den Akanthusblättern heraus, der einen Korb auf dem Kopf trägt. Die darin liegenden Früchte bzw. Pflanzen lassen erkennen, dass es die vier Jahreszeiten sind: Im Norden Blüten (Frühling), im Osten Ähren (Sommer), im Süden Trauben (Herbst) und im Westen Zitronen (Winter).
In den vier Ecken der Decke sitzen auf Vasen fast vollplastische, weibliche Gestalten, die als „Ruhm, Weisheit, Stärke und Fleiß“ gedeutet wurden. „Da zwei Figuren davon unbekleidet sind und Flügel tragen, könnte man ihre Bedeutung auslegen in himmliche und irdische Mächte, also Fürstentum in Gottes Auftrag.“ [109].
Das mittlere Rundfeld der Decke trägt das Hauptdeckengemälde: Jupiter und Juno (bzw. Zeus und Hera[110]). Jupiter sitzt auf einer Wolke, er hat den rechten Arm drohend erhoben, links neben ihm sind Flammen erkennbar, die wohl für den Blitz als Symbol seiner Macht oder allgemein auf Feuer als sein Attribut verweisen und die er in der Hand seines angewinkelten Arms hält. Im Vordergrund ist der Adler als Symbol göttlicher Macht bzw. den in einen Adler verwandelten Ganymed erkennbar.
Zur Rechten Jupiters sitzt Juno, hier mit freiem Oberkörper dargestellt, hinter ihr ist als Attribut ein Pfau erkennbar. Ihr Blick ist auf Jupiter gerichtet, der seinerseits in die Ferne schaut. Die entblöste Brust könnte ein Verweis darauf sein, dass Juno den Knaben Herkules nährte und aus der dabei vergossenen Milch die Milchstraße entstand.
Neben Jupiter schweben zwei offensichtlich fröhliche Puttern, die einander umfasst halten.
Neben dem Deckengemälde besitzt das Treppenhaus noch zwei kleinere, ebenfalls runde Darstellungen: Auf der Unterseite des Wendepodestes auf halber Höhe zwischen ersten und zweitem Stockwerk und auf der in Dachgeschosshöhe eingeschobenen Galerie.
Die beiden Gemälde liegen in schlichten Stuckrahmen, die Restfläche der jeweiligen Unterseite ist glatt verputzt, lediglich um den Rand läuft ein ebenfalls schlichtes Profil.
Das untere Bild zeigt Apoll mit der Leier, er sitzt auf einer Wolke und wendet sich nach links. In seiner Hand hält er die Leier und schaut sinnend in die Ferne. Die Figur füllt das Rundfeld fast aus, die Stellung der Füße ist wohl in bewusster Anpassung an das Bildfeld gewählt, der rechte Fuß ist gewissermaßen auf den Bildrand abgestützt.
Das auf der Unterseite der Galerie befindliche Deckengemälde zeigt Hermes, er sitzt, nach rechts gewandt, auf einer Wolke und streckt den linken Arm in die Höhe, in der Hand den Caduceus. Sein gelbes Gewand flattert hinter seinem Rücken auf, darunter sitzt ein Putto.
Komposition und Ansichtigkeit
Die drei Deckengemälde sind für einen im Treppenauge stehenden Betrachter gleichzeitig sichtbar. Castelli hat bei der Komposition hierauf insoweit Rücksicht genommen, als die Figuren in jeweils wechselnder Ausrichtung angeordnet sind. Apoll wendet sich nach links, Hermes nach rechts und in der Zeus/Juno Gruppe ist durch den Arm des Zeus ein Akzent in die eine, durch die beiden Putten in die andere Richtung gesetzt.
Auf die unterschiedlichen Entfernungen, die ein im Erdgeschoss stehender Betrachter zu den einzelnen Bildern hat, ist allerdings keine Rücksicht genommen. Letztlich wäre dies auch kaum sinnvoll gewesen, da durch das Aufwärtssteigen des Betrachters auch eine jeweilige Betrachtung aus geringerer Entfernung möglich ist, eine ausschließliche Anpassung an einen im Erdgeschoss stehenden Betrachter wäre wiederum mit Nachteilen für den auf der Treppe stehenden bzw. gehenden Betrachter verbunden gewesen.
Vorlage
Wie erwähnt existiert ein Stich Daniel Marots von 1708, der als Entwurf für die Oraniensteiner Treppenhausdecke bezeichnet wurde.[111] Da der Stich aber keine Ortsangabe enthält, ist nicht sicher nachweisbar, ob der wiedergegebene Deckenentwurf bereits ursprünglich für Oranienstein bestimmt war oder ob er lediglich vom Bauleiter bzw. den Stuckateuren dafür benutzt wurde.[112] Da er jedoch bis auf kleine Abweichungen umgesetzt wurde und nicht nur als Inspiration diente wie es etwa bei den Decken von Vorsaal und Marschallzimmer praktiziert wurde, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass er tatsächlich für Oranienstein entstand.
Die Ausführung unterscheidet sich von dem Stich nur in geringen Punkten: Etwa den vier Eckfiguren, die im Vergleich zu den Vasen größer und plastischer erscheinen als es im Stich wiedergegeben ist. Ebenfalls verändert, in diesem Fall vereinfacht, sind die Zwickel um das mittlere Rundfeld, die in Oranienstein mit einfacheren Ornamenten und ohne die im Stich gezeigten Medaillons (mit im Profil gezeigten Köpfen) gefüllt sind.
Die Datierung des Stichs auf 1708 fällt in die Zeit nach der Anfang 1707 getroffenen Entscheidung, das Treppenhaus an der heutigen Stelle einzubauen. Damit könnte der Entwurf aber noch für die ursprüngliche Treppenhausplanung in Oranienstein bestimmt gewesen sein. Zwar ist nicht bekannt, wie die ursprüngliche Planung aussah, es wäre jedoch denkbar, dass das Treppenhaus an der Stelle des heutigen Vorsaals, also in der Achse des Haupteingangs gedacht war. Es wäre interessant zu wissen, ob das Treppenhaus an dieser Stelle durch alle Stockwerke gereicht hätte oder ob nicht vielleicht nur eine repräsentative Treppenanlage zwischen Erdgeschoss und erstem Stockwerk eingebaut worden wäre. In diesem Fall hätte, möglicherweise, die Decke des Treppenhauses niedriger gelegen, wäre also von der Treppe zwischen Erdgeschoss und erstem Stock aus in geringerer Entfernung zu sehen gewesen.
Auch wenn dies Spekulation bleibt, die in der Ausführung vorgenommenen Änderungen könnten durchaus davon motiviert gewesen sein, dass die Decke für einen auf dem Weg in die Repräsentationsräume befindlichen Besucher aus geringerer Entfernung zu sehen gewesen wäre: Man hätte dann die Eckfiguren plastischer und bewegter ausgeführt weil sie aus größerer Entfernung gesehen werden mussten und die Medaillons um das Mittelfeld wären weggelassen worden, weil man sie aus eben dieser größeren Entfernung gar nicht mehr hätte wahrnehmen können.
Im Kupferstich weicht aber vor allem die Gestaltung des Mittelfelds mit Malerei deutlich ab: Marot zeigt hier den Blick durch eine Öffnung mit umlaufender Balustrade in einen Kuppelraum, in dessen Mitte wiederum durch eine Öffnung der Blick in den Himmel möglich ist - und dieser ist seinerseits leer, so dass es denkbar wäre, dass Marot hier zwar die grundsätzliche Gestaltung vorgeben, ansonsten aber in diesem Detail den Ausführenden die Entscheidung überlassen wollte.[113] Die Ausführung weicht hier nun, man möchte fast sagen: leider, erheblich ab, indem auf den vorgeschalteten Kuppelraum verzichtet und die bildliche Darstellung, die man sich bei Marot in der oberen Kuppelöffnung zu denken hat, das gesamte Bildfeld ausfüllt. Und auch diese Änderung könnte durch die Umplanung notwendig geworden sein: Vom Erdgeschoss aus, bei der nun größeren Höhe des Treppenhauses wäre die notwendigerweise viel kleiner ausgefallene Darstellung in der gemalten Kuppelöffnung kaum mehr lesbar gewesen.
Audienzzimmer
Vom Treppenhaus gelangt man im ersten Stockwerk des Schlosses durch einen an die Treppe anschließenden Vorraum in das anschließende Antichambre[114]. Dieser, in der Literatur auch als „Thronzimmer“[115] bezeichnete Raum gehörte einerseits zu einem in West-Ost-Richtung angeordneten Appartement, gleichzeitig bildet er den Zugang zu drei in Richtung Ehrenhof gelegenen Räumen.
An das Antichambre schließt sich das Audienzzimmer an, ein zur Gartenseite zweiachsiger Raum, wobei die Verbindung durch jeweils zwei Türen hergestellt wird. An der Westwand ein offener Kamin. Die vier Stuck-Supraporten zeigen jeweils zwei rechts und links einer Vase sitzende Putten die eine von der Vase ausgehende Girlande halten und teilweise Musikinstrumente spielen. Als Vorlage dienten auch hier wieder verschiedene, in Einzelmotive zerlegte und neu kombinierte Stiche Marots.[86]
Deckengemälde: Urteil des Paris
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde befand sich vor der letzten Restaurierung in einem desolaten Zustand. Durch die um 1960 vorgenommene Hinterspritzung des Putzes waren zahlreiche Bohrlöcher innerhalb der Malerei vorhanden, die unsachgemäß gekittet und retuschiert worden waren. In der Mitte des Bildfeldes zog sich ein Riss über die gesamte Länge, der sich im Bereich der schwebenden Figur sowie der Paris-Gruppe zu einer bis zu 15 cm breiten Fehlstelle erweiterte, möglicherweise eine bereits ältere Beschädigung[116]. Die unsachgemäßen Kittungen wurden erneuert und die Schadstellen retuschiert. Im Hinblick auf die Maltechnik wurden die gleichen Feststellungen getroffen wie bei den Deckenmalereien des Erdgeschosses.[117]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke des Audienzzimmers weist ebenfalls qualitätvollen Stuck auf, den Übergang zur Wand vermittelt ein schlichtes Profil das unmittelbar an die flache Deckenfläche anschließt. Im Unterschied zu den Erdgeschossräumen bilden die Decken des ersten Stocks keine Voute aus und es finden sich hier auch keine vertieften Bildfelder. Da aus einem Schreiben der Bauherrin hervorgeht, dass die Decken mit Brettern verkleidet werden sollten wodurch die Zimmer niedriger wurden[118], dürfte die Raumhöhe des umzugestaltenden Zimmers nicht mehr ausgereicht haben - bei entsprechender Höhe des Deckenaufbaus wäre das umlaufende Gesims wohl unmittelbar oberhalb der Fensteröffnungen zu liegen gekommen.
Die Stuckdecke zeigt in jeder Ecke eine Kartusche mit den Initialen AA und dem Fürstenhut, die einem Sockel appliziert ist, auf dem eine Vase steht. Aus diesen Vasen wächst eine Blumengirlande, die sich einmal um den Raum herumzieht und von Putten gehalten wird. Eine an den Längs- und Schmalseiten jeweils mittig in Voluten aufgerollte Rahmenleiste trennt ein äußeres Feld ab, das auf den Schmalseiten (d. h. im Norden und Süden) sowie auf der östlichen Längsseite mit Akanthusblättern, Muscheln und Bandlwerk (eines der frühesten Beispiele für dieses Ornaments in Südwestdeutschland[100]) gefüllt sind. An der Westseite fehlt dieses Feld wegen des hier vorspringenden Kamins.
Das hochrechteckige, an den Ecken abgerundete und an den Längsseiten leicht verkröpfte Gemäldefeld zeigt das Urteil des Paris. Er sitzt leicht nach rechts verschoben in der unteren Bildhälfte, durch eine Schäferschippe als Hirte ausgewiesen, er trägt bei freiem Oberkörper ein rotes Gewand und schaut auf den goldenen Apfel, den er in seiner rechten Hand hält.
Zu seiner Linken, leicht im Vordergrund, sitz Hera, gekleidet in ein gelbes Gewand mit blauem, flatterndem Tuch. Zur Rechten des Paris steht Athene, sie schaut nach oben, wo Hermes heranschwebt. Der Götterbote schaut zu Paris und deutet auf Aphrodite, die am linken Rand der Gruppe steht und auf den goldenen Apfel schaut, den Paris in ihre Richtung reicht. Zu Füßen der lediglich in ein gelbes, flatterndes Tuch gehüllten Aphrodite steht Amor mit Köcher und hält triumphierend seinen Bogen hoch. Am linken Bildrand ist im Hintergrund Aphrodites Wagen zu sehen, die beiden Zugtiere, also Tauben, flattern hinter ihr. Als Gegenstück ist auf der gegenüberliegenden Seite ein Hera zugeordneter Wagen sichtbar, davor zwei Pfauen als Begleiter und / oder Zugtiere.
Komposition und Ansichtigkeit
Das Deckengemälde ist auf einen nach Süden schauenden Betrachter ausgerichtet. Da der Raum lediglich auf der Nordseite Fenster besitzt, fällt das Licht entsprechend mit der Blickrichtung des Betrachters. Zudem befindet sich in der Südwand der Zugang zum sog. „Mohrenzimmer“, über das man in weitere repräsentative Räume gelangte. Eine Ausrichtung für einen entsprechend der Hauptraumfolge in Richtung Osten orientierten Betrachter wäre wegen der geringen Breite des Raumes und der damit stark rechteckigen Decke nur schwer umsetzbar gewesen.
Vorbild und Themenwahl
Die auffällige Figur des mit dem Kopf nach unten schwebenden Hermes hat Castelli ganz offensichtlich aus der Szene „Hermes überreicht Paris den goldenen Apfel“ in Annibale Carraccis Deckengemälde in der Galleria Farnese (1597-1600) entlehnt. Allerdings passte er sie der gewissermaßen fortgeschrittenen Handlung an: Hermes hat den Apfel bereits überreicht und deutet nun auf Hera, dementsprechend ist sein Arm ausgestreckt. Etwas unlogisch ging er mit dem Vorbild dahingehend um, dass er den Helm des Hermes wegließ und die Flügel unmittelbar am Kopf des Götterboten befestigte.[119] Die veränderte Position der Posaune, die beim Vorbild fast senkrecht hochragt, dürfte wohl der Versuch gewesen sein, die Haltung natürlicher wirken zu lassen, auch wenn dadurch die Dynamik reduziert wurde.
Auch Paris zeigt gewisse Züge des Vorbildes Caracci, etwa in der Kopfhaltung, jedoch wurde auch diese Figur entsprechend der Handlung abgeändert, da Paris den Apfel nun bereits in der Hand hält und in Richtung Heras reicht.
Die Wahl des Bildthemas „Urteil des Paris“ für das Audienzzimmer ist sicher der Funktion des Raumes als Ort der gerechten Entscheidung über vorgebrachte Bitten geschuldet. Ein interessantes Detail bietet allerdings die Stuckierung: Die in den Ecken angebrachten Initialen AA, die, wie bereits erwähnt, als „Amalia Anhaltina“ gedeutet und damit auf die Auftraggeberin bezogen werden. Sie können jedoch ebenso auf die Erbauerin des Schlosses, Albertine Agnes, bezogen werden. Letztere besaß im Übrigen ein kleinformatiges Tafelgemälde des Paris-Urteils aus der Zeit um 1600 von Hendrick de Clerck, das zur Ausstattung von Schloss Oranienstein gehörte.[120] Da dieses Bild jedoch seit 1697 nicht mehr in Oranienstein war, kann es kaum als Anregung für die Themenwahl gedient haben.
Eher in Frage kommt als Hintergrund die immer wieder virulent werdende Frage nach dem Oranischen Erbe: Durch die Doppeldeutigkeit der Initialen AA wurde einerseits die familiäre Kontinuität und Tradition aufgegriffen, andererseits verwies das Bildthema auf die im Sinne des gerechten Urteils geregelte Erbfolge.
Sommerschlafzimmer
Der auf das Audienzzimmer folgende Raum ist heute als „Sommerschlafzimmer“[103]bekannt. Auf dem Grundriss von 1758 wird er als „Ein Zimmer […] welches Ihre Hoheiten glorwürdigsten Gedächtnißes bei hiesiger Anwesenheit jederzeit zum Schlafzimmer gebraucht“[121] bezeichnet. Lage und Gestaltung des Raumes lassen zumindest vermuten, dass er ursprünglich als Paradeschlafzimmer gedacht war, doch müsste diese Frage durch Auswertung der Schriftquellen geklärt werden.
Der Raum wird heute zur Gartenseite lediglich durch ein Fenster belichtet, der Grundriss von 1758 zeigt hier zusätzlich noch eine Fenstertür, die auf einen umlaufenden Altan führt, der aber schon im 19. Jahrhundert nicht mehr vorhanden war.[122] Ebenso ist heute nur noch eine der beiden Verbindungstüren zum Audienzzimmer vorhanden. Ähnlich wie in den übrigen Repräsentationsräumen waren sie zu beiden Seiten eines offenen Kamins mit Marmorgewände angeordnet, dessen Aufbau bis zur Decke reicht und in den ursprünglich ein Ölgemälde eingelassen war.
Durch zwei freistehende, kannelierte Säulen und passende Wandpilaster ist der östliche Teil des Raumes abgetrennt, so dass der westliche Teil zuweilen als „Vorraum“[123] bezeichnet wurde. Wie der Saal im Erdgeschoss reicht auch das Sommerschlafzimmer bis in die Apsis der ehemaligen Klosterkirche hinein, allerdings trat die Rundung hier ursprünglich wohl nicht in Erscheinung: Der Grundriss von 1758 zeigt jedenfalls eine Trennwand und dahinter, in der eigentlichen Rundung liegend, „das rothe Cabinetgen“, südlich daran anschließend und durch den etwas abgewinkelten Verlauf der Trennwand einerseits und die Apsisrundung andererseits seltsam geformt „ein irregulaires Vor-Cabinetgen“[124]. Im heutigen Zustand ist die Wand zwischen Schlafzimmer und rotem Kabinett durchbrochen, so dass dieses einen Teil des Schlafzimmers bildet und vor allem dessen Belichtung zugutekommt. In nördlicher Richtung gelangte man vom Schlafzimmer aus in zwei Räume, die im Anbau oberhalb des Gartenkabenetts lagen: Ein nicht weiter definiertes Kabinett und ein Ankleidezimmer.[125]Südlich lag zwischen Haupt- und Seitenflügel ein „Vestibule“ von dem aus sowohl die auf der Hofseite des Hauptflügels Räume zu erreichen waren als auch ein Treppenhaus und die Räume des Seitenflügels.
Interessant sind im Zusammenhang mit dem Schlafzimmer Angaben die Johannes Weniger einem Inventar des Schlosses entnommen hat: „Besonders berühmt war das Schlafgemach der Fürstin, dessen mit blauem Plüsch ausgeschlagene Wände sechzehn lebensgroße Familienbilder in schweren Goldrahmen schmückten, während über dem Marmorkamin und über den Türen allegorische Darstellungen eingelassen waren. Die hochragende, schöngeschnitzte Bettstatt mit altlasüberzogenen Kissen und Decken verdeckte ein mit gelbem Atlas abgefütterter blauer Plüschvorhang. Zwölf Lehnsessel, zwei Armstühle, ein Sofa mit Sammetbezügen in den Farben der Wände, ein großer venetianischer Spiegel mit kristallenem Rahmen, unter demselben ein reichvergoldeter Tisch, endlich eine Standuhr vervollständigten die Ausstattung des Zimmers, das noch lange nach dieser Zeit als größte Sehenswürdigkeit des Schlosses galt.“[126]
Damit ist neben der vielteiligen Möblierung des Raumes auch belegt, dass sich hier das Farbschema des darunterliegenden Saales wiederholte.
Deckenmalerei: Flora und die vier Elemente / Vier Grisaillen
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Anfang des 20. Jahrhunderts präsentierte sich der Raum verändert, so war die Säulenstellung zwischen vorderem und hinterem Raumteil verschlossen. Die Wände wiesen seinerzeit gemalte Panneaux mit klassizistischen Jagdemblemen auf.[127] Vermutlich gehörte die die zwischen den Säulen eingezogen Wand zu denjenigen, die bei der Restaurierung des Schlosses vor dem Ersten Weltkrieg wieder beseitigt wurden. Möglicherweise wurde auch bei dieser Gelegenheit die Wand zum hinter dem Saal gelegenen Kabinett ausgebrochen, da man sie für eine nachträgliche Zutat hielt, wobei sie auf dem Schlossgrundriss von 1758 eingetragen ist also wahrscheinlich bereits zum ursprünglichen Bestand gehörte.
Die letzte Restaurierung der Deckenmalerei in den frühen 1990er Jahren erbrachte zwei frühere, wohl aber nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte Restaurierungen mit starken Übermalungen in Dispersionsfarbe sowie zusätzlichen Konturierungen im gleichen Material. Nach der Abnahme zeigten sich vor allem im Kopfbereich des schwebenden Putto aber auch an den beiden unterhalb der Flora schwebenden stärkere Schäden. Die Maltechnik entspricht den übrigen Malereien, wobei hier Tagwerksgrenzen erkennbarer ausgebildet sind.[128]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke des Schlafzimmers wird durch den erwähnten, von zwei Säulen getragenen Unterzug in zwei Hälften getrennt. Die hintere, unter der das Bett aufgestellt war, zeigt in den (wegen der beginnenden Apsisrundung abgeschrägten) Ecken wieder die üblichen, bei Marot entnommenen Motive von Muscheln, Akanthus und Blumenbuketts von denen Girlanden ausgehen, die von tänzelnden Putten gehalten werden. An den Längsseiten halten die Putten dagegen eine Draperie, unter der jeweils eine erwachende Venus liegt. Die Mitte der Decke wird von einem leeren Ovalfeld eingenommen, an dessen Außenseite auf einer Seite eine brennende Fackel und gebündelte Pfeile hängen, an der anderen dagegen ein Köcher und ein Bogen. Somit wird wieder auf den Themenkreis „Liebe“ angespielt.
Die Stuckdecke im vorderen Raumteil zeigt in den Ecken Tugenden als Reliefs: In der Südwestecke Justitia, in der Nordwestecke Fortitudo (mit Kanonenrohr und Löwen). In der Südostecke Prudentia, im Nordosten Temperantia.
Jeweils oberhalb einer Tugend schwebt ein Fürstenhut, der von zwei aus Akanthusblättern herauswachsenden Nymphen gehalten wird. Die Nymphen halten ebenfalls wieder eine umlaufende Girlande, die die Fürstenhüte schmückt und jeweils mittig an allen vier Seiten des zentralen an den Ecken einschwingenden Rahmenfeldes aufgehängt ist. Von dort geht an drei Seiten auch die Aufhängung eines runden Bildfeldes aus, das an der Westseite jedoch wegen des vortretenden Kaminaufsatzes weggelassen werden musste.
Das zentrale runde Feld, umgeben von einem mit Akanthus belegten Stuckrahmen, enthält Castellis Deckengemälde, das z. T. als „Triumpf der Flora“[129], z. T. aber auch als „Triumph der Ceres“[130] gedeutet wurde.
Richtig wird wohl aber die Deutung als Flora sein, da das Füllhorn als Attribut der Ceres fehlt und stattdessen ausschließlich Blumen (und auch keine Feldfrüchte, die bei Ceres zu erwarten wären) dargestellt sind. Flora sitzt mittig im Bildfeld auf Wolken, sie schaut zu einem unterhalb schwebenden, in Rückenansicht gegebenen Putto, der ihr einen Korb mit Blüten darbringt. Mit der Linken weist sie auf eine oberhalb und hinter ihr liegende Nymphe, die in einer Hand einen Blumenstraß hält, mit der anderen aber nach dem Ende einer Girlande greifen will, die eine zweite Nymphe vor sich hält.
Rechts oberhalb schwebt ein Putto, er hält eine brennende Fackel, unterhalb schüttet eine Genie Wasser aus einem Krug, wiederum unterhalb bläst ein Genius einen Luftstrahl aus dem Mund. Links neben und etwas unterhalb der Flora sitzt eine weitere Genie, die mit der linken Hand einen Hammer und eine kleine Glocke emporhält, in der anderen Hand hält sie ein Rohr, das aus dem Bildfeld hinausragt und daher nicht genauer zu deuten ist.
Somit sind wohl die vier Elemente, Feuer (Putto mit Fackel), Wasser und Luft klar erkennbar. Die vierte Gestalt müsste daher die Erde repräsentieren, was sich ergibt, wenn man (neben dem grünen Gewand als Anspielung auf die aus der Erde wachsenden Pflanzen) den Hammer als Verweis auf den Bergbau versteht. Die Glocke wäre demnach ein Produkt aus gefördertem Erz. Diese Deutung ist insofern nicht abwegig, als es im Lahngebiet zu Beginn des 18. Jahrhunderts mehrere Eisenhütten und Bergwerke gab. Da nun auch Feuer (in Hochöfen), Wasser (als Antriebskraft für Gebläse) und Luft für die Metallverarbeitung notwendig sind, könnte das Bild insgesamt einen Verweis auf Gedeihen (Flora) des Landes durch die in der Industrie nutzbar gemachten Elemente bilden.
Somit wird man das Bild wohl korrekt als „Flora mit den vier Elementen“ bezeichnen dürfen.
Schwieriger zu deuten sind die drei runden Bildfelder an den Seiten: Sie zeigen jeweils in Grisaille eine Frauengestalt mit freiem Oberkörper die entweder Blumen im Haar trägt, eine Blumengirlande hält oder einen Blumenstrauß. Abgesehen davon, dass die Darstellungen offenbar stark ergänzt bzw. erneuert sind, lassen sie sich mangels weiterer Attribute nicht weiter deuten, auch wenn die Anzahl von drei Frauen naheliegenderweise an die drei Grazien denken ließe.
Komposition und Ansichtigkeit
Das Deckengemälde ist auf einen vor der trennenden Säulenstellung mit dem Rücken zum Bett stehenden Betrachter ausgerichtet und war wohl auch vom Bett aus erkennbar. Auf die Gegebenheiten des Raums nahm Castelli insofern Bezug, als der das Feuer repräsentierende Putto im oberen, nahe dem Kamin liegenden Bildbereich platziert ist, Luft und Wasser dagegen in Richtung der Fenster verweisen, durch die auch die Lahn zu sehen ist.
Vorlagen
Beim Deckengemälde sind wieder vage Bezüge zu einem Stich Marots nachweisbar: Es handelt sich um einen Deckenentwurf, der ein mittiges Gemälde aufweist.[131]Die aufrecht sitzende Frau hinter deren Rücken ein Tuch aufflattert, nördliches Trabantenbild in Oranienstein, weist gewisse Ähnlichkeit mit der zentralen Figur im Entwurf auf, ebenso findet sich ein ähnlicher Putto mit Korb wie im zentralen Bild unterhalb der Flora.
Die Flora selbst findet sich in ähnlicher Form ebenfalls auf einem Marot-Stich, der Maler hat sie jedoch stärker bekleidet (das Vorbild soll wohl Venus darstellen) und die Haltung des rechten Arms verändert. Bemerkenswert ist dabei, dass die Flora gegenüber Marots Stich gepiegelt wurde[132]- es existiert ein von Jeremias Wolff in Augsburg verlegter Nachstich, der seitenverkehrt ist und damit der Oraniensteiner Darstellung entspricht.[133]Ob Castelli hier nun bewusst die Marot-Vorlage gespiegelt oder einen seitenverkehrten Nachdruck verwendet hat, müsste anhand der Erscheinungsjahre solcher Nachdrucke genauer geprüft werden.
Mohrenzimmer
Der in der Literatur als „Mohrenzimmer“[134] bezeichnete Raum liegt südlich an das Antichambre anschließend in Richtung Ehrenhof. Seine einzige Fensterachse ist die Mittelachse des Baukörpers, eine Fenstertür die auf einen Balkon führt. Der kleine fast quadratische Raum wird auf dem Grundriss von 1758 nur neutral als „Zimmer“ bezeichnet, seine Lage und die Verbindungstüren zu den anschließenden, größeren Räumen macht jedoch deutlich, dass er vermutlich immer schon als Durchgang zu den hofseitig gelegenen Räumen diente. Da sich links wie rechts Räumlichkeiten mit Deckenmalerei, die Bibliothek und das Winterschlafzimmer anschließen, bildete es ein Glied in der Kette von Malereien, die im Antichambre begann und sich zur Hofseite fortsetzte.
Ehemalige Deckenmalerei im "Mohrenzimmer": Puttengruppe
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Ausmalung der Decke des „Mohrenzimmers“ dürfte gleichzeitig mit den übrigen Räumen des Schlosses erfolgt sein. Nach 1962 soll die Malerei „bei einem Deckeneinsturz“ so sehr beschädigt worden sein, dass eine Wiederherstellung nicht möglich war.[135]
Der Putzgrund hatte sich, ebenso wie große Teile des Stucks, vom Träger gelöst und war abgestürzt. Während die Bruchstücke des Stucks wieder angebracht wurden, war dies bei der Malerei angeblich nicht möglich. Zudem soll die Malerei bereits zuvor stark überarbeitet gewesen sein.[136] Daher entschied man sich zu einem kompletten Neuverputz des mittleren Deckenfeldes das heute einen grauen Anstrich aufweist.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke des kleinen Raumes weist in den Ecken die namensgebenden Darstellungen auf: fast vollplastische Büsten von Afrikanern innerhalb von Kartuschen aus Voluten und Akanthusblättern Marot’scher Provenienz. Die Mitte der Decke wird von einem breiten, durch aufgelegte Blüten und Felder gegliederten Rahmen gebildet, die Ecken schwingen viertelkreisförmig ein. Jeweils in der Mitte einer Raumseite steht ein tänzelnder Putto (auf einem Sockel mit Schuppendekor) der mit beiden Hände den Rahmen hält. Damit nahm der Stuck wohl Bezug auf die Malerei, bei der es sich, wie erwähnt, um eine Puttengruppe gehandelt haben soll.
Ob die Afrikanerbüsten in den Raumecken Bezug zur übrigen Ausstattung des hatten, ist unbekannt. Erwähnt sei jedoch, dass zum Hofstaat Henriette Amalies auch ein „Mohr“[137] als Diener gehört haben soll.
Bibliothek
Der in östlicher Richtung an das „Mohrenzimmer“ anschließende, dreiachsige Raum wird heute als Bibliothek bezeichnet[138], ohne dass dafür Quellen genannt würden. Der Grundriss von 1758 bezeichnet den Raum als „Ein Zimmer, welches Ihro Hoheiten der Höchstseelige Herr bei hiesiger Anwesenheit für sich innegehabt“[139]. Damit ist wohl Wilhelm IV. von Nassau-Oranien (1711-1751), der Enkel Henriette Amalies gemeint. Inwieweit er den Raum als Bibliothek oder Arbeitszimmer nutzte, geht aus dieser Bezeichnung freilich nicht hervor und müsste daher genauer untersucht werden.
Der dreiachsige Raum schließt sich östlich an das „Mohrezimmer“ an, auf ihn folgt Richtung Osten noch ein einachsiges Kabinett, das über einen aufwendig stuckierten Kaminaufsatz verfügt, der mit Konsolen zur Aufstellung von Porzellan versehen ist, ebenso wie die Supraporten und die Decke von Marot-Vorlagen beeinflusst.[138]Hinter diesem liegt ein größerer Durchgangsraum, der einerseits die Verbindung zwischen Seitenflügel und Sommerschlafzimmer herstellt, an den sich aber auch östlich ein Nebentreppenhaus anschließt. Da dieses wiederum mit dem Arkadengang im Ehrenhof in Verbindung stand, konnte auch von dort aus ein Zugang zu der im ersten Stock hofseitig gelegenen Raumfolge erfolgen.
Deckengemälde: Die Zeit
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde wurde anlässlich der Restaurierung 1993 genauer untersucht. Ähnlich wie bei den übrigen Malereien waren hier zahlreiche Bohrlöcher durch die Injektionen der Restaurierungsphase um 1960 festzustellen. Die unsachgemäßen Kittungen wurden erneuert und retuschiert, spätere Übermalungen abgenommen. Ebenso entfernte man eine spätere Fixierung (Dispersion?). Die dunkleren Partien der Figuren wiesen unter der Übermalung stärkere Schäden auf, die helleren waren dagegen weitgehend erhalten. Möglicherweise hatte man das Gemälde bereits in früherer Zeit mit einer Fixierung (etwa Kasein) behandelt, da es einen leicht gräulichen Farbton zeigt, der an einigen Partien fehlt während an anderen Stellen Pinselspuren sichtbar wurden.[140]
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke des heute als Bibliothek bezeichneten Raumes besitzt eine, verglichen mit den Haupträumen des Stockwerks, einfachere Stuckdecke. Das Hauptelement der Decke ist ein mehrfach ein- und ausschwingendes Stuckprofil. In den Ecken des Raumes liegen flache Muscheln, ähnlich den übrigen Decken, aber wesentlich flacher angelegt. An den Schmalseiten trägt das Stuckprofil eine Vase mit Blumen, an den Längsseiten stellen Muscheln und Akanthusblätter den Anschluss zu dem ovalen, ebenfalls von einem Stuckprofil gebildeten Mittelfeld her, das das Deckengemälde enthält.
Thema ist „Die Zeit“[141]. Vier weibliche Genien sind auf Wolken gruppiert, links eine Genie mit Blumenstrauß und wehendem, gelbem Tuch. In ihrer Linken hält sie einen Blumenstrauß und deutet mit der Rechten nach außen, wo im Hintergrund der Mond sichtbar ist. Rechts sitzt eine weitere weibliche Gestalt, die mit der Linken einen Mond hält; die Rechte streckt sie nach hinten, wo eine weitere Genie sitzt, der sie eine Glockenblume reicht.
Rechts im Hintergrund, mit rot-weißem Gewand sitzt eine weitere Genie, die eine Sonnenuhr hält. Ganz rechts sitzt eine vierte Genie, die eine Sense und einen Palmzweig hält.
Das Thema „Die Zeit“ dürfte noch weiter zu differenzieren sein, da man die vier Genien auch als die vier Tageszeiten auffassen könnte. Ganz links säße demnach, neben der aufgehenden Sonne, der Morgen, daneben, mit der Mondsichel, die Nacht. Die Figur mit der Sonnenuhr könnte den Mittag darstellen, da die 12 auf der Sonnenuhr deutlich in der Mitte sichtbar und, im Gegensatz zu den übrigen Zahlen, in arabischen Ziffern geschrieben ist.
Die äußerste rechte Gestalt müsste demnach der Abend sein, wobei sich die Deutung auch durch die Blickbeziehungen der Figuren ergibt: Morgen und Nacht schauen sich ebenso an wie Mittag und Abend, somit also jeweils in der zeitlichen Folge.
Sollte die Nutzung des Raumes als Bibliothek bereits für das frühe 18. Jahrhundert zutreffend sein, so wäre das Bild vielleicht als Mahnung anzusehen, die Zeit durch Studium sinnvoll zu nutzen. Allerdings gibt es im Gemälde keine auf den Zweck des Raumes anspielende Darstellungen.
Winterschlafzimmer
Der heute in der Literatur als „Winterschlafzimmer“[142] bezeichnete Raum liegt im ersten Stock des Corps de Logis, zur Hofseite und westlich an das „Mohrenzimmer“ anschließend, so dass er eine Art Gegenstück zur auf der anderen Seite des kleinen Raumes liegenden Bibliothek bildet. Der zum Ehrenhof zweiachsige Raum besitzt in Richtung Westen war Richtung Westen durch eine Verbindungstür an den größeren Nachbarraum angeschlossen, besaß aber auch, über einen kleinen Heizraum von dem aus ein Hinterladerofen beschickt werden konnte, eine Verbindung zum Vorraum des Treppenhauses.
Der Schlossgrundriss von 1758 gibt zu diesem Raum an: „Ein Zimmer […], welches die Höchstseelige Prinzeßin Johannette inne gehabt.“[143]Gemeint ist damit wohl Henriette Amalies Tochter Johanette Agnes (1693-1765), die allerdings zum Zeitpunkt der Planerstellung noch lebte.[144]
Für eine tatsächlich intendierte Verwendung als Winterschlafzimmer spricht neben der nach Süden gerichteten Fensterfront auch der im Plan eingezeichnete Hinterladerofen, der eine wirksame Beheizung des Raums ermöglichte.
Deckengemälde: Ceres
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die letzte Restaurierung des Bildes 1993 erbrachte einen den Übrigen entsprechenden Befund hinsichtlich der Maltechnik. Ähnlich wie im benachbarten Raum, der sog. Bibliothek, waren hier zahlreiche Bohrlöcher vorhanden, hinzu kamen unpassende Übermalungen. Vor allem der Kopfschmuck der Ceres und ihr Gewand wiesen Schäden auf die nach Abnahme der Übermalung zutage traten. Sie wurden entsprechend nach heutigen Grundsätzen retuschiert.[145]
Beschreibung und Ikonographie
Die Stuckdecke des als Winterschlafzimmer bezeichneten Raumes ist gegen die Wände durch ein mit Akanthusblättern belegtes Stuckprofil abgegrenzt. In den vier Ecken nehmen Kartuschen, die oben in eine Art Apsiskalotte auslaufen stehende, weibliche Figuren auf. In der Südwestecke eine Figur mit freiem Oberkörper, die einen Spieß hält und von einem Hund begleitet wird, so dass sie als Diana identifiziert werden kann. In der Südostecke ebenfalls eine weibliche Figur mit freiem Oberkörper, die einen Blumenstrauß in der Hand hält und von einem Putto mit Blumenkorb begleitet wird - somit dürfte es sich um Flora handeln. In der Nordostecke findet sich Minerva, in der Nordwestecke dagegen die von Amor begleitete, weitgehend nackte Venus, die ein flammendes Herz emporhält.
An den Längsseiten zeigen querformatige Kartuschen die Initialen AA, desgleichen kleinere, in ihrer Gestaltung an Dachgauben erinnernde Rundfelder an den Schmalseiten. Hinzu kommt das übliche Dekor mit Blütengirlanden und Akanthusblättern.
Das mittlere Gemäldefeld, ebenfalls der Raumform entsprechend querformatig angelegt, zeigt Castellis Gemälde der Ceres.
Die Göttin, in gelb-weißem Gewand, sitzt auf einer Wolke, nach rechts orientiert. Sie ist durch Ähren in ihrer rechten Hand und ihrem Kopfschmuck identifizierbar. Rechts schweben oberhalb zwei Putten, die etwas übermütig mit Ähren in ihren Händen spielen. Unterhalb erkennt man Früchte, an dem sich ein dritter Putto zu schaffen macht und danach greift. Ceres schaut ihn mit strengem Blick an und ein Finger ihrer linken, auf dem Knie ruhenden Hand, ist ermahnend angehoben. Demnach ist das Bild wohl auch als Aufforderung zur Mäßigkeit und zur sinnvollen Nutzung der Früchte zu sehen.
Bemerkenswert ist, dass die Decke dieses Raumes wie die des Audienzzimmers, das Monogramm AA unter einem Fürstenhut zeigt. Die Tatsache dass hier, wie im Sommerschlafzimmer, weibliche Eckfiguren (dort Tugenden, im Sommerschlafzimmer Göttinnen) im Stuck dargestellt sind, ebenso wie eine weibliche Figur das Deckengemälde dominiert (Flora im Sommerschlafzimmer, Ceres im Winterschlafzimmer) macht die zumindest geplante Nutzung durch die Bauherrin wahrscheinlich. Dass man im Winterschlafzimmer eine Ceres darstellte ist wohl als Verweis auf den kommenden Sommer zu sehen.
Komposition und Ansichtigkeit
Wie das Deckengemälde in der Bibliothek ist auch das im Sommerschlafzimmer auf einen mit dem Rücken zur Fensterseite, d. h. mit Blick nach Norden, stehenden Betrachter ausgerichtet.
Schlosskapelle
Die Kapelle von Schloss Oranienstein liegt im ersten Stockwerk des südöstlichen Querflügels. Wie bereits erwähnt wurde sie erst 1716 eingeweiht, sieben Jahre nachdem Henriette Amalie das Schloss bezogen hatte (1709). Da die erhaltene, in der Forschung bislang nicht ausgewertete Rechnung über den Bau der Kapelle[146] jedoch von Gips spricht, der „von Anfang der Stucador Arbeith biß den 8ten April 1715 zu Coblenz bey dem Müller Breydenbach“ geholt wurde, dürfte der Stuck bis zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt gewesen sein. Den Vertrag mit dem Stuckateur Castelli hatte man am 24. Oktober 1714 abgeschlossen.[147]
Die Baurechnung nennt ferner „dem Fresco Mahler Carl Ludewig Castelly vor die Mahlerey im Plafon 150 [Reichstaler[148]]“ während „dem Stoccador Castilly vor die verfertigte Stoucador-Arbeith 650“ gezahlt wurden.[149] Somit steht fest, dass das Deckengemälde der Kapelle nicht von Jan van Dyck, sondern von Carlo Ludovico Castelli stammt. Van Dyck war in der Kapelle nach derselben Quelle mit der Fassung der Wappen beauftragt und erhielt hierfür 80 Reichstaler.
Spätere Veränderungen des Raumes betrafen vor allem den Abbruch des ehemals am Westende des Raumes gelegenen „Herschaftliche[n] Stuhl[s]“[150]. Dieser etwas erhöhte Einbau[151] unter dem auch eine von einer im Erdgeschoss gelegenen Tür hinaufführende Treppe mündete, war vom Seitenflügel durch die Galerie erreichbar. Einer bei der letzten Restaurierung festgestellten Jahreszahl zu Folge dürften 1884 Ausbesserungsarbeiten an der Decke vorgenommen worden sein.[152]
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die innerhalb des Kapellenraums mündende Treppe (und damit wohl auch der herrschaftliche Stuhl) entfernt und ein neuer Treppenaufgang in dem angrenzenden Eckpavillon eingebaut, das ehemalige Kabinett für den Geheimen Rat auf Höhe der Kapelle verwandelte sich so in ein Treppenhaus.
Ebenfalls noch vor dem ersten Weltkrieg erfolgte eine Restaurierung der Kapelle und vor allem die statische Sicherung ihrer akut vom Einsturz bedrohten Decke. Die Pläne stammten von einem Baurat Berninger, den Stuck in der Kapelle restaurierte „Bildhauer Hirz, Frankfurt/Main“.[28]
In der Restaurierungsphase um 1960 wurde auch die Kapellendecke überarbeitet, wobei wiederum die Firmen Hembus, Dick und Seibel tätig waren.[153] Die bislang letzte Restaurierung wurde im Oktober 1998 vorgenommen.
Deckengemälde: Das Pfingstwunder (Die Ausgießung des Heiligen Geistes)
Wie erwähnt lässt sich durch den Vertrag mit dem Stuckateur und die erhaltene Rechnung über den Kapellenbau feststellen, dass der Stuck und die Deckenmalerei nach Oktober 1714 und vor April 1715 ausgeführt wurden.
Neben den erwähnten Restaurierungen Ende des 19. Jahrhunderts und vor dem Ersten Weltkrieg erfolgte um 1960 und 1998/99 eine Restaurierung der Decke. Die Dokumentation nennt für das Deckengemälde verschiedene Schäden, die nach der Abnahme unpassender Übermalungen in Dispersionsfarbe zutage traten: „bei grünen und blauen Farben nahezu keine bzw. extrem stark reduzierte Originalfassungen. Stark ausgeblichen zeigen sich auch blaue Gewänder […]. Vermutlich handelt es sich hierbei um z. T. instabile Pigmente wie Ultramarine in schlechter Qualität, das zum Vergipsen neigt oder Pigmente mit hohem Bindemittelbedarf, die mit der Zeit den Kontakt zum Feinputz verlieren.“[154]
Im Übrigen entsprach die festgestellte Maltechnik den übrigen Fresken in Oranienstein, so dass deren Zuschreibung an Ludovico Castelli gestützt wird.
„Auffallend war der hohe Oberflächenglanz des Freskos. Die Ausbildung derart kompakter Kalksinter ist als Erklärung kaum ausreichend, vorstellbar wäre eine jüngere Oberflächenfixierung, die sich auch unter den Dispersionsübermalungen findet und sich lösemittelressistent zeigt. In diesem Zusammenhang ist die Restaurierungsphase von 1884 zu beachten. Die Unterschrift des ausführenden W. Seibel ist mit einem matten, kalkähnlichen Material ausgeführt, bei dem es sich möglicherweise um Kalkkasein handelt. Eine damalige Fixierung mit verdünntem Kasein könnte einerseits eine Erklärung für den Oberflächenglanz sein und andererseits zu Folgeschäden wie dem Abplatzen schlecht gebundener Farbschichten geführt haben.“[155]
Da Wilhelm Seibel um 1960 in Oranienstein tätig war, dürfte die genannte Unterschrift eher mit Restaurierungskampagne in dieser Zeit in Verbindung stehen.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke der Kapelle besitzt in den Ecken Stuckkartuschen, in denen sehr feine Reliefs die vier Evangelisten zeigen: In der Nordwestecke Markus, in der Nordostecke Matthäus, in der Südwestecke Lukas und in der Südostecke Johannes. In der Mitte der Längsseiten finden sich Kartuschen mit biblischen Szenen in Relief: An der Nordseite die Beschneidung, an der Südseite die Taufe Christi im Jordan. Jeweils rechts und links sind identische Rahmenfelder mit plastischem, ornamentalem Dekor, offensichtlich von Marot-Vorlagen inspiriert, angeordnet, ebenso jeweils eines in der Mitte der Schmalseite.
An den Schmalseiten folgt hierauf zur Deckenmitte, ein querrechteckiges Relief: Im Osten das Abendmahl, im Westen das Passamahl.
Zwischen diesen Reliefs liegt das längsrechteckige Deckengemälde, es zeigt die Ausgießung des Heiligen Geistes bzw. das Pfingstwunder.
Umgeben von Wolken, auf denen Engel mit bewegten Gebärden sitzen, schwebt die Taube des Heiligen Geistes in einer Art Lichtglorie, unterhalb der Wolken bildet eine perspektivisch gestaltete Architektur den Hintergrund der Szene.
Im Vordergrund schauen verschiedene, in unterschiedliche Trachten gekleidete Personen aus einem Treppenaufgang, wobei sie nur so weit die Treppe hinaufgegangen sind, dass ihre Oberkörper sichtbar werden. Die unterschiedliche Kleidung dieser Personen lässt auf eine Zugehörigkeit zu verschiedenen Volksgruppen schließen, es sind also wohl die Zuschauer, die trotz unterschiedlicher Muttersprachen, die die Apostel verstehen konnten, da diese in fremden Sprachen redeten (Apg. 2, 7-11).
Die Ausstattung der Kapelle ist insgesamt einerseits von dem calvinistischen Bekenntnis der Bauherrin geprägt, andererseits stellt sie aber auch (durch die Wappen) eine Untermauerung der Ansprüche auf die oranische Erbschaft dar.[156]
Die Darstellung des Pfingstwunders im Deckengemälde ist hierbei im Zusammenhang mit den Stuckreliefs zu sehen: Die Reliefs der Längsseiten verweisen dabei auf die Taufe, die der Schmalseiten auf das Abendmahl (bzw.im Sinne der Präfiguration das jeweilige alttestamentliche Gegenstück), also die beiden bei den Reformierten einzig verbliebenen Sakramente. Das Pfingstwunder im Deckengemälde verweist auf die göttliche Gnade, die der Herrschaft zu Teil wird.
Dabei sind die auffällig im Vordergrund, vertieft stehenden, Zuschauer der Szene möglicherweise auch als Verweis auf die aktuelle politische Situation zu sehen: Da es sich bei ihnen gemäß der biblischen Erzählung um verschiedensprachige, da zu verschiedenen Volksgruppen gehörende Personen handelt, könnten sie für die unterschiedlichen Territorien stehen, auf die das Haus Nassau-Diez Anspruch erhob.
Dabei ist daran zu erinnern, dass die Situation nach dem Tode Johann Wilhelm Frisos, dem Sohn Henriette Amalies, 1711 erneut kritisch geworden war. Es lag also nahe, in der wohl gerade um diese Zeit in Angriff genommenen Ausmalung der Kapelle, eine entsprechenden Verweis auf die, freilich zu diesem Zeitpunkt für Henriette Amalie persönlich in weite Ferne gerückten, Ansprüche aufzunehmen.
Komposition und Ansichtigkeit
Die Komposition der Apostel in einem Dreiviertelkreis innerhalb einer perspektivisch gestalteten Architektur folgt einem Schema, wie es seit Raffaels „Schule von Athen“ verbreitet war. Um es dem hochrechteckigen Format anzupassen, fügte Castelli die Wolkenformation mit den Engeln hinzu, was auch inhaltlich, durch die Anbringung der Taube des Heiligen Geistes, notwendig war. Gleiches gilt auch für die ungewöhnliche Situation im Vordergrund mit den vertieft stehenden Zuschauern: Einerseits wurde der zur Formatanpassung verlängerte Fußboden hierdurch belebt, andererseits waren die Zuschauer wohl als Verweis auf die oranischen Lande notwendiger Bestandteil der Darstellung.
Ausgerichtet ist die Malerei naheliegender Weise auf die im Kirchenschiff bzw. dem Herrschaftsstuhl sitzenden Gläubigen.
Vorbild
Bereits erwähnt wurde das, auch im Hinblick auf die Farbigkeit, prägende Vorbild Raffaels. Inwieweit diese Wahl durch die Auftraggeberin oder den Künstler erfolgte, ist bislang nicht bekannt.
Programm und Synthese
Schloss Oranienstein stellt insgesamt ein bedeutendes Beispiel für niederländischen Kulturtransfer dar: Nicht nur in der Person des Architekten, sondern auch darin, dass der Maler ebenso wie sein Bruder, der Stuckateur, auf gestochene Vorlagen des Architekten zurückgriff. Ähnlich wie die Stuckateure nutzte er sie jedoch eher als Inspirationsquelle und verwendete daraus Einzelmotive, teils verändert und in einen neuen Zusammenhang gebracht.
Daneben verwendeten die Stuckateure ebenso wie der Maler allerdings auch italienische Vorlagen, möglicherweise da sie, als aus der Welschschweiz stammend und italienischsprachig, hier über ein "mitgebrachtes" Vorlagenvokabular verfügten.
Die Funktion Oraniensteins als Witwensitz, aber auch als Demonstration des Herrschaftsanspruchs, fand ihren Niederschlag in den Bildthemen: Während die Decke des Gartenkabinetts mit „Venus und Adonis“ auf die Funktion als Witwensitz Bezug nimmt, verweisen „Das Urteil des Paris“ im Audienzzimmer auf die gerechte Herrschaft ebenso wie auf die Bemühungen um eine ebenso gerechte Entscheidung des oranischen Erbfolgestreits. Das Deckengemälde der Kapelle bezieht sich im Sinne der calvinistischen Auftraggeberin auf die Gnade Gottes und die Legitimation der Herrschaft.
Bibliographie
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- Bender-Helfenstein, Schlosskapelle, 2019. - Bender-Helfenstein, Julia: Von Gottes Gnaden. Die Inszenierung dynastischer Legitimation in der Schlosskapelle Oranienstein, in: Strunck, Christina: Faith, Politics an the Arts. Early Modern Cultural Transfer between Catholics and Protestants (=Wolfenbütteler Forschungen 158), Wiesbaden 2019, S. 335-354 u. 375-376.
- Custodis / Storto, Diez, 1987. - Custodis, Paul-Georg / Storto, Fred: Diez an der Lahn mit Schloss Oranienstein (= Rheinische Kunststätten 318), Neuss 1987.
- Dencher, Staircase, 2020. - Dencher, Alexander: Daniel Marot and the “Painted Staircase” in the United Provinces, in: Hoppe, Stephan / Laß, Heiko / Karner, Herbert (Hrsg.): Deckenmalerei um 1700 in Europa. Höfe und Residenzen, München 2020, S. 210-225.
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- Kopp, Urteil, 2017. - Kopp, Laura: Das Urteil des Paris. Eine ikonologische Untersuchung des Paris-Mythos in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts, Karlsruhe 2017. Online unter: https://core.ac.uk/download/pdf/197515315.pdf
- Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler, 1907. - Luthmer, Ferdinand: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Lahngebiets. Oberlahnkreis. Kreis Limburg. Unterlahnkreis (= Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden III), Frankfurt 1907.
- Müller, Fürstinnenschloss, 2012. - Müller, Matthias: Fürstinnenschloss im Benediktinerinnenkloster. Der Neubau von Schloss Oranienstein bei Diez als Sinnbild für fürstlichen Rang und dynastische Tradition, in: Friedhelm Jürgensmeier / Simon Groeneveld (Hrsg.): Nassau-Diez und die Niederlande. Dynastie und Oranierstadt Diez in der Neuzeit (=Veröffentlichungen der historischen Kommission für Nassau 82), Wiesbaden 2012, S. 242-265.
- Ozinga, Daniel Marot, 1938. - Ozinga, Murk Daniel: Daniel Marot De Schepper Van Den Hollandschen Lodewijk XIV-Stijl, Amsterdam 1938. Online unter: https://www.delpher.nl/nl/boeken/view?coll=boeken&identifier=MMKB06:000008571:00009
- Pons, Machtpolitik, 2012. - Pons, Rouven: Territoriale Machtpolitik und dynastische Verwerfung. Streit um die Vormundschaft ab 1717, in: Friedhelm Jürgensmeier / Simon Groeneveld (Hrsg.): Nassau-Diez und die Niederlande. Dynastie und Oranierstadt Diez in der Neuzeit (=Veröffentlichungen der historischen Kommission für Nassau 82), Wiesbaden 2012, S. 152-170.
- Storto, Oranienstein, 1987. - Storto, Fred: Oranienstein. Barockschloss an der Lahn. Geschichte eines Stammschlosses des Niederländischen Königshauses, Koblenz 1987.
- Weniger, Oranienstein, 1899. - Weniger, Johannes: Geschichte des Schlosses Oranienstein, vormaliges Kloster Dirstein, jetziges Kadettenhaus, Diez 1899.
- Woelderink, Oranien, 2012. - Woelderink, Bernard: Oranien, Nassau und Deutschland (1795-1815), in: Friedhelm Jürgensmeier / Simon Groeneveld (Hrsg.): Nassau-Diez und die Niederlande. Dynastie und Oranierstadt Diez in der Neuzeit (=Veröffentlichungen der historischen Kommission für Nassau 82), Wiesbaden 2012, S. 192-212.
Einzelnachweise
- ↑ So Heck, Oranienstein, 1967, S. 8.
- ↑ Müller, Fürstinnenschloss, 2012, S. 262-265.
- ↑ zit. nach Heck, Oranienstein, 1967, S. 10.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 13.
- ↑ Müller, Fürstinnenschloss, 2012, S. 264.
- ↑ Müller, Fürstinnenschloss, 2012, S. 264; Heck, Oranienstein, 1967, S. 21.
- ↑ Die folgende Baugeschichte nach den auf Schriftquellen beruhenden Darstellung bei Heck, Oranienstein, 1967, S. 17-25.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 23-24 verweist auf den geringen Aussagewert der erhaltenen Schriftquellen und das Fehlen von Plänen.
- ↑ Müller, Oranienstein, 2012, S. 248-249.
- ↑ Müller, Oranienstein, 2012, S. 249.
- ↑ 11,0 11,1 Heck, Oranienstein, 1967, S. 29.
- ↑ Die Baugeschichte unter Henriette Amalie nach Heck, Oranienstein, 1967, S. 29-43.
- ↑ Abgebildet bei Heck, Oranienstein, 1967, Abb. 27.
- ↑ 14,0 14,1 14,2 Döry, Stuckaturen, 1954, S. 45.
- ↑ 15,0 15,1 Eiler, Henriette Amalie, 2012, S. 178.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 45.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 48.
- ↑ Dazu Junker-Mielke, Gartenkunst, 2012 mit Abbildungen Farbtafel 29-31.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 49.
- ↑ Woelderink, Oranien, 2012, S. 203-204.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 53.
- ↑ Weniger, Oranienstein, 1899, S. 42-43.
- ↑ Bender-Helfenstein, Schlosskapelle, 2019, S. 338, Anm. 14 ordnet diese Baumaßnahme insgesamt der Zeit Wilhelms V. ab 1801 zu. Heck, Oranienstein, 1967, S. 54 erwähnt, dass auf der Ostseite bereits „unter Wilhelm V.“ ein Pavillon angebaut worden sei. Diese Angabe bestätigt eine Lithographie aus der Zeit um 1825, die auf der Ostseite bereits den Pavillon und den Verbindungstrakt zeigt, das westliche Pendant fehlt hier dagegen und der Querflügel ist noch nicht entsprechend dem östlichen umgestaltet: Jürgensmeier / Groeneveld, Nassau-Diez, 2012, Tafel 25.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 54.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 55 u. Abb. 10. Ein Grundriss des gesamten Ensembles bei Ahrendts, Erweiterungsbauten, 1913, S. 197.
- ↑ Ahrendts, Erweiterungsbauten, 1913, S. 198-199.
- ↑ Vgl. die Angaben bei Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler, 1907, S. 291 der eine Unterteilung des Raumes durch spätere Wände beschreibt.
- ↑ 28,0 28,1 So eine Inschrift in der Kapelle, zit. bei Storto, Oranienstein, 1987, S. 46. Genannt werden darin auch ein Anstreicher Gensch aus Diez und ein Techniker Hastrich.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 55.
- ↑ Storto, Oranienstein, 1987, S. 48 u. S. 49, Anm. 7.
- ↑ Ludwig Baron Döry konnte das Gebäude im Zuge der Recherchen für seine 1954 veröffentlichte Dissertation nicht betreten und musste sich daher bei der Bearbeitung der Oraniensteiner Stuckdecken auf Fotografien im Stadtarchiv Diez stützen: Döry, Stuckaturen, 1954, S. 46.
- ↑ Fotokopien der Rechnungen: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akten Schloss Oranienstein. Ebd. befindet sich auch eine vom Staatsbauamt Diez angelegte chronologische Zusammenstellung der nach den Akten des Staatsbauamtes durchgeführten Bau- und Restaurierungsmaßnahmen.
- ↑ Storto, Oranienstein, 1987, S. 50.
- ↑ Dölling, Oranienstein, 1962, S. 70. Vgl. hierzu die Kopien des Schriftwechsels zwischen den beauftragten Firmen und dem Staats- bzw. Sonderbauamt, Fotokopien in: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, dort auch Fotografien der Stuckarbeiten, die die Firma Hembus anfertigte. Der Inhaber der Fa. Hembus publizierte hierzu auch eine kleine Schrift: Hembus, Julius: Stuck in Oranienstein, Frankfurt 1960 (nicht eingesehen).
- ↑ Im Zusammenhang mit den Deckenmalereien wurden hier die von der beauftragten Firma Ewald Onnen (Bamberg) angelegten schriftlichen und fotografischen Dokumentationen eingesehen: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akten Schloss Oranienstein. Für den Vorzustand der Malereien vgl. auch die in den 1980er Jahren entstandenen Aufnahmen bei Storto, Oranienstein, 1987.
- ↑ Vgl. hierzu ausführlich Müller, Oranienstein, 2012.
- ↑ Bender-Helfenstein, Oranienstein, 2019, S. 354.
- ↑ Jürgensmeier / Groeneveld, Nassau-Diez, 2012, Tafel 27, mit Bezug auf das rekonstruierte Tor des Ehrenhofes wo die Initialen in gleicher Form angebracht sind.
- ↑ Pons, Machtpolitik, 2012, S. 154.
- ↑ Eiler, Henriette Amalie, 2012, S. 176-179.
- ↑ Pons, Machtpolitik, 2012, S. 158.
- ↑ Bender-Helfenstein, Oranienstein, 2019, S. 342.
- ↑ 43,0 43,1 Heck, Oranienstein, 1967, S. 30.
- ↑ https://rkd.nl/explore/artists/353661 (Zu seinem Bruder Antoine mit Verweis auf Jean).
- ↑ Zitat und biographische Angaben nach Pons, Machtpolitik, 2012, S. 165, Anm. 87.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 40.
- ↑ Döry, Stuckaturen, 1954, S. 41-50; Heck, Oranienstein, 1967, S. 37-41.
- ↑ Lebensdaten nach: https://rkd.nl/explore/artists/419392 (als Jan van Dijk). Die Zuschreibung an Jan van Dyck wurde in den 1920er Jahren von Robert Heck vorgenommen und seither weiter übernommen: Heck, Oranienstein, 1967, S. 40-41, zuletzt bei Bender-Helfenstein, Oranienstein, 2019.
- ↑ 49,0 49,1 Heck, Oranienstein, 1967, S. 41.
- ↑ Abgebildet bei Pons, Machtpolitik, 2012, S. 155.
- ↑ Christfürstliches Gedächtnüßmahl dem unvergeßlichen Nachruhm ihrer Hoheit der […] Amalia, verwittibten Fürstin zu Nassau, geb. Fürstin zu Anhalt […], Herborn 1726. Nach Pons, Machtpolitik ein Exemplar in Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 3005, Nr. 485.
- ↑ Heck, Oraniuenstein, 1967, S. 41.
- ↑ Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 171 B, Nr. 1277 II, hier benutzt Fotokopie GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, dabei eine Transskription von Dr, Martina Nath-Eser. Ebd. auch ein Angebot für Restaurierungsarbeiten von dem Ehrenbreitsteiner Maler Niclas Eberhard, 4. Mai 1741, möglicherweise ein nicht berücksichtigtes Konkurrenzangebot.
- ↑ Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 171, Nr. 3049, Bl. 57-58, hier benutzt Fotokopie GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, dabei eine Transskription von Dr, Martina Nath-Eser.
- ↑ Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 171 B, Nr. 1277 II00, o. S., hier benutzt Fotokopie GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, dabei eine Transskription von Dr, Martina Nath-Eser.
- ↑ Specification was die Erbauung der Hoch-Fürstl. Capellen zu Oranienstein gekostet hat: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 171, Nr. Z 3790. Hier zit. nach Fotokopie GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, dabei eine Transskription von Dr, Martina Nath-Eser. Online unter: https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/digitalisatViewer.action?detailid=v114185
- ↑ Vgl. hierzu die unten bei Besprechung der einzelnen Bilder folgenden Angaben nach der Dokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, über die Untersuchung und Restaurierung der Malereien in Oranienstein: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akten Schloss Oranienstein.
- ↑ Müller, Oranienstein, 2012, S. 254.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 33. Die ebd. zitierte Briefstelle eines Diezer Beamten an die Bauherrin berichtet allerdings nur von drei zu erneuernden Pfeilern und Durchbrüchen, so dass möglicherweise auch an Erneuerung oder Erweiterung denkbar wäre.
- ↑ Ozinga, Daniel Marot, 1938, S. 106.
- ↑ Dies deutet zumindest eine um 1825 entstandene Lithographie an: Jürgensmeier / Groeneveld, Nassau-Diez, 2012, Tafel 25. Auf einem Foto um 1880 ist aber der heutige Zustand zu erkennen: Storto, Oranienstein, 1987, Abb. S. 47.
- ↑ Ahrendts, Erweiterungsbauten, 1913, S. 195 mit Abb.
- ↑ Grundriss des Erdgeschosses („Grundriß der ersten Etage“) und des ersten Stocks abgebildet bei Heck, Oranienstein, 1967, hinterer Vorsatz und Tafel. Der Grundriss des 1. Stockwerks auch als Foto bei Bender-Helfenstein, Oranienstein, 2019, S. 340, Abb. 2. Bei Weniger, Oranienstein, 1899, sind als Tafeln Umzeichnungen der Grundrisse aller Stockwerke gegeben, die auf Kopien (?) beruhen, die sich seinerzeit in Weilburg befanden: Weniger, Oranienstein, 1899, S. 18. Die Originale im Königlichen Hausarchiv Den Haag.
- ↑ Sichtbar sind z. B. im Inneren Strebepfe1ler der Kirche: Müller, Oranienstein, 2012, Abb. S. 254.
- ↑ Ozinga, Daniel Marot, 1938, S. 112; Heck, Oranienstein, 1967, S. 30.
- ↑ Die Bezeichnungen im Folgenden nach den reproduzierten Plänen bei Heck, Oranienstein, 1967, Klapptafel und hinterer Vorsatz. Die Bezeichnungen auf der Umzeichnung bei Weniger, Oranienstein, 1899, Anhang, sind sprachlich modernisiert und gekürzt, die Nummerierung entspricht nur teilweise dem Original.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 46.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, Abb. 33; Storto, Oranienstein, 1987, S. 34.
- ↑ Die Grundrisse der beiden Stockwerke als Umzeichnungen bei Weniger, Oranienstein, 1899.
- ↑ Weniger, Oranienstein, 1899.
- ↑ Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler, 1907, S. 285-291.
- ↑ Ozinga, Daniel Marot, 1938, S. 103-117.
- ↑ Döry, Stuckaturen, 1954, S. 43-50.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967.
- ↑ Z. B. Müller, Oransienstein, 2012; Eiler, Henriette Amalie, 2012; Bender-Helfenstein, Oranienstein, 2019.
- ↑ Bender-Helfenstein, Oranienstein, 20129, S. 345, Anm. 1.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, Klapptafel, Nr. 3. Ebenso bei Weniger, Oranienstein, 1899, Anhang.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, Abb. 22; Storto, Oranienstein, 1987, S. 63.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restaurierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 145): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akten Schloss Oranienstein (64669-6). Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Neustadt: edb.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 38. Der Stich ist abgebildet bei Jessen, Ornamentwerk, 1892, S. 44. Hier und im Folgenden wird wegen der leichten Zugänglichkeit dieses Faksimile in Lichtdruck zitiert.
- ↑ Custodis / Storto, Diez, 1987, S. 3.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 138.
- ↑ Ein Foto um 1875 zeigt die Rückfront des Schlosses noch mit originalen, nach niederländischem Vorbild angefertigten (Schiebe-) Fenstern und auch eine verglaste Gartentür: Heck, Oranienstein, 1967, Abb. 9.
- ↑ Abgebildet: Jessen, Onamentstichwerk, 1892, S. 114.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, Klapptafel. Der Raum auch im Grundriss bei Weniger, Oranienstein, 1899, Anhang, als Nr. 4.
- ↑ 86,0 86,1 Döry, Stuckaturen, 1954, S. 48.
- ↑ Döry, Stuckaturen, 1954, S. 48 nimmt eine bewusste Umdeutung an, konnte die Stuckarbeiten aber, wie erwähnt, nur anhand älterer Fotos beurteilen.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restuarierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 147): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein (64669-6).
- ↑ Vgl. hierzu den früheren Zustand, bei dem die Eckfelder nicht als offene „Bögen“ erscheinen, da sie ebenfalls einen farbigen Grund aufwiesen: Storto, Oranienstein, 1987, S. 66-67 (Farbabbildungen).
- ↑ 90,0 90,1 Jessen, Ornamentwerk, 1892, S. 106. Online unter: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/marot1892/0121/image
- ↑ Jessen, Ornamentwerk, 1892, S. 104. Online unter: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/marot1892/0119/image
- ↑ Zit. nach Döry, Stuckaturen, 1954, S. 45.
- ↑ Siehe dazu Döry, Stuckaturen, 1954, S. 47-48; Heck, Oranienstein, 1967, S. 38.
- ↑ So der Grundriss von 1758: Heck, Oranienstein, 1967, Klapptafel.
- ↑ Auf einem Foto der Gartenseite aus der Zeit um 1875 ist an dieser Stelle ein Vorbau zu erkennen der wohl die Feuerstelle aufnahm und von dem aus ein Schornstein aufsteigt: Heck, Oranienstein, 1967, Abb. 9, der Grundriss bei Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler, 1907, S. 299, Fig 252 zeigt ihn ebenfalls noch.
- ↑ Schreiben von Paul Gessner, Wasenbach, an den Landeskonservator von Rheinland-Pfalz, 26.11. 1949 (Fotokopie): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein (64669-10).
- ↑ Dölling, Oranienstein, 1962, S. 67.
- ↑ [3]Schriftliche und fotografische Restuarierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 148): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, Ordner 64669-6. Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Jägers: edb.
- ↑ Döry, Stuckaturen, 1954, S. 48. Döry bezeichnet das Marschallzimmer als kleinen Speisesaal.
- ↑ 100,0 100,1 Döry, Stuckaturen, 1954, S. 49.
- ↑ Storto, Oranienstein, 1987, S. 33. Es ist auffällig, dass alle früheren Bearbeiter sich zur Deutung dieses Bildes nicht äußerten.
- ↑ Für Hinweise und Austausch in dieser Frage sei Ulrike Seeger herzlich gedankt.
- ↑ 103,0 103,1 Storto, Oranienstein, 1987, S. 33.
- ↑ Ozinga, Daniel Marot, 1938, S. 112-113; Jessen, Ornamentsichwerk, 1892, S. 97, online unter: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/marot1892/0112/image
- ↑ Abbildungen dieser Situation bei Heck, Oranienstein, 1967, Abb. 13; Storto, Oranienstein, 1987, S. 56-57 (farbig).
- ↑ Ozinga, Daniel Marot, 1938, S. 113.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restuarierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 142): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein (64669-6). Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Neustadt: edb.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restuarierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 245): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein (64669-6).
- ↑ Storto, Oranienstein, 1987, S. 32.
- ↑ Heck, Oraanienstein, 1967, Abb. 14.
- ↑ Jessen, Ornamentwerk, 1892, S. 97. Online unter: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/marot1892/0112/image. Als Entwurf bezeichnet z. B. bei Dencher, Staircase, 2020, S. 224.
- ↑ So Döry, Stuckaturen, 1954, S. 47: „Sicher führte Coulon Marotsche Stiche bei sich und zwar allermodernste; denn das Blatt, das zur Vorlage des Treppenhausplafonds wurde, ist 1708 bezeichnet.“
- ↑ Diese Interpretation bei Dencher, Staircase, 2020, S. 224.
- ↑ So auf dem Grundriss von 1758 bezeichnet (Nr. 17): Heck, Oranienstein, 1967, hinterer Vorsatz.
- ↑ Döry, Stuckaturen, 1954, S. 49 sowie Abb. 17, die eindeutig die Decke des Audienzzimmers zeigt.
- ↑ Dölling, Oranienstein, 1962, S. 66 erwähnt über Deckengemälde verlegte Leuchtgasleitungen, Breite und Verlauf der Beschädigung könnten darauf hindeuten, dass eine solche Leitung hier die Ursache war.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restuarierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 255): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, Ordner 64669-6. Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Neustadt: edb.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 31 (Zitat). Heck bezieht die Briefstelle auf die Obergeschossräume, da der Brief Kamine betrifft wie sie sich in diesen Räumen bis heute finden.
- ↑ Möglicherweise lag ihm nur eine fehlerhafte oder nicht verständliche druckgrafische Wiedergabe vor.
- ↑ Kopp, Urteil, 2017, S. 346. Das Gemälde demnach heute im Museum Schloss Mosigkau, Dessau, Inv. Nr. 9.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, hinterer Vorsatz, Nr. 13.
- ↑ Das älteste Foto der Gartenseite (um 1875) bei Heck, Oranienstein, 1967, Abb. 9, zeigt ihn nicht mehr. Möglicherweise wurde er bei einer Beschießung des Schlosses 1795 zerstört, die Weniger, Oranienstein, 1899, S. 30 erwähnt.
- ↑ Storto, Oranienstein, 1987, S. 79.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, hinterer Vorsatz, Nr. 8 und 9.
- ↑ Nach dem Grundriss von 1758: Heck, Oranienstein, 1967, hinterer Vorsatz, Nr. 11 und 12.
- ↑ Weniger, Oranienstein, 1899, S. 23.
- ↑ Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler, 1907, S. 291.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restuarierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 259): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, Ordner 64669-6. Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Neustadt: edb.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, Abb. 29.
- ↑ Storto, Oranienstein, 1987, S. 34. Möglicherweise handelt es sich auch um eine Verwechslung mit dem Winterschlafzimmer (siehe unten).
- ↑ Jessen, Ornamentwerk, 1892, S. 112, online unter. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/marot1892/0127/image
- ↑ Jessen, Ornamentwerk, 1892, S. 106, online unter: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/marot1892/0122/image
- ↑ Abgebildet bei Storto, Oranienstein, 1987, S. 28. Dort wird zwar auf Jessens Faksimile der Marot-Stiche als Quelle der Abbildung verwiesen, jedoch mit falscher Seitenzahl (S. 106). Der abgebildete Stich ist jedenfalls der Nachdruck Wolffs.
- ↑ Z. B. Storto, Oranienstein, 1987, S.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 41-42.
- ↑ Schreiben der Fa. Julius Hembus, Frankfurt, an das Staatshochbauamt Diez, Fotokopie in: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein.
- ↑ Storto, Oranienstein, 1987, S. 38, Anm. 17.
- ↑ 138,0 138,1 Storto, Oranienstein, 1987, S. 34.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, hinterer Vorsatz, Nr. 15.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restuarierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 257): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, (64669-6). Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Neustadt: edb.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 42.
- ↑ Heck, Oranienstein, 1967, S. 42. In der schriftlichen Dokumentation der Restaurierungen wird der Raum teilweise auch, seiner heutigen Funktion entsprechend, „Adjutantenzimmer“ genannt.
- ↑ Heck, Oranienstein, hinterer Vorsatz, Nr. 19.
- ↑ Johannes Weniger datierte die Pläne (bzw. Kopien davon) in das Jahr 1768, was mit der Bezeichnung „Höchstseelig“ zusammenpasst.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restuarierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1993 (Raum 250): GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein (64669-6). Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Neustadt: edb.
- ↑ Specification was die Erbauung der Hoch-Fürstl. Capellen zu Oranienstein gekostet hat: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 171, Nr. Z 3790, o. S. Hier zit. nach Fotokopie GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, dabei eine Transskription von Dr, Martina Nath-Eser.
- ↑ Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 171, Nr. Z 3049, Bl.2r-3r. Online unter: https://digitalisate-he.arcinsys.de/hhstaw/171/z_3049/hhstaw_171_nr_z_3049_0004.jpg
- ↑ In der Rechnung sind keine Währungen angegeben. Der Vertrag zwischen dem Bauleiter und Castelli über den Stuck nennt jedoch diese Währung: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 171, Nr. Z 3049, Bl.2r-3r. Online unter: https://digitalisate-he.arcinsys.de/hhstaw/171/z_3049/hhstaw_171_nr_z_3049_0004.jpg
- ↑ Specification was die Erbauung der Hoch-Fürstl. Capellen zu Oranienstein gekostet hat: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 171, Nr. Z 3790, o. S. Hier zit. nach Fotokopie GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, dabei eine Transskription von Dr, Martina Nath-Eser. Online unter: https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/digitalisatViewer.action?detailid=v114185
- ↑ So der Schlossgrundriss von 1758: Heck, Oranienstein, 1967, hinterer Vorsatz, Nr. 1 (Kapelle) und A (herrschaftliche Loge).
- ↑ Bender-Helfenstein, Schloßkapelle, 2019, S. 347 spricht hier von einer „Empore“, der Schlossgrundriss von 1758 lässt erkennen, dass es sich wohl um einen zwar erhöhten, aber nicht auf der Höhe der Geschossdecke zwischen erstem und zweitem Stockwerk gelegenen Einbau handelte.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restaurierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1998/99: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein (64669-6). Der Verfasser bringt diese Maßnahme aber mit dem an anderer Stelle angebrachten Namenszug des Diezer Malers Seibel in Verbindung, dieser war jedoch um 1960 im Schloss tätig.
- ↑ Vgl. hierzu die Unterlagen: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein. Der Namenszug Seibels soll bei der letzten Restaurierung am Deckengemälde festgestellt worden sein: Ebd., Dokumentation der Fa. Ewald Onnen (Bamberg), 1999.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restaurierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1998/99: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein (64669-6). Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Neustadt: edb.
- ↑ Schriftliche und fotografische Restaurierungsdokumentation der Fa. Ewald Onnen, Bamberg, 1998/99: GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Restaurierungsarchiv, Akte Schloss Oranienstein, Ordner Schlosskapelle. Verweist auf eine naturwissenschaftliche Untersuchung der Fa. Neustadt: edb.
- ↑ Bender-Helfenstein, Schlosskapelle, 2019, S. 354.