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Dessau, ehem Residenzschloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Donath, Matthias und Laß, Heiko:Dessau, ehem. Residenzschloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/cdba5699-09ee-43fb-9cc4-d217cce6bb17

Inventarnummer: cbdd10296

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Aus dem 1945 zerstörten Residenzschloss in Dessau wurden bereits um 1777 Decken- und Wandgemälde in das Gotische Haus in Wörlitz transloziert. Sie stammen vermutlich aus dem Tafelgemach, dem Hauptsaal sowie dem Audienzzimmer und wurden von unbekannten Künstlern um 1575 bzw. um 1685 geschaffen.

Das Dessauer Residenzschloss

Kurzbeschreibung und Lage

Das ehem. Residenzschloss in Dessau erhob sich im Südosten der Stadt an der Mulde. Drei unregelmäßige Flügel öffneten sich nach Norden.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das ehem. Dessauer Residenzschloss[1]geht auf einen Bau von 1341 zurück.

Der älteste Teil der heute zerstörte Vierflügelanlage, der Westflügel oder Johannbau, entstand zwischen 1528 und 1533. Er gilt als einer der bedeutendsten Schlossbauten der Frührenaissance im mitteldeutschen Raum.

Die älteren, noch aus dem Mittelalter stammenden Bauteile wurden zwischen 1571 und 1580/83 durch Renaissancebauten ersetzt. Dadurch entstand eine regelmäßige Vierflügelanlage, die 1708 durch den Abbruch des Nordflügels zur Stadt geöffnet wurde. Nachdem Fürst Leopold II. Maximilian von Anhalt (1700–1751) 1747 an die Regierung gelangt war, beauftragte er Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699–1753) mit einer Neugestaltung des Residenzschlosses. Knobelsdorff plante eine Veränderung der Fassaden von Ost- und Südflügel und einen Neubau des Westflügels. Die 1748 begonnene Umgestaltung wurde jedoch aufgrund des frühen Todes des Bauherrn (1751) und des Baumeister (1753) im Oktober 1753 abgebrochen. Die Fassaden waren noch nicht so umgestaltet, wie es Knobelsdorff vorgesehen hatte; die Innenhoffassade des Südflügels blieb gar bis 1795 unverputzt.

Sein Nachfolger Leopold III. Friedrich Franz veranlasste anlässlich seiner Vermählung 1748-53 die Neuausstattung einiger Innenräume im Stil des friderizianischen Rokokos. Alle Decken dieser Bauphase erhielten mit Gold gehöhte Stuckaturen.

Fürst Leopold III. Friedrich Franz (1740–1817) ließ 1766/67 einige Räume (Großer Saal, Rundes Kabinett, Schlafzimmer) durch Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) im klassizistischen Stil ausstatten. Mit dieser Baumaßnahme brach man mit barocken Gestaltungsprinzipien zugunsten des an antiken Vorbildern geschulten Frühklassizismus (vgl. Wörlitzer Schloss).

Ferner ließ Fürst Leopold III. Friedrich Franz (1740–1817) 1776/77 Teile der alten Ausstattung des Residenzschlosses nach Wörlitz bringen und dort im sog. Gotischen Haus einbauen. Diese stammten aus den Paraderäumen, dem Tafelgemach sowie dem Großen Saal.

Im 19. Jahrhundert erfolgten weitere Umgestaltungen im Innern des Schlosses.

1945 ist das Schloss ausgebrannt. Der Ostflügel wurde 1948 abgetragen, der Südflügel 1958 gesprengt. In Resten erhalten sind lediglich der so genannte Johannbau sowie die nach Wörlitz translozierten Ausstattungsreste.[2]

Translozierte Deckenmalerei aus dem Tafelgemach des Dessauer Residenzschlosses

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die erhaltene Malerei aus dem Tafelgemach wurde für Fürst Joachim Ernst von Anhalt um 1575 geschaffen. Der Künstler ist unbekannt. 1776/77 wurde sie ausgebaut und in Wörlitz im Gotischen Haus im so genannten Zweiten Eingangsraum wieder eingebracht.[3]

Beschreibung und Ikonographie

Es handelt sich um Reste einer Kassettendecke. Von vermutlich ehemals zehn in die Kassetten eingelassenen Gemälden haben sich vier erhalten. Sie zeigen Sibyllen, und zwar die Eritreische Sibylle, die Persische Sibylle, die Cumanische Sibylle und die Cumaeische Sibylle. Die Sibyllen sitzen im Freien. Ihnen sind Tafeln mit Erläuterungen beigegeben.[4]

Vorlagen und Vergleiche

Die vier überlieferten Darstellungen folgen einer Serie von zehn Kupferstichen mit Sibyllendarstellungen, die Philipp Galle nach Entwürfen von Philipp Blocklandt 1575 in Antwerpen schuf. Die Namen und auch die erläuternden Inschriften sind von den Vorlagen übernommen.[5]

Translozierte Deckenmalerei aus dem Großen Saal des Dessauer Residenzschlosses

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die erhaltene Malerei aus dem zweigeschossigen Großen Saal wurde für Fürst Joachim Ernst von Anhalt um 1575 geschaffen. Der Künstler ist unbekannt. 1776/77 wurde sie ausgebaut und in Wörlitz im Gotischen Haus im so genannten Zweiten Eingangsraum wieder eingebracht. Auch die geschnitzten Tugenden in den Kartuschen unter der Decke stammen wohl aus dem Saal.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Aus dem Großen Saal sind sechs Gemälde erhalten: Moses, Johannes der Täufer, Petrus, Paulus, Adam, Eva. Adam und Eva sind Identifikationsporträts von Fürst Joachim und seiner Frau Agens von Barby.[7]

Translozierte Deckenmalerei vermutl. aus dem Audienzzimmer d. Dessauer Schlosses

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die erhaltene Malerei stammt vermutlich aus dem Audienzzimmer des Schlosses und wurde für Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau um 1685 geschaffen. Der Künstler ist unbekannt. 1748/51 wurde sie entfernt und 1776/77 in Wörlitz im Gotischen Haus im so genannten Gartensaal wieder an die Decke gebracht.[3] [8]

Beschreibung und Ikonographie

Es handelt sich um ein Ölgemälde auf Holz und stellt eine Apotheose der Häuser Oranien und Anhalt dar. Auf Wolken haben sich verschiedene Personen niedergelassen. Zu identifizieren sind im Vordergrund Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau sowie sein Schwager Wilhelm II. von Oranien und sein Schwiegervater Georg Friedrich von Oranien. Hinzu kommen weitere Personen sowie Personifikationen, von denen die zentrale Fama, die drei Grazien, Caritas, Herkules und Mars sowie Minerva zu bestimmen sind.[9]

Baugeschichte

Das Dessauer Stadtschloss wurde am 7. März 1945 beim Luftangriff auf Dessau durch Spreng- und Brandbomben schwer beschädigt. Die stark beschädigten Flügel wurden nach Kriegsende – mit Ausnahme des ausgebrannten Johannbaus – abgerissen (1948 Ostflügel, 1958 Südflügel). Daher sind heute keine Elemente der barocken Ausstattung mehr erhalten. Lediglich historische Text- und Bildquellen geben einen Einblick in die Bau- und Ausstattungsgeschichte des Schlosses. Demnach gab es im Dessauer Residenzschloss keine barocken Deckenmalereien, sondern lediglich Rokoko-Stuckaturen.

Das 1945 zerstörte Residenzschloss ist aus einer Vierflügelanlage hervorgegangen, deren ältester Teil, der Westflügel oder Johannbau, zwischen 1528 und 1533 entstand. Er gilt als einer der bedeutendsten Schlossbauten der Frührenaissance im mitteldeutschen Raum. Die älteren, noch aus dem Mittelalter stammenden Bauteile wurden zwischen 1571 und 1580/83 durch Renaissancebauten ersetzt. Dadurch entstand eine regelmäßige Vierflügelanlage, die 1708 durch den Abbruch des Nordflügels zur Stadt geöffnet wurde. Nachdem Fürst Leopold II. Maximilian von Anhalt (1700–1751) 1747 an die Regierung gelangt war, beauftragte er Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699–1753) mit einer Neugestaltung des Residenzschlosses. Knobelsdorff plante eine Veränderung der Fassaden von Ost- und Südflügel und einen Neubau des Westflügels. Die 1748 begonnene Umgestaltung wurde jedoch aufgrund des frühen Todes des Bauherrn (1751) und des Baumeister (1753) im Oktober 1753 abgebrochen. Die Fassaden waren noch nicht so umgestaltet, wie es Knobelsdorff vorgesehen hatte; die Innenhoffassade des Südflügels blieb gar bis 1795 unverputzt. Innen jedoch hatte man die Repräsentations- und Audienzräume, die fürstlichen Wohnräume und die Gästegemächer zwischen 1748 und 1753 im Stil des friderizianischen Rokoko umgestalten können. Alle Decken dieser Bauphase erhielten mit Gold gehöhte Stuckaturen.

Fürst Leopold III. Friedrich Franz (1740–1817) ließ 1766/67 einige Räume (Großer Saal, Rundes Kabinett, Schlafzimmer) durch Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) im klassizistischen Stil ausstatten. Mit dieser Baumaßnahme brach man mit barocken Gestaltungsprinzipien zugunsten des an antiken Vorbildern geschulten Frühklassizismus (vgl. Wörlitzer Schloss). Im 19. Jahrhundert erfolgten weitere Umgestaltungen im Innern des Schlosses.

Deckengestaltung - Stuckaturen

Der genaue Umfang und die genaue Lage der Räume, die um 1750 barocke Stuckaturen erhielten, ist nicht bekannt und kann aufgrund der Kriegszerstörung vor Ort nicht nachgeprüft werden. Die (nur knappen) Beschreibungen von Marieluise Harksen 1937 und die erhaltenen Fotoaufnahmen lassen auf folgenden Bestand schließen:

Thronsaal: In die Roncaillen der Decke waren Kraniche sowie Krone, Feldherrnstab und Schwert eingefügt.

Königszimmer: Die Roncaillen waren mit Spinnennetzen, fliegenden Schwänen und Traubenkörben verbunden

„Zimmer mit Hoppenhaupt-Stukkaturen“: Nur Abbildung in Harksen 1937, Tafel 47, ohne Lokalisierung.

„Kabinett“: Nur Abbildung in Harksen 1937, Tafel 47, ohne Lokalisierung.

Datierung und künstlerische Einordnung

Aufgrund der Überlieferung zur Baugeschichte des Schlosses müssen die Roncaille-Stuckdecken zwischen 1748 und 1753 entstanden sein. Sie ordnen sich in den grundlegenden Umbau ein, den Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff plante. Knobelsdorff gab auch die wesentlichen Dekorationen vor, überließ die Ausführung jedoch anderen Künstlern, die dabei eine gewisse Freiheit genossen. Zur ausführenden Werkstatt liegen keine archivalischen Quellen vor. Harksen schreibt: „Deutlich zeigen sie den Stil Hoppenhaupts“. Davon wurde eine Zuschreibung an Johann Michael Hoppenhaupt den Älteren (1707–nach 1755) abgeleitet, der zwischen 1746 und 1757 die Wand- und Deckendekorationen des Schlosses in Zerbst (1945 zerstört) ausführte. Er gilt als Dekorateur, der den Stil des Friderizianischen Rokoko wesentlich prägte. Czerannowski schränkt diese Zuschreibung stark ein: „Ob die Stukkaturen von Johann Michael Hoppenhaupt d. Ä. stammen, der 1746-1757 beim Schlossbau in Zerbst beteiligt war, kann nur vermutet werden.“ (S. 41, Anm. 129). Ein stilistischer Vergleich könnte nur über die wenigen erhalten Fotografien erfolgen, da beide Vergleichsbauten zerstört sind.

Bibliographie

  • Czerannowski, Schloss zu Dessau, 2006. –Czerannowski, Barbara: Das Schloss zu Dessau. Eine Baugeschichte. In: Hans Wilderotter (Red.): „Schauplatz vernünftiger Menschen“. Kultur und Geschichte in Anhalt-Dessau. Berlin 2006, S. 17–42.
  • Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999. – Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt 2, Regierungsbezirke Dessau und Halle, bearb. von Ute Bednarz u.a.). München/Berlin 1999.
  • Dülberg, Eingangsraum, 2015. – Dülberg, Angelika: Die Gestaltung des zweiten Eingangsraumes im Gotischen Haus mit Gemälden und Reliefs aus dem Dessauer Residenzschloss. in: Weiß, Thormas (Hg.): Cranach im Gotischen Haus in Wörlitz (Kataloge und Schriften der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, 35). Dessau/München 2015, S. 37-46.
  • Grote, Ludwig: Beiträge zur Frage: Knobelsdorff und das friderizianische Rokoko, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte 1935, S. 51-55, hier S. 52.
  • Harksen, Dessau, 1937. – Harksen, Marie-Luise (bearb.): Die Stadt Dessau (Die Kunstdenkmale des Landes Anhalt, 1). Burg b. M. 1937.
  • Harksen, Wörlitz, 1939. – Harksen, Marie-Luise (bearb.): Stadt, Schloß und Park Wörlitz (Die Kunstdenkmale des Landes Anhalt, 2.2). Burg b. M. 1939.
  • Reinhard, Gotische Haus, 1985. – Reinhard, Alex (bearb.): Das Gotische Haus im Landschaftspark Wörlitz. Wörlitz 1985.
  • Streichhan, Anneliese: Knobelsdorff und das Friderizianische Rokoko, Burg bei Magdeburg 1932, S. 90.

Einzelnachweise

  1. Czerannowski, Schloss zu Dessau, 2006; Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 124-125; Harksen, Dessau, 1937, S. 68-74.
  2. Dülberg, Eingangsraum, 2015, S. 37; Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 124; Harksen, Dessau, 1937, S. 68-70.
  3. 3,0 3,1 Dülberg, Eingangsraum, 2015, S. 37.
  4. Dülberg, Eingangsraum, 2015, S. 38; Reinhard, Gotische Haus, 1985, S. 16; Harksen, Wörlitz, 1939, S. 121.
  5. Dülberg, Eingangsraum, 2015, S. 39.
  6. Dülberg, Eingangsraum, 2015, S. 37-39; Reinhard, Gotische Haus, 1985, S. 16.
  7. Dülberg, Eingangsraum, 2015, S. 43.
  8. Harksen, Wörlitz, 1939, S. 119.
  9. Dehio, Sachsen-Anhalt II, S. 892-893; Reinhard, Gotische Haus, 1985, S. 31-32; Harksen, Wörlitz, 1939, S. 119.