Düsseldorf, ehem Gemäldegalerie
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Vermutlich aus der Gemäldegalerie haben sich drei Deckenbilder erhalten, die Herkules, Merkur und Apoll zeigen sowie zum einen Kurfürstin Anna Maria Luisa de‘ Medici mit Minerva und zum anderen ihren Triumph. Ehemalige Deckengemälde aus dem Treppenhaus und dem Entree sind grafisch überliefert.

Die ehem. Düsseldorfer Gemäldegalerie
Kurzbeschreibung und Lage
Das Galeriegebäude[1] war eine zweigeschossige Dreiflügelanlage, die unmittelbar im Süden an das Residenzschloss in Düsseldorf angrenzte. Sie diente überwiegend der Präsentation der kurfürstlichen Gemäldesammlung.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Gebäude wurde 1710-14 für Kurfürst Johann Wilhelm und seine Frau Anna Maria Luisa de’ Medici als Kurfürstliche Galerie errichtet. Die Pläne stammten von Matteo Alberti, die Ausführung erfolgte durch Jacob du Bois. 1805 wurde die Kunstsammlung größtenteils entfernt, das Gebäude diente ab 1821 der Kunstakademie Düsseldorf. 1879 gelangte das Gebäude an die Stadt Düsseldorf, die 1881 zwei Flügel abreißen ließ. Reste des Ostflügels haben sich im Gebäude am Burgplatz 2 erhalten.
Beschreibung
Die zweigeschossige Dreiflügelanlage öffnete sich mit dem Hof nach Nordosten. Sie wurde im Norden vom Ende des Seitenflügels aus betreten, wo ein zweiläufiges Treppenhaus das Obergeschoss erschloss. Hier gab es auch einen direkten Zugang vom Residenzschloss.
Schrift- und Bildquellen
Wichtige Quelle ist das von Nicolas de Pigage 1778 veröffentlichte Werk über die Galerie, da in ihm auch grafische Wiedergaben der verlorenen Wand- und Deckengemälde aus dem Treppenhaus und dem folgenden Entree enthalten sind.[2]
Die erhaltene Deckenmalerei aus dem ehem. Antikensaal
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei aus dem ehemaligen Antikensaal im Ostflügel der Gemäldegalerie hat sich transloziert im Rathaus an der Decke der so genannten Barockgalerie erhalten, wo sie sich seit 1960 befindet. Sie stammt vermutlich von Domenico Zanetti. Ob sie ursprünglich für den Antikensaal geschaffen wurde oder ob sie zur Ausstattung des Residenzschlosses gehörte, ist unbekannt. Da nur zwischen zwei Darstellungen ein inhaltlicher Zusammenhang besteht, ist es möglich, dass die Gemälde von unterschiedlichen Orten stammend, sekundär an die Decke des Antikensaals gebracht wurden.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Paul Clemen schreibt 1894: „Der grosse Hauptsaal, der ehemalige Antikensaal, enthält noch die alten Deckengemälde, von einem der italienischen Hofkünstler Johann Wilhelms ausgeführt. Die Decke ist in drei Felder zerlegt. In dem mittleren Medaillon wird die Kurfürstin Maria Anna nackt von Minerva in den Olymp eingeführt. Vor dem Throne sitzt eine andere Göttin, die ihr eine Krohne entgegenstreckt. Im ersten Felde die Kurfürstin, von Minerva auf eine Bergeshöhe geleitet; Engel halten über ihr den Kurhut; darüber schwebt ein Genius mit der Posaune. Im letzten Felde der Triumph der Kurfürstin, die auf Wolken emporschwebt, von Putten und allegorischen weiblichen Gestalten umgeben.“[4] Das mittlere Bild zeigt tatsächlich, wie Merkur den Herkules zu Apoll führt.[3]
Merkur geleitet Herkules zu Apoll
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das ovale Deckengemälde wurde wohl zwischen 1695 und 1715 geschaffen, vermutlich von Domenico Zanetti. Der ursprüngliche Anbringungsort ist unbekannt. Ende des 19. Jahrhunderts war es an der Decke des ehemaligen Antikensaals angebracht, seit 1960 befindet es sich in der Barockgalerie des Rathauses von Düsseldorf. Es ist mehrfach übermalt worden.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde zeigt links einen jungen Herkules mit Löwenfell und geschulterter Keule. Er wird von Merkur geleitet. Dieser trägt einen Flügelhelm und Flügelschuhe. Er verweist Herkules auf die Bildmitte, wo ihm vom auf Wolken thronenden Apoll eine Krone entgegengehalten wird. Apoll trägt einen Lorbeerkranz und hat eine leuchtende Brust. Hinter ihm ist ein Obelisk oder eine Pyramide auszumachen, was ein Verweis auf die Beständigkeit sein könnte. Unten vertreibt eine Putte mit einer Fackel diverse Laster wie die schlangenhaarige Missgunst. Damit wird der obere Bereich zu einem Ort der Tugend.[5]
Minerva geleitet die Kurfürstin
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde wurde wohl zwischen 1695 und 1715 geschaffen, vermutlich von Domenico Zanetti. Der ursprüngliche Anbringungsort ist unbekannt. Ende des 19. Jahrhunderts war es an der Decke des ehemaligen Antikensaals angebracht, seit 1960 befindet es sich in der Barockgalerie des Rathauses von Düsseldorf.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde zeigt die Anna Maria Luisa de‘ Medici auf dem Weg zum Olymp. Sie nähert sich von rechts der links mit dem Rücken zu den Betrachtenden stehenden Minerva. Zwischen beiden befindet sich eine dritte Frau. Zwei Putten halten einen Kurhut über dem Kopf der Anna Maria Luisa. Über der Gruppe schwebt Fama, um den Ruhm der Kurfürstin zu verkünden. Die Bedeutung der Gruppe über Fama bleibt unklar. Der Löwe bei den Putten unten dürfte sich auf das Wappentier der Pfalz beziehen – oder er soll allegorisch auf die Großmut der Kurfürstin verweisen.[6]
Der Triumph der Kurfürstin
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde wurde zwischen 1695 und 1715 geschaffen, vermutlich von Domenico Zanetti. Der ursprüngliche Anbringungsort ist unbekannt. Ende des 19. Jahrhunderts war es an der Decke des ehemaligen Antikensaals angebracht, seit 1960 befindet es sich in der Barockgalerie des Rathauses von Düsseldorf.[3]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde zeigt die Kurfürstin im hermelingefütterten Mantel auf einer Wolke. Tugenden umschweben sie und Genien tragen sie in die Höhe. Putten drängen verschiedene Laster mit Fackel und Geißel zurück – darunter Zorn und Trägheit.[6]
Die ehem. Decken- und Wandmalerei des Treppenhauses
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Decken- und Wandmalerei wurde wohl 1714 mit der Vollendung des Treppenhauses von Gerhard Joseph Karsch geschaffen. Sie hat sich wie das Treppenhaus nicht erhalten.[7]
Beschreibung
Das Treppenhaus, das zur Gemäldegalerie emporführte, hatte ein programmatisches Bildprogramm in Grisaille. In die Wand waren fünf allegorische Gemälde eingelassen, hinzu kam ein Deckengemälde. Das Bild links neben dem Eingang in die Galerieräume vereinte Malerei, Bildhauerei, Baukunst und Dichtkunst, wobei die Malerei über den anderen Künsten thronte. Rechts neben dem Eingang war eine Allegorie von Theorie und Praxis zu sehen. Gegenüber dem Eingang war ein Gemälde in die Wand eingelassen, dass Herkules im Kampf mit den Lastern zeigte. Unter der Empore rechts befand sich eine Darstellung des Siegs der Minerva über die Ignoranz. Als letztes Wandbild gab es gegenüber dem Eingang eine Darstellung des Herkules am Scheideweg, der als Herkules Palatinus verstanden werden sollte.
An der Decke über dem vorletzten Treppenabsatz war ein achteckiges Deckenbild zu sehen, das in perspektivischer Untersicht den zusammen mit seiner Sense gefesselten Saturn präsentierte. Er wurde hier als Feind der Kunst verstanden, den man mit der Gemäldegalerie überwunden hatte.
Dass das Bildprogramm des Treppenhauses auf den Kurfürsten und die Kurfürstin zu beziehen war, verdeutlichen zwei den Eingang flankierende Porträtbüsten Johann Wilhelms und der Anna Maria Luisas von Gabriel Grupello.[8]
Die ehem. Deckenmalerei des Entrees
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei wurde wohl 1714 zusammen mit der Vollendung des Entrees von Gerhard Joseph Karsch geschaffen. Sie hat sich wie das Entree nicht erhalten.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Im Entree zwischen Treppenhaus und Gemäldegalerie war ein hochrechteckiges Gemälde in Grisaille in die Decke eingelassen. Es allegorisierte die eheliche Verbindung der Wittelsbacher mit den Medici. Vor dem felsenartig aufsteigenden Parnass mit dem Pegasus auf einer Spitze lagerten die Allegorien der Flüsse Rhein und Arno. Die Personifikation des Arno stand für die Medici. Sie war mit einem Kranz von Buchenblättern bekrönt. Der Rhein stand für die Kurpfalz und damit das Haus Wittelsbach. Seine Personifikation war mit Weinlaub bekrönt und hielt ein Joch in der Hand als Verweis auf die eheliche Verbindung. Über seinem Haupt war ein Krater zu sehen. Links des Arno lagerte das Pfälzer Wappentier – der Löwe. Beide Personifikationen hielten sich an den Händen und statt zweier Flussquellen gab es nur eine gemeinsame, die zwischen ihnen entsprang. Unter der Gruppe lagerte ein Jüngling an einer weiteren Quelle, bei der es sich eventuell um die auf dem Parnass befindliche Hippokrene handelte. Der Jüngling könnte daher Apoll gewesen sein. In seiner Gesamtheit stand das Deckengemälde für die miteinander verbundenen Herrscherhäuser der Medici und Wittelsbacher, die beide der Kunstpflege und Kunstförderung verbunden waren.[9]
Bibliographie
- Literatur:
- Fimpeler-Philippen/Schürmann, Düsseldorf, 1999. – Fimpeler-Philippen; Annette/Schürmann, Sonja: Das Schloß in Düsseldorf. Düsseldorf 1999.
- Möhlig, Gemäldegalerie, 1993. – Möhlig, Kornelia: Die Gemäldegalerie des Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1658-1716) in Düsseldorf. Köln 1993.
- Clemen, Düsseldorf, 1894. – Clemen, Paul (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 3,1). Düsseldorf 1894.
- Küffner/Spohr, Düsseldorf, 1999. – Küffner, Hatto/Spohr, Edmund: Burg und Schloss Düsseldorf. Baugeschichte einer Residenz (Jülicher Forschungen, 6). Kleve 1999.
- Quellen:
- Pigage, Catalogue, 1778. – Pigage, Nicolas de: Estampes du Catalogue Raisonné et Figuré de ses Tableaux de la Galerie Électorale de Dusseldorff. Basel 1778.
- Pigage, Galerie, 1778. – Pigage, Nicolas de: La Galerie Électorale de Dusseldorff ou Catalogue Raisonné et Figuré de ses Tableaux. Basel 1778.
Einzelnachweise
- ↑ Möhlig, Gemäldegalerie, 1993; Clemen, Düsseldorf, 1894, S. 65-66, 68; Pigage, Catalogue, 1778; Pigage, Galerie, 1778.
- ↑ Pigage, Catalogue, 1778; Pigage, Galerie, 1778.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Fimpeler-Philippen/Schürmann, Düsseldorf, 1999, S. 49; Küffner/Spohr, Düsseldorf, 1999, S. 87.
- ↑ Clemen, Düsseldorf, 1894, S. 68.
- ↑ 5,0 5,1 Küffner/Spohr, Düsseldorf, 1999, S. 90-91.
- ↑ 6,0 6,1 Küffner/Spohr, Düsseldorf, 1999, S. 90-91; Clemen, Düsseldorf, 1894, S. 68.
- ↑ 7,0 7,1 Fimpeler-Philippen/Schürmann, Düsseldorf, 1999, S. 49; Möhlig, Gemäldegalerie, 1993, S. 57.
- ↑ Küffner/Spohr, Düsseldorf, 1999, S. 93; Möhlig, Gemäldegalerie, 1993, S. 55-93, 99-104.
- ↑ Möhlig, Gemäldegalerie, 1993, S. 95-98.