Düsseldorf, Neues Jagd und Lustschloss Benrath

Laß, Heiko:Düsseldorf, Neues Jagd- und Lustschloss Benrath, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/1423a666-a4a3-4230-b70e-79162a5f3967

Inventarnummer: cbdd10127

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Im Neuen Schloss Benrath, das als Jagd- und Lustschloss 1756-1770 erbaut wurde, haben sich Deckengemälde aus dem Jahr 1762 von Wilhelm Lambert Krahe erhalten. Sie zeigten die Jagd der Diana, Aurora, Mars und die Musen sowie die Huldigung der Cybele mit Ceres, Bacchus und Flora an Jupiter.

Das Neue Schloss Benrath

Kurzbeschreibung und Lage

Schloss Benrath ist Bestandteil eines größeren Gebäudekomplexes. Als Hauptgebäude steht es südlich eines Spiegelweihers – Schlossweiher genannt – auf einem angeschütteten Sockel. Zwei niedrigere Nebengebäude ordnen sich halbkreisförmig zu beiden Seiten um den Weiher an. Hinzu kommen an jeder Seite ein Torhaus mit Wache. Rückwärtig hinter dem Schloss erstreckt sich ein Kanal (Spiegelweiher genannt). An der Westseite befindet sich ein ehemaliger kleiner Jagdwald, östlich ein Lustgarten, für den Teile eines vom Vorgängerbau übernommenen Vorhofs als Orangerie dienten. Rechts und links des Hauptgebäudes befanden sich Separatgärten, die auf die jeweiligen Appartements im Schloss bezogen waren. Umgeben war der gesamte Komplex von einem Wassergraben.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Schloss Benrath[1] wurde im Auftrag von Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz nach Plänen von Nicolas de Pigage 1756 begonnen. Der Rohbau war bereits ein Jahr später fertig. Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 verhinderte vorerst die Vollendung des Schlosses, sodass die Arbeiten erst 1770 abgeschlossen werden konnten. Der bauplastische Schmuck stammt von Peter Anton von Verschaffelt. Als Stuckateure arbeiteten Giuseppe Antonio Albuccio und nach 1776 Joseph Anton Pozzi. Das Schloss wurde nur selten genutzt. 1771 gab Kurfürstin Elisabeth Augusta zur Einweihung ein Diner und 1785 kam Kurfürst Carl Theodor nach Benrath.

Von 1806 bis 1813 diente Schloss Benrath als Residenzschloss für das kurzlebige Großherzogtum Berg. 1815 gelangten Schloss und Domäne Benrath an Preußen. Mitglieder der Hohenzollern nutzten das Schloss immer wieder, bis es 1911 an die Gemeinde Benrath verkauft wurde. 1929 wurde Benrath nach Düsseldorf eingemeindet. Während die Nebengebäude funktionalen Aufgaben wie einer Schulnutzung zugeführt wurden, diente das Hauptgebäude zunehmend repräsentativen und musealen Aufgaben. Seit 2000 ist die Liegenschaft Bestandteil der Stiftung Schloss Benrath.

Auftraggeber

Kurfürst Carl Theodor[2] erlangte nach dem Aussterben der Pfalz-Neuburger Linie 1742 die Pfälzer Kurwürde und wurde 1777 nach Aussterben der bayerischen Linie der Wittelsbacher auch Kurfürst von Bayern. Mit dem Erwerb Bayerns war eine Residenzverlagerung von Mannheim nach München verbunden. 1799 ist Carl Theodor in München gestorben.

Carl Theodor gilt als Herrscher der Aufklärung. Er gründete 1763 die Mannheimer Akademie der Wissenschaften und machte aus seiner Mannheimer Residenz ein kulturelles Zentrum von europäischem Rang. Mannheim behielt diesen Status vorerst auch nach seinem Weggang 1778 in das von ihm eher wenig geliebte München.

Als Bauherr wurde er in seiner Residenz Mannheim aktiv, wo er das Residenzschloss vollendete, im nahen Schwetzingen, das seine Sommerresidenz war und einen modernen Garten mit zahlreichen Parkbauten erhielt sowie eben in Benrath. In München entstand auf seine Initiative hin der Englische Garten.

Architekten, Künstler

Der 1723 geborene Architekt Nicolas de Pigage[3] kam nach seiner Ausbildung in Frankreich 1752 als kurpfälzischer Oberbaudirektor nach Mannheim. 1762 erhielt er auch das Amt des kurpfälzischen Gartendirektors. Neben Benrath arbeitete er u.a. in Schwetzingen und am Residenzschloss in Mannheim. 1796 ist er in Schwetzingen gestorben.

Wilhelm Lambert Krahe[4] wurde 1712 in Düsseldorf geboren. Seine Ausbildung erhielt er in Rom bei Marco Benefial (wie Anton Raphael Mengs) und leitete seit 1756 die Düsseldorfer Gemäldegalerie. Die von ihm 1762 eröffnete Zeichenschule wurde 1773 von Carl Theodor zur Kunstakademie erhoben und Krahe ihr Direktor. Er betätigte sich als Kunstagent und Kunstsammler und schuf neben den Deckengemälden in Schloss Benrath auch eines für den Bibliothekssaal im Residenzschloss Mannheim. Er ist 1790 in Düsseldorf gestorben.

Der Bildhauer Peter Anton (von) Verschaffelt[5] arbeitete auch als Architekt, war aber überwiegend als Bildhauer tätig. Er wurde 1710 geboren und nach dem Tod Paul Egells 1752 kurpfälzischen Hofbildhauer in Mannheim. Neben Benrath haben sich auch im Schlosspark Schwetzingen Werke von seiner Hand erhalten. Verschaffelts Zeichenakademie in Mannheim wurde von Carl Theodor 1769 zur Akademie erhoben und Verschaffelt ihr Direktor. 1793 ist er in Mannheim verstorben.

Giuseppe Antonio Albuccio[6] wurde 1720 geboren. Er war kurfürstlicher Hofstuckateur und arbeitete häufig mit Pigage zusammen, in Benrath wohl nach dessen Vorlagen. Nach Albuccios Tod 1776 wurde Joseph Anton Pozzi sein Nachfolger.

Beschreibung

Schloss Benrath[7] erscheint von außen als eingeschossiges Gebäude mit hohem Dach. Es misst an der Eingangs- und Rückseite je neun Achsen. Die drei mittleren sind an der Eingangsseite unter einem Dreieckgiebel zusammengefasst. An der Gartenseite wölben sich die mittleren drei Achsen polygonal vor. Die Schmalseiten umfassen jeweils fünf Achsen. Auch hier sind die drei mittleren in je einem konvexen Pavillon zusammengefasst.

Tatsächlich nimmt das Gebäude fünf Geschosse auf, von denen das Sockelgeschoss angeschüttet und damit nicht sichtbar ist. Von ihm führen Gänge zu den Seitenbauten. Hinter den sichtbaren Wänden des Hauptgebäudes haben nur die wichtigsten Räume die volle Höhe. Die horizontal dreigeteilten Fenster dienen meist in ihren unteren zwei Abschnitten der Beleuchtung der Erdgeschossräume, der obere ist für die Räume eines Zwischengeschosses gedacht. Und auch unter dem hohen Dach befinden sich zwei Stockwerke.

Im Giebel an der Eingangsseite wird das Allianzwappen von Carl Theodor und seiner Frau Elisabeth Auguste unter einem Kurhut präsentiert. Es ist umgeben von Putten und Pfälzer bzw. Wittelsbacher Löwen. An der Gartenseite nimmt der Giebelschmuck Bezug auf die Funktion des Schlosses als Jagdschloss und zeigt Skulpturen von Diana, Jagdhunden, Jagdgerätschaften und einem Hirsch sowie einem Eber. Im Giebel der Ostseite erblickt man Pan mit Ziegenbock und Putten beim Gartenbau, im Westen Putten bei der Schafschur. Hier wird der Bezug zur Funktion des Baus als Lustschloss hergestellt.

Das Erd- und Hauptgeschoss ist dreigeteilt und folgt in der Grundrisslösung einer Maison de plaisance. Die Mittelachse wird von einem Vestibül und einem Hauptsaal bestimmt. Die beiden Seiten nahmen das Appartement des Kurfürsten im Westen und das der Kurfürstin im Osten auf. Damit befand sich auf der Seite des Mannes der Jagdwald und auf der Seite der Frau der Garten.

Eine Treppe erschließt vom Vestibül aus das Obergeschoss. Hier waren Gastgemächer, Gesellschaftsräume und eine Kapelle gelegen. Im Zwischengeschoss und den Dachgeschossen befanden sich Unterkünfte für das Personal, im Souterrain Wirtschaftsräume.

Forschungsstand zur Baugeschichte

Der Forschungsstand zum Schloss[8] ist ausgesprochen gut, auch aufgrund des prominenten Bauherrn[2] sowie des bedeutenden Architekten.[3] Die Deckenmalerei wurde bislang nicht genauer untersucht.

Die Mittelachse - Erschließungsraumsfolge mit Vestibül und Kuppelsaal

Beschreibung

Die Erschließungsraumfolge des Schlosses besteht aus einem Vestibül an der Eingangsseite – das auch als Speisezimmer diente – sowie einem Saal an der Gartenseite. Beide Räume haben ein sich ergänzendes Bildprogramm. Das Vestibül[9] ist funktional ein Verteiler zu allen nicht landesherrschaftlichen Räumen. Von hier gelangt man in das Treppenhaus und in untergeordnete Räumlichkeiten. Der plastische Stuck an den Wänden bezieht sich auf Landwirtschaft bzw. das Landleben mit Allegorien der vier Elemente und der vier Jahreszeiten sowie der zwei Tageszeiten. Es wird auf den Aspekt des Lustschlosses abgehoben. Die Landesherrschaft ist mit den Initialen des Kurfürstenpaars präsent. Über der Tür zum Hauptsaal befindet sich eine Uhr.

Im Hauptsaal,[10] der mit einer nobilitierenden Kuppel versehen ist, werden das Kurfürstenpaar und die Jagd in den Mittelpunkt gerückt. Hier geht es um die Funktion als Jagdschloss. Passend zum landesherrlichen Jagdregal wird die Landesherrschaft ebenfalls gezeigt und der Raum erschließt die Appartements von Kurfürst und Kurfürstin.

Vestibül und Hauptsaal haben beide einen Steinfußboden und verputzte Wände bzw. Stuckmarmor. Diese sind mit Reliefs geschmückt. In den Wohnräumen findet sich im Gegensatz dazu Parkett, die Wände sind mit Holz verkleidet und in die Wände ist Malerei eingelassen.

Der Hauptsaal, der so genannte Kuppelsaal

 

Beschreibung

Der kreisrunde Hauptsaal[11] von Schloss Benrath ist der Jagd gewidmet. Er wird von Norden aus dem Vestibül betreten. Gegenüber im Süden öffnet sich der Raum mit drei großen Fenstertüren zum Garten. Rechts und links führen Türen zum Appartement des Kurfürsten bzw. zum Appartement der Kurfürstin. Die Wände des Saals sind von Stuckmarmor und mit kannelierten korinthischen Pilastern über einer Sockelzone gegliedert. Zwischen den Pilastern halten Puttenpaare Füllhörner. Über ihnen erblickt man Jagdutensilien und Jagdtrophäen. Über den Eingängen zu den Appartements befinden sich im Relief die Monogramme von Carl Theodor „CT“ im Westen und von Elisabeth Augusta „EA“ im Osten. Ergänzend kommen zwischen den Türen im Nordwesten ein von Putten präsentiertes Stuckmedaillon mit einem Profilkopf von Elisabeth Augusta und im Nordosten von Carl Theodor hinzu, womit die Landesherrn im Raum präsent und ihre Appartements gekennzeichnet werden. Über dem Eingang vom Vestibül befindet sich eine Uhr.

Der Boden des Kuppelsaals ist sternförmig mit Lahnmarmor belegt und betont damit die Raummitte.

Die Decke des Kuppelsaals
 

Überwölbt wird der Saal von einer hohen zweischaligen Kuppel. Sie ist kassettiert. Das Kuppelauge gewährt den Blick auf zwei Deckengemälde, die übereinander angeordnet sind. Der Raum war als Schallsaal konzipiert und daher öffnet sich im unteren Bild ein runder Schacht, der die Verbindung zu einem oberen Raum herstellt. Dort befindet sich über der Öffnung das zweite Deckengemälde.

Diana auf der Jagd sowie Aurora

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckengemälde[12] wurden von Wilhelm Lambert Krahe 1762 geschaffen und 1972 im Rahmen einer Restaurierung überarbeitet.

Beschreibung und Ikonographie

An der unteren Kuppel erblickt man im Auge Diana als Göttin der Jagd. Sie sitzt in ihrem von Hirschen gezogenen Wagen auf Wolken vor der Scheibe des Vollmonds und ist umgeben von ihren Nymphen, die mit Speeren, Bogen und Jagdhorn allesamt als Jägerinnen charakterisiert sind.

In der Mitte des Gemäldes öffnet sich eine kreisrundes Öffnung, die ausstuckiert ist. Scheinbar ziehen Putten ein Jagdnetz beiseite und gewähren so den Blick in eine höhere Ebene.

Dort, im oberen Schallraum, ist die Darstellung einer blumenstreuenden Aurora an die gänzlich flache Decke gemalt. Die Göttin der Morgenröte kündigt den kommenden Tag an. So erblickt man durch das Opaion nicht nur das reale Licht, sondern auch die gemalte Künderin des Lichts.

Während Diana des Nachts jagt, werden es ihr die Menschen am Tag, den der Morgen ankündigt, nachtun.

Der westliche Gartensaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der westliche Gartensaal[13] wurde vermutlich zwischen 1762 und 1764 ausgestattet. Nachdem die Deckengemälde von Krahe 1762 geschaffen worden waren, legte Pigage um 1763 einen Entwurf für die Stuckierungen vor, denen Albuccio 1764 weitgehend folgte. Die Supraporten stammen vom Mannheimer Hofmaler Franz Anton Leitenstorffer. Zwischen 1976 und 1982 wurde der Gartensaal restauriert.

Beschreibung

Der Raum diente im Zeremoniell als Vorzimmer oder Audienzzimmer für den Kurfürsten, wird von Pigage aber lediglich als Galerie bezeichnet, was seiner architektonischen Form entspricht. Die Galerie ist dreimal so lang wie breit. Sie wird vom Kuppelsaal im Osten aus betreten und führt in das Paradezimmer.

Nach Süden öffnet sie sich mit drei Fenstern, mit einem Fenster nach Westen. An der Nordwand sind den Fenstern gegenüber eine Tür, ein Spiegelkamin und eine Scheintür angebracht. Zwischen den Fenstern im Süden und ihnen gegenüber an der Nordwand befinden sich weitere Spiegel über Konsoltischen.

Der Raum hat einen Parkettboden; die Wandvertäfelung ist in zarten Rosatönen gehalten. Schnitzereien wie die Spiegelrahmen sind vergoldet. Die drei Supraporten von Franz Anton Leitenstorffer zeigen mediterrane Hirtenszenen.

Die Decke des westlichen Gartensaals

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke[14] ist zwischen 1762 und 1764 gestaltet worden. Zuerst schuf Wilhelm Lambert Krahe die drei Deckengemälde. Dann entwarf Nicolas de Pigage den Deckenstuck und zuletzt erfolgte 1764 die Ausstuckierung durch Giuseppe Antonio Albuccio. Im Zuge der Maßnahmen 1976-82 wurden auch die Decke sowie die Gemälde restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Stuckdecke ist mit einer Art Spalierwerk überspannt, in dem drei große Öffnungen den Blick in den Himmel gewähren. In der Deckenkehle halten Putten Medaillons. Für sie war keine Malerei vorgesehen. Über der Eingangstür erblickt man Putten bei der Weinlese, gegenüber im Westen über dem Fenster beim Gartenbau. Die Deckengemälde stellen inhaltlich ein Bild dar, das die Belohnung der Natur für ihre Gaben durch Jupiter zum Inhalt hat.

Das Mittelbild

Das kreisrunde Mittelbild zeigt an zentraler Stelle Jupiter und Minerva auf Wolken. Jupiter hält ein Blitzbündel im Arm. Unter seinen Füßen steigt sein Adler empor. Minerva ist gerüstet und trägt einen Speer. Sie blickt Jupiter direkt an und weist mit ihrer Rechten in eine unbestimmte Ferne. Jupiter aber konzentriert sich ganz auf die vor ihm kniende Cybele, die ihm die Früchte des Feldes in einem Füllhorn darbietet. Sie ist gekennzeichnet durch Spaten und Sense. Zum Lohn ist Jupiter im Begriff, sie mit einem Reif zu bekränzen. Minerva kann ihn nicht davon ablenken. Hinter Cybele befinden sich Ceres und Bacchus mit Korngarben und Weinreben. Sie stehen zugleich für die Jahreszeiten Sommer und Herbst. Von rechts naht sich Flora mit Blumen, die zugleich den Frühling personifiziert. Darüber hinaus bevölkern Putten den Himmel sowie der Frühlingswind Zephyr. Entsprechend der Funktion als Lustschloss fehlt bei den Jahreszeiten der Winter.

Das linke Seitenbild

Das linke Seitenbild setzt das Hauptbild formal und inhaltlich fort. Man erblickt Pomona mit ihrem Gefolge sowie dem Gefolge des Bacchus. Sie tragen Wein und Obst. Einige musizieren auch, während am Himmel Putten mit Wein- und Obstgirlanden tanzen. Die Darstellung steht für den Herbst.

Das rechte Seitenbild

Das rechte Deckenbild steht dem hingegen für den Frühling. Es setzt formal das Hauptbild fort, was besonders durch eine Blumengirlande deutlich wird, die unter dem trennenden Stuck von einem Bild in das andere reicht. Verschiedene Nymphen und Genien tragen weitere Blumenfestons. Über ihnen bevölkern Putten den Wolkenhimmel.

Der östliche Gartensaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der östliche Gartensaal[13] ist vom Prinzip her genauso als Galerie gestaltet wie sein westliches Pendant. Auch er wurde vermutlich zwischen 1762 und 1764 ausgestattet. Die Deckengemälde stammen ebenfalls von Krahe, der sie 1762 malte, ehe Pigage um 1763 einen Entwurf für die Stuckierungen erstellte, nach denen Albuccio 1764 den Stuck anfertigte. Die Supraporten stammen vom Mannheimer Hofmaler Franz Anton Leitenstorffer. 1976-82 wurde der Raum restauriert.

Beschreibung

Der Raum wird von Pigage als Galerie bezeichnet. Funktional diente er im Zeremoniell als Vorzimmer oder Audienzzimmer der Kurfürstin. Man betritt die Galerie von Westen aus dem Kuppelsaal. Es folgt das Paradezimmer.

Die Galerie öffnet sich mit drei Fenstern nach Sünden und einem Fenster nach Osten. An der Nordwand sind den Fenstern gegenüber eine Scheintür, ein Spiegelkamin sowie die Tür zum Paradezimmer angebracht. Zwischen den Fenstern im Süden und ihnen gegenüber an der Nordwand erweiterten Spiegel über Konsoltischen optisch die Galerie.

Der Raum hat einen Parkettboden, die Wandvertäfelung ist in zarten Rosatönen gehalten. Schnitzereien wie die Spiegelrahmen sind vergoldet. Die drei Supraporten stammen wie in der westlichen Galerie von Franz Anton Leitenstorffer und zeigen ebenfalls mediterrane Hirtenszenen.

Die Decke des östlichen Gartensaals

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke[14] ist wie ihr westliches Pendant zwischen 1762 und 1764 gestaltet worden. Auch hier schuf Wilhelm Lambert Krahe zuerst die Deckenmalerei. Anschließend entwarf Nicolas de Pigage den Deckenstuck und zuletzt erfolgte 1764 die Ausstuckierung durch Giuseppe Antonio Albuccio. Im Zuge der Maßnahmen 1976-82 wurden auch diese Decke sowie das Gemälde restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Im Gegensatz zum Gartensaal im Westen nimmt die Decke in der östlichen Galerie nur ein großes Gemälde auf. Über dieses sind jedoch an den Seiten Stuckbänder gelegt, an denen Kronleuchter befestigt sind. Putten in der Voute lagern an Kartuschen, die Embleme zeigen, die sich auf die Freuden des Landlebens wie Garten- und Ackerbau, Liebe, Vogelfang und Musik beziehen.

Das Deckenbild im östlichen Gartensaal

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Auch das Deckengemälde[15] im östlichen Gartensaal stammt von Wilhelm Lambert Krahe aus dem Jahr 1762 und wurde zwischen 1976 und 1982 restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Dargestellt werden Apoll und die Musen. Sie haben sich auf Wolken niedergelassen. Erhöht sitzt Apoll mit seiner Leier. Links am Rand erblickt man Caliope – die Muse der epischen Dichtung – wie sie in einem Buch blättert. Eine neugierige Putte schaut ihr über die Schulter. Sie blickt auf zur gelbgewandeten Terpsichore, der Muse des Tanzes. Weiter rechts sitzen Arm in Arm Urania und Klio – die Musen der Astronomie und der Geschichte. Zu Urania gehört der Himmelsglobus, den eine Putte zu ihren Füßen hält. Die lorbeerbekränzte Klio hält ihre Posaune in Händen. Zu Füßen des Apoll ist Euterpe mit ihrer Flöte dargestellt – die Muse der Musik. Rechts von Apoll lagert Polhymnia – die Muse des Gesangs. Sie begleitet sich auf einer Cister. Über ihr erhebt sich Melpomene in theatralischer Gestik mit Krone in der Hand. Sie ist die Muse der Tragödie. Ganz rechts lagern zwei Musen auf einer Wolke: Erato und Thalia – die Musen der Liebesgesänge und der Komödie. Erato hält eine Leier, Thalia kehrt dem Betrachter den Rücken zu und hat ihre Theatermaske neben sich auf der Wolke abgelegt.

Inhaltlich ergänzt das Deckenbild jedes im westlichen Gartensaal, indem nun auch die Künste und Wissenschaften und nicht nur die Natur in ihrem Blühen und Gedeihen gezeigt werden. Kann man im Westen Carl Theodor mit Jupiter gleichsetzen, so kann man ihn mit Apoll identifizieren.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Bartsch/Bürger, Benrath, 2015. – Bartsch, Andrea/Bürger, Joachim de: Ein wohl erhaltenes Schloss. Die Geschichte der Restaurierung von Schloss Benrath. In: Schweizer, Stefan/Gruben, Eva-Maria (Hrsg.): „Sehens Wert“. Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlösser. Katalog zur Ausstellung der Stiftung Schloss und Park Benrath 6. September bis 22. November 2015. Düsseldorf 2015, S. 105-112.
  • Beisel, Verschaffelt, 2020. – Beisel, Edmund: Ritter Peter Anton von Verschaffelt als Architekt. Berlin 2020.
  • Bering, Krahe, 2013. – Bering, Kunibert (Hrsg.): Lambert Krahe (1712–1790). Maler – Sammler – Akademiegründer. Oberhausen 2013.
  • Hofmann, Verschaffel, 2013. – Hofmann, Eva: Peter Anton von Verschaffelt. Hofbildhauer des Kurfürsten Carl Theodor in Mannheim. Diss. Heidelberg 1982.
  • Kalusok, Pigage, 1996. – Kalusok, Michaela (Red.): Nicolas de Pigage 1723 – 1796. Architekt des Kurfürsten Carl Theodor. Düsseldorf 1996.
  • Klein, Benrath, 1952. – Klein, Adalbert: Schloß Benrath. Die Alten Schlösser und das neue Jagdschloss. Ratingen 1952.
  • Maas/Schweizer, Benrath, 2016. – Maas, Nicolas/Schweizer, Stefan (Hrsg.): Schloss und Park Benrath. Benrath Palace and Park. Berlin 2016.
  • Rosenberg, Krahe, 2013. – Rosenberg, Heidrun: Lambert Krahe – eine biographische Skizze. In: Sonja Brink (Hrsg.): Akademie – Sammlung – Krahe. Eine Künstlersammlung für Künstler. Düsseldorf 2013, S. 38–75.
  • Schweizer, Benrath, 2015. – Schweizer, Stefan: „Als ein Portefeuille von Allem anzusehen“. Schloss Benrath als architektonisches Memorial kurpfälzischer Herrschaft am Rhein. In: Schweizer, Stefan/Gruben, Eva-Maria (Hrsg.): „Sehens Wert“. Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlösser. Katalog zur Ausstellung der Stiftung Schloss und Park Benrath 6. September bis 22. November 2015. Düsseldorf 2015, S. 54-72.
  • Schweizer/Gruben, Benrath, 2015. – Schweizer, Stefan/Gruben, Eva-Maria (Hrsg.): „Sehens Wert“. Die Planungs- und Baugeschichte der Benrather Schlösser. Katalog zur Ausstellung der Stiftung Schloss und Park Benrath 6. September bis 22. November 2015. Düsseldorf 2015.
  • Uerscheln, Benrath, 2007. – Uerscheln, Gabriele: Schloß und Park Benrath – ein Garten- und Lustschloß des Kurfürsten Carl Theodor vor den Toren Düsseldorfs. In: Schloss und Park Benrath. Dössel 2007, S. 3-41.
  • Wieczorek, Carl Theodor, 1999. – Wieczorek, Alfried (Hrsg.): Lebenslust und Frömmigkeit. Kurfürst Carl Theodor (1724 - 1799) zwischen Barock und Aufklärung. 2 Bde. Regensburg 1999.
  • Zacher, Benrath, 1996. – Zacher, Inge: Schloß Benrath und sein Park – Stand der Forschung. In: Michaela Kalusok (Red.): Nicolas de Pigage 1723 – 1796. Architekt des Kurfürsten Carl Theodor. Düsseldorf 1996, S. 157-162.
  • Zacher, Benrath, 1999. – Zacher, Inge: Carl Theodor als Bauherr in Benrath. In: Wieczorek, Alfried (Hrsg.): Lebenslust und Frömmigkeit. Kurfürst Carl Theodor (1724 - 1799) zwischen Barock und Aufklärung. 2 Bde. Regensburg 1999, S. 73-83.

Einzelnachweise

  1. Maas/Schweizer, Benrath, 2016; Schweizer, Benrath, 2015; Schweizer/Gruben, Benrath, 2015; Uerscheln, Benrath, 2007; Zacher, Benrath, 1999; Zacher, Benrath, 1996; Klein, Benrath, 1952.
  2. 2,0 2,1 Wieczorek, Carl Theodor, 1999, Bd. 1.
  3. 3,0 3,1 Kalusok, Pigage, 1996.
  4. Schweizer/Gruben, Benrath, 2015, S. 230; Bering, Krahe, 2013; Rosenberg, Krahe, 2013.
  5. Beisel, Verschaffelt, 2020; Schweizer/Gruben, Benrath, 2015, S. 230; Hofmann, Verschaffel, 1982.
  6. Schweizer/Gruben, Benrath, 2015, S. 323.
  7. Schweizer, Benrath, 2015, S. 56-68; Klein, Benrath, 1952, S. 36, 45.
  8. Schweizer/Gruben, Benrath, 2015; Zacher, Benrath, 1999; Zacher, Benrath, 1996; Klein, Benrath, 1952.
  9. Schweizer, Benrath, 2015, S. 64-65; Schweizer/Gruben, Benrath, 2015, S. 260-267; Uerscheln, Benrath, 2007, S. 18; Klein, Benrath, 1952, S. 87.
  10. Schweizer, Benrath, 2015, S. 65-66; Uerscheln, Benrath, 2007, S. 18; Klein, Benrath, 1952, S. 78, 84.
  11. Schweizer, Benrath, 2015, S. 65-66; Uerscheln, Benrath, 2007, S. 21; Klein, Benrath, 1952, S. 78
  12. Schweizer, Benrath, 2015, S. 65-66; Bartsch/Bürger, Benrath, 2015, S. 108; Uerscheln, Benrath, 2007, S. 24; Klein, Benrath, 1952, S. 84.
  13. 13,0 13,1 Schweizer, Benrath, 2015, S. 66-67; Bartsch/Bürger, Benrath, 2015, S. 108.
  14. 14,0 14,1 Bartsch/Bürger, Benrath, 2015, S. 108; Schweizer/Gruben, Benrath, 2015, S. 238-241; Uerscheln, Benrath, 2007, S. 35; Klein, Benrath, 1952, S. 68.
  15. Bartsch/Bürger, Benrath, 2015, S. 108; Schweizer/Gruben, Benrath, 2015, S. 238-241; Uerscheln, Benrath, 2007, S. 34; Klein, Benrath, 1952, S. 68