Burgk, Schloss
Inventarnummer: cbdd10233
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
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Auf Schloss Burgk hat sich zahlreiche Decken- und Wandmalerei erhalten, darunter ein zehnteiliger Aeneaszyklus in der Folge von Johann Andreas Thelot aus dem Jahre 1743. Er stellt ausschließlich die Pius des Heroen in den Vordergrund.

Das Residenz- und Jagdschloss Burgk
Kurzbeschreibung und Lage
Schloss Burgk[1] erhebt sich über der Saale auf einer Felsnase am Ende der sehr kleinen gleichnamigen Ortschaft. Die Anlage ist um einen annähernd dreieckgien Hof angelegt. Hautflügel sind der Ost- und der Südflügel. Der so genannte Südflügel integriert einen alten Wohnturm und ist vom Hof als Flügel nicht wahrnehmbar. Der Westflügel nimmt lediglich eine große Küche auf. Dem dritten Flügel an der Eingangsseite im Norden sind Wehr- und Wirtschaftsbauten vorgelegt.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Schloss Burgk stammt aus dem Mittelalter und ist beständig umgebaut und erweitert worden. 1596 gelangte es in den Besitz der älteren Linie Reuß. In der Frühen Neuzeit war es unter drei Herrschern, die alle Heinrich II. Reuß zu Burgk hießen und gleich gezählt werden, von 1596 bis 1608, von 1616 bis 1640 sowie von 1668 bis 1697 kurzlebige Residenz einer eigenständigen Linie des Hauses Reuß. Auf den ersten Heinrich II. gehen ein Treppenturm vor dem Südflügel und der so genannte Rittersaal mit seiner bemalten Holzdecke zurück. Nachdem Burgk 1697 an die Linie Reuß zu Untergreiz gefallen war, lebte im Schloss noch bis 1703 die Witwe des letzten Grafen Reuß zu Burgk. Dann diente Burgk als Jagdschloss.
Erneute Baumaßnahmen erfolgten erst unter Graf Henrich III. Reuß zu Untergreiz, der nahezu das ganze Schloss erneuern ließ. 1739 wurde der alte Ostturm niedergelegt und bis 1742 die Vorderfront des Schlosses gänzlich neu aufgeführt. Mit breiteren Fenstern und neuen Fenstergewänden bekam Schloss Burgk ein moderneres Aussehen. Das Innere erhielt eine neue hochwertige Ausstattung. In die Schlosskapelle kam 1742-43 eine Orgel von Gottfried Silbermann. 1743 wurde der Speisesaal neu ausgestattet und erhielt Wandmalereien mit einem Aeneaszyklus. Die Stuckaturen wurden erst 1751 von Johann Georg Schmidt angefertigt. Im Rahmen der Baumaßnahmen erweiterte man auch einige Fenster. 1753 wurden die so genannten weißen Zimmer im Südflügel vollständig renoviert und von Schmidt ausstuckiert. Die landesherrlichen Gemächer erhielten Gobelins nachahmende Wandgemälde. 1758 schließlich wurde das Hängewerk des alten Hauptsaals im Südflügel repariert und wohl zur selben Zeit ein neues dreiläufiges Haupttreppen im Nordflügel eingebaut. 1768 starb das Haus Reuß zu Untergreiz aus und gelangte an Reuß zu Obergreiz. Nun erfolgten bis das 19. Jahrhundert nur noch Reparaturarbeiten. Gegen Ende des 19. Jahrhundert kam in den Nordflügel ein Schauraum, das so genannten Prunkzimmer, in das barocke Versatzstücke integriert wurden. 1952 wurde das Schloss ein Museum.
Beschreibung
Das Schloss besteht aus mehreren Teilen erhebt sich hoch über der Saale. Ein Zugang ist nur von Norden her möglich. Um den annähernd dreieckigen Innenhof stehen die Bauten des Kernschlosses. Im Süden steht ein alter fünfgeschossiger Wohnturm von 1403 – der Südflügel. Nach Norden schließt sich ein längerer, dreigeschossiger Baukörper mit einer Kapelle an. Zum Hof hin ist ihm im ersten Obergeschoß eine Galerie vorgelegt. Von ihr aus waren Kapelle und herrschaftliche Gemächer im Ost- und Südflügel zu erreichen. Am nördlichen Ende des Ostflügels befindet sich die Einfahrt in den Hof. Nach Südwesten folgt ein ehemaliger Wirtschaftstrakt. Hier stand vormals der so genannte Ostturm, der die Einfahrt schützte. Im Südwesten wird der Hof von einer Mauer abgeschlossen, an die sich nach außen ein ehemaliges Küchengebäude anschließt.
Die Repräsentationsräume waren vor allem in Süd- und Ostflügel gelegen. Der Südflügel nimmt den Hauptsaal des Schlosses – den so genannten Rittersaal – auf. Im Ostflügel befinden sich die Schlosskirche und der ehemalige Speisesaal mit einem Aeneaszyklus. Das erschließende Treppenhaus ist im Nordflügel an der Einfahrt in den Schlosshof gelegen. Von hier gelangt man über die geschlossene Galerie am Ostflügel bis zu dem Räumen des Südflügels. Im zweiten Obergeschoss befanden sich weitere repräsentative Räume und Gastgemächer. Im Nordflügel direkt am Treppenhaus befindet sich im ersten Obergeschoss seit dem Ende des 19. Jahrhunderts das so genannte Prunkzimmer, ein Schauraum, der auch historische Deckengemälde integriert.
Der so genannte Rittersaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der so genannte Rittersaal[2] im dritten Obergeschoss des alten Wohnturms wurde als Hofstube eingerichtet und unter Heinrich II. Reuß zu Burgk 1601 neu ausgestattet. Er diente seit dem 17. Jahrhundert als Hauptsaal. 1758 musste das Hängewerk des Saals repariert werden. Im 19. Jahrhundert wurde der Saal zu einem Sammlungsraum umfunktioniert.
Beschreibung
Der Saal misst 192 Quadratmeter und nimmt die gesamte Grundfläche des Gebäudes ein. Er erhält von drei Seiten durch je zwei Fenster Licht. Die Decke wird von einem aufgehängten Unterzug getragen.
Die Decke des Rittersaals

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke[3] des Rittersaals stammt von 1601 und wurde erstmals 1845 restauriert und 1908 „ausgebessert“. Die Deckenmalerei wurde in Leinfarbe ausgeführt.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke wird von einem Unterzug in zwei Teile gegliedert. Insgesamt 48 aufgemalte achteckige Kassetten zeigen Rollwerkkartuschen, die von vegetabilen Motiven umgeben sind. In der Mitte der Kartuschen sind Akanthusrosetten zu sehen. Trotz der Gleichförmigkeit gleicht keine Kassette der anderen.
Der Kleine Saal

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der sogenannte Kleine Saal[4] wurde 1743 neu ausgestattet. Die Wandmalerei schuf ein unbekannter Künstler 1743, die Stuckarbeiten erfolgten erst 1751 durch Johann Georg Schmidt.
Beschreibung
Der Saal ist ein gefangener Raum. Er wird von Norden aus betreten. Nach Osten öffnet sich der Kleine Saal mit drei Fenstern zum Saaletal. Die Wände des Saals präsentieren einen alle Wände gänzlich bedeckenden zehnteiligen Aeneaszyklus auf Leinwand über einem gemalten Paneel. Unter sieben Szenen des Zyklus sind kleine Medaillons mit Landschaftsdarstellungen oder Schlossdarstellungen gemalt. Die Malerei wird durch gemalte Bordüren und Vorhänge gegliedert. Scheinrahmen trennen die einzelnen Szenen voneinander.
Die Fensternischen sind mit kartuschenartigem Muschel- und Akanthuswerk sowie Blumen geschmückt, die direkt auf den Putz gemalt wurden.
Der Aeneaszyklus im Kleinen Saal
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[5] des Zyklus erfolgte 1743 in Öl auf grundierter Leinwand. Die Leinwände sind über Latten gespannt. 1965 wurde sie unter Leitung von Fritz Leweke restauriert. Im Rahmen der Restaurierung der Schlossräume von 2005 bis 2007 wurde die Malerei erneut konserviert und restauriert.
Die Aeneis
Dargestellt sind 10 Szenen, die fast alle aus dem ersten Teil der Aeneis stammen, die die Irrfahrt des Aeneas von Troja bis nach Karthago umfasst. Die Erzählung der Aeneis selbst wurde vom römischen Dichter Publius Vergilius Maro ca. 29 v. Chr. - 19 v. Chr. als Gründungsmythos Roms geschaffen.[6] Die mythologische Figur des Aeneas war der Sohn des Trojaners Anchises und der Göttin Venus. Als Troja am Ende des trojanischen Krieges von den Griechen erobert und zerstört wurde, floh Aeneas auf göttliches Gebot hin aus der Stadt. Zahlreiche Trojaner kamen bei der Eroberung ums Leben und auch seine Frau Krëusa verlor Aeneas in der Stadt. Auf der Suche nach einer neuen Heimat hatte er zahlreiche Abenteuer und Prüfungen zu überstehen, eher in Italien sein Ziel erreichte und Stammvater eines Weltreiches wurde, das den Weltfrieden garantierte: Das Römische Reich. Aeneas rettet seinen lahmen Vater und die Hausgötter aus dem brennenden Troja. Er fährt nach Thrakien, wo er eine Stadt nach seinem Namen gründen will. Nach der Entdeckung des Grabes des Polydorus lässt er von diesem Vorhaben jedoch ab und bestattet diesen ordnungsgemäß. Er verlässt Thrakien wieder und gelangt nach Delos, wo ihm das Orakel des Apoll offenbart, die „alte Mutter“ der Trojaner zu suchen. Fälschlicherweise deuten sie die „alte Mutter“ als Kreta, die Kultheimat der Trojaner. Die dort gegründete Stadt wird aber bald von einer Seuche heimgesucht und eine Dürre sucht die Trojaner heim. Die Hausgötter erscheinen Aeneas im Auftrag des Apoll und teilen ihm den Unwillen des Jupiter mit. Sie erklärten, dass sie nicht an diesem Ort bleiben wollen, sondern die Fahrt nach Italien fortzusetzen sei. Auf der Weiterfahrt kommen die Trojaner nach Buthrotum, wo sie andere Trojaner treffen, die ebenfalls entkommen konnten und eine Art zweites Troja gegründet haben, das aber eher einer Scheinwelt gleicht. Nach zahlreichen Abenteuern landet Aeneas mit seinen Gefährten in Afrika. Königin Dido, die gerade Karthago gegründet hat, nimmt die Flüchtlinge herzlich auf. Aeneas unterstützt Dido bei ihren Bemühungen, Stadt und Herrschaft in Karthago aufzubauen. Als Jupiter davon erfährt, sendet er Merkur aus, der Aeneas an seinen Schicksalsauftrag erinnert und zur sofortigen Abreise aus Karthago ermahnt. Er gehorcht und lässt sich von Dido nicht abhalten. Aeneas gelangt nach Italien und erfüllt dort seinen göttlichen Auftrag.
Der Aeneaszyklus auf Schloss Burgk
Der Aeneaszyklus in Burgk ist nicht chronologisch geordnet. Weder folgt er der Reihenfolge der Erzählung Vergils, noch der der Handlung. Zudem ist er um eine Szene aus dem trojanischen Krieg ergänzt. Gegenüber dem Eingang fällt der Blick zuerst auf die Opferung der Iphigenie – diese Erzählung steht am Anfang des Trojanischen Krieges und hat mit der Aeneis nichts zu tun –, sowie rechts daneben das Zusammentreffen der Trojaner mit Andromache in Buthrotum. Wandert der Blick weiter an die rechte Wand, erblickt man von links nach rechts, wie die Schiffbrüchigen Trojaner von Königin Dido aufgenommen werden, daneben, wie Aeneas das Orakel in Delos befragt, noch weiter rechts die Ermordung des trojanischen Königs Priamus und ganz rechts die Verschleppung der Cassandra aus Troja. Gegenüber am Fenster erblickt man die Erscheinung der toten Krëusa in Troja und die Ehrung des toten Polydorus in Thrakien. Wendet man sich schließlich wieder zum Ausgang, so ist links die Flucht des Aeneas zu sehen und rechts die Erscheinung des toten trojanischen Helden Hektor.
Alle Szenen haben eine erlärende Bildunterschrift, die jedoch nicht immer zu lesen ist und teilweise erneuert wurde.
Vorlagen und Vergleiche
Bis auf wenige Ausnahmen folgen alle Darstellungen dem so genannten Augsburger Vergil des Johann Andreas Thelot.[7]
Die Flucht des Aeneas aus Troja

Beschreibung und Ikonographie
Die chronologisch vierte Szene der Aeneis im Kleinen Saal ist die Flucht des Aeneas,[8] links neben der Tür. Nachdem Aeneas von Hektor aufgefordert wurde zu fliehen und die Götter ihm entsprechende Zeichen gegeben haben, folgt er dieser Aufforderung. Man sieht den Helden, wie er von der brennenden Stadt zum Meeresufer flieht, wo rettende Schiffe vor Anker liegen. Aeneas hat seinen lahmen Vater geschultert, sein Sohn Ascanius eilt ihm voran und trägt die Statuen der Hausgötter, die ebenfalls gerettet wurden.
Der Schriftzug unter der Darstellung wird zur Hälfte durch den Ofen verdeckt. Man liest: „Aeneas Fugiens Patrem Humeris Imponit“.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt in ihren Grundzügen Jena LePautre. Im so genannten Augsburger Vergil des Thelot gibt es diese Szene nicht. Der Künstler auf Burgk hat aber eine andere Stadt gewählt, als auf der Vorlage und links einen Trojaner mit Amphore hinzugefügt. Die Schiffe sind aufgrund des Hochformats in Burgk näher an den Vordergrund gerückt.
Der tote Hektor erscheint Aeneas im Traum

Beschreibung und Ikonographie
Die chronologisch erste Szene der Aeneis ist rechts neben der Tür zu sehen. Der tote Hektor erscheint dem schlafenden Aeneas im Traum, während die Griechen bereits in Troja eindringen.[9] Er fordert Aeneas auf, in dieser aussichtslosen Lage die Flucht zu ergreifen. Er vertraut ihm das Kultbild der Penaten an und verheißt ihm nach langer Irrfahrt eine neue Heimat.
Man sieht Aeneas ausgestreckt auf seinem Bett liegen. Dass er schläft, erkennt man auch daran, dass der Gott des Schlafes – Somnus – Mohnkapseln über ihn streut. Vor dem Bett hat Aeneas Teile seiner Rüstung abgelegt. Schräg links über ihm fährt der tote Hektor im Wagen auf Wolken. Er verweist auf eine göttliche Lichtgestalt im Hintergrund. Dies ist als Verweis auf den Auftrag an Aeneas zu verstehen, die wichtigsten Heiligtümer zu retten. Bei der Lichtgestalt dürfte es sich um Vesta handeln. Im Gegensatz zur Erzählung Vergils erscheint Hektor nicht tot und blutverschmiert an den Wagen des Achill gespannt, sondern fährt seinen eigenen unversehrt selbst. Der Schriftzug unter dem Bild lautet: „Hector Æneæ In Somnus Apparet“.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt eng der Fig. 10 des Augsburger Vergil von Thelot. Allerdings hat der Künstler das Querformat in ein Hochformat übertragen. Dafür sind Hektor und Aeneas enger zusammengerückt und Hektor und Vesta sind höher positionier als auf der Vorlage. Man könnte vermuten, dass der Künstler die Vorlage erhalten hat, ohne deren Inhalt gänzlich zu durchschauen. So fehlt das Feuer auf dem Altar unter Vesta und Somnus streut die Mohnkapseln nicht auf dem Kopf des Aeneas, sondern auf seine Brust.
Die Verschleppung der Cassandra

Beschreibung und Ikonographie
Die chronologisch zweite Szene der Aeneis ist die Verschleppung der Cassandra[10] rechts auf der Wand gegenüber den Fenstern. Nachdem Cassandra im Tempel der Minerva, in den sie geflüchtet war, vergewaltigt worden ist, wird sie verschleppt, da sie der griechische Heerführer Agamemnon für sich beansprucht. Ihr zu den griechischen Siegern gehörender Verlobter Coroebus wird bei dem Versuch, sie zu befreien, getötet.
Cassandra steht im Mittelpunkt der Darstellung. Ihre Arme sind ihr auf den Rücken gefesselt. Leidend blickt sie einen ihrer Entführer an. Hinter dem steht eine Truhe, in der die Griechen das Gut, das sie aus dem Tempel geplündert haben, mit sich führen. Links im Mittelgrund zieht eine Gruppe Griechen mit erhobenen Schwertern vorbei. Die Bildunterschrift lautet: „Cassandra Ab Hostibus Capta“.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt eng der Fig. 11 des Augsburger Vergil von Thelot. Allerdings wurde sie vom Querformat in das Hochformat gebracht. Die Transformation hat Änderungen nötig gemacht, die den Inhalt verunklären. Zum einen fehlen die plündernden Griechen, zu denen die Truhe gehört, zum anderen ist Coroebus, der Cassandra befreien will, so weit nach rechts gerückt, dass er nicht mehr mit gezogenem Schwert zum Tempel hinaufeilt, sondern scheinbar als marodierender Sieger im Mittelgrund hinter dem Tempel vorbeieilt. Offenbar war dem Künstler die Bedeutung dieser Gruppe unbekannt. Zudem fehlt die untergehende Stadt Troja der Vorlage, die aber für den Inhalt der Darstellung nicht von Bedeutung ist.
Die Ermordung des Priamus

Beschreibung und Ikonographie
Die chronologisch dritte Szene der Aeneis ist die Ermordung des Priamus,[11] die als zweites Bild von rechts an der Wand gegenüber dem Fenster zu sehen ist. Die mordenden und plündernden Griechen dringen bis zum Palast von König Priamus vor. Die Gattin des Priamus hat mir ihren Töchtern an einem Altar Schutz gesucht und fordert auch ihren Mann dazu auf. Doch dazu komme es nicht mehr, denn der Grieche Pyrrhus Neoptolemus verfolgt Polietes, einen der noch lebenden Söhne des Priamus bis hin zum Altar, wo dieser tödlich verwundert zusammenbricht. Als der Vater dem Mörder seines Sohnes Vorwürfe macht, schleift dieser ihn vor den Altar und tötet ihn ebenfalls.
Genau dieser Moment ist zu sehen. Priamus ist am Boden vor dem Altar zusammengebrochen. Pyrrhus Neoptolemus hält ihn an den Haaren aufrecht. Priamus blickt auf das Schwert, mit dem er im nächsten Moment durchbohrt werden wird. Vor ihm liegt sein toter Sohn, rechts klagen seine Frau und seine Töchter. Hinterfangen wird die Szene von Götterstatuen der Minerva, des Apoll und des Neptun, die von Säulen flankiert werden. Im Hintergrund links ist ein schmaler Streifen des untergehenden Troja zu sehen. Die Bildunterschrift lautet „Pyrrhus Priamum Ad Aram Jugulat“.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt eng der Fig. 12 des Augsburger Vergil von Thelot. Das Gemälde ist im Vergleich zur Vorlage in die Höhe gezogen. Bis auf die Hauptgruppe am Altar sind alle weiteren Figuren fortgelassen.
Aeneas befragt das Orakel auf Delos

Beschreibung und Ikonographie
Die chronologisch siebte Szene ist die Befragung des Orakels in Delos durch Aeneas.[12] Es ist das dritte Bild von rechts an der den Fenstern gegenübergelegenen Wand. Nach den Erlebnissen in Thrakien segeln die Trojaner nach Delos. Dort gibt es ein Apolloheiligtum. Sie bringen Opfer dar und fragen das Orakel nach einer neuen Heimat für sich. Die Antwort lautet „Sucht die Mutter der Urzeit auf“.
Dieser Moment wird auf der Darstellung gezeigt. Der Blick fällt in das Innere des Tempels, der durch große Säulen charakterisiert wird. Auf dem Altar brennt das Opferfeuer. Dahinter steht der Priester. Ein Diener kniet auf dem Boden links. Vor der Kultnische kniet Aeneas selbst im Gebet. Der Vorhang vor dem Kultbild ist hochgezogen und der Orakelspruch also bereits verkündet. Das Standbild zeigt im Gegensatz zur literarischen Vorlage nicht Apoll, sondern eine Göttin. Die Szene ist aber dennoch eindeutig zu bestimmen. Die Bildunterschrift lautet nämlich „Aeneas Apollini Suplicat“.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt sehr genau der Fig, 17 des Augsburger Vergil von Thelot. Die Darstellung ist ins Hochformat gebracht und dafür in die Höhe gezogen. Unbedeutende Nebenfiguren links des knienden Dieners sind abgeschnitten.
Die Trojaner werden von Dido in Karthago aufgenommen

Beschreibung und Ikonographie
Die neunte und chronologisch letzte Szene der Aeneis ist zugleich die vierte und letzte Darstellung von rechts gegenüber der Fensterseite. Sie zeigt, wie Königin Dido in Karthago die gestrandeten Trojaner gastlich aufnimmt.[13] Ein schlimmer Seesturm hat die Flotte des Aeneas zerstört. Von den Schiffbrüchigen machen sich Aeneas und Achates auf nach Karthago, um die Lage zu erkunden. Venus hat sie dabei in eine Wolke gehüllt, die sie unsichtbar macht. Am Tempel der Juno werden die beiden Zeuge, wie die Herrscherin Karthagos, Königin Dido, in der Vorhalle Recht spricht und Arbeiten verteilt. Überraschenderweise erscheinen weitere Trojaner, die den Sturm ebenfalls überlebt haben, vor der Königin und bitten um Aufnahme, die ihnen Dido großzügig gewährt. Aeneas tritt daraufhin ebenfalls vor Dido. Die Wolke löst sich auf.
Gezeigt wird, wie die schiffbrüchigen Trojaner im Mittelgrund links vor Dido unter ihrem Thronbaldachin auf die Knie fallen. Im Vordergrund rechts betrachten Aeneas und Achates in der Wolke die Szene und beratschlagen sich. Die Tempelvorhalle verbindet die beiden Gruppen. Die Bildunterschrift lautet: „Dido Recipit Aeneae Socios“.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt der Fig. 5 des Augsburger Vergil von Thelot. Die querformatige Vorlage wurde zum Hochformat abgewandelt. Dafür wurde die Darstellung rechts hinter den Figuren abgeschnitten und insgesamt etwas in die Höhe gezogen. Während der Hintergrund um Dido nahezu unverändert wiedergegeben ist, sind im Vordergrund zwei Skulpturen beiderseits von Aeneas und Achates entfallen, die einen Hinweis auf die Tempelanlage gaben.
Krëusa erscheint Aeneas im brennenden Troja

Beschreibung und Ikonographie
Die chronologisch fünfte Szene der Aeneis ist zwischen dem linken und mittleren Fenster zu sehen. Sie zeigt, wie die tote Krëusa ihrem Gatten Aeneas erscheint, der in die Stadt zurückgekehrt ist, um sie zu suchen, nachdem er ihren Verlust bemerkt hat.[14] Sie erklärt ihm, dass es göttlicher Wille sei, dass er ohne sie gehe. Aeneas werde zudem nach langer Irrfahrt eine neue Heimat im Westen finden. Aeneas versucht sie zu umarmen, woraufhin die Erscheinung entschwindet.
Zu sehen ist der Moment, in dem Aeneas die Arme ausstreckt, die Erscheinung der Krëusa aber noch nicht verschwunden ist. Wir sehen sie links erhöht auf Wolken vor einer Architektur. Hinter dem rechts stehenden Aeneas fällt der Blick in die teilwiese bereits in Trümmern liegende Stadt Troja. Unter der Darstellung ist zu lesen: „Creusa Æneæ Conigui Apparet“. Die Schrift ist ganz offensichtlich neu und gleicht nicht einem älteren Schriftzug, der noch schwach zu erkennen ist.
Vorlagen und Vergleiche
Das schmale Hochformat folgt der Fig. 15 des so genannten Augsburger Vergil von Thelot. Vom Querformat der Vorlage wurde nur der linke Teil übernommen. Der rechte Teil mit dem untergehenden Troja fehlt fast komplett. Auch links wurde das Bild beschnitten, sodass nur die Kernszene geblieben ist. Da nur wenig Raum besteht, hängt die rechte Hand der Krëusa zudem herunter und gestikuliert nicht, was sie passiver erscheinen lässt.
Aeneas errichtet dem Polydorus ein Grabmonument in Thrakien

Beschreibung und Ikonographie
Die chronologisch sechste Szene der Aeneis befindet sich zwischen dem mittleren und dem rechten Fenster. Sie zeigt Aeneas in Thrakien.[15] Die Trojaner planen, sich dort niederzulassen und bereiten ein Opfer für Venus vor. Beim Sammeln von Feuerholz bemerkt Aeneas an einer ausgerissenen Wurzel Blut. Eine Stimme ertönt und erklärt das Schicksal des Polydorus und rät Aeneas zur Flucht. Polydorus war der jüngste Sohn des Priamus gewesen. Er wurde zusammen mit dem Goldschatz von Troja zum befreundeten thrakischen König evakuiert. Nach dem Fall Trojas brach der König jedoch das Gastrecht, tötete den Knaben und bemächtigte sich des Schatzes. Die Trojaner halten nun eine Leichenfeier für den Toten, errichten ihm ein Grabmonument und verlassen das Land dann wieder.
Zwei Szenen sind in der Darstellung zusammengefasst. Zum einen sieht man links, wie Aeneas eine Wurzel aus dem Boden zieht, zum anderen ist rechts dahinter das Grabmal für Polydorus bereits errichtet. Die Bildunterschrift lautet: „Æneas Polydoro Monumentum Frigit“.
Vorlagen und Vergleiche
Das Gemälde folgt der Fig. 16 aus Theolts „Augsburger Vergil“. Es sind jedoch nur zwei Szenen aus der querformatigen Vorlage für das schmale Hochformat in Burgk übernommen worden: Aeneas und die Urne, die zudem enger zusammengerückt wurden. Die Totenfeier für Polydorus links des Aeneas fehlt. Die Bäume wurden zudem nach ober verlängert.
Die Opferung der Iphigenie in Aulis

Beschreibung und Ikonographie
Nicht zur Aeneis gehört die Opferung der Iphigenie, die gegenüber dem Eingang an der Südwand zur Fensterseite hin zu sehen ist.[16] Vielmehr steht das hier gezeigte Ereignis am Anfang des Trojanischen Krieges. In Ovids Metamorphosen steht am Anfang der Erzählung jedoch die Opferung der Iphigenie.[17]
Als das griechische Heer in den Krieg gegen Troja ziehen wollte, erlegte sein Anführer – Agamemnon – in Aulis in einem heiligen Hain der Göttin Diana einen Hirsch. Diana veranlasste daraufhin eine Windstille, die die griechische Flotte an der Abfahrt nach Troja hinderte. Der griechische Seher Kalchas prophezeite nun, dass die Windstille erst aufgehoben werden würde, wenn Agamemnon seine eigene Tochter Iphigenie geopfert habe. Iphigenie war bereit, das Opfer für ihren Vater und Griechenland auf sich zunehmen. Diana erbarmt sich jedoch ihrer und tauschte Iphigenie im letzten Moment gegen eine Hirschkuh aus. Die Griechen konnten nach Troja segeln, wo sie den Krieg zuletzt gewannen.
Gezeigt wird der Moment, in dem die kleine Iphigenie von ihrem trauernden Vater zum Opferaltar geführt wird. Links wartet bereits der Priester, das Opfer der Diana darzubringen. Im Hintergrund erkennt man rechts die Schiffe der Griechen, die nicht absegeln können. In den Wolken aber wartet bereits Diana, im Arm einen Hirsch (und keine Hirschkuh), der die Stelle von Iphigenie auf dem Altar einnehmen wird. Der Text unter dem Bild ist kaum noch zu entziffern: „Iphigenie [...] m [...] Ad Dianæ Iram Placandam.“
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt eng einem Kupferstich von Jean LePautre (Fig,. 12).[18] Der unbekannte Künstler hat in Burgk das Personal im Vergleich zur Vorlage reduziert, keine Amphoren vor dem Altar dargestellt und Diana mit dem Hirsch weiter nach oben in den Himmel gerückt.
Aeneas trifft Andromache in Buthrotum

Beschreibung und Ikonographie
Die chronologisch achte Szene der Aeneis ist an der Wand gegenüber dem Eingang rechts dargestellt. Sie zeigt das Zusammentreffen von Andromache und Aeneas in Buthrotum auf Epirus.[19] Aeneas und seine Gefährten sind nach der Abfahrt von Kreta nach Buthrotum gekommen. Dort haben andere Trojaner, die ebenfalls dem Untergang Trojas entkommen konnten, eine neue Stadt gegründet. Helenus, ein Sohn des Priamus, hat Andromache, die Witwe Hekotrs, gehreiratet und herrscht über dieses neue Scheintroja. Andromache hat ihren ersten Gatten aber nicht vergessen und einen Grabhügel zu Ehren Hektors errichten lassen, an dem sie regelmäßig opfert. Dies will sie auch tun, als Aeneas und seine Gefährten ankommen. Als sie die totgeglaubten Ankömmlinge in trojanischen Rüstungen erblickt, fällt sie in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich gekommen ist, berichtet ihr Aeneas von seinem Schicksal.
Zu sehen ist der Moment, in dem Andromache aus ihrer Ohnmacht erwacht. Zwei Dienerinnen müssen sie stützen. Mit weit ausgebreiteten Armen erwartet sie die Besucher. Aeneas kommt von links durch einen Hain. Im Hintergrund erkennt man die Bauten Buthrotums. Auf dem Altar hinter Andromache brennt bereits ein Opferfeuer. Im Hintergrund erkennt man auch den leicht überwachsenen Kenotaph für Hektor. Die Bildunterschrift lautet: „Æneas Andromachen Convenit“.
Vorlagen und Vergleiche
Die Darstellung folgt eng der Fig. 19 des Augsburgischen Vergil von Thelot. Die Vorlage ist fast komplett umgesetzt, nur links wurde sie hinter den beiden Trojanern abgeschnitten.
Die Bewertung des Aeneaszyklus
Der Aeneaszyklus auf Schloss Burgk
Die Auswahl der dargestellten Szenen und ihre Ergänzung um die Opferung der Iphigenie werfen ebenso Fragen auf, wie die nicht chronologische Abfolge. Es geht offensichtlich um inhaltliche Zusammenhänge.
Die beiden Darstellungen gegenüber dem Eingang zeigen Opfer an einem Altar. Zum einen soll die unschuldige Iphigenie geopfert werden, zum anderen bringt Andromache ihrem verstorbenen Gatten Hektor ein Opfer dar.
Auch die Darstellungen an der rechten Wand präsentieren allesamt Szenen aus Tempeln, allerdings keine Opfer. Die linken sind als freundliche Szenen anzusehen: Königin Dido nimmt unter der Vorhalle des Junotempels die Trojaner auf, Aeneas befragt das Orakel in Delos. Die beiden Darstellungen rechts sind dem hingegen eindeutig negativ zu verstehen. Polietes und Priamus werden am Altar getötet, die Priesterin Cassandra wird vom Altar verschleppt, ihr Verlobter ermordet. An diesen beiden Szenen ist Aeneas nicht beteiligt.
Anders ist es auf der Fensterseite. Aeneas tritt mit Toten in Kontakt – seiner in Troja verlorenen Frau und dem in Thrakien ermordeten Prinzen Polydorus – ehrt sie und folgt deren Ratschlägen. Dazu passt auch das Gemälde an der Ausgangsseite, das sich zwischen Tür und Fenstern befindet. Dem schlafende Aeneas erscheint der tote Hektor und fordert ihn zur Flucht sowie zur Mitnahme der Hausgötter auf. Diesem Auftrag leistet Aeneas links der Tür auch Folge. Zusätzlich trägt er seinen lahmen Vater. Diese Darstellung ist Inbegriff der Pietas des Aeneas, und um diese geht es auch im ganzen Raum.
Aeneas ist in Burgk ein Beispiel für Pflichttreue.[20] Es geht weder um die göttliche Sendung des Aeneas, noch um seine moralische Entwicklung oder gar um den Held im Kampf, sondern um Pflichtbewusstsein gegenüber dem göttlichen Gesetz. Auch Iphigenie ist ein vorbildliches Beispiel der Pflichterfüllung, sowohl gegenüber ihren Eltern als auch gegenüber den Göttern. Die meisten Handlungen des Aeneas, die in Burgk zu sehen sind, können als gänzlich uneigennützig gedeutet werden. Er achtet die Götter und unterwirft sich widerspruchslos ihren Anweisungen. Gegenüber der Fensterseite sind teilweise abschreckende Gegenbeispiele zu sehen.
Das moralisch korrekte Handeln ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Helden und eine spezifische Qualität des Aeneas.[21] Er ist ein sensibler Mensch mit Schwächen, der nach persönlichem Glück strebt, die Götter nicht immer richtig versteht und dennoch immer versucht, das Korrekte zu tun und letztendlich ja auch Erfolg hat. Denn Aeneas hat die rechte Gesinnung gegenüber den Göttern und dem Staat, den Menschen und seiner Familie, Besiegten und Befreundeten. Und er handelt auch dementsprechend. Er ist damit Vorbild auch für die Monarchen des 18. Jahrhunderts.
Und dass sein Handeln belohnt wurde, war allen Zeitgenossen bekannt. Aeneas war Stammvater des Römischen Reiches, dieses hatte den Weltfrieden gebracht sowie die christliche Religion verbreitet und geschützt. Burgk gehörte – das darf man nicht vergessen – zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und stand damit in direktem Bezug zur Aeneis.
Ganz ähnlich und ebenfalls auf dem Augsburger Vergil des Thelot beruhen argumentiert ein Aeneaszykus, der zeitglich im Oberschloss in Greiz geschaffen wurde und sich heute im Vorraum des Kleinen Saals auf Schloss Burgk befindet.
Der so genannten Damensalon
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Damensalon[22] ist zusammen mit der Wiederherstellung der Ostfront des Schlosses 1739-43 entstanden bzw. ausgestattet worden.
Beschreibung
Der annähernd quadratische Raum ist an der nordostecke des Schlosses gelegen und öffnet sich mit zwei Fenstern nach Norden und einem Osten. Er würd vom Süden und Westen aus betreten.
Die Wandmalerei im Damensalon
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wände des Raums werden nahezu komplett von einer Leinentapete[23] bedeckt, die mit Chinamotiven des 18. Jahrhunderts bemalt ist. Die Malerei wurde in Ölmalerei zusammen mit dem Raum um 1740 geschaffen. 2000 wurde die Malerei zuletzt restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Leinwände zeigen in mehreren sich Rapporten mit sich wiederholenden Motiven Chinesen im Sinne des 18. Jahrhunderts, die verschiedenen Tätigkeiten nachgehen, Versatzstücke von Landschaft wie Bäume, Drachen und wenige Figuren. Die Fensterlaibungen des Raums sind von dieser Dekoration ausgenommen und zeigen gemalte Rokokoornamente.
Das so genannte Pirckheimer Kabinett
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Raum[24] gehörte ehemals zu einer Abfolge von Gäste- und Schlafzimmern für fürstliche Besucher.
Beschreibung
Der annähernd dreieckige Raum im zweiten Obergeschoss öffnet sich mit einem Fenster nach Norden und wird im Süden vom Flur aus betreten.
Die Wandmalerei. Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Über einen Paneelbereich sind die Wände komplett mit Leinwand bedeckt, die eine Malerei in Ölfarbtechnik präsentiert. Sie schmücke ursprünglich das so genannte Kaiserin-Zimmer und wurde hierher versetzt.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei imitiert einen Wandteppich und zeigt Genreszenen. In einer weiten Landschaft mit Bäumen treffen Reiter im roten Rock unter Bäumen auf eine ländliche Bevölkerung. Hinzu kommt ein bäuerliches Gelage. Im Hintergrund sind verschiedene Architekturen zu sehen.
Das so genannte Prunkzimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das so genannte Prunkzimmer[25] ist ein Schauraum von 1880/90, der für Schlossbesucher geschaffen wurde. Es diente nie als Schlafzimmer. Es ist aus verschiedenen alten Bestandteilen zusammengesetzt worden. So stammen die Schnitzereien von ca. 1600 aus der Schlosskirche. Die Damenproräts und der Gobelin wurden im 17. Jahrhundert geschaffen. Die in die Decke eingelassenen Gemälde datieren in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Zelthimmel und die Schnitzereien des Alkovens entstanden ebenso wie die Wandbemalung erst im 19. Jahrhundert.
Beschreibung
Der kleine trapezförmige Raum wird direkt vom Treppenhaus im Osten aus betreten und ist zweigeteilt in einen Bereich vor einen Alkoven im Westen und den Alkoven mit Prunkbett selbst. Zwei Fenster weisen auf den Hof im Süden hinaus, ein drittes in einer tiefen Nische nach Norden.
Der Raum ist überreich gegliedert und kein Bereich der Wand oder Decke frei geblieben. Zahlreiche Goldauflagen an Schnitzwerk und Rahmen rufen einen opulenten Gesamteindruck hervor, der vermutlich dem entspricht, was man Ende des 19. Jahrhunderts unter typischem Barock verstand. In die Wände sind verschiedene Gemälde eingelassen. An der Ostwand neben dem Eingang wird zudem ein niederländischer Wandteppich präsentiert, der Meleager und Atalante zeigt. In der Südostecke steht ein Nürnberger Kachelofen aus dem 19. Jahrhundert. Die reich dekorierte Schauwand an der Westseite präsentierte sich mit drei Bogenstellungen, von denen die mittlere größere sich zwischen gedrehten Säulen zum Alkoven hin öffnet. Die beiden flankierenden schmaleren Bögen präsentieren jeweils die Darstellung einer mythologischen Göttin aus dem 19. Jahrhundert. Über ihnen sowie über dem Durchgang zum Alkoven sind in üppigen Rahmen Gemälde eingelassen, die vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammen und Szenen aus den Metamorphosen des Ovid zeigen. Über dem Alkoven ist etwa die pikante Sezen, in der der betrogene Vulkan den Göttern seine Frau mit Venus mit ihrem Liebhaber Mars präsentiert, zu sehen.
Die Decke des Prunkzimmers
Die Deckengemälde des Prunkzimmers
In die Decke vor dem Alkoven sind neun Gemälde eingelassen, von denen acht vermutlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen.[26] Sie wurden von einen unbekannten Künstler geschaffen und stellen Erzählungen aus den Metamorphosen des Ovid dar. Zentrales Bild ist die Entführung der Europa. Um dieses ordnen sich die übrigen Szenen an: Narziss verliebt sich in sein Spiegelbild, Thisbe flüchtet vor dem Löwen, Pan und Syrinx, ein nachträglich geschaffener nächtlicher Himmel mit Mondsichel, Venus und Adonis als Liebespaar, Venus trauert um den toten Adonis, Jupiter und Io. Das Deckenbild im Alkoven stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts und zeigt Leda mit dem Schwan.
Es handelt sich durchweg um sinnlich-erotische Themen. Es steht zu vermuten, dass die Gemälde des 18. Jahrhunderts auch ursprünglich für eine Decke bestimmt waren. Da in der Südostecke der Ofen steht, war aufgrund des Schlotes dort an der Decke kein Platz für ein ganzes Gemälde und der verbleibende schmale Steifen wurde mit dem Nachstück gefüllt. Eventuell könnte das über dem Bogen zum Alkoven präsentierte Bild mit Vulkan, Venus und Mars ursprünglich das neunte Bild gewesen sein.
Die Entführung der Europa

Beschreibung und Ikonographie
Jupiter hat sich in die schöne Königstocher Europa verliebt. Um ihr nahe zu kommen, nahm er die Gestalt eines Stiers an. Als Europa mit ihren Dienerinnen am Strand weilte, kam er zu ihnen. Sie mochten das schöne Tier und bekränzten es mit Blumen. Nachdem Europa das Tier mutig bestiegen hatte, eilte Jupiter mit ihr über das Meer davon. Ihre erschrockenen Dienerinnen konnten ihn nicht aufhalten und ihre Herrin auch nicht retten. Effektvoll bauscht sich ein roter Umhang hinter Europa und verweist zugleich auf den kommenden Geschlechtsakt wie auch die entblößten Brüste der Königstocher.
Narziss verliebt sich in sein Spiegelbild

Beschreibung und Ikonographie
Der schöne Narziss wies alle Menschen ab, die sich in ihn verliebten. Zur Strafe traf ihn Amor mit seinem Pfeil, als er sein eigenes Spiegelbild betrachtete, und so verliebte er sich in sich selbst. Nun erfuhr er am eigenen Leibe, was nicht erwiderte Liebe für Schmerzen zufügen konnte. Vor einer Waldlandschaft sieht man Narziss, wie er Pfeil und Bogen abgelegt hat und sich gerade verliebt. Amor fehlt.
Thisbe flüchtet vor dem Löwen

Beschreibung und Ikonographie
Pyramus und Thisbe waren ineinander verliebt, konnten sich auch aufgrund der Feindschaft ihrer Eltern nicht treffen, sondern nur durch einen Wandspalt miteinander reden. Als sich das Paar endich zu treffen versucht, um anschließend zu fliehen, traf Thisbe am vereinbarten Ort früher ein, als Pyramus. Als sich ein Löwe nahte, floh sie und verlor dabei ihren Schleier. Diesen fand der Löwe und zerriss ihn mit seinem von der Jagd nach blutigen Maul. Als Pyramus eintraf, fand er den blutigen Schleier und vermutete Thisbe als tot. Er beging darauf hin Selbstmord. Die zurückkehrende Thisbe fand den sterbenden Geliebten und entleibte sich ebenfalls. In Burgk wird der Moment dargestellt, in dem Thisbe flieht und ihren Schleier verliert.
Pan und Syrinx

Beschreibung und Ikonographie
Die Nymphe Syrinx floh vor dem liebestollen Pan bis ein Wasser ihre Flucht aufhielt. In ihrer Verzweiflung bat sie die Wassernymphen um Hilfe, die sie in Schilfrohr verwandelten. Pan konnte nur noch das Rohr umfassen. Und genau dieser Moment wird im Bild gezeigt.
Nächtlicher Himmel mit Mondsichel

Beschreibung und Ikonographie
In der Südostecke des Raums ist ein Schornstein. Im rechten Winkel um diesen ein schmales Bild gelegt, dass eine Mondsichel am nächtlichen Himmel zeigt. Am unteren Ende des einen schmalen Streifens ist ferner eine Landschaft zu erkennen.
Venus und Adonis als Liebespaar

Beschreibung und Ikonographie
Die Liebesgöttin Venus verliebte sich in den schönen Jüngling Adonis. Als dieser heranwuchs, wurde er zum Jäger und auf einer Jagd durch einen Eber getötet. Venus betrauerte ihren Geliebten und ließ aus seinem Blut die Adonisröschen wachsen.
In Burgk gibt es zwei Szenen aus dieser Erzählung. In der ersten wird das Liebespaar gezeigt. Venus liegt in den Armen des Adonis, der seine Waffen vor sich auf den Boden gelegt hat. Seine Jagdhunde betrachten das Paar. Rechts sind die beiden Schwäne zu sehen, mit der der Wagen der Venus gezogen wird und in dem sie zu dem Geliebten gekommen ist. Im Hintergrund erkennt man in einer weiteren Szene das Paar beim Jagen.
Venus trauert um den toten Adonis

Beschreibung und Ikonographie
Die Liebesgöttin Venus verliebte sich in den schönen Jüngling Adonis. Als dieser heranwuchs, wurde er zum Jäger und auf einer Jagd durch einen Eber getötet. Venus betrauerte ihren Geliebten und ließ aus seinem Blut die Adonisröschen wachsen.
In Burgk gibt es zwei Szenen aus dieser Erzählung. Die zweite Szene zeigt, wie Venus um den toten Geliebten trauert. Der liegt ausgestreckt am Boden, von seinen Jagdhunden rechts beklagt. Venus ist mit ihrem Schwanenwagen gekommen, den man links erblickt, und ist im Begriff, sich mit ausgebreiten Armen verzweifelt über die Leiche des Adonis zu werfen. Im Hintergrund wird die zuvor stattgefundene Jagd auf den Eber gezeigt.
Apoll und Daphne

Beschreibung und Ikonographie
Der von Liebespfeil Amors getroffene Apoll verfolgte Daphne. Als diese am Ende ihrer Kräfte war und ihm nicht mehr entkommen konnte, bat sie in ihrer Not um Hilfe und wurde in einen Lorbeerbaum verwandelt. Genau dieser Moment ist dargestellt. Von links eilt Apoll mit ausgestreckten Armen heran und wird sie gleich eingeholt haben. Doch Daphnes Füße schlagen bereits Wurzeln und aus ihrem Kopf und ihren Fingern sprießen die ersten Laubzweige.
Jupiter und Io

Beschreibung und Ikonographie
Jupiter begehrte die Io, die Priesterin seiner Frau Juno war. Io floh vor Jupiter, wurde aber von ihm eingeholt und vergewaltigt. Dazu näherte er sich Io als eine dunkle Wolke. Man erkennt die unglückliche Io, der sich Jupiter – kenntlich durch den Adler im Vordergrund – bemächtigt.
Der Aeneaszyklus aus dem Oberschloss in Greiz

Der Zyklus wird beim Oberschloss in Greiz beschrieben:
Bibliographie
- Literatur:
- Binder, Aeneis, 2008. – Binder, Edith und Gerhard (Hrsg./Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis. Lateinisch/Deutsch. Stuttgart 2008.
- Burgk, 1997. – Museum Schloß Burgk. Halle 1997.
- Damensalon, Burgk, 2001. – Der Damensalon von Schloss Burgk. Die Restaurierung der textilen Wandbespannung. Burgk/Saale 2001.
- Dehio, Thüringen, 1998. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. Berlin/München 1998.
- Enke, Burgk, 1998. – Enke, Hagen: Das Schloß in Burgk. In: Bärnighausen, Hendrik/Jacobsen, Roswitha (Hrsg.): Residenzschlösser in Thüringen. Bucha bei Jena 1998, S. 245-253.
- Götte, Aeneis, 2002. – Götte, Johannes (Hrsg./Übers.): Aeneis. Lateinisch-deutsch. 10. Aufl. Düsseldorf/Zürich 2002.
- Grau, Augsburger Vergil, 2013. – Grau, Peter: Vorstellung der 24 Radierungen Thelots im „Augsburger Vergil“. In: Wilke, Ulrich/Suerbaum, Werner/Grau, Peter (Hrsg.): Der „Augsburger Vergil“ von J. A. Tehlot (1655-1734). Aus der Sammlung Dr. Ulrich Wilke. München 2013, S. 14-62.
- Grau, Burgk, 2013. – Grau, Peter: Der Gemäldezyklus zur Aeneis in Schloss Burgk (Thüringen). Zur Rezeption von Thelots „Augsburger Vergil“. In: Wilke, Ulrich/Suerbaum, Werner/Grau, Peter (Hrsg.): Der „Augsburger Vergil“ von J. A. Tehlot (1655-1734). Aus der Sammlung Dr. Ulrich Wilke. München 2013, S. 76-79.
- Hänsel, Burgk, 1941. – Hänsel, Robert: Schloß Burgk und der Burgkhammer an der oberen Saale (Beiträge zur mittelalterlichen, neueren und allgemeinen Geschichte, 15). Jena 1941.
- Kettlitz, Burgk, 2018. – Kettlitz, Eberhardt: Schloss Burgk. In: Ders. (Hrsg.): Festungen in Thüringen. Regensburg 2018, S. 36-43.
- Lang, Burgk, 1989. – Lang, Elke: Schloß Burgk. Geschichte und Gegenwart. Burgk 1989.
- Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
- Lehfeldt, KDM Reuss, 1891. – Lehfeldt, Paul (Bearb.): Fürstenthum Reuss Älterer Linie (Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, 6). Jena 1891.
- Löffler, Residenzen, 2000. – Löffler, Anja: Reußische Residenzen in Thüringen. Diss. Weimar 2000.
- Scheffler/Stephan, Burgk, 1994. – Scheffler, Ina/Stephan, Erik: Museum Schloß Burgk. Kleiner Museumsführer. Burgk 1994.
- Suerbaum, Vergil, 1998. – Suerbaum, Werner (Hrsg.): Vergil visuell. Beiheft zur Münchener Vergil-Ausstellung. Teil 3: Bilder zu Vergil. München 1998.
- Ungelenk, Burgk, 1959. – Ungelenk, Manfred: Die Baugeschichte des Schlosses Burgk – Saale. Burgk 1959.
- Wlosok, Aeneas, 1982. – Wlosok, Antonie: Der Held als Ärgernis. Vergils Aeneas. In: Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft, NF 8 (1982), S. 9-21.
- Quellen:
- Voss, Äneide, 1799. – Voss, Johann Heinrich: Äneide. Übersetzung der Aeneis in deutsche Metren. In: Ders. (Übers.): Des Publius Vergilius Maro Werke. Band 2-3. Braunschweig 1799.
Einzelnachweise
- ↑ Kettlitz, Burgk, 2018; Laß, Lustschlösser 2006, S. 285-287; Löffler, Residenzen, 2000, S. 143-175; Dehio, Thüringen, 1998, S. 171-174; Enke, Burgk, 1998, S. 249; Burgk, 1997; Ungelenk, Burgk, 1959, S. 36, 38, 43-52; Hänsel, Burgk, 1941, S. 27-29; Lehfeldt, KDM Reuss, 1891, S. 35-41.
- ↑ Burgk, 1997, S, 25, 28; Lang, Burgk, 1989, S. 51; Hänsel, Burgk, 1941, S. 29; Lehfeldt, KDM Reuss, 1891, S. 29-40.
- ↑ Burgk, 1997, S, 28; Lang, Burgk, 1989, S. 51;
- ↑ Löffler, Residenzen, 2000, S. 158; Scheffler/Stephan, Burgk, 1994, S. 15; Lang, Burgk, 1989, S. 41; Ungelenk, Burgk, 1959, S. 43-50; Hänsel, Burgk, 1941, S. 28-29.
- ↑ Suerbaum, Vergli, 1998, S. 13-16; Lang, Burgk, 1989, S. 41; Ungelenk, Burgk, 1959, S. 47-48.
- ↑ Der Handlungsverlauf wird von Vergil nicht chronologisch wiedergegeben, sondern setzt mit der Landung des Aeneas in Karthago ein. Es schließt eine Rückschau an, dann entwickelt sich die Handlung weiter. Vgl. Voss, Äneide, 1799; Binder, Aeneis, 2008; Götte, Aeneis, 2002.
- ↑ Grau, Augsburger Vergil, 2013; Grau, Burgk 2013; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 13-16.
- ↑ Grau, Burgk, 2013, S, 77; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 14.
- ↑ Grau, Burgk, 2013, S. 32-33; Suerbaum, Vergil, 1998, S. 14.
- ↑ Grau, Augsburger Vergil, 2013, S. 34-35; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 14.
- ↑ Grau, Augsburger Vergil, 2013, S. 36-37; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 14.
- ↑ Grau, Augsburger Vergil, 2013 S. 46-47.Suerbaum, Vergil, 1998., S. 15.
- ↑ Grau, Augsburger Vergil, 2013, S. 22-23; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 15.
- ↑ Grau, Augsburger Vergil, 2013, S. 42-43; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 14.
- ↑ Grau, Augsburger Vergil, 2013, S. 44-45; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 15.
- ↑ Grau, Burgk, 2013, S. 77; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 14.
- ↑ Suerbaum, Vergil, 1998., S. 13.
- ↑ Grau, Burgk, 2013, S. 77.
- ↑ Grau, Augsburger Vergil, 2013, S. 50-51; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 15.
- ↑ Grau, Burgk, 2013., S. 78, 79; Suerbaum, Vergil, 1998., S. 16.
- ↑ Wlosok, Aeneas, 1982.
- ↑ Burgk 1997, S. 17; Lehfeldt, KDM Reuss, 1891, S. 38-43.
- ↑ Damensalon, Burgk, 2001; Burgk, 1997, S. 37; Lehfeldt, KDM Reuss, 1891, S. 38.
- ↑ Burgk, 1997, S. 32.
- ↑ Burgk, 1997, S. 50-54; Lang, Burgk, 1989, S. 39-41.; Ungelenk, Burgk, 1959, S. 56; Lehfeldt, KDM Reuss, 1891, S. 37-38.
- ↑ Lang, Burgk, 1989, S. 41.