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Bremen, sog Brasilhaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Bremen, sog. Brasilhaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/665742ee-506a-4d3a-8e84-65d1913220fe

Inventarnummer: cbdd20234

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im sog. Brasilhaus hat sich eine Holzbalkendecke mit Deckenmalerei von ca. 1600-1620 erhalten. In Rankenwerk werden Rundmedaillons mit Bruststücken präsentiert.

Bremen, Schnoor 15
Bremen, Schnoor 15

Das sog. Brasilhaus in Bremen

Bremen, Schnoor 15, um 1950

Kurzbeschreibung und Lage

Das so genannte Brasilhaus[1] steht im Stadtviertel Schnoor in der Bremer Altstadt an der Nordseite der schmalen Straße Schnoor. Es handelt sich um ein ehemaliges Kaufmannshaus.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das sog. Brasilhaus ist inschriftlich auf 1402 datiert. Die gegenwärtige Erscheinung geht jedoch auf einen Umbau von 1512 zurück sowie auf weitere Umgestaltungen um 1600 und 1859. 1960, 1973/74 und 1995 erfolgten teilweise tiefgreifende Sanierungsarbeiten sowie Renovierungen.[2]

Beschreibung

Das dreigeschossige Haus ist nur drei Achsen breit und hat einen zweigeschossigen Giebel. Die Fassadengestaltung von ca. 1600 weist Gurt- und Solbankgesimse zwischen erstem und zweitem Obergeschoss sowie den Giebelgeschossen auf. Die breiten Fenster und die Haustür stammen aus dem 19. Jahrhundert. Im Innern gab es ursprünglich die typische zweigeschossige Diele. Erst 1840/59 wurde eine Zwischendecke eingezogen. Heute gibt es im Obergeschoss zwei Räume – einen zum Hof und einen zur Straße hin. Eventuell handelte es sich ursprünglich um einen Raum.[3]

Der rückwärtige Raum im ersten Obergeschoss

Bremen, Schnoor 15

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Der Raum ist prinzipiell bereits 1402 entstanden und war gemäß einer Inschrift an der Südwand spätestens 1512 vorhanden. Ob er sich damals durch die ganze Tiefe des Hauses erstreckte oder wie heute auf die Hofseite beschränkte, ist unklar. Da die Diele erst im 19. Jahrhundert durcheine Zwischendecke unterteilt wurde, wäre bei der großen Variante zumindest teilweise davon auszugehen, dass der Raum ehemals zum Erdgeschoss gehörte. 1960 wurde der Raum renoviert und die Decke mit Rabitz verdeckt.[4]

Beschreibung

Das Wohnzimmer ist im ersten Obergeschoss an der Hofseite gelegen und misst 4,50 auf 3,90 Meter. Die ursprüngliche Holzbalkendecke ist bis auf ein Sichtfenster abgedeckt. Teilweise hat sich Wandmalerei mit schwarzen Ranken und Inschriften erhalten, die jedoch bis auf die Jahreszahl 1512 an der Südwand nicht mehr zu entziffern sind.[5]

Die Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Holzbalkendecke stammt aus der Zeit um 1600 und wurde um 1620 farbig gefasst und zu einem unbekannten Zeitpunkt verdeckt. Im Rahmen der Renovierung des Hauses wurde die wieder aufgefundene Malerei 1960 mit Rabitz verdeckt.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die Holzbalkendecke mit fünf Balken und vier Fachen ist weitgehend erhalten bis auf die beiden Felder vor der Tür. Sie misst 4,50 auf 3,90 Meter. Die Balken sind von Nadelholz, die Dielen aus Eichenholz. Sie überbrücken jeweils zwei bis drei Fachen und wurden wie die Balken mit vegetabiler Ornamentik auf schwarzem Grund in Leimfarbentechnik bemalt. Die Balken sind heute mit schwarzer Ölfarbe überstrichen. Die Fachen nehmen jeweils Rundmedaillons mit Bruststücken auf. Weiße Höhungen verleihen den Rahmen Plastizität. Es soll sich bei den Dargestellten um ein Ehepaar mit sieben Töchtern handeln, doch ist diese Behauptung aufgrund der weitgehend verdeckten Malerei nicht zu überprüfen. Das heute noch sichtbare Medaillon zeigt in Schrägansicht eine Frau in Grisaillemalerei vor rotem Grund. Sie trägt eine weiße Haube sowie eine weiße Halskrause.[7]

Bibliographie

  • Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen, Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Dillschneider, Schnoor, 1972. – Dillschneider, Karl: Der Schnorr. Neues Leben in Bremens ältestem Stadtteil. Bremen 1972.
  • Dillschneider/Loose, Schnoor, 1981. – Dillschneider, Karl/Loose, Wolfgang: Der Schnoor Alt + Neu. Eine Gegenüberstellung in Bildern. Bremen 1981.
  • Gramatzki, Holzdecken, 1985. – Gramatzki, Rolf: Bemalte Holzdecken in der Stadt und im ehemaligen Erzstift/Herzogtum Bremen, in: Bremisches Jahrbuch 63 (1985), S. 33-92.
  • OBJ-Dok-nr.: 00001111. – Brasilhaus. OBJ-Dok-nr.: 00001111. https://www.denkmalpflege.bremen.de/denkmaeler/brasilhaus-51356.
  • Stein, Baukunst, 1962. – Stein, Rudolf: Romanische, Gotische und Renaissance-Baukunst in Bremen. Bremen 1962.
  • Archivalien:
  • Thönes, Voruntersuchungsbericht, 1995. – Thönes, Klaus: Restauratorischer Voruntersuchungsbericht. Neuenkirchen 1995.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 43; Dillschneider, Schnoor, 1972, S. 164-165; Stein, Baukunst, 1962, S. 414; OBJ-Dok-nr.: 00001111.
  2. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 43; Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 73; Dillschneider, Schnoor, 1972, S. 36, 165; Stein, Baukunst, 1962, S. 414. Thönes, Voruntersuchungsbericht, 1995.
  3. Stein, Baukunst, 1962, S. 414. Thönes, Voruntersuchungsbericht, 1995.
  4. Thönes, Voruntersuchungsbericht, 1995.
  5. Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 74; Dillschneider, Schnoor, 1972, S. 36; Thönes, Voruntersuchungsbericht, 1995.
  6. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 43. Thönes, Voruntersuchungsbericht, 1995.
  7. Gramatzki, Holzdecken, 1985, S. 74. Thönes, Voruntersuchungsbericht, 1995.