Berlin, Humboldt Universität, ehem Prinz Heinrich Palais
Inventarnummer: cbdd10185
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
Das ehemalige Prinz-Heinrich-Palais wurde 1748–1753 erbaut und 1809 zum Universitätsgebäude umgewidmet. Im Zweiten Weltkrieg brannte es aus. Die von Gregorio Guglielmi 1764 geschaffene Deckenmalerei des Festsaals mit einer Apotheose des Prinzen Heinrich wurde zerstört.

Das Prinz-Heinrich-Palais
Kurzbeschreibung und Lage
Das heutige Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin war ursprünglich für den Bruder Friedrichs II., Prinz Friedrich Heinrich Ludwig von Preußen, in den Jahren 1747 bis 1766 errichtet worden. Zu dieser Zeit war es nach dem Berliner Schloss das nächstgrößte Gebäude im damaligen Berlin.[1] Es liegt an der Allee Unter den Linden, gegenüber dem Bebelplatz, welcher von der Staatsoper, der St. Hedwigs-Kathedrale, der Alten Bibliothek und dem ehemaligen Palais Kaiser Wilhelm I. eingerahmt wird.
Der Bau selbst ist eine breit angelegte Dreiflügelanlage, deren Ehrenhof zu den Linden zeigt. Die Frontlänge beträgt knapp 150 Meter und ist, ebenso wie die Flügel, streng gegliedert.
Das Corps de Logis weist eine Länge von 17 Achsen auf und wird dominiert von einem fünfachsigen Mittelrisalit mit sechs kannelierten, korinthischen Säulen und dahinter liegenden Pilastern. Das Motiv ist von den schlossplatzseitigen Portalen des Berliner Schlosses abgeleitet.[2] Es wiederholt sich in vereinfachter Form noch einmal an den Stirnseiten der Seitenflügel mit dreiachsigen Risaliten und einer ebensolchen Pilastergliederung.
Das Erdgeschoss ist als gequaderter und leicht geböschter Sockel ausgeführt. Darüber erhebt sich das Obergeschoss mit feiner Putzquaderung bis zum stark profilierten Hauptgesims. Den Abschluss bildet eine umlaufende Sandsteinbalustrade.
Die Fenster der BelEtage sind als Rundbogenfenster gestaltet. Darüber gibt es in den Bereichen der Risalite jeweils Pflanzengirlanden mit Schlusssteinköpfen. Diese Verzierung ist jedoch eine spätere Zugabe, wahrscheinlich 1809.[2]
Ursprünglich waren nur Schlusssteine eingebaut, eventuell mit Rocaillen als Abschluss.
Auf der Balustrade stehen oberhalb des Mittelrisalits Skulpturen. Zur Zeit der Errichtung standen mehrere Figurengruppen, auch jeweils oberhalb der Seitenrisalite. Es waren Darstellungen von ovidischen Liebschaften der Götter und Heroen. Diese wurden jedoch während des 2. Weltkriegs zum Teil zerstört. Deshalb wurden sie im Zuge der Restaurierung durch Kopien ersetzt und mit Skulpturen vom ehemaligen Potsdamer Stadtschloss ergänzt.
Auf der Gartenseite des Corps de Logis wiederholt sich die Fokussierung auf das Zentrum mit Hilfe eines säulengetragenen Risalits. Vor dem 2. Weltkrieg war in seiner Mitte auf der Attika eine große Kartusche mit plastischen Elementen wie Wappen und Krone angebracht. Jedoch wurde auch diese Verzierung zerstört und nicht wieder erneuert.
Auf den Ecken des Risalits stand jeweils eine Skulptur, ähnlich derer auf der Südseite. Diese sind heute ersetzt durch 6 großformatige Sandsteinvasen, welche in optischer Verlängerung der Pilaster, auf der Balustrade stehen.
In den Jahren 1913-20 wird der Bau nach Plänen von Ludwig Hoffmann erheblich erweitert. Der Stadtbaurat hält sich dabei an die Formen des vorhandenen Bau und fügt seitliche Anbauten an den Flügeln zur Lindenseite an, schafft zwei komplett neue Flügel auf der Nordseite und versieht sie mit querliegenden Kopfbauten an der Dorotheenstraße. Seither entspricht der Grundriss einem großen H und aus dem ehemaligen Garten wurde ebenfalls ein Innenhof.
Am Eingang zum Ehrenhof auf der Südseite stehen bis heute zwei Schilderhäuser, mit bekrönenden Puttengruppen. Sie dienten ursprünglich als Laternenhalter und kopieren mit ihrem Äußeren den Sockelbereich des Palais. Beidseitig des Eingangs zur Universität stehen zwei Marmordenkmäler der Brüder Humboldt. Sie wurden 1883 von Reinhold Begas (Alexander v. Humboldt) und Martin Paul Otto (Wilhelm v. Humboldt) geschaffen.
Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte
Bis zum Jahr 1730 wurde das Grundstück, auf dem später das Palais entstand, noch vom königlichen Bauhof für die Zurichtung von Holz für die Bauvorhaben des Königs genutzt. Danach ließ Friedrich Wilhelm I. darauf das königliche Artillerie-, Wagen- und Materialienhaus errichten.[3] Mit der Thronbesteigung Friedrich II. im Jahr 1740 beginnt der neue König eine Residenz im neu entstehenden, westlichen Teil der Stadt zu planen. Sein Architekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, sowie der König selbst, fertigen erste Entwürfe für ein Forum Friderizianum an. Es soll in den Stadtteilen Dorotheenstadt (nördlich der Linden) und Friedrichstadt (südlich der Allee) liegen und die symbolische Zurschaustellung seiner Herrschaftsprinzipien sein; die Vereinigung von Wissenschaft, Kultur und Kunst. Dabei plant er gegenüber der Seitenflügel dieser Residenz die Bauten eines Opernhauses und der Akademie der Wissenschaften. Als erster Bau entsteht dann auch in den Jahren 1740-43 die heutige Staatsoper.
Allerdings wendet sich Friedrich II. ab 1744 eher Potsdam zu und entscheidet, dort eine Residenz für sich zu bauen, welche in der Folge mit Sanssouci entsteht.
1747 schenkt der König das Areal hinter dem Opernhaus der katholischen Gemeinde, mit der Auflage, an dieser Stelle eine Kirche nach dem Vorbild des römischen Pantheons zu errichten. Es ist der Beginn des Baus der St. Hedwigs Kathedrale. Im gleichen Jahr weist er dann den Platz der ehemals geplanten, königlichen Residenz als Bauplatz für eine Stadtresidenz für seinen Bruder Heinrich an.
Eine Handskizze Friedrichs von 1747 zeigt in seiner Darstellung des Mittelrisalits bereits alle Elemente, die später auch die Front am Palais gliedern. Sie unterstreicht damit deutlich die unmittelbare Einflussnahme, welche der König auf den Bau ausübte.[3] Als mögliche Vorlagen für Anlage und Fassadengliederung wurden in der Literatur das Kings-College in Cambridge von James Gibb[4] oder Versailles genannt.[3]
Das Palais wurde aus „Rathenower Backsteinen“ errichtet, die Verzierungen und Gliederungselemente aus Sandstein.[5] Der Außenbau entstand von 1748 bis 1756 und kostete, laut den jährlichen Geldanweisungen insgesamt 232 826 Taler. Mit dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges ruhte der Bau und wurde erst danach fortgesetzt. Der Innenausbau konnte dann entsprechend 1763 weitergehen und kostete zusammen mit der Einrichtung bis zur Fertigstellung 1766 noch einmal 120 000 Taler.[6]
Auf einem Gemälde von Carl Friedrich Fechhelm, welches die Allee Unter den Linden zeigt, sieht man das Prinz Heinrich Palais in einem leicht rosafarbenen Anstrich. Das Gemälde entstand ca. 1770 und gibt damit den Zustand kurz nach der Fertigstellung des Baus wieder.
Nach dem Tod des Prinzen 1802 wohnte die Prinzessin und weitere Hofchargen weiterhin darin. Es folgten eine Wohnung für den Generaladjutant von Kleist, das Militärkabinett und zwischenzeitlich tagte zweimal die neue Stadtverordneten-Versammlung.[3] 1809 übereignete der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Palais dem Staat, damit eine Universität gegründet werden konnte. Es folgten Umbauarbeiten und bereits 1836-40 eine erste große Sanierung. Der Zustand des Hauses wird bereits bei der Übergabe an die Universität als teils beschädigt beschrieben. So soll in der großen Galerie das Fresko von Guglielmi teilweise zerstört gewesen sein, da Putzkalk in großen Stücken von der Decke gefallen war. Vor allem das Dach soll wegen der Verwendung von zu frischem Holz in schlechtem Zustand gewesen sein.[7]
Ende des 19. Jahrhunderts wurden neue Gebäude für die stetig wachsende Zahl an Studierenden im Umfeld des Palais gebaut. 1888-92 folgt dann eine Modernisierung des Hauptgebäudes. Doch bereits 1913-20 wird das Hauptgebäude noch erweitert und es werden, nach Plänen des Stadtbaurats Ludwig Hoffmann die beiden nördlichen Seitenflügel mit ihren Querbauten errichtet. Um die Flügel mit dem Hauptbau zu verbinden, wurden massive Eingriffe in den jeweils angrenzenden Räumen vorgenommen, sodass auch dort die ursprüngliche Raumfassung nicht erhalten blieb.
1928 wurde der Festsaal, der für die Universität als alte Aula diente, komplett restauriert. Dabei wurden vor allem die Wände und die Decke gereinigt und Büsten des 19. Jahrhunderts entfernt.
In den 30er Jahren gab es noch einmal eine Fassadenrestaurierung und eine Neugestaltung des Ehrenhofes.
Während des 2.Weltkrieges wurde dann der Mittelbau bis auf die Außenwände völlig zerstört. Der Ostflügel brannte beinahe vollständig aus und der Westflügel erlitt Teilzerstörungen.
Nach dem Krieg erfolgten zunächst eine Fassadensicherung und der Wiederaufbau des Westflügels. Danach begann der innere Wiederaufbau des Corps de Logis, welcher 1962 abgeschlossen war. Mit dem Wiederaufbau war jedoch eine völlig neue Raumstruktur geschaffen worden, die sich den Erfordernissen des Hauses als Hochschule anpasste. So wurde das Treppenhaus an die Gartenseite verlegt und eine großzügige Empfangshalle an der Lindenseite geschaffen. Im ersten Obergeschoss wurde die Raumfolge von Senatssaal und Rektoratsräumen an die Südseite verlegt, sodass von den früheren Raumfolgen nichts mehr erkennbar ist. In den ehemaligen Räumen des Prinzen, im Nordostflügel wurden ein Kinosaal und das Auditorium Maximum eingebaut.
Auftraggeber
Friedrich II. Kurfürst von Brandenburg und König in Preußen plante mit seiner Thronbesteigung im Jahr 1740 den Bau einer neuen Residenz im westlichen Teil der Stadt Berlin. Nur vier Jahre später hatte er sich dagegen entschieden und stattdessen Potsdam und Umgebung als neuen Wohnort ausgewählt. 1747 bestimmte er den Platz gegenüber von Opernhaus und zukünftiger Akademie der Wissenschaften als Standort für seinen jüngeren Bruder Heinrich. Dieser war der dritte Sohn des Königs Friedrich Wilhelm I. und seiner Gattin Sophie Dorothea. Nachdem er im ersten schlesischen Krieg nur als Zuschauer teilnahm, diente er im zweiten schlesischen Krieg 1744/45 bereits als königlicher Generaladjutant. Er erfüllte in den Augen seines Bruders die in ihn gestellten Aufgaben sehr zuverlässig, sodass Friedrich II. ihn im Siebenjährigen Krieg als Kommandierenden eines Teils der Armee berief. Nachdem der zweitgeborene Bruder und designierte Thronfolger August Wilhelm 1758 verstarb, intensivierte sich der Kontakt der Brüder im Briefverkehr und erstreckte sich nunmehr auch auf Regierungsangelegenheiten.
Mit dem Bau und der Einrichtung des Prinz Heinrich Palais zeigte Friedrich II. seine Wertschätzung für den Bruder und so ist auch das Thema der Apotheose des Prinzen als Deckengemälde im Festsaal in diesen Zusammenhang zu stellen.
Architekten, Künstler und Handwerker
Johann Bouman d. Ä., Architekt und Artillerieoffizier wurde 1706 in Amsterdam geboren und 1732 von Friedrich Wilhelm I. nach Potsdam für eine umfangreiche Bautätigkeit berufen. Zu seinen Werken zählte in Potsdam das holländische Viertel (1752), das Berliner Tor und das Rathaus (1753). Er war außerdem an den Bauten des Potsdamer Stadtschlosses und Sanssouci beteiligt.
In Berlin schuf er den Dom und erneuerte das Akademiegebäude. Als bekanntestes Werk gilt das Prinz Heinrich Palais. Zusätzlich schuf er in seiner Funktion als Militärangehöriger noch Kasernen und Magazine.[8] Er starb 1776 in Berlin.
Baubeschreibung
Das Palais des Prinzen Heinrich wurde erbaut als eine Dreiflügelanlage mit einem 17-achsigen Corps de Logis und zwei gleich langen Seitenflügeln mit 11 Achsen. Die Frontlänge beträgt ungefähr 150 Meter. Der Grundriss zur Zeit der Einweihung hat sich leider durch Kriegszerstörungen nicht erhalten. Es gibt jedoch Vorzeichnungen von 1748, also zum Baubeginn und Zeichnungen, welche 1802, im Todesjahr des Prinzen angefertigt wurden. Beide Darstellungen sind nahezu gleich, sodass von dieser Raumstruktur als der Originalen ausgegangen werden kann.
Im Zentrum des Corps des Logis lag der Haupteingang mit weitläufigem Vestibül. Seitlich des Eingangs, zur Hofseite gelegen verliefen zwei gegenüberliegende Treppenläufe. Sie führten unabhängig voneinander in das obere Geschoss und ermöglichten so den getrennten Zugang zu den Gemächern des Prinzen und der Prinzessin. Im Fall dieser arrangierten Ehe, schildern Zeitgenossen auch die bewusste Nutzung dieser Möglichkeit zur Distanzierung.[9]
Hinter dem Vestibül, getrennt durch einen Korridor, die eine Säulen- oder Pfeilerhalle. Sie hatte breite Fenster und Türen, welche auf die Gartenseite hinaus lagen.[7] Im Zentrum des Mittelbaus führte eine Durchfahrt vom Vestibül zur Sala Terrena und verband damit die Hof-und Gartenseite miteinander.
Der Grundriss und die Kubatur der Räume selbst sind von auffallender Nüchternheit. Es gibt keine Nischen und keine versteckten Kabinette.
In der Bel Etage dominierte die Mitte der Fest- und Audienzsaal. Er lag, von der Treppe kommend, hinter einem schmalen Wandelgang und reichte über Haupt- und Mezzaningeschoss.
An ihn schlossen sich auf westlicher Seite sechs Wohn- und Gesellschaftsräume der Prinzessin Wilhelmine an. Gegenüber, in östlicher Richtung lagen die Räume des Prinzen. Friedrich Nicolai berichtet in seinen drei Ausgaben der „Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam“ von 1769, 1779 und 1786 von der Einrichtung dieser Räume.
Er benennt als ersten Raum das Vorzimmer mit „karmoisierter Damasttapete und Fürstenbildern“.[10] Daran schloss sich der Audienzsaal an, in welchem noch einmal vier Gemälde des französischen Künstlers Vanloo hingen. Sie zeigten Darstellungen der Künste (Dichtkunst, Malerei, Bildhauerei und Baunkunst). Im anschließenden Eckraum wird eine himmelblaue Atlastapete beschrieben, welche ein Geschenk der russischen Zarin Katharina gewesen sein soll.[11] Dahinter lag, mit Blickrichtung Osten, das Schlafzimmer des Prinzen, welches mit einer rötlichen Damasttapete bespannt war, auf der Darstellungen von heidnischen Gottheiten „in Ovalen wie Gemälde“[12] zu sehen waren.
Durch eine verdeckte Tür gelangte der Besucher in ein Kabinett, in dem der Prinz seine Bildersammlung aufbewahrte. Es sollen vor allem niederländische und französische Künstler gewesen sein. In der Beschreibung Nicolais wird im weiteren Verlauf noch ein kleines Audienzzimmer angegeben. Dieses lässt sich jedoch auf dem Grundriss nicht mehr fehlerfrei zuordnen.
In den Räumen im Ostflügel ließ der Prinz eine Zwischendecke einziehen. Er schuf damit im oberen Bereich noch einmal Platz für seine umfangreiche Kupferstichsammlung, die die Gäste ebenfalls besichtigen konnten.
Im Westflügel schloss sich an die Räume der Prinzessin die Große Galerie an. Sie war ebenfalls mit einem Deckengemälde von Guglielmi dekoriert und zeigte allegorische Fresken.[13] Auch reichte sie ebenfalls über zwei Geschosse, war aber noch um ein Drittel länger als der Festsaal.[14] Durch die hohen Fenster zu beiden Seiten fiel genügend Licht herein. Prinz Heinrich ließ in diesem Raum seine umfangreiche Sammlung russischer Mineralien aufstellen. Nach seinem Tod wurde diese, ebenso wie der andere Kunstbesitz, versteigert oder in andere Schlösser überführt.[15] Im 19. Jahrhundert diente der Saal dann der Universität als Hauptsaal des anatomischen Museums bevor er 1892 komplett verändert wurde.
Am südlichen Ende des Seitenflügels lagen noch untergeordnete Räume zur Straßenfront, sowie eine Nebentreppe, die bei Empfängen als weiterer Zugang zur Galerie diente.
Das gesamte Erdgeschoss war für die Hauswirtschaft und Bediensteten eingerichtet. Im Ostflügel befanden sich die Küchen- und Wirtschaftsräume (Backstube, Kellermeisterei, Kupferkammer u.ä.). Daran schlossen sich in der nördlichen Ecke zum Corps de Logis die Silberkammer und die Büros der prinzlichen Domänenkammer an. Im westlichen Bereich des Mitteltraktes lagen die Möbel- und Wäschekammern und die übrigen Räume im Westflügel dienten zur Unterbringung der Hofchargen selbst.
Auf der westlichen Seite des Gartens, an der heutigen Universitätsstraße, lagen noch Stallungen und Remisen.
Wie bereits eingangs erwähnt, wurde der Grundriss bereits mit der Nutzung als Universität im 19. Jahrhundert stark verändert. Nach der nahezu vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Innere dann komplett neu gestaltet. Allein die Grundrissstruktur im westlichen und südöstlichen Seitenflügel hat sich weitgehend erhalten. Dies betrifft die Treppenanlagen und vereinzelte Innenausstattungen von 1840, 1892 und 1920.[16]
Der innere Aufbau des Mittelteils wurde dahingehend verändert, dass das Treppenhaus an die Gartenseite und die Raumfolge von Senatssaal und Rektoratsräumen an die Südseite verlegt wurden.[17] Im Nordostflügel, den früheren Räumen des Prinzen, entstand ein Kinosaal und das Auditorium Maximum.
Forschungsstand
Die Geschichte des Prinz Heinrich Palais ist mit seiner Begründung als Universität im Jahr 1809 gut belegt. Es gibt verschiedene ältere Literatur, welche ausführlich die Gründungsjahre und ihre Erweiterung besprechen.[18] Die Erbauung und Einrichtung des Hauses im 18. Jahrhundert ist jedoch heute schwer nachzuvollziehen, da einerseits viele Quellen im Krieg verloren gingen und andererseits der Bau im Inneren völlig verändert wurde. Daher stellt die Beschreibung von Nicolai[12] die einzige Möglichkeit dar, sich vom Inneren während des 18. Jahrhunderts ein Bild zu machen. Einzige Ausnahme ist an dieser Stelle die alte Aula, der ehemalige Festsaal. Er blieb während der Veränderungen im übrigen Haus erhalten und im Zuge seiner Restaurierung 1927/28 entstanden auch Fotoaufnahmen. Sie geben einen guten Eindruck von der Dekorierung zum Zeitpunkt der Einrichtung 1767.[19]
Der ehemalige Festsaal
Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte
Der große Fest- und Audienzsaal wurde zusammen mit dem Bau des Heinrich Palais geplant und ab 1748 errichtet. Die Innenausstattung konnte jedoch erst 1763, nach Ende des Siebenjährigen Krieges, beginnen und war 1766 fertiggestellt.
Der Raum diente, wie der Name bereits vorgibt, als Ort für Empfänge und Feste.[20] Nach dem Tod des Prinzen und der Überschreibung des Baus an den Staat zur Gründung der Universität 1809, diente der Raum dann als Aula für Professoren und Studenten.
Dafür wurde 1826, nach Entwürfen von Schinkel, die Kathederwand, auf der Ostseite umgestaltet und mit Ehrenmalen aus den napoleonischen Befreiungskriegen gestaltet. Das Podest und die Aufbauten vor der Wand waren zwar aus Holz und naturbelassen,[21] jedoch in ihrer Anordnung mit Säulen und verbindendem Konsolgesims völlig homogen in den Raum eingebunden. Im Verlauf des 19. Jahrhundert wurden zusätzlich nacheinander Marmorbüsten auf Konsolbretter an den Wänden aufgestellt. Sie zeigten Professoren, die an der Universität gelehrt hatten.
Mit der Restaurierung des Saals 1927/28 wurden die Büsten und Ehrenmale entfernt und das Podest farblich dem Grau der Wände angeglichen. Mit diesen Maßnahmen wollte man den ursprünglichen Charakter des Raumes wieder hervorheben.[17]
Die Restaurierung des Saales beinhaltete die gründliche Reinigung der Wände, Decke, sowie aller Stuckdekorationen. Weiterhin wurden die Wandbilder von Charles Philippe Vanloo aus einem anderen Schloss geholt und wieder zu beiden Seiten der Eingangstür aufgehängt.[17] Das Gestühl wurde erneuert und zusammen mit den Vorhängen nach historischer Vorlage mit einem roten Stoff bezogen.
Der Raum wurde dann im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört und da beim Wiederaufbau an dieser Stelle (Nordseite des Corps de Logis) das Treppenhaus eingebaut wurde, ist von dem Raum heute nichts mehr vorhanden.
Beschreibung
Der Festsaal war ein rechteckiger Raum, welcher sich über Haupt-und Mezzaningeschoss erstreckte. Er lag auf der Nordseite, zentral im Mittelteil des Corps de Logis, mit einer Fensterfront zur Gartenseite.
Ein umlaufendes, stark profiliertes Konsolgesims trennte den unteren und oberen Bereich voneinander. Das Hauptgeschoss war gegliedert durch eine Anordnung von Türen, Halbsäulen, Fenstern und Pilaster, die einander abwechselten. Die Wände, Wandsäulen und Pilaster wurden aus grauem stucco lustro geschaffen.[22] Fenster, Türen und Blenden wurden von stilisierten Palmstämmen eingerahmt. Diese vergoldeten Ornamenten erzeugten zusammen mit den Wänden einen Farbklang aus Grau und Gold.
Über dem Konsolgesims, im Mezzaningeschoss, waren umlaufend Rundmedaillons mit Reliefs angebracht. Diese waren mit Lorbeergirlanden verbunden, auf denen Genien saßen.
An den Schmalseiten waren im unteren Bereich seitlich der Türen Dreiviertelsäulen mit Gebälk aufgestellt. Über dem Gesims lag noch eine Bogenverdachung, welche die Tür nach oben umrahmte. Zu beiden Seiten der Säulen waren Nischen eingebaut, in denen Plastiken aufgestellt waren. Die Langseiten des Raumes wurden durch einfache Pilaster auf der Südseite und Doppelpilaster zwischen den Fenstern auf der Nordseite unterteilt. Zur rechten und linken Seite der Haupteingangstür hingen zwei großformatige Gemälde des Malers Charles Philippe Vanloo. Sie zeigten den „Raub der Sabinerinnen“ und die „Geburt der Venus“. Oberhalb des Mezzaningeschosses war noch einmal ein umlaufendes Gesims angebracht. Es trennte Wand und Decke voneinander.
Die Decke war mit einem langgestreckten, ovalen Gemälde verziert, dessen Thema die Apotheose des Prinzen Heinrich zeigte. Umrahmt war das Bild von einer blumenumrankten Stuckleiste. Am äußeren Rand spannte sich ein Netzwerk und in den Ecken waren Kartuschen aus vergoldetem Stuck angebracht.
Die ehmalige Deckenmalerei des Festsaals
Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Gemälde entstand im Zuge der Errichtung des Palais für Prinz Heinrich. Sein Bruder, der König Friedrich II. hatte bereits 1748 den Bau in Auftrag gegeben, aber erst nach dem Siebenjährigen Krieg konnte mit der Inneneinrichtung begonnen werden. Während des Krieges zeichnete sich Heinrich durch umsichtiges und kluges Handeln als Kommandeur aus und wurde von seinem Bruder dafür sehr gelobt. Es ist daher anzunehmen, dass das Thema des Gemäldes, mit der Apotheose Heinrichs in den Götterhimmel kein zufälliges Sujet ist. Vielmehr scheint der König hier seinem Bruder mit der Auswahl des Themas seine Dankbarkeit für bisher geleistetes Verhalten gezeigt zu haben.
Der Maler Gregorio Guglielmi wurde für das Gemälde im Festsaal und ein weiteres in der Großen Galerie des Palais angestellt. Er hat es 1764 fertiggestellt und mit einer Signatur und Datum versehen. Auch während der Nutzung als Universität blieb das Deckengemälde im Saal erhalten und wurde 1927 noch einmal gereinigt.[21]
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Palais bis auf die Außenmauern zerstört, sodass auch sämtliche Innendekorationen, darunter das Deckengemälde verloren gingen.
Beschreibung und Ikonographie
Das Thema des Deckengemäldes im Festsaal soll die Apotheose des Prinzen Heinrich in den Götterhimmel gewesen sein. Es haben sich leider keine Farbbilder erhalten, sodass allein aus Überlieferungen und schwarz-weiß Aufnahmen eine Vorstellung gewonnen werden kann. In den Texten wird jedoch nur von „Wolkenbewohnern auf rosarotem Himmel“[23] oder der Verherrlichung der Taten Heinrichs in Krieg und Frieden[1] gesprochen.
Auf den Bildern, welche in den Jahren 1892-1940 entstanden sind sieht man in einem querovalen Bildrahmen die verschiedenen Götter auf Wolken dargestellt. In einer Gruppe, oberhalb der Fensterfront, sieht man Venus, zu ihren Füßen zwei Tauben, zusammen mit Amor. Rechts neben ihnen lagern zwei Faune. Neben dieser Gruppe ist Vulkan dargestellt, mit einem Hammer in der Hand. Zu seinen Füßen hält ihm eine Putte einen Schmiedehammer entgegen. Daneben hält ein Mann eine Rüstung in seinem Arm und dahinter könnte eine Männerfigur mit Federhelm und Schild Mars darstellen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist eine große Ansammlung verschiedener Frauen zu sehen, die zu Füßen eines Mannes auf Wolken sitzen. Es könnte sich bei dem Mann um Apoll handeln. Am unteren Bildrand ist noch Neptun mit seinem Dreizack dargestellt. Neben dem Zentrum des Bildes lässt sich noch Merkur mit ausgebreiteten Armen erkennen. Er hat den Kopf schräg nach oben gewandt. Leider ist die Figurengruppe in der Mitte nicht erkennbar. Es sind nur noch Umrisse auszumachen. Im westlichen Bereich ist jedoch eine Figurengruppe mit einer Männerfigur in Rüstung und Federhelm erkennbar. Er ist begleitet von einem Genius, welcher einen Lorbeerkranz über seinen Kopf hält. Zusammen mit der geflügelten Fama auf der linken Seite und einem Putto mit Ölzweig, rechts hinter ihm, lässt sich diese Figur als Prinz Heinrich eruieren. Sein Blick geht in Richtung Merkur, der ihn hier anscheinend als Bote in den Götterhimmel einführt.
Komposition und Ansichtigkeit
Es gibt leider keine Frontalaufnahmen der Decke mehr, die eine detaillierte Beschreibung zulassen würden. Auf den erhaltenen Aufnahmen lassen sich fünf größere Figurengruppen ausmachen, die jeweils in den Seiten und im Zentrum zusammengestellt sind. Entsprechend der drei möglichen Zugänge zum Festsaal lässt sich auch, zumindest im Nachhinein, kein festgelegter Betrachtungsstandpunkt ausmachen. Vielmehr scheint das Gemälde, im Hinblick auf die Nutzung des Raumes als Veranstaltungsraum, auf ein Durchschreiten des Raumes angelegt gewesen zu sein. Jedoch sah der Besucher, wenn er durch den Haupteingang auf der Südseite den Raum betrat, als erste Gruppe die Figur des Apoll. Dieser Gott als Beschützer und Wahrer der Künste kann ein Vorbild für Prinz Heinrich gewesen sein, da er zeitlebens Kunst sammelte und studierte.
Bibliographie
- Dehio, Kunstdenkmäler, 2006. – Badstübner-Gröger, Sybille [bearb.]: Berlin, in: Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, XV, München 2006.
- Borrmann, Bau- und Kunstdenkmäler, 1893. – Borrmann, Richard: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin. Berlin 1893.
- Gandert, Vom Prinzen Palais zur Humboldt-Universität, 1985. – Gandert, Klaus-Dietrich: Vom Prinzenpalais zur Humboldt-Universität. Die historische Entwicklung des Universitätsgebäudes in Berlin mit seinen Gartenanlagen und Denkmälern. Berlin 1985
- Gurlitt, Geschichte des Barockstiles, 1889. – Gurlitt, Geschichte des Barockstiles, 1889.
- Hildebrandt, Die alte Aula, 1928. – Hildebrandt, Edmund: Die alte Aula der Friedrich-Wilhelms-Universität. Ein Geleitwort zur Feier ihrer Wiederherstellung; (3. August 1928). Berlin 1928.
- Lang, Universität, 1931. – Lang, Max: Die Universität Berlin. Wien 1931.
- Lenz, Geschichte der Universität zu Berlin, 1910. – Lenz, Max: Geschichte der königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Bd.1, Gründung und Ausbau. o.A. 1910.
- Nicolai, Residenzstädte, 1786a. – Nicolai: Beschreibung der Residenzstädte Berlin und Potsdam, Band II, 1786.
- Stolberg-Wernigerode, Biographie, 1955. – Stolberg-Wernigerode, Otto zu: Neue deutsche Biographie, Bd.: 2, Behaim - Bürkel, Berlin, 1955.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Gandert, Vom Prinzen Palais zur Humboldt-Universität, 1985.
- ↑ 2,0 2,1 Dehio, Kunstdenkmäler, 2006.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Gandert, Vom Prinzenpalais zur Humboldt-Universität, 1985.
- ↑ Gurlitt, Geschichte des Barockstiles, 1889.
- ↑ Gandert beschreibt irrtümlich auch den Sockel als Sandstein, jedoch ist aufgrund von Restaurierungen, auch an dieser Stelle deutlich Mauerwerk erkennbar.
- ↑ Gandert, bei Borrmann beläuft sich die Bausumme für den Außenbau auf 200000 Taler und ca. 94000 Taler für die Inneneinrichtung
- ↑ 7,0 7,1 Lenz, Geschichte der Universität zu Berlin, 1910.
- ↑ Stolberg-Wernigerode, Biographie, 1955.
- ↑ Tagebuch des Höflings, Zitat bei Gandert.
- ↑ Nicolai, Beschreibung Residenzien, 1786, Bd. 2, S. 915.
- ↑ Bei seinem diplomatischen Besuch in St. Petersburg 1770, arrangierte Heinrich im Namen seines Bruders mit Russland und Österreich die erste polnische Teilung.
- ↑ 12,0 12,1 Nicolai, Residenzstädte, 1786a, Bd. 2, S. 916.
- ↑ Sowohl Nicolai, als auch Lenz machen leider keine genaueren Angaben. Lediglich bei Hildebrandt und Borrmann findet man den Hinweis auf die Taten Heinrichs und Götterdarstellungen.
- ↑ Lenz, Geschichte der Universität, 1910.
- ↑ Bartoschek bei Gandert
- ↑ Dehio: Kunstdenkmäler, 2006.
- ↑ 17,0 17,1 17,2 Ebd.
- ↑ Lenz, Geschichte der Universität, 1910; Universität, 1931.
- ↑ In einer vertieften Recherche müsste ausfindig gemacht werden, ob dabei auch speziell Deckenaufnahmen gemacht wurden. So ließe sich das Gemälde von Guglielmi deutlich besser beschreiben.
- ↑ NiNicolai, Residenzstädte, 1786a, Bd. 2, berichtet in seiner Beschreibung von reich möblierten Räumen und großen Festen, die hier stattfanden.
- ↑ 21,0 21,1 Hildebrandt, Die alte Aula, 1928.
- ↑ Borrmann, Bau- und Kunstdenkmäler, 1893.
- ↑ Zit. Ebd.