Beichlingen, sog Schloss
Inventarnummer: cbdd10232
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Im Hohen Haus von Schloss Beichlingen hat sich vom Ende des 16. Jahrhunderts herausragende Decken- und Wandmaleri der Spätrenaissance in für die Region einzigartig hoher Qualität erhalten.

Schloss Beichlingen und das Hohe Haus
Kurzbeschreibung und Lage
Schloss Beichlingen[1] erhebt sich nördlich der gleichnamigen Ortschaft am Rande einer Bergzunge. Der Komplex setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Im Westen befinden sich auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg ein Torhaus und überwiegend moderne Bauten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Östlich erhöht davon steht die alte Hauptburg mit einem zentralen mittelalterlichen Wohnturm – dem so genannten Hohen Haus – sowie Repräsentations- und Wirtschaftsbauten aus dem 16. und 19. Jahrhundert – das so genannte Neue Schloss. Im Osten befindet sich – über einen Gang mit Neuen Schloss verbunden – die Schlosskapelle, die ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert stammt.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Schloss Beichlingen geht auf eine Burg des 8. Jahrhunderts zurück. Die mittelalterliche Baugeschichte ist weitgehend unklar. Seit 1141 befand es sich im Besitz der Grafen von Beichlingen. Überschuldet verkauften sie die Reste ihrer Herrschaft zusammen mit Beichlingen 1519 an die Grafen Werthern, die bis 1945 im Besitz des Schlosses blieben.
Das Hohe Haus ist der älteste erhaltene Bauteil des Schlosses und stammt eventuell bereits aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Unter Adam von Beichlingen wurde es 1510-12 tiefgreifend umgebaut. Die Raumaufteilung geht wohl auf diesen Umbau zurück. So ist es verständlich, dass Hans von Werthern nach dem Erwerb von Beichlingen 1519 anfänglich nur geringfügige Umbauten vornahm. Vor allem sein Enkel Wolfang von Werthern ließ zusammen mit seinen Brüdern ab 1554 das Neue Schloss auf alten Grundmauern aufführen. Auf Johann (Hans) von Werthern gehen die Neuausstattung des Hohen Hauses und der an dieses 1592 angefügte Treppenturm zurück. 1617 wurde der reiche Besitz der von Werthern in drei Linien geteilt.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann man in Beichlingen mit der Beseitigung der Schäden. Doch bereits Georg von Werthern-Beichlingen, der 1702 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, ließ sich 1710 ein neues Schloss in Großneuhausen [www.deckenmalerei.eu/f871205f-0001-47c2-9bee-2cf610bb14ea] errichten, das bis in das 19. Jahrhundert als Hauptsitz der Familie diente. 1901-04 erfolgte nochmals eine grundlegende Umgestaltung der Innenräume, die aber vor allem das Neue Schloss betraf. So blieben bedeutende Teile der Ausstattung des Hohen Hauses erhalten. 1935 wurde es partiell saniert.
Nach der Enteignung der von Werthern kam 1946 eine Schule in das Schloss. Von 1961 bis 1992 diente es als Fach- bzw. Ingenieurschule für Veterinärmedizin. Dafür wurden ab 1972 die Wirtschaftsbauten der Unterburg abgerissen und durch moderne Zweckbauten ersetzt. 2001 ging Schloss Beichlingen aus Landesbesitz in Privatbesitz über.
Beschreibung des so genannten Hohen Hauses
Das Hohe Haus misst drei Geschosse unter einem steilen Satteldach. Es hat eine Grundfläche von ca. 32 auf ca. 17 Meter sowie eine Höhe von 15 Metern. Bis auf die Giebel im Süden und Norden ist es von Stein erbaut. Der Bau wird über den erst 1592 im Osten angefügten Treppenturm erschlossen. Die Fenster stammen aus verschiedenen Bauphasen des 16. Jahrhunderts. Im Innen nimmt das Hohe Haus vom Prinzip her im ersten und zweiten Obergeschoss drei annähernd gleich große Räume auf. Der mittlere wird über die Treppe erschlossen. Alle Räume haben Balkendecken. Von diesen drei Räumen sind die südlichen jeweils durch Zwischenwände zu je einem Stubenappartement unterteilt, in denen sich teilweise die Decken- und Wandmalerei von 1590/1600 erhalten hat, die auf den Ausbau unter Johann von Werthern zurückgeht. Ebenfalls erhalten haben sich in den Geschossen einige Stuckportale, Kamine und Wandstuckierungen. Die Stuckornamente sind teilweise inschriftlich auf 1577 datiert, die Türgewände auf 1582. Sie stammen damit aus der Zeit Wolfangs von Werthern. Der Kamin im Eingangsraum des ersten Obergeschosses stammt hingegen von 1597. Die Räume an der Nordseite sind ruinös. Die südöstlichen Raume – die ehemaligen Stuben – sind am aufwendigsten ausgestattet.
Die Stellung der Malerei im Hohen Haus
Die Innenausstattung und die Malerei vom Ende des 16. Jahrhunderts sind herausragende Zeugnisse der Spätrenaissance in der Region. Derartige Qualität hat sich sonst kaum erhalten.
Der südöstliche Raum im ersten Obergeschoss
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der südöstliche Raum[2] im ersten Obergeschoss stammt aus der Zeit um 1500/10 und wurde ca. 1590-1600 ausgestattet sowie im 20. und 21. Jahrhundert mehrfach restauriert.
Beschreibung
Die Stube wird vom zentralen Mittelraum aus betreten. Nach Osten und Süden öffnet sich jeweils ein Fenster. Im Westen befindet sich die Kammer. Die Tür zum zentralen Mittelraum wird von einem Säulenpaar mit Gebälk sowie Beschlagwerkornament gerahmt. Im ebenfalls von Säulen flankierten Aufsatz befindet sich ein Relief mit einer Verkündigungsszene. Die bedeutend schlichtere Tür zur Kammer mit Pilasterrahmung wird von zwei gemalten Wappen bekrönt. Heraldisch rechts ist das Wappen des Johann von Werthern und links das seine Frau Anna, geborene von Ponickau zu sehen. Die Balkendecke und die Bohlenwand zur Kammer haben sich mit ihrer Bemalung erhalten.
Die Decken- und Wandmalerei des Raums
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Der Decken- und Wandmalerei[3] ist 1590/1600 entstanden und wurde mehrfach restauriert.
Beschreibung und Ikonographie der Decke
Die Decke wird von zwei Unterzügen in drei Bereiche untereilt. Balken bilden jeweils 15 Felder, die bemalte Leinwandtapeten mit Malerei in einem Vierfarbenrhythmus aufnehmen. Zu sehen sind überwiegend Roll- und Beschlagwerk. Hinzu kommen verschiedene Ornamente, Putten, Hermen und Karyatiden in naturalistischen Farben. Es gibt drei unterschiedliche Motive, die jedoch farblich variieren und in Details wie Attributen und Gestik teilweise voneinander abweichen.
Beschreibung und Ikonographie der Westwand
Die Bohlenwand im Westen ist rein ornamental gestaltet. Es handelt sich um Beschlagwerk mit arabeskenartigen Einzelmotiven. Wenige florale Ornamente und Diamantquader kommen hinzu. Auf eine mit goldfarbenem Beschlagwerk folgt eine mit braunem und dann eine mit weißem, jeweils auf blauem Grund in stetem Wechsel. Insgesamt sind es 16 Bahnen. Prinzipiell gibt es nur fünf unterschiedliche Ornamentmotive, die sich wiederholen, was aber aufgrund der unterschiedlichen Farbigkeit nicht sofort auffällt.
Verlorene Malerei an der Südwand
1979 noch sichtbare Malereireste an der Südwand, die ein Medaillon mit Harfenspieler zeigten, ist heute nicht mehr vorhanden.[4]
Der südöstliche Raum im zweiten Obergeschoss
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der südöstliche Raum[5] im zweiten Obergeschoss stammt aus der Zeit um 1500/10 und wurde ca. 1590-1600 ausgestattet sowie im 20. und 21. Jahrhundert mehrfach restauriert.
Beschreibung
Die Stube wird vom zentralen Mittelraum von Norden her betreten und öffnet sich mit zwei Fenstern nach Osten und Süden. Im Westen schließt sich die Kammer an. Die von Säulen und Beschlagwerkornamenten flankierte Tür zum Mittelraum präsentiert in einem mit Säulen flankierten Aufsatz ein Relief mit der Darstellung der Opferung Isaaks. Die schlichtere Tür zur angrenzenden Kammer wird von zwei gemalten Wappen bekrönt. Das heraldisch rechte zeigt das Wappen der von Ponickau, das linke ist nicht bestimmt.
Die Decken- und Wandmalerei des Raums

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Der Decken- und Wandmalerei[6] ist 1590/1600 entstanden und wurde mehrfach restauriert.
Beschreibung und Ikonographie der Deckenmalerei
Die Decke wird durch einen Unterzug in zwei Teile gegliedert, die durch Balken wieder in elf schmale Felder untergliedert sind. Sie nehmen eine rein ornamentale Malerei auf. Es handelt sich um vier verschiedene Ornamente, die im Wechsel an die Decke gebracht sind. Auf Arabesken in schwarz-weiß folgt immer eine farbige Beschlagwerkkartusche.
Beschreibung und Ikonographie der Westwand
Wie im ersten Obergeschoss ist die Bohlenwand zur Kammer im Westen in 16 Felder untergliedert. Die Bemalung zeigt grünliche florale Ornamente. Sie erscheinen ähnlich, sind aber jedes in sich verschieden.
Bibliographie
- Literatur:
- Bechler, Beichlingen, 1999. – Bechler, Lothar: Schloß Beichlingen. Ein Schlossführer. Weißensee 1999.
- Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
- Martin, Beichlingen, 1990. – Martin, J.: Die Historie des Schlosses Beichlingen. Beichlingen 1990.
- Strickhausen, Beichlingen, 2001. – Strickhausen, Gerd: Beobachtungen zur älteren Baugeschichte des Hohen Hauses auf Schloss Beichlingen. In: Laß, Heiko (Hrsg.): Von der Burg zum Schloss. Landesherrlicher und Adeliger Profanbau in Thüringen im 15. und 16. Jahrhundert (PALMBAUM Texte. Kulturgeschichte, 10). Bucha 2001, S. 67-93.
- Archivalien:
- Mucke, Beichlingen, 1979. – Aus der Ingenieurschule für Veterinärmedizin „Kurt Neubert“ Beichlingen, Bezirk Erfurt. Direktor: OVR Doz. Dr. sc. med. vet. M. Günther. Thema der Arbeit: Zur Baugeschichte des Schlosses Beichlingen. Ingenieurarbeit zur Erlangung der Berufsbezeichnung „Veterinäringenieur“. Vorgelegt von Konrad Mucke aus Erfurt. Beichlingen 1979.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Thüringen, 2003, S. 114-117; Strickhausen, Beichlingen, 2001; Bechler, Beichlingen, 1999; Martin, Beichlingen, 1990; Mucke, Beichlingen, 1979.
- ↑ Dehio, Thüringen, 2003, S.116; Strickhausen, Beichlingen, 2001, S. 88; Martin, Beichlingen, 1990, S. 32-33; Mucke, Beichlingen, 1979, S. 18-20.
- ↑ Dehio, Thüringen, 2003, S.116; Martin, Beichlingen, 1990, S. 32-33; Mucke, Beichlingen, 1979, S. 18-20.
- ↑ Mucke, Beichlingen, 1979, S. 20.
- ↑ Dehio, Thüringen, 2003, S. 116; Strickhausen, Beichlingen, 2001, S. 85; Martin, Beichlingen, 1990, S. 32-33;
- ↑ Dehio, Thüringen, 2003, S.116; Martin, Beichlingen, 1990, S. 33; Mucke, Beichlingen, 1979, S. 19.