Bayreuth, Altes Schloss
Inventarnummer: cbdd10526
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Im Residenzschloss in Bayreuth wurde der Hauptsaal im 17. und 18. Jahrhundert als Theater genutzt. Für seine Decke schuf Johann Oswald Harms 1684 einen erhaltenen Entwurf, der ausgeführt wurde. An der Südostecke des 1. OG hat sich eine Deckenmalerei aus der Zeit nach 1753 erhalten.

Das Alte Schloss in Bayreuth

Kurzbeschreibung und Lage
Das Alte Residenzschloss[1] stand ehemals an der Nordostecke der Stadt, direkt hinter der Stadtmauer. Es stellte sich als Mehrflügelanlage dar mit vier Flügeln um einen Innenhof und zwei weiteren in L-Form, die im Westen zusammen mit den Westflügeln einen zweiten, nach Süden offenen Hof bildeten.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Schloss ging auf einen hoch- bis spätmittelalterlichen Amtssitz zurück, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Caspar Fischer für Markgraf Georg Friedrich ausgebaut wurde. Ab 1603 diente der Komplex als Residenzschloss. 1610/20 kamen durch Michael Mebart der Süd- und Westflügel der Vierflügelanlage sowie ein westlich angefügter Nordflügel hinzu. Unter Markgraf Christian Ernst, der von 1655 bis 1712 regierte, wurde der Ehrenhof um 1676 vollendet. Nach Entwürfen von Charles Philippe Dieussart erhielt das Konglomerat aus verschiedenen Bauten ab 1691 eine einheitliche Fassadengestaltung. An die Südostecke kam 1692 ein großer Saal. Die Ehrenhofflügel stammen von ca. 1690/1700. Ein Schlossbrand 1753 führte zu schweren Schäden. Es wurde nur teilweise wieder aufgebaut. Nach weiteren Zerstörungen im zweiten Weltkrieg erfolgte 1951-53 ein erneuter Wiederaufbau.
Das Schloss besaß über dem Erdgeschoss zwei Vollgeschosse unter Walmdach. Im Schlosshof steht noch heute in der Südostecke ein Treppenturm. Ein repräsentatives Treppenhaus befand sich im Nordflügel. Die Appartements von Markgraf und Markgräfin befanden sich im Nord- bzw. Ostflügel. Historische Innenräume mit barocker Ausstattung oder Decken- bzw. Wandmalerei aus der Zeit vor 1753 sind nicht überkommen. Aus der Zeit der Wiederbaus haben sich im ersten Obergeschoss des Südflügels zwei nebeneinander liegende Räume mit spätbarocker Wand- und Deckengestaltung erhalten. Der Raum an der Südostecke hat bis heute ein Deckengemälde bewahrt, der im Westen angrenzende Raum hat eine Stuckdecke.
Der ehem. Theatersaal (Opernhaus)
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der ehemalige Hauptsaal des Schlosses ist beim Brand 1753 zerstört worden. Er diente seit dem frühen 17. Jahrhundert für Singspiel, Oper oder Ballett.[2]
Beschreibung
Der Saal befand sich an der Nordostecke des Schlosses.[3] Er hatte seit 1626 eine getäfelte Decke und war mit Ahnenporträts ausgestattet.[4] Spätestens seit den Hochzeitsfeierlichkeiten von 1662 diente der Saal auch für theatralische Aufführungen. 1671 wurde die bestehende Bühne im Saal modernisiert und Aufführungen lassen sich bis weit in das 18. Jahrhundert hinein nachweisen.[5] Seit der Errichtung des neuen Saals 1692 scheint der Raum nur noch als Theatersaal bzw. Opernhaus gedient zu haben. Aufgrund der Zerstörungen können keine Angaben zum Theater im Schloss gemacht werden.[6]
Das ehemalige Deckengemälde
Externes Bild
Entwurf eines Deckengemäldes: Jupiter und Juno im Kreis anderer Götter auf Wolke
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Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde wurde spätestens beim Schlossbrand 1753 zerstört. Es hat sich jedoch der Entwurf[7] von Harms erhalten. Harms hat ihn auf der Rückseite selbst beschriftet mit: „Zu bareüth. in oper hause an der Decke gemahlet 1684. JOHarms“. Auch die Quadrierung weist auf eine tatsächliche Ausführung hin.
Beschreibung und Ikonographie
Oberhalb einer fingierten Balustrade erblickt man an einem Wolkenhimmel verschiedene mythologische Götter. Etwas oberhalb der Mitte befinden sich Juno mit Zepter und Pfau sowie Jupiter mit Blitzbündel und Adler. Links neben der Gruppe sitzt die von einer Eule begleitete Minerva. Zwischen Minerva und Jupiter schaut Diana hervor, kenntlich durch ihr Monddiadem. Rechts unterhalb von Juno lagert Herkules (mit Keule) im Gespräch mit Venus, die von Amor begleitet wird. Über der Gruppe schwebt der bärtige Saturn mit Sense. Links unterhalb von Jupiter hat sich Neptun mit seinem Dreizack niedergelassen. Noch weiter unten fliegen zwei Genien mit Füllhorn bzw. Blumen, die zusammen mit Putten den himmlischen Überfluss verstreuen. Ganz unten erblickt man Merkur mit Stab und einer Schriftrolle. Überfangen wird die Szenerie von drei Putten, die eine üppige Girlande tragen.
Der Raum an der Südostecke des ersten Obergeschosses
Beschreibung
An der Südostecke des Schlosses befindet sich im ersten Obergeschoss ein Eckraum, der sich mit zwei Fenstern nach Süden und mit zwei Fenstern noch Osten öffnet. Er wird heute durch ein ehemaliges Degagement in der Nordwestecke betreten. Eine zweiflügelige Tür im Westen verbindet das Eckzimmer mit einem repräsentativ ausstuckierten Raum, der gegenüber dem ehemaligen Treppenhaus liegt. Es steht zu vermuten, dass das Eckzimmer auch nach Norden eine Tür hatte. Die ehemalige Funktion des Eckzimmers ist unbekannt.
Das Deckengemälde
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke nimmt in ihrer Mitte ein Deckengemälde auf. Es wurde nach dem Brand 1753 im Zuge des Wiederaufbaus geschaffen und kann dem Bayreuther Hofmaler Wilhelm Ernst Wunder zugeschrieben werden.
Beschreibung und Ikonographie
Auf einer Wolke lagert Minerva auf Ölzweigen mit Lanze und Medusenschild in Händen. Links neben ihr erblickt man zwei Fahnen. Die eine zeigt vermutlich einen roten Greifen auf blauem Grund. Die andere ähnelt sehr einer Fahne, unter der die Ansbach-Bayreuther Truppen 1775 in Amerika im Unabhängigkeitskrieg kämpften.[8] Rechts unterhalb von Minerva hält ein gewappneter Genius ein Schwert sowie am roten Ordensband den Bayreuther Hausorden „Hochfürstlicher Brandenburgischer Roter-Adler-Orden“.
Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist nicht auf die Eintretenden hin ausgerichtet, sondern die Südwand des Zimmers.
Bibliographie
- Literatur:
- Bachmeier-Schraml, Hofbaumeister, 2012. – Bachmeier-Schraml, Ingrid: Markgraf Christian Ernst und seine Hofbaumeister. Anmerkungen zur Bautätigkeit in der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth 1661 bis 1712. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken 92 (2012), S. 75–102.
- Beck, Bayreuther Schlösser, 2019. – Beck, Marina: Eine königliche Hoheit zieht in die markgräfliche Provinz. Die Repräsentationsappartements Wilhelmines in den Bayreuther Schlössern. In: Strunck, Christina (Hrsg.): Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth und die Erlanger Universität. Petersberg 2019, S. 154-171.
- Dehio, Franken, 1999. – Breuer, Tilmann (zusammengestellt): Dehio - Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler / Bayern Bd. 1 Franken. München/Berlin 1999.
- Erichsen, Brandzerstörung, 2020. – Erichsen, Johannes: Altes Schloss, die Brandzerstörung von 1753. In: Puntigam, Sigrid (Hrsg.): Der Mecklenburgische Planschatz. Architekturzeichnungen des 18. Jahrhunderts aus der ehemaligen Plansammlung der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin. Katalog. Dresden 2020, S. 323-324.
- Gutmann, Bayreuth, 2008. – Gutmann, Anita: Hofkultur in Bayreuth zur Markgrafenzeit 1603-1726. Bayreuth 2008.
- Haas, Theater, 2014. – Haas, Helmut: Bayreuther Theater. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken 94 (2014), S. 147-170.
- Mourey, Bayreuth, 2014. – Mourey, Marie-Thérèse: Höfische Repräsentation in Bayreuth. Markgraf Christian Ernst und das Ballett. In: Becker, Rainald/Dorn, Iris von (Hrsg.): Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth 1644–1712. Politik, Repräsentation, Kultur. Referate der Tagung am 9. und 10. November 2012 in Bayreuth (Archiv für Geschichte von Oberfranken. Sonderband). Bayreuth 2014, S. 115-133.
- Pegah, Dieussart, 2014. – Pegah, Rashid-Sascha: „Den neuen baumeister anreichend …“. Charles Philippe Dieussart und das Bayreuther Residenzschloss. In: Becker, Rainald/Dorn, Iris von (Hrsg.): Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth 1644–1712. Politik, Repräsentation, Kultur. Referate der Tagung am 9. und 10. November 2012 in Bayreuth (Archiv für Geschichte von Oberfranken. Sonderband). Bayreuth 2014, S. 135–171.
Einzelnachweise
- ↑ Beck, Bayreuther Schlösser, 2019, S. 154-159; Pegah, Dieussart, 2014; Bachmeier-Schraml, Hofbaumeister, 2012; Gutmann, Bayreuth, 2008, S. 72; Dehio, Franken, 1999, S. 190-191.
- ↑ Vgl. Mourey, Bayreuth, 2014, S. 118, 123.
- ↑ Erichsen, Brandzerstörung, 2020.
- ↑ Gutmann, Bayreuth, 2008, S. 93
- ↑ Gutmann, Bayreuth, 2008, S. 168-173, 197, 249/252.
- ↑ Haas, Theater, 2014, S. 147.
- ↑ Johann Oswald Harms: Entwurf für eine Deckenmalerei im Lusthaus von Salzdahlum. HAUM, Kupferstichkabinett, Z 4159.
- ↑ Für diesen Hinweis danke ich Norbert Hübsch (Bayreuth).