Bautzen, Ortenburg
Inventarnummer: cbdd20226
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Die bemalte Holzbalkendecke des repräsentativen Saals zeigt eine Reihe von Büsten römischer Kaiser. Als Vorlage diente ein Zeichnungsband Jacopo Stradas von 1568, den dieser Kurfürst August von Sachsen schenkte. Mit der Darstellung römischer Kaiser inszenierte sich der Kurprinz in ihrer Nachfolge.

Die Ortenburg

Baugeschichte / Beschreibung
Die Ortenburg in Bautzen gilt als „Landesfeste“ der Oberlausitz und war der administrative Mittelpunkt des Markgraftums Oberlausitz, eines Landes der böhmischen Krone, das 1635 im Prager Frieden dem Kurfürstentum Sachsen angegliedert wurde.[1] Sie besetzt einen Felsen, der an drei Seiten von der Spree umflossen wird, die sich hier tief eingeschnitten hat. Zur Landseite hin war sie durch Graben und Mauer von der dicht bebauten Innenstadt Bautzens getrennt. Das Bauwerk ist aus der Burg Bautzen („castrum Budissin“) hervorgegangen, die wiederum die Hauptburg des slawischen Stammes der Milzener ablöste. Der deutsche König Heinrich I. unterwarf die Milzener um 930, doch kam es erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts zur Errichtung einer deutschen Burg. Diese galt schon um das Jahr 1000 als politischer Mittelpunkt des Milzenerlandes. Aus diesem Grenzgau entwickelte sich im 12. Jahrhundert ein eigenes Territorium, das Land Bautzen, das erst spät, im ausgehenden 15. Jahrhundert, den Namen Oberlausitz erhielt. Die Bezeichnung „Ortenburg“ für die Bautzener Burg ist zuerst 1405 belegt. Die Ortenburg war der Sitz des Landvogts der Oberlausitz, des höchsten landesherrlichen Beamten im Markgraftum. Der Landvogt war der Stellvertreter des Landesfürsten. Dieses Amt war deshalb von hoher Bedeutung, weil die Landesfürsten – die Könige von Böhmen, später die Kurfürsten von Sachsen – die Oberlausitz gewöhnlich nicht selbst aufsuchten und die Verwaltung des durch eine eigene Ständeverfassung organisierten Landes ihren Beamten überließen. Der Landvogt vertrat den Markgrafen der Oberlausitz, hatte die Obergerichtsbarkeit inne und nahm alle Belehnungen vor.
Die Bebauung des Burgareals veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach.[2] Das älteste erhaltene Bauwerk ist der Matthiasturm, der um 1486 unter dem ungarischen König Matthias Corvinus (1443–1490), der den böhmischen Thron beanspruchte und in der Oberlausitz die Herrschaft ausübte, als Torturm erbaut wurde. Über der Tordurchfahrt befindet sich die heute ungenutzte Schlosskapelle mit den Resten einer spätgotischen Einwölbung. Ein über Eck gestellter Gebäudetrakt, ehemals ein Turm, leitet zum Hauptgebäude der Ortenburg über. Dieser beschreibt im Grundriss ein U und besteht aus drei Flügeln, die einen nach Osten geöffneten Innenhof umgeben.
Das Hauptgebäude ist weitgehend ein Bau des 17. Jahrhundert, der wohl unter Einbeziehung älterer Mauerteile errichtet wurde. Der Bau zog sich über Jahrzehnte hin. Hinweise zum Baugeschehen gibt eine Akte im Hauptstaatsarchiv Dresden, die den Schriftverkehr der für den Ausbau Verantwortlichen in Bautzen mit den sächsischen Kurfürsten enthält.[3] Die Unterlagen dokumentieren jedoch nur Teile des Baugeschehens. Insbesondere für die Zeit nach 1673 fehlen relevante Dokumente. Belegt ist, dass das Schloss bei der Belagerung Bautzens durch Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1586-1656) beschädigt wurde und am 19. Februar 1621 abbrannte, als sächsische Besatzungstruppen einquartiert waren. Der Wiederaufbau wurde 1625 geplant, begann jedoch sehr zögerlich. Nach der schwedischen Belagerung Bautzens 1639 befand sich das Schloss in einem erbärmlichen Zustand. Der Landvogt Curt Reinicke von Callenberg (1606-1672)[4], der 1645 dieses Amt antrat, mahnte noch im gleichen Jahr den Schlossbau an, weil es keinen ausreichenden Platz für die Aufbewahrung der Akten des Bautzener Oberamts gab. Es scheint, dass in den folgenden Jahren Teile der Außenmauern und die Geschossdecken ausgeführt wurden. Die Ausführung des Baus lässt sich Landbaumeister Ezechiel Eckardt (1595-nach 1673) zuschreiben.[5]Offenbar brach man die Arbeiten ab, ohne das Dach errichtet zu haben, denn 1658 beklagte sich Bauschreiber Krüger, dass das Schloss nun schon seit 13 Jahren so liege, dass Regen von oben eindringe. Die Holzbalkendecken über dem zweiten Geschoss müssen um 1650/1660 entstanden sein. Die Stuckarbeiten an der Decke des Kammergemachs können auf 1661/62 datiert werden. 1666 wurden die Schlossgiebel fertiggestellt. Damit verbunden war wohl auch der Bau der Dachkonstruktion. Die Baumaßnahmen organisiert der Landvogt Curt Reinicke von Callenberg, der dafür auch eigenes Geld vorstreckte. Nach seinem Tod 1672 setzte Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (1613-1680) seinen eigenen Sohn Johann Georg (1647-1691) als Landvogt ein – und damit erstmals keinen Vertreter des niederen Landes, sondern einen Angehörigen des Herrscherhauses. Dahinter stand die Absicht, die Oberlausitz enger an Kursachsen zu binden. 1673 wurde ein Konzept zum weiteren Ausbau des Schlosses erstellt. Vorgesehen war der Ausbau des dritten Geschosses und des Dachbereichs. Das scheint auch so ausgeführt worden zu sein. 1678 fügte man eine Treppe in den Südflügel ein, die Oberlandbaumeister Johann Georg Starcke (1630-1695) plante. Auf der Hofseite wurde eine hölzerne Galerie ergänzt, die eine Verbindung zwischen der Treppe, den Gemächern des Landvogts und der Kanzlei herstellte. Nachdem Johann Georg 1680 als Erbe seines Vaters Kurfürst geworden war, blieb das Amt des Landvogts unbesetzt. Sein Sohn Johann Georg IV. (1668-1694) setzte 1691 Nickel Freiherr von Gersdorff (1629-1702) als Landvogt ein. In diesen Jahren nach 1680 sind laut Bauakte nur noch geringfüge Reparaturen ausgeführt worden. Größere Eingriffe oder Baumaßnahmen scheint es nicht mehr gegeben zu haben.
Der letzte Landvogt der Oberlausitz war Hieronymus Friedrich von Stammer (1712-1777). Nach seinem Tod ist das Amt nicht mehr besetzt worden. Die Ortenburg blieb aber Sitz des Oberamtes, der obersten Verwaltungsbehörde in der Oberlausitz. Die einzigen Veränderungen, die man vornahm, war das Verfüllen des Grabens an der Ostseite (1792) und der Abbruch der Schildmauer, die den Hof nach Osten begrenzte.
1815 wurde das Markgraftum Oberlausitz in einen sächsischen und einen preußischen Anteil geteilt. Mit der sächsischen Verfassung von 1831 erfolgte die weitgehende Integration des sächsischen Anteils in den sächsischen Staat. Aus dem Oberamt ging 1835 die Kreishauptmannschaft Bautzen hervor, die die Ortenburg weiterhin als Verwaltungssitz nutzte. 1932 wurde die Kreishauptmannschaft Bautzen aufgelöst und mit der Kreishauptmannschaft Dresden vereint. Nach 1945 diente das Hauptgebäude der Ortenburg weiterhin Verwaltungszwecken (u. a. Straßenbauinspektion, Standesamt). Seit 1983 stand es aufgrund starker Bauschäden leer. In den Jahren 1999 bis 2002 nahm der Freistaat Sachsen eine denkmalgerechte Sanierung vor. Seit 2002 ist das Hauptgebäude der Ortenburg der Sitz des Sächsischen Oberverwaltungsgerichtes.
Das Gebäude umfasst drei Hauptgeschosse. Die elf Fensterachsen lange Hauptfront zum Burgplatz wird durch sechs mächtige Strebepfeiler gegliedert, die bis zum Hauptgesims reichen. Mit Ausnahme der profilierten Fenstergewände sind die Fassaden schmucklos. In der Mitte führt eine Freitreppe zum Hauptportal, der wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sein gotisch anmutendes Spitzbogengewände erhielt. Das Satteldach des Hauptflügels und der beiden Seitenflügel wird durch insgesamt fünf Volutengiebel akzentuiert. In ihrer Gliederung folgen sie Vorbildern der Renaissance, während die einzelnen Zierelemente bereits den Einfluss barocker Gestaltungsprinzipien erkennen lassen. Die Giebel bauen sich über drei Etagen auf, wobei die erste und die zweite Etage Fenster enthalten. Für eine vertikale Gliederung sorgen gequaderte Lisenen. Die Giebel stufen sich durch Voluten zurück, die von Kugeln bekrönt werden. Ein gesprengter Dreiecksgiebel mit eingeführter Kugelstele bildet den Abschluss der vier äußeren Giebel, während der Mittelgiebel in einem Bogensegment ausläuft. Erschlossen wird das Gebäude durch das Treppenhaus im Südflügel. Das erste Obergeschoss war als Beletage ausgebaut. Im Hauptgebinde befindet sich eine Abfolge von drei Sälen. Hier befanden sich die Diensträume des Landvogts der Oberlausitz. Der Nordflügel nahm die Kanzleiräume auf. Die nach Norden gerichtete Raumfolge ist durch einen Flur erschlossen. Die nach Süden gerichteten Räume scheinen später eingebaut worden zu sein. Ein Baualtersplan der Innenwände liegt nicht vor, ebenso wenig sind die wechselnden Raumnutzungen seit dem 17. Jahrhundert bekannt.
Kammergemach
Der Eckraum im Nordwesten des ersten Obergeschosses ist der repräsentativste Raum der Ortenburg. Er trug ursprünglich die Bezeichnung „Cammer Gemach“[6], was bedeutet, dass sich hier der Verwaltungssitz der Kammer, also der Landeskasse, befand. Eine jüngere Bezeichnung ist Audienzgemach, doch scheint dieser Name erst im 19. Jahrhundert mit Blick auf die Stuckdecke erfunden worden zu sein.[7] Es lässt sich nicht nachweisen, dass der Kurfürst hier Audienzen vornahm. An der Nord- und an der Westseite öffnen sich jeweils zwei Fenster, während an der Ost- und an der Südseite rechteckige Türen in die Nachbarräume führen. Das Kammergemach hat einen annähernd quadratischen Grundriss. Die Abmessungen betragen an der Nordwand 9,20 m, an der Südwand 9,25 m, an der Ostwand 9,05 m und an der Westwand 9,11 m.
Die Decke des Kammergemachs
Die Decke ist ein flaches Spiegelgewölbe, welches reich mit teilweise stark plastischem figürlichem und ornamentalem Stuck verziert ist.[8] Sie teilt sich in ein ovales Mittelfeld und acht Segmente, die jeweils einzelne Bilddarstellungen enthalten. Diese Bildfelder zeigen Schlüsselszenen aus der Herrschaftsgeschichte des Markgraftums Oberlausitz vom 9. bis zum 17. Jahrhundert. Das Mittelfeld wird von einer Girlande eingefasst, die von nackten Putten getragen wird. In den vier Ecken sind Hermen ausgebildet. Aus den Postamenten wachsen weibliche Gestalten hervor, die üppig bestückte Fruchtkörbe halten. Zwischen den Hermen befinden sich jeweils zwei gerahmte Bildfelder. Diese werden durch zwei nackte Putten getrennt. Über einem doppelköpfigen Adler stehend, tragen sie jeweils eine Krone.
Die Stuckdecke wird von einer Holzkonstruktion getragen. Diese ist an den hölzernen Deckenbalken befestigt, die den Raum in Nord-Süd-Richtung überspannen und durch Kanthölzer miteinander verbunden sind. Schmiedeeiserne Bänder sorgen für eine zusätzliche Stabilisierung. An den Balken und Kanthölzern wurde eine Verschalung aus Schwartenbrettern angebracht, die quer zu den Kanthölzern verlaufen. Daran ist eine Bewehrung aus Schilfrohr montiert. Die Rohre sind mit Drähten überspannt und mittels Eisennägeln in der Schalung befestigt. Als Armierung für stark plastische Teile verwendete man mächtige Eisennägel sowie Drahtgeflechte. Der Stuck wurde in mehreren Schichten aufgetragen: Begonnen wurde mit dem Unterputz, einem groben Kalkputz mit Gipsanteil, der an die Schilfrohre geworfen wurde. Dann trug man einen Grobputz auf, einen Kalk-Gips-Putz mit hohem Gipsanteil. Er diente der Vormodellierung und dem Aufbau größerer Materialstärken, etwa bei vollplastischen Partien, die zusätzlich durch die Armierung gesichert sind. Die letzte und abschließende Schicht bildet der Feinstuck. Er ist besonders feinkörnig, homogen und sehr dicht. Mit ihm wurde die präzise Ausmodellierung einzelner Formen vorgenommen und große Oberflächen geglättet. Ein Großteil der Stuckelemente, etwa Gesichter oder Kleidungsteile, sind am Boden gefertigt und beim Auftragen des Feinstucks in diese äußere Schicht integriert worden.
Die Decke war ursprünglich nicht farbig gefasst, sondern blieb stucksichtig. Die Aussage von Richard Reymann, die Decke sei ursprünglich farbig gewesen, aber nach der Nutzung als Lazarett im Jahr 1813 weiß übertüncht worden,[9] hat sich bei der restauratorischen Untersuchung als unwahr herausgestellt.
Zusammen mit der Decke sind auch die weiteren Stuckdekorationen des Kammergemachs entstanden. Über den beiden Türen befinden sich Wappenreliefs. Über der Südtür, die als Haupteingang genutzt wurde, sieht man das Wappen des Kurfürstentums Sachsen auf einer Kartusche, die von zwei Engeln gehalten wird. Die Blattmaske des eingerollten oberen Endes der Kartusche trägt einen Kurhut. Das zweite Wappen über der östlichen Tür ist das Wappen des Kurfürstentums Brandenburg. Die Kartusche wird von zwei Schildhaltern getragen, sogenannten wilden Männern mit behaarten Körpern, die sich auf Keulen stützen. Ihre Scham ist durch einen Blätterkranz verdeckt. Über der Kartusche befindet sich eine Krone. Das Wappen verweist auf Magdalena Sibylle von Brandenburg-Bayreuth (1612-1687), die Ehefrau Kurfürst Johann Georgs II.[10]
Die Stürze der Fensternischen sind mit weiblichen Figuren verziert, deren Gliedmaßen in üppiges Akanthuswerk übergehen. Die Köpfe und die Haartrachten sind jeweils unterschiedlich gestaltet.
Die Ausführung der Stuckdecke wird Giovanni Bartolomeo Cometa[11](1620-1687)[12] und seinem Gehilfen Giulio Vanetti zugeschrieben. Die aus dem Tessin stammenden Künstler hatte mehrere Aufträge in der Nieder- und Oberlausitz ausgeführt. Cometas erstes Projekt waren die Stuckaturen am Gewölbe der Klosterkirche in Neuzelle, mit deren Ausführung er 1654 beauftragt wurde. Zwei Jahre später beauftragte ihn Curt Reinicke Graf von Callenberg mit der Ausgestaltung des Rittersaals des Muskauer Schlosses sowie des Chorraums der Muskauer Stadtkirche. Beide Stuckausstattungen sind zum Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden. Cometa beschäftigte in Muskau einen Mitarbeiter, Giulio Vanetti, den Bruder des Malers Giovanni Vanetti, der gemeinsam mit Cometa an der Ausstattung der Neuzeller Klosterkirche tätig war. Es ist plausibel, dass Landvogt von Callenberg die Expertise der italienischen Wanderkünstler nutzte, um die Decke in der Ortenburg, seinem Dienstsitz, zu gestalten. Dabei ist anzunehmen, dass sowohl Giovanni Bartolomeo Cometa als auch Giulio Vanetti beteiligt waren, die in Muskau schriftlich nachgewiesen sind.[13] Für Bautzen liegen keine schriftlichen Belege vor, doch sind die stilistischen Übereinstimmungen so groß, dass von einer Arbeit der „welschen“ Stuckateure ausgegangen werden kann.
Die Stuckdecke wurde 1733, 1855 und 1907 mit Anstrichen versehen. 1946 nahm der Bildhauer Rudolf Enderlein eine einfache Reparatur vor. Dabei wurde ein etwa 3,5 m2 großes Stück des Mittelfelds, das 1945 herabgefallen und zerbrochen war, wieder zusammengefügt und angesetzt. 1968 nahm der Maler Karl-Heinz Basler erneut einen Anstrich vor. Zwischen 1982 und 1990 erfolgte eine statische Sicherung der Holzkonstruktion. Die letzte umfassende Restaurierung der Stuckdecke erfolgte von November 2000 bis März 2002 durch die Heidelmann & Hein Restauratorengemeinschaft mbH unter fachlicher Betreuung der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Dabei wurden absturzgefährdete und schon gelöste Teile wieder angebracht und Hohlräume gefüllt. Zur Sicherung nutzte man rückseitig angebrachte Polypropylenfasern sowie Nadeln. Die Farbschicht von 1968 nahm man ab. Abschließend wurde die Stuckoberfläche retuschiert, um Vergilbungen und Wasserflecken zu entfernen.
Ikonographie/Vorlagen
Die Datierung der Stuckdecke lässt sich einem Schreiben entnehmen, das Kammerprokurator Benjamin Leuber (1601-1675) am 18. Juli 1662 an den Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen richtete. Er sprach davon, dass „Ew[er] Churfürstl[icher] Durchl[aucht] Cammer Gemach daselbsten von Stuccatur Arbeit uff anordnen Ew[er] Churfürstl[icher] Durchl[aucht] Herrn Landvoigten wenig Monat zuvor geziret“ worden sei.[6] Aus dem Brief geht weiterhin hervor, dass sich der Kurfürst „vor drey Monaten [...] zu Budißin befunden, und Dero Schloß daselbst besichtiget“ hatte. Das muss am 24. April 1662 gewesen sein, denn von diesem Tag datiert ein erstes Schreiben Leubers an Johann Georg II. Wenn die Decke im April 1662 fertig war, ist von einer Ausführung 1661 und gegebenenfalls noch im ersten Vierteljahr 1662 auszugehen.
Das Konzept für die Stuckdecke stammt von Kammerprokurator Dr. Benjamin Leuber.[14] Kai Wenzel vermutet, das Programm sei noch zu Lebzeiten Kurfürst Johann Georgs I. ausgearbeitet worden, der 1656 starb, da dieser im Mittelpunkt stehe und nicht sein Nachfolger Johann Georg II.[15]Allerdings ist Johann Georg II. durchaus präsent und im zentralen Bildfeld ausdrücklich mit Kurhut abgebildet. Die Abbildung Kaiser Leopolds I. wiederum schließt eine Entstehung vor 1657 aus.
Leuber beschrieb den Inhalt der Decke in einem langen, ausführlichen Gedicht in alexandrinischem Versmaß, von dem er im April 1662 eine handschriftliche Fassung an Johann Georg II. übergab. Sie befindet sich in der Bauakte im Hauptstaatsarchiv Dresden. Dieser Beschreibung scheint ein Konzept vorausgegangen zu sein, dass die Stuckateure für die Gestaltung der Deckenfelder nutzten. Der Jurist Leuber war seit 1648 Kammerprokurator des Markgraftums Oberlausitz auf der Bautzener Ortenburg. In diesem Amt war er nicht dem Landvogt und dem Oberamt unterstellt, sondern er hatte die Interessen des Kurfürsten, insbesondere die der landesherrlichen Kasse, gegenüber den Ständen der Oberlausitz zu vertreten. Als Gegenhändler des Kurfürsten erhielt er seine Anweisungen direkt aus Dresden. Kaiser Rudolf II. (1552-1612) hatte das Amt 1595 gegen den Willen der Stände eingeführt, die in der Anwesenheit eines zusätzlichen landesherrlichen Beamten einen Eingriff in ihre Freiheiten sahen. Leuber war loyal zum Kurfürsten und entwarf deshalb ein Bildprogramm, das die Zugehörigkeit der Oberlausitz zu Sachsen historisch begründete. Die Stuckdecke hat eine ausgesprochen propagandistische Zielrichtung.[16] Sie formuliert einen Herrschaftsanspruch der sächsischen Kurfürsten auf das Markgraftum, der sich darauf gründet, das Herzog Widukind als fiktiver Stammvater des sächsischen Herrscherhauses mit dem Land Bautzen belehnt worden sei. Dabei wird suggeriert, das sächsische Kurhaus habe die Staatlichkeit und Verfassung der Oberlausitz begründet. Weiterhin erscheint Kurfürst Johann Georg I. im zentralen Deckenbild „als Klimax innerhalb einer sechshundertjährigen Abfolge namhafter Dynastien.“[17] Der sächsische Kurfürst, der 1620 die Oberlausitz besetzte und 1635 übernahm, erscheint als Höhepunkt der Herrschaftsgeschichte des Markgraftums. Zugleich werden seine militärischen Taten gefeiert. Mit erhobenen Kurschwert triumphiert er über den „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz. Die Decke unterstreicht zugleich die Reichs- und Kaisertreue der sächsischen Kurfürsten. Sowohl der doppelköpfige Adler als auch die Kronen, die zwischen den Bildfeldern von Putten nach oben gereckt werden, sind als Symbole des Reichs und der Kaisermacht zu lesen, in die sich die „Heldengeschichte“ der Herrscher Sachsens einfügt.
Auch die weiblichen Gestalten in den Fensternischen ordnen sich in diese Erzählung ein. Leuber stellte ihre Beschreibung unter die Überschrift: „Die Seiten Zieraden. Wie in der gantzen Welt Churfürstl[icher] Durchl[aucht] zu Sachßen beherrschunge der Laußnitz außgebreitet wird und diselbe dero Schuldigkeit kegen Ihre Churfürstl[iche] Durchl[auch]t ableget“.[18] Im folgenden Gedicht werden die Länder der Welt aufgezählt, als erstes Europa, Asien und Afrika, dann verschiedenen Teile Asien, gefolgt von Amerika und den Teilen Nord- und Südamerikas. Dies lässt vermuten, dass die Frauengestalten die vier damals bekannten Kontinente Europa, Asien, Afrika und Amerika verkörpern. Ganz eindeutig ist dies jedoch nicht, da entsprechende Attribute fehlen und auch der Haarschmuck keine geografische Zuordnung erlaubt.
Benjamin Leuber erbat vom Kurfürsten einen Druckkostenzuschuss von 3.000 Talern, um seine Beschreibung der Stuckdecke in einer erweiterten Fassung in einer Auflage von 500 Stück drucken zu lassen. Noch bevor eine Zusage vorlag, hatte er auf eigene Kosten bereits 25 Bögen herstellen lassen, die Christoph Baumann aus Bautzen druckte. Es fehlten noch der Titel und der letzte Teil des neunten Kapitels. Allerdings versagte der Kurfürst den in Aussicht gestellten Zuschuss, wohl nach Einwirken der Stände der Oberlausitz. Diese ließen auch die bereits gedruckten Bögen beschlagnahmen, weil sie in der Schrift ihre Privilegien bedroht sahen. Leuber behauptete, das Markgraftum Oberlausitz hätte schon im 14. Jahrhundert an Sachsen fallen müssen. Daraus, so schlussfolgerten die Stände, könnte geschlossen werden, die nachfolgenden Herrscher seien illegitim gewesen, was wiederum bedeutet hätte, dass alle Privilegien, die vor 1635 von den böhmischen Königen erteilt worden waren, unrechtmäßig seien. Diesen Eindruck wollten die Stände unbedingt verhindern, weshalb die Druckbögen in Fässer gepackt und in die Ortenburg gebracht wurden. Dort lagerten sie mehr als 80 Jahre „hinter dem Ofen in der Landstube“. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gelangten einige Exemplare in private und öffentliche Bibliotheken.[19]Einige Bibliothekare befassten sich mit der „Rarität“ und ergänzten Titel, Kommentare und Inhaltsverzeichnis.[20] Ein solcher Druck mit handschriftlichen Ergänzungen aus der Bibliotheca Ponickaviana wird heute in der Universitätsbibliothek Halle aufbewahrt.[21] Der von Christoph Baumann noch 1662 ausgeführte Druck folgt der Handschrift Leubers, die sich in der Akte erhalten hat, ist aber um einen umfangreichen Anmerkungsapparat ergänzt. Mit diesem glaubte Leuber, eine wissenschaftliche Begründung für seine Geschichtsinterpretation vorgelegt zu haben.
Feld 1: Kaiser Karl der Große belehnt Widukind mit der Herrschaft Budseß
Die Abfolge der Bildszenen beginnt an der Nordseite und setzte sich dann im Uhrzeigersinn fort. Das querovale Mittelfeld bildet den Abschluss der chronologisch geordneten Bildfolge.
Das Bildfeld enthält die inhaltlich umstrittenste Darstellung der Stuckdecke. Benjamin Leuber charakterisierte sie so: „Wie Keyser Carl der Große Anno 806. Witekinde den Jüngern des izigen Chur- und Fürstl[ichen] Hauses Sachsen Uhrältisten Vorfahren und deßen Nackommen mit dem Lande und Herrschaft Budseß belehnet“ [22]. Auf einem Thron sitzt der gekrönte Kaiser Karl der Große (747 oder 748-814) unter einem Baldachin. Vor ihm stehen zwei Personen in der Kleidung des 17. Jahrhunderts, die beide Wappenschild halten. Das erste enthält das Monogramm Kars, das zweite das Reichswappen. Karl der Große reicht Widukind, der von rechts herantritt, eine Fahne. Das Wappen auf der Fahne zeigt unten eine Mauer, das Wappen Bautzens und der Oberlausitz, und oben rechts einen aufrechten Löwen, das Wappentier der Mark Meißen, während oben links ein fiktives Wappen [23]erscheint. Es soll sich nach Leuber um das Wappen der Sorben handeln. Gemeint ist, dass die wettinischen Gebiete von Anfang mit dem Sorbenland und der Lausitz vereint gewesen seien. Eine Assistenzfigur trägt auf einem Kissen den Herzogshut. Hinter ihm stehen zwei weitere Männer.
Dargestellt ist die Belehnung eines Vasallen mit einem Fahnenlehen, der im mittelalterlichen Reich üblichen Form des Fürstenlehens. Doch inhaltlich handelt es sich um eine Fiktion. Zwar glaubte man damals, Widukind von Sachsen sei der Stammvater der Wettiner gewesen, doch ist die hier behauptete Belehnung urkundlich nicht zu fassen. Auch gab es zu Beginn des 9. Jahrhunderts weder das Land Bautzen noch die Mark Meißen und erst recht keine Lehensverbindung beider Territorien.
Feld 2: Kaiser Heinrich IV. belehnt Wiprecht von Groitzsch mit dem Land Bautzen
Die Komposition des zweiten Bildes gleicht dem ersten. Wiederum sitzt ein Kaiser auf einem Thron und übergibt eine Fahne als Zeichen der Belehnung. Leuber beschreibt dieses zweite Bildfeld der Südseite wie folgt: „Wie Keyser Heinrich der Vierde Anno 1086. des Jüngern Wittekinds Nachkommen, izigen Chur- und Fürstl[ichen] Hauses Sachsen Uhralte Vorfahren übergehet und Graf Wipprechten von Groitzsch mit dem Lande und Herrschaft Budißin belehnet“.[24] Aber auch anhand der beiden Wappenschild, die links von zwei Männern getragen werden, ist der Kaiser als Heinrich IV. (1050-1106) auszumachen. Der bärtige Mann, der auf die zweite Stufe des Throns tritt und die Fahnenstange mit seiner rechten Hand umgreift, soll Wiprecht von Groitzsch (um 1050-1124) sein. Er hält mit der linken Hand ein Wappenschild, auf dem ein Pfahl und ein aufspringendes Pferd zu sehen sind. Hinter ihm steht eine Figur mit gleichen Gesichtszügen. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Wiprechts Sohn Heinrich von Groitzsch, wie Kai Wenzel annimmt.[25]
Die Szene hat einen historischen Kern. Wiprecht von Groitzsch, den die Wettiner nicht als ihren Vorfahren ansahen, aber in dessen Erbe sie sich stellten, heiratete um 1085 Judith, die Tochter des Herzogs Vratislav von Böhmen. Sie brachte das Gebiet um Bautzen als Mitgift in die Ehe ein. Eine formelle Belehnung durch den Kaiser ist jedoch nicht bekannt. Wiprechts zweiter Sohn Heinrich (um 1090-1135) war ab 1131 Markgraf der Lausitz.
Feld 3: Friedrich I. belehnt Vladislav II. mit Bautzen und Konrad von Meißen mit Niederlausitz
Das erste Bildfeld der Ostseite zeigt wiederum eine Belehnung. Benjamin Leuber überschreibt sie so: „Wie Keyser Friederich der Erste Anno 1153. den König in Bohmen mit Ober Lausitz und die Marggraven zu Meissen mit Nieder Lausitz belehnet“.[26]Kaiser Barbarossa (um 1122-1190) erscheint in frontaler Darstellung. Er sitzt auf einem Thron und hält Zepter und Reichsapfel. Vor ihm knien zwei Personen. Der Mann links ist als Markgraf Konrad der Große (um 1098-1157) zu deuten. Die drei Geharnischten auf der linken Seite halten ein Wappen der wettinischen Länder. Man erkennt den Löwen der Markgrafschaft Meißen, die Balken der Mark Landsberg und die drei Seeblätter der Grafschaft Brehna. Konrad der Große hält eine Fahne. Dort ist ein Wappen mit Stier zu sehen, das Wappen Luckaus und der Niederlausitz. Der knieende Herrscher rechts hält eine Fahne mit dem Wappen der Oberlausitz. Gemeint ist der böhmische König Vladilav II. (um 1110-1174) aus der Dynastie der Přemysliden. Zwei Männer rechts von ihm halten seinen Helm und das Wappen Böhmens.
Die Bilddarstellung verdeutlicht noch einmal den wettinischen Anspruch auf die Lausitzen, denn Konrad der Große, ein Vorfahre der Kurfürsten von Sachsen, war 1136 mit der Mark Lausitz belehnt worden. Vladislav II. erhielt 1158 die Königskrone Böhmens. Die von Leuber erwähnte Jahreszahl 1153 lässt sich auf keines der beiden Ereignisse beziehen.
Feld 4: Kaiser Karl IV. verbindet die Ober- und Niederlausitz mit dem Königreich Böhmen
Das zweite Feld der Ostseite gibt eine Abfolge sitzender Herrscher wieder. Benjamin Leuber übertitelte die Szene: „Wie Keyser Carl der Vierte Anno 1355 dem Königreich Böhmen die Länder Mähren, Schlesien, Ober- und Nieder Laußitz einverleibt“.[27]Kaiser Karl IV. (1316-1378), deutscher und böhmischer König, sitzt auf einem Thron. Neben ihm sind die Kurfürsten angeordnet, die gemäß der Goldenen Bulle den König wählen. Man erkennt sie an den Wappen über ihren Köpfen. Von links nach rechts sind zu sehen: die Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Die Kurfürsten sind in den Kurmantel gekleidet und tragen den Kurhut. Vor dem Kaiser stehen zwei Herolde, die ein Wappen präsentieren. Das gevierte Schild zeigt die Einzelwappen Mährens, Schlesiens, der Ober- und der Niederlausitz. Indem das Herzschild den böhmischen Löwen zeigt, werden diese Länder als zum Königreich Böhmen gehörend gekennzeichnet.
Die Jahreszahl 1355 hat Leuber willkürlich gewählt. Die Goldene Bulle datiert von 1356. Karl IV. erwarb aber erst 1367 das Markgraftum Niederlausitz, während die Oberlausitz bereits 1319 an die böhmische Krone zurückgefallen war. Auf das Intermezzo der Herrschaft der brandenburgischen Askanier zwischen 1253 und 1319 ging Leuber nicht ein.
Feld 5: Könige von Böhmen der Luxemburger Dynastie als Markgrafen der Ober- und Niederlausitz
Die beiden Felder der Südseite enthalten jeweils Herrscherfolgen. Das erste Feld zeigt nebeneinander sieben Könige und Königinnen, die in zwei Gruppen das Wappen des Königreichs Böhmen mit den Nebenländern Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz umstehen. Benjamin Leuber bezeichnete das Bildthema: „Wie die Könige zu Böhmen Lützelburgischer Familien von Anno 1367. biß zu Anno 1505. die beyden Marggraffthümer Ober- und Nieder Laußitz erblichen beherrschet haben“.[28] Oben befindet sich als Hinweis auf die dynastische Erbfolge das Wappen des Hauses Luxemburg, einen aufrechten gekrönten Löwen vor einem gestreiften Grund. Links vom Wappen des Königreichs Böhmen steht Wenzel IV. (1361-1419) und neben ihm sein Bruder Sigismund (1368-1437). Nach außen zu folgt Elisabeth von Luxemburg (um 1409-1442), die Tochter Sigismunds. Sie heiratete den ganz außen Dargestellten Albrecht II. (1397-1439), womit die Krone Böhmens an die Dynastie der Habsburger überging. Bei der weiteren Abfolge der Könige Böhmens ließ Benjamin Leuber den „Ketzerkönig“ Georg von Podiebrad (1420-1471) aus. Die Gestalt rechts des Wappens wurde unterschiedlich gedeutet. Nach Gurlitt, Mirtschin und Thiemann soll es Ladislaus Postumus (1440-1457) sein, der jung verstorbene Sohn König Albrechts II.[29] Darauf deutet das Doppelwappen Ungarns und Böhmens zu seinen Füßen. Kai Wenzel deutet die Gestalt jedoch als Matthias Corvinus (1443-1490).[30]Der König von Ungarn beanspruchte die böhmische Krone und beherrschte die Nebenländer Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz. Es ist jedoch Manfred Thiemann zuzustimmen, der betonte, Benjamin Leuber habe nur die legitime Herrschaftsfolge in Böhmen darstellen wollen.[31]Matthias Corvinus war nur Gegenkönig. Der rechtmäßige Herrscher war Vladislav II. (1456-1516) aus der Dynastie der Jagiellonen, mit dem die nächste Königsfolge beginnt. Das Ehepaar rechts außen wird als Kasimir IV. (1427-1492) und seine Gemahlin Elisabeth von Habsburg (1437-1505) gedeutet. Offenbar sah er Elisabeth, die Tochter König Albrechts II. von Habsburg, als die rechtmäßige Erbin der böhmischen Krone an. Ihr Tod im Jahr 1505 erklärt auch die Jahreszahl in der Bildbeschreibung Leubers.
Feld 6: Könige von Böhmen der Habsburger Dynastie als Markgrafen der Ober- und Niederlausitz
Das rechte Feld der Ostseite wiederholt die Komposition des linken Feldes. Wiederum erscheint in der Mitte das Wappen des Königreichs Böhmen und seiner Nebenländer Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz. Das kleinere Wappen darüber, bekrönt vom Erzhut und umgeben von der Ordenskette des Ordens vom Goldenen Vlies, verweist auf die Dynastie der Habsburger. Leuber bezeichnete das Bild: „Wie die Könige zu Böhmen Österreichischer Familien von Anno 1505 an biß zu Anno 1635 die beyden Marggraffthümer Ober- und Nieder Laußitz erblichen beherrschet haben“.[32]Allerdings beginnt die Herrscherfolge am linken Bildrand zunächst mit zwei Jagiellonen. Links steht Vladislav II., der durch das Wappen zu seinen Füßen als König von Ungarn und Böhmen gekennzeichnet ist. Dann folgt sein Sohn Ludwig II. (1506-1526), der 1526 in der Schlacht von Mohács ums Leben kam. Durch seinen Tod fielen die Kronen Böhmens und Ungarns an den Habsburger Ferdinand I. (1503-1564), der 1521 Anna, die Schwester Ludwigs II., geheiratet hatte. Ludwig II. zeigt mit dem Zeigefinger auf seine Schwester Anna, während Ferdinand I. seine Ehefrau umgreift. Die Bilddarstellung symbolisiert damit den legitimen Herrschaftsübergang von den Jagiellonen, die Leuber in seiner Überschrift nicht benannte, auf die Habsburger. Rechts von dem Wappen stehen die vier Könige und Kaiser Maximilian II. (1527-1576), Rudolf II. (1552-1612), Matthias (1557-1619) und Ferdinand II. (1587-1637). Die drei ersten Könige tragen jeweils den Orden vom Goldenen Vlies. Zu Füßen der Vierergruppe befindet sich das Reichswappen, wobei dem doppelköpfigen Adler als Herzschild das Wappen des Hauses Österreich aufgelegt ist.
Feld 7: Friedrich von der Pfalz strebt Königswürde in Böhmen und Markgrafentitel der Lausitz an
Die beiden Felder an der Westseite, unmittelbar über der Eingangstür, die vom vollständigen Wappen Kursachsen bekrönt wird, verherrlichen Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen als Sieger über die Aufständischen, die die Macht des Hauses Österreichs bedroht hatten, und als Wiederhersteller der Friedensordnung im Reich. Dabei stehen sich zwei Szenen antithetisch gegenüber. Das linke Feld bezeichnete Benjamin Leuber: „Wie Churfürst Friederich Pfalzgrav bey Rhein Anno 1619 durch eine vorgenommene freye Wahl nicht allein zum Könige in Böhmen, Marggraven zu Mähren, Herzogen in Schlesien, sondern auch zum Marggraven in Ober- und Nieder Laußitz erhoben, das Hauß Österreich von Beherrschung solcher Landen zu bringen vermeinet hatt.“[33]Abgebildet ist der „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz (1596-1632) aus dem Haus Wittelsbach. Er sitzt im Harnisch auf einem Pferd und hält eine Lanze, mit der er gegen das Wappen der Habsburger-Dynastie anrennt. Dieses Wappen unter einer Krone hängt an einer korinthischen Säule. Auf dem Säulenmonument sitzt ein Adler, der in seinen Fängen ein Schwert und ein Zepter als Symbole des Kriegs und der Macht hält. Im Hintergrund ist die Prager Burg angedeutet. Friedrich von der Pfalz trägt eine Krone, die Krone Böhmens, und hat ein Schild, das die Wappen aller seiner Herrschaftsgebiete vereint, darunter auch die Ober- und Niederlausitz.
Feld 8: Vertreibung von Friedrich von der Pfalz aus der Lausitz durch Kurfürst Georg I. von Sachsen
Das rechte Feld der Westseite ist als Gegenstück zum linken Feld konzipiert. Benjamin Leuber betitelte es: „Wie Churfürst Johann Georg der Erste Hertzog zu Sachsen Anno 1620 mit Krieges Macht Pfalzgrav Friederichen, erwohltem Könige zu Böhmen, von beyden Marggraffthümern Ober- und Nieder Lausitz abbringet, und daß Hauß Österreich bey dem Königreich Böhmen und Ländern Mährern und Schlesien schützt und erhält“.[34] Der Kurfürst sitzt auf einem Pferd, das spiegelbildlich zum Pferd des „Winterkönigs“ angeordnet ist. Er hat sein Schwert erhoben und ist im Begriff zuzuschlagen. Der Schild an seinem Arm zeigt die Wappen aller wettinischen Herrschaftsgebiete. Links flieht Friedrich von der Pfalz aus der Oberlausitz, sein am Boden liegendes Schild und die Krone zurücklassend. Die Silhouette der Stadt Bautzen im Hintergrund [35] mit Abbildung der Ortenburg, des Mühltors und des St. Petridoms macht deutlich, dass hier der Sieg des sächsischen Kurfürsten über die Anhänger des böhmischen Ständeaufstands in der Oberlausitz gemeint ist. Die korinthische Säule in der Mitte mit dem Wappen der Habsburger ist unbehelligt und unbeschädigt. Sie trägt den doppelköpfigen Reichsadler, der in seinen Fängen Zepter, Schwert und Reichsapfel hält. Leuber betont dadurch, dass es der Kurfürst von Sachsen war, der die Macht des Kaisers in den Ländern der böhmischen Krone wiederherstellte. Das es vor allem der Sieg in der Schlacht am Weißen Berg war, die Ferdinand II. zum Sieg verhalf, blendet Leuber aus.
Feld 9: Belehnung des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen und seiner Söhne mit der Lausitz
Das zentrale Bildmotiv der Stuckdecke stellt den chronologischen Abschluss der Herrschaftsgeschichte der Oberlausitz dar. Benjamin Leuber überschrieb die Szene: „Waß gestaldt die Römischen Keyser Ferdinandus II., Ferdinandus III. und Leopoldus Könige zu Böhmen Herrn Johann Georgen dem Ersten, Herrn Johann Georgen dem Andern, und Ihrer Churfürstl[ichen] Durchl[aucht] ganzem hochlöbl[ichem] Churhause zu Sachßen, die beyden Marggraffthümer Ober- und Nieder Lausitz erb- und eigenthümlichen abtreten, übereigenen undt dorüber Lehen ertheilen“.[36]Wieder handelt es sich um eine Belehnung, wie schon die ersten drei Bildfelder Belehnungen zum Inhalt hatten. In der Verklammerung der Anfangs- und Endszene wird deutlich, dass Benjamin Leuber den Übergang der Lausitzen an Sachsen als Rückkehr des Landes an seinen rechtmäßigen Eigentümer ansah.
Am linken Bildrand sitzen unter einem Baldachin drei Kaiser. In der Mitte sieht man Ferdinand II., links neben ihm sitzt Ferdinand III. (1608-1657) und rechts Leopold I. (1640-1705), der, als die Stuckdecke geschaffen wurde, der regierende Kaiser des Heiligen Römischen Reichs war. Die Abbildung Leopolds macht deutlich, dass die Stuckdecke nicht vor 1657 ausgeführt worden sein kann. Das schließt jedoch eine frühere Konzeption nicht aus. Die Zeremonie wird von acht sitzenden Personen gerahmt, die ein Spalier bilden, wobei die untere Gruppe von hinten zu sehen ist. Oben sitzen die drei weltlichen Kurfürsten, die Kurfürsten von Brandenburg, Bayern und der Pfalz.[37] Der Kurfürst von Sachsen fehlt, weil er selbst belehnt wird, desgleichen der König von Böhmen, da der Kaiser selbst diese Kurwürde innehat. Die vierte Gestalt ist der König von Schweden, wie das mit einer Krone versehene Wappen ausweist. Er wurde aufgenommen, weil Schweden zu den Garantiemächten der Friedensordnung im Heiligen Römischen Reich nach dem Dreißigjährigen Krieg gehörte. Ihnen gegenüber sitzen die drei geistlichen Kurfürsten sowie der König von Frankreich ebenfalls als Garant des Westfälischen Friedens. Vor den drei Kaisern kniet Johann Georg I., begleitet von zwei Herolden mit Fahnenlanzen. Diese zeigen die Wappen der Ober- und der Niederlausitz. An Johann Georgs Rücken lehnt das kursächsische Wappen. Hinter ihm folgen vier männliche Gestalten mit halblangem Haar. Wie die Wappen ausweisen, handelt es sich um die Söhne des Kurfürsten. Der erste, Johann Georg II., trägt wie sein Vater einen Kurhut. Er war der regierende Kurfürst, als die Decke ausgeführt wurde. Es folgen seine jüngeren Brüder August (1614-1680), Christian I. (1615-1691) und Moritz (1619-1681), die, als die Decke entstand, die Nebenlinien Sachsen-Weißenfels, Sachsen-Merseburg und Sachsen-Zeitz begründet hatten. Vor ihnen sieht man eine Dienerfigur mit sächsischem Wappen sowie als Rückengestalt einen Herold. Dahinter tragen zwei Diener zwei Zeremonialhelme mit üppiger Helmzier. Ganz oben schwebt Fama, die Personifikation des Ruhmes, über dem Geschehen. Sie hält einen Palmzweig und bläst in eine Trompete. An ihr hängt das kursächsische Wappen, umgeben von einem plastischen Lorbeerkranz.
Die Szene nimmt Bezug auf den Prager Frieden von 1635, in dem Kaiser Ferdinand II. der Abtretung der Markgraftümer Ober- und Niederlausitz an Kursachsen zustimmte, um damit Kriegsschulden abzugelten.[38] Einen Belehnungsakt, wie hier dargestellt, gab es allerdings nie. Erst 1638 erfolgte die Übergabe der Belehnungsurkunde an Johann Georg I. Diese Zeremonie fand in Görlitz in eher kleinem Kreis statt, und der Kaiser ließ sich vertreten. Bei dem Deckenbild ging es allerdings gar nicht darum, ein konkretes Geschehen zu zeigen. Entscheidend war es, eine Darstellungsweise zu finden, die den Übergang der Ober- und Niederlausitz an Kursachsen im Jahr 1635 verbildlicht. Und wie die dargestellten Personen erkennen lassen, weist die Darstellung über das Jahr 1635 hinaus: Indem drei Kaiser nebeneinandersitzen, geht es auch um die nachfolgenden Belehnungen, die sich auf die Entscheidung des Jahres 1635 gründen. Daher ist Johann Georg I. nicht nur allein dargestellt. Auch seine Söhne empfangen die Belehnung. Gemeint ist, dass die Ober- und die Niederlausitz nunmehr dauerhaft zu Kursachsen gehören.
Saal mit Kaiserdecke
Der Saal schließt sich südlich an das Kammergemach an und bildet den mittleren von insgesamt drei repräsentativen Sälen im ersten Obergeschoss des Hauptgebäudes der Ortenburg. Die Bezeichnung im 17. Jahrhundert ist nicht bekannt. Heute wird der Raum als Konferenzraum bezeichnet.[39]
Der Raum hat an der zum Burghof gerichteten Westseite zwei Fenster. An der gegenüberliegenden Ostseite befinden sich ein Fenster ein breiter Durchgang in den Flur des Nordflügels. Die Nordseite enthält die Tür zum Kammergemach. An der Südseite sind drei Bogennischen ausgebildet. Die östliche Nische ist geöffnet und bildet den Durchgang zum angrenzenden Saal.
Die Wände tragen einen einfachen weißen Putz. Farbgestaltungen sind nicht nachgewiesen. Prägendes Gestaltungselement ist die farbige Holzbalkendecke. Die über 9,00 m langen Deckenbalken verlaufen in Ost-West-Richtung.
Die Deckenbalken sind beim Ausbau dieses Geschosses eingebaut worden. Vermuten lässt sich eine Entstehung um 1650/60. Als 1661 die Stuckdecke des Kammergemachs unter die tragende Balkenkonstruktion gehängt wurde, waren die Deckenbalken dieser Ebene bereits vorhanden. Dies gilt auch für die angrenzenden Räume.
Die Deckenbalken waren mindestens seit dem 18. Jahrhundert durch eine untergehängte Bretterdecke verdeckt. Auf dieser befand sich eine weiße Putzschicht, aufgetragen auf Rohrgeflecht. Bei Bauuntersuchungen im Jahr 1996 stellte man fest, dass sich unter der abgehängten Deckenebene einen vollständig bemalte Holzbalkendecke befand. Diese wurde in den Jahren 2001/02 freigelegt und konserviert. Es erfolgte eine Sicherung der Farbschichten. Gab es Fehlstellen, wurden diese neutral im Grundfarbton der Deckenfassung retuschiert. Die Arbeiten führte Diplom-Restaurator Markus Schulz nach einem restauratorischen Konzept der Eric Stenzel & Sven Taubert Diplomrestauratoren GbR aus dem Jahr 1999 aus. Da sich die Deckenbalken wie auch die Einschubbretter zusammen mit dem Mauerwerk bewegt haben, haben sich die Fugen zwischen den Brettern geöffnet. Sie sind als deutliche Spalten erkennbar. Diese Fugen sind so beibehalten und nicht geschlossen worden. Ebenso beibehalten wurde in Wechsel, also ein Querbalken zwischen dem vierten und fünften Deckenbalken.
Nach der Freilegung fand die Decke nur kursorische Erwähnung.[40] Eine vollständige wissenschaftliche Bearbeitung stand bislang noch aus. Klaus Fittschen gelang es, die Vorlage für die Kaiserbildnisse der Decke zu identifizieren.[41]
Beschreibung/Zustand
Der Raum ist annähernd quadratisch. Er misst an der Nord- und Südseite 9,30 m, an der Westseite 9,00 m und an der Ostseite 9,10 m. Die Deckenbalken sind jeweils etwa 0,25-0,3 m breit. Im Abstand von etwa 0,75 cm sind Querbretter eingeschoben, die eine Gliederung der Deckenbahnen vornehmen. Zwischen ihnen befinden sich ebenfalls quer eingelegte Bretter. Sie sind ca. 0,10 m unterhalb der Oberkante der Deckenbalken in Schlitze eingeschoben. Die Deckenbalken und die Querbretter begrenzen insgesamt 72 Bildfelder mit einer Abmessung von jeweils ungefähr 0,75-0,80 m in Breite und Höhe. Leichte Abweichungen ergeben sich, weil sich Bretter und Balken in ihrem Auflager verschoben haben. Der Länge der Deckenbalken folgend, gibt es acht vertikale Reihen. Diese teilen sich jeweils in neun Felder. Die südliche Deckenbahn ist schmaler als die anderen; sie wird nicht von einem Holzbalken, sondern von der steinernen Außenwand des Raumes begrenzt.
Die Kaiserdecke
Die Deckenbalken sind grau getönt und auf ihrer Unterseite mit Blattwerk bemalt. Dabei wechseln sich gedrehte Akanthusranken und Eichenblätter ab. Aufgemalte braun-goldene Streifen sollen den Eindruck eines um die Ranke gewickelten Bandes erwecken. Die Querbretter tragen einen Dekor aus Lorbeerblättern, in der Mitte kreuzweise mit Bändern umwunden. Die Bildfelder haben eine graue Rahmung. In der Mitte befindet sich jeweils ein imitiertes steinernes Kassettenfeld. Auf das Holz gemalte Marmorierungen deuten an, dass es sich um einen hellblauen Marmor mit dunkelblauen und ockerfarbenen Adern handelt. Vor diesem Hintergrund erscheinen abwechselnd zwei verschiedene Darstellungen. Zum einen sieht man imitierte steinerne Büsten. Der Schattenwurf im Hintergrund macht kenntlich, dass hier dreidimensionale Bildwerke gemeint sind. Die Büsten umfassen den Kopf und den Anschnitt des Oberkörpers, jedoch keine Arme. Gemalt sind sie in schwarzen, weißen und brauen Tönen. Unter jeder Büste befindet sich eine Inschrift aus schwarzen Minuskelbuchstaben. Zum anderen sieht man in brauner und schwarzer Farbe gemalte Rosetten. Sie sind auf der ganzen Decke weitgehend identisch. Eine geöffnete Blüte ist von Blättern umgeben.
Die Büsten ordnen sich zu einer Bildfolge an, die eine inhaltliche und chronologische Ordnung hat. Man liest sie mit Blickrichtung von der Fensterseite, also von Westen. Die Bildfolge beginnt in der Nordwestecke und läuft dann an der Fensterseite entlang nach zur Südwestecke. Dabei wechseln jeweils eine Büste und eine Rosette. Dann folgt die zweite Zeile, die mit einer Rosette beginnt. Durch diesen zeilenweisen Wechsel ergibt sich eine schachbrettartige Anordnung der Bildfelder. Insgesamt gibt es neun Zeilen mit jeweils vier Büsten. Die letzte Darstellung befindet sich der Südostecke, die dem Beginn der Bildfolge diagonal gegenüberliegt.
Die Bemalungen sind gut erhalten. Nach der Freilegung der Decke wurden abgängige Farbpartien gesichert und fehlende Stellen durch behutsame Retuschen ergänzt. Die Büsten sind ohne substanzielle Verluste in der originalen Farbgestaltung erhalten geblieben.
Ikonographie/Vorlagen
Die Büsten sind durch die Aufschriften als römische Kaiser zu erkennen. Die chronologische Abfolge beginnt mit Julius Cäsar und endet mit Gordian III. Damit sind römische Kaiser, Mitregenten und Gegenkaiser vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis zum dritten Jahrhundert abgebildet. Kaiserserien dieser Art sind in der Renaissance Mode geworden und waren bis zum 18. Jahrhundert verbreitet. Es gibt sie als Druckgrafik, als Zeichnung, als Abfolge von Büsten oder von Münzbildern oder eben als gemalte Architekturdekoration. Üblicherweise beginnen diese Kaiserserien mit Julius Cäsar, der selbst kein römischer Kaiser war, von dem sich aber die Bezeichnung „Kaiser“ ableitet.
Klaus Fittschen konnte die Vorlage, die für die Ausmalung der Kaiserdecke verwendet wurde, ermitteln.[41] Es handelt sich um einen gebundenen Band mit Zeichnungen von Büsten römischer Kaiser im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.[42] Diese Zeichnungen sind von dem aus Mantua stammenden Jacopo Strada (1515-1588) bzw. von seiner Werkstatt um 1568 bis um 1573 in Norditalien geschaffen worden. Kurfürst August von Sachsen (1526-1586) erhielt diesen und einen weiteren Band mit Zeichnungen von Büsten römische Kaiser von Jacopo Strada, als dieser in Dresden weilte.[43] In der Hoffnung auf eine finanzielle Vergütung, die aber nie gezahlt wurde, lieh Strada dem Kurfürsten insgesamt sechs Zeichnungskonvolute.[44] Sie blieben dauerhaft in Dresden und erhielten im 18. Jahrhundert Ledereinbände mit Goldprägung. Die beiden Zeichnungsbände Ca 74 und Ca 76 enthalten jeweils Abbildungen von Büsten römischer Kaiser, wobei sich die Sockel der Büsten unterscheiden. Für die Bautzener Decke ist der Band Ca 74 verwendet worden, und zwar dort die Blätter 1 bis 36.[45] Dies zeigen die Porträts der Kaiser Vitellius und Vespasian sowie Balbienus und Pupienus, die im Band Ca 74 miteinander verwechselt worden sind, während sie im Band Ca 76 ohne diese Verwechslung erscheinen.[46] Bei der Bautzener Kaiserdecke ist aber die Verwechslung übernommen worden, was die Vorlage genau eingrenzt. Der Maler der Bautzener Kaiserdecke übernahm die Büsten detailgetreu, veränderte und vereinheitlichte jedoch die Büstenausschnitte. Die Büsten wurden in ihrer Größe reduziert. Ebenso übernahm der Maler die Beschriftungen des Bandes Ca 74 – auch offenkundige Fehler dieser Vorlage. In einigen wenigen Fällen unterliefen dem Maler selbst Verwechslungen (Vertauschung von Maximian und Maximus).
Zugriff auf die Dresdner Kunstsammlungen hatten nur der Kurfürst und die Angehörigen des Hofs. Der namentlich unbekannte Künstler muss folglich von einem höfischen Auftraggeber instruiert worden sein, auf der Bautzener Decke genau diese Kaiserbüsten abzubilden. Sehr wahrscheinlich war dieser Auftraggeber der Kurprinz Johann Georg (1647-1691), der einzige Sohn von Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (1631-1680). Der Kurfürst ernannte seinen Sohn 1672 zum Landvogt der Oberlausitz. Es ist davon auszugehen, dass Kurprinz Johann Georg, der 1680 selbst Kurfürst wurde, die Amtsräume des Landvogts im ersten Obergeschoss der Bautzener Ortenburg neu ausgestalten ließ. Da die Vorschlagsliste für Baumaßnahmen vom 20. Juli 1673 [47] keine Hinweise auf eine Ausgestaltung der Räume im ersten Obergeschoss enthält, muss diese Baumaßnahme nach 1673 durchgeführt worden sein. Wahrscheinlich erfolgte die Ausgestaltung 1678, als im Südflügel der Ortenburg ein neues Treppenhaus eingebaut wurde und eine Galeriekonstruktion außen den Sälen des ersten Obergeschosses vorbeigeführt wurde. Es lassen sich dafür allerdings keine archivalischen Belege finden. 1680 muss die Decke schon bestanden haben, denn nach 1680 sind im Hauptgebäude der Ortenburg keine Baumaßnahmen mehr greifbar. Auch gab es keinen Landvogt der Oberlausitz mehr, denn Kurfürst Johann Georg III. setzte nach dem Tod seines Vaters und der Übernahme des Kurhuts keinen neuen Landvogt ein. Geht man von einer Entstehung um 1678 aus, dann sind die bemalten Decken im ersten Obergeschoss der Ortenburg ungefähr 16 Jahre jünger als die Stuckdecke des Kammergemachs.
Indem der Kurprinz und Landvogt Johann Georg in seinen Amtsräumen die Kaiser des Römischen Reichs abbilden ließ, ordnete er sich selbst in die Reihe der Kaiser ein. Er suggerierte, in der Nachfolge der römischen Kaiser zu stehen. Sicherlich wollte er damit nicht behaupten, Kursachsen stehe der Kaisertitel zu. Es ging vielmehr um den Typus des Herrschers an sich und die unumschränkte Ausübung der Herrschaft, die man mit den Kaisern der antiken Welt verband. Klaus Fittschen schrieb dazu: „Im Zeitalter des Absolutismus konnten sich regierende Fürsten in der Nachfolge der römischen Kaiser sehen. Die Bezugnahme auf diese Kaiser in Galerien mit deren Bildnissen konnte der Herrschaftsvergewisserung und der Selbstdarstellung des Landesherrn dienen.“[48] Zu Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen hielt Fittschen fest, „dass es verständlich ist, dass sich Johann Georg III. wie ein römischer Kaiser vorkam.“[49]
In Sachsen wurden im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts mehrere Kaiserserien geschaffen, die auf diesen Anspruch verweisen. So ließ Kurfürst Johann Georg II. das Palais im Großen Garten in Dresden, erbaut zwischen 1676 und 1680, mit 16 Büsten römischer Kaiser und Kaiserinnen schmücken, die im Mezzaningeschoss der Palaisfassade in Tondi aufgestellt sind.[50] Im Herrenhaus Niederjahna ließ Hans Georg von Miltitz, Kammerjunker Kurfürst Johann Georgs III., nach 1691 eine Kaiserdecke gestalten, die römisch-deutsche Kaiser enthält. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Adlige selbst eine Kaisernachfolge beanspruchte. Er zeigte mit der Abfolge der Kaiser wahrscheinlich, dass Kursachsen Teil eines größeren Reichs ist und diesen Reichsgedanken stützt und fortsetzt. Nach Klaus Fittschen verkörpern Kaisergalerien im Besitz von „Untertanen“ „offenbar Loyalitätsbekundungen und Fürstenlob.“[51]
Feld 1: Julius Cäsar
Abgebildet ist ein Mann mit Halbglatze, der den Kopf nach links geneigt hat. Um die Schultern ist ein Mantel gelegt. Gemäß der Beschriftung „Julius Cæsar“ ist hier Gaius Julius Cäsar (100 v. Chr.-44 v. Chr.) abgebildet. Der bedeutende römische Staatsmann wandelte die römische Republik in eine Diktatur um und bereitete damit die Errichtung des Kaiserreichs durch seinen Erben und Großneffen Augustus vor. Vorlage war die Büste Nr. 1 in Jacopo Stradas Zeichnungsbuch von Büsten römischer Kaiser, gezeichnet um 1568 bis um 1573. Der Einheitlichkeit der Darstellungen wegen wurde der Büstenausschnitt reduziert und der Sockel weggelassen. Welche konkrete antike Büste die Vorlage für die Zeichnung bildet, ist nicht bekannt.
Feld 2: Augustus
Dargestellt ist ein Mann mit nacktem Oberkörper, der seinen Kopf nach links neigt und nach unten blickt. Die Aufschrift „Octavianus“ verweist auf Kaiser Augustus (63 v. Chr-14 n. Chr.). Geboren als Gaius Octavianus, war Augustus der erste römische Kaiser. Er führte die monokratische Staatsform im Römischen Reich ein und begründete die Julisch-Claudische Kaiserdynastie. Der Maler folgte dem Blatt 2 in Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Er reduzierte die Büstengröße und verkürzte den Namen, übernahm aber sonst zahlreiche Details.
Feld 3: Tiberius
Der junge, bartlose Mann blickt nach links und trägt einen Soldatenmantel, der über der rechten Schulter von einer Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „Tiberiu[s] Claudius Nero verweist auf Tiberius (42 v. Chr.-37 n. Chr.), den zweiten Kaiser des Römischen Reichs. Die Darstellung folgt Blatt 3 in Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Der Büstenausschnitt wurde jedoch reduziert.
Feld 4: Caligula
Abgebildet ist ein junger, bartloser Mann, der seinen Kopf nach links wendet. Der Oberkörper ist nackt, die rechte Schulter jedoch mit einem Mantel bedeckt, der von einer Fibel gehalten wird. Über die linke Schulter ist ein dekoriertes Band gelegt. Die Aufschrift „Cajus Caligula“ verweist auf Caligula (12-41), den dritten römischen Kaiser, der eigentlich Gaius Julius Caesar hieß. Er wird als wahnsinniger Gewaltherrscher beschrieben. Sein postum gebrauchter Name lautet übersetzt „Soldatenstiefelchen“. Als Vorlage wurde Blatt 4 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch verwendet. Dabei reduzierte der Maler den Ausschnitt der Büste.
Feld 5: Claudius
Die Kaiserbüste zeigt einen bartlosen Mann, der seinen Kopf leicht nach links wendet. Er trägt einen Soldatenmantel, der vor der rechten Schulter von einer Fibel gehalten wird. Der Name „Tiberius Claudius Drusus“, der als Aufschrift zu lesen ist, ist der Geburtsname des Kaisers Claudius (10 v. Chr-54 n. Chr.). Der vierte Kaiser der Julisch-Claudische Dynastie folgte Caligula nach, der in einer Verschwörung ermordet worden war. Der Maler der Bautzener Kaiserdecke nutzte Blatt 5 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch als Vorlage. Er reduzierte nur den Büstenausschnitt.
Feld 6: Nero
Abgebildet ist ein Mann, der frontal auf den Betrachter schaut. Er trägt einen Brustpanzer und über der linken Schulter einen von einer Fibel gehaltenen Mantel. Die Beschriftung „Nero Claudius“ verweist auf Kaiser Nero (37-68), den fünften und letzten Kaiser der Julisch-Claudischen Dynastie. Er gilt als „Tyrannenkaiser“. Die Vorlage befindet sich in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch. Der Maler übernahm die Büste, reduzierte jedoch die Größe und ließ die Verzierung des Brustpanzers weg.
Feld 7: Galba
Die Kaiserbüste zeigt einen Mann in frontaler Ansicht. Wie man am rechten Ansatz des Armes erkennt, trägt er einen Brustpanzer. Darüber ist ein Soldatenmantel gelegt, der durch eine Fibel auf der rechten Schulter gehalten wird. Die Beschriftung „Sergius Galba“ bezieht sich auf Galba (3 v. Chr.-69 n. Chr.), der nach dem Tod Neros die Macht an sich riss. Er war der erste Kaiser des Vierkaiserjahres 69. Sein Name lautete eigentlich Lucius Livius Ocella Servius Sulpicius Galba. In der Vorlage, dem Blatt 7 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch, findet man jedoch die Namensfassung „Sergius Galba“, die der Maler so übernahm. Die Darstellung folgt dieser Vorlage, jedoch wurde der Büstenausschnitt reduziert.
Feld 8: Otho
Der in Büstenform dargestellte Mann blickt nach rechts. Um seine Schulter ist ein Mantel gelegt, der von einer Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „M. Sylvius Otho“ verweist auf Otho (32-69), der im Vierkaiserjahr 69 drei Monate lang römischer Kaiser war. Sein Name lautete eigentlich Marcus Salvius Otto. Die Namensfassung „Sylvius“ übernahm der Maler von der Vorlage, dem Blatt 8 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch.
Feld 9: Vitellius
Der Mann hat einen runden Kopf. Büste und Kopf wenden sich nach rechts. Über die Schulter ist ein Mantel gelegt, den einen Fibel über der linken Schulter zusammenhält. Nach dem Bildtypus handelt es sich um Kaiser Vespasian. Die Beschriftung „Aulus Vitellius“ verweist jedoch auf Vitellius (12 oder 15-69), den dritten Kaiser des Vierkaiserjahrs 69. Der Maler der Kaiserdecke übernahm die Darstellung wie auch die Beschriftung aus Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch. Die Vertauschung von Vitellius und Vespasian betrifft bereits diese Vorlage.
Feld 10: Vespasian
Dargestellt ist ein Mann mit Brustpanzer und Umhang, der sich nach links wendet. Er hat einen runden Kopf und lässt sich anhand des Bildtypus als Vitellius interpretieren. Die Beschriftung nennt ihn allerdings „Flavius Vespasianus“. Vespasian (9-79), mit Geburtsname Titus Flavius Vespasianus, konnte den Bürgerkrieg des Vierkaiserjahrs 69 für sich entscheiden und wurde der erste römische Kaiser der flavischen Dynastie. Die Vorlage stammt aus Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Dort wird auf Blatt 10 dieser Kaiser über einem Sockel abgebildet, der mit seiner Beschriftung auf Vespasian hinweist. Auch die Bildunterschrift nennt den Kaiser Vespasian. Das gleiche Bild im Zeichnungsband Ca 76 bezeichnet diese Büste jedoch als Vitellius. Vorlage dafür war laut Fittschen der „Vitellius Grimani“ oder „Pseudo-Vitellius“, der im Museo Archeologico Nazionale di Venezia (Inv. 20) aufbewahrt wird.[52]
Feld 11: Titus
Abgebildet ist die Büste eines Kaisers, der frontal auf den Betrachter schaut. Er ist in eine Toga gekleidet. Nach der Aufschrift „Titus Vespasianus“ ist er als Kaiser Titus zu identifizieren. Titus (39-81), mit Geburtsnamen Titus Flavius Vespasianus, folgte seinem Vater Vespasian nach und war der zweite Kaiser der flavischen Dynastie. Die Vorlage folgt detailgetreu der Zeichnung Jacobo Stradas im Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett.
Feld 12: Domitian
Das Kaiserbildnis mit jugendlich wirkendem Kopf und einem Soldatenmantel, der an der linken Schulter mit einer Fibel befestigt ist, kann als Domitian gedeutet werden. Darauf verweist die Aufschrift „Domitianus Vespasianus“. Domitian (51-96), eigentlich Titus Flavius Domitianus, folgte seinen Bruder Titus nach und war der dritte und letzte Kaiser der flavischen Dynastie. Die Vorlage befindet sich in Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Der Maler hat sich bei den Haaren und den Falten des Gewands teils von der Vorlage gelöst und eine freiere Gestaltung gewählt.
Feld 13: Nerva
Die Kaiserbüste zeigt gemäß der Aufschrift „Nerva Cocdejus“ den Kaiser Nerva (30-98), der den Geburtsnamen Marcus Cocceius Nerva trug und nach der Ermordung Domitians zum Kaiser ausgerufen wurde. Die Vorlage folgt dem Blatt 13 in Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Dabei wurde die Büste in der Größe reduziert. Der Kopf erscheint runder als in der Vorlage.
Feld 14: Trajan
Die Kaiserbüste ist mit „Ulpius Trajanus“ beschriftet und stellt demnach Kaiser Trajan dar. Dieser ist in einen Brustpanzer gekleidet, von dessen Brustplatte allerdings nur der obere Rand zu sehen ist. Trajan (53-117), mit Geburtsname Marcus Ulpius Traianus, war der erste Adoptivkaiser. Unter seiner Herrschaft erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung. Der Maler der Bautzener Decke verwendete als Vorlage Blatt 14 von Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett, reduzierte aber den Büstenausschnitt.
Feld 15: Hadrian
Der bärtige Mann mit gelocktem Haar schaut nach rechts. Er trägt einen Soldatenmantel, der über der rechten Schulter mit einer Fibel gehalten wird. Sowohl die Gesichtszüge als auch die Aufschrift „Aelius Hadrianus“ geben zu erkennen, dass es sich um Kaiser Hadrian (76-138) handelt. Geboren als Publius Aelius Hadrianus, war er der Großneffe Trajans und vierzehnter römischer Kaiser. Der Maler nahm Blatt 15 von Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett als Vorlage, reduzierte aber den Büstenausschnitt.
Feld 16: Antoninus Pius
Der bärtige, nach rechts blickende Mann ist anhand der Aufschrift „Antoninus Pius“ und seiner charakteristischen Gesichtszüge als Kaiser Antoninus Pius (86-138) zu erkennen. Er trägt einen Soldatenmantel, der über der rechten Schulter mit einer Fibel gehalten wird. Antoninus Pius, geboren als Titus Aurelius Fulvus Boionius Arrius Antoninus, war der vierte der sechs Adoptivkaiser und Gründer der Antoninischen Dynastie. Vorlage war Blatt 16 von Jacobos Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Wie bei den anderen Büsten auch, wurde der Büstenausschnitt reduziert.
Feld 17: Lucius Verus
Die Kaiserbüste zeigt einen bärtigen Mann, der seinen Kopf leicht nach links wendet. Er trägt einen Mantel, der über der linken Schulter von einer Fibel gehalten wird. Die Beschriftung lautet „L. Aurelius Verus“. Lucius Aurelius Verus (130-169), der verkürzt meist nur Lucius Verus bezeichnet wird, war gemeinsam mit Mark Aurel (121-180) römischer Kaiser. Als Vorlage diente Blatt 17 im Dresdner Skizzenbuch Jacobo Stradas.
Feld 18: Commodus
Der Mann mit gelocktem Haar und Vollbart ist der Kaiser Commodus (161-192), wie die Aufschrift „M. Aurelius Commodus“ zeigt. Er trägt einen Soldatenmantel, der über der rechten Schulter mit einer Fibel gehalten wird. Commodus, geboren als Lucius Aurelius Commodus, war der Sohn des Kaisers Mark Aurel (121-180). Dieser fehlt sowohl in Jacobo Stradas Skizzenbuch als auch auf der Bautzener Kaiserdecke. Der Maler benutzte das Blatt 18 von Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett als Vorlage.
Feld 19: Pertinax
Der Mann mit gelockten Haaren und Vollbart blickt frontal auf den Betrachter. Er trägt einen Soldatenmantel, der über der rechten Schulter mit einer Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „Helvidius Pertinax“ verweist auf Publius Helvius Pertinax (126-193), der im Jahr 193 für drei Monate römischer Kaiser war. Er war der erste Herrscher des zweiten Vierkaiserjahres. Der Maler nutzte Blatt 19 von Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett als Vorlage.
Feld 20: Didius Julianus
Dargestellt ist ein Mann mit Vollbart und gelocktem Haar, der seinen Kopf nach rechts wendet. Er trägt einen Soldatenmantel, der über der rechten Schulter durch eine Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „M. Didius Julianus“ verweist auf Marcus Didius Severus Julianus (133 oder 137-193), der nach der Ermordung des Pertinax römischer Kaiser wurde, aber nach 66 Tagen selbst einem Mord zum Opfer fiel. Er war der zweite Kaiser des Zweiten Vierkaiserjahres. Als Vorlage diente Blatt 20 von Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett.
Feld 21: Pescennius Niger
Der bärtige Mann trägt eine Toga und darüber einen Soldatenmantel, der an der rechten Schulter durch eine Fibel gehalten wird. Er blickt nach links. Die Aufschrift „C Pescennius Niger“ verweist auf Gaius Pescennius Niger (um 135/140-194), einen römischen Gegenkaiser. Er gilt als dritter Kaiser des zweiten Vierkaiserjahrs 193/194. Der Maler nutzte Blatt 21 von Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett als Vorlage.
Feld 22: Clodius Albinus
Der bärtige Mann trägt eine Toga und darüber einen Soldatenmantel, der an der rechten Schulter durch eine Fibel gehalten wird. Er blickt nach rechts. Die Aufschrift „Decimus Clodius Septimius Albinus“ verweist auf den Gegenkaiser Clodius Albinus (um 148-197). Er hieß mit vollem Namen Decimus Clodius Septimius Albinus. Er war Gegenkaiser zu Septimius Severus und wurde im Machtkampf mit diesem besiegt und getötet. Vorlage war Blatt 22 von Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett.
Feld 23: Septimius Severus
Abgebildet ist ein nach rechts blickender Mann mit gelocktem Haar und Vollbart. Er trägt einen Soldatenmantel, der über der rechten Schulter mit einer Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „Lucinius Septimius Severus“ verweist auf Kaiser Septimius Severus (146-211), der sich im zweiten Vierkaiserjahr durchsetzte und die Dynastie der Severer begründete. Sein vollständiger Name lautete Lucius Septimius Severus Pertinax. Das Bildmotiv ist Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett übernommen, jedoch mit der Abweichung, dass in der Beschriftung der Name „Lucius“ in „Lucinius“ geändert wurde.
Feld 24: Caracalla
Die Bretter des Deckenfeldes haben sich verschoben. Das obere Brett passt daher nicht mehr an die beiden unteren. Zu erkennen ist ein Mann mit angedeutetem Kinnbart, der frontal auf den Betrachter schaut. Über den nackten Oberkörper ist ein Schwertgurt gelegt, außerdem sieht man einen über der linken Schulter mit einer Fibel gerafften Soldatenmantel. Durch die Aufschrift „M Aurelius Antoninus Caracalla“ ist zu erkennen, dass es sich um Kaiser Caracalla (188-217) handelt. Dieser, mit offiziellem Kaisernamen Marcus Aurelius Severus Antoninus, trat zusammen mit seinem Bruder Geta die Nachfolge seines Vaters Septimius Severus an und setzte die severische Dynastie fort. Die Darstellung folgt Blatt 24 in Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Vorlage für die Zeichnung Stradas war, wie man unter anderem an dem Schwertgurt sehen kann, eine Büste Caracallas aus der Sammlung Maffei, die heute im Museo di Antichitá in Turin aufbewahrt wird.[53]
Feld 25: Geta
Die Büste, die dieser Darstellung zugrunde liegt, ist wohl als Gegenstück zur Büste des Kaisers Caracalla hergestellt worden. Wiederum sieht man einen jungen Mann mit nacktem Oberkörper, über den er einen Schwertgurt sowie einen Soldatenmantel gelegt hat. Der Kopf wendet sich nach links. Die Beschriftung „Septimius Geta“ verweist auf Publius Septimius Geta (189-211). Dieser war im Jahr 211 römischer Kaiser und Mitregent seines älteren Bruders Caracalla, der ihn überlebte. Die Darstellung folgt Blatt 25 in Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Vorlage für Stradas Zeichnung wiederum war eine Büste, die heute im Museo Civico von Casal Monferrato aufbewahrt wird. Der dargestellte Kaiser galt im 16. Jahrhundert als Geta, doch handelt es sich tatsächlich um den Knaben Caracalla in einem Bildtypus, der zwischen den Jahren 196 und 204 in Geltung war.[54]
Feld 26: Macrinus
Abgebildet ist ein Mann mit Vollbart und leicht gelocktem Haar. Er blickt nach links und trägt über der Toga einen Soldatenmantel, der vor der rechten Schulter durch eine Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „M. Opelius Severus Macrinus“ verweist auf Kaiser Macrinus (164-218), der mit vollem Namen Marcus Opelius Macrinus hieß. Dieser ließ Caracalla ermorden und sich selbst zum Kaiser ausrufen. Er wurde von Truppen Elagabals besiegt und getötet. Die abgebildete Darstellung folgt Blatt 26 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch.
Feld 27: Diadumenianus
Abgebildet ist ein junger, bartloser Mann, der seinen Kopf nach rechts wendet. Er trägt einen Soldatenmantel, der über der rechten Schulter durch eine Fibel gehalten wird. Die lange Bildunterschrift „M. Opelius Antoninus Diadumenian9“ verweist auf Marcus Opelius Diadumenianus (208-218), kurz Diadumenian. Dieser war Mitregent seines Vaters Macrinus. Er kam bald nach dem Sturz seines Vaters ums Leben. Der Maler der Bautzener Kaiserdecke nutzte als Vorlage für diesen selten abgebildeten Kaiser Blatt 27 in Jacopo Stradas Dresdner Skizzenbuch.
Feld 28: Elagabal
Der junge Mann mit angedeutetem Kinnbart blickt nach links. Er trägt einen Brustpanzer sowie einen Soldatenmantel, der über der linken Schulter durch eine Fibel in Form eines Gesichts gehalten wird. Die lange Bildunterschrift „M. Aurelius Antoninus Heliogabalus“ verweist auf Elagabal (204-222), der sich als unehelicher Sohn Caracallas ausgab und von Anhängern der entmachteten severischen Dynastie zum Gegenkaiser gegen Macrinus erhoben wurde. Als Kaiser nannte er sich Marcus Aurelius Antoninus. Meuternde Soldaten ermordeten ihn. Der Beiname Elagabal ist ihm erst nach seinem Tod beigelegt worden. Die Darstellung folgt Blatt 28 in Jacobo Stradas Skizzenbuch im Dresdner Kupferstich-Kabinett.
Feld 29: Severus Alexander
Der nach rechts blickende Mann mit gelocktem Haar und Wangenbart trägt einen Mantel, der über der rechten Schulter von einer Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „Alexander Severus“ verweist auf Severus Alexander (208-235), der von seinem Vetter Elagabal zum Nachfolger bestimmt worden war. Als Kaiser trug er den Namen Marcus Aurelius Severus Alexander. Mit seiner Ermordung endete die Dynastie der Severer. Die hier gebrauchte Namensform „Alexander Severus“ wurde von der spätantiken „Historia Augusta“ eingeführt. Vorlage ist das Blatt 29 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch.
Feld 30: Maximinus Thrax
Die Kaiserbüste zeigt einen bartlosen Mann, der nach links blickt. Der Oberkörper ist mit einem Mantel verhüllt, der vor der rechten Schulter von einer Fibel gehalten wird. Der Maler verwendete als Vorlage Blatt 30 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch. Dabei unterlief ihm ein Fehler: Er bezeichnete das Bild mit „Julius Maximus Thrax“, obwohl es sich nicht um Maximus handelt, den Sohn des römischen Kaisers Maximinus Thrax (172/173-238), sondern um Maximinus Thrax selbst. Maximinus Thrax oder Maximinus I. war der erste „Soldatenkaiser“ des 3. Jahrhunderts. Sein eigentlicher Name lautete Gajus Julius Verus Maximinus. Der Beiname Thrax kennzeichnete seine Herkunft aus Thrakien.
Feld 31: Maximus
Die Kaiserbüste zeigt einen bartlosen Mann, der den Betrachter frontal anschaut. Er trägt einen Brustpanzer sowie einen Mantel, der über der linken Schulter mit einer Fibel gerafft wird. Der Maler verwendete als Vorlage Blatt 31 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch. Dabei unterlief ihm ein Fehler: Er bezeichnete das Bild mit „C. Julius Verus Maximinus“. Es handelt sich aber nicht um Maximinus, sondern um seinen Sohn Maximus (216-238), der mit vollem Namen Gaius Julius Verus Maximus hieß. Er war Mitregent seines Vaters und als Thronfolger vorgesehen, wurde jedoch nach der Ermordung seines Vaters ebenfalls getötet. Der Maler bildete Maximinus und Maximus in der richtigen Reihenfolge ab, vertauschte aber die Beinamen.
Feld 32: Gordian I.
Abgebildet ist ein älterer Mann mit ausgeprägten Gesichtsfalten, aber ohne Bart. Er trägt einen Mantel, der über der linken Schulter mittels einer Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „M. Antoninus Gordianus“ verweist auf Gordian I. (um 159-238), der eigentlich Marcus Antonius Gordianus Sempronianus Romanus Africanus hieß. Er war im Januar 238 für 20 Tage römischer Kaiser und hatte seinen Sohn Gordian II. zum Mitregenten ernannt. Die Vorlage für die Kaiserbüste bildete Blatt 32 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch. Von dort wurde auch die falsche Beschriftung übernommen. Gordian I. trug den Namen Antonius, nicht Antoninus. Aufgrund von Verschiebungen in der Deckenkonstruktion klaffen zwischen den Brettern des Deckenfeldes Spalten.
Feld 33: Gordian II.
Abgebildet ist ein Mann mit Stirnglatze und Wangenbart. Er trägt einen Brustpanzer, von dem am Armansatz ein Stück zu erkennen ist, sowie einen Mantel, der an der rechten Schulter von einer Fibel gehalten wird. Die Gesichtszüge wie auch die Aufschrift „M. Antonius Gordianus Secundus“ verweisen auf Gordian II. (um 192-238). Dieser war Mitregent seines Vaters Gordians I. und starb in einer Schlacht. Sein vollständiger Name lautete Marcus Antonius Gordianus Sempronianus Romanus Africanus. Vorlage war Blatt 33 des Dresdner Skizzenbuchs von Jacobo Strada.
Feld 34: Balbinus
Das Deckenfeld zeigt einen bärtigen Mann mit ausgeprägtem Oberlippenbart, der sich nach rechts wendet. Er trägt einen Brustpanzer sowie einen Mantel, der auf der rechten Schulter von einer Fibel gehalten wird. Den Gesichtszügen nach handelt es sich um Kaiser Pupienus (um 164-238). Die Beschriftung „Didius Cælius Balbinus“ verweist jedoch auf Kaiser Balbinus (vor 178-238), der als Decimus Caelius Calvinus Balbinus geboren wurde. Balbinus herrschte im Sechskaiserjahr 238 und war einer von zwei gleichzeitig regierenden Kaisern. Der Maler der Bautzener Kaiserdecke verwendete als Vorlage Blatt 34 von Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch. Die Vertauschung von Balbinus und Pupienus findet sich bereits in dieser Vorlage. Übernommen wurde auch die Beschriftung mit dem ungewöhnlichen Vornamen Didius, der für Balbinus nicht belegt ist. Aufgrund der Verschiebung der Deckenbretter klafft in der Darstellung in Riss, der mitten durch die Augenpartie des Kopfes verläuft.
Feld 35: Pupienus
Der Mann mit rundem Kopf und kurzem Haar wendet seinen Kopf nach rechts. Er trägt einen Brustpanzer, der am Ansatz des linken Arms zu erkennen ist. Darüber ist ein Mantel gelegt, der an der rechten Schulter von einer Fibel gehalten wird. Die Gesichtszüge legen nahe, dass die Büste dem Kaiser Balbinus (vor 178-238) gewidmet war. Die Bildunterschrift „M. Claudius Pupienus verweist aber auf Kaiser Pupienus (um 164-238), der mit vollem Namen Marcus Clodius Pupienus Maximus hieß. Er wurde im Jahr 238 zusammen mit Balbinus zum Kaiser erhoben. Als Vorlage diente Blatt 35 des Dresdner Skizzenbuches von Jacobo Strada. Die Vertauschung von Balbinus und Pupienus ist bereits in dieser Vorlage erfolgt.
Feld 36: Gordian III.
Die Kaiserbüste stellt einen jungen, bartlosen Mann dar, der seinen Kopf nach links wendet. Er trägt einen Brustpanzer sowie über der rechten Schulter einen Soldatenmantel, der von einer Fibel gehalten wird. Die Aufschrift „M. Antoninus Gordianus“ weist auf Kaiser Gordian III. (225-244) über, einen Neffen Gordians II. Der „Soldatenkaiser“ übernahm die Macht nach der Ermordung von Balbinus und Pupienus. Sein Name lautete eigentlich Marcus Antonius Gordianus. Der Maler nutzte als Vorlage Blatt 36 in Jacobo Stradas Dresdner Skizzenbuch. Von dort übernahm er auch die falsche Schreibweise „Antoninus“ statt „Antonius“.
Saal mit Figurinenmedaillons
Der Saal schließt sich an den Saal mit der Kaiserdecke an und bildet den südlichen Abschluss in der Abfolge dreier repräsentativer Säle im ersten Obergeschoss des Hauptgebäudes der Ortenburg. Die Bezeichnung im 17. Jahrhundert ist nicht bekannt. Heute wird der Raum ebenso wie der Saal mit der Kaiserdecke als Konferenzraum bezeichnet.[55]
Der Saal liegt genau in der Mitte des Westflügels und hat an der zum Burghof gerichteten Westseite drei Fenster. An der gegenüberliegenden Ostseite befinden sich zwei Fenster. An der Süd- und Nordseite sind drei Bogennischen ausgebildet. Die jeweils östliche Nische ist geöffnet und enthält einen heute verglasten Durchgang in die Nachbarräume.
Die Wände tragen einen einfachen weißen Putz. Farbgestaltungen sind nicht nachgewiesen. Prägendes Gestaltungselement ist die farbige Holzbalkendecke. Die über 9,00 m langen Deckenbalken verlaufen in Ost-West-Richtung.
Die Deckenbalken sind beim Ausbau dieses Geschosses eingebaut worden. Vermuten lässt sich eine Entstehung um 1650/60. Als 1661 die Stuckdecke des Kammergemachs unter die tragende Balkenkonstruktion gehängt wurde, waren die Deckenbalken dieser Ebene bereits vorhanden. Dies gilt auch für die angrenzenden Räume.
Die Deckenbalken waren mindestens seit dem 18. Jahrhundert durch eine untergehängte Bretterdecke verdeckt. Auf dieser befand sich eine weiße Putzschicht, aufgetragen auf Rohrgeflecht. Bei Bauuntersuchungen im Jahr 1996 stellte man fest, dass sich unter der abgehängten Deckenebene einen vollständig bemalte Holzbalkendecke befand. Diese wurde in den Jahren 2001/02 freigelegt und konserviert. Es erfolgte eine Sicherung der Farbschichten. Gab es Fehlstellen wie etwa an der Unterseite der Deckenbalken, wurden diese neutral im Grundfarbton der Deckenfassung retuschiert. Die Arbeiten führte Diplom-Restaurator Markus Schulz nach einem restauratorischen Konzept der Eric Stenzel & Sven Taubert Diplomrestauratoren GbR aus dem Jahr 1999 aus. Da sich die Deckenbalken wie auch die Einschubbretter zusammen mit dem Mauerwerk bewegt haben, haben sich die Fugen zwischen den Brettern geöffnet. Sie sind als deutliche Spalten erkennbar. Diese Fugen sind so beibehalten und nicht geschlossen worden. Ebenso beibehalten wurde in Wechsel, also ein Querbalken zwischen dem vierten und fünften Deckenbalken.
Die Decke wurde bisher nur einmal beschrieben.[56] Eine vollständige wissenschaftliche Bearbeitung stand bislang noch aus.
Die Decke des Saals
Der Raum ist annähernd quadratisch. Er misst an der Nordseite 9,35 Meter, an der Südseite 9,25 Meter, an der Ostseite 8,85 Meter und an der Westseite 8,80 Meter. Die Deckenbalken sind jeweils etwa 0,25-0,3 m breit. Im Abstand von etwa 0,75 cm sind Querbretter eingeschoben, die eine Gliederung der Deckenbahnen vornehmen. Zwischen ihnen befinden sich ebenfalls quer eingelegte Bretter. Sie sind ca. 0,10 m unterhalb der Oberkante der Deckenbalken in Schlitze eingeschoben. Die Deckenbalken und die Querbretter begrenzen insgesamt 80 Bildfelder mit einer Abmessung von jeweils ungefähr 0,75-0,80 m in Breite und Höhe. Leichte Abweichungen ergeben sich, weil sich Bretter und Balken in ihrem Auflager verschoben haben. Der Länge der Deckenbalken folgend, gibt es neun vertikale Reihen. Diese teilen sich jeweils in neun Felder. Die nördliche und die südliche Deckenbahn sind deutlich schmaler als die anderen und grenzen unmittelbar an das Mauerwerk an. Die nördliche Deckenbahn zeigt ein etwas verändertes Dekor, während die Bretter der südlichen Deckenbahn vollständig verloren sind.
Das farbige Grundmuster des Raums beruht auf einem Wechsel von Grautönen und Ocker. Die Deckenbalken sind grau getönt und auf ihrer Unterseite mit Blattwerk bemalt. Dabei sind die Blätter in Grisaille-Malerei ausgeführt und die Gründe Ocker. Es wechseln jeweils Ranken aus Akanthusblättern mit gedrehtem Blattwerk, umwunden mit einem Perlenband. Die Querbretter werden von grauen Streifen eingefasst. Dazwischen befindet sich ein Mittelfeld mit aufgemalter Marmorierung. Der imitierte Marmor besitzt graue, weiße und ockerfarbene Flächen und Adern. Alle Bildfelder haben eine graue Rahmung und einen ockerfarbenen Grund, auf dem eine Grisaille-Dekoration angebracht ist.
In der nördlichen, schmalen Bahn, die zwischen 0,35 und 0,58 m breit ist, wechseln sich zwei Muster ab. Im ersten Feld sieht man eine Blattranke, an dessen gewundenem Stängel einzelne Blätter sitzen. Diese Pflanze ist botanisch nicht bestimmbar. Im zweiten Feld sieht man Akanthus-Blätter, deren Enden sich spiralförmig eindrehen.
In den vollständigen Deckenbahnen wechseln sich zwei Motive schachbrettartig ab. Das erste Motiv sind in Grisaillemalerei ausgeführte Figurinenmedaillons. Das Medaillon wird von einem Lorbeerkranz gebildet, der mit Bändern umwunden ist. In den Zwickeln befinden sich Blütenmotive, die den Raum fast flächendeckend ausfüllen. In der Mitte sieht man einen weiblichen Kopf. Über den Haaren befindet sich eine Schale, auf der sich Früchte und Blätter auftürmen. Die Gestaltung und Anordnung der Früchte ändert sich von Feld zu Feld. Der Frauenkopf wird unten durch eine Perlenkette begrenzt. Unter ihr hängt eine Art Tuch. Den Raum neben dem Kopf füllen Blätter, deren Gestaltung sich von Feld zu Feld unterscheidet. Das zweite Motiv sind zwei Blattranken, die über Kreuz angeordnet sind. In der Mitte, am Kreuzungspunkt, ist eine Rosette angeordnet. Diese hebt sich in dunkelroter Farbigkeit deutlich vom ockerfarbenen Grund und den Grisaillebemalungen ab.
Die Bemalungen sind gut erhalten. Nach der Freilegung der Decke wurden abgängige Farbpartien gesichert und fehlende Stellen durch behutsame Retuschen ergänzt. Lediglich der schmale nördliche Bildstreifen ist verloren.
Ikonographie/Vorlagen
Die Decke ist ebenso wie die Kaiserdecke in die Zeit um 1678 zu datieren, als das Hauptgebäude der Ortenburg und Kurprinz Johann Georg von Sachsen, Landvogt des Markgraftums Oberlausitz, eine Umgestaltung erfuhr. Aus der Gestaltung der Decke selbst lassen sich keine Datierungen ableiten. Ranken, Blattwerk und Rosetten gehörten zum üblichen Repertoire bemalter Holzbalkendecken aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Ungewöhnlich erscheint das Figurinenmotiv mit dem Frauenkopf über einem gemalten Tuch. Die Früchtekörbe über den Frauenköpfen sind als Symbole des Reichtums, des Wohlstands und der Fruchtbarkeit zu interpretieren. Es fehlen jedoch ikonographische Motive, um diesen Reichtum auf das Kurhaus Sachsen oder die Oberlausitz zu beziehen. Die konkrete Vorlage für die Kombination aus Frauenkopf, Früchtekorb, Tuch und Ranken ist bislang nicht identifiziert worden.
Raum mit Herrscherbüstendecke
Das Raumkompartiment schließt sich östlich an das Kammergemach an und ist mit diesem durch eine Tür verbunden. Die Bezeichnung des 17. Jahrhunderts ist nicht bekannt. Der Raum ist, wohl schon beginnend im 18. Jahrhundert, unterteilt worden. Nachdem ca. 1996 die Zwischenwand entfernt worden war, trat die bemalte Decke zutage, und es stellte sich heraus, dass es sich ehemals um einen durchgehenden Raum gehandelt hat. Beim Ausbau der Ortenburg für die Nutzung als Oberverwaltungsgericht 1999 bis 2002 wurde jedoch entschieden, wieder zwei Räume herzustellen. Der Raum wurde 2001 erneut geteilt, die freigelegte Decke wieder verschlossen. Heute werden die beiden Räume als „Nebenraum Stucksaal“ und als „Geschäftsleiter“ bezeichnet.[57]
Die folgende Beschreibung bezieht sich auf den Raum in seiner ursprünglichen Größe. Er hat einen trapezförmigen Grundriss. Die Ost- und die Westwand verlaufen nicht parallel, sondern nähern sich an. Die 8,00 m lange Westwand enthält eine Tür, die ins Kammergemach führt. Dagegen befindet sich an der 7,8 m langen Ostwand eine Wandnische. Dort befand sich ehemals eine Tür, die zugesetzt wurde. Die Nordwand enthält zwei Fenster und ist 6,75 Meter lang. In der 7,45 m langen Südwand befinden sich zwei Türen. Diese verbinden den Flur des Nordflügels mit den beiden heute bestehenden Einzelräumen.
Über dem Raum verlaufen sieben Deckenbalken in Nord-Süd-Richtung. Diese Deckenbalken sind beim Ausbau dieses Geschosses eingebaut worden. Vermuten lässt sich eine Entstehung um 1650/60. Als 1661 die Stuckdecke des Kammergemachs unter die tragende Balkenkonstruktion gehängt wurde, waren die Deckenbalken dieser Ebene bereits vorhanden. Dies gilt auch für die angrenzenden Räume.
Unter diesen Deckenbalken wurde eine flache Bretterdecke eingezogen, die die Unterseiten der Deckenbalken vollständig verdeckt. Die auf die Balken genagelten Bretter verlaufen in Ost-West-Richtung. Sie wurden in zwei Bahnen aufgebracht. Unter dem vierten Deckenbalken treffen beide Bahnen aufeinander.
Das Aufbringen dieser Verbretterung lässt sich mit einem Brand erklären. Die Balken waren „völlig verschwärzt und verrußt“. Andra Gross schrieb: „Hier kam es vermutlich zu Anfang des 18. Jahrhunderts zu einem Brand.“[58] Eine Bemalung unter dieser Rußschicht ist nicht dokumentiert worden.
In den Archivalien findet man keine Hinweise auf einen Brand in diesem Bereich. Er muss nach dem Einbau der Deckenbalken um 1650/60 stattgefunden haben. Möglich ist aber eine zeitliche Eingrenzung. Die Kassettengliederung wie auch der Duktus der Bemalung ähneln stark den anderen bemalten Decken im ersten Obergeschoss, die in die Zeit um 1678 datiert werden können. Die Marmorierungen, die Rosetten, der Wechsel der Farben innerhalb einer Farbgruppe sind typisch für bemalte Holzbalkendecken Sachsens im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts. Es spricht nichts dafür, diese Deckengestaltung zeitlich später einzuordnen als die übrigen Deckenbemalungen. Anzunehmen ist eine Entstehung ebenfalls um 1678. Das bedeutet, dass der Brand etwa zwischen 1650 und 1678 zur einer Schwarzfärbung der Deckenbalken führte. Als man dann um 1678 die Neugestaltung der Decken vornahm, entschloss man sich, nicht unmittelbar auf die Holzbalken zu malen, sondern eine Bretterdecke unterzuhängen. Ein Brand „vermutlich zu Anfang des 18. Jahrhunderts“ passt nicht, weil man dann eine durch Ruß verdeckte Gestaltung aus der Zeit um 1678 erwarten müsste. Doch eine ältere Bemalung hat es in diesem Raum nie gegeben.
Die Decke war mindestens seit dem 18. Jahrhundert durch eine untergehängte Putzdecke verdeckt. Um sie anzubringen, hatte man auf das Holz ein Rohrgeflecht aufgenagelt. Dieses diente als Putzträger. Bei Bauuntersuchungen im Jahr 1996 stellte man fest, dass sich unter dieser Putzschichte eine bemalte Holzbalkendecke befand. Mit Ausnahmen von drei Bretter der westlichen Raumhälfte und einem Austausch von mehreren Brettern im Nordosten war der ursprüngliche Bestand noch vorhanden. Der Bestand wurde von Diplom-Restaurator Markus Schulz freigelegt und gesichert. Dann jedoch erfolgte 2001/02 der Einbau einer untergehängten Decke. Der Befund ist seitdem nicht mehr sichtbar.
Die Decke wurde bisher nur einmal äußerst knapp beschrieben.[56] Eine vollständige wissenschaftliche Bearbeitung steht noch aus. Die Beschreibung stützt sich auf Fotografien, die zwischen 1999 und 2001 angefertigt wurden.[59]
Die Herrscherbüstendecke
Die Deckenbalken liegen im Abstand vom ca. 1,00 m. Als die bemalte Decke sichtbar warm, hat man sie nicht gesehen. Die untergenagelten Bretter sind ca. 3,50 bis 3,60 m lang und unterschiedlich breit. Darauf liegt eine aufgemalte Felderteilung. Sechs Reihen mit jeweils sieben Feldern, die ungefähr quadratisch sind und je ca. 1,00 x 1,00 m messen, ergeben insgesamt 42 Felder. Zwischen den Feldern waren Profilbretter befestigt, die die Gliederung nochmals verstärkten. Als man die Decke freilegte, fehlten sie. Bei Anbringung der Putzdecke hat man sie offensichtlich beseitigt.
Auf der bemalten Decke wechseln sich zwei Motive im schachbrettartigen Muster ab. Zum einen gibt es Bildfelder und zum anderen Rosettenfelder. Die Bildfelder haben eine rosafarbene Umrandung, die von einem äußeren violettroten Streifen und einem inneren weißen Streifen begrenzt wird. Das eigentliche Bildfeld hat einen grauen Hintergrund. Davor erscheint eine Muschelnische aus einem nach oben aufgerichteten Muschelgehäuse. Hinter dem unteren eingerollten Ende der Muschel sieht man eine Büste, die in Rot-in-Rot-Malerei gestaltet ist. Man verwendete Rosa, Violettrot und Schwarz, um Höhungen vorzunehmen. Die Büsten sind so angeordnet, dass man sie nur dann richtig sieht, wenn man von Süden nach Norden blickt. Es ist die Blickrichtung, die sich dem Betrachter bot, wenn er eine der Türen der Südwand nutzte.
Bei den Rossettenfeldern ist die Farbigkeit vertauscht. Der Rahmen ist grau und wird außen von einer schwarzen und innen von einer weißen Linie eingefasst. Das eigentliche Feld zeigt eine Marmorierung. Imitiert wurde ein rosafarbener Marmor mit weißen und schwarzen Adern. In der Mitte befindet sich eine Rosette. Diese ähnelt den Rosetten im Saal mit den Figurinen und Rosetten. Insgesamt ist die Deckenbemalung durch einen Wechsel von Grau- und Rosatönen geprägt.
Ikonographie/Vorlagen
Abgebildet sind Männer, teils bärtig, teils ohne Bart, die keine Kopfbedeckung tragen und auch keine weiteren Attribute besitzen. Sie sind in eine antike Gewandung gekleidet. Man erkennt Toga, Mantel, aber auch Schuppenpanzer. Dies lässt vermuten, dass es sich um antike Herrscher handelt, möglichweise römische Kaiser der Spätantike. Da Beschriftungen fehlen, lässt sich keine Zuordnung der Personen vornehmen. Es ist aber davon auszugehen, dass es sich um individualisierte Darstellungen handelt. Ebenso ist anzunehmen, dass es eine Vorlage gab, entweder eine Zeichnung oder Druckgrafik. Diese Vorlage konnte bislang nicht ermittelt werden. Überprüft wurden auch die Zeichnungsbände von Jacopo Strada im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Obwohl es in den Serien der Kaiserbüsten bei einzelnen Köpfen durchaus mögliche Übereinstimmungen gibt, lässt sich aber nicht erkennen, dass eine dieser Zeichnungskonvolute als Vorlage gedient haben könnte.
Feld 1: Büste
Ein nachträglicher Austausch der Bretter zerstörte das Bildfeld. Dem Gestaltungsprinzip der Decke folgend, muss hier eine Muschel mit Büste angeordnet gewesen sein.
Feld 2: Büste
Der bärtige Mann mit gelocktem Haar schaut nach links. Er trägt einen über die Schulter gelegten Mantel, der an beiden Schultern von Fibeln gehalten wird.
Feld 3: Büste
Der nach links schauende Mann ist in ein antikes Gewand gekleidet. Er hat ein längliches Gesicht, Stirnglatze und einen Bart.
Feld 4: Büste
Der Mann blickt nach links und scheint einen Oberlippenbart zu besitzen. Er trägt einen Mantel, der über der rechten Schulter von einer Fibel gehalten wird.
Feld 5: Büste
Der Mann hat volles Haar und offenbar keinen Bart. Der über seine Schultern gelegte Mantel wird von einer Fibel an der linken Schulter gehalten.
Feld 6: Büste
Der junge, bartlose Mann mit vollem Haar blickt nach rechts. Er trägt ein Gewand, das den Oberkörper bedeckt.
Feld 7: Büste
Der Mann mit vollem Haar blickt nach links. Sein Gewand wird vom zwei Fibeln an den Schultern gehalten.
Feld 8: Büste
Der Mann mit Stirnglatze und angedeutetem Bart blickt nach links. Er trägt einen römischen Schuppenpanzer mit rundem Halsausschnitt. Außerdem ist der rechte Ärmel erkennbar.
Feld 9: Büste
Die Büste zeigt einen nach rechts blickenden Mann mit Lorbeerkranz im Haar. Er trägt ein militärisches Gewand mit Borte am Halsausschnitt und einer Fibel auf der linken Schulter.
Feld 10: Büste
Der Mann blickt nach rechts und hat offenbar einen Bart. Er trägt einen Schuppenpanzer mit Ärmeln.
Feld 11: Büste
Der bärtige Mann blickt nach rechts. Sein Gewand wird von einer Fibel über der rechten Schulter gehalten.
Feld 12: Büste
Die Büste zeigt einen Mann mit vollem Haar und Vollbart, der seinen Kopf mach rechts wendet. Über die Schulter ist ein Mantel gelegt, der von einer Fibel über der rechten Schulter gehalten wird.
Feld 13: Büste
Der bärtige Mann wendet seinen Kopf nach links. Er trägt einen römischen Schuppenpanzer mit kurzen Ärmeln.
Feld 14: Büste
Die Büste zeigt einen bärtigen Mann, der nach rechts blickt. Sein Mantel wird von Fibeln über beiden Schultern gehalten.
Feld 15: Büste
Der Mann mit Vollbart wendet sich nach links. Er trägt einen Schuppenpanzer, dessen rechter Ärmel zu erkennen ist.
Feld 16: Büste
Der bartlose Mann ist frontal dargestellt und blickt nach rechts. Sein Gewand wird von zwei Fibeln über den Schultern gehalten.
Feld 17: Büste
Der bärtige Mann wendet seinen Kopf nach rechts. Er trägt einen römischen Schuppenpanzer mit kurzen Ärmeln.
Feld 18: Büste
Die Büste zeigt einen bartlosen Mann mit länglichem Kopf in einem gefalteten Gewand.
Feld 19: Büste
Der bärtige Mann mit Stirnglatze schaut nach rechts. Er trägt einen Mantel, der von einer Fibel über der rechten Schulter gehalten wird.
Feld 20: Büste
Das Deckenfeld ist zerstört. Als die Freilegung erfolgte, fehlten an dieser Stelle die Deckenbretter. Zu vermuten ist, dass hier ebenfalls eine Büste angeordnet war.
Feld 21: Büste
Das Deckenfeld ist zerstört. Als die Freilegung erfolgte, fehlten an dieser Stelle die Deckenbretter. Zu vermuten ist, dass hier ebenfalls eine Büste angeordnet war.
Raum mit Rosen- und Laubranken
Das Raumkompartiment schließt sich östlich an den heute zweitgeteilten Raum mit der Herrscherbüstendecke an und bildet den östlichen Abschluss der Raumfolge im ersten Obergeschoss des Hauptgebäudes der Ortenburg, die mit bemalten Decken ausgestattetet wurde. Die Bezeichnung im 17. Jahrhundert ist nicht bekannt. Heute befinden sich hier zwei Büroräume des Oberverwaltungsgerichts.[60]
Der Raum hatte einen annähernd quadratischen Grundriss. An der Ostseite öffnen sich zwei Fenster. Die Nordwand hat keine Öffnungen, doch befand sich dort ehemals eine Tür zum Nachbarraum. Die Südwand enthält eine Tür zum Nachbarraum. An der Westseite befinden sich zwei Türen, die einen Zugang vom Flur des Nordflügels der Ortenburg ermöglichen. Die Wände tragen einen einfachen weißen Putz. Farbgestaltungen sind nicht nachgewiesen. Prägendes Gestaltungselement ist die farbige Holzbalkendecke.
Der Raum wurde nachträglich, wohl schon im 18. Jahrhundert, geteilt. Die Zwischenwand enthält eine Türöffnung, die die beiden Raumteile verbindet. Durch den Einbau der Zwischenwand musste die Fensternische des östlichen Fensters verkleinert werden.
Die Deckenbalken verlaufen in Nord-Süd-Richtung. Sie sind beim Ausbau dieses Geschosses eingebaut worden. Vermuten lässt sich eine Entstehung um 1650/60. Als 1661 die Stuckdecke des Kammergemachs unter die tragende Balkenkonstruktion gehängt wurde, waren die Deckenbalken dieser Ebene bereits vorhanden. Dies gilt auch für die angrenzenden Räume.
Die Deckenbalken waren mindestens seit dem 18. Jahrhundert durch eine untergehängte Bretterdecke verdeckt. Auf dieser befand sich eine weiße Putzschicht, aufgetragen auf Rohrgeflecht. Bei Bauuntersuchungen im Jahr 1996 stellte man fest, dass sich unter der abgehängten Deckenebene einen vollständig bemalte Holzbalkendecke befand. Diese wurde in den Jahren 2001/02 freigelegt und konserviert. Es erfolgte eine Sicherung der Farbschichten. Gab es Fehlstellen wie etwa an der Unterseite der Deckenbalken, wurden diese neutral im Grundfarbton der Deckenfassung retuschiert. Die Arbeiten führte Diplom-Restaurator Markus Schulz nach einem restauratorischen Konzept der Eric Stenzel & Sven Taubert Diplomrestauratoren GbR aus dem Jahr 1999 aus. Da sich die Deckenbalken wie auch die Einschubbretter zusammen mit dem Mauerwerk bewegt haben, haben sich die Fugen zwischen den Brettern geöffnet. Sie sind als deutliche Spalten erkennbar. Diese Fugen sind so beibehalten und nicht geschlossen worden.
Die Decke wurde bisher nur einmal beschrieben.[61] Eine wissenschaftliche Bearbeitung stand bislang noch aus.
Die Decke mit Rosen- und Laubranken
Die Beschreibung bezieht sich auf den Gesamtraum vor der Teilung in zwei einzelne Zimmer. Der Raum misst an der Nordseite 7,60 Meter, an der Ostseite 7,75 Meter, an der Südseite 8,15 Meter und an der Westseite 7,80 Meter. Die sieben Deckenbalken sind jeweils etwa 0,25-0,3 m breit. Im Abstand von etwa 0,75 cm sind Querbretter eingeschoben, die eine Gliederung der Deckenbahnen vornehmen. Zwischen ihnen befinden sich ebenfalls quer eingelegte Bretter. Sie sind ca. 0,10 m unterhalb der Oberkante der Deckenbalken in Schlitze eingeschoben. Die Deckenbalken und die Querbretter begrenzen insgesamt 48 Deckenfelder mit einer Abmessung von jeweils ungefähr 1,05 Meter in der Breite und 1,50 Meter in der Höhe. Die Randfelder an der Südwand haben eine geringere Höhe. Der Länge der Deckenbalken folgend, gibt es sechs vertikale Reihen. Diese teilen sich jeweils in acht Felder. Die vierte Reihe, gezählt von der Westwand, ist nur etwa zur Hälfte zu sehen, denn ein Teil wird durch die eingezogene Zwischenwand verdeckt. Durch spätere Einbauten sind vier Deckenfelder ganz oder teilweise verlorengegangen. Die Fehlstellen wurden mit Brettern geschlossen und erhielten eine neutrale Einfärbung.
Das farbige Grundmuster des Raums beruht auf einem Wechsel von Grau- und Grüntönen. Die Deckenbalken sind grau getönt und tragen auf ihrer Unterseite einen hellgrauen Streifen. Dieser ist mit einer gedrehten grünen Blattranke verziert. Die Querbretter haben eine graue Einfassung. Das Mittelfeld ist jeweils mit einem Feston aus Lorbeerblättern dekoriert. Die Deckenfelder haben eine graue Umrandung. Das Mittelfeld ist hellgrau getönt und zeigt abwechselnd zwei Dekore. Das erste Dekor besteht aus zwei grünen Blattranken, die über Kreuz angeordnet sind. Die Pflanze lässt sich botanisch nicht bestimmen. Zwischen den länglichen Blättern befinden sich tulpenartige Knospen. Das zweite Dekor zeigt über Kreuz angeordnete Rosenranken. Die kleinen Rosenblätter haben eine hellgrüne, dunkelgrüne oder graue Farbigkeit. Davon heben sich die hellroten Rosen deutlich ab. Innerhalb des Grundmusters konnte der Maler variieren. Die Anordnung der Blätter und der Rosen unterscheidet sich in jedem Feld, ohne jedoch den einheitlichen Duktus aufzugeben. Die beiden Dekore wechseln sich schachbrettartig ab. Die Reihenfolge beginnt in der Nordwestecke mit einem Rosenmotiv.
Ikonographie/Vorlagen
Das Motiv der überkreuzten Blattranken ist auch im Saal neben dem Saal mit der Kaiserdecke zu finden. Es gehörte zum üblichen Repertoire der Deckengestaltung der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Sachsen. Auch der schachbrettartige Wechsel von zwei Dekoren begegnet nicht nur in der Ortenburg in Bautzen, sondern bei vielen anderen Decken ebenso. Eine konkrete Vorlage für die Blatt- und Rosenranken konnte bisher nicht ermittelt werden.
Bibliographie
- Blaschke, Übergang, 2000. - Karlheinz Blaschke: Der Übergang des Markgraftums Oberlausitz von der Krone Böhmens an den Kurfürsten von Sachsen während des Dreißigjährigen Krieges, in: Karlheinz Blaschke: Beiträge zur Geschichte der Oberlausitz. Gesammelte Aufsätze, Görlitz/Zittau 2000, S. 93-107.
- Boetticher, Leuber, 1929. - Walter von Boetticher: Benjamin Leuber, Kammerprokurator und Oberlausitzischer Schriftsteller des 17. Jahrhunderts, in: Neues Lausitzisches Magazin 105 (1929), S. 152-184.
- Crusius, Kirchenzierde, 1671. - Caspar Crusius: Muskauische Kirchenzierde, Guben 1671.
- Dannenberg/Donath, Oberlausitz, 2008. - Lars-Arne Dannenberg/Matthias Donath: Schlösser in der westlichen und mittleren Oberlausitz, Meißen 2008, S. 150-152.
- Dürre, Zwölf Kaiser, 2016. - Stefan Dürre: Zwölf Kaiser, ein Kurfürst und das Magische Quadrat, in: Denkmalpflege in Sachsen. Jahrbuch 2016. Mitteilungen des Landesamts für Denkmalpflege Sachsen, Dresden 2016, S. 52-59.
- Fittschen, Büstengalerien, 2015. - Klaus Fittschen: Die zwölf suetonischen Kaiser in den Büstengalerien der Renaissance und des Barock, in: Dietrich Boschung/Christiane Vorster (Hrsg.): Leibhafte Kunst. Statuen und kulturelle Identität, Paderborn 2015, S. 201-222.
- Fittschen, Caracalla, 2021. - Klaus Fittschen: Caracalla in Bautzen, in: Jörn Lang/Carmen Marcks-Jacobs (Hrsg.): Arbeit am Bildnis. Porträts als Zugang zu antiken Gesellschaften. Festschrift für Dietrich Boschung, Regensburg 2021, S. 359-363.
- Gross, Stuckdecke, 2002. - Andra Gross: Die Stuckdecke im Audienzsaal, in: Staatliches Vermögens- und Hochbauamt Bautzen (Hrsg.): Ortenburg Bautzen. Sächsisches Oberverwaltungsgericht, Bautzen 2002, S. 32-34.
- Gross, Bemalte Decken, 2002. - Andra Gross: Die wiedergefundenen bemalten Decken, in: Staatliches Vermögens- und Hochbauamt Bautzen (Hrsg.): Ortenburg Bautzen. Sächsisches Oberverwaltungsgericht, Bautzen 2002, S. 44-47.
- Gurlitt, Beschreibende Darstellung, 1909. - Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Bd. 33: Bautzen (Stadt), Dresden 1909, S. 180-182 und Tafel VIII.
- Leitner, Konservierung, 2005. - Heinz Leitner: Konservierung der Stuckdekoration der Ortenburg Bautzen, in: Angelika Dülberg (Hrsg.): Ästhetik und Wissenschaft. Beiträge zur Restaurierung und Denkmalpflege, Altenburg 2005, S. 114-124.
- Lietzmann, Jacopo Strada, 1997. - Hilda Lietzmann: Der kaiserliche Antiquar Jacopo Strada und Kurfürst August von Sachsen, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte 60 (1997), S. 377-400.
- Mirtschin, Geschichte und Baugeschichte, 2002. - Hans Mirtschin: Geschichte und Baugeschichte, in: Staatliches Vermögens- und Hochbauamt Bautzen (Hrsg.): Ortenburg Bautzen. Sächsisches Oberverwaltungsgericht, Bautzen 2002, S. 10-15.
- Mirtschin, Bildfelder, 2002. - Hans Mirtschin: Die Bildfelder der Stuckdecke, in: Staatliches Vermögens- und Hochbauamt Bautzen (Hrsg.): Ortenburg Bautzen. Sächsisches Oberverwaltungsgericht, Bautzen 2002, S. 35-43.
- Nanková, Cometta, 1982. - Vera Nanková: Cometta, Giovanni Bartolomeo, in: Dizionario Biografico degli Italiani 27 (1982).
- Needon, Wiederaufbau, 1928. - Richard Needon: Der Wiederaufbau des Schlosses Ortenburg im 17. Jahrhundert, in: Bautzener Geschichtsblätter 9 (1928), Nr. 1, S. 2, Nr. 2, S. 5-6, Nr. 3, S. 9-10.
- Reichel, Bautzen, 1961. - Friedrich Reichel: Bautzen, Leipzig 1961, S. 11.
- Reymann, Bautzen, 1902. - Richard Reymann: Geschichte der Stadt Bautzen, Bautzen 1902.
- Thiemann, Widukind, 2019. - Manfred Thiemann: Widukind, Leuber und die Stuckdecke in der Ortenburg zu Bautzen. Eine Bestandsaufnahme, in: Neues Lausitzisches Magazin 141 (2019), S. 7-38.
- Vogt, Cometa, 1993. – Olav Vogt: Der Stukkateur Giovanni Bartolomeo Cometa in Kloster Neuzelle und Kursachsen, in Brandenburgische Denkmalpflege 2 (1993), Heft 2, S. 21-29.
- Wenzel, Geschichtswerk, 2011. - Kai Wenzel: Geschichtswerk und Erinnerungsort. Die Stuckdecke im kurfürstlichen Kammergemach der Ortenburg zu Bautzen, in: Lenka Bobková/Jan Zdichynec (Hrsg.): Geschichte – Erinnerung – Selbstidentifikation. Die schriftliche Kultur in den Ländern der Böhmischen Krone im 14.-18. Jahrhundert, Praha 2011, S. 297-314.
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Dannenberg/Donath, Oberlausitz, 2008, S. 150.
- ↑ Zur Baugeschichte der Ortenburg und insbesondere des Hauptgebäudes vgl. Mirtschin 2002; Needon 1928.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5. Needon 1928 zitiert aus einer Akte gleichen Inhalts und gleichen Titels („Schloßbau zu Budissin belangende Anno 1625-1703“), meinte aber, sie habe in einem „Landesarchiv der böhmischen Krone in Wien“ gelegen. Abgesehen davon, dass es ein solches Archiv in Wien nie gab, deutet alles darauf hin, dass Needon die Dresdner Akte nutzte, aber eine falsche Quellenangabe erstellte.
- ↑ Zu ihm vgl. Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter 1635-1815, Bd. 1, Görlitz 1912, S. 239-247. Curt Reinicke von Callenberg wurde 1651 in den Freiherren- und 1654 in den Grafenstand erhoben.
- ↑ Kai Wenzel: Artikel: Ezechiel Eckardt, in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, https://saebi.isgv.de/biografie/23275[Zugriff am 26.9.2023].
- ↑ 6,0 6,1 Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 43r.
- ↑ Vgl. Bezeichnung bei Gurlitt 1909, S. 180.
- ↑ Vgl. Kugelpanorama: http://www.kugel-panoramen.de/index1.php?datei=BZStuckdecke_fn.
- ↑ Reymann, Bautzen, 1902, S. 214. Auch Gurlitt, Beschreibende Darstellung, 1909, S. 182, wiederholte diese Behauptung.
- ↑ Mirtschin, Bildfelder, 2002, S. 35 schreibt Maria Sybilla, was falsch ist.
- ↑ Auch: Cometta, Cometen.
- ↑ Vgl. Vogt, Cometa, 1993 S. 21-29; Nanková, Cometta, 1982. Nanková führt ausschließlich seine Arbeiten in Böhmen auf, während die sächsischen Beispiele fehlen.
- ↑ Vgl. Crusius, Kirchenzierde, 1671.
- ↑ Zur Biografie Leubers vgl. Boetticher, Leuber, 1929.
- ↑ Wenzel, Geschichtswerk, 2011, S. 306.
- ↑ Vgl. Wenzel, Geschichtswerk, 2011, S. 305 ff.
- ↑ Wenzel, Geschichtswerk, 2011, S. 305.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 78r.
- ↑ Vgl. Boetticher, Leuber, 1929, S. 179 f.
- ↑ Benjamin Leuber: [Vom Uhrsprung des Schlosses in Deutzscher Sprach Ortenburgk], Bautzen 1662. Ein originaler Titel ist nicht überliefert.
- ↑ https://opendata2.uni-halle.de/handle/1516514412012/27927.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 63r.
- ↑ Man sieht vier senkrechte Streben und zwei aufliegende quer verlaufende Balken. Dieses Wappen kann bislang keinem historischen Territorium zugeordnet werden und ist wohl eine Erfindung Leubers.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 65r.
- ↑ Wenzel, Geschichtswerk, 2011, S. 300.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 67r.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 68r.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 70r.
- ↑ Gurlitt, Beschreibende Darstellung, 1909, S. 181; Mirtschin 2002, S. 40; Thiemann, Widukind, 2019, S. 34.
- ↑ Wenzel, Geschichtswerk, 2011, S. 301 f.
- ↑ Thiemann, Widukind, 2019, S. 34 f.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 72r.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 74r.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 76r.
- ↑ Es ist nicht die Stadt Prag, wie Gurlitt, Beschreibende Darstellung, 1909, S. 181 behauptet.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 53r.
- ↑ Es sind nicht die vier weltlichen Kurfürsten, wie Wenzel, Geschichtswerk, 2011, S. 303 schrieb und dabei den schwedischen König unter die Kurfürsten rechnete. 1635 gab es fünf weltliche Kurfürsten, denn zu den vier Kurfürsten, die die Goldene Bulle bestimmt hatte, war 1623 noch die bayerische Kurwürde dazugekommen.
- ↑ Vgl. hierzu u. a. Karlheinz Blaschke: Der Übergang des Markgraftums Oberlausitz von der Krone Böhmens an den Kurfürsten von Sachsen während des Dreißigjährigen Krieges, in: Karlheinz Blaschke: Beiträge zur Geschichte der Oberlausitz. Gesammelte Aufsätze, Görlitz/Zittau 2000, S. 93-107.
- ↑ Er trägt die Raumnummer 112. Während der Bauzeit 1999 bis 2002 wurde die Bezeichnung Raum 210 oder R1.210 verwendet.
- ↑ Gross 2002; Dannenberg/Donath, Oberlausitz, 2008, S. 152; Wenzel, Geschichtswerk, 2011, S. 298.
- ↑ 41,0 41,1 Fittschen, Caracalla, 2021.
- ↑ Jacopo Strada: Imperatorum romanorum ac eorum coniugum liberorum et affinium [...] com eorum elogiis expressae [...], Bd. 1, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Ca 74.
- ↑ Lietzmann, Jacopo Strada, 1997, S. 377-400.
- ↑ Digitalisate: https://skd-online-collection.skd.museum/Home/Index?page=1&sw=Skizzenbuch&pId=11104967&smode=And.
- ↑ Der Band enthält Büsten von 55 Kaisern, gefolgt von Büsten römischer Kaiserinnen.
- ↑ Vgl. Fittschen, Caracalla, 2021, S. 362, dort auch Anm. 27.
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9493/5, fol. 110r-113r.
- ↑ Fittschen, Büstengalerien, 2015 2015, S. 205.
- ↑ Fittschen, Büstengalerien, 2015, S. 218.
- ↑ Fittschen, Büstengalerien, 2015, S. 209-218; Dürre, Zwölf Kaiser, 2016.
- ↑ Fittschen, Büstengalerien, 2015, S. 205.
- ↑ Fittschen, Caracalla, 2021, S. 362, Anm. 27.
- ↑ Fittschen, Caracalla, 2021, S. 362.
- ↑ Fittschen, Caracalla, 2021, S. 359 f.
- ↑ Er trägt die Raumnummer 112. Während der Bauzeit 1999 bis 2002 wurde die Bezeichnung Raum 211 oder R1.211 verwendet.
- ↑ 56,0 56,1 Gross, Bemalte Decken, 2002, S. 44, 47.
- ↑ Die Raumnummern lauten heute 109 (Nebenraum Stucksaal) und 110 (Geschäftsleiter). Während der Bauzeit 1999 bis 2002 wurde die Bezeichnung Raum 207 verwendet.
- ↑ Gross, Bemalte Decken, 2002, S. 44.
- ↑ Vgl. ein publiziertes Bild in Gross, Bemalte Decken, 2002, S. 47.
- ↑ Raumnummern 107 und 108. Während der Bauzeit 1999 bis 2002 wurde die Bezeichnung Raum 206 verwendet.
- ↑ Gross, Bemalte Decken, 2002, S. 44, 46.