Balve, Haus Wocklum
Inventarnummer: cbdd10267
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
In Wocklum hat sich aus zwei Ausstattungsphasen Decken- und Wandmalerei erhalten. In der Kapelle und einem Salon findet man Arbeiten von (Johann) Anton Vercruice (1708/10), im Vestibül, den Treppenaufgängen sowie dem Hauptsaal in ihrer Art einzigartige Werke von Casimirus Fischer (1772–1774).
Haus Wocklum
Kurzbeschreibung und Lage
Haus Wocklum[1] liegt nordöstlich von Balve im Tal des Orlebachs. Das Haupthaus steht auf einer annähernd quadratischen Schlossinsel. Im Osten befindet sich ein Wirtschaftshof, im Westen der Garten. Zwei Durchfahrten im Norden und Süden erschließen den Wirtschaftshof, von dem aus man auf die Schlossinsel gelangt. Das Hauptgebäude steht an ihrer Südseite.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Haus Wocklum geht auf eine Anlage des Mittelalters zurück, die 1583 niederbrannte. Mit Haus Wocklum war das kurfürstliche Drostenamt von Balve verbunden. Lange Zeit war der Besitz auf zwei Geschlechter verteilt. Entsprechend den Besitzverhältnissen gab es in Wocklum lange Zeit auch zwei Häuser, die jedoch nicht erhalten sind. Erst 1646 bzw. 1669 gelangte Wocklum unter der Familie von Landsberg zu Erwitte wieder in eine Hand. Um weiteren Teilungen vorzubeugen, wurde 1681 ein Fideikommiss gegründet. Unter Franz Anton Freiherr von Landsberg zu Erwitte kam es zu tiefgreifenden Umbauten. Mit dem Haupt- bzw. Südflügel wurde 1698-1706 begonnen. Es handelt sich um den westlichen Teil. Um 1708-1710 entstand der West- bzw. Kapellenflügel. Der Hauptflügel wurde baulich als Ganzes erst 1752 unter Clemens August Freiherr von Landsberg zu Erwitte vollendet. Der Sohn von Franz Kaspar Ferdinand Freiherr von Landsberg zu Erwitte, Clemens August, heiratete 1756 die Erbtochter Anna Theresia von Velen. Sie brachte 1767 unter anderem die Häuser in Velen und Altenkamp an die Familie. Seit 1792 nannte sich das Geschlecht von Landsberg-Velen. Unter Clemens August erfolgte bis 1774 die Ausmalung des Vestibüls und des so genannten Mittelsaals. Die folgenden Generationen verlegten ihren Lebensmittelpunkt nach Velen und später Gemen, behielten aber das Drostenamt bis zum Ende des Herzogtums Westfalen 1802.
Auftraggeber
Die Errichtung des heute vorhandenen Hauses geht vor allem auf die Brüder Franz Anton von Landsberg zu Erwitte und Franz Kaspar Ferdinand von Landsberg zu Erwitte zurück. Franz Anton[2] wurde 1656 als zweitältester Sohn des Dietrich von Landsberg zu Erwitte mit seiner dritten Frau Jutta Antonetta von und zu Leyen und Bongard geboren. Sein Vater war ein erfolgreicher Diplomat, Militär und kurkölnischer Landdrost gewesen. Er wurde wie sein Vater Militär und stieg bis zum Generalleutnant und Gouverneur der Stadt Münster auf. Für die Arbeiten in Wocklum war eher seine Frau Anna Maria Freifrau von Galen verantwortlich, die auch die Baumaßnahmen 1698-1706 und 1708-1710 durchführen ließ. Ihm folgte sein jüngster, 1670 geborener Bruder Franz Kaspar Ferdinand von Landsberg zu Erwitte.[3] Er war Subdiakon und Domherr. 1732 gab er seine geistlichen Ämter auf und heiratete mit 62 Jahren Anna Maria Theresia von der Recke zu Steinfurt, damit die Familie nicht ausstarb. Sein ältester Sohn Clemens August[4] kam 1733 zur Welt. 1756 heiratet er die Erbtochter Anna Theresia von Velen. Er heiratete damit in eine der bedeutendsten und reichsten Familien des Münsterlandes ein, bekleidete hohe Ämter in Kurköln und Münster. Er betätigte sich zudem erfolgreich als Unternehmer.
Architekten, Künstler
Namentlich bekannt sind nur der Maler des Decken- und des Altarbildes der Schlosskapelle (Johann Anton Vercruice) und der entwerfende und ausführende Stuckateur der Schlosskapelle (Carlo Paerna). Der Maler (Johann) Anton Vercruice (auch Verkruitzen, Vercruisen, Verkrüzen)[5] Er stammte aus den Niederlanden und war zumindest 1673/74 in Antwerpen Schüler bei Jan Erasmus Quellinus. In Westfalen wurde er Hofmaler des Münsteraner Fürstbischofs Bernhard von Galen. Er ist um 1716/17 gestorben.
Zum Maler Casimirus Fischer ist eine Untersuchung von Gerd Dethlefs in Arbeit. Bei der Taufe seines ältesten Sohnes in Arnsberg 1760 wird seine Herkunft mit „Heiligenstadt“ angegeben; er lebte in Arnsberg; zwischen 1759 und 1778 arbeitete er für die Familie von Landsberg zu Erwitte in Wocklum, Erwitte und Altenkamp. Weitere Auftraggeber sind bisher nicht bekannt. Nach 1778 verliert sich auch seine Spur.[6]
Die Arbeiten in Wocklum sind die ersten belegten Arbeiten von Carlo Paerna,[7] der nicht nur als Stuckateur, sondern auch als Maler arbeitete, etwa in Adolfsburg[8] 1714 und Körtlinghausen[9] 1727.
Beschreibung
Das Haus ist eine zweigeschossige Einflügelanlage über hohem Kellergeschoss, an die im Westen ein kurzer Seitenflügel angrenzt. Der Hauptflügel misst zwei Achsen auf 15 Achsen im Norden bzw. 14 Achsen im Süden. An der Eingangsseite im Norden sind die mittleren drei Achsen als Risalit mit Eckrustizierungen leicht vorgezogen und unter einem Dreiecksgiebel zusammengefasst. Der Eingang in der Mitte wird über eine zweiläufige Freitreppe erreicht. Vor die zweite bis fünfte Achse von rechts ist ein niedrigerer kurzer Seitenflügel mit anderen Geschosshöhen gestellt. An der Südseite ist die fünfte bzw. sechste Achse von außen jeweils als übergiebelter Standerker ausgebildet. In der Mittelachse befindet sich eine Tür, aus der man über eine Brücke in den Garten gelangen kann. Auch im Westen erschließt eine Brücke vor dem Seitenflügel den Garten.
Durch den Eingang gelangt man einen langen, quergelegten Flur, der als Vestibül dient und hinter den mittleren sieben Fensterachsen verläuft. Zur Südseite hin befindet sich ein hinter den mittleren drei Achsen zwischen den Standerkern ein Saal, der durch eine Tür direkt gegenüber der Eingangstür vom Vestibül aus betreten wird. Zu beiden Seiten des Saals sind schmale Degagements gelegen, auf die jeweils ein Treppenlauf folgt, der das Obergeschoss erschließt. Nach Westen schließt sich an das Vestibül im Bauteil von 1708 der so genannte Große Salon an. Er öffnet sich mit drei Fenstern nach Süden. Nach Norden gelangt man von ihm in die Kapelle im Seitenflügel. Sie hat auch einen Zugang vom Vestibül. Ihr Hauptraum ist am Ende des Flügels hinter den beiden letzten Fensterachsen gelegen.
Das Vestibül
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Vestibül gehört zum zweiten Bauabschnitt des Südflügels und stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Beschreibung
Der Raum ist eigentlich ein langer Flur an der Hof- bzw. Eingangsseite und Verteiler für die Räume des Erdgeschosses. An seiner Nordwand befinden sich die Eingangstür und sechs Fenster zum Hof. Zwei Entlastungsbögen untergliedern das Vestibül in drei Abschnitte, zwei zweiachsige an den Seiten und einen dreiachsigen in der Mitte. Nach Süden ist im Mittelbereich gegenüber der Eingangstür die Tür in den Mittelsaal gelegen, gegenüber den Fenstern gibt es Fenster ebenfalls zum Mittelsaal. Die beiden äußeren Bereiche sind prinzipiell gespiegelt, doch ist der Westteil ein wenig länger. Neben dem Mittelsaal führen Türen mit Glasscheiben in Degagements. An diese schließt sich der untere Treppenlauf einer zweiläufigen Treppe an. Im schmalen Ostteil gibt es neben der Treppe nur ein weiteres Degagement, das Licht durch Oberfenster vom Flur aus erhält. Im Westen gibt es einen Raum zwischen Mittelsaal und Großem Salon, zu dem eine Tür führt. An den beiden Enden des Flurs ist jeweils eine Tür an der Fensterseite gelegen, die die anschließenden Räume der Eingangsseite erschließt. Eine weitere Tür an der Nordwand im Westen führt in die Kapelle.
Wände und Decken des Vestibüls sind komplett mit Malereien von Casimirus Fischer aus den Jahren 1772 bis 1774 bedeckt.
Die Wandmalerei des Vestibüls
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Ausmalung[10] stammt von Casimirus Fischer und ist für Clemens August von Landsberg zu Erwitte wohl zwischen 1772–1774 geschaffen worden. 1988 wurde die Malerei restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Wände des Vestibüls sind komplett bemalt. Kennzeichen sind ein üppiges Rankenwerk und flammende Rocaillen in Rotorange-, Ocker- und Grautönen, die meist als Rahmung eingesetzt werden. Sie sind teilweise mit farblich angepassten floralen Formen, Blumenkränzen und Laubgehängen kombiniert. Ähnliche geflammte Rocaillen verwendete Fischer 1776-1778 auch in Haus Altenkamp.
Es können verschiedene Themenkreise unterschieden werden. Die Südwand präsentiert zwischen Türen und Fenstern in mehreren Veduten den neuen Besitz der Familie Landsberg zu Erwitte aufgrund der Heirat 1756 mit Anna Theresia von Velen. An der Nordwand zwischen den Fenstern sowie im Osten und Westen des Vestibüls sind Jagdszenen zu sehen. In den Wänden der Entlastungsbögen erblickt man Personifikationen der vier Jahreszeiten. In der Sockelzone werden chinoise Landschaften gezeigt. Die Supraporten präsentieren Stillleben, Szenen des adeligen Lebens, Allegorien und eine Landschaft. Über den Fenstern der Nordwand sind weitere Allegorien zu sehen. Über den Entlastungsbögen halten Figuren Festons.
Die Ansichten von Velen und Altenkamp
Beschreibung und Ikonographie
Die hochformatigen Veduten zeigen im unteren Bereich die Ansicht eines Hauses oder Gartens. Meist halten im oberen Bereich vor dem Himmel ein oder zwei Engel ein Schriftband, das die Darstellung bestimmt. Sie sind eher schematisch und nicht von hohem künstlerischem Anspruch, sondern sollen vielmehr den Besitz genau dokumentieren.
Im Mittelbereich des Vestibüls wird in vier Ansichten das Rittergut in Velen[11] gezeigt, das nach dem Tod des Schwiegervaters Hermann Anton Bernhard von Velen (1697–1767) an Clemens August von Landsberg zu Erwitte gelangt war. Es sind in der Mitte zwei Ansichten des Rittergutes in Velen sowie rechts und links Lustgarten und Ortschaft mit den zugehörigen Rechten.
Links der Tür zum Saal erblickt man Haus Velen von Osten. Man erkennt seine Lage auf einer künstlichen Insel hinter Gräben, den Hof, der von einer Mauer abgeschlossen wird und schematische Bauten der Vorburg. Die Anlage wirkt zwar regelmäßig, doch werden ihre der Baugeschichte geschuldeten Unregelmäßigkeiten nicht verschleiert und der zweigeschossige Turm rechts mit Uhr ist in seinen abweichenden Formen korrekt wiedergegeben. Links beginnt ein Lustgarten. Im Vordergrund nähert sich eine sechsspännige Kutsche – also ein Fürst – dem Haus und deutet so den hohen Rang der Bewohner an. Auf dem von zwei Engeln gehaltenen Spruchband steht fälschlicherweise: „Veue du Chateau de Velen en Westphalie du Nord“.
Die Darstellung setzt sich links des Fensters fort. Hier ist nun der Garten bis zur abschließenden Kaskade zu sehen. Ein Engel hält ein erläuterndes Spruchband mit dem Text: „Veue d’une Partie du Jardin et de la Cascade de Velen“. Neben der den Garten abschließenden Kaskade sind vor allem die Skulpturen im Garten wiedergegeben. Ein Wildschwein und zwei Hirsche im Bildvordergrund sind von besonderer Bedeutung, da sie auf den südlich an den Garten anschließenden Tiergarten in Velen und das Jagdrecht vor Ort anspielen.
Rechts der Tür erblickt man eine weitere Ansicht von Velen, dieses Mal von der Gartenseite im Süden aus. Dieser Betrachterstandpunkt ermöglicht es, neben dem Garten auch den Wirtschaftshof in der Vorburg zu erblicken. Das von zwei Engeln gehalten Spruchband vermerkt korrekt: „Veue du Chateau de Velen en Westphalie du Midi“. Ein Sechsspänner im Vordergrund unterstreicht auch hier wieder die Bedeutung Velens.
Rechts des Fensters setzt sich die Darstellung mit einer Ansicht der Freiheit Velen fort. Die Herren von Velen hatten hier ein eigenes Freigericht. Kirche und Platz sind in ihren Einzelheiten gut zu erkennen. Ein Engel hält das Schriftband: „Veue del‘ Immunnite de Velen“.
Die vier Ansichten von Velen werden im Westteil des Vestibüls durch eine Ansicht von Haus Altenkamp[12] im Emsland ergänzt. Sie befindet sich rechts des Treppenaufgangs und ist nicht beschriftet. In einer Vogelschau fällt der Blick von Westen auf das Haus und den dahinter gelegenen Garten.
Die Jagdszenen
Beschreibung und Ikonographie
Auf die neu erworbenen Jagdrechte beziehen sich die Darstellungen an der Nordwand, die sich im Osten an der Ost- und Südwand fortsetzen. Ganz links wird gezeigt, wie ein Jäger mit Hunden ein Reh hetzt. Rechts daneben zwischen den beiden Fenstern kämpfen Hunde mit einem Wolf im Beisein von Jägern. Einer ist dabei, dem Wolf den Todesstoß zu versetzen, ein anderer reitet grüßend davon. Weiter rechts hinter dem Entlastungbogen erblickt man einen Jäger mit Hund. Zwischen dem folgenden Fenster und der Eingangstür verteidigt sich ein Wolf gegen mehrere Hunde. Auch er wird gleich den Todesstoß erhalten. Ein zweiter Jäger setzt bereits das Horn an, um das entsprechende Signal zu geben. Rechts neben der Eingangstür wird eine Bärenjagd gezeigt, vor dem Entlastungsbogen ein Jäger mit Hund. Zwischen den beiden Fenstern im Ostteil erblickt man einen Jäger zu Pferd, der mit Hunden einen Hirschen hetzt. Die Ostwand präsentiert einen Jäger mit Jagdhunden und der östliche Bereich der Nordwand das Ende einer Wildschweinjagd. Es ist auffallend, das die beiden einzigen Darstellungen der Hohen Jagd – das Hetzen eines Rehs und eines Hirschen, an den Seiten des Vestibüls zu sehen sind. Es sind genau die beiden Wandfelder gegenüber den Türen, die jeder Mensch sehen muss, der die Treppen wieder herabkommt.
Die Personifikationen der vier Jahreszeiten
Beschreibung und Ikonographie
An die beiden Seiten der Entlastungsbögen sind Personifikationen der vier Jahreszeiten gemalt. Die Bögen selbst haben eine braunrote Malerei mit stilisierten Pflanzen und Blumen, die die gesamte Fläche ornamenthaft überzieht. Die Allegorien werden in den üblichen geflammten Rocaillerahmen präsentiert, die hier orange sind. Der Winter an der Nordwand im Westen wird durch eine Frau im langen Mantel mit bedecktem Kopf und Händen im Muff verbildlicht. Gegenüber im Süden wird der Herbst durch einen Mann dargestellt, der in seiner rechten Hand einen Obstkorb trägt und in seiner linken eine Weinrebe. Der Sommer ist an der Nordwand im Osten auszumachen: ein Mann hält Sichel und Korngarbe in Händen. Gegenüber im Süden hält eine Frau mit Rose im Haar eine weitere Rose in der Hand. Sie personifiziert den Frühling.
Die Sockelzone
Beschreibung und Ikonographie
In der Sockelzone werden unter den Fenstern, Wandbildern und teilweise auch in den Fenster- und Türnischen chinoise Landschaften gezeigt. Es wird versucht, chinesische Tuschmalerei nachzuahmen. Die Darstellungen nähern sich blauen Schattenrissen vor weißem Grund an, die aufgrund der Farbgebung Erinnerungen an Porzellane und Fayencen wecken. Man sieht Landschaften, meist mit Menschen und Architekturen.
Die Supraporten
Beschreibung und Ikonographie
Die Supraporten haben kein gemeinsames Programm. Sie präsentieren Stillleben, Szenen des adeligen Lebens und Allegorien. Ferner gibt es eine Landschaftsdarstellung über der Tür zum Nebenzimmer zwischen Saal und Salon. Auf die Funktion des Raumes nimmt lediglich die Supraporte über der Tür zum Saal Bezug: Sie zeigt einen vornehmen Herrn an der Tafel, dem ein Diener den Stuhl rückt. Über den Fenstern rechts und links sind Stillleben mit Speisen dargestellt, die sich ebenfalls auf die Funktion des Saals als Speiseraum beziehen. Über der Tür im Westen präsentiert eine weibliche Figur im vertikal geteilten Schild die Wappen derer von Landsberg und derer von Velen.
Die Malerei über den Fenstern

Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei über den Fenstern ähnelt einigen Supraporten. Man erblickt Alamodefigurinen, die sich beispielsweise künstlerisch betätigen, indem sie sich der Geometrie widmen, der Malerei, der Literatur und der Musik. Es geht aber nicht um die Künste.
Die Darstellungen ähneln den Figuren Fischers in Haus Altenkamp,[12] die er 1776-1778 schuf.
Die Malerei über den Bögen
Beschreibung und Ikonographie
Über den Bogenscheiteln der Entlastungsbögen sind Personen und Engel zu sehen, die Festons halten, ein Füllhorn, aus dem die Girlanden hervorquellen, oder scheinbar die Decke stützen. Sie stehen oder knien auf orangefarbenen Rocaillen.
Die Deckenmalerei des Vestibüls
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke des Vestibüls wird durch die Entlastungbögen in drei Abschnitte unterteilt.
Im Mittelfeld sind in die Voute Festons gemalt, die scheinbar vom Deckenspiegel herunterhängen. Der Spiegel ist zweigeteilt. In jeder Hälfte präsentieren Putten eine Kartusche von geflammten Rocaillen. Links wird der Wechsel zwischen den Welten thematisiert, rechts die Geschichte von Perseus und Andromeda.
Das östliche Deckenfeld zeigt eine Herrscherin auf dem Thron, der Gefangene vorgeführt werden und die von Tugenden begleitet wird. Es stammt vermutlich aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das westliche Deckenfeld zeigt verschiedene Varianten der Dummheit und dürfte aus dem 18. Jahrhundert stammen.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die das Gebäude Betretenden bezogen.
Das Bildprogramm des Vestibüls
Zahlreiche Motive im Vestibül sind lediglich dekorativ. Dennoch stellt die Malerei in ihrer Gesamtheit den Status und die Lebensqualität des Hauses Landsberg zu Erwitte nach der Heirat mit der Erbtochter des Hauses Velen 1756 dar. Die vierfache Ansicht von Velen, die Vogelschau von Haus Altenkamp und die zahlreichen Jagdszenen sollen die weitgefassten, fast landesherrlichen Rechte und die neu erworbenen, reichen Besitzungen am alten Stammsitz der Familie Landsberg zu Erwitte in Wocklum sichtbar machen.
Die Treppenaufgänge
Beschreibung
Die beiden zweiläufigen Treppen mit Wendepodest sind rechts und links des Saals gelegen. Jeder Lauf hat eine Decke für sich und die Treppe ist nicht in ihrer Gesamtheit aus dem Vestibül aus zu erfassen. Die Wände des unteren Treppenlaufs sind jeweils bemalt.
Die Wandmalerei in den Treppenaufgängen (ehemals Allegorien der vier Erdteile)
Beschreibung und Ikonographie
Die Treppenaufgänge sind stilistisch wie das Vestibül bemalt, jedoch in einem dunkleren Farbklang gehalten. Der florale ornamentgleiche Hintergrund ist von einem dunkleren Bordeauxrot. Mehrere Personen sind vor den Hintergrund gestellt und mit Attributen versehen.
Im westlichen Aufgang sind an der Westwand – die man zuerst erblickt – drei Männer in europäischer Tracht zu sehen. Sie stehen auf einem weiß-hellblauen Boden, der an Schnee erinnert. Im Kontrast dazu ist das schwarze Paar gegenüber – das allen europäischen Stereotypen von Schwarzafrikanern jener Zeit entspricht – das mit Federn bekleidet ist und für Amerika steht. Der Mann trägt Köcher und Bogen, die Frau einen Stab. Rechts ist ein Papagei dargestellt.
Im östlichen Treppenaufgang sind an der Ostwand Asiaten zu sehen. Ein morgenländisch gekleidetes Paar steht über dem blauen Feld. Er hält eine Art Feldherrenstab, sie einen Fächer. Weiter rechts die Treppe hinauf erblickt man ein Krokodil und noch weiter rechts zwei Chinesen. Der eine kniet vor einem anderen. Diese letzte Szene macht die Zuschreibung an Asien möglich, denn das Paar und das Krokodil könnten ebenso für Afrika stehen. So bleibt für die Westwand nur Afrika übrig. Auch dieser Kontinent wird merkwürdigerweise wie Asien durch ein morgenländisch gewandetes Paar allegorisiert sowie durch einen Pfau. Prinzipiell entspricht dies der Ikonographie Asiens. Vermutlich liegt hier eine Verwechslung vor und die Chinesen hätten an dieser Wand dargestellt werden sollen.
Der Mittelsaal im Erdgeschoss
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Saal[13] gehört der zweiten Bauphase des Hauptflügels an. Er wurde 1975 instand gesetzt.
Beschreibung
Der Saal wird direkt vom Vestibül aus durch eine Mitteltür an der Nordwand betreten. Zwei Fenster rechts und links dieser Tür sowie drei gegenüber an der Südseite geben dem Raum Tageslicht. An der Ost- und Westwand stehen Kamine. Zwischen diesen und der Südwand erschließen zwei Türen die angrenzenden in Enfilade gelegenen Räume.
Die Decke des Mittelsaals
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckengemälde[13] stammen von Casimirus Fischers aus der Zeit zwischen 1756 und 1774. 1975 wurden sie restauriert und dabei Fehlstellen ergänzt.
Beschreibung und Ikonographie
Fingierte Rocaillen rahmen Kartuschen am Rand eines Deckenspiegels. Die vermeintliche Voute zeigt ein Schuppenmuster. Der Spiegel selbst wird von wuchernden dunkelblauen floralen Formen vor mittelblauem Grund bedeckt. Auf diesem präsentieren Engel in der Mitte das Allianzwappen Landsberg-Velen. Auf der Seite seines Wappens wird in der linken Deckenhälfte in einem ebenfalls fingierten Rocaillerahmen die Königin von Saba vor Salomon gezeigt. Auf der Seite ihres Wappens rechts erblickt man das Urteil Salomons.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit der Malerei ist auf die Eintretenden bezogen.
Das Urteil Salomons
Die Malerei ist in Bordeauxrot monochrom gehalten. In der Mitte sitzt Salomon auf seinem Thron unter einem Baldachin. Um ihn herum stehen seine Berater. Vor dem Thron stehen rechts und links die beiden streitenden Mütter. Das tote Kind der einen liegt in der Mitte vor dem Thron. Das lebende rechts ist gerade von einem Krieger aufgehoben worden, um es gemäß dem Urteil des Königs mit dem Schwert zu zerteilen, um jeder Mutter eine Hälfte zu geben. Die falsche Mutter links erwartet ihren Anteil mit offenen Armen und entlarvt so ihre Lügen, während die wahre Mutter rechts in Tränen ausbricht.
Die Königin von Saba
Die Malerei ist in Bordeauxrot monochrom gehalten. Links sitzt Salomon auf seinem Thron, umgeben von seinen Räten. Von rechts naht die Königin von Saba mit ihrem Gefolge, um Salomon zu preisen, von dessen Weisheit sie vernommen hat. Sie machte ihm zahlreiche Geschenke.
Der so genannte Große Salon
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der so genannte Große Salon befindet sich im älteren Westteil des Hauptflügels und wurde bereits 1708 erbaut. Die Gemälde stammen von 1710.
Beschreibung
Der annähernd quadratische Raum ist an der Südseite des Hauptflügels gelegen und durchmisst ihn von Norden nach Süden. Er wird über eine im Mittelsaal beginnende Enfilade von Osten aus betreten. Im Westen schließt sich ein kleines Kabinett an der Südseite an. Ein zweites ist an der Nordseite gelegen. Zwischen den beiden Türen steht ein großer Kamin mit einem Gemälde von (Johann) Anton Vercruicen an der Schürze. Es wird von Putten flankiert und vom Allianzwappen des Franz Kaspar Ferdinand von Landsberg zu Erwitte und der Anna Maria Theresia Freifrau von Landsberg geb. Freiin von der Recke zu Steinfurt bekrönt. Es handelt sich bei diesen um die Bauherr*innen, die den Flügel 1752 vollendeten und nicht um die Bauherr*innen des Bauteils von 1698-1706, in dem sich der Große Salon befindet. Nach Norden kann man in die Kapelle und nach Osten in das Vestibül gelangen. Im Süden lassen drei Fenster Licht in den Salon.
Die Decke des Großen Salons
Beschreibung und Ikonographie
Die Stuckdecke des Salons schuf vermutlich Carlo Paerna. Sie präsentiert in Stuckrahmen ein großes querrechteckiges Hauptbild und in den Ecken vier kreisrunde Medaillons. Die Eckmedaillons sind mit fingierten Schleifen am Rahmen des Mittelbildes befestigt.
Das Mittelbild
Beschreibung und Ikonographie
Das Hauptbild stammt von (Johann) Anton Vercruicen und zeigt Flora und Fama auf Wolken. Die blumenbekränzte Flora sitzt und hält mit ihrer Rechten ein von Blumen überquellendes Füllhorn empor. Drei Putten stemmen eine Blumenschale, auf der ihr linker Arm lagert. Eine vierte Putte hält vermutlich die Spitze des Füllhorns. Flora blickt über die Schulter zurück nach links, wo freundschaftlich die geflügelte Fama naht. Sie hat ihren rechten Arm um Floras Schulter gelegt. In der linken Hand hält sie ihre Posaune. Weitere Putten im Hintergrund begleiten die Szene. Sie stoßen in ein Horn oder blasen Wind.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist vom Kamin her auf den Hausherrn bezogen und nicht auf die Eintretenden.
Die Allegorien der vier Elemente
Beschreibung und Ikonographie
Auch die vier Medaillons schuf (Johann) Anton Vercruicen 1710. Sie zeigen vier Göttinnen und Götter der Mythologie, die jeweils ein Element personifizieren.
In der Südwestecke sitzt Ceres mit Korngarbe und Obstkorb sowie Blumen im Haar. Sie steht für das Element der Erde.
Galathea in der Nordwestecke steht für das Wasser. Sie sitzt in ihrem Muschelwagen, der von einem Delphin über das Meer gezogen wird.
Die Südostecke präsentiert Venus auf Wolken mit dem Apfel des Paris in der Hand. Ihr Haar ist blumenbekrönt. Neben ihr sitzt Amor und schaut die Betrachtenden an, zu ihren Füßen erblickt man ihre Tauben.
In der Nordostecke wird das Feuer mit Pluto personifiziert. Er hat den dreiköpfigen Hund Zerberus bei sich und hält den Schlüssel zur Unterwelt empor. Im Hintergrund züngeln die Flammen aus seinem Reich empor.
Die Kapelle
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Hauskapelle[14] St. Barbara wurde zwischen 1708 und 1710 erbaut und ausgestattet. Die Stuckdecke und das Altarretabel schuf Carlo Paerna, Decke- und Altarbild (Johann) Anton Vercruicen. Nach 1919 wurde die Kapelle um einen ehemaligen Durchgangsraum an der Südseite erweitert.
Beschreibung
Der Kapellenraum wird von Süden aus dem Hauptflügel betreten. Im Norden ist eine Freitreppe an den Flügel angefügt, die einen weiteren Zugang ermöglicht. Zwei Fenster im Osten und im Westen geben Licht. An der Hofseite ist heute mittels einer Rundbogenöffnung ein weiterer Raum der Kapelle angegliedert.
An der Ostwand steht zwischen den Fenstern der Altar. Das Stuckretabel von Carlo Paerna ist fest mit der Wand verbunden. Es handelt sich um die früheste Arbeit Paernas, die bekannt ist. Das Altarbild rahmen zwei Skulpturen auf Postamenten. Links erblickt man den heiligen Christophorus, rechts die heilige Barbara. Das Gemälde selbst stammt von (Johann) Anton Vercruice und zeigt den knienden heiligen Antonius vor der Mutter Gottes, die ihren Sohn präsentiert und von ihrem Mann Joseph und ihrer Mutter Anna umgeben ist. Über dem Bild befindet sich das stuckierte Allianzwappen des Auftraggeberpaares: Franz Anton Freiherr von Landsberg zu Erwitte und Anna Maria Freiin von Galen. Es wird von zwei Putten gehalten, die auf dem Kranzgesims des Kapellenraums sitzen. Über dem Wappen erblickt man – bereits in der Voute – die Taube des Heiligen Geistes im Strahlenkranz.
Die Decke der Kapelle
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Stuckdecke[15] wurde von Carlo Paerna zwischen 1708 und 1710 geschaffen. Sie präsentiert ein Gemälde von (Johann) Anton Vercruicen.
Beschreibung und Ikonographie
Die teilweise farbig gefasste Spiegeldecke ruht auf einem Kranzgesims. Der eigentliche Spiegel ist von einem Stuckprofil umgeben, in den ein weiterer Stuckrahmen eingelassen ist, der ein Deckengemälde aufnimmt. Zwischen den Rahmen vermitteln an den Längsseiten Cherubim in Wolken und in den Ecken Schmuckvasen mit Festons. In die Ecken der Voute sind vor Muscheln die vollplastischen und teilpolychromierten Figuren der vier Evangelisten gesetzt. Sie haben jeweils ihr Attribut bei sich und ein Buch. Ihre Mäntel bauschen sich dekorativ hinter ihren Köpfen.
Die Verkündigung
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke nimmt ein Ölgemälde von (Johann) Anton Vercruicen auf, das die Verkündigung an Maria zeigt. Es stammt von 1710.
Beschreibung und Ikonographie
Die Szene findet hinter einem Vorhang statt, der für die Betrachtenden weitgehend beiseitegeschoben wurde. Nur oben links ist noch ein Teil zu sehen. Maria links hat die Botschaft Gottes, die ihr der Engel Gabriel überbracht hat, bereits vernommen und angenommen. Demutsvoll wendet sie sich dem Engel rechts zu. Dieser hat seine linke Hand erhoben, während er ihr mit der rechten die Lilie der Jungfräulichkeit reicht, die er einem Topf zwischen den beiden entnommen hat. Über seinem Haupt schwebt die Taube des Heiligen Geistes, von deren Schnabel ein Lichtstrahl zu Marias Kopf hin ausgeht. Die Wolken öffnen sich zum göttlichen Licht, aus dem ein paar Cherubim neugierig herabschauen.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit ist auf die von Süden her Eintretenden ausgerichtet.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987. – Püttmann-Engel, Kristin: Schloßkapellen im Raum Westfalen 1650–1770 (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 14 ). Bonn 1987.
- Strohmann, Rudolphi, 1986. – Strohmann, Dirk: Johann Georg Rudolphi 1633-1693. Ein Beitrag zur Malerei des 17. Jahrhunderts in Westfalen (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 10). Bonn 1986.
- Westfalen 56 (1978). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 56. Münster 1978.
- Archivalien:
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Balve-Beckum D. Schloß Wocklum Gemälde I und II.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 87-88.
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Anton_von_Landsberg.
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Kaspar_Ferdinand_von_Landsberg_zu_Erwitte.
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_August_von_Landsberg_zu_Erwitte.
- ↑ Strohmann, Rudolphi, 1986, S. 116-118. Ich danke Dirk Strohmann (LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Münster) sehr herzlich für weitere Angaben.
- ↑ Ich danke Gerd Dethlefs (LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster) sehr herzlich für diese Hinweise.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 58-61.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/f58c635e-d560-4c38-be42-3ac8afa572d8.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/f852ab0d-13e5-47cb-9383-d748586f89bc.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 87.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/b5ec5549-9091-4477-8c3d-4b4dd182ed3c.
- ↑ 12,0 12,1 http://www.deckenmalerei.eu/0c728050-c5af-11e9-893a-a37e5cdc9651.
- ↑ 13,0 13,1 Westfalen 56, 1978, S. 682.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 88; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 59-60, 280-282.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 88; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 280-282.