Bad Krozingen, Schloss und Kapelle, ehemalige Propstei
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Zurückgekehrt aus Wien, ließ der St. Blasianer Mönch, Gesandte und Historiograph Marquard Herrgott 1749–1750 die Propstei Krozingen neu ausgestalten. Höhepunkte bilden neben dem stuckierten Appartement der Saal mit gemalten Verduren und die freistehende Kapelle mit Fresken von Johann Anton Morath.

Bad Krozingen, ehemalige Propstei
Die ehemalige Propstei besteht aus einem Schlossgebäude und der freistehenden Kapelle.
Krozingen, Schloss
Das im Kern spätgotische Gebäude wurde 1578–1579 unter Abt Kaspar III. von St. Blasien umgebaut, wovon die Jahreszahl 1579 über dem Eingangsportal zeugt.[1] 1707 erhielt es einen neuen Dachstuhl.[2]
Erschlossen wird der Bau durch die als polygonaler Turm vor die Fassade tretende Wendeltreppe. Marquart Herrgott, der die Propstei 1747 als Rückzugsort erhielt, richtete sein Appartement im zweiten Obergeschoss ein. Es besteht aus dem großen Saal, der sich rechter Hand der Treppe mit fünf Achsen auf den Schlosshof öffnet. Linker Hand der Treppe folgen die Wohn- und Empfangsräume, deren Decken Stuckdekor mit Rocaille der Zeit um 1750 aufweisen.
Der Saal mit den vier Elementen im Stuckdekor
Der Saal war ursprünglich deutlich höher als heute. Es besaß einen umlaufenden Lambris, der verschwand, als der Boden bei der Restaurierung erhöht wurde.[3] Die Stuckmedaillons an der Decke vergegenwärtigen die vier Elemente.
Gemalte Verduren an den Wänden
Die mit Tempera auf Leinwand gemalten Wandgemälde imitieren mit ihren ringsumlaufenden Bordüren und ihrer nahtlosen Anbringung gewebte Tapisserien. Auch ihr Sujet mit Landschaften, in denen sich Eremiten, Jäger und Wasservögel bewegen, erinnert an sogenannten Verduren, wie Tapisserien mit viel Wald und wenig anspruchsvollen Sujets genannt wurden.
Dargestellt ist die Jagd auf unterschiedliche Arten von Wasservögel und auf Kaninchen. Da es sich durchgehend um Flug- und Niederwild, nicht um Hochwild handelte, kam darin die Landsässigkeit des zu Vorderösterreich gehörenden Klosters St. Blasien zum Ausdruck.
Der Maler der Wandgemälde ist noch nicht bekannt.
Seeufer mit zwei Schwänen (schmal)
Seeufer mit Jäger, der auf ein Kaninchen schießt (breit)
Seeufer mit Eremit an einer Brücke und Einsiedlerkapelle (breit)
Junge am Seeufer mit Reuse (breit)
Seeufer mit sitzendem Holzhacker und fliegenden Vögeln (breit)
Seeufer mit fischfressendem Wasservogel (schmal)
Seeufer mit herabstoßendem Reiher (breit)
Seeufer mit Vogel auf einem Ast (Zwischenfensterstück)
Schlossteich mit Vase auf Sockel und Brücke (Zwischenfensterstück)
Seeufer mit Fasan (Zwischenfensterstück)
Seeufer mit Schloss und fliegendem Reiher mit Schlange (Zwischenfensterstück)
Schlossteich mit künstlicher Ruine, Jäger und fischfressendem Wasservogel
Krozingen, Schlosskapelle
Die einschiffige Kapelle mit einem spätgotisch anmutenden Spitzbogenportal und einem polygonal schließenden Chor wurde 1600–1608 als Neubau in einiger Entfernung des Hauptgebäudes errichtet.[2] Ihre Fassade folgt im Aufbau einem geschweiften Knickgiebel der Spätrenaissance mit Voluten, die von Obelisken bekrönt werden.
Der Kapellenraum
Die Eucharistie als zentrales Sakrament des Glaubens mit typologischen Vorbilder
Die drei theologischen Tugenden: Glaube, Liebe, Hoffnung
Im Zentrum der Langhausdecke stehen als Gemälde in geschweiftem Kontur die drei theologischen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. Sie sind hierarchisch angeordnet, indem die weiß gekleidete Fides (Glaube) mit Kreuz und Monstranz an höchster Stelle auf der Mittelachse auf einer Wolke thront. Die Monstranz erstrahlt im Glanz des Heiligen Geists, der als Taube sichtbar zugegen ist.
Zur Rechten der Fides sitzt am unteren Bildrand Caritas (Liebe) im roten Gewand mit zwei Kindern im Schoß. Etwas höher, jedoch zur Linken sitzt die grün gewandete Spes (Hoffnung) mit dem Anker in der gesenkten rechten und Lilien in der erhobenen linken Hand.
Die Gemälde werden Johann Anton Morath (1718–1783) zugeschrieben.[4] Er war ein Schüler von Franz Joseph Spiegler und wurde Hofmaler von St. Blasien. Für Krozingen haben sich die zugehörigen Quellen nicht erhalten, doch hat Morath 1748 das Deckengemälde im Treppenhaus des St. Blasianer Superiorats Todtmoos signiert.[5]
Noahs Dankopfer unter dem Zeichen des Regenbogens (PROPITITAORIUM)
Elias am Brandopferaltar (IMPETRATORIUM)
Abraham und Isaak vor dem Oferaltar (HOLOCAUSTUM)
Melchisedek spendet Abraham Brot und Wein (EUCHARISTICA)
Die Anbetung des Lammes durch die vierundzwanzig Ältesten (NOTO DEO)
Über dem Chor wurde die in der Offenbarung des Johannes als Vision beschriebene Anbetung des Lammes durch die vierundzwanzig Ältesten dargestellt. Allerdings hat der Maler die in der Bibel beschriebenen vierundzwanzig Ältesten auf acht Männer reduziert.
Die Seelen im Fegefeuer werden durch die Hostie gerettet (UT PECCATUS SOLVANUR)
Dargestellt sind drei gerettete Seelen im Fegefeuer, die an den ergriffenen Gesten und dankbar die hell leuchtende Hostie erblickenden Gesichtern zu erkennen sind. Während die geretteten Männer und eine Frau mit ihrem Oberkörper dem Feuer bereits entronnen sind, versinkt eine nur als Kopf dargestellte Seele am linken Bildrand in den Flammen. Vom Himmel kommt ein Engel mit Hostie herab und greift einen der Männer am Arm.
Altar
Altarbild mit Mondsichelmadonna
Auszug mit der Taube des Heiligen Geists
Antependium mit Tod des hl. Johannes Nepomuk
Bibliographie
- Hans Martin Gubler, Johann Caspar Bagnato 1696–1757 und das Bauwesen des Deutschen Ordens in der Ballei Elsaß-Burgund im 18. Jahrhundert. Ein Barockarchitekt im Spannungsfeld von Auftraggeber, Bauorganisation und künstlerischem Anspruch, Sigmaringen 1985.
- Paul Booz, Bau- und Kunstgeschichte des Klosters St. Blasien und seines Herrschaftsbereichs, bearbeitet und herausgegeben von Marianne Booz, Freiburg im Breisgau 2001.
- P. Heinz Faller, Gedanken eines Krankenseelsorgers zu Bildern von vier Kapellen in Bad Krozingen, Lindenberg im Allgäu 2012.
- Wolfgang E. Stopfel, Zur Bau- und Restaurierungsgeschichte der Schlossanlage Bad Krozingen, in: Fritz Neumeyer und seine Sammlung. Im Auftrag der Schlosskonzerte Bad Krozingen herausgegeben von Susanne Berkemer und Markus Zepf, Freiburg im Breisgau/Berlin/Wien 2014, S. 39–51.
- Gerhard Bender, Der Himmel steht offen. Leben und Werk der vier Freiburger Barockmaler Christian Wentzinger, Benedikt Gambs, Johann Pfunner und Simon Göser, Ubstadt-Weiher/Heidelberg/Weil am Rhein 2019.