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Bad Colberg Heldburg, Veste Heldburg

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Bad Colberg-Heldburg, Veste Heldburg, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/05dff736-342b-4ea7-8211-a66a9860b601

Inventarnummer: cbdd10238

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Auf der Veste Heldburg befinden sich weitgehend überfasste Reste eines Freskos von Lucas Cranach d. Ä.

Kapelle Veste Heldburg
Kapelle Veste Heldburg

Die Veste Heldburg

Kurzbeschreibung und Lage

Die Veste Heldburg,[1] auch „Fränkische Leuchte genannt“, steht landschaftsbeherrschend auf der Spitze eines Phonolitfelsens. Mehrere Bauten, die überwiegend aus dem 16.-19. Jahrhundert stammen, umschließen einen unregelmäßigen Innenhof.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Bereits im ausgehenden 13. Jahrhundert stand hier eine Burg, seit 1374 war sie im Besitz der Wettiner. Vor allem unter Kurfürst Friedrich III. dem Weisen erfolgten zwischen 1486 und 1510 zahlreiche Umbauten und Modernisierungen. Ferner ließ Herzog Johann Friedrich II. durch Nikol Gromann zwischen 1500 und 1564 mehrere Neubauten aufführen – so den Küchenbau und den so genannten Französischen Bau – und umfangreiche Renovierungen vornehmen. Spätere Bauherren haben kaum Spuren hinterlassen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert verfiel die Feste zunehmend, bis sie ab 1875 neu zu einer romantischen Burg ausgebaut wurde. 1940 ließ die 1918 abgedankte ehemals herzogliche Familie im so genannten Jungfernbau unter einer ehemaligen Kapelle eine Gruft einbauen. Aufgrund eines Brandes 1982, der einen Flügel im Innern fast vollständig zerstörte, hat sich von der Ausstattung nur wenig erhalten.

Beschreibung

Der Umriss der Veste folgt ungefähr dem des aufragenden Bergkegels. Der Eingang ist im Nordwesten, im so genannten Heidenbau gelegen. Im Norden schloss sich ehemals der Küchenbau an. Hier steht jetzt der Gastronomiebau. Es folgt gegen Westen der Kommandantenbau. In der westlichen Ecke des Hofes steht der Hausmannsturm, der das optische Gelenk zum im Südwesten gelegenen Jungfernbau darstellt. An diesen schließt im Osten der Französische Bau an. Er erhebt sich an der Südseite des Hofes und stößt im spitzen Winkel an den Heidenbau an. Heute beherbergt die Veste das Deutsche Burgenmuseum.

Forschungsstand zur Baugeschichte

Der Forschungsstand zur Baugeschichte ist ausgesprochen gut. Vor allem im Rahmen von Sanierungen und Restaurierungen im Hinblick auf die Einrichtung des Deutschen Burgenmuseums erschienen zahlreiche Publikationen.

Der so genannte Jungfernbau

Bau- und Funktionsgeschichte

Der so genannte Jungfernbau[2] steht zwischen Kommandantenbau und Französischem Bau. Der rechtwinkelige Bau stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und ist damit das älteste Gebäude der Veste. Zur Hofseite stellt er sich heute wieder mit anderthalb Geschossen dar. 1490 war er mit einen zweistöckigen Fachwerkbau erhöht worden, der allerdings 1875 wieder entfernt wurde. An seiner Stelle befindet sich seit 1876 eine zinnenumwehrte Terrasse. Aus der Zeit des 19. Jahrhunderts stammt auch der Name Jungfernbau. Nach 1940 wurde eine Gruft unter der ehemaligen Kapelle eingerichtet. An der Ostseite befinden sich zwei ursprüngliche, zugesetzte Rundbogenfenster. Nach der Reformation, spätestens aber nach 1558 wurde die Kapelle profaniert und in die Wände die heute noch vorhandenen Rechteckfenster eingebrochen.

Beschreibung

Der Jungfernbau wird durch einen Vorraum im Erdgeschoss betreten. Im Obergeschoss ist die ehemalige Kapelle gelegen, unter ihr befindet sich die Gruft.

Die ehemalige Kapelle

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Kapelle[3] stammt vermutlich bereits aus dem 14. Jahrhundert und wurde 1501-1509 für Kurfürst Friedrich III. umgestaltet. Spätestens damals wurden die beiden rundbogigen Fenster im Osten zugesetzt. Nach der Reformation 1520, spätestens aber nach 1558 wurde die Kapelle profaniert, der Boden angehoben und eine Zwischendecke eingezogen. Diese wurde nach 1940 zusammen mit Einbau der Gruft wieder entfernt.

Beschreibung

Der annähernd quadratische Raum von 6,7 auf 6 Meter wird von her Westen betreten. Er erhält sein Licht durch zwei Fenster Norden und ein Fenster im Süden. In der Ostwand befinden sich zwei zugesetzte Fensternischen. Die historische Decke ist verloren.

Die Wandmalerei in der ehemaligen Kapelle

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die ursprünglich Freskomalerei[4] über eine Kalkgrundierung in Kaseinfarben ist verloren oder komplett überfasst. Sie wurde sehr wahrscheinlich 1507 von Lucas Cranach d. Ä. geschaffen. Nach Aufgabe der Sakralfunktion des Raums wurde die Malerei zunehmend schadhaft. Als man sie 1940 im Rahmen der Einrichtung der Gruft restaurieren wollte, fanden sich fast nur noch Reste an der Ostwand. Diese waren einem derartig schlechten Zustand, dass sich der Maler Hinnerk Scheper genötigt sah, auch diese Reste 1941/42 komplett zu überfassen. 1999 wurde die Malerei gesichert und 2019 restauriert.

Beschreibung und Ikonographie

Während West- und Südwand heute lediglich eine Vorhangmalere Schepers mit Weihekreuzen tragen, schmückt die Ostwand eine vielfigurige Malerei, die zwischen vegetabilem Rankenwerk ehemals die 14 Nothelfer und die Heilige Sippe präsentiert. Namensbänder erlauben eine Identifizierung der Dargestellten. Ein Stifterwappen Friedrichs III. in der linken nördlichen Nische weist auf den Auftraggeber hin. Der nördliche Bereich der Malerei ist heute verloren wie auch die bodennahe Zone. Die Malerei Schepers weicht teilweise stark vom Befund ab. Originale Malerei findet sich nur mehr in Resten. So entdeckte man Freskenreste im angeschütteten Bodenbereich und ein Wandfragment. Der Vorhangsockel lässt auf eine illusionistische Schablonenmalerei schließen. Das 60 auf 20 Zentimeter messende Fragment gehört vermutlich zu einem Engel oder Heiligen vom Typus des Johannes Evangelist. Von der jedenfalls männlichen Figur im gelben Gewand ist die Hälfte des Rumpfes und die rechte Gesichtshälfte überkommen.

Unter der Cranachfassung wurden Reste eines Weihekreuzes entdeckt.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Fleck/Großmann/Paulus, Heldburg, 2016. – Fleck, Niels/Großmann, G. Ulrich/Paulus, Helmut-Eberhard (Bearb.): Veste Heldburg. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Berlin/München 2016.
  • Hagenguth, Heldburg, 2012. – Hagenguth, Claudia: Die Veste Heldburg. In: Das Heldburg-Buch. Beiträge zur Geschichte der Stadt Heldburg, hrsg. v. Stadt Heldburg. Bad Colberg-Heldburg 2012, S. 55–95.
  • Hagenguth, Baugeschichte, 2013. – Hagenguth, Claudia: Die Baugeschichte der Veste Heldburg in Mittelalter und Früher Neuzeit. In: Die Veste Heldburg. Burganlage – Bergschloss – Deutsches Burgenmuseum. Beiträge zur Erforschung und Sanierung (Berichte der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 11). Rudolstadt/Petersberg 2013, S. 17-35.
  • Just, Nothelfer, 2020. – Just, Fabian: Hilfe für die Nothelfer. Restaurierung der Malerei in der Heldburger Burgkapelle. In: Schlösserwelt Thüringen Frühjahr/Sommer 2020, S. 26-27.
  • Laß, Heldburg, 2007. – Laß, Heiko: Veste Heldburg. In: Burgruine Henneberg. In: Helmut-Eberhard Paulus (Hrsg.): Höfische Kostbarkeiten in Thüringen. Historische Anlagen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten (Große Kunstführer der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 3). Regensburg 2007, S. 106-111.
  • Nagel, Heldburg, 2013. – Nagel, Franz: Die Veste Heldburg im 20. Jahrhundert. In: Die Veste Heldburg. Burganlage – Bergschloss – Deutsches Burgenmuseum. Beiträge zur Erforschung und Sanierung (Berichte der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 11). Rudolstadt/Petersberg 2013, S. 74-78.
  • Schmidt, Maler, 2001. – Schmidt, Michael: „an die Maler gein Helpurg“. Die Burgkapelle der Veste Heldburg und die Fresken Lucas Cranachs des Älteren. In: Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten 2, 2000 (2001), S. 26-38.
  • Schmidt, Heldburg, 2003. – Schmidt, Michael: Die Veste Heldburg, der spätromantische Historismus und König Ludwig II. Anmerkungen zur Restaurierung des Bergschlosses unter Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, 1875 bis 1900. In: Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten 6 (2003), S. 88-106.
  • Archivalien:
  • 69.052-0006. – Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [69.052-0006]. Veste Heldburg, Kapelle im Jungfernbau, DOKUMENTATION, Sicherung und Konservierung vom Teilen der Wandmalerei (Ordner 15).

Einzelnachweise

  1. Fleck/Großmann/Paulus, Heldburg, 2016; Hagenguth, Baugeschichte, 2013; Nagel, Heldburg, 2013; Hagenguth, Heldburg, 2012; Laß, Heldburg, 2007; Schmidt, Heldburg, 2003.
  2. Fleck/Großmann/Paulus, Heldburg, 2016, S. 16-17; Schmidt, Maler, 2001, S. 29.
  3. Fleck/Großmann/Paulus, Heldburg, 2016, S. 16-17; Schmidt, Maler, 2001, S. 26, 31. 69.052-0006.
  4. Just, Nothelfer, 2020, S. 27; Fleck/Großmann/Paulus, Heldburg, 2016, S. 17; Hagenguth, Baugeschichte, 2013, Nagel, Heldburg, 2013, S. 74; S. 20; Schmidt, Maler, 2001, S. 27-35. 69.052-0006.