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Augsburg, Köpfhaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Herz, Timotheus:Augsburg, Köpfhaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/171fcd5d-42c4-4d8b-a493-6746262adcda

Inventarnummer: cbdd20014

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Einer der prächtigsten Bauten Augsburgs ist das unter Christian Georg von Köpf entstandene Palais am Fuggerplatz. Das Vestibül von Johann Holl führt zum Treppenhaus, an dessen Decke G. B. Göz ein Fresko über die göttlichen Aspekte glücklichen Handelns fertigte. Noch heute ist dies sehr gut erhalten.

Augsburg, Köpfhaus
Augsburg, Köpfhaus

Bauwerk

Geschichte und Lage

Das Köpf’sche Palais liegt inmitten der Fußgängerzone und somit im Zentrum der Stadt. Nur wenige Gehminuten trennen das Stadtpalais beispielsweise vom Rathaus. Das Grundstück grenzte zeitweise an die Räumlichkeiten des Kollegiats von St. Moritz an. Die genaue Bezeichnung der Adresse wandelte sich von einst dem Alten Heumarkt, über die Philippinie-Welser-Straße, bis 2009 hin zur heutigen Adresse, dem Fuggerplatz 9, gekennzeichnet durch das von König Ludwig I. von Bayern 1857 gestiftete Fugger-Denkmal. Eben jene Bronzeskulptur steht vor der Hauptfassade des Köpfhauses, das zugleich die Kulisse des Denkmals bildet. Wie die zentrale Lage des Objekts nahelegt, reicht die Bebauung des Grundstücks weit zurück. Der älteste nachweisliche Eigner dieses Grundstücks war der Augsburger Stadtpfleger Konrad Onsorg, der dieses in der Mitte des 14. Jh. besaß. Jenem folgte Ulrich Langenmantel, dessen Schwiegersohn Hans Hofmair in dem Gebäude am Heumarkt 1418 König Sigismund beherbergen durfte. [1] Bereits zwei Jahre davor ließ der Besitzer hier ein Wandfresko erstellen, dass ein Turnier auf dem Augsburger Fronhof zwischen den bayerischen Herzögen zeigte. Die Reste dieser Wandmalerei wurden allerdings 1954 transloziert und befinden sich seitdem im benachbarten Maximilianmuseum. [2] Nach Hofmair folgten weitere Patrizier wie Ulrich Arzt und Melchior Hainhofer. Letzterer wiederum ließ den Großteil der Bebauung abreißen und beauftragte 1578 Johannes Holl, auf dem Gelände ein neues Patrizierhaus zu errichten. Von diesem Bau ist bis heute noch die dreischiffige Eingangshalle mit vier Jochen und kannelierten Säulen erhalten. Nach Hainhofer folgten Karl Rehlinger, Christoph III. von Stetten und dessen Schwiegersohn Raimund Egger, welcher das Anwesen 1712 an Johann Köpf verkaufte. Dessen Sohn, Christian Georg, [3] welcher 1733 von Kaiser Karl VI. in den Reichsadelsstand (von Köpf auf Hammel) erhoben wurde, gab dem ehemaligen Holl-Bau das heutige Aussehen. [4] Anno 1738 und im darauffolgenden Jahr entstand unter dem Baumeister Johann Andreas Schneidmann ein repräsentatives Stadtpalais mit der nördlichen Hauptfassade und der westlichen Nebenfassade, gegliedert durch Pilaster und mit jeweils reichem Giebel ausgestattet. [5] Zu den Besitztümern der Familie Köpf gehörten in Augsburg neben diesem Palais noch das 1766—1768 erbaute Köpf-Münch-Palais am nur wenige Meter entfernten Martin-Luther-Platz, [6] ebenso eine Parkanlage am Oberen Hunoldsgraben mit Köpfschen Namen. Diesen muss bereits Johann Köpf erworben haben. [7] Durch den Erbweg und durch Heirat ging das Gebäude am Fuggerplatz an Walter von Halder und Johann Paul von Stetten über. Georg Walter von Halder kaufte 1804 noch das Nachbargebäude hinzu, den Moritzianischen Neubau, heute Bothmersches Palais. [8] In Stettenschem Besitz blieb das Köpfhaus bis 1913 und diente bis 1906 den Funktionen als Wohnhaus und als Sitz der Privatbank Halder-von Stetten. Von der Familie von Stetten stammen außerdem die sechs Kaiserbüsten an den Wänden des Vestibüls. Diese Familie besaß zudem das dahinterliegende Grundstück, in dem das Stetten-Institut untergebracht wurde. [9] Aus Stettenschem Besitz kaufte das Köpfhaus die Industrie- und Handelskammer, die es wiederum 1974 an die Firma Siller & Lahr veräußerte. Von 1982 bis 2007 gehörte das Köpfhaus dem Kaufhaus-Konzern. Nun ist es das Eigentum eines Privatmannes. Ein neugestaltetes Loft im Dachstuhl lässt sich derzeit über das Hotel Maximilian's buchen. [10] Trotz des wiederholten Eigentümerwechsels haben sich zumindest die Fassaden von Schneidmann und auch einige Teile im Inneren des Gebäudes über die Jahrhunderte erhalten. [11]

Baubeschreibung

Am Fuggerplatz ist das Köpfhaus, neben dem heutigen Maximilianmuseum mit seiner bemalten Fassade, eines der markantesten Häuser. Die Hauptfassade ist dreigeschossig, neunachsig und leicht konkav geknickt. Das hochgezogene, genutete Erdgeschoss gliedern zwei Portale, welche von Pfeilern und einem Segmentbogengiebel gerahmt werden. Über dem umlaufenden Gesims erstrecken sich die beiden eckrustizierten Obergeschosse. Die jeweiligen beiden äußeren Fensterachsen werden in der Belle Etage durch ein Ädikula-Motiv geschmückt. Die mittleren fünf Achsen hingegen sind durch korinthische Pilaster unterteilt, wobei die Fenster im ersten Obergeschoss durch einen geschwungenen Giebel verziert werden, und die Fensterreihe darüber auf kleinen Konsolen steht. Über einem weiteren umlaufenden Gesims erstreckt sich das dreigeschossige Traufdach mit einem ebenfalls durch korinthische Pilaster unterteilten Zwerchgiebel. Dieser besteht in der untersten Zone aus fünf Fensterachsen. Darüber erfolgt eine Verjüngung mittels seitlicher Voluten zu drei Fenstern. Über einem weiteren Gebälk erfolgt ein geschwungener Aufsatz, der mit einer Vase bekrönt ist. Die Westfassade folgt in Grundzügen der Hauptfassade, jedoch wirkt diese insgesamt schlichter. Die Pilaster tragen keine aufwendigen Kapitelle. Die Fensterachsen der Obergeschosse sind optisch nicht miteinander verbunden. In der Belle Etage zieren die Fenster abwechselnd von Außen nach Innen ein gerades Gebälk, ein Segmentbogengiebel und in der Mitte ein Dreiecksgiebel. Im Bereich des Dachstuhls stimmen die Fensterachsen nicht mehr mit dem Unterbau überein. Hier sind nur noch drei Achsen, die durch jeweils zwei Lisenen voneinander getrennt werden. Der Giebel verjüngt sich wie bei der Hauptfassade durch Voluten, auf deren oberem Abschluss eine Kugel thront. Darüber erfolgt ebenfalls ein geschwungener Aufsatz, der mit einer Vase abschließt. Südlich grenzte an die Nebenfassade eine hohe Mauer mit einem Holztor, das als Zufahrt für den hinter dem Haus gelegenen kleinen Garten des Palais diente. [12] Diese war noch bis in die späten 40er Jahre erhalten, muss aber in Verbindung mit dem Abriss des danebenliegenden Stetten-Instituts abgebrochen worden sein.

Forschungsstand

Eine erste summarische Beschreibung des Anwesens lieferten Bernd von Hagen und Angelika Wegener-Hüssen, [13] ebenso wie die knappe Bestandsaufnahme bei Dehio. [14] Auch Der Tag des offenen Denkmals, unter der wissenschaftlichen Leitung von Gabriele Krist-Krug, befasste sich mit dem Köpf-Palais. [15] Die Besitzverhältnisse arbeiteten Gabriele von Trauchburg und Werner Zorn heraus, deren Verdienst es war die Bauamtsprotokolle auszuwerten. [16] Bei Isphording findet sich eine kurzer Abriss über die Auftragsvergabe und Umgestaltung des Palais. [17] Mit den verschiedenen Bank- und Darlehensgeschäften u.a. der Familie Köpf befasste sich Ingrid Bártori. [18] Die Wandmalereien im Vestibül mit deren Ikonographie bearbeitet Johannes Wilhelm. [19]

Westliches Treppenhaus

Der Zugang zum westlichen Treppenhaus erfolgt über das dreischiffige Vestibül mit Gurtbögen und Kreuzgratgewölbe, das noch auf Johannes Holl zurückgeht. Die Treppe an sich sowie die darüber liegenden Stockwerke, bis hin zum Fresko, stammen allerdings von den Umbauten durch Johann Andreas Schneidmann. Im südwestlichen Joch der Halle beginnt, weit ausgreifend und über die ersten zehn Stufen bis zur eigentlichen Breite zurückspringend, die zweiläufige Treppe mit Wendepodest. Das schmiedeeiserne Geländer mit Schnörkeln und Blattwerk wird am unteren Ende durch einen geschnitzten Treppenanfänger abgeschlossen, auf dem eine Sphinx aus Messing thront.[14]

Die Nutzung der Treppe ist heute allerdings nur als Flucht- und Rettungsweg vorgesehen, denn die Erschließung des Gebäudes erfolgt nun über eine neuere Treppenanlage und einen Aufzug im östlichen Trakt des Palais. Zudem wurden an der historischen Treppe die Zugänge zu den einzelnen Etagen verglast, um diesen Platz zusätzlich für die Geschäftsräume nutzbar zu machen. Dies macht ein problemloses Beschreiten der Treppe bis hinauf zum Fresko nahezu unmöglich.

Allegorie des Handels

Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckenfresko im Treppenhaus entstand in Zusammenhang mit der Umgestaltung des Gebäudes zu einem repräsentativen Stadtpalais für den seit wenigen Jahren adeligen Christian Georg von Köpf. In diesem Zuge konzipierte Schneidmann auch das Treppenhaus vom Vestibül aus. Der Ausbau durch eine Mansarde und ein Glockenfenster zur Belichtung der obersten Treppenabschnitte lässt vermuten, dass dies schon in Planung eines Deckengemäldes geschah. Die Signatur „God. Ber. Göz Pinx. 1739“ widerlegt eine vorangegangene Zuschreiben an Guglielmi.[20] Des weiteren beherbergt die Staatliche Graphische Sammlung in München eine nicht völlig ausgeführte Entwurfszeichnung des Freskos.[21] Diese braun und grau lavierte Federzeichnung zeigt bereits das ungewöhnliche Format sowie die Komposition, wobei die linke Seite der Zeichnung völlig ausgearbeitet ist, die rechte hingegen bis auf die Hauptfiguren der Mittelachse nur aus einer groben Skizzierung der Quadratur besteht. Außer dem fehlenden Köpfschen Wappen und dem schräg darüber sitzenden Putto entspricht die Vorzeichnung dem Augsburger Fresko.[22]

Eine wichtige Quelle zur Erhaltungsgeschichte ist die Gouache von Karl Nicolai, der in den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine große Zahl der Augsburger Fresken in verkleinerter Form auf Karton festhielt. Dabei handelte es sich unter anderem im Jahr 1937 „um ein Deckengemälde im Treppenhaus der Handelskammer B 263 von Bernhard Göz aus dem Jahre 1739“ [23], also um jenes Fresko des Köpfschen Palais. Nicolai setzte dieses maßstabsgetreu in die Gouache[24] um, wobei er sogar die Quadrierung übernahm, was darauf hindeutet, dass zu diesem Zeitpunkt der Zustand beachtlich sein musste, da derlei Feinheiten und Details erkennbar waren. Was er hingegen veränderte, ist die Farbgebung, die auf der Gouache heller erscheint - dies mag unter anderem den verschiedenen Techniken geschuldet sein - und manche Details sind bei ihm durch die extreme Verkleinerung schwerer zu identifizieren. Weitere Dokumentationen über die Erhaltungsgeschichte liefern die beiden Werkkataloge über Göz von Isphording aus dem Jahr 1982/84 und von 1997, wobei im Jahre 1986 eine Restaurierung des Freskos vorgenommen wurde.[25] Der Umfang der 1997 vorgenommenen Restaurierung scheint gering zu sein, da Isphording sie weder erwähnt, noch neue Erkenntnisse bei der Beschreibung oder dem ikonographischen Programm erlangt. Dies deutet darauf hin, dass das Fresko auch vor der Restaurierung keinen bedenklichen Zustand aufwies.

Beschreibung und Ikonographie

Der Künstler bewältigte das ungewöhnliche Format, indem er die Bildfläche architektonisch in zwei Scheinräume unterteilte. In dem langrechteckigen Bildfeld öffnet sich die Scheinarchitektur, so dass sich der Himmel zeigt. Das querformatige Bildfeld nördlich davon, getrennt von einem breit gestreckten Bogen, zeigt einen überkuppelten Innenraum. Im hypättralen Bereich schwebt auf Wolken thronend mit wehendem gelb-lila Gewand die Divina Providentia, die göttliche Vorsehung, mit einem Szepter in ihrer Linken und den Fuß auf die Weltkugel setzend, womit sie Cesare Ripas Beschreibung der Providentia entspricht, die mit jenem Attribut ausgestattet ist.[26] Zur Divina Providentia wird sie durch das Dreieck der Trinität mit göttlichem Auge über ihrem Haupt. Begleitet wird sie von zwei Putten. Diese blicken über die seitliche Scheinarchitektur, bestehend aus Arkadenbögen und auf getreppten Podesten stehende goldene Vasen, hinweg in das Treppenhaus hinein. Einer der beiden betrachtet dabei den kopfüber hinabfliegenden Merkur. Der in Rückenansicht und perspektivisch verkürzt dargestellte Handelsgott - gekennzeichnet durch seine Flügelschuhe, Flügelhelm und Caduceus - bringt in das Treppenhaus des Köpfschen Palais die goldenen Statuette der auf einer Kugel stehenden Fortuna. Beide, sowohl Merkur als auch die Glücksgöttin, tragen ein aufgeblähtes Velum. Darunter erstreckt sich bereits der die Bildfläche trennende Bogen, dessen von Voluten getragener Schlussstein mit einem rundlichen Gesicht in Grisaillemalerei geschmückt ist. Durch die reduzierte Farbigkeit gleicht es einem Stucco finto, einer gemalten Scheinstuckierung. Unter dem Schlussstein hängt an einer Kette ein vielzackiger Stern, eine im 18. Jahrhundert übliche Lampenform. An den Kämpfern der Pendentifkuppel sind wiederum zwei grisaillene Figurengruppen dargestellt. Sie bestehen jeweils aus einer Personifikation begleitet von zwei Putten. Das Attribut der westlichen Gruppe sind zwei Gesetzestafeln, wohingegen auf der östlichen Seite ein Putto mit einer Waage spielt. Während Isphording diese beiden Personifikationen 1982 noch als Caritas und Justitia bezeichnet, benennt er sie 1997 unter Einbeziehung einer Quelle des 18. Jahrhunderts als Gesetzestreue und Gerechtigkeit.[27] Den Bogen zwischen diesen beiden Stuckierungen ziert eine vergoldete Büste mit drei Gesichtern. Dabei handelt es sich um die Prudentia, die sowohl die Vergangenheit, als auch die Gegenwart und die Zukunft im Blick behält.[28] Im Zentrum des überkuppelten Raums sitzt in grün und rot gekleidet, im Dreiviertelprofil auf einem Stufenpodest die Personifikation des Handels. Sie ist reich geschmückt mit Perlenohrring und goldenem Armband. Sogar ihr dunkelrotes Tuch trägt eine Goldborte sowie über das ganze Textil verteilt Goldapplikationen in Form von Sternen, Monden und dergleichen. Ebenso hängen von der Säule, die sie mit ihrer rechten Hand hält, mehrere Goldketten mit Anhängern herunter.[29] Die linke Hand streckt sie empfangend in Richtung des herabfliegenden Merkurs aus. Ihr zu Füßen sitzt in lässiger Haltung ein Putto mit Schreibfeder auf einer Stufe. Darunter sind weitere Schreibutensilien erkennbar, wie ein Tintenfass und ein beschriebenes, gefaltetes Blatt, auf dem verschiedenste Zahlen angedeutet sind. Klar zu lesen aber ist die Jahreszahl der Fertigung des Freskos 1739. Daneben finden sich auch mit Geldstücken gefüllte Beutel. Auf einem davon ist die Zahl 3000 zu erkennen. Auf der untersten Stufe hat der Künstler sein Werk mit den Worten „God. Ber. Göz Pinx. 1739“ signiert. Daneben, mittig das Fresko abschließend, ist das Wappen des Auftraggebers, Christian Georg Köpf, angebracht. Es besteht heraldisch aus dem rechten oberen und linken unteren Feld aus einem aufsteigenden goldenen doppelschweifigen Löwen mit roter Zunge und silbernem Menschenkopf zwischen den Pranken auf blauem Grund. Die beiden anderen Felder, ebenfalls heraldisch links oben und rechts unten, zieren auf rotem Grund drei Steine, über denen ein goldener Mond und ein ebenfalls goldener Stern schweben.[30] Die beiden nördlichen Ecken füllte der Künstler mit je einem Putto, der von einer volutenförmig geschwungenen Wange einen Zweig herabhängen lässt.

Zusammengefasst kann das Programm des Freskos wie folgt gedeutet werden: Der Erfolg des Handels - insbesondere der Geschäfte der Familie Köpf - ist abhängig von göttlicher Fügung. Darum thront ganz oben die Divina Providentia. Zudem muss der Kaufmann auch gerecht und gesetzestreu sein - die beiden seitlichen Grisaillen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann Merkur das Glück in das Haus hineinbringen, und der üppig geschmückte Handel kann den Reichtum wiederum an die Familie Köpf weitergeben.

Komposition und Ansichtigkeit

Durch die markanten Einschnitte der Vouten in den Deckenspiegeln stellen diese auch besondere Ansprüche an die Komposition. Im Wesentlichen verläuft diese linear von Süden nach Norden, also von der Divina Providentia in Flugrichtung des Merkur, hin zur Personifikation des Handels. Verstärkt wird diese mittige axiale Anordnung der Hauptfiguren durch verschiedene Lichteinfälle und Lichtstrahlen. Zudem tragen auch die Putten durch ihre Blickachsen und manche auch durch ihre Gestik dazu bei. Zugleich nehmen die Putten aber auch noch eine andere Rolle ein, indem sie den Betrachter beim Hinaufschreiten der Treppe gleichsam begrüßen und durch das Fresko führen. Diese Interaktion zwischen den verschiedenen Betrachter-Standpunkten und den jeweiligen darauf ausgerichteten Stellen des Freskos ist trotz der heutigen Treppensituation noch zu erahnen. Bereits am Fuße der Treppe, vom Vestibül aus, lässt sich nach ganz Oben ein Blick erhaschen, der zeigt, wie Merkur zur Personifikation des Handels fliegt. Allerdings wird das Deckengemälde erst ab dem zweiten Obergeschoss richtig sichtbar. Hier empfängt den Betrachter bereits in der einzigen vom Treppenaufgang freigelegten Ecke, im Nord-Westen, der Putto, der auf die Wange geklettert ist und mit dem Zweig in seiner Hand herabwinkt. Einige Stufen aufwärts grüßt auch das Pendant des ersten Putto aus der Nord-Ost-Ecke. Um diesen zu sehen, muss der Betrachter sich allerdings etwas zurückwenden, was automatisch passiert, sobald er das Wendepodest erreicht. Nun, direkt unter der Divina Providentia stehend, führen alle kompositorischen Linien den letzten Treppenabschnitt hinauf ins Dachgeschoss. Dies beginnt bereits bei den beiden die göttliche Vorsehung flankierenden Putten, die auf das andere Ende des Freskos blicken. Noch während dem letzten Abschnitt kreuzt der Blick wieder einen Putto, diesmal den an der Ostseite neben der Vase. Dieser lächelt einen frech an und verweist in einem Zeigegestus auf Merkur und somit erneut auf die axiale Anordnung. Letztlich oben im ersten Dachgeschoss angekommen, erwartet den Betrachter nur noch der Putto zu Füßen des personifizierten Handels. Während der Benutzer des Treppenhauses nun erst einmal durchatmen muss, sitzt der Putto bereits leger und völlig entspannt auf der obersten Stufe eines Podestes, und somit noch ein Stück weiter oben als der Betrachter.

Gestalterische Mittel

Die Farbpalette von Götz in diesem Fresko besteht aus sehr pastosen Farben. Im Bereich der Kuppel dominieren zarte Türkis- und Altrosatöne, die im hypäthralen Bereich hin zu einem hellen Grün, dem Himmelblau und rosa Wolken changieren. Farbliche Akzente setzen dabei die diversen vergoldeten Objekte sowie die Hauptfiguren. Dabei ist die Personifikation des Handels in einen Rot-Grün-Kontrast gekleidet, Merkur in ein blaugrün changierendes Gewand mit rotem Velum, und die Divina Providentia in Gelb und Lila. Letztere weist dabei den geringsten Kontrast zur Umgebung auf, was gleichzeitig das entrückte Moment in dem Wolkenbereich verstärkt. Die Lichtquellen des Freskos erfolgen nicht über die reale Architektur, sondern über fiktiven Lichteinfall durch die Scheinarchitektur. So ist eine nicht sichtbare Laterne über der Kuppel zu vermuten, die den Handel bestrahlt. Merkurs Beine wiederum könnten durch das reale Glockenfenster angestrahlt werden. Die Quadratura hingegen erleuchtet eine Lichtquelle im Westen.

Das Fresko macht einige Arbeitsweisen Göz’ sichtbar. Beispielsweise ist der gesamte Deckenspiegel von einer sehr feinen Quadrierung überzogen, die das Übertragen des Entwurfs auf die Decke ermöglichte.[31] Aber auch Ritzungen im Intonaco, der letzten Putzschicht, sind erkennbar, die dem Freskanten halfen, mit einem Zirkel die Konstruktion der Kuppel in den noch feuchten Putz anzuzeichnen. Darüber hinaus sind die Grenzen der Giornate, der einzelnen Tagwerke, beim Übergang der Scheinarchitektur in das Blau des Himmels sehr deutlich. Sie wirken wie eine zusätzliche Konturlinie. Da der Maler gewöhnlich, um scharfe Kanten zu bekommen, nicht bei der Quadratura aufhört, sondern ein Stück weiter in das Himmelblau hineinarbeitet, fällt die Tagwerksgrenze auch in diesen Bereich. Als Göz aber später die restliche Fläche mit Blau füllte, muss er einen anderen Blauton angemischt haben, was diese sichtbare Kante ergab.

Außerordentlich beachtenswert ist an dem Fresko der Sturzflug der Figur des Merkurs überkopf. Daneben sind aber auch die einzelnen Putti mit ihren liebenswerten Gesichtern und ihren freundlichen Blicken herausragend.

Vorlagen und Vergleiche

Eine direkte Vorlage des Freskos ist nicht auszumachen. Isphording versucht in seiner früheren Arbeit, mehrere Details auf verschiedene Vorbilder zurückzuführen. Zu nennen ist hier die Verwendung des Sterns in Werken von Eckstein, dem Lehrer von Göz, sowie der französische Einfluss in den muschelförmigen Rocaillen.[32] Den in das Bildfeld hineinfliegenden Merkur vergleicht er mit zwei Fresken in Wien, die allerdings keinen so spektakulären Halbgott in Rückenansicht zeigen.[33] Schlüssiger hingegen scheint der Vergleich mit dem zerstörten, aber in einem Stich überlieferten Fresko von Johann Holzer für das Schgerche Handelshaus.[34] Es zeigte im Zentrum den Handel mit Füllhorn und Caduceus, umgeben von Putten und Fama. Interessanterweise spielen auch hier zwei Putten mit einer Waage, die Gesetzestafeln des Köpfschen Freskos fehlen jedoch. Auch Merkur ist abgebildet, der im rechten Bildteil auf einem gemauerten Sims landet. Er ist aber bei weitem nicht so dynamisch und zentral dargestellt wie im Werk von Göz.

Forschungsstand

Die neueste kunsthistorische Betrachtung des Deckenfreskos fertigte Eduard Isphording in seinen beiden Göz-Monografien an.[35] Dabei bezieht er auch auf die um einige Jahre ältere Dissertation von Eduard Rübner mit ein, welcher erstmalig eine ikonographische Behandlung des Freskos vorlegte.[36]

Bibliographie

  • Augsburger Stadtlexikon. Hrsg. von Günther Grünsteudel et al.. 2. Aufl.. Augsburg 2020.
  • Bartel, Jürgen: Schönes altes Augsburg. Augsburg 1982.
  • Bátori, Ingrid: Die Reichsstadt Augsburg im 18. Jahrhundert. Verfassung, Finanzen und Reformversuche. Göttingen 1969.
  • Breuer, Tilmann: Die Stadt Augsburg. München 1958.
  • Dehio, Georg: Bayern III: Schwaben. 2. überarbeitete Aufl. München. Berlin 1989.
  • Hagen, Bernd von/ Wegener-Hüssen, Angelika: Denkmäler und Bayern. Stadt Augsburg. München 1994.
  • Hämmerle, Albert von: Johann Evangelist Holzer als Bildnismaler. In: Das Schwäbische Museum. Zeitschrift für Kultur, Kunst und Geschichte Schwabens. Augsburg 1931, S. 89 – 95.
  • Isphording, Eduard: Gottfried Bernhard Göz. 1708 — 1774. Ölgemälde und Zeichnungen. Weißenhorn 1982.
  • Isphording, Eduard: Gottfried Bernhard Göz. 1708 — 1774. Ein Augsburger Historienmaler des Rokoko und seine Fresken. Weißenhorn 1997.
  • Neue Augsburger Zeitung, Nr. 241, 16. Okt. 1937 „Augsburger Freskenpracht in Miniatur“.
  • Ripa, Cesare: Iconologia. Torino 2012.
  • Reitzenstein, Alexander von/ Brunner, Herbert: Bayern. 1: Bayern Süd: Oberbayern, Niederbayern, Schwaben. 9. Aufl. Stuttgart 1983.
  • Rüber, Eduard: Der Augsburger Maler und Kupferstecher Gottfried Bernhard Göz. 1708 - 1774. Diss. Würzburg, mschr. Würzburg 1923.
  • Tag des offenen Denkmals 2002. Hrsg. von der Stadt Augsburg. Augsburg 2002. https://www.augsburg.de/fileadmin/portale/stadtplanung/Publikationen/Tag_des_offenen_Denkmals/pdf/Tag_des_offenen_Denkmals_2002.pdf (zuletzt abgerufen am 02.12.2020).
  • Tag des offenen Denkmals 2010. Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr. Hrsg. von der Stadt Augsburg. Augsburg 2010. https://www.augsburg.de/fileadmin/portale/stadtplanung/Publikationen/Tag_des_offenen_Denkmals/pdf/Tag_des_offenen_Denkmals_2010.pdf (zuletzt abgerufen am 20.12.2020).
  • Trauchburg, Gabriele von/ Zorn, Wolfgang: Häuser und Gärten Augsburger Patrizier. München u. Berlin 2001.
  • Werner, Anton: Augsburger Häusergeschichte. Ein Beitrag zur Topographie Alt-Augsburgs. Manuskript 1977.
  • Wilhelm, Johannes: Augsburger Wandmalerei. 1368 - 1530. Handwerker und Zunft. Augsburg 1983.
  • Zeilenhofer, Iris: Steigenberger Hotel Drei Mohren Augsburg. Theo Gandenheimer gibt ersten Einblick in neue Suit. In: B4B Wirtschaftsleben Schwaben. Augsburg 2016. https://www.b4bschwaben.de/b4b-nachrichten/augsburg_artikel,-theo-gandenheimer-gibt-ersten-einblick-in-neue-suite-_arid,250201.html (zuletzt abgerufen am 02.12.2020).
  • Zimmermann, Eduard: Augsburger Zeichen und Wappen. Augsburg 1970.

Einzelnachweise

  1. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 53.
  2. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 53.; Wilhelm, Wandmalerei, 1983, S. 164-168 und Abb. 16-19.
  3. Zwei Porträts von Christian Georg von Köpf und dessen Frau Maria Magdalena geb. Wolf von Johann Evangelist Holzer: Hämmerle, Holzer, 1931, S. 89-95.
  4. Grünsteudel/Hägele/Frankenberger, Stadtlexikon, 1998.
  5. Breuer, Augsburg, 1958, S. 92.; Reitzenstein, Bayern, 1983, S. 75.
  6. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 47f.
  7. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 130-132.
  8. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 55f.
  9. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 49-52.
  10. https://www.b4bschwaben.de/b4b-nachrichten/augsburg_artikel,-theo-gandenheimer-gibt-ersten-einblick-in-neue-suite-_arid,250201.html (02.12.2020).
  11. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 53-56.; Grünsteudel/Hägele/Frankenberger, Stadtlexikon, 1998.
  12. vgl. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 49 Abb. am linken Bildausschnitt.
  13. Hagen/Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, S. 360.
  14. 14,0 14,1 Dehio, Kunstdenkmäler Augsburg, 1989, S. 134f.
  15. Krist-Krug, Augsburger Palais-Bauten, 2002.
  16. Trauchburg, Häuser, 2001.; vgl. Werner, Augsburger Häusergeschichte, 1977.
  17. Isphording, Göz, 1997.; vgl. Breuer, Augsburg, 1958.
  18. Bátori, Augsburg, 1969.
  19. Wilhelm, Wandmalerei, 1983.
  20. Eine Vermutung des ausgehenden 18. Jh. von Friedrich Hirsching, Isphording, Göz, 1997, S. 29, Anm. 133.
  21. München, Staatl. Graph. Sammlung, Inv.Nr. 1949,3; siehe auch Isphording, Göz, 1997, Kat.Nr. A I 1.
  22. Eine Kartusche für das Wappen ist bereits vorhanden, lediglich der Inhalt fehlt; Isphording verweist darauf, dass der Putto in einer Überlegung ergänzt wurde, die heute nicht mehr erhalten ist: Isphording, Göz, 1982, A I 1. Eine weitere Zeichnung mit gleichem Sujet stellte sich als Kopie nach dem Fresko heraus, da diese spiegelverkehrt das gesamte Bildfeld zeigte. Sie wurde im Aschaffenburger Schloss aufbewahrt, gilt aber seit 1932 als verschollen.; Isphording, Göz, 1982, D 1.
  23. Neue Augsburger Zeitung, Freskenpracht, 1937.
  24. Karl Nicolai, Allegorie des Handels 1937, 73,5 x 49 cm, Tempera auf Papier, Augsburg, Staatliche Museen und Kunstsammlungen, Inv.Nr. G 25184.
  25. Trauchburg, Häuser, 2001, S. 55; Hagen/Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, S. 360 verweist auf eine Renovierung des gesamten Gebäudes im Jahr darauf 1987.
  26. Ripa, Iconologia, 2012, S.415.
  27. Isphording, Göz, 1982, S. 212.; Isphording, Göz, 1997, S. 30 und Anm. 137.
  28. Isphording, Göz, 1997, S. 30, er orientiert sich dabei an dem Programm für St. Florian von 1746, von Daniel Gran. Auf der Entwurfszeichnung sind die Büste und der Obelisk darunter mit einer Ranke umwickelt, was der Beschreibung bei Ripa, Iconologia, 2012, S. 412f. entspricht, die zwar nur zwei Gesichter und einen Spiegel besitzt, aber auch von Laub umschlungen wird.
  29. Auch hier sei wieder auf die Zeichnung verwiesen, wo die Säule geschwungen ist und somit von Isphording in Anlehnung an Ripas als „das Horn der Fülle und deß Reichthumbs“ gedeutet wird: Isphording, Göz, 1982, S. 212.
  30. Zimmermann, Wappen, 1970, Tafel 37, 179.
  31. Die Seitenlänge der einzelnen Quadrate beträgt in etwa 15 cm.
  32. Isphording, Göz, 1983, S. 43.
  33. Martin Altomonte: Apotheose des Prinzen Eugen, 1716, Wien, Unteres Belvedere, Marmorsaal; Andrea Pozzo: Die Taten des Herkules, 1704/08, Wien, Gartenpalais Liechtenstein, Herkulessaal.
  34. Isphording, Göz, 1997, S. 29, Anm. 136.; Das Werk von Holzer ist nur noch in einem Nachstich von Johannes Esaias Nilson erhalten, betitelt Die Kaufmannschafft, 1741/1788, Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, Ins.Nr. JENilson AB 3.10.
  35. Isphording, Göz, 1982.; Isphording, Göz, 1997.
  36. Rüber, Göz, 1923.