Augsburg, Dasersches Haus, Ulrichsplatz 13, Lit A 109

Dreyer, Angelika:Augsburg, Daser’sches Haus, Ulrichsplatz 13, Lit. A. 109, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/508e3631-fbe5-4a7d-828e-d377d9903d1e

Inventarnummer: cbdd20039

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Mit dem 1762 bei Joseph Mages in Auftrag gegebenen Treppenhausfresko bekennt sich der kurz zuvor nach Augsburg gezogene Handelsherr Simon Daser dezidiert als Mitglied des ,Corpus Catholicorum‘. 2022 entdeckte man zudem Reste der Fassadenmalereien.

Lage, Entstehungs-, Bau- und Ausstattungsgeschichte

„Das Gebäude befindet sich am östlichen Ulrichsplatz in bester städtischer Lage am unteren Ende der das Augsburger Stadtbild prägenden Maximilianstraße, in unmittelbarer Umgebung der ehem. Reichsabtei St. Ulrich und Afra.[1] [...] Erstmals nachweisbar ist das Anwesen durch einen Eigentümerwechsel im Jahre 1597, das zudem über die üblichen Neben- und Rückgebäude verfügt. 1757 erwarb der als Handelsmann bezeichnete Simon Daser (gest. um 1772) das Haus und gab sowohl die Fassadengestaltung, als auch das 1762 signierte Fresko am ehemaligen Plafond des geräumigen Treppenhauses in Auftrag, das zeittypisch für wohlhabende Besitzer Augsburger Handelshäuser zwingend repräsentativ ausgestattet werden musste.[2][3]

Das Bauwerk

„Das an der Straßenseite traufseitige Patrizierhaus mit Hofdurchfahrt, Arkadengang und Satteldach ist mit seinem sechsachsigen und dreigeschossigen Aufbau als markantes Gebäude im Stadtgefüge weithin sichtbar.“

Der Auftraggeber: Der Handelsherr Simon Daser

 

Das Treppenhausfresko gab der Augsburger Handelsmann Simon Daser in Auftrag. Über seine Einordnung in die Augsburger Kaufmannsschaft und seine möglichen Intentionen bei der ikonographischen Themenwahl für das Treppenhausfresko gibt das Dasersche Handelszeichen interessante Hinweise:[4]

„Zum einen ist es für ein Handelszeichen sehr aufwändig gestaltet, was auf ein spätes Entstehungsdatum, vermutlich erst im 18. Jahrhundert hinweist. Oberhalb des Buchstaben D für Daser enthält es zudem die Buchstaben SI und nimmt daher mit großer Wahrscheinlichkeit direkt auf eben jenen Simon Daser Bezug, der das Haus am Ulrichsplatz 13 im Jahre 1757 erwarb. Sowohl der Erwerb und die malerische Ausstattung des Anwesens in Augsburger Bestlage, als auch das Handelszeichen als Signum für einen erfolgreichen Fernhandel, stehen vermutlich in einem direkten Zusammenhang. Neben den Initialen enthält das Handelszeichen als markanten Bildbestandteil einen Anker, der sich auf die interkontinentalen Handelsbeziehungen der Firma Daser bezieht, die über den risikoreicheren Schiffsweg angefahren werden mussten.“[5]

Der Künstler: Joseph Mages (1728–1769)

 

Der 1728 in Imst in Tirol geborene Joseph Mages kam mit einer eher unzureichenden Ausbildung nach Augsburg. Als achtes Kind eines Nagelschmiedes in eher ärmerlichen Verhältnissen aufgewachsen, konnten ihm seine Eltern nur eine Lehre bei einem unterdurchschnittlichen Maler finanzieren. Laut Überlieferung kommen hierfür entweder Joseph Anton I. Kapeller oder Joseph II. Wittwer in Frage. Die Episode um einen erfolglosen Besuch der Wiener Akademie dürfte den Künstlermythen zuzuordnen sein, denn diese war während des in Frage kommenden Zeitraumes (März 1745 und März 1749) geschlossen. Künstlerisch prägend war vielmehr sein Kontakt mit Franz de Paula Penz, einem geistlichen Baudirektor, der für kleine Kuratienkirche auf heimische Fachkräfte zurückgriff, für größere Aufträge hingegen auch gerne die künstlerisch begabteren Maler aus dem Umkreis der Augsburger Akademie, wie Johann Georg Bergmüller und Matthäus Günther engagierte. Der Anziehungskraft der Reichstättischen Kunstakademie folgend, gelang Mages in Augsburg durch die Heirat der Tochter des Malers Johann Georg Rothbletz in Schwaben sein Durchbruch als malerisch versierter Freskant.[6]

Das Treppenhausfresko: Anbetung Mariens und Jesu durch die vier Erdteile

,Beatam me dicent omnes generationes‘ – Fernhandel im Schutz der Gottesmutter Maria[7]

Inhaltlich zeigt das Bild die delikat und prachtvoll ausstaffierten vier Personifikationen der damals bekannten Erdteile, die – entsprechend dem Evangelium nach Lukas „[...] ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.“ (Lk 1,48) – mit ihren aufwärts gewandten Blicken und Gesten Maria und das Jesuskind preisen.

Die reich gewandete ,Europa‘, in der Hagen ein Abbild von Kaiserin Maria Theresia erkannte,[8] zeigt auf die der Gottesmutter dargebrachten brennenden Herzen. Während sie eine Krone auf dem Haupt trägt, lagern zwei weitere auf einem mit rotem Stoff gepolsterten Hocker. Zusammen mit ihrem Szepter in der Linken ist sie damit als Herrscherin über Österreich, Böhmen und Ungarn ausgewiesen; ihren goldbestickten Mantel halten zwei Pagen im Hintergrund. Hinter ihr und der angedeuteten Weltkugel steht, untergeordnet, die als ,Amerika‘ zu benennende Personifikation. Anhand der rotbraunen Hautfarbe, dem mit Pfeilen bestückten Köcher und der mit Federn geschmückten Kopfbedeckung ist sie zweifelsfrei zu identifizieren. Auf der gegenüberliegenden, linken Bildseite kniet die ebenfalls mit Szepter und Krone reich ausgestattete männliche ,Asia‘, deren Turban ein Halbmond schmückt. Über ihm schüttet ein verschmitzt zu Europa blickender Putto sein reich gefülltes Füllhorn aus, wesentliches Attribut der ,Abundantia‘,[9] und zeigt damit unmissverständlich an, wie der über die Meereswege erfolgte Fernhandel mit den mannigfaltigen Gütern des Osmanischen Reiches den Daserschen Wohlstand begründete. Auf den Stufen im Vordergrund lagert mit dunkler Hautfarbe die schlecht erhaltene Figur der ,Afrika‘.

Auf einem hohen Podest sitzt, oberhalb des für die „von nun an selig preisenden“ (Lk 1,84) Personifikationen der Erdteile reservierten Treppenabsatzes, die als Himmelskönigin bekrönte Maria auf einer Wolkenbank und hält dem Betrachter ihr nur mit einem weißen Tuch umschlungenes Söhnchen entgegen. Dieser grüßt mit seiner Rechten in einer herrschaftlichen Geste herab, während er in seiner Linken das Szepter hält. Er schreitet direkt auf den Betrachter zu und stützt dabei sein linkes Bein auf den als Sprosse benützten Querbalken des Buchstaben „H“ des groß am Himmel erscheinenden Christusmonogramms (IHS).

Das Vorbild für Mages: Bergmüllers Fresko in Fulpmes

 
Fulpmes

Das spielerisch und deshalb sehr reizvoll aufgefasste Standmotiv des Jesukindes entlehnte Mages einem Fresko von Bergmüller in Fulpmes in Tirol. Dieses Langhausfresko mit der vielfältigen Komposition des Augsburger Akademiedirektors aus den Jahren 1746/47 konnte Mages sehen und studieren, als er selbst dort an der Außenseite der Kirche die Knaußkapelle freskierte.[10] Schon in seiner Ausmalung in Dasing nahm Mages vielfältige Anleihen aus den Fresken von Bergmüllers in Fulpmes.[11]

Das Vorbild von Mages: Das Langhausfresko in St. Martin in Dasing 1756

Nicht nur die Ikonographie, sondern auch deren malerische Umsetzung ist eng an das bereits 1756 von Mages geschaffene Fresko im Langhaus der Dasinger Pfarrkirche angelehnt, konnte aber zugleich für den im Fernhandel erfolgreichen und offensichtlich katholischen Handelsherrn Simon Daser kaum passender gewählt und adaptiert werden. Während in Dasing, in Hinblick auf die dort thematisierte Schlacht von Lepanto und der in diesem Kampf untergehenden osmanischen Flotte, die stehende männliche Personifikation der ,Asia‘ auf die Erdkugel verweist und ,Europa‘ gegenüber auf der linken Seite kniet, tauschte Mages diese beiden Personifikationen hier in ihrer Bildpositionierung.[12]

Erhaltungszustand und Restaurierungen

„Ab 1990 restaurierte Ulrich Lucas das zufällig wiederentdeckte Stiegenhausfresko, welches sich, mitunter durch die vorangegangenen ,Misshandlungen‘ wie etwa der Abdeckung mit den angenagelten und verputzten Heraklitplatten in einem bedauernswerten Zustand befand.[13]

Lucas entfernte „zahllose Zementmörtel-, Gips- und Farbschichten“,[14] während zugleich ein doppelter Unterputz die Haftbarmachung der Malschicht erschwerte. Ein zeitweilig undichtes Dach hatte weiterhin umfangreiche Feuchtigkeitsschäden verursacht und die sich ablösende Malschicht war zudem offenkundig in der Vergangenheit unsachgemäß mit einem Besen abgekehrt und die so entstandenen Fehlschichten mit ungeeigneten Farben ergänzt worden. Der Restaurator befestigte daher die abfallende Putzschicht und klebte die Malschicht insgesamt an, während zeitgleich instabile Deckenbalken für neue Schwierigkeiten sorgten.[15]

Zugleich offenbarten sich während dieser Restaurierungsarbeiten auch einige interessante Details zum handwerklichen Vorgehen von Mages: Das mit 2,50 x 2,80 m eher kleinflächige Fresko besteht aus vier Tagwerken und war über eine bereits bestehende und nur angeraute Putzschicht aufgebracht worden.[16] „Das Smalteblau ist abgesoffen und größtenteils abgepulbert [sic!]?“,[17] ein Schaden, der vor allem durch eine zu schnelle Trocknung hervorgerufen werden kann. Dies legt den Schluss nahe, dass dieses Fresko vermutlich in den Sommermonaten angefertigt worden sein könnte. Aber auch der doppelte und damit saugstärkere Unterputz erwies sich für die Haltbarkeit des Freskos und seiner Farben offenbar als ungünstig.

Die heute mögliche, extreme Nahsicht aus einer eingebauten Empore erlaubt einen guten Blick auf die sehr engmaschige Rasterung. Mit Quadratfeldern von nicht mehr als 15 x 15 cm ist diese für die Malweise von Joseph Mages nicht typisch, vermutlich aber mit der geringeren Malfläche zu erklären. Malerisch gesehen hat das Fresko, trotz seiner wechselvollen Geschichte, eine vorzügliche Qualität, die nicht auf eine zögerlich agierende Schülerarbeit schließen lässt.[18][19]

Fassadenmalereien

Während der Restaurierung der Außenfassade entdeckte man 2022 am Erker unter den Fenstern des 1. Obergeschosses zwei stark zerstörte, monochrome Bildfelder, die auf eine Darstellung mit Putten, Trauben und Feuerstelle auf die Jahreszeiten Herbst und Winter schließen lassen. Ein Jahreszeitenzyklus über die beiden Stockwerke ist hier sehr wahrscheinlich. Zudem konnten auch im Innenhof Reste von Fassadenmalerei nachgewiesen werden.[20]

Damit kann nun für die allgemein durch Stetten überlieferten Fassadenmalereien von Mages am Daserschen Haus eine ikonographisch profane Schwerpunktsetzung mit benannt werden. Stetten, der die Fassadenmalereien von Joseph Mages in seiner Auflistung nun zu denjenigen zählt, denen er den guten Geschmack zubilligt, verweist auf das Gullmansche Haus[21] in der heutigen Annastraße 10 und das gegenüberliegende Zabuesnickische Anwesen[22] in der damaligen St. Anna Gasse. Auch das zu St. Ulrich gehörende Pfistersche-[23] und eben auch das Dasersche Haus[24] würden „seinem [Mages] Angedenken so gut Ehre machen.“[25] Weiterhin benennt Stetten für Mages noch die Fassadenmalerei für das „Toscanische auf dem alten Heumarkt“.[26]

Das bisher einzig benennbare, 1901 noch erhaltene Fassadenfresko schmückte das Gullmansche Haus in der Annastraße 10,[27] wovon sich zwar kein Bild, dafür aber eine schriftlich überlieferte Programmbeschreibung von Buff aus dem Jahre 1887 erhalten hat: „In Bezug auf die eigentliche Dekoration ist wohl von allen noch vorhandenen Augsburger Fassaden jener Zeit die von D. 219 in der St. Annastraße die reizendste. Sie wurde um 1760, jedenfalls vor 1765 von Josef Mages [...] für einen wohlhabenden Kaufmann gemalt. Die Fenster des ersten Geschosses sind je mit den entsprechenden des zweiten durch höchst elegante, meist in einem lichten Grau mit eigentümlich marmoriertem Hintergrunde gehaltenen Einlassungen zu kleineren vertikalen Gruppen verbunden. In der Mitte ist zwischen je den beiden Mittelfenstern des ersten und zweiten Stockwerkes über das Gerüste ein viereckig umschlossenes Gemälde von geringem Werte angelehnt, auf welchem die vier Elemente in Gestalt von Figuren dargestellt sind. Sonst sind die Füllungen des Rahmenwerkes der Fenster zwischen dem ersten und zweiten Geschosse mit lichtgrauen Putten und Vasen geschmückt, auf welch letzteren gelbe Figuren hocken. Die eigentlich dekorativen Teile dieser Fassade sind, mit Ausnahme einiger Stellen, noch gut erhalten.“[28]

Hascher entdeckte im Nachlass von Buff eine noch ausführlichere Beschreibung der genannten Personifikationen der vier Elemente.[29] Für die Luft stand eine weibliche Figur, die „vor einem Regenbogen auf Wolken schritt,“ rechts vor ihr fuhr Sol, das Element des Feuers vertretend, auf seinem Feuerwagen. Unter dem Feuerwagen sah man als Gegenstück zum Element des Feuers, Neptun mit dem Dreizack das Element des Wassers dargestellend und eine nicht näher spezifizierte, am Boden liegende Frau, personifizierte als viertes Element die Erde. Pfeiler an den Gebäudeseiten fassten die Gullmansche Fassadenmalerei ein.[30] Interessant ist hier die Verwendung einer dezidiert profanen Ikonographie sowohl für Dasersche Haus, als auch für die St. Annastraße 10.

Programm und Synthese: Simon Dasers Bekenntnis zum ,Corpus Catholicorum‘

Wie in der Arbeit zu Joseph Mages eingehend dargelegt, beinhaltet das Treppenhausfresko einerseits ein klares Bekenntnis des Kaufmanns Simon Daser zur Zugehörigkeit des ,Corpus Catholicorum‘ in der bikonfessionellen Reichsstadt Augsburg. Dieses Bekenntnis konzentriert sich allerdings allein auf die Innenräume, für die Fassade wählte Dasser hingegen mit den vier Jahreszeiten eine konfessionsneutrale Thematik. Die 2022 neu entdeckte Fassadenmalerei stellt damit als seltenes Beispiel einer visuellen Überlieferung die durch den schriftlichen Bericht des Polizeidirektors Wirschinger aus dem Jahre 1814 gefestigte Annahme in Zweifel, das an der Fassade sichtbar zur Schau gestellte konfessionelle Bekenntnis wäre ein entscheidender Grund für die aufwändige Bemalung der Augsburger Bürgerhäuser gewesen. Wirschinger schrieb hierzu: „Ganze Strassen prangen mit Heiligenbildern und warum? Entferne ich meine Maria, sagte mir ein Brauer, so entferne ich die Gäste. Der Handel verliert, wie Glocker, wie Casella behauptet, wenn das Bild fehlt. Ich will der ganzen Welt am Hause meine Religion zeigen, erklärte Werbermeister Schiftele; ich halte die Maria bei, äußerte sich der protestantische Kaufmann Bürge, um Gewerbe zu sichern. Seit das Haus N. katholisch geworden, hat dasselbe auch eine Maria, versetzte ein anderer Bürger.“[31]

Inwiefern sich hier erneut die „unsichtbare Grenze“[32] zwischen den Protestanten und den Katholiken zeigte, welche das öffentliche und geschäftliche Leben der bikonfessionellen Stadt bestimmte und an deren identitätsstiftenden, äußerlichen Abgrenzungsmerkmalen die bildende Kunst wesentlichen Anteil hatte, muss, wie im oberen Abschnitt bereits ausführlicher dargelegt, bezüglich der Fassadenmalerei eventuell neu überdacht werden.

Das reichsstädtische (Selbst-)Verständnis, der lebendige Austausch zwischen protestantischen und katholischen Bilderwelten und die stets klare Rückbesinnung auf das Kaiserhaus zeigt sich wiederum im Treppenhausfresko:


„Die Augsburger Friedensgemälde und ihre Rezeptionsgeschichte

Das Treppenhausfresko reiht Hagen kompositorisch ,in die Tradition der Friedensgemälde‘[33] ein und verweist auf deren verwandten Bildaufbau und Figurenerfindung. Er bezieht sich dabei konkret auf das Friedensgemälde von 1758,[34] das er als Bildtypus von Mages übernommen sieht, so dass lediglich die, einer protestantischen Aussage verpflichteten Personifikationen in den katholischen Kontext übertragen worden sind.

Auch wenn dieser Vorschlag von Hagen beim ersten anschaulichen Vergleich vielleicht etwas weit hergeholt erscheint, so lohnt er dennoch eine intensivere Auseinandersetzung. Hierfür ist jedoch eine einleitende Erklärung zu den Friedensgemälden und ihre umfassende Verbreitung notwendig: Die Friedensgemälde erschienen erstmals 1651 sowie 1652 und dann ab 1654 jährlich bis 1789 in ununterbrochener Folge als integraler Bestandteil des Friedensfestes am 8. August,[35] dem Hochfest der Augsburger Protestanten. Das Friedensfest hielt die Erinnerung an das Restitutionsedikt von 1629 wach, dem Zeitpunkt des größten Leides der Protestanten in der Stadt.[36] Die alljährlichen Feierlichkeiten entwickelten sich im 17. und 18. Jahrhundert zu dem Kristallisationspunkt ihrer konfessionellen Identität. Das hierbei gepflegte ,kulturelle Gedächtnis‘[37] bildete zudem das öffentliche Gegengewicht zu den jährlich viermal und meist von den Jesuiten abgehaltenen Kontroverspredigten und der ähnlich aufwändig gestalteten und den gesamten Stadtraum einnehmenden Fronleichnamsprozession der Katholiken.[38] Ein fester Bestandteil des mehrtägigen Hochfestes war der Kindergottesdienst, welcher, eigens separiert von den Festgottesdiensten, jeweils immer am Mittwoch nach dem 8. August stattfand und sich an alle protestantischen Kinder der Stadt richtete.[39] Bei diesem Anlass verteilten die Pfleger der Barfüßerkirche, unter Oberaufsicht des Ministeriums,[40] die mit ca. 46-55cm x 35–39 cm beträchtlich großen Friedensgemälde[41] nach dem sog. Kindergottesdienst an alle protestantischen Schüler vor der protestantischen Barfüßerkirche, der Kirche St. Anna und der protestantischen Ulrichskirche, und damit an allen Orten, an denen Gottesdienste für die evangelischen Schüler abgehalten wurden. Die unter großem finanziellen Aufwand angefertigten Friedensgemälde hatten die Aufgabe, das Kinderfest ,angenehmer und erwecklicher‘[42] zu gestalten und die ,Gottseelige Augen-Lust‘[43] in hohem Maße zu befriedigen.

Der Aufbau der Friedensgemälde ist stets zweiteilig angelegt: in der oberen Hälfte befindet sich ein Bild mit dezidiert protestantischer Ikonographie und im unteren Teil ein längeres Sinngedicht, welches das Bild in Versform ausführlich erklärt.[44] Inhaltlich greifen die, aus zahlreichen, explizit protestantischen Personifikationen kombinierten Bilder meist konfessionelle Glaubensinhalte, Friedensthematiken oder das Kaiserhaus als Beschützer des Friedens[45] auf.

Bei den Stechern und Verlegern griff man auf das durch die bikonfessionell organisierte Kunstakademie vielfältige Angebot aus den eigenen Reihen zurück.[46] In dem langen, hier angesprochenen Zeitraum zwischen 1756 und 1769 bildete die Gemeinschaft von Rugendas als Zeichner und Scheller als Stecher eine ganz eigene, ikonographisch teilweise sehr elaborierte Handschrift aus.[47]

Die Wahrnehmung der Friedensgemälde muss in der Stadt immens gewesen sein und kann nicht hoch genug veranschlagt werden: Allein die Vergabe der prachtvollen Stiche an alle rund 800 protestantischen Schüler[48] sorgte für deren umfangreiche Verbreitung, zumal die unglaubliche Größe und hohe künstlerische Qualität der Stiche, sowie die, in Versform verfasst, erklärenden Texte, auch dazu beitrugen, den Friedensgemälden in privaten Sammlungen oder gar als häusliche Zierde an der Wand in der Regel eine gewisse Dauerhaftigkeit zu verleihen. Neben den an die Schüler verteilten Blätter ist überliefert, dass ,etlich 1000. Exemplaria ausgetheilet [...] welche weit und breit in die Welt verschicket worden‘,[49] was Bellot dahingehend interpretiert, ,daß man etliche über tausend herstellte.‘[49]

Im direkten Vergleich des Stiches von 1758 mit dem Gemälde von Mages sieht Hagen nun Maria an die Stelle der ,Divina Providentia‘ gerückt. Die vor dem Altar kniende und bekrönte Matrone, im erklärenden Vers als Personifikation der ,Kirche Augsburgs‘ bezeichnet, verwandelte Mages in die Personifikation der ,Europa‘ in Gestalt von Kaiserin Maria Theresia.

An sich benötigt eine auf Wolken sitzende göttliche Gestalt (,Divina Providentia‘ resp. ,Maria mit Jesuskind‘) und eine vor dieser und einem Altar knienden Personifikation (,Kirche Augsburgs‘ resp. ,Europa‘) in der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht zwingend ein malerisches Vorbild. Betrachtet man diese These aber unter dem Gesichtspunkt der allgemein (omni-)präsenten Bildfindung der Friedensgemälde in der Stadt Augsburg, kann ihr durchaus Folge geleistet werden. Mit der Wahl des Themas (Lk 1,48) – die aus allen Kontinenten bestehende, preisende Gefolgschaft der Gottesmutter und ihres Sohns und das weiterhin sichtbare Christusmonogramm als gemeinhin jesuitisch akzentuiertes Zeichen - erfolgte bei dieser kompositionellen Bezugnahme auf die Friedensgemälde zugleich eine deutlich konfessionelle Abgrenzung und damit eine demonstrative Zuwendung zum katholischen Glauben durch Simon Daser als Hausherrn."[50]

Bibliographie

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  • Ammann, Fulpmes, 1987 — Ammann, Gert: Sakrale Kunst, in: Köfler, Werner / Pittl, Emerich (Hrsg.): Fulpmes, Fulpmes 1987, S. 86–107
  • Baur-Heinhold, Fassaden, 1981 — Baur-Heinhold, Margarete: Bemalte Fassaden. Geschichte, Vorbild, Technik, Erneuerung, München 1981 (3. Auflage)
  • Bellot, Friedensfest, 2003 — Bellot, Christoph: Den Frieden feiern: Das Augsburger Friedensfest. Anlass und Bildzeugnisse, in: Augustyn, Wolfgang (Hg.): PAX. Beiträge zu Idee und Darstellung des Friedens, München 2003 (Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, Bd. 15), S. 383–458
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  • Dreyer, Mages, 2017 — Dreyer, Angelika: Die Fresken von Joseph Mages (1728–1769). Zwischen barocker Frömmigkeit und katholischer Aufklärung (Studien zur christlichen Kunst, 12), Regensburg 2017
  • Hagen/Wegener-Hüssen, Augsburg, 1994 — Hagen, Bernt von / Wegener-Hüssen, Angelika (Hgg.): Stadt Augsburg. Ensembles-Baudenkmäler-Archäologische Denkmäler, München 1994 (Denkmäler in Bayern, Bd. VII.83), S. 446–447
  • Hascher, Fassadenmalerei, 1996 — Hascher, Doris: Fassadenmalerei in Augsburg vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Augsburg 1996
  • (Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen, Schriftenreihe des Historischen Vereins für Schwaben, Bd. 16)
  • Hertel, Sinnbilder, 1970 — Hertel, Johann Georg: Des berühmten italiänischen Ritters Caesaris Ripae allerley Künsten und Wissenschaften dienliche Sinnbilder und Gedancken, Augsburg o.J. [spätestens 1761] (Wirth, Ilse: Nachdruck versehen mit einer Einleitung, Legenden zu den Tafeln und mit einem Register, München 1970)
  • Hirsching, Nachrichten, 1786 — Hirsching, Friedrich Karl Gottlob: Nachrichten von sehenswürdigen Gemälde= und Kupferstichsammlungen, Münz= Gemmen= Kunst= und Naturalienkabinetten, Sammlungen von Modellen, Maschinen, physikalischen und mathematischen Instrumenten, anatomischen Präparaten und botanischen Gärten in Teutschland nach alphabetischer Ordnung der Städte, Bd. 1, Erlangen 1786
  • Jesse, Friedensgemälde, 1981—Jesse, Horst: Friedensgemälde (1650–1789). Zum Hohen Friedensfest am 8. August in Augsburg, Pfaffenhofen a.d. Ilm 1981
  • Lindner, Mages, 1984 — Lindner, Gabriele: Vorarbeiten zum Leben und Werk von Joseph Mages (Mag. masch.), Augsburg 1984
  • Lipowsky, Künstler=Lexikon, 1810 — Lipowsky, Felix, Joseph: Baierisches Künstler=Lexikon, Bd. 1, München 1810
  • Pfaud, Bürgerhaus, 1976 — Pfaud, Robert: Das Bürgerhaus in Augsburg, Tübingen 1976 (Das deutsche Bürgerhaus, Bd. 24)
  • Roth, Augen-Lust, 1730 — Roth, Johann Michael (Hg.): Gottselige Augen-Lust an der Augsburgischen Fridens-Gemählden [...], Augsburg 1730
  • Steinbacher, Weltteile, 2022 — Steinbacher, Magdalena: Die Anbetung des Christuskindes durch die vier Weltteile, in: Angelika Dreyer, Andrea Gottdang, Christof Trepesch (Hgg.): Pax & Pecunia. Kunst, Kommerz und Kaufmannstugend in der Augsburger Deckenmalerei, Petersberg 2022, S. 130–132
  • Stetten, Frauenzimmer, 1765 — Stetten, Paul von: Erläuterungen der in Kupfer gestochenen Vorstellungen, aus der Geschichte der Reichsstadt Augsburg. In historischen Briefen an ein Frauenzimmer, Augsburg 1765
  • Stetten, Augsburg, 1779 — Stetten, Paul von: Kunst-, Gewerb- und Handwerks-Geschichte der Reichs-Stadt Augsburg, Augsburg 1779
  • Teuscher, Rugendas, 1998 — Teuscher, Andrea: Die Künstlerfamilie Rugendas (1666–1858). Werkverzeichnis zur Druckgraphik, Augsburg 1998 (Augsburger Museumsschriften, Bd. 9)
  • Vetter, Gaststätten, 1918/1919 — Vetter, August: Berühmte Alt=Augsburger Gaststätten. Von der Wirtschaft zur Linde (B 14), in: Augsburger Rundschau. Illustrierte Wochenschrift für Theater, Konzerte, Kunst und Leben, 1. Jg. (1918/1919), Nr. 21 (22. Februar 1919), S. 221-223
  • Welisch, Maler 1901 — Welisch, Ernst: Augsburger Maler im 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geschichte des Barock und Rokoko, Augsburg 1901
  • Werner, Häusergeschichte, 1977 — Werner, Anton: Augsburger Häusergeschichte. Ein Beitrag zur Topographie Alt-Augsburgs, Augsburg 1977
  • Zimmermann, Zeichen, 1970 — Zimmermann, Eduard: Augsburger Zeichen und Wappen umfassend die Bürger der Reichsstadt Augsburg und die Inhaber höherer geistlicher Würden der Bischofsstadt Augsburg, Augsburg 1970

Einzelnachweise

  1. Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 495. Die Bezeichnung als Dasersches Haus geht auf Stetten zurück: Stetten, Augsburg, 1779, Bd. 2, S. 328. Die Augsburger Hausbezeichnung ist A 109. 1757 erwarb der Handelsmann Simon Daser das Gebäude, 1806 wechselte das Gebäude erneut den Eigentümer.
  2. Zu den umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten der Augsburger Treppenhäuser siehe: Pfaud, Bürgerhaus, 1976, S. 122–130. Zum Haus am Ulrichsplatz 13 siehe: Hagen/Wegener-Hüssen, Augsburg, 1994, S. 446.
  3. Dreyer, 2017, S. 199.
  4. Zimmermann, Zeichen, 1970, Tafel 27, Nr. 778.
  5. Dreyer, Mages, 2017, S. 200.
  6. Dreyer, Mages, 2017, S. 15–39
  7. Der gesamte Abschnitt bezieht sich teilweise wörtlich auf: Dreyer, Mages, 2017, S. 201–202. Insgesamt hierzu siehe auch: Steinbacher, Weltteile, 2022.
  8. Hagen/Wegener-Hüssen, Augsburg, 1994, S. 446.
  9. Ripa, Iconologia, 1611, S. 1f. Unter „Abundantia“, „Der Überfluß“ bei: Hertel, Sinnbilder, 1970, Figur 34.
  10. Amman, Fulpmes, 1980 und Ammann, Fulpmes, 1987.
  11. Dreyer, Mages, 2017, S. 202.
  12. Dreyer, Mages, 2017, S. 201.
  13. Werkstätte für Restaurierung von Kunst- und Baudenkmälern Ulrich Lucas, Ochsengasse 31, 89077 Ulm. Von ihm stammt auch die am 3.11.1997 im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München eingegangene und dort archivierte Dokumentation, auf die sich der folgende Abschnitt bezieht: Lucas, Ulrich: Dokumentation des Vorzustandes sowie der Konservierungsmassnahmen in Kurzform anläßlich Notsicherung und Konservierung des ehem. Stiegenhausfrescos von Josef Mages (signiert und datiert 1762). Augsburg Ulrichsplatz 13, Haus Dr. Pfaff. Die Restaurierung im Auftrag der Hauseigentümerin, Frau Dr. Carola Pfaff, dauerte vom 9.4.1990 bis zum 25.8.1990. Die Signatur am linken unteren Rand am Treppenpodest unterhalb des Schuhes der männlichen Personifikation der „Asia“ ist im Restaurierungsbericht als Abb. 25c beigefügt, nur mehr schwer erkennbar und lautet: „Mages pinxit 1762“.
  14. Lucas, Ulrich: Dokumentation des Vorzustandes sowie der Konservierungsmassnahmen (Manuskript im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München), S. 8. Die genagelten Heraklitplatten hatten eine Größe von gerade einmal 3,14 cm x 100 cm.
  15. Lucas, Ulrich: Dokumentation des Vorzustandes sowie der Konservierungsmassnahmen (Manuskript im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München), S. 9–15.
  16. Lucas, Ulrich: Dokumentation des Vorzustandes sowie der Konservierungsmassnahmen (Manuskript im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München), S. 2: „angepickt und erneut mit Grund- und Frescoputz versehen, mit abschließender Hohlkehle und Stuckstab in den Ecken.“
  17. Lucas, Ulrich: Dokumentation des Vorzustandes sowie der Konservierungsmassnahmen (Manuskript im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München), S. 7.
  18. Lucas konstatiert in seinem Restaurierungsbericht, Mages habe bei diesem Fresko Kartons verwendet, er nimmt sogar eine Wiederverwendung von Kartons aus der Dasinger Pfarrkirche an. Allerdings stimmen die Köpfe keineswegs direkt mit Dasing überein und am Fresko selbst, welches durch eine eingebaute Galerie von unmittelbarer Nähe aus betrachtet werden kann und zudem bestens ausgeleuchtet ist, sind keinerlei Spuren oder Abdrücke von einem Karton erkennbar. Siehe hierzu: Lucas, Ulrich: Dokumentation des Vorzustandes sowie der Konservierungsmassnahmen (Manuskript im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München), S. 6.
  19. Der gesamt Abschnitt ist ein Zitat aus: Dreyer, Mages, 2017, S. 200.
  20. Inaugenscheinnahme bei einer Ortsbegehung am 31.8.2022 mit dem Eigentümer Marcus Peter.
  21. Stetten, Frauenzimmer, 1765 , S. 245. Später von ihm als Fournierisches Haus bezeichnet: Stetten, Augsburg, 1779, S. 328.
  22. Stetten, Augsburg, 1779, S. 328. Zuvor 1765 bezeichnet er dieses Anwesen als Gaillardisches Haus: Stetten, Frauenzimmer, 1765, S. 245. Dieses und die folgenden Häuser sind auch aufgeführt in: Stadtbibliothek Augsburg, Cod. v. Halder 30, Bl. 6 und 19. Siehe hierzu auch: Lindner, Mages, 1984, S. 229.
  23. Stetten, Frauenzimmer, 1765 , S. 245; weiterhin: Stetten, Augsburg, 1779, Bd. 2, S. 328; die Nennung erfolgt ohne jeden Hinweis auf die verlorene Darstellung. Siehe auch weiterhin: Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 99 und S. 496. Die Malereien gaben nach Aussage von Stetten die Brüder Matthias und Ignatz Pfister in Auftrag, welche das Anwesen 1756 von Maria Anna Hertl erwarben und deren Familie es erst 1799 weiter verkaufte. Genannt auch bei: Lindner, Mages, 1984, S. 41 und S. 58 (A 110), S. 239. Dieses und auch die folgenden Häuser nennt Stetten auch in einem im Ferdinandeum erhaltenen Schreiben an Dipauli: MS Innsbruck, Ferdinandeum Dip. 1104, S. 233f.
  24. Stetten, Frauenzimmer, 1765, S. 245; weiterhin: Stetten, Augsburg, 1779, S. 328. Die Nennung erfolgt auch hier ohne jeden Hinweis auf die Darstellung. Siehe weiterhin: Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 99 und S. 495. Genannt auch bei Lindner, Mages, 1984, S. 41 und S. 58 (A 109), wobei die hier am Rand vermerkte „Madonna mit vier Erdteilen“ auf das erst 1990 wiederentdeckte Stiegenhausfresko Bezug nimmt.
  25. Stetten, Augsburg, 1779, S. 328. Lobend erwähnt auch bei: Stetten, Frauenzimmer, 1765, S. 245. Hirsching, Nachrichten, 1786, Bd. 1, S. 73 nennt diese Fassadenmalereien ebenfalls und lobt die dort gezeigte Kunstfertigkeit: „Von Joseph Mages, einem vorzüglich geschickten Kunstmaler auf nassem Wurf, sind das Furnische Haus in der St. Annagasse, ein Teil des Zabueskischen gegenüber, wie auch das Pfisterer= und Dasersche bey St. Ulrich, die seinem Andenken eben so gut zur Ehre gereichen, als seine schönen Altarblätter.“ Lipowsky nennt Mages nur als Fassadenmaler, ohne Häuser zu bezeichnen: Lipowsky, Künstler=Lexikon, 1810, Bd. 1, S. 189.
  26. Stetten, Frauenzimmer, 1765, S. 245. Bei dem unter der Bezeichnung „Toskanisches Haus auf dem Heumarkt“ genannten Anwesen D 23 handelt es sich um ein altes Goldschmiedeanwesen, siehe hierzu: Werner, Häusergeschichte, 1977, S. 52. Darüber hinaus listet Lindner noch weitere Aufträge auf, die in dem von Gode Krämer aus zahllosen versteckten Notizen und Randbemerkungen zusammengestellten, handschriftlichen Archiv im Schätzlerpalais zu finden sind. Das hier für eine Fassadenmalerei von Mages aufgeführte Anwesen B 14 ist hingegen schon 1566 von Raphael Custos bemalt worden, eine Fassadengestaltung, die 1919 noch erhalten war, siehe hierzu: Vetter, Gaststätten, 1918/1919, S. 222 (Abb. und Text). Mages malte hier den Plafond des großen Saales. Bei den von Lindner vorgenommenen Vorarbeiten kommt es zudem zu einigen Überschneidungen und Doppelnennungen der Anwesen, die den bei einem Eigentümerwechsel einhergehenden Namensänderungen geschuldet sind. Diese konnten im Rahmen der reinen Sammeltätigkeit nicht erkannt werden, siehe hierzu: Lindner, Mages, 1984, S. 41f. und S. 58f.
  27. Welisch, Maler 1901, S. 76; Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 254f. Wie auch: Baur-Heinhold, Fassade, 1981, S. 67.
  28. Buff, Fassadenmalereien, 1886/1887, S. 176.
  29. Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 245f. Sie zitiert hier den Nachlass Buff, Kasten. Hausmalerei 32.2.
  30. Dieses Detail findet sich bei: Hascher, Fassadenmalerei, 1996, S. 99.
  31. Fassl 1988, S. 67. François 1991, S. 147 verweist auf die Äußerung des Jesuiten Christoph Otto von 1661, der betonte, dass die Katholiken möglichst viele Kreuze an ihren Häusern anbrächten „zu anzeigen Ihres Christenthumbs“, die Protestanten in Augsburg ihre Häuser hingegen nicht kennzeichnen würden. Siehe auch: Dreyer, Mages, 2017, S. 195–198.
  32. Buchtitel von: François 1991. Er begründet hierin vielfältig seine These, das städtische Leben sei wesentlich vom Miteinander und Gegeneinander der konfessionellen Identitäten geprägt worden.
  33. Hagen/Wegener-Hüssen, Augsburg, 1994, S. 446. Zu den Friedensgemälden siehe: Albrecht, Friedensgemälde, 1983. Neben einer umfassenden Einführung finden sich sämtliche Friedensgemälde abgebildet bei: Jesse, Friedensgemälde, 1981. Zum Werk von Jeremias Gottlob Rugendas (2.12.1712–21.4.1772) siehe insbesondere: Teuscher, Rugendas, 1998, S. 174–184. Aufschlussreich ist zudem: Bellot, Friedensfest, 2003. Weiterhin wichtig in Bezug auf das Friedensfest: Hoffmann, Carl A. u.a. (Hrsg): Als Friede möglich war. 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden, Regensburg 2005 (Kat. Ausst., Augsburg 2005), bes. S. 631–648.
  34. Abgebildet bei: Jesse, Friedensgemälde, 1981, S. 298f. Inhaltlich besprochen u.a. bei: Albrecht, Friedensgemälde, 1983, S. 125.
  35. Bellot, Friedensfest, 2003, S. 386 und S. 409. Weiterhin mit diesem bis auf wenige Details übereinstimmend: Jesse, Friedensgemälde, 1981, S. 54–56. Der 8. August ist der Jahrestag der Verkündung des Restitutionsedikts. An diesem Jahrestag gedachte (und gedenkt) man jährlich unter Bezugnahme auf die Friedensthematik der „Errettung“ der Augsburger Protestanten und des Beginns des Westfälischen Friedens.
  36. Das ungemein harte Vorgehen gegen die protestantische Gemeinde zu dieser Zeit, welche die Bleibenden und Standhaften durchaus in die Nähe des konfessionellen Märtyrertums brachte, beschreibt: Bellot, Friedensfest, 2003, S. 394.
  37. Bellot, Friedensfest, 2003, S. 430. Wie das von Bellot als „kulturelles Gedächtnis“ bezeichnete Fest gestaltet werden konnte und wie dabei alle Grenzen des Möglichen ausgelotet wurden, beschreibt er ausführlich in: Bellot, Friedensfest, 2003, S. 383, S. 388 und S. 397–407.
  38. Bellot berichtet ausführlich über die Dekorationen in der Stadt, die musikalische Begleitung der Feierlichkeiten und vieles mehr: Bellot, Friedensfest, 2003.
  39. Albrecht, Friedensgemälde, 1983, S. 32–34. Weiterhin: Jesse 1981, S. 54. Ausführlich über diesen Teil des Friedensfestes berichtet: Bellot, Friedensfest, 2003, S. 399f. Der Festgottesdienst ersetzte die sonst an diesem Tag übliche Mittwochs-Kinderlehre.
  40. Bellot, Friedensfest, 2003, S. 409f.
  41. Bellot, Friedensfest, 2003, S. 451, Anm. 158. Allein die Bilder maßen 29–31 cm x 22–24 cm: Jesse, Friedensgemälde, 1981, S. 36.
  42. Bellot, Friedensfest, 2003, S. 413.
  43. Roth, Augen-Lust, 1730, S. 61 und Abb. S. 8.
  44. Zu den Sinngedichten, für die übrigens kein Autor überliefert ist: Jesse, Friedensgemälde, 1981, S. 63–72.
  45. Bellot, Friedensfest, 2003, S. 416f.
  46. Albrecht, Friedensgemälde, 1983, S. 38f.
  47. Albrecht, Friedensgemälde, 1983, S. 123–136. Weiterhin: Jesse, S. 43 und S. 294–321 und: Bellot, Friedensfest, 2003, S. 455. Zusammenfassend auch bei: Teuscher, Rugendas, 1998, S. 180–184, Nr. 705–720.
  48. Genaue Zahlen der protestantischen Schüler und weitere Literatur nennt: Bellot, Friedensfest, 2003, S. 451, Anm. 165.
  49. 49,0 49,1 Bellot, Friedensfest, 2003, S. 410.
  50. Dreyer, Mages, 2017, S.202–204.