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Au am Inn, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Krankenkapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 58, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Krankenkapelle, heute Schwesternkapelle

Zum Bauwerk: Im Erdgeschoß des östlichen Konventtrakts, der 1687/88 durch Domenico Cristoforo Zuccali erbaut wurde, ließ Propst Alexander Kaut zwischen zwei Krankenzimmern eine Kapelle errichten. Am 10.6.1689 bat er um Genehmigung zum Messelesen auf einem altare portabile (Rödle). Die Kapelle wurde nach Übernahme des Klosters durch die Franziskanerinnen von Dillingen nach 1854 durch Abtragen der Trennmauern in Nord-Süd-Richtung um drei Joche zur Schwesternkapelle erweitert und mit einer neubarocken Ausstattung versehen. Von der Sakristei trennt sie ein einjochiger Abstellraum.

Rechteckiger Raum von ursprünglich zwei, jetzt fünf Achsen. Die ursprünglichen zwei Joche sind durch einfache Stuckfelder an der Decke unterteilt. Belichtung von Osten.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Franz Mareis (* 1664 † 1732) 1700/10. Signatur am Hundehalsband (nicht eindeutig) ZMI oder FMP (= Franz Mareis pinxit?).

Das Deckengemälde ist in die gleiche Zeit wie der einfache Felderstuck mit Akanthusranken zu datieren. Es ist sicher vom gleichen Maler, der die Bibliotheksbilder gemalt hat. Die Autorschaft des Wasserburger Malers Franz Mareis liegt nahe.

Die Decke der ehemaligen Klosterbibliothek

Er war nachweislich für das Kloster tätig; sein Bruder war seit 1676 Konventuale in Au (s. S. 348). Im Gegensatz zu dem von Mareis 1717 signierten Altarbild »St. Joachim« in der Stiftskirche hätten wir in der Krankenkapelle ein relativ frühes Werk von Mareis vor uns.

Auftraggeber: Propst Franz Millauer (1689–1710)

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke

Rahmen: Stuckprofilrahmen mit Blattkranz, der in eine Felderdecke eingeschnitten ist

Technik: Öl auf Leinwand; polychrom M.O. II:1. D 1

Maße: Höhe 4,00 m; Durchmesser 2,00 m

Der Raum hatte ursprünglich die Maße 6,30×6,10 m; das Bild liegt in der N/S-Achse.

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das Deckenbild wurde 1955 gereinigt und mit Öl und Eiweiß behandelt. Letzte Restaurierung 1988 von Heide Grote, München. Der Zustand ist gut.

Beschreibung und Ikonographie

GLORIE DER HLL. SEBASTIAN UND ROCHUS Das Deckenbild nimmt zwei Joche ein; Blickrichtung nach N. Es zeigt eine Wolkenszenerie mit vielen Putten und Puttenköpfchen, die sich um die beiden Pestpatrone drängen. Zwei Putten halten Lorbeerkränze über die Häupter der Heiligen, sowie Palmzweige als Martyrerlohn. Sebastian ist als lockiger jugendlicher Mann mit kräftigen Muskeln gezeigt. Er ist in einen Umhang gehüllt und hält sein Marterinstrument, einen Pfeil, in der Hand. (Der Pfeil wurde zum Symbol für die Pest, weil die Krankheit den Menschen ebenso unerwartet treffen kann.) Rochus ist als älterer bärtiger Pilger wiedergegeben; er deutet auf eine Pestbeule am entblößten Knie. Dieser Heilige widmete sich auf seiner Pilgerreise nach Rom den Pestkranken in Mantua und wurde selbst von der Krankheit erfaßt. Er zog sich zurück, wurde von einem Hund, der ihm täglich Brot brachte, ernährt und genas.

Die Pest während und nach dem Dreißigjährigen Krieg war zum Zeitpunkt des Klosterbaus noch nicht gebannt.