Antwort, Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt
ANTWORT
Filial- und Wallfahrtskirche, Pfarrei Endorf, Gemeinde Bad Endorf, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Antwort war bis 1806 Filiale der Pfarrei Eggstätt, die dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert war; zusammen mit Endorf bildete es eine eigene Kuratie. Die alte Wallfahrt zum Gnadenbild >Unserer Lieben Frau im Tal< blühte seit der Mitte des 17. Jh. von Neuem auf und existiert heute noch. Herrschaftsgericht Wildenwart
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Früheste Erwähnung der Kirche 924 in einer Salzburger Urkunde. Spätgotischer Neubau im 15. Jh. (Weihe wahrscheinlich 1496), der im 17. Jh. zunehmend baufällig wurde. Der Kontrakt zum Neubau wurde zwischen Propst Rupert Kögl von Herrenchiemsee (1653–88), dem Wildenwarter Verwalter Achaz Wilhelm Waginger und dem Graubündner Baumeister Lorenzo Sciasca geschlossen, der auch die Domkirche in Herrenchiemsee gebaut hatte. Das neue Langhaus sollte die gleiche Größe wie das alte haben, der Chor um 12 Schuh (ca. 3,60 m) nach Osten verlängert und der ganze Bau um 4 Schuh (ca. 1,20 m) höher werden. Abbruch 1687, am 1.5.1687 Grundsteinlegung zur neuen Kirche durch P. Sebastian Zollner, Dekan von Herrenchiemsee. Erster Gottesdienst am 8.12.1687, Ende 1688 war die Kirche bis auf das Pflaster und Kleinigkeiten fertiggestellt; die Arbeiten führte der Wildenwarter Gerichtsmaurermeister Ruprecht Seimbl weiter. Weihe der Kirche am 8.4. 1697 durch Sigmund II. Carl Graf von Castel-Barco, Bischof von Chiemsee. Kanzel 1699 von Georg Tag, Bildhauer in Wasserburg. Hochaltar 1713, Seitenaltäre 1714/15. Innendekoration 1747, seither keine wesentlichen Änderungen. Der namentlich nicht überlieferte Stuckator ist offensichtlich mit dem Formengut Johann Bap-tist Zimmermanns vertraut: Bomhard bringt Emmeram Widmann von Rott am Inn als Autor in Vorschlag (KKF Nr. 1027 S.9). Der Hochaltar wurde 1888/89 unter Verwendung alter Teile verändert. Das Altarblatt, wohl von Jacob Carnutsch zeigt den Ratschluß der Erlösung. Die Seitenfiguren Katharina und Barbara stammen vom alten Hochaltar, Bomhard schlägt den Rosenheimer Bildhauer Joseph Wolf vor. Die Seitenaltäre sind bis auf die Altarblätter noch alt, die Figuren dürften ebenfalls von Wolf sein.
Saal zu drei Jochen mit Gliederung durch Wandpfeiler geschweifte Doppelempore im W (die untere von 1780, die obere 19. Jh.); eingezogener Chor mit halbkreisförmigem Schluß, Pilasterordnung. Belichtung im LHs durch je drei schlanke hochrechteckige Fenster von N und S, im Chor durch je eines von N und S.
Auftraggeber: Propst Floridus Rappel (1736-59) von Herrenchiemsee. Kurat für die Eggstätter Filialen Antwort und Endorf war der Herrenchiemseer Konventuale P. Franciscus Grillenberger. Die Kosten der Ausmalung sind in der Kirchenrechnung vermerkt (s.u.). Die Stuckierung wurde aus Spenden finanziert; s. dazu die Beschreibung der Kirche von 1827: »Dieselbe ist wohl gros, schön geziert durch die Wohltätigkeit eines dortigen schon verstorbenen Müllers - Lettl mi Namen« (AEM). Die Müllerfamilie Lettl betrieb das Grafmüllergut zu Antwort. Neben dem Begräbniseintrag eines Müllers Sebastian Lettl am 16.4.1821 ist vermerkt: »Sonderbarer großer Gutthäter des marianischen Gotteshauses zu Antwort« (AEM, Matrikeln Endorf), was sich aber aus zeitlichen Gründen nicht auf die Dekoration 1747 beziehen kann.
Autor und Entstehungszeit: Joseph Adam Mölk (* 1714 Rodaun bei Wien † 1794 Wien) 1747. Signatur in A Joseph Adam Mölckh Pinxit. 1747.
Eintrag in der Kirchenrechnung 1747: »... nachdem hier einige Guetthaetter im löbl: unserer lieben Frauen Gottshaus auf ihre Costen sauber ausstokhatorn lassen, so ist zur mehrern Zierdte solches auch in Fresco ausgemahlen und Joseph Adam Mölckh Mahlern zu Walchsee Landts Tyroll accordiertermassen hiervon bezahlt worden ... 126 f.«.
Die Deckengemälde in Antwort sind die frühesten, die Mölk in Oberbayern geschaffen hat. Die kräftige, etwas kühle Farbgebung entspricht seinem persönlichen Stil seit der Mitte der 40er Jahre. Damals lebte Mölk in Walchsee bei Kufstein und wurde mehrfach in Pfarreien beschäftigt, die Herrenchiemsee inkorporiert waren. So freskierte er 1749 Umrathshausen (S. 499) und 1750 Neukirchen (S. 360). 1759 malte Mölk die Schloßkapelle in Nymphenburg aus (CBD, Bd 3/II, S. 397–400).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Stichkappentonne Rahmen: Vergoldete Stuckprofile, in den Achsen mit Frühformen von Rocaillen besetzt Technik: Fresko. Die Deckenbilder sind polychrom Maße: A Höhe 9,70 m; 11,60 × 6,30 B Höhe 8,50 m; 2,90 × 2,60 B 11011c 6, 10111, 2,90 × 2,00 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung 1851/52. Innenrestaurierung 1888/89 mit Neufassung des Raums und weitgehender Übermalung der Deckenbilder durch Josef Hitzinger aus Teisendorf. Bei der Innenrestaurierung 1948 durch Max Faltner aus Rosenheim wurde der Raum wieder neu gefaßt, die Fresken durch Hans Pfohmann, Hohenschäftlarn, von Übermalungen befreit und restauriert. Durch einen Schwelbrand am 23.10.1978 wurde das gesamte Kircheninnere, besonders aber Wände und Decke stark verrußt. 1981/82 erfolgte die Reinigung und Restaurierung der Deckenbilder durch Manfred Lauber, Bad Endorf, wobei weitere Übermalungen entfernt und ältere Risse gekittet und eingestimmt wurden. Der Zustand ist gut.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke von LHs und AR ist einheitlich mit reichem Dekor in den (für 1747 schon etwas veralteten) Formen des frühen Rokoko geschmückt; die großformatigen Bildfelder werden von zartem Bandwerk umgeben, in das jeweils vier Kartuschen gesetzt sind, im LHs mit Rocaille-Rahmung, im AR mit Palmzweigen und zarten Blütenranken. Am Chorbogen leitet eine große Rocaille-Kartusche mit Palmzweigen und Blütengirlanden zum eingezogenen Chor. Die geschweifte Empore überschneidet die westliche Ausbuchtung des LHs-Freskos bis zur figürlichen Darstellung.
A HIMMELFAHRT MARIENS Das langgestreckte Fresko faßt die drei Joche des LHs zusammen. Der Betrachterstandpunkt für die Hauptszene, die zwei Drittel des Bildes einnimmt, liegt etwas westlich unter der Bildmitte; der Westrand des Freskos, beim Eintritt in die Kirche von der vorschwingenden Empore verdeckt, zeigt eine Szene, die zur übrigen Darstellung kopfsteht.
Zentrum der Darstellung ist die auf Wolken in den Himmel auffahrende Maria. Sie ist in einfachem Gewand mit Mantel gegeben, ohne zusätzliche Attribute, von Putten und einem Engel begleitet. Der irdische Schauplatz ist in der östlichen Bildhälfte entlang des Rahmens im Halbrund leicht untersichtig angelegt. Hier sind die zwölf Apostel auf Felsgestein, im S vom Rahmen überschnitten, um den Sarkophag Mariens versammelt, der auf einer Stufenanlage im Zentrum aufragt. An den nördlichen Bildrand ist als rahmendes Motiv ein barock geschwungenes marmoriertes Mauerstück mit Schmuckvase in stärkerer Untersicht gesetzt, auf beiden Seiten werden die Figurengruppen von grünen Baumwipfeln abgeschlossen. Über der südlichen Baumkrone ist als Versatzstück eines antiken Friedhofs eine steinerne Pyramidenform mit Totenschädel und Knochen angedeutet.
Die gesättigten Buntwerte der Apostelfiguren im Gegensatz zu der lichten Gruppe über dem Sarkophag bewirken eine starke Höhenillusion, die von zentralen Fluchtlinien unterstützt wird. Dennoch wirkt die motivische Anordnung der Apostel als Repoussoirfiguren einer Himmelfahrt wenig geglückt; bis auf die beiden Figuren am Sarkophag, den Apostel auf der Südseite mit Mantel und ausgebreiteten Armen und den Apostel neben ihm, von dem nur der Kopf sichtbar ist, beziehen sich die Blickrichtungen weder auf den Sarkophag noch auf die himmlische Erscheinung. Die Männer auf der Nordseite sind aufgereiht im Profil gegeben, auf der Südseite in der vordersten Bildebene ist die Wendung der Gesichter en face als Blick aus dem Bild heraus zu deuten.
Die Szene in der Gegenblickrichtung schließt kompositionell die helle Wolkenpartie über Maria zu einer Art Glorie zusammen und ist oberer Abschluß des Hochformats. Es sind vier Engel in Gewändern mit Musikinstrumenten – Horn, Pauke, Triangel und Notenblatt – dargestellt, die ihre Blicke nach oben zur Glorie wenden.
Farblich ist das Bildfeld sehr ausgewogen. Große komplementäre Farbpartien stehen in unmittelbarer Nachbarschaft wie die gelbgoldene Wolke vor graublauem Himmel und die rotbraunen Töne der Gewänder mit dem Grünbraun der Landschaftsteile. Im entrückten Zentrum sind die Farben mit Weißmischungen sehr licht, in der Engelsgruppe im W kommt sogar ein reines Weiß vor, das die Bunttöne, Rot, Blau und Hellgrün an den Engelsflügeln und Gewändern steigert.
Die legendäre Szene der Himmelfahrt Mariens vollzieht sich im Fresko im Kreise aller zwölf Apostel, von denen einige persönlich gekennzeichnet sind, wie Petrus mit Bart, Schlüssel und Buch (über dem Stein mit der Künstler-Signatur) oder der jugendliche Johannes.
I–4 VIER KIRCHENVÄTER In den Kartuschen der Gewölbezwickel des LHs sind die Kirchenväter in Halbfigur dargestellt. 1 AUGUSTINUS Er hat vor sich auf einem Tisch ein Buch liegen und hält das brennende Herz in der Hand. 2 GREGOR DER GROSSE Der heilige Papst trägt die Tiara auf dem Haupt; die Taube fliegt zu seinem Ohr. 3 HIERONYMUS Er ist in Büßerkleidung dargestellt, vor ihm liegt der Kardinalshut, hinter dem Tisch ist der Löwe zu sehen. Während Hieronymus in ein Buch schreibt, wendet er den Blick zum Himmel, wo eine Trompete erscheint. AMBROSIUS Er taucht die Feder in ein Tintenfaß und hat sein Attribut, den Bienenstock, bei sich.
B ENGEL VEREHREN DIE DREIFALTIGKEIT Das nahezu kreisrunde Format wird von den kleinen Schwüngen der Rahmung bewegt und an den vier Achsen von Kartuschen übergriffen. Der Betrachterstandpunkt liegt unterhalb des Chorbogens, die Szene ist einansichtig. Der auferstandene Christus mit Wundmalen und Kreuz thront auf Wolken mit Gottvater und dem Heiligen Geist, der als Jüngling mit sieben Flammen um sein Haupt dargestellt ist. Zu Füßen der Gruppe sind – teils in Rückenansicht – betend vier große Engel dargestellt. Ihre Figuren sind, wie die ganze Szene, wenig untersichtig gegeben. Trotz der guten Beleuchtung des Chorscheitels zeichnet sich das Bild durch sehr dunkle, starke Farbwerte von Blau, Rot und Ockergelb aus, was möglicherweise auf die Restaurierungen zurückzuführen, aber der Illusion einer überirdischen Erscheinung abträglich ist.
5-8 VIER EVANGELISTEN In den Gewölbezwickeln des AR sind die Evangelisten in Halbfigur mit ihren Büchern und Schreibfedern dargestellt.
5 MARKUS mit dem Löwen 6 JOHANNES mit dem Adler, der das Tintenfaß hält 7 MATTHÄUS mit dem Engel 8 LUKAS mit dem Stier
Auf dem Hochaltar steht das Gnadenbild »Unsere Liebe Frau im Tal«, eine kleine thronende Madonna mit Kind, die nach der Legende von der Antworter Ache angeschwemmt wurde (zuerst 1656 berichtet). Die Wallfahrt ist schon 1538 erwähnt. Im 18. Jh. wurden in Antwort die »Goldenen Samstage« gefeiert, besonders feierliche Marienmessen an den drei Samstagen nach Michaeli (29.9.). Ein großes Fest für das Volk war die Antworter Kirta an Maria Himmelfahrt (15.8.). Die Wallfahrt besteht noch.
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Endorf, 172 0001 01: Pfarrbeschreibung 1827 von Pfarrer Joseph Malachias Arbeiter; 172 8132 01: Reparatur und Konsekration der Filialkirche Antwort 1686- 1697; 172 8132 02: Filialkirche Antwort 1888–1934. Pfarrarchiv Endorf, Rechnungen der Filial-Kirchenstiftung Antwort 1744–1806, 2. Band, Rechnung des Jahres 1747 (Fresken fol. 312).
BLtD, Akt Antwort, Filial- und Walltahrtskirche Mariä Himmelfahrt.
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 596 f. KDB I OB (2) S. 1572
Bomhard, Bd 2, S. 201–11, Anm. S. 467–69, Quellen S. 522 f. Bomhard, Peter von, Endorf/Chiemgau (= KKF Nr. 1027), München und Zürich 1975, S. 8–12.
o.V. (wu/re), Pest und Schwelbrand erlebt, in: Oberbayrisches Volksblatt vom 17.5.1997.
Dehio 1990, S. 51f.
Naimer, Erwin, Das Bistum Chiemsee in der Neuzeit (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim Bd XI), Rosenheim 1990, S. 52. Festschrift zur 300-Jahrfeier 1997.
Müller, Werner, Bad Endorf. Ein historischer Spaziergang lurch die Jahrhunderte, Bad Endorf 2000. Antwort S. 82–87. A D /V C
ATTEL AM INN
Ehem. Benediktinerabtei Pfarrei und Stadt Wasserburg Erzdiözese München und Freising Ehem. Klosterhofmark Attel Gericht Wasserburg
Zur Geschichte: Gründung des Benediktinerklosters 1038 durch Graf Arnold von Andechs. Um 1137 Errichtung einer dreischiffigen Basilika. Vor 1145 wurde Attel Abtei, die nach einer Zeit des Niedergangs im 15. Jh. durch die Melker Reformbewegung neuen Aufschwung erlebte. Der Abtei waren die Pfarreien Attel, Eiselfing mit Griesstätt und die Stadtpfarrei Wasserburg inkorporiert. Nach den Schäden des Dreißigjährigen Krieges unter Abt Engelbert III. Fischer (1669–87) Wiederaufbau, in dessen Verlauf auch die Sakristei und der darüberliegende Mönchschor errichtet wurden. Die Abteikirche, die gleichzeitig Pfarrkirche der dem Kloster inkorporierten Pfarrei Attel war, wurde in den Jahren 1713-15 nach Entwürfen des Abtes Cajetan Scheyerl (1703-23) errichtet, Weihe 1715. Nach der Säkularisation standen die Klostergebäude lange leer, 1874 wurden sie von den Barmherzigen Brüdern erworben. Heute sind sie in Besitz der »Stiftung Attl - Einrichtung für behinderte Menschen«. Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche der Pfarrei Attel. Zur Pfarrei gehört auch der ehem. Mönchschor.