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Annaberg Buchholz, Rathaus

Aus Deckenmalerei-Lab
Hertzig, Stefan:Annaberg-Buchholz, Rathaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/113a9741-4b8d-4fbc-9ee4-4c48ad7c0280

Inventarnummer: cbdd20051

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das Rathaus von Annaberg ist ein Barockbau, der 1754 errichtet wurde und Teile des Vorgängerbaus aus dem 16. Jahrhundert enthält. Im „Bergmeister-“ oder „Berghauptmannszimmer“ finden sich reiche Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die 1939 wiederentdeckt und freigelegt wurden.

Das Rathaus

Baugeschichte / Beschreibung

Das Annaberger Rathaus ist ein am Markt freistehender Barockbau, der im Jahre 1754 weitgehend nach den Plänen des Dresdner Akzisebaudirektors Johann Christoph Naumann (1664–1742) errichtet worden war. Dabei waren Teile des Vorgängerbaus von 1533–38, integriert worden. Dieser war mehrere Male durch Stadtbrände beschädigt worden, so dass im Inneren heute noch Reste eines Wendelsteins aus dem 16. Jahrhundert vorhanden sind. Der kubische, dreigeschossige Bau, der mit zwölf Achsen zum Platz und mit vier zur Seite weist, ist mit Hochrechteckfenstern mit Ohrenfaschen geschmückt. Im Jahre 1864 wurden an den zuvor sehr schlichten Fassaden durch aufgebrachte Putznutungen und Schlusssteine die Ecken und das Erdgeschoss betont. Des Weiteren wurde ein vierachsiger Mittelrisalit ausgebildet, dem man einen gusseisernen Balkon voransetzte. Ein hohes, schiefergedecktes Satteldach mit in zwei Reihen angebrachten Gaupen und einem uhrengeschmückten Dachreiter mit barocker Haube bilden den Abschluss.[1]

Bergmeister-“ oder „Berghauptmannszimmer"

Im ersten Obergeschoss des Rathauses befindet sich das sog. „Bergmeister-“ oder „Berghauptmannszimmer“, das mit reichen Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausgestattet ist.

Gesamtmalerei „Bergmeister-“ oder „Berghauptmannszimmer“

Gesamtmalerei

Die Malereien von unbekannter Hand waren bei einer Restaurierungsmaßnahme im Jahre 1939 wiederentdeckt, freigelegt und ergänzt worden. Vor schmucklosem, weißem Grund sind die verschiedenen inneren Stichbogennischen sowie die beiden Eingangsportale des Saales mit einer ornamentalen und teilweise figürlichen Rollwerksmalerei in kräftigen Gelb-, Rot- und Blautönen geschmückt.

Malereiabschnitte

Die inneren Nischen sowie eine kleine, rechteckige Blindtüre werden durch Rollwerksornamente in Form großer Blattranken eingerahmt, die im Wesentlichen aus sich wiederholenden S-förmigen Schwüngen bestehen. Den dekorativen Hauptakzent des Raumes bildet aber die aufgemalte Rahmenarchitektur der beiden großen Rundbogenportale: Diese werden jeweils von marmorierten, toskanischen Pilastern eingefasst, die sich auf hohen Sockeln mit Diamantquaderungen erheben. Darüber sitzen jeweils profilierte Gebälke, die in ihren Friesen ihrerseits mit drei solchen versehen sind; die Bogenzwickel sind mit Blattwerk gefüllt. Oberhalb der Gebälke befinden sich große Kartuschen in Form stehender Ovale. Diese sind mit reichem Rollwerksornament und einem bekrönendem, geflügeltem Engelsköpfchen geschmückt und werden an den Seiten von allegorischen Figuren begleitet. An der einen Türe ist die Kartusche vom Annaberger Stadtwappen gefüllt. Links und rechts davon stehen zwei Posaune blasende Engel in langen Gewändern. Oberhalb der zweiten Türe befindet sich in der Mitte das kursächsische Wappen, zu dessen Linker sich die Allegorie des Glaubens (Fides) mit Kreuz und Kelch befindet. Ebenso wie diese in ein langes, weißes Kleid gehüllt, erhebt sich auf der gegenüberliegenden Seite die Gerechtigkeit (Justitia) mit Schwert und Waage in den Händen.

Bibliographie

  • Steche, Richard: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 4. Heft, Dresden 1885.
  • Bechter Barbara/Fastenrath Vinattieri, Wiebke: Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, in: Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München/Berlin 1998.

Einzelnachweise

  1. Steche, Bau- und Kunstdenkmäler, 1885, S. 3; Bechter/Fastenrath Vinattieri, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz in: Dehio, Kunstdenkmäler, 1998, S. 17f.