Alzgern, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Pfarrkirche, Stadt Neuötting, Diözese Passau; z.Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Gars. Die Pfarre Alzgern war dem Kurfürstlichen Propsteigericht Altötting unterstellt. In der Kirche befand sich ein Mariengnadenbild. Gericht Neuötting
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Tuffsteinquaderbau, im Kern spätromanisch (LHs-Mauern und Westturm), im 15. Jh. erweitert. Bei der Barockisierung 1788 wurde der spätgotische Innenraum nicht wesentlich verändert: es wurden nur die Rippen abgenommen und der Raum geweißt (s. u.). Der ausführende Maurermeister war mit Sicherheit Anton Hechel aus Neuötting, der seit 1780 fast jährlich Reparaturen an den Kirchen von Alzgern und St. Johann ausführte. Aus der gleichen Zeit stammen Seitenaltäre und Kanzel. Der neuromanische Hochaltar wurde 1938 durch einen neubarocken Altar ersetzt (Jakob Christl, Passau), der das spätgotische Gnadenbild aufnahm.
Saalbau zu vier Achsen, Empore im W; gleich breiter AR zu zwei Achsen, dreiseitig geschlossen (Gesamtmaße 26×8 m). Gliederung durch abgefaste Pfeiler (die beiden westlichen mit vorgelegter Halbsäule) mit gotischen gerillten Kapitellen. Die spitzen Schildbögen schließen barock veränderte Fenster ein. Belichtung auf der Nordseite durch drei, auf der Südseite durch fünf Fenster.
Auftraggeber: Johann Baptist Adam Knodt (1760-1794), Pfarrvikar von Alzgern, dessen Grabstein sich am nördlichen Eingang befindet. Er war der Urheber des Bildprogramms. Er ist mit seiner Gemeinde im Chorfresko dargestellt. Pfarrer

Knodt dürfte die Barockisierung teilweise aus eigenen Mitteln finanziert haben, denn das Propsteigericht verrechnete die

Kosten mit ihm mit einer Summe von nur 50f. »Dem Herrn Pfarrer in Alzgern, Herrn Johann Adam Knoth, sind für die confirmierte Arbeit ex 75 f., als nämlich vors Ausweißen beim Pfarrgottshaus und zugleich die Sengel im Gewölb abzunehmen per aversam bezahlt worden vi scheins 50f.« (Kirchenrechnung 1788). Johann Baptist Knodt war 36 Jahre lang Pfarrer in Alzgern und starb 73jährig in Alzgern am 5.7.1794. In seinem 1775 verfaßten Testament vermachte er sein Vermögen den Armen, da »die Gottshäuser in meinen Lebszeiten ihre Erbportion empfangen... auch fürderhin höchst beflissen sein werde, bemelten an Zierde und allen Erforderlichkeiten möglichst beizuhelfen«. Propsteidirektor Johann Georg Kellner focht nach Knodts Tod dieses Testament gegenüber dem Kurf. Geistl. Rat an mit der Begründung, in den Rechnungen käme »kein Kreuzer verehrtes Geld vor«, obgleich auch die Pfarrgemeinde Beiträge geleistet hätte und allein das Propsteigericht 475 f. Die Kirchenausstattungen tat er als voluptuarisch ab: »Wenn all und jede in den Kirchenbau verwendete Unkösten genau untersucht würden, so werden sich mehrer voluptuarische als nothwendig und nüzliche dato noch zeigen, wovon man nur zum Beispiel anführen will das kostpielige Todtenbeinhaus, und Ausmahlung der Kirche. Hätte H. Knoth betrachtet, daß die Einnahmen kaum die nötigsten Ausgaben tragen und das Gottshaus einen Schuldenstand von 1200 f. hat, wäre er mehr auf reellen Nuzen bedacht gewesen.«
O Pfarrer Knodt verwandte auch 2000 f. »mit Beischaffung der Orgl, Errichtung des Chors, Erbauung des Schulhaus und Erkaufung des Güetls hierzu um Stiftung einer höchstnotwendigen Schulhaltung und Music ins Gotteshaus« (BHStA, GL 3050 Nr. 60). Er stellte Johann Gaislehner als Mesner und Lehrer auf (1767-1815), der vielleicht in dem Mann im Westen von Fresko A über der Orgel porträtiert worden ist. Auch der Propsteidirektor Maximilian Heinrich Kellner von Altötting und der Regierungsregistrator Wieser in Burghausen gehörten zu dem Personen- und Freundeskreis um Pfarrer Knodt und sind vielleicht im Patronatsbild B dargestellt.
Autor und Entstehungszeit: Franz Joseph Soll (* 1734 Friedingen/Donau, † 1798 Trostberg; s. S. 244). Signatur in A Franz Joseph Soll pinxit 1788.
Zur Ausmalung Solls in der Pfarrkirche Alzgern gehören die großen Wandbilder in den Schrägseiten des Altarschlusses, die Fresken an der Emporenbrüstung und zwei Gemälde an der Kanzelbrüstung (Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, Predigt Jesu). Soll malte auch die Seitenaltarbilder, nördlich: Hl. Eustachius vor dem Hirsch (signiert F. Joseph Soll pinxit pictor zu Trostberg), im Auszug Madonna von der schönen Liebe; südlich: Hl. Wendelin, signiert und datiert F. Joseph Soll Fecit in Trostberg 1789, im Auszug Hl. Georg.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR verschliffenes gotisches Rippengewölbe mit Stichkappen Rahmen: Durchgehend gemalte Gewölbedekoration Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 6,50 m; 13,20×4,00 B Höhe 6,75 m; 6,50×4,00 W1-2 ca. 3,60×2,00 <math>EB_{1-2}</math> 0,70×1,20 EB ATOVI O
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Deckenmalereien waren durch die ungünstigen Raumverhältnisse - geringe Raumhöhe, geringe Luftzirkulation - schon früh angegriffen. Bei einer geplanten Restaurierung 1903 wurde ein »pilzartiger Überschlag« festgestellt und zusätzlich zu der Hl.-Geist-Öffnung eine weitere Ventilationsmöglichkeit gefordert. 1907 wurden die Fresken durch Jakob Huwyler, München, restauriert. Eine weitere Restaurierung führte Valentin Vitzthum aus Perach 1935 durch. 1952 waren die Wände wiederum mit Moos überzogen, zur besseren Entfeuchtung wurden Entwässerungsgraben und Drainage eingerichtet. 1957 Tünchung der Innenwände. Letzte umfassende Restaurierung der Fresken 1968 durch Irmgard Schlee und Alois Brandstetter, Altötting. Damals waren die Fresken wieder »verstaubt und verschimmelt«; sie wurden gereinigt und teilweise eingestimmt. 1977 wurden beim Einbau einer neuen Orgel in das barocke Gehäuse die Emporenbrüstungsbilder gereinigt. - Die Fresken sind zwar überarbeitet, doch ist die Malerei Solls einigermaßen original erhalten und in verhältnismäßig gutem Zustand. Bei den Fresken im Altarraum, B und W ist die Farbenbetanz ziemlich abgerieben
Beschreibung und Ikonographie
Das gotische Spitztonnengewölbe ist nur notdürftig verschliffen. Es wird von einem einzigen großen Fresko eingenommen. Das Fresko zeigt eine Scheinarchitektur, die die relativ niedrige Decke illusionistisch erhöht und weitet; sie zieht sich über die Zwickel fast bis zu den Konsolen hinab. An den Zwickelenden, die imitierte Rahmung umspielend, sind grisaillefarbene Rocaillekartuschen zu sehen, in denen jeweils ein Puttenpärchen eine goldfarbene Girlande am Gewölbe zu befestigen sucht. Die Stichkappen zeigen gemalte goldfarbene Rocailleornamente auf hellgrünen Feldern mit marmorroter Einfassung, womit die Farbigkeit der Scheinarchitektur aufgenommen wird. Der westliche Raumteil über der Orgel ist mit einfacher Ornamentik in Weiß und Gelb dekoriert.
A ESTHER VOR AHASVER (Esth 5,1–7 und 6, 2–6) Die biblische Szene spielt in einem weiten, prachtvollen Festsaal, wobei die Zentralperspektive der Scheinarchitektur dem Betrachter die Illusion vermitteln soll, am Geschehen teilzunehmen. Über dem gotischen Kirchenraum erhebt sich ein Prunksaal in hochbarocken Formen aus grauviolettem, rotem und grünem Marmor und reich mit Gold verziert. Statt dem in Wirklichkeit ziemlich spitzen Gewölbescheitel wird eine breite flache Saaldecke vorgetäuscht, die in fünf Felder mit Brokatmusterung aufgeteilt ist, das mittlere ist überkuppelt. Sechs Säulenpaare über fast mannshohen Sockelaufbauten tragen diese Decke und gliedern die Wände des langgestreckten Saales in Kompartimente auf. Zu jedem Abteil führen geschwungene Treppen hinauf, auf denen sich Höflinge aufhalten. In den Eckräumen sind die Wachen postiert; dies rakter.



Eine Inschriftkartusche am Chorbogen bezeichnet die Szene in der Hauptansicht auf der Ostseite: Die / Königin Esther , bittend / für Ihr Volck. Ahasver thront unter einem lambrequingefaßten grünen Samtbaldachin, der seitlich aufgebauschist. Die Stufen zum Thron sind mit rot-grün-changierender Seide ausgelegt, und hier stehen zwei Pagen des Königs mit Pergamenten, die Ahasvers Versprechen an Esther wiedergeben: Dieses Gesäz ist nicht für dich sondern für alle andere. Ester 5. und: Wan Du auch das halbe Königreich begehren wirst, so solt es dir gegeben werden. Ester C 5 V. 3 (= Esth 5. 1-3).
Die Möglichkeiten dieses Bildvorwurfs, barocke Pracht zu entfalten, wird hier von Soll voll ausgeschöpft. Er belebt den königlichen Palast mit zahlreichen Figuren, die er teils antikisch-biblisch mit Turbanen und römischen Rüstungen schmückt, teils im Stil des Rokoko mit weißgepuderten Perücken, Federhüten und geschnürten Miedern. Auf die prunkvolle Kleidung und den Schmuck des Königs und Esthers verwendet er viel Sorgfalt.
Ahasver trägt ein gelbes Unterkleid, scharlachroten Umhang mit Hermelinkragen, Kette und Krone. Er neigt sich weit nach vorne zu Esther, die tief unter ihm kniet. Esther ist bekleidet mit einem reichdrapierten goldbrokatenen Rock, einer hellblauen, durchsichtigen Bluse und einem langen purpurfarbenen Mantel mit Goldborte, dessen Schleppe von den Dienerinnen getragen wird. Das Haar ist hochgesteckt und mit Perlen durchflochten. Ahasver streckt sein Zepter aus als Zeichen der Gewährung, und Esther neigt in vollendeter Anmut ihr Gesicht auf das Zepter. Die Begleiterinnen Esthers sind vier Hofdamen in pastellfarbenen Stoffen aus Samt und Seide. Als Pendant zu den Frauen Esthers erscheint rechts vom Thron Haman, orientalisch prächtig in Turban, Schärpe und weiten Beinkleidern, mit seiner Frau Seresch und seinen Beratern. Erhöht in den Kuppelräumen stehen geharnischte Soldaten mit Hellebarde.
Die Szene der fürbittenden Esther am Thron des Ahasver wird häufig dargestellt. Esther wurde von Ahasver aufgrund ihrer großen Schönheit unter vielen Bewerberinnen zur neuen Königin gewählt. Ihre Vorgängerin, Königin Vasthi, war von Ahasver verstoßen worden, weil sie den königlichen Befehl mißachtet hatte, aus Anlaß einer großen Feier, bei der der König seinen Glanz und Reichtum zur Schau stellte, ihre Schönheit den Völkern und Fürsten zu zeigen. Die Waise Esther, die mit ihrem Onkel Mordechai als Jüdin in Persien lebte, verheimlichte auf dessen Rat ihre jüdische Herkunft. Der Günstling des Königs war Haman, dem Mordechai die verlangte Ehrerbietung verweigerte; damit zog er Hamans Zorn auf sich. Um Mordechai zu vernichten, erkaufte sich Haman von Ahasver für zehntausend Silbertalente die Erlaubnis, alle Angehörigen des Volkes, dem dieser angehörte, auszurotten. Für Mordechai ließ er einen fünfzig Ellen hohen Pfahl errichten. In der Zwischenzeit wurde Ahasver auf Mordechai aufmerksam, über den ihm berichtet wurde, daß er eine Verschwörung gegen ihn aufgedeckt und abgewendet habe. Mit hohen Ehren wollte er ihn dafür auszeichnen. Mordechai, dem der Vernichtungsplan gegen die Juden bekannt war, forderte Esther auf, beim König für ihr Volk zu bitten. Obwohl das unaufgeforderte Erscheinen vor dem König mit dem Tod bestraft wurde, ging Esther dieses Wagnis ein. Sie legte ihre Prachtgewänder an, schmückte sich und erschien in Begleitung zweier Dienerinnen im vollen Glanz ihrer Schönheit. Auch der König »hatte sein Prachtgewand angelegt, ganz in Gold und Edelsteinen. Er erhob sein Antlitz, das in Herrlichkeit erstrahlte, und blickte in grimmigem Zorne auf«. Als Esther vor Entsetzen in Ohnmacht fiel, »wandelte Gott den Geist des Königs und neigte ihn zur Milde. Er sprang von seinem Thron auf und nahm sie in die Arme und sagte: Sei getrost! Du wirst nicht sterben! Denn unser Befehl gilt nur im allgemeinen. Dann erhob er den goldenen Stab und legte ihn auf ihren Hals als Zeichen der Begnadigung und sprach: Was ist dein Begehren? Bis zur Hälfte des Königreiches sei es erfüllt.« Esther lud den König und Haman zu einem Gastmahl ein, wo sie ihre Bitte um Schonung ihres Volkes vorbrachte und Ahasver ihr Erfüllung versprach. Haman flehte Esther auf ihrem Lager um Gnade an. Der König legte ihm diese Zudringlichkeit falsch aus und ließ ihn augenblicklich an dem für Mordechai errichteten Pfahl hängen. Esther und Mordechai aber erhielten den königlichen Siegelring, den Haman getragen hatte, und verfügten einen Erlaß zugunsten der Juden.

Esther tritt hier als typologisches Vorbild für Maria auf. Wie sie vor Ahasver für ihr Volk eintrat, so bittet Maria vor Christus für ihr Volk, hier für die Gemeinde von Alzgern (Fresko B). »Dieses Gesetz gilt nicht für dich« wird auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens bezogen. Wegen des Bezugs auf Maria als Fürbitterin war die Esther-Geschichte in der barocken Deckenmalerei sehr beliebt.


Weder in den seitlichen Raumkompartimenten noch in der Westansicht sind weitere Szenen der Esther-Geschichte dargestellt wie etwa der Tod Hamans o.ä. An der Südseite sieh man Damen, Soldaten und Höflinge ohne handlungsmäßigen Zusammenhang. Sind es in der östlichen Hälfte noch Figuren in historischen Trachten, dem biblischen Geschehen oberflächlich zugeordnet, so zeigt Soll in der westlichen Hälfte zeitgenössische Figuren. An der SW-Ecke hat sich Soll selbst porträtiert, zusammen mit seiner zweiten Frau Maria Rosalia Späth aus Marienberg (verh. 1779; ihr Doppelbildnis ist auch im Heimatmuseum Trostberg und im Fresko von St. Johann zu sehen). Beide erscheinen hier nicht in zeitgenössischer Tracht wie in St. Johann, sondern in phantasievollen Gewändern wie die biblischen Gäste. Frau Soll zeigt bewundernd auf ihren Mann, dieser zeigt mit der Rechten zur Decke und mit der Linken auf den Mann neben ihm, der den Hut zieht und winkt. Es hat den Anschein, als habe auch er sich an der Ausstattung von Alzgern verdient gemacht – möglicherweise handelt es sich um den Baumeister Anton Hechel aus Neuötting oder den Bildhauer der schönen Seitenaltäre (Johann Georg Lindt?). Ihre heitere Miene drückt die Befriedigung über die gelungene Verwandlung eines strengen gotischen Sakralraums in einen heiter-festlichen Prunksaal von solch unmittelbarer Lebendigkeit aus.
Auf der Nordseite schauen zwei festlich geschmückte Damen aus dem Bild, auch sie stellen sicher zeitgenössische Personen dar. Der prächtige Höfling in Pluderhosen schaut sie bewundernd an und versucht ihnen Zutritt in den Saal zu verschaffen, indem er den Wachposten beiseite schiebt.
Am Eingang herrscht munterer Aufruhr, in den ein Herr in zeitgenössischer Kleidung mit Mozartfrisur verwickelt ist. Zwei Hunde flankieren den Eingang. Sie sind den Wächtern zugeordnet, die in blau-weiß-goldener Aufmachung posieren. Durch die halbgeöffnete Tür schaut mit einem vergnügten Grinsen ein Mann herein, vielleicht der Mesner? Dieser Spaß erinnert an gleichzeitige Musikstücke, wie sie Mozart sich mit seinem »Musikalischen Spaß« oder Haydn mit seiner »Abschiedssymphonie« erlaubt haben.
B DIE GEMEINDE ALZGERN EMPFIEHLT SICH DEM SCHUTZ DER GOTTESMUTTER Die Patronatsszene erstreckt sich über die beiden AR-Joche und ist im Gegensatz zum LHs-Fresko im geschweiften Barockrahmen um die Zwickel herumgezogen. Stichkappen und Zwickel sind mit Rocaillekartuschen in Weiß und Gold auf grüngrau getöntem Grund dekoriert. Die einansichtige Darstellung zeigt in der östlichen Ansicht die Gemeinde von Alzgern vor ihrer Pfarrkirche, die topographisch genau wiedergegeben ist, vor den bewaldeten Hügeln im Süden. Am westlichen Bildrand ist die Hl.-Geist-Öffnung als Glorienersatz in die Komposition integriert. Im Bildzentrum thront Maria mit dem Jesuskind auf Wolken, umringt von vielen Engeln und Putten, die Marienattribute tragen, Krone, Zepter und Lilie. Ein Schild mit dem Namen MARIA (ligiert), umrahmt von den fünfzehn Rosen der Geheimnisse des Rosenkranzes, hält ein Putto wie einen Schild über die Alzgerner Pfarrgemeinde, auf die Strahlen von dem Schild herunterfallen.
Vor der Landschaft mit ihrer Pfarrkirche sind Pfarrkinder dargestellt, links die Männer, rechts die Frauen. Die Dargestellten tragen porträthafte Züge, stellen also historische Personen dar. Als vorderster bei den Männern ist Pfarrer Knodt zu sehen, im Chorrock, mit Stola. Ein vornehmer Herr in Kniehosen, Seidenstrümpfen und Schnallenschuhen kniet neben ihm und weist auf ihn. Über seine Brust ist ein Lederband mit Metallknöpfen gekreuzt, an seiner Seite hängen ...





Tasche und Degen. Es könnte sich um den Propsteidirektor und Kirchenverwalter Maximilian Heinrich Kellner oder auch um den Neuöttinger Pfleger handeln. Die Identität der sechs übrigen Männer ist nicht zu klären; vielleicht sind die Alzgerner Zechpröpste Bartlme Oberhuber und Johann Angerer unter ihnen. Auch die acht Frauen gegenüber können nicht identifiziert werden: die vorderste ist vornehm gekleidet - im Falle des Pflegers Joseph Anton von Joner wäre es seine Frau Maria Anna geb. Gräfin Spreti.
Die Farbigkeit des Freskos ist in hellen Werten von Gelb, Rot, Blau und Grün gehalten. Schwarz tritt bei den Kleidungsstücken als Kontrast auf.
Mittelpunkt des Programms ist die spätgotische Madonna, die im heute neubarocken Hochaltar steht. Als Patronin wird sie im Fresko dieser Statue ähnlich wiedergegeben, nur lebendiger: Maria ohne Krone und Zepter, das Jesuskind wendet sich den Pfarrkindern von Alzgern zu und segnet sie.
EB1-3 MARIEN-SZENEN Auf die Kirchenpatronin beziehen sich auch die drei Fresken an der Emporenbrüstung, bunte und detailreiche Szenen in weißen Rocaille-Rahmen. EB, VERKÜNDIGUNG (S) Maria kniet an ihrem Pult in einem Garten. Der Engel mit der Lilie steht auf einem weißen Wölkchen vor ihr und weist nach oben zur Taube des Heiligen Geistes, von der aus Strahlen auf Maria fallen.
EB2 ANBETUNG DER HIRTEN (N) Eng gedrängte Szene in einer antiken Ruine: Maria weist den Hirten auf weißem Linnen das Jesuskind vor. Neben ihr steht Joseph mit einer Kerze (stark übermalt).
EB3 ANBETUNG DER KÖNIGE (Mitte) Die Szene spielt vor einer antiken Ruine, gibt aber rechts Ausblick auf die Landschaft mit dem Gefolge der Könige. Die Könige mit ihren Geschenken nahen huldigend dem Jesusknaben, den Maria auf dem Schoß hält; hinter Maria steht Joseph.
W1-2 REUE UND BUSSE Die beiden Wandbilder, als Pendants konzipiert, füllen die fensterlosen Wandabschnitte hinter dem Hochaltar bis in die Spitzbogen. Ihre Themen lassen vermuten, daß sich hier z.Z. der Ausmalung die Beichtstühle befunden haben, für die in der engen Kirche sonst kein Platz war (neuere Beichtstühle stehen auch heute in der Chorschräge).
W1 BUSSENDE MAGDALENA Bildschauplatz ist eine Höhlen-Landschaft in felsiger Einöde mit abgestorbenen Bäumen. Magdalena kniet in barock bewegter Pose, das Gewand ist ihr von der Schulter geglitten, die Haare sind aufgelöst. Sie ringt die Hände und blickt zu einem Kruzifixus auf, der an einen morschen Ast gebunden ist. Sie ist umgeben von ihren Attributen Salbgefäß und Tränentuch, Totenkopf und Buch. Ein großer Engel auf Wolken weist auf die Buße Magdalenas hin, während zwei Putten Geißel und Bußgürtel halten.
W2 REUE PETRI Nachdem Petrus im Hause des Hohenpriesters Jesus verleugnet und der Hahn dreimal gekräht hatte, blickte Jesus, der gefangen vorbeigeführt wurde, Petrus an und dieser wurde sich seiner Schuld bewußt. »Er ging hin und weinte bitterlich« (Lc 22,62). Petrus ist hier gezeigt, wie er in der Einsamkeit seine Schuld beweint. Er kniet an einem Felsenvorsprung mit höhlenartiger Ausbuchtung, über ein Buch gebeugt. Auf einem hohlen, efeuüberwachsenen Baum sitzt der Hahn und hält die Schlüssel mit der Klaue. Auf Wolken erscheinen zwei Putten und halten einen Kruzifixus. Auf einem Aststumpf links am Bildrand steht eine goldene Schale, von der Rauchschwaden ausgehen.


