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Allstedt, Schloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Allstedt, Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/8661f04e-5d95-4e96-a8ed-9590daeaf7b7

Inventarnummer: cbdd10442

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In Schloss Allstedt hat sich ein Deckengemälde von 1604 erhalten, das Bellona zeigt. Weitere ehemals vorhandene Deckenmalerei ist verloren.

Barockes Kamingemach mit prachtvoller Stuckdecke der Gebrüder Carcani im Schloss Allstedt
Barockes Kamingemach mit prachtvoller Stuckdecke der Gebrüder Carcani im Schloss Allstedt

Schloss Allstedt

Burg und Schloss Allstedt von Westen

Kurzbeschreibung und Lage

Schloss Allstedt[1] ist eine mehrteilige – auf eine Pfalz zurückgehende – Anlage, die etwa 1 Kilometer nördlich der Stadt Allstedt auf einer Anhöhe gelegen ist.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Schloss geht auf eine Pfalz aus dem Hochmittelalter zurück. Eine Burg gab es wohl bereits im 8. Jahrhundert. Mit dem Übergang der Pfalz an die Landgrafschaft Thüringen im 13. Jahrhundert büßte Allstedt an Bedeutung ein. Von 1247 bis 1918 war es von kurzen Unterbrechungen abgesehen im Besitz verschiedener wettinischer Teillinien, seit 1575 fast durchweg zu Sachsen-Weimar oder zu Sachsen-Eisenach gehörend. Bedeutende Umgestaltungen, die das Schloss bis heute prägen, erfolgten 1507-11 unter Kurfürst Friedrich dem Weisen, unter Johann Herzog Georg II. 1691-1699 und seiner Witwe Sophia Charlotte 1699-1707 sowie 1746/47 unter Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach. Auf Sophia Charlotte geht weitgehend die Ausstattung der landesherrlichen Gemächer im Westflügel zurück. Leitender Baumeister war eventuell Melchior Emanuel Kretschmar. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts diente das Schloss überwiegend für Jagdaufenthalte. Ende des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Räume neu ausgestattet. Nach 1918 ging die Ausstattung verloren. 1986-89 erfolgte eine Instandsetzung des Westflügels mit den ehemaligen landesherrlichen Gemächern.[2]

Beschreibung

Das Schloss setzt sich aus drei Bereichen zusammen: der Vorburg im Süden, der Hauptburg im Nordwesten und einem Wirtschaftshof im Nordosten. Die Hauptburg ist durch einen Graben von der Vorburg getrennt. Vier ungleiche zweigeschossige Flügel umschließen den annähernd rechteckigen Hof der Hauptburg. Im Osten befindet sich der Eingang mit einer Kapelle über dem Tor. Im Westen ist der Hauptflügel gelegen, im Norden ein Nebenflügel. Die Südseite ist lediglich durch eine Wehrmauer geschlossen. Den Westflügel erschließt ein zum Hof hin gelegenes Treppenhaus.[3] Im Hauptgeschoss des Westflügels tritt man auf einen hofseitigen Korridor, an dessen Enden im Norden und Süden sich kleine ehemals als Vorzimmer dienende Räume befinden. An der Westseite sind die ehemaligen Repräsentationsräume gelegen. Nach einer Kammer am Südende des Korridors sind dies von Süden nach Norden das so genannte Kamin- oder Wohnzimmer, ein schmaler Gang mit Wandschränken, das Tafelgemach, das Schlafgemach, das Arbeits- und Schreibkabinett und zuletzt das so genannte Audienzgemach oder Fürstenzimmer. Die Räume haben teilweise ihre wandfeste barocke Ausstattung zumindest in Resten bewahrt.[4]

Das sog. Kamingemach

Barockes Kamingemach mit prachtvoller Stuckdecke der Gebrüder Carcani im Schloss Allstedt

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das sog. Kamingemach geht auf das frühe 16. Jahrhundert zurück, als der Westflügel durch den Baumeister Hans Stern im Auftrag von Kurfürst Friedrich dem Weisen 1507-11 errichtet wurde. 1694 wurde der Raum unter Johann Herzog Georg II. von Sachsen-Eisenach für seine Frau Sophia Charlotte neu ausgestattet. Die Stuckdecke stammt von Nicolao und Giovanni Battista Carcani aus dem Jahr 1694.[5]

Beschreibung

Das Zimmer ist an der Südwestecke des Flügels gelegen und hat je zwei Fenster nach Süden und Westen. An der Nordwand steht ein Kamin. Es diente vermutlich als Audienzzimmer.

Die Decke und ihre Malerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke wurde 1694 stuckiert. Die Deckenmalerei entstand vermutlich im selben Jahr.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Ein kräftiges Lorbeerband umschließt ein großes kreisrundes Mittelfeld mit einem Deckengemälde. Zu den vier Langseiten der Decke sind Agraffen mit kleinen Medaillons angeordnet. Die Zwischenräume werden von Bändern, floralen Elementen und Putten eingenommen. In den Ecken sind Muscheln stuckiert. Das Hauptbild zeigt eine gewappnete Frau auf Wolken, umgeben von Waffen und Trophäen. Es handelt sich um eine Personifikation der Kriegskunst – Bellona. Sie wird von einer Putte mit einem Lorbeerkranz bekrönt. Die gemalten Medaillons in den Agraffen stellen die vier Elemente dar.[7]

Das sog. Tafelgemach

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Tafelgemach geht auf das frühe 16. Jahrhundert zurück, als der Westflügel durch den Baumeister Hans Stern im Auftrag von Kurfürst Friedrich dem Weisen 1507-11 errichtet wurde.[8] Eine Neuausstattung erfolgte in den neunziger Jahren des 17. Jahrhunderts, die Stuckdecke entstand im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts.[9]

Beschreibung

Das Zimmer ist an der Westseite des Flügels gelegen. Drei Türen im Norden, Osten und Süden erschließen den Raum.

Die Wandmalereireste an der Südwand

Beschreibung und Ikonographie

Im Tafelgemach haben sich an der Südwand Reste von dekorativer Wandmalerei aus den 1690er Jahren erhalten.[10]

Das sog. Arbeitszimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das sog. Arbeitszimmer bzw. Schreibkabinett geht auf das frühe 16. Jahrhundert zurück, als der Westflügel durch den Baumeister Hans Stern im Auftrag von Kurfürst Friedrich dem Weisen 1507-11 errichtet wurde. Der Raum wurde um 1700 ausgestattet, denn aus dieser Zeit stammt der Intarsienfußboden.[6]

Die verlorene Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde entstand vermutlich zusammen mit der Raumausstattung Anfang des 18. Jahrhunderts. Es hat sich nicht erhalten und ist auch nicht fotografisch dokumentiert.[10]

Beschreibung und Ikonographie

1888 berichtete Paul Lehfeldt, dass „im mittleren Oval [...] das eingelassene Gemälde, Orpheus mit den Thieren darstellend“ vorhanden sei. Es hat sich nicht erhalten und ist auch nicht fotografisch dokumentiert.[11]

Das Audienzgemach

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Audienzgemach – auch Fürstenzimmer genannt – geht auf das frühe 16. Jahrhundert zurück, als der Westflügel durch den Baumeister Hans Stern im Auftrag von Kurfürst Friedrich dem Weisen 1507-11 errichtet wurde.[8] Es wurde für Sophia Charlotte in ihrer Witwenzeit neu gestaltet. Die Decke des Raums ist inschriftlich auf 1703 datiert.[12]

Beschreibung

Das Audienzgemach ist an der Nordwestecke des Westflügels gelegen und prinzipiell das Gegenstück zum Kaminzimmer.

Die verlorene Deckenmalerei

Allstedt, Schloss, Stuckdecke

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decke im Audienzzimmer stammt laut Inschrift von 1703. Nach 1945 wurde sie zu gut zwei Dritteln zerstört. Auch die Deckenmalerei ging damals verloren. Nach der Rekonstruktion der Decke schuf Wolfgang Peuker neue moderne Deckenbilder.[13]

Beschreibung und Ikonographie

Die Stuckdecke wird in der Mitte von einem großen, von Fruchtbändern eingefassten, länglichen Oktogon mit kurzen Schrägseiten und einem Deckengemälde eingenommen. Im Norden und Süden gibt es zwei Medaillons, die ebenfalls Deckenmalerei aufnehmen, wohingegen in Osten und Westen Putten Herzogshüte tragen, unter denen sich das gemalte sächsische Wappen bzw. die Jahreszahl 1703 befinden. Das Hauptbild und die Medaillons zeigten gemäß Paul Lehfeldt Darstellungen „aus der Apollo-Sage“.[14]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Böge/Schmitt, Allstedt, 1993. – Böge, Rainer/Schmitt, Reinhard: Schloss Allstedt (Große Baudenkmäler, 451). München/Berlin 1993.
  • Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999. – Dehio, Georg: Sachsen-Anhalt II, Regierungsbezirke Dessau und Halle (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearb. von Ute Bednarz u.a.. München/Berlin 1999.
  • Lehfeldt, KDM Apolda, 1888. – Lehfeldt, Paul: Verwaltungsbezirk Apolda (Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, 2). Jena 1888.
  • Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989. – Rüger, Reinhard/Schmitt, Reinhard: Schloß Allstedt. Baugeschichte und Denkmalpflege. Allstedt 1989.
  • Säckl, Allstedt, 2007. – Säckl, Joachim: Schloss Allstedt. Fürstliche Herrschaftsvermittlung zwischen Anspruch und Realität, in: Barocke Fürstenresidenzen an Saale, Unstrut und Elster. Petersberg 2007S. 358-365.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 10-13; Böge/Schmitt, Allstedt, 1993; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989; Lehfeldt, KDM Apolda, 1888, S. 256-275.
  2. Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 10-13; Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 12, 17; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 12-72; Lehfeldt, KDM Apolda, 1888, S. 256-257.
  3. Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 12-13; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 10-11; Lehfeldt, KDM Apolda, 1888, S. 258-261.
  4. Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 17-18; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 7-11; Lehfeldt, KDM Apolda, 1888, S. 263.
  5. Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 13; Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 11, 17-18; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 16, 57.
  6. 6,0 6,1 Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 13; Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 18.
  7. Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 18; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 57; Lehfeldt, KDM Apolda, 1888, S. 266-267.
  8. 8,0 8,1 Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 13.
  9. Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 18; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 61.
  10. 10,0 10,1 Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 18.
  11. Lehfeldt, KDM Apolda, 1888, S. 266.
  12. Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 58, 60.
  13. Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 18; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 58.
  14. Böge/Schmitt, Allstedt, 1993, S. 18; Rüger/Schmitt, Allstedt, 1989, S. 60; Lehfeldt, KDM Apolda, 1888, S. 264-266, S. 266.