Zweibrücken, Hofgärtnerhaus

Fachbach, Jens:Zweibrücken, Hofgärtnerhaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/f55f8cb6-ac41-4b0a-a1cd-cbe62c98564c

Inventarnummer: cbdd10118

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Das für den Hofgärtner der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken bestimmte Wohnhaus am Garten des Zweibrücker Schlosses besaß einen in Grisaille ausgemalten Salon.

Zweibrücken, Hofgärtnerhaus
Zweibrücken, Hofgärtnerhaus

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

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Zweibrücken, Hofgärtnerhaus

1677 wurde das alte Zweibrücker Schloss durch französische Truppen weitgehend zerstört. Da die Herzöge Karl I. und Karl II. in Personalunion als Karl XI. und Karl XII. Könige von Schweden waren bestand zunächst keine Notwendigkeit für einen Wiederaufbau.

Erst als Gustav Samuel Leopold (1670-1731) von Pfalz-Zweibrücken-Kleeburg 1718 nach dem Tode Karl II. Herzog von Zweibrücken wurde und den Hof wieder nach Zweibrücken verlegte, setzte ein Ausbau zur zeitgemäßen Residenz ein.

Die Pläne für das 1720-1725 errichtete Schloss[1]lieferte der aus Schweden stammende und bereits unter Karl II. mit dessen Statthalter nach Zweibrücken gekommene Jonas Erikson Sundahl (1678-1762), der auch in den folgenden Jahren verschiedene mit der Residenz bzw. Landesverwaltung in Verbindung stehende Bauten entwarf.

Nach dem Tod des Herzogs 1731 und einem Interregnum bis 1734 wurde der Ausbau unter seinen Nachfolgern Christian III. von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (1675-1735) und Christian IV. (1722-1775) von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld fortgesetzt.

Er berief Johann Arndt Koellner (1676-1742) als Hofgärtner nach Zweibrücken, für den nach Plänen Sundahls 1740 ein Dienstwohnhaus errichtet wurde.[2]

Das kleine Gebäude wurde später auch von Koellners Schwiegersohn und Nachfolger Johann Ludwig Petri (1714-1794) bewohnt, es ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem heute als Petri-Haus bekannten und als Museum genutzten Wohnhaus[3] des Neffen von Johann Ludwig, Hofgärtner August Bernhard Petri (1744-1809), in der Herzogsvorstadt.

Das ehemalige Hofgärtnerhaus wurde 1945 bei einem Luftangriff zerstört und nicht wiederaufgebaut.

Baubeschreibung

Das Hofgärtnerhaus lag östlich des Schlosses am Rande des Schlossgartens, nahe am Bleicherbach.

Das Aussehen des Gebäudes ist durch die Beschreibung des 1981 erschienenen Kunstdenkmälerinventars überliefert, das sich bei den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bauten auf den 1938-39 von Anton Eckardt für die Reihe „Die Kunstdenkmäler der Pfalz“ erarbeiteten, aber nicht mehr veröffentlichten Band zurückgreifen konnte.[4]

Zwar existieren Fotos des Äußeren, offenbar aber nicht der im Folgenden zu besprechenden Ausmalung des Salons.

Das kleine auf querrechteckigem Grundriss errichtete Gebäude war zweistöckig und besaß auf Vorder- und Rückseite drei Fensterachsen, nach oben war es durch ein Mansardwalmdach abgeschlossen. Die Ecken waren durch rustizierte, leicht abgeschrägte Lisenen betont, die Fenster und Türöffnungen schlossen mit einem Segmentbogen, außen waren die Gewände (mit Keilstein) jedoch rechteckig.

Die Türöffnungen lagen jeweils in der Mitte der Vorder- und Rückseite. Zuletzt befand sich seitlich ein späterer Anbau.[5]

In seinen Proportionen, der Dreiachsigkeit und der Dachform erinnerte das Hofgärtnerhaus an das ebenfalls nach Plänen Sundahls 1747 errichtete herzogliche Archiv am Schlossplatz[6], so dass hier offenbar ein gewisser Formenkanon für die herzoglichen Bauten anklingt.

Ausmalung des Salons im ersten Stockwerk

Im ersten Stockwerk des Hofgärtnerhauses wurde mehr als die Hälfte des Baukörpers von einem Salon eingenommen, der zur Vorder- und Rückfront zwei Fensterachsen aufwies. Zugunsten dieses Raumes waren die übrigen Zimmer offenbar sehr bescheiden, außer dem in der Gebäudeecke angeordneten Treppenhaus gab es auf dieser Etage nur zwei kleine Räume, einer davon fensterlos.[7]

Die Ausgestaltung des Salons, von der anscheinend keine Fotos überliefert sind, wird folgendermaßen beschrieben: „Bevorzugt ausgestattet war der Salon im Obergeschoß, ein quadratischer Raum, an dessen einer Seite einer Seite eine von kannelierten Pilastern flankierte Cheminée mit stuckiertem Rankenfries stand, und dessen übrigen Wände entsprechend gezierte, leicht vorstehende Mittelrisalite belebten. Die Supraporte zeigte stuckierte Engelchen und Palmetten, die Zwischenfelder der Wände waren grau in grau mit Figurendarstellungen ausgefüllt“[8]

Diese Beschreibung legt eine Entstehung in späterer, bereits klassizistischer Zeit nahe, doch mangels Bilddokumenten muss diese Frage offenbleiben, ebenso ob die Figuren in Grisaille einem konkreten Bildprogramm folgten oder rein dekorativ zu verstehen waren. Auf alle Fälle ist die repräsentative Ausgestaltung dieses Raumes in dem ansonsten sehr kleinen Gebäude bemerkenswert. Sie ist wohl auch als Beleg für das hohe Ansehen der Funktion eines Hofgärtners und dessen gesellschaftlicher Position zu werten.

Bibliographie

  • Dahl / Lohmeyer, Zweibrücken, 1952, - Dahl, Julius; Lohmeyer, Karl: Das barocke Zweibrücken und seine Meister, 2. Auflage, Zweibrücken 1957.
  • Dellwing / Kubach, Kunstdenkmäler, 1981. - Dellwing, Herbert / Kubach, Hans Erich: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des ehemaligen Landkreises Saarbrücken, Band 1 (Die Kunstdenkmäler des Kreises Primasens 2; Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz 7), München 1981.
  • reiermuth, Herzogsschloss, 2005. - Freiermuth, Otmar: Das Herzogschloss in Zweibrücken, Worms 2005.
  • Lohmeyer, Karl: Südwestdeutsche Gärten des Barock und der Romantik mit ihren in- und ausländischen Vorbildern. Nach dem Arbeitsmaterial der saarländischen und pfälzischen Hofgärtnerfamilie der Koellner (Saarbrücker Abhandlungen zur südwestdeutschen Kunst und Kultur 1), Saarbrücken 1937.
  • Lohmeyer, Karl: Die herzoglich-zweibrückischen Barockgärten und Landschlösser und ihre Meister, in: Dahl, Julius; Lohmeyer, Karl: Das barocke Zweibrücken und seine Meister, 2. Auflage, Zweibrücken 1957, S. 69-103.

Einzelnachweise

  1. Zur Baugeschichte Dellwing / Kubach, Kunstdenkmäler, 1981, S. 184-205 und vor allem die Monographie Freiermuth, Herzogsschloss, 2005.
  2. Dellwing / Kubach, Kunstdenkmäler, 1981, S. 219.
  3. Zu diesem Dellwing / Kubach, Kunstdenkmäler, 1981, S. 265-268 u. 270-271.
  4. Dellwing / Kubach, Kunstdenkmäler, 1981, S. XI.
  5. Auf der Bauaufnahme ebd., S. 220, Abb. 155-156 ist der auf den Fotos sichtbare Anbau nicht wiedergegeben und im Text auch nicht erwähnt. Zudem existiert eine wohl rekonstruierend gemeinte Ansicht (Aquarell) von 1934, Abgebildet bei Dahl / Lohmeyer, Zweibrücken, 1952, S, 72 auf der der Anbau ebenfalls nicht wiedergegeben wurde. Ein weiteres Foto, offensichtlich von der anderen Seite des Gebäudes: https://www.bildindex.de/document/obj30157406
  6. Zu diesem Bau (1945 schwer beschädigt, die Ruine 1952 abgerissen): Dellwing / Kubach, Kunstdenkmäler, 1981, S. 225-228.
  7. Im Archiv der GDKE Rheinland Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Mainz, befinden sich zwei Grundrisse und eine Ansicht, umgezeichnet nach älteren Plänen: Planarchiv Direktion Landesdenkmalpflege, Inv. Nr. 2074a-c. Bei Dellwing / Kubach, Kunstdenkmäler, 1981, S. 219 werden die Vorlagen von 1941 im Stadtbauamt Zweibrücken erwähnt.
  8. Dellwing / Kubach, Kunstdenkmäler, 1981, S. 219-221.