Windach, Filialkirche St. Johannes der Täufer
WINDACH
Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Moorenweis, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Dünzelbach, jedoch nicht zur Hofmark Dünzelbach gehörig. Gericht Landsberg, Unteramt
Patrozinium: St. Johannes der Täufer
Zum Bauwerk: Kern spätgotisch. Mutmaßliche Zerstörung der Kirche beim Einfall der Schweden 1632, Erneuerung des Bauwerks in der zweiten Hälfte des 17. Jh. An der N-Seite Anbau einer stuckierten Seitenkapelle mit Apsis: eine Tontafel mit der Jahreszahl 1678 und dem Stifternamen MARTIN GELP findet sich an ihrer Außenseite. Letzte Umbau- und Ausschmückungsphase im 19. Jh. Die Kirche war vollständig ausgemalt; die freigelegten Bemalungs- und Inschriftenreste, darunter die Jahreszahl 1558 an der S-Wand - gehören verschiedenen Zeitabschnitten an, auch dem 18. und 19. Jh (Freilegung der Farbschichten und Vorbereitung einer Zeittafel zur Baugeschichte der Kirche durch Restaurator Hans Pfister, Heinrichshofen).
Einfacher Saalbau mit dreiseitig schließendem AR und W Empore; Belichtung durch Rundbogenfenster. Die Stuckrahmungen an der LHs- und AR-Decke sowie an der Emporenbrüstung entstammen wohl dem frühen 18. Jh.
Auftraggeber: Amtierende Pfarrer z. Z. der Ausmalung waren Kaspar Sieß (1669–1712) und Leonhard Sutor (1712–1763).
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1720
Die Deckenbilder A und B entstammen der Hand eines schlichten Freskanten und ähneln denen in Hanshofen und in Hohenzell. Interessant ist die Frage einer graphischen Vorlage: Der altarbildmäßige Aufbau, die kompakten Figuren und die pralle Bildfüllung, die zu einem lichten Gelb aufgehellten beleuchteten Partien von Marias blauem Mantel und eine spätmittelalterliche Reminiszenz, wie sie hier in der »Maria auf der Rasenbank« erscheint (s. hierzu Ulrike Götz, Der Münchner Hofmaler Andreas Wolff [1652-1716], München 1988, S. 71) –, das alles weist auf eine Vorlage aus dem Umkreis der Münchner Malerei um 1700 (Johann Andreas Wolff, Johann Degler). Da Zacharias mit der linken Hand schreibt, wäre an eine Stichvorlage nach einem Altarbild zu denken.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Flachdecke über steiler Hohlkehle
Rahmen: A leicht geschweifter Stuckprofilrahmen; B geradliniger Stuckprofilrahmen
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 4,90 m; 2,40 × 1,70
B Höhe 4,60 m; 1,30 × 2,10
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Befunderstellung 1981 durch Fa. Hans Blöchl, Augsburg; daraus ergab sich, daß um 1955 eine Innenrestaurierung stattgefunden hatte. 1986-88 Gesamtwiederherstellung durch die Restaurierungs werkstätte Fischer GmbH, Egling an der Paar. Die Fresken restaurierte Hans Pfister, Heinrichshofen. Die LHs- und die AR-Decke wurden befestigt, die absturzgefährdeten Deckenbilder hinterspritzt. Wegen der bloß geringen Verschmutzung ist nur eine Trockenreinigung angesetzt. Der Erhaltungszustand ist relativ gut; noch zu behebende Risse sind sichtbar
Beschreibung und Ikonographie
A RUHE AUF DER FLUCHT MIT JOHANNES, ELISABETH UND ZACHARIAS Geostete, tafelbildmäßige Komposition, die als relativ kleines, isoliertes Bild in die Deckenfläche gesetzt ist.
Innerhalb einer kulissenhaften Landschaftsszenerie ohne Höhen- und Tiefenillusion findet sich als durchgehender Querriegel eine breite Rasenbank, auf der Maria in gelagerte Haltung thront, das Jesuskind im Arm haltend. Sie wird nach S hin durch den hl. Joseph flankiert, der anbetend hinter der Rasenbank kniet, den Lilienstengel in der aufgestützten Hand, nach N hin durch einen adorierenden Putto, über dem Puttenköpfchen erscheinen sowie als Hinweis auf Ägypten eine von zwei Palmen gerahmte Pyramide. Soweit entspricht die Darstellung der Hl. Familie dem Bildtypus der »Ruhe auf der Flucht«, wie er letztlich bis zum Freiburger Schnewlin-Altar zurückreicht.
Vor dem Jesuskind, auf das Maria verweist, kniet der schon größere Johannesknabe im Fellgewand mit anbetend erhobenen Händen. Er ist begleitet von dem Lamm und einem Putto, der einen Wasserlauf überschreitet und den Kreuzstab mit dem Spruchband ECCE AGNUS DEI hält. Die Attribute verweisen auf die Passionsprophetie des Johannes (Io 1, 29; 1,36) und wohl auf die Taufe Jesu im Jordan, die im AR-Fresko dargestellt ist (Mt 3, 13–15). Nach N schließt die Vordergrunds-Szene mit der anbetend knienden Figur der Elisabeth. Der Hohepriester Zacharias mit der gehörnten Mitra steht hinter den Eltern Jesu. Er schwingt ein Weihrauchfaß und hält eine Tafel mit der Aufschrift IOANNES/IST SEIN/NAM/ LVCa. 1. V. 17. Diese Stelle aus dem Lukasevangelium verweist insbesondere auf Johannes als Wegbereiter Jesu. Daß Johannes mit seinen Eltern bei einer Darstellung der Hl. Familie erscheint, die von der Grundbedeutung einer »Ruhe auf der Flucht« schon weitgehend abgehoben ist, ist nicht ungewöhnlich (LCI, Bd 2, Sp. 6, s. v. Hl. Familie; Bd 2, Sp. 45, Nr. 6, s. v. Flucht nach Ägypten). Ungebräuchlich ist, daß Zacharias hier an die Namensgebung aus der Johannes-Vita erinnert (LCI, Bd 7, Sp. 179, Nr. 7 und Sp. 180, Abb. 11, s. v. Johannes der Täufer). Wegen Zweifels an der durch Gabriel angekündigten Geburt seines Sohnes wurde Zacharias zu vorübergehender Stummheit verurteilt (Lc 1, 5–22) und mußte den Namen seines Sohnes niederschreiben.
Die bildparallele Komposition der Personengruppe, worin die Hl. Familie durch die übrigen Figuren wie in einem Dreieck eingespannt erscheint, geht sicher auf die Vorlage zurück.
Die Farbgebung ist pastos und wenig differenziert. Gelb, Rostrot, Ocker- und Grüntöne setzen die Hauptakzente. Auf fallend ist Marias weit ausgebreiteter blauer Mantel mit den blaßgelben Lichthöhungen.
B TAUFE JESU IM JORDAN Kleine, geostete Szene, im Umriß dem Chorschluß angepaßt; keine Höhen- und Tiefenillusion.
In einer Baumlandschaft kniet Jesus auf einem kleinen Felsen im Wasser des Jordan. Johannes in Fellschurz und rotem Mantel, den Kreuzstab in der Linken, tauft Jesus aus der Muschel. Zwei Engel – Gewandfarben Taubenblau und Gelb, bzw. Rot und Weiß, mit starken Auflichtungen – stehen mit einem Laken hinter Jesus am Ufer. Ein zartes Licht fällt aus den Wolken auf Jesus herab.
Die Farbgebung in B erscheint etwas duftiger und differenzierter als in A. Rosabraune und grünliche Töne bestimmen die Landschaft. Die Pilzbäume sind recht reizvoll schattiert, von Gelbgrün über ein blasses Türkis bis zu Weiß.
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 397. Steichele-Schröder, Bd 2, S. 555. Hopp, Jakob, Pfründestatistik der Diözese Augsburg, Augsburg 1893, Bd 1, S. 106, Bd 2, S. 220. Wiedenmann, Moritz, Schematismus der Diözese Augsburg 1472-1762, Kopie eines Ms 1934-39, BSB Handschriftenabteilung. Heimatbuch Fürstenfeldbruck (o.V.), Fürstenfeldbruck 1952 S. 284. Landkreis Fürstenfeldbruck (o.V.), Heimatbuch, Pörsdorf 1963, S. 182. Historischer Atlas I, Bd 22/23, S. 172. Kunst- und Kulturdenkmäler, S. 380. Kraft, Klaus und Florian Hufnagel, Landkreis Fürstenfeldbruck (= Baudenkmäler in Bayern, Bd 12), München 1978, S. 96 f. Dehio, 1990, S. 1290.