Laß, Heiko:Wewelsfleth, ehem. Hof Hein, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/723e8aa2-8c06-4ad4-bc03-04fd5045caa5

Inventarnummer: cbdd20132

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Aus dem Hof Hein haben sich Malereien von 1778/79 erhalten. Im Kreismuseum Prinzeßhof in Itzehoe befindet sich Wandmalerei mit Genreszenen. Das Dänische Nationalmuseum in Kopenhagen verwahrt eine Stube mit Deckenmalerei, die die Erlösung der Gläubigen durch den Opfertod Christi ins Bild setzt.

Der ehem. Hof Hein in Wewelsfleth

Kurzbeschreibung und Lage

Der Hof steht in Uhrendorf zwischen Beidenfleth und Wewelsfleth. Er erhebt sich auf einer Warft mit Graben.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Husmannshus wurde 1697 für Martin und Anna Gronlandt erbaut und 1778/79 für Johann und Lene Tuhmann grundlegend umgestaltet. Aus dieser Zeit stammen die unterschiedlich langen Anbauten mit Stube im Südwesten und mit Sommerstube im Nordwesten.[1]

Beschreibung

Das Gebäude ist ein reetgedecktes Kreuzhallenhaus von 11 Fach. Im Südwesten sind an das Hallenhaus zwei Anbauten unterschiedlicher Länge angefügt, durch die das Kreuzdach entsteht.

Die ehem. Sommerstube

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Sommerstube ist 1778/79 für Johann Tuhmann und Lene Tuhmann erbaut worden. Im 20. Jahrhundert wurde sie zerstört.

Die erhaltene translozierte Wandmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Wandpaneel ist ein Rest der Wandverkleidung der Sommerstube. Es wurde 1778/79 bemalt. Im 20. Jahrhundert erfolgte sein Ausbau. Heute befindet es sich in Itzehoe im Kreismuseum Prinzeßhof.[2]

Beschreibung und Ikonographie

Das Paneel[3] besteht aus drei Teilen. Diese sind rotbraun gefasst und mit farbigen Blumenkränzen und Blumenbordüren sowie mit monochrom roten und weißen Blumen und vegetabilen Elementen verziert. Hauptschmuck sind Medaillons mit farbigen Darstellungen, die scheinbar an blauen Bändern herabhängen. Jeweils zwei befinden sich übereinander.[4]

Auf dem ersten Fragment präsentiert das obere Medaillon einen Offizier, der durch einen Wald reitet. Das Medaillon darunter zeigt zwei Männer, die durch ein Schlüsselloch eine halbnackte Frau betrachten, die ins Bett gehen will. Ihr Hund ist der Tür zugewandt und scheint die Spanner bemerkt zu haben.[4]

Auf dem zweiten Fragment ist im oberen Medaillon eine Baustelle zu sehen. Offenbar wird eine ganze Stadt errichtet. Das Gebäude im Vordergrund scheint eine Kirche zu sein. Sie ist bereits über die Hälfte vollendet. Auf dem Medaillon darunter erblickt man ebenfalls eine Baustelle. Im Vordergrund wird ein Mensch erstochen.[4]

Auf dem letzten Fragment ist oben ein Reiter dargestellt, der auf einen Mann deutet, der vor ihm von seinem Pferd gestürzt ist — nur noch die Stiefel sind zu sehen. Das untere Medaillon präsentiert eine ausgesprochen modisch gekleidete Dame mit großer Rokokoperücke, die Schmuck anlegt. Sie blickt über ihre Schulter auf einen Herrn, der sie mit seinem Stock berührt. Im Vordergrund befindet sich ein Schoßhündchen.[4]

Die ausgebaute Stube (heute Kopenhagen)

 
Ehem. Stube aus dem Hof Hein

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Stube ist für Johann und Lene Tuhmann 1778-1779 errichtet worden.[5] Sie wurde 1984 von Georg Röper einem anderen Gebäude zugeordnet: dem „Haus Johann Tumann“.[6] Dieses ist jedoch mit dem Hof Hein identisch. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stube als Holsteinische Stube im damaligen Dänischen Volksmuseum in der Vesterbrogaade 5 eingebaut.[7] Später kam sie nach Lyngby ins Freilichtmuseum, wurde 1935/36 umgestaltet und ist heute eingelagert.

Beschreibung

Die Stube maß 3,91 auf 4,06 Meter und war 2,60 Meter hoch. Ihre Erscheinung in Kopenhagen entsprach weitgehend jener in Uhrendorf. Sie war jedoch in Details verändert sowie ergänzt worden. So hatte man die Eingangswand mit der gegenüberliegenden vertauscht.[7]

Die Deckengemälde der Stube

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckenmalerei ist im Auftrag von Johann und Lene Tuhmann 1778/79 geschaffen worden. Der Künstler ist unbekannt. Die Decke wurde Ende des 19. Jahrhunderts unverändert in Kopenhagen wieder eingebaut. Heute ist sie wie der Raum eingelagert.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Die Holzbalkendecke war rot gestrichen und wurde von einem kräftigen Mittelunterzug in zwei Hälften geteilt. Die Seiten des Unterzugs zeigten Flussansichten mit Häusern und Bäumen am Ufer sowie Schiffen auf dem Wasser. Vermutlich war die Elbe dargestellt. Eines der Schiffe hatte die dänische Flagge gehisst. Jede Deckenhälfte nahm zwei querrechteckige Gemälde in gemalten Rahmen auf. An den Ecken zwischen den beiden Gemälden befanden sich je zwei Kartuschen mit weiteren Darstellungen. Alle Bilder hatten eine erklärende Beischrift, die allerdings bereits Ende des 19. Jahrhunderts nur noch in Teilen zu entziffern war.[9]

In der einen Hälfte waren die Verklärung und die Versuchung Christi dargestellt. Die Verklärung folgt dem üblichen Schema: Der weißgewandete Jesus Christus hat den Erdboden verlassen und schwebt in Wolken im göttlichen Licht zwischen Moses und Elias. Unter ihm an der Bergspitze werden die drei Jünger Petrus, Jacobus und Johannes Zeuge seiner Transfiguration. Der erklärende Text lautet: „Dein Jesus ward Verklärt Daß Du auch sollest sehen. Die Gunst vor Gottes Thron in großer Klarheit Stehen“.[9] Auch die Versuchung Christi folgt der Bildtradition: Der Teufel erscheint Jesus Christus in Gestalt eines katholischen Mönches und verlangt von ihm, einen Stein in Brot zu verwandeln. Den Teufel als Ordensgeistlichen darzustellen, war seit der Reformation weit verbreitet. Der Teufel wird von unreinen Tieren wie Aalen, Schlangen usw. begleitet. Die Inschrift lautet „Mein Jesus ist Versucht von wegen meiner Sünden. Drum kann ich auch bei Ihm Trost in Versuchung finden“.[9] Die beiden Kartuschen zwischen der Verklärung und der Versuchung Christi präsentieren die Offenbarung des Jesaja und die Vision des Hesekiel. Die Inschriften sind zum einen bei Jesaja: „Als Jesaja dort im Geist den Herren erkannt. Hat ihm ein Seraphien die Zunge angebrannt“ und zum anderen bei Hesekiel: „[Der Mensch dessen] Geschicht Hesekiel gelesen [in dem saphirnen Stern], ist Gottes Sohn gewesen“.[9]

In der anderen Deckenhälfte wird gezeigt, wie Jesus Christus einen Kranken heilt sowie seine Auferstehung. Die erste Darstellung zeigt Christus von mehreren Menschen umgeben links in einer bergigen Landschaft. Vor ihm streckt der Kranke seine Arme zu Christus aus. Die Inschrift lautete vermutlich: „Der Glaube läst nicht nach, bis er [kan] sukt Gnade finden. Dasz [Ich mich k]an alhier an diesen Zween [verbin]den“.[5] Die Darstellung mit der Auferstehung Christi zeigt mehrere Szenen. Rechts ist der Engel zu sehen, der den Stein vom Grab Christi gewälzt hat. Davor liegen die Wächter wie tot. In der Mitte steigt Christus mit der Siegesfahne auf. Und ganz links sieht man die beiden Marien, die zum Grab gehen wollen. Der Text zum Bild lautet: „Mein Jesus bricht hervor aus sein Verstobten Grab. Drum ich vorm Tode mich nicht mehr zu Fürchten hab“.[5] Die beiden Kartuschen in dieser Deckenhälfte stellen zum einen die Vision des Hesekiel und zum anderen Jesus dar, der über Jerusalem weint. Im Hintergrund ist sein Einzug nach Jerusalem zu sehen. Der Text bei Hesekiel lautet: „Hesekiel erblickt viel Todtenbein auf Erden und Gott macht, dass drauß ein lebend Her muss werden“. Und bei Jesus steht vermutlich: „[Weh] Dich Jerusalem [in diesen ledzten] Tagen. Dein König kommt zu Dir [und wird hinfort] Gejagen“.

Programm

Die Decke hat in ihrer Gesamtheit die Erlösung des Gläubigen durch den Opfertod Christi zum Inhalt. Hauptbild ist daher die Auferstehung. In der Verklärung Christi bekennt sich Gott zu seinem Sohn. Die Darstellungen der Versuchung und der Heilung sind weitere Beweise der Göttlichkeit. Die beigegebenen Texte erläutern das: Jesus Christus ermöglicht es demnach, Gott zu erkennen, er spendet Trost und gewährt den wahren Gläubigen Erlösung, weshalb sie den Tod nicht fürchten müssen. Die Betrachtenden werden direkt angesprochen durch die Formulierungen „Dein Jesus“ und „Mein Jesus“. Die kleinen Darstellungen in den Kartuschen ergänzen die Hauptbilder. Teilweise sind es Präfigurationen. So steht die Vision des Hesekiel etwa für die Wiederauferstehung. Die beigegebenen Texte erklären auch nur die Bedeutung des Bildes und sprechen die Betrachtenden nicht direkt an.

Vergleich

1776 wurde in Wewelsfleth unweit des Hofs Hein im Hof Haß eine Holzbalkendecke geschaffen, deren biblische Darstellungen ebenfalls mit erläuternden Zweizeilern versehen waren.[10]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. — Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holstein vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
  • Stierling, Wilstermarschstuben, 1925. — Stierling, Hubert: Die Wilstermarschstuben, in: Heimatbuch des Kreises Steinburg, Bd. 2. Glückstadt 1925, S. 205-224.
  • Archivalien:
  • ONR 1539. — Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Wewelsfleth, Uhrendorf 18, Husmannshus, ONR 1539.
  • Erfassungskarte. – Erfassungskarte I.190 (ca. 1890/1900), in: The National Museum, Denmark. Department of Modern History & World Cultures.

Einzelnachweise

  1. Erfassungskarte; ONR 1539.
  2. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1049.
  3. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1049-1150.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1149.
  5. 5,0 5,1 5,2 Stierling, Wilstermarschstuben, 1925, S. 224.
  6. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1165.
  7. 7,0 7,1 Stierling, Wilstermarschstuben, 1925, S. 223. Erfassungskarte.
  8. Erfassungskarte.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 Stierling, Wilstermarschstuben, 1925, S. 224. Erfassungskarte.
  10. https://www.deckenmalerei.eu/f8a739e9-aeb4-4ece-aec5-96cf40ff72a7#efd5f267-729b-47ab-a225-de67884b3c7c.