Wessobrunn, ehem. Benediktinerabtei Klostergebäude, Magdalenenzimmer


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 573, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Magdalenenzimmer im ehemaligen Prälatentrakt, z. Z. Pfarrhof

Zum Bauwerk: Der Prälatentrakt wurde anschließend an den Gästetrakt unter Abt Leonhard Weiß (1671–96) errichtet und teilweise erst unter Abt Virgilius Dallmayr (1696–1706) fertiggestellt. Das Magdalenenzimmer, im Obergeschoß gelegen, wurde 1748 (Jahreszahl am Ofen) unter Abt Beda Schallhammer (1743–60), dessen Wappen sich im Saal befindet, neu ausgestattet. Einfacher Saal, rechteckig, Fenster nach O; Maße: 10,30 × 8,20 m

Autor und Entstehungszeit: Das Deckenbild weist große Ähnlichkeit mit dem Bild des hl. Sebastian in einem Zimmer des Gästetrakts (s. S. 572) auf. Der Bildaufbau ist übereinstimmend; der Frauentyp der Magdalena und der Irene ist der gleiche. Die Bilder haben sicher den gleichen Autor. Es ist im letzten Jahrzehnt des 17. Jh., also unter Abt Leonhard Weiß, entstanden. Bei der Neuausstattung 1748 wurde es offenbar wiederverwendet. Eventuell war es früher an anderem Ort. Ein Magdalenenzimmer ist in der Historia monasterii Wessofontani nicht erwähnt.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke Rahmen: Stuckprofil Technik: Öl auf Leinwand; polychrom Maße: Höhe 4,25 m; 1,60 × 2,10 Erhaltungszustand: Starke Nachdunklungen und Verschmutzungen, jedoch besser erhalten als das Sebastians-

 
Die hl. Magdalen

Beschreibung und Ikonographie

DIE HL. MAGDALENA Das ovale Ölbild zeigt einen sehr seichten Bildraum, die Figur der Heiligen ist ganz in den Vordergrund gesetzt.

Aus der blaugrauen, düsteren Grundtonigkeit treten das goldgelbe Gewand der Heiligen und ihr helles Inkarnat hervor. In einer wilden Landschaft, angedeutet durch einen dürren Baum am linken Bildrand mit Ranken und Gebüsch, sitzt unter düsterem Himmel die büßende hl. Magdalena mit den bezeichnenden Attributen der Einsiedler, dem Totenkopf, der Geißel und dem aus dünnen Ästen gefügten Kreuz.

Literatur siehe S. 599