Weigersdorf, Filialkirche St. Andreas
WEIGERSDORF
Filialkirche, Gemeinde und Pfarrei Pollenfeld, Bistum Eichstätt; z. Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt. Bis 1972 Reg. Bez. Mittelfranken
Patrozinium: St. Andreas
Zum Bauwerk: Kleine, für die ländliche Gegend des ehem. Hochstiftgebiets typische, barockzeitlich geprägte Kirche. Neubau von 1745 nach Plänen des Eichstätter Hofbaudirektors Gabriel de Gabrieli, ausgeführt durch seinen Palier und Hofmaurermeister Giovanni Domenico Barbieri, Bauausführung vor Ort durch den Pollenfelder Maurermeister Joseph Leitner, Zimmermeister Matthias Heis von Seuversholz. Auch die bauzeitliche Innenausstattung von Eichstätter Künstlern, so der Stuck von Franz Xaver Horneis: »Stucca Horneys allhir hat von der Ippsdeckh mit einer Hohl-köll, und in der Mitte ein Kranz, oder Ramen, die Baarkürch aber an der Brüstwandt mit 3 Vilungen zumachen. Vor seinen Verdienst 30 fl.« (DAEI, Pfarrakten Pollenfeld I,4). Von ihm stammen auch die 1746 datierte Kanzel und die Apostelkränze. Die Fresken sowie Haupt- und Auszugsgemälde des H
LHs (11 × 7,50 m) als kleine Saalkirche zu zwei Fensterachsen, eingezogener, mit korbbogigem Chorbogen ausgeschiedener
gerade geschlossener AR (4,50x3,80 m), im Süden daran anschließend die Sakristei, die aus den Grundmauern des Turmes des Vorgängerbaues gefügt ist. Belichtung über große segmentbogenförmig geschlossene Öffnungen im LHs und AR. Im Westen eingezogene Empore mit gerader, in der Mitte ausschwingender Brüstung, verputzt und mit Bildfeldern versehen.
Auftraggeber: Amtierender Bauherr war z.Z. der Ausmalung der Pollenfelder Pfarrer Josef Markus Fuchs (1742–72). Im Voranschlag (s.o.) sind zwar die Kosten für den Stuckator genannt, nicht aber die für den Maler. Dies und die Stifterinschriften in den Nebenbildern (in 2 Walburga Pfaller; in 3 Josephus Meier 1745; in 5 Martinus Pfaller; in 6 Peter Würler) lassen vermuten, dass auch die übrigen Bilder von privaten Spendern (möglicherweise auch vom Pfarrer) bezahlt wurden
Autor und Entstehungszeit: Hugo Ernst Murmann (tätig in Eichstätt von 1741–47) 1745. Signatur in B Hugo Ernst Murmann fecit 1745.
Der Freskant gehört zu der Eichstätter Malerfamilie Murmann; sein Vater war der »pictor et civis« Franz Michael Murmann in Eichstätt. Als Fass- und Tafelmaler ist Hugo Ernst ab 1741 mit mehreren Arbeiten nachweisbar. Werke seines derben, fast naiven Schaffens als Deckenmaler sind in Beilngries und Grösdorf von 1741 (S. 36–41 u. 251–53) und Röckenhofen von 1742 überliefert. Nach dem Tod des wohl älteren Bruders Johann Dominikus 1745 übernahm Hugo Ernst die brüderliche Werkstatt, die dieser seit dem Tod des Vaters 1740 geführt hatte, und heiratete 1746 als »civis et pictor« in Eichstätt Walburga Santner († 1763). Sein Sterbeeintrag ist wie sein Taufeintrag in Eichstätt nicht nachweisbar. Sein letztes bislang gesichertes Werk sind die Fresken 1746 von Pollenfeld, die allerdings abgegangen sind.
Hugo Ernst Murmann scheint stilistisch von Joseph Dietrich beeinflusst zu sein, dies lassen Motivübernahmen in einiger seiner Kompositionen vermuten. Seine Bildanlagen sind jedoch dilettantisch, trotz des Bemühens um perspektivische Ansätze, bestehen zumeist aus aneinander gereihten, aufrecht stehenden Figuren und gerade die wenigen, räumlich agierenden Figuren sind geradezu verunglückt. Insgesamt ist er ein einfacher Handwerksmaler, der die gängigen ikonographischen Grundbegriffe beherrschte.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, 1–6) und AR (C) Flachdecke, an den Seiten über Wulstprofil abgemuldet. Rahmen: Einfache Stuckprofilrahmen. Technik: Fresko; polychrom. Maße: A Höhe 6,10 m; 4,00 x 3,80
B Höhe 6,10 m; 2,30 x 2,60
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1868 Restaurierung mit Baureparaturen und Ausweissen der Kirche. Erneutes Ausweissen 1904. 1930 Restaurierung durch die Fa. Kunze München, mit Neumalen des Bildes C im Chor (Inschrift erneuert 1930 R. Kunze). Weitere Innenrestaurierung 1956 durch die Kirchenmalerfirma Franz Xaver Kiendl in Eichstätt. Befunduntersuchung des Innenraums 1985 durch Bernhard Holderried, Pfaffenhofen. Alle Deckenbilder sind stark übermalt, auch die Emporenbilder und die Bilder an der Kanzelbrüstung und dem Schalldeckel wirken neu. Barock und »ori ginal« sind damit lediglich Inhalt und Komposition.
Beschreibung und Ikonographie
0 1 A MARTYRIUM DES HL. ANDREAS In einer weiten Landschaft sieht man im Hintergrund eine Stadt - Patras. Schauplatz der Szene ist eine steinige Wiese, rings von Felsen umgeben. Hier ist der Apostel Andreas in der Bildmitte kniend dargestellt, ein graubärtiger Mann, bis auf einen roten Mantel entblößt, mit Stricken gebunden. Mehrere Henkersknechte zerren an ihm, kommandiert von einem Berittenen in römischer Soldatentracht, der einen Feldherrnstab in der Linken hält; in ihm dürfte der Statthalter Aegeas zu sehen sein.
Andreas hat die Hände gefaltet und den Blick auf das Kreuz vor ihm gerichtet, sein Marterinstrument, das mittels Stricken aus zwei rohen Baumstämmen x-förmig zusammengefügt ist. Viele Soldaten sind um die Szene versammelt. Rechts steht ein Trupp, mit Hellebarden bewaffnet, auf die Marterszene blickend. Soldaten lagern auch im steinigen Vordergrund: einer von ihnen hält eine Schaufel – mit der wohl das Kreuz in den Boden eingegraben wurde. Bei ihm sitzt ein Bettler. Auf dem Berg links sieht man weit entfernt zahlreiche Menschen, die das Geschehen aus der Ferne verfolgen. Vor dem blauen Himmel ziehen sich rosige Wolkenbänke. Zwei Putten fliegen über dem Kreuz mit Kranz und Palme, dem Martyrerlohn.
Der Apostel Andreas, Bruder des Simon Petrus und mit diesem zusammen von Jesus berufen, erlitt 60/62 n.C. in Patras den Martyrertod unter dem Statthalter Aegeas, weil er nach der Legende dessen Frau zum Christentum bekehrt haben soll.
B Martyrium des hl. Vitus
Bildschauplatz ist eine weite Wiesenlandschaft mit einer Architekturkulisse am rechten Bildrand, von der aus ein flacher, geschwungener Steinsockel zu einigen Stufen am linken Bildrand führt. Auf diesem Sockel steht ein Gefäß mit Kohlen. In der Bildmitte ist über einem Feuer, das von Henkersknechten mit Holz unterhalten wird, ein riesiger Bronzekessel dargestellt. In ihm steht der jugendliche Vitus, nur mit einem Lendentuch bekleidet; er hat die Hände gefaltet und den Blick zum Himmel gerichtet.
Ein weißgekleideter heidnischer Priester weist auf ein Götzenbild, das auf dem Steinsockel rechts steht. An beiden Bildseiten sind römische Soldaten zu sehen. Vor dem blauen Himmel ballen sich graue Wolken, zwischen denen zwei Putten mit Palme und Kranz als Lohn für das Martyrium erscheinen.
Vitus stammte nach der Legende aus Sizilien und erlitt, weil er nicht vom Christentum ablassen und den Göttern opfern wollte, um 304/05 unter Diokletian den Martertod. Buchner überliefert einen Gemeindegottesdienst an St. Vitus.
C Krönung Mariens (R. Kunze 1930)
Das Bild der Krönung Mariens durch Gottvater und Christus hat möglicherweise eine barocke Darstellung gleichen Themas ersetzt.
1–6 Heiligendarstellungen
Die beiden Hauptbilder im Langhaus sind von sechs Nebenbildern umgeben. Diese zeigen jeweils einen Heiligen in einer öden Ebene stehend, die manchmal von einem Flusslauf durchzogen ist. Um ihre Häupter strahlt jeweils eine Lichtglorie im Zentrum einer Wolkenformation. Vier von ihnen haben eine Stifterinschrift; drei der Vornamen stimmen mit dem Namen des dargestellten Heiligen überein.
1 Richard der Angelsachse
Der Heilige trägt über einem blauen Gewand einen roten, hermelingefütterten Mantel. In der Rechten hält er ein Zepter, in der Linken ein Kästchen. Auf dem Haupt trägt er einen turbanähnlichen Kopfputz mit Krone. Inschrift: S. Richardus.
Richard der Angelsachse, Vater der Heiligen Walburga, Willibald und Wunibald, war nach der Legende ein König in Britannien. Auf einer Pilgerreise nach Rom starb er im Jahre 720 in Lucca. Er wird als König mit Krone und Zepter dargestellt.
2 Walburga
Die Heilige steht in einer weiten Ebene, aus der links im Hintergrund ein Berg mit einer Kirche mit Doppelturmfassade (Kloster Heidenheim?) aufragt. Sie trägt den Habit der Benediktinerinnen und hat ein Buch in der Hand. Zum Zeichen ihrer Äbtissinnenwürde hält sie das Pedum in der Linken; die Krone auf dem Haupt erinnert an ihre königliche Abkunft. Stifterinschrift: Walburga Pfaller.
Walburga war Tochter des angelsächsischen Königs Richard und seiner Gemahlin Wuna, geboren um 710 (Vita S. 77–100).
Wendelin, nach der Legende ein iroschottischer Königssohn, lebte im späten 6. Jh. als Eremit in den Vogesen. Er wird meist als Hirt dargestellt, eine Krone zu seinen Füßen, die hier fehlt.
5 WILLIBALD Der Heilige ist als Bischof gekleidet, mit Mitra und Stab und trägt auf der Brust das Rationale. Sein Haupt ist von Strahlen umgeben. Im Hintergrund links ist die Willibaldsburg von Eichstätt zu sehen. Stifterinschrift Martinus Pfaller.
Willibald war der Bruder der hl. Walburga. Nachdem er als Pilger in Rom und im Heiligen Land war, lebte er 729–39 als Mönch im Kloster Montecassino. Er wurde 740 zur Mission nach Deutschland gesandt und wurde erster Bischof von Eichstätt. Er starb 787.
6 APOSTEL PETRUS Petrus, den graubärtigen Kopf von einem Heiligenschein umgeben, trägt über einem blauen Gewand einen gelben Mantel. Mit der Rechten hält er sein Attribut, die Schlüssel, die Linke hat er auf die Brust gelegt. In der Glorie um sein Haupt erscheinen Puttenköpfchen, auf einem kleinen Hügel rechts der Hahn als ein weiteres Attribut. Stifterinschrift Peter Würler.
Quellen und Literatur
DAEI, Pfarrakten Pollenfeld I,4: Baulichkeit an der Filialkirche Weigersdorf; R2: Generalheilingrechnung; Pfarrarchiv Pollenfeld 89: Baureparaturen Kirche Weigersdorf; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche.
KDB V MF (2), S. 344–46.
Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 404–10 (Pfarrei Pollenfeld). Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 61, 1965/66, S. 9–92, hier: S. 40f. Margadant, Silvio und Emanuel Braun (Hg.), maurermeister des Fürstbischofs von Eichstätt. Autobiographie und Ausgabenjournal, Regensburg 2004, S. 111. Dehio OB 2006, S. 1363.
A. B./C. G.