Weichs, Pfarrkirche St. Martin
Pfarrkirche, Gemeinde Weichs, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei Weichs Monatspfarrei. An der Kirche bestand eine Dreifaltigkeitsbruderschaft, 1722 gegründet. Weichs war Hofmark, geteilt in 2/3 Weichs und 1/3 Weichs, unter verschiedenen Besitzern. Die Kirche und das Kirchenpatronat gehörten zur Hofmark 2/3 Weichs, die 1668–1720 im Besitz der Freiherren von Tannberg war. Auf das 1490 durch Wolfgang von und zu Weichs († 1495 als Abt von Weihenstephan) gestiftete Benefizium in Weichs hatte der Besitzer der Hofmark 1/3 Weichs das Präsentationsrecht. In Weichs bestand ein vermögendes Hospital, dessen Administrator 1719-37 Johann Kaspar Freiherr von Weichs war. Gericht Kranzberg
Patrozinium: St. Martin
Zum Bauwerk: Spätgotischer Chor. Das Datum der LHs Veränderung und der Barockisierung der Kirche ist nicht bekannt. Wir haben nur wenige Hinweise. Ein Datum ante quem dürfte die Austeilung der neuen Kirchenstühle durch den Hofmarksrichter am 10.3.1721 sein. Die Herstellung der Kirchenstühle folgt in der Regel den Bau- bzw. Dekorationsarbeiten. Da sie im März 1721 bereits fertig waren dürfte die Dekoration spätestens 1720 angebracht worden sein. Holdenried überliefert, daß das Patroziniumsfest am 11.11.1721 besonders festlich begangen worden sei, nachdem die Kirche ausgeweißt und verziert war
Der reiche Stuck zeigt viele Übereinstimmungen mit den Stuckierungen von Maisach (LKr. Fürstenfeldbruck, CBD, Bd 4, S. 190-92), Oberweikertshofen (ebd., S. 214-17) und

Unterweikertshofen (S. 266–73) und ist Benedikt Heiß aus Dachau zuzuweisen.
Für die beiden noch in leicht veränderter Form erhaltener Seitenaltäre hatte Pfarrer Andreas Staudinger († 30.7.1720) in seinem Testament vom 11.7.1720 400 fl. hinterlassen; sie waren 1723 fertiggestellt (Schreinerarbeit Martin Schwarzenbacher, Fassung und Altarblätter Hans Georg Hörmann Maler in Dachau. Kosten 628 fl., zu denen Staudingers Schwester Maria Anna, langjährige Pfarrersköchin in Weichs, 200 fl. beitrug). Kanzel 1724/25, Fassung Hans Georg Hörmann.


Pfarrer Martin Schubin war bestrebt, den Chor – der bereits stuckiert war - weiter zu verschönern. Er ließ den Hochaltar machen, gleichzeitig das Pflaster und die darin eingelassenen Grabplatten verändern und ein Fenster ausbrechen. All diese Arbeiten waren bei Schubins Weggang 1728 noch unvollendet: »Allergestalten dan der Choraltar ohngefaßet, ohne Altarbildt, und Blatt, ohne Altarstafel ganz ött dastehet, das Chorpflaster zerrissen, das Chorfenster außgebrochen, schändlich mit Pretter verschlagen...«. Auch die Sakristei war noch unausgebaut.
Auf welche Baumaßnahme sich folgende Einträge beziehen, ist nicht zu klären: »Dem Pfarr-Gotthaus Weix sint a0. 172 von diser Filial zum Pauen geliehen worden 80 fl.« (StAM, Kirchenrechnungen 1730, unter Öglsried; von den Filialen Edenholzhausen, Gundackersdorf und Ebersbach kamen 50 fl., 80 fl. und 70 fl., ebda. passim).
Vom Schloß 2/3 Weichs führte ehemals ein bedeckter Gang in die Kirche, der um 1800 abgebrochen wurde. 1874 wurde die Kirche um zwei Joche (30 Fuß) nach W verlängert.
Einfacher Saal zu fünf Fensterachsen (die beiden westlichen aus der Zeit der Kirchenverlängerung 1874), gleichmäßige Belichtung von N und S, Empore im W; eingezogener AR zu zweieinhalb Jochen mit dreiseitigem Schluß, Belichtung durch zwei Fenster im N, eines im S und zwei im Chorschluß.

Auftraggeber: Anton Max Emanuel Joseph Freiherr von Tannberg (* 1664 † 5.12.1720) »... quo finiit et obiit Illustrissima et Antiquissima familia de Tannberg« (AEM, Matrikel Weichs), dessen Wappen sich am Chorbogen befindet. Epitaph an der N-Wand des LHs: Alhie ruhet der Hoch: und Wohlgeborne Herr Herr Antoni Maximilian Joseph Freiherr von Tannberg Herr der 2/3 tl zu Weichs auf Auroltzmünster, der Churfürstl: Durchl: in Bayrn H. Camerer, seines Alters im 57. Jahr gestorben den 5t Dez. 1720 der Letzte dis Namens und Stammens. Die Dekoration ist noch zu seinen Lebzeiten anzusetzen (s. o.), wofür auch das Wappen spricht. Das Tannberg-Wappen am Chorbogen wird flankiert von zwei Wappen, dessen (heraldisch) linkes das seiner zweiten Gemahlin Maria Cleopha Margareta Freiin von Höhenkirchen ist. Das (heraldisch) rechte muß dann das seiner ersten Gemahlin Amadea Antonia Adelheid Freiin von Rover sein, Tochter des damaligen Besitzers der nahegelegenen Hofmark Jetzendorf (für die Bestimmung der Wappen danke ich Frau Claudia Mannsbart, BHStA 1). Aus beiden Ehen hatte Tannberg sechs Kinder, von denen nur eine Tochter überlebte, Maria Anna Josepha, die am 1.9.1721 Johann Anton Freiherrn von Stromer, damaliger Besitzer der Hofmark Jetzendorf, heiratete und die Hofmark 2/3 Weichs in die Ehe brachte.
Die Kirchenrechnungen führte der Indersdorfer Kloster-richter Johann Felix Schuh, der gleichzeitig Hofmarksrichter von Weichs war. Er betreute auch die vom Hofmarksherr gestifteten Bauunternehmungen
Pfarrer war Martin Schubin (1720–28). Er lebte sowohl mit der Witwe Tannbergs, dem Hofmarksrichter als auch den Beamten des Gerichts Kranzberg in bitterer Fehde, was die Arbeiten an der Kircheneinrichtung nicht beförderte.
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1720.
Der Autor der Freseken, die wohl mit Umbau und Stuckierung 1720 entstanden sind, steht in der Tradition der Münchner Schule um 1700 und zeigt stilistische Nähe zu dem Gumpp-Schüler Jakob Würmseer und zu Johann Eustachius Kendlbacher. Der Freskant war wohl zeitweise in einer der Münchner Werkstätten tätig.
Zu dem Langhausfresko A existiert ein Entwurf Johann Deglers. Daß die Ausführung des Deckengemäldes von dessen Hand ist, muß aber wegen der mäßigen Qualität ausgeschlossen werden. Die einzigen Fresken, die Degler z.Zt. überzeugend zugeschrieben werden können, befinden sich in der Kirche von Itzling, LKr. Erding (CBD, Bd 7).
Wie in Ainhofen durch den Maler Benedikt Dersch und in Straßbach durch Franz Deschler wurde also auch in Weichs nach Vorlagen Denglers gearbeitet. Die stilistische Verwandtschaft der Weichser Fresken mit denen Benedikt Derschs in Ainhofen (s. S. 20) und in Hohenschäftlarn und Zell (CBD Bd 3/1, S. 131-33 und 180-81, von Georg Paula neuerdings für Benedikt Dersch gesichert) macht seine Autorschaft auch für die Ausmalung von Weichs wahrscheinlich.
Der Dachauer Maler Johann Georg Hörmann (* 1672/73 Dachau † 1749 ebd.) muß auch in Betracht gezogen werden,

Johann Degler, Vorzeichnung zu Fresko A, Innsbruck weil er in der fraglichen Zeit in Weichs tätig war. Er malte die Seitenaltarblätter (s. o.) und faßte Altäre und Kanzel. Als Freskant ist er für das – nicht erhaltene – Chorfresko in Straßbach nachgewiesen. Ein Vergleich zwischen den Fresken in Weichs und weiteren Altarbildern Hörmanns in Einsbach und Bergkirchen überzeugt aber nicht. Eine entschiedenere Stellungnahme wird nicht nur durch den beeinträchtigten Erhaltungszustand erschwert. Die Altarbilder Hörmanns sind ebenfalls keine eigenständigen Kompositionen, sondern Kopien nach bekannten Vorlagen – für das linke Seitenaltarbild Melchior Steidls Altarbild Taufe Jesu in der Münchner Frauenkirche.
Zeichnung
Zu Fresko A Die Apostel verehren die Dreifaltigkeit, 29,5 × 23,5 cm, Feder, graue Tinte laviert, quadriert mit Bleigriffel, Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. T 622, zugeschrieben von Elisabeth Herzog, in: Der Münchner Hofmaler Johann Degler, ungedr. Diss., München 1955, Kat. Zz. 13).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke, AR Stichkappentonne
Rahmen: Die Hauptfresken A, B, C und D haben kräftig plakativ abgegrenzte Ränder.
stische, mit Blatt- und Blumenornamenten besetzte Stuckprofilrahmen, A längsrechteckig mit Ausbogungen in O und W sowie eingeschwungenen Ecken; B halbe Vierpaßform; C und D Vierpässe; A1-6 aus je zwei C-Bogen gebildete Stuckkartuschen; Ba-f dreipaßförmige Stuck-Ornamentkartuschen Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 8,40 m; 6,40 × 4,70
B Höhe 8,90 m; 1,05 × 2,10
C Höhe 8,90 m; 2,10 × 2,10
D Höhe 8,90 m; 2,10 × 2,10
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Nach der Verlängerung der Kirche 1874 wurde sie 1878 »vom Maler Bertz und Gen. mit schönen Plafondgemälden prächtig ausgeschmückt, auch dem Mauerwerke ein gefälliger Farbenton gegeben« (Holdenried 1885, S. 28). 1901 plante man Veränderungen an den Deckengemälden: »Zwei von den Deckengemälden sollen neu hergestellt werden nach den in Vorlage gebrachten Farbskizzen, die andern sollen gereinigt und renoviert werden. Die neu herzustellenden Bilder sind: ›die hlste Dreifaltigkeit« und »der hl. Martinus« im Presbyterium (Kostenvoranschlag durch Kunstmaler Wirsching); gleichzeitig wurden die Stukkaturen ausgebessert, ergänzt und neu gefaßt (AFM)
Aufdeckung der Fresken 1950 durch Otto Wimmer, München. Die Raumschale wurde von späteren Fassungen befreit und neu getönt. 1974 wurden die Fresken anläßlich der Veränderung des Chorraums (Abbau einer Empore, Anhebung des Fußbodens) gereinigt und retuschiert. Bei der letzten Restaurierung des Innenraums 1989 durch Otto Wimmer, München, wurde der Stuck gesichert und der Ornamentgrund der Stuckierung neu gefaßt. Das Mittelbild A wurde durch Aufhängen an den Deckenbalken gesichert. Die Fresken wurden gereinigt und mit Kasein gefestigt. Risse wurden geschlossen und Fehlstellen retuschiert
Beschreibung und Ikonographie
A DIE APOSTEL VEREHREN DIE DREIFALTIGKEIT Zweiansichtige Himmelsszenerie, Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte. - Wolken bilden an der O- und W-Seite je einen Bildschauplatz, wo im O sechs, im W sieben Apostel thronen. Dazwischen ist der Himmel aufgelichtet, und in der Bildmitte erscheint, von einer Strahlenglorie umgeben, das Dreifaltigkeitssymbol. Dieses Bildthema wurde wohl wegen der 1722 in Weichs gegründeten Dreifaltigkeits-Bruderschaft gewählt.
Im einzelnen sind dargestellt: an der O-Seite von links nach rechts Jakobus Maior mit Muschelkragen und Pilgerstab Paulus mit Buch und Schwert, Petrus mit dem Schlüssel Johannes mit Feder und Buch, neben sich den Adler, Andreas mit dem Balkenkreuz und Thomas mit der Lanze. An der W-Seite Matthäus mit Feder und Buch, Matthias mit der Hellebarde, Philippus mit dem Kreuzstab, Judas Thaddäus mit der Keule, Jakobus Minor mit der Walkerstange, Simor mit der Säge und Bartholomäus mit dem Messer
A1-6 MARTIN-SZENEN Das Hauptbild wird von sechs Ovalmedaillons begleitet (A2 und A5 queroval, die andern hochoval), die Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons
Martin von Tours zeigen (Sulpicius Severus, De Vita beat Martini; ders., Dialoge, in: Bibliothek der Kirchenväter, Bd 20, München 1914).
A1 TOTENERWECKUNG EINES KINDES (Dialog 2, 4) Auf dem Wege nach Chartres strömte eine große Menge Volk zusammen und Martin predigte den Heiden das Wort Gottes. Eine Frau wies ihm den Leichnam ihres Kindes und bat den Heiligen, ihr ihren einzigen Sohn wiederzugeben. Auf sein Gebet hin wurde der Knabe wieder lebendig. - Vor dem Bischof Martin, der in der Bildmitte segnend seine Hand hebt, lehnt eine junge Mutter und hat vor sich die Leiche ihres Kindes. Rechts sieht man einen Soldaten.
A2 TEUFELSAUSTREIBUNG (Vita, Cap. 17; Dialog 1, 25) Sulpicius Severus berichtet von zwei Teufelsaustrei-
Wunderungen, am Knecht des Prokonsuls Tetradius und am Koch eines anderen Herrn in der gleichen Stadt. Sie fanden jeweils im Hause des Herrn statt. Hier sind sie zu einem Bild zusammengefaßt. - Der Bischof Martin steht links und hebt die Hand segnend gegen zwei Besessene, die von drei Männern mühsam gebändigt werden; aus den Mündern der Besessenen flieht der böse Geist in Gestalt von kleinen schwarzen Teufelchen
A3 UBERGABE DER TOCHTER DES ARBORIUS (Vita, Cap. 19) Martin hatte die Tochter des Präfekten Arborius von einem hitzigen Fieber geheilt. Der Vater brachte sie daraufhin zu dem Heiligen, damit er sie zu ewiger Jungfräulichkeit weihe. – Ein junges, vornehm gekleidetes Mädchen tritt durch einen Torbogen auf den heiligen Bischof zu, der sie segnend empfängt. Zwei Geistliche sind anwesend
A4 TOTENERWECKUNG Vita und Dialoge nennen drei Totenerweckungen durch das Gebet des hl. Martin: die des Katechumenen, dessen Brüder das Totenbett trauernd umstanden (Vita, Cap. 7), die im Landgut des Lupicinus, dessen Knecht sich selbst das Leben genommen hatte (Vita, Cap. 8) und die des Kindes (Dialog 2,4; s. A1). Das Bild dürfte die erste darstellen. - In einer Halle erhebt sich ein junger Mann von seinem Totenbett, das von einem Mann und zwei trauernden Frauen umringt ist. Martin, der als Bischof gekleidet ist (die Totenerweckung fand vor seiner Wahl zum Bischof statt) und ein geöffnetes Buch in Händen hält, segnet den Jüngling. Ein Ministrant hält den Bischofsstab.
A5 ERSCHEINUNG DER ENGEL (Vita, Cap. 21) »Es ist auch sicher, daß dem hl. Martinus mehrmals Engel erschienen sind; sie unterhielten sich lange mit ihm«. - Martin, in bischöflicher Kleidung, blickt auf eine Schar von Engeln, die auf Wolken in den Raum eingedrungen sind
A6 BAUMWUNDER (Vita, Cap. 13) Als Martin einst eine Föhre, die den Bewohnern eines Dorfes heilig war, umgebracht hauen wollte, weigerten sich diese. Um zu beweisen, daß Gott mit ihm sei, bot der Heilige an, sich gefesselt an die Stelle zu stellen, wohin der Baum zu fallen käme. Die Heiden willigten ein; als der Baum sank, machte Martin das Kreuzzeichen und er fiel in die entgegengesetzte Richtung. Daraufhin ließen sich viele taufen. - Martin steht in Bischofskleidung unter einem abgehackten Baum, der sich gegen ihn neigt, und macht das Kreuzzeichen. Ein Bauer und eine junge Frau schauen erschrocken auf den Baum, während ein zweiter Bauer noch die Axt führt.
Aa-b EMBLEME Im O und W des Hauptbildes A befinden sich Kartuschen mit Emblemen; das Lemma ist jeweils in einem Schriftband oben im Bild. Da die Nebenbilder A1-6 sich mit dem Kirchenpatron Martin von Tours beschäftigen, beziehen sich sicher auch die Embleme auf ihn.
Aa PVLCHRA ET CANORA (schön und wohlklingend). Vogel, der auf einem Zweig sitzt. – Picinelli nennt das gleiche Lemma für den Distelvogel: »Carduelis prae reliquis aviculis simul et liberali forma & suavi vocis harmonia excellens...« (Lib. IV, Nr. 238, s. v. carduelis); hier bezieht es sich wie A auf die Milde des hl. Martin. Picinelli nennt den Distelvogel als Bild des gnädigen Fürsten (ebd. Nr. 234: Voce Formaque allicit): »Celsa potestatis species, non voce feroci, non alto simulata gradu, non improba gestis.«
Ab SPECIES EXHILARAT (durch den Anblick heitert er auf). Regenbogen. – Mit fast gleichem Lemma bei Picinelli (Lib. II, Nr. 265, s. v. iris: SPECIES EXHILARAT), zunächst auf Maria, aber auch auf den milden Fürsten bezogen: »Serena quoque Principis facies subditorum animos mirifice recreat. « Hier steht es für die gleichbleibende Milde und Güte des hl. Martin: »Niemand hat ihn je zornig, aufgeregt, traurig, niemand lachen gesehen. Er blieb sich immer gleich, wie vor himmlischer Freude strahlte sein Angesicht... in seinem Herzen wohnte nur Güte, nur Frieden, nur Erbarmen« (Vita, Cap. 27).
B ST. MARTIN UND DER TEUFEL (Vita, Cap. 6) Auf der Reise zu seinen Eltern nach Pavia (Ticinum) erschien Martin in der Nähe von Mailand der Teufel und drohte, er werde ihm überall, wohin er auch gehe, übel mitspielen; Martin antwortete: »Der Herr ist mein Beistand, ich fürchte nicht der Menschen Anschläge wider mich«, worauf der Teufel verschwand. - Martin ist in Reisekleidung dargestellt, mit Rucksack und Stab. Sein Haupt ist von Strahlen umgeben; er hebt seine Rechte zum Kreuzzeichen gegen den Teufel, der sich mit Erschrecken abwendet.
C ST. MARTIN WIRD ZUM BISCHOF ERWÄHLT (Vita, Cap. 9) Als man Martin zum Bischof von Tours wählen wollte, weigerte er sich aus Demut und Liebe zu seinem asketischen Leben. Doch auf das Flehen des Volkes hin gab er den Widerstand auf. - Schauplatz der Szene ist ein überkuppelter Kirchenraum, zu dem im Vordergrund Stufen emporführen. Links ist der bischöfliche Thron, über dem ein Baldachin gespannt ist, bereitet. Ein Diakon hält die Mitra, auf die ein Bischof weist. Auf der rechten Bildseite wird Martin, noch in Mönchstracht, das Haupt von Strahlen umgeben, vom Volk bedrängt, die Bischofswürde anzunehmen: die Männer scharen sich mit Gebärden des Bittens und Überredens um ihn und weisen auf Thron und Mitra. Ein junger Kleriker faßt Martin am Arm, um ihn zum Bischofsstuhl zu geleiten.
D MANTELSPENDE (Vita, Cap. 3) Als Martin noch Soldat war, begegnete er vor den Toren von Amiens einem dürftig bekleideten Bettler; er teilte mit seinem Schwert seinen Mantel und schenkte ihm die Hälfte. - Martin, in römischer Soldatentracht, trabt auf seinem Roß einher. In der Rechten hält er das erhobene Schwert; mit der Linken reicht er einem links stehenden, halbnackten Bettler die Hälfte seines Mantels.
Ba-f EMBLEME Die Embleme in den Stichkappen des AR beziehen sich ebenfalls auf den hl. Martin; Lemma jeweils in einem Schriftband oben im Bild.
Ba PROFERT LUMEN CAECIS (sie bringt den Blinden Licht). Schwalbe, die einen Halm zu ihren Jungen ins Nest bringt. – Die Schwalbe, die durch das Kraut Chelidonia ihre Jungen, wenn sie zu erblinden drohen, heilt, ist Bild für jene, die durch ihre Lehren (wie der hl. Martin) ihren Schülern im übertragenen Sinne die Augen öffnen: »Hirundo pullis visum per herbam chelidoniam reparans, designat iustum parere filios Christo, eosque per veritatis pharmaca illuminare« (Picinelli, Lib. IV, Nr. 452, s. v. hirundo, mit gleichem Lemma).
Bb QUOD HABEO LARGIOR (was ich habe, schenke ich). Granatapfel. – Der Granatapfel, der sich von selbst öffnet, ist Bild für die Freigebigkeit. »Hanc summae charitatis liberalitatem sibi familiarem habuere S. Martinus Episcopus... (et alii); qui ad aliorum egestatem sublevandam ipsos quoque episcopatuum suorum redditus profuderunt, eosque, intra palatia sua receptos, propriis vestibus, caeterisque bonis liberalissime donarunt« (Picinelli, Lib. IX, Nr. 258, s. v. malus punica, mit gleichem Lemma).
An den Gewölbezwickeln des AR sind in runden Medaillons Stuckreliefs der Kirchenväter angebracht.
Quellen und Literatur
StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Kirchenrechnungen Gericht Kranzberg, 1730 und 1750. StAM, LRA 34449; 34545.
StAM, Hofmarken, Weichs K 1
AEM, Pfarrakten Weichs: Pfarrbeschreibung; Bauten II; Pastoral- und Kultusgegenstände 1719-1878; Dreifaltigkeitsbruderschaft 1722–1898.
AEM, Kunsttopographie, Dekanat 27 Indersdorf, Weichs (Stephan Nadler).
Wening, Bd 1, S. 41.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 364–66
Buchinger, Dr., Geschichtliche Nachrichten über die ehem. Grafschaft und das Landgericht Dachau (Bis 1800), Teil 4, in: OAVG 7, 1846, S. 137–40.
Holdenried, Johann, Chronik von Weichs, umfassend die Abtheilungen Pfarrei, Benefizium, Hofmark, Spital, Schule, Häuser und Familien und Edelgeschlecht von Weichs, Dachau 1885.
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 181–88
Historischer Atlas I, Bd 11/12 (Pankraz Fried), Müncher 1958, S. 132–36.
Kunst- und Kulturdenkmäler 1973, S. 374
Kemp, S. 313.
Pfarrkirche St. Martin Weichs (o.V., nach 1974, 1977 ergänzt), Ms (vervielfältigt) im Pfarramt Weichs.
Dehio 1990, S. 1255 f.