Laß, Heiko:Wahn, Haus Wahn, sog. Schloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/858830d3-9dea-4e2d-8198-4455bed6931a

Inventarnummer: cbdd10374

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In Haus Wahn hat sich ein achtteiliger Zyklus von Ideallandschaften aus der Zeit von 1755-1760 erhalten.

Haus Wahn

Kurzbeschreibung und Lage

Haus Wahn[1] stellt sich heute als eine nach Süden geöffnete Dreiflügelanlage mit Hauptgebäude im Norden und zwei angrenzenden Wirtschaftsflügeln dar. Bis 1964 war der Wirtschaftshof jedoch von vier Flügeln umschlossen. Die Anlage wird noch heute durch den Westflügel betreten.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Die älteste Nennung von Wahn stammt aus dem Jahr 1100, das Gebäude selbst wird erstmals 1522 genannt. Wahn gehörte in der Frühen Neuzeit der Familie von Loë bis 1522, als es an die von Zweiffel kam. Von diesen gelangte es 1685 an die Schall von Bell und 1785 an die Familie von Heremann-Zuydwyck. Seit 1820 ist Haus Wahn im Besitz der Freiherren von Eltz-Rübenach. Die Burg wurde 1588 gebrandschatzt und im Dreißigjährigen Krieg 1632 geplündert.

Die heutige Schlossanlage entstand 1753-1757 für Graf Ferdinand Friedrich Schall von Bell nach Plänen des Architekten Johann Georg Leydel unter Einbeziehung älterer Bausubstanz. Im Ostflügel ist der Rest eines Wohnturms verbaut. Die Grafen von Eltz-Rübenach nahmen Renovierungen und Ausbauten vor. Die Treppentürme und die Kapelle stammten von 1910. 1955 fand die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität Köln hier ihre Bleibe. 1964 wurde der Komplex renoviert und der südliche Quertrakt abgerissen.

Beschreibung

Das Herrenhaus war ehemals von einem Wassergraben umgeben. Das Herrenhaus und die Bauten des Wirtschaftshofes stoßen direkt aneinander und alle Bauten waren ursprünglich einheitlich verputzt. Die eingeschossigen Wirtschaftsbauten sind dem zweigeschossigen Hauptbau eindeutig untergeordnet. Sie werden an ihren vier Ecken durch vier zweigeschossige Pavillons betont. Das Hauptgebäude misst elf auf fünf Achsen und wird über eine Freitreppe vom Hof aus betreten. Die Gartenseite zeichnen ein sich vorwölbender dreiachsiger Mittelrisalit sowie leicht betonte Eckrisalite aus.

Die Mittelachse des Hauses wird von einem Vestibül mit seitlichem Treppenhaus und dem Gartensaal eingenommen. An den Seiten erstrecken sich weitere Räume. Bemerkenswert sind die Stuckdecke und die Boiserie von Eichenholz im Gartensaal, in dessen Wände Ölgemälde auf Leinwand mit Landschaften, Jahrmarktszenen und Ruinen eingelassen sind. Die Supraporten zeigen Darstellungen von Schäferspielen. Ebenfalls erhalten haben sich ein Raum mit Tapeten in chinesischer Art und ein sogenanntes Pompejanisches Zimmer.

Der Gartensaal

Beschreibung

Der Gartensaal[2] wird vom Vestibül aus betreten und dient als Hauptsaal sowie Verteiler zu den angrenzenden Räumen. Er hat einen annähernd quadratischen Grundriss mit abgeschrägten Ecken. Der Raumeindruck wird bestimmt durch seine Eichenholzboiserie und die in sie eingelassenen Gemälde. Hiermit korrespondieren die holzgeschnitzten, doppelflügeligen Türen mit Supraporten.

Die Wandmalerei im Gartensaal

Beschreibung und Ikonographie

Die Wandgemälde[3]eines unbekannten Künstlers bedecken mit 315 Zentimetern Höhe die gesamten Wände oberhalb des Paneels. Die insgesamt acht Ölgemälde haben eine unterschiedliche Breite zwischen 138 und 355 Zentimetern, je nach Wandbreite. Sie zeigen Ideallandschaften mit antiken Ruinen, Schlössern und Gärten, Mühlen und Bauernhäusern, Städteansichten sowie Flüssen mit Schiffen im Mittel- oder Hintergrund. Im Vordergrund erblickt man ländliche Szenen mit tafelnden oder tanzenden Bauern, Schaustellern und Musikanten. Alle Bilder haben einen niedrigen Horizont – unterhalb der Bildmitte – und einzelne hochaufragende Bäume zwischen Vorder- und Mittelrund, die teilweise bis in das obere Bildviertel hineinragen. Die Supraporten stammen von derselben Hand wie die Wandgemälde und präsentieren Szenen gleichen Inhalts.

Das so genannte Chinesische Zimmer und seine Wandbespannung

Beschreibung und Ikonographie

Östlich des Gartensaals ist das so genannte Chinesische Zimmer[4] gelegen. Es trägt seinen Namen nach der wandfüllenden Bespannung mit chinoisen Motiven aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Einzelne ornamental gestaltete Rapporte präsentieren in der Mitte jeweils eine im damaligen Zeitverständnis als Chinesen anzusprechende Figur. Im oberen Bereich sind Musiktrophäen dargestellt, die europäische Instrumente wiedergeben.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Benedix/Buck, Wahn, 1999. – Benedix, Kristiane/Buck, Elmar: Schloß Wahn und die Theaterwissenschaftliche Sammlung (Rheinische Kunststätten, 438). Neuss 1999.
  • Clemen, KDM Mühlheim, 1901. – Clemen, Paul (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Mühlheim am Rhein (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 5,2). Düsseldorf 1901.
  • Dehio, Rheinland, 2005. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen I, Rheinland (Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz, Ulrich Schäfer. München/Berlin 2005.
  • Hansmann/Knopp, Schlösser, 1981. – Hansmann, Wilfried/Knopp, Gisbert (Hrsg.): Rheinlands Schlösser und Burgen. Herausgegeben von Alexander Duncker 1857-1883. Kommentarband (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 62). 2 Bde. Düsseldorf 1981.
  • Kier/Meynen/Krings, Porz, 1980. – Kier, Hiltrud/Meynen, Henriette/Krings, Ulrich (Bearb.): Bestandsliste der erhaltenswerten Bauten im Stadtbezirk 7 (Porz) mit den Stadtteilen Eil, Elsdorf, Ensen, Gremberghoven, Langel, Libur, Poll, Porz, Urbach, Wahn, Westhoven, Zündorf (Landeskonservator Rheinland Denkmälerverzeichnis 12.6, Köln Stadtbezirk 7 und 8 (Porz und Kalk)). Köln 1980.
  • Laß, Burgen, 2005. – Laß, Heiko: Der Rhein. Burgen und Schlösser von Mainz bis Köln (Burgen – Schlösser – Herrensitze, 1). Petersberg 2005.
  • Panofsky-Soergel, Olpe-Wipperfürth, 1974. – Panofsky-Soergel, Gerda: Olpe – Wipperfürth (Die Denkmäler des Rheinlandes, Rheinisch-Bergischer Kreis, 3). Düsseldorf 1974.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Rheinland, 2005, S. 833-834; Laß, Burgen, 2005, S. 194-195; Hansmann/Knopp, Schlösser, 1981, Kommentarband, S. 38; Kier/Meynen/Krings, Porz, 1980, S. 64; Panofsky-Soergel, Olpe-Wipperfürth, 1974, S. 67-70; Clemen, KDM Mühlheim, 1901, S. 154-155.
  2. Benedix/Buck, Wahn, 1999, S. 9; Panofsky-Soergel 1974, S. 70; Clemen, KDM Mühlheim, 1901, S. 155.
  3. Benedix/Buck, Wahn, 1999, S. 9; Panofsky-Soergel, Olpe-Wipperfürth, 1974, S. 70; Clemen, KDM Mühlheim, 1901, S. 155.
  4. Benedix/Buck, Wahn, 1999, S. 9-10; Panofsky-Soergel 1974, S. 70; Clemen, KDM Mühlheim, 1901, S. 155.