Donath, Matthias und Laß, Heiko:Wörlitz, Gotisches Haus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/b48150d3-b2c1-4d67-ac68-6f027dac45ba

Inventarnummer: cbdd10564

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Oraniersaal/Gartensaal des Gotischen Hauses in Wörlitz befindet sich eine bemalte barocke Bretterdecke, die vermutlich aus Schloss Oranienbaum stammt und sekundär ins Gotische Haus umgesetzt wurde. Die Decke enthält ein komplexes Bildprogramm, für das sich teilweise Vorlagen ermitteln lassen.

Das Gotische Haus in Wörlitz
Das Gotische Haus in Wörlitz

Baugeschichte

 
Das Gotische Haus in Wörlitz

Das Gotische Haus ist eines der ältesten neogotischen Bauwerke in Deutschland. Es wurde zwischen 1773 und 1813 in mehreren Bauetappen nach Plänen von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) erbaut. Anfangs gedacht als Wohnsitz für den Hofgärtner Johann Leopold Ludwig Schoch, nutzte Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817), genannt „Fürst Franz“, das Schlösschen seit 1785 zunehmend selbst, zumal hier seine Geliebte Louise Schoch mit den drei gemeinsamen Kindern wohnte.

In der ersten Bauetappe wurde 1773/74 der Kernbau auf rechteckigem Grundriss errichtet. 1785/86 fügte Fürst Franz einen T-förmigen Anbau an. Er besteht aus einem Verbindungsbau und einem zum Garten gerichteten Quertrakt. Im Erdgeschoss dieses Querbaus befindet sich der über die ganze Breite reichende Gartensaal. Dessen fensterlose Nordwand springt im Mittelbereich zurück. Die Raumerweiterung war erforderlich, um die bemalte Decke anbringen zu können, für die man eine Mindesttiefe benötigte. Das Deckenbild wurde jedoch an der Ost- und Westseite (bezogen auf die heutige Anbringung) beschnitten, um es im Gartensaal unterbringen zu können. Maßvorgabe war hier die maximale Breite der Mittelpartie dieses Erweiterungsbaus, entsprechend der Breite des Rittersaals im Obergeschoss.

Das Gotische Haus nahm Teile der Kunstsammlungen des Fürstenhauses auf und bis heute als Museum genutzt.

Forschungsgeschichte

Die Decke wurde erstmals von Marie-Luise Harksen im Inventarband „Stadt, Schloß und Park Wörlitz“ (1939) beschrieben. Nach ihrer Darstellung handelt es sich um eine Apotheose der Fürsten Friedrich Heinrich von Oranien, Johann Georg II. von Anhalt-Dessau und Wilhelm II. von Oranien. „Hinter ihnen Krieg und Frieden. Den drei Fürsten entspricht auf der anderen Seite Herkules umgeben von Tugenden, von denen die Caritas die Gesichtszüge der Fürstin Henriette Katharina von Anhalt-Dessau trägt.“ Harksen behauptet: „Aus dem Schlosse zu Dessau anläßlich des Umbaues 1748-1751 entfernt.“

Katharina Bechler behandelte den Oraniersaal und seine politischen Hintergründe (Situation Anhalts der 1770er/1780er Jahre) knapp in ihrer Dissertation zu Schloss Oranienbaum aus dem Jahr 2002.

Robert Hartmann, Untere Denkmalschutzbehörde des Gartenreichs Dessau-Wörlitz, vermutet eine Herkunft der bemalten Decke aus einem der Appartementräume im Erdgeschoss des Schlosses Oranienbaum.

Das Deckengemälde

Das Deckenbild besteht aus drei Bretterreihen aus vergleichsweise schmalen Brettern, die in Ost-West-Richtung spannen und an darunterliegende Deckenbalken bzw. Unterzüge genagelt sind. Das Mittelfeld ist von einer illusionistisch gemalten Profilrahmung umgeben. Sie ist mehrfach gestuft und weist an allen vier Seiten Auswölbungen auf. Das Bild erschließt sich für einen Betrachter, der an der Südseite des Raumes (Fensterfront zum Garten steht). Dargestellt ist ein dunkler Wolkenhimmel. Auf den grauweiß bis schwarzen Wolkenformationen sitzen verschiedene Gestalten und Figurengruppen, begleitet von geflügelten Frauengestalten, die im Himmel zu fliegen scheinen.

Die Hauptgruppe unten rechts

Die Hauptgruppe befindet sich unten rechts. Auf der Wolke sitzen drei Herren in schwarz glänzenden Harnischen, jeweils mit einem Marschallstab in der Hand. Ihre mit Federbüschen besetzten Helme stehen abgesetzt auf der Wolke. Anhand genauer Porträtähnlichkeit lassen sich die Personen identifizieren: Es handelt sich um den Fürsten Friedrich Heinrich von Oranien-Nassau (1584–1647), den Fürsten Johann Georg II. von Anhalt-Dessau (1627–1693) und Wilhelm II. von Oranien (1626–1650). Friedrich Heinrich, von 1625 bis 1647 Statthalter der Vereinigten Niederlande, war der Vater von Johann Georgs Ehefrau Henriette Catharina (1637–1708). Wilhelm II., Statthalter der Niederlande von 1647 bis zu seinem frühen Tod 1650, war der älteste Sohn Friedrich Heinrichs und der einzige Bruder der Henrietta Catharina von Anhalt-Dessau. Hinter der Dreiergruppe sind vier Fahnen aufgereiht; eine davon, im Vordergrund ist eingerollt. Hinter den Fürsten erscheinen nebeneinander die Personifikationen von Krieg und Frieden. Der in einen Harnisch gekleidete und behelmte Krieg hält ein Schild und eine Lanze, der Frieden, eine Frauengestalt, trägt einen Palmzweig als Symbol des Friedens. Über beiden schwebt eine weibliche Gestalt mit Schuppenpanzer, Schild und Lanze. Das Gorgonenhaupt auf dem Schuppenpanzer deutet an, dass es sich hier um die Göttin Minerva handelt. Links davon sind im Halbdunkel zwei weitere männliche Gestalten zu erkennen: Neben Minerva erkennt man einen Mann mit nacktem Oberkörper und gefesselten Händen, weiter unten erscheint schemenhaft ein weiterer Kopf. Ihre Bedeutung lässt sich nicht erschließen, zumal die links anschließende Partie der ursprünglich größeren Decke fehlt.

Die Mitte

In der Mitte des Deckenbildes sieht man eine geflügelte weibliche Gestalt, die in eine Trompete hineinpustet. Es handelt sich um Fama, die Personifikation des Ruhmes. In ihrem ausgestreckten linken Arm hält sie zwei gekreuzte Trompeten und Zweige mit Lorbeerblättern. Offenbar verkündet Fama den Ruhm der Fürstenhäuser Oranien und Anhalt.

Die Personengruppe links unten verdeutlicht Aspekte der Herrschaft beider Fürstenhäuser: Auf der Wolke sitzt der in ein Fell gehüllte und ansonsten nackte Herkules, der mit seiner rechten Hand seine Keule hält. Seine linke Hand präsentiert die drei goldenen Äpfel der Hesperiden als Symbole der Glückseligkeit. Hinter ihm befindet sich die Caritas (Nächstenliebe), die zwei Kinder in ihren Armen hält. Links oberhalb von Herkules wendet sich eine Frau mit entblößter Brust der Fama zu und reicht ihr mit ihrer ausgestreckten rechten Hand Geschmeide. Möglicherweise handelt es sich hier um Largitas (Freigiebigkeit). Die sitzende weibliche Gestalt links von Herkules lässt sich nur schwer deuten, da nicht alle Bildpartien klar erkennbar sind. Mit ihrer rechten Hand gibt sie etwas [nicht erkennbar] an zwei Kinder weiter, während sie mit ihrer linken Hand in einen Korb greift, den ihr ein Putto reicht. Rechts unterhalb von Herkules sieht man eine Frau mit Königskrone und Mantel mit Hermelinbesatz. Sie stützt sich auf ein Füllhorn, aus dem Münzen herausfallen. Dieses Motiv steht für Reichtum und Überfluss. Es könnte sich hier um Felicitas (Glück) oder Abundantia (Überfluss) handeln. Neben hier befindet sich eine weitere Frauengestalt, die jedoch angeschnitten ist, weil der hier anschließende Teil der Decke fehlt. Darüber thront eine Frauengestalt in weißem Kleid auf der Wolke. Sie hält in der linken Hand einen Lorbeerkranz (Siegeskranz) und in der rechten Hand einen großen steinernen Obelisken. Zwei fliegende nackte Putten halten über ihrem Haupt, das mit einer goldenen Zackenkrone versehen ist, einen Sternenkranz. Es handelt sich wohl um Victoria (Sieg). Über dieser Gruppe von Allegorien bricht Licht durch den Wolkenhimmel. Darüber schweben drei weibliche Gestalten mit Flügeln, die jeweils einen Siegeskranz emporhalten, rechts begleitet von einem Putto.

Die Nord und Südseite des Deckengemäldes

An der Nord- und an der Südseite ist dieses Hauptbild mit weiteren Szenen und Dekorationen umrahmt. Dabei sind die Dekorationen durchgehend in einer illusionistischen Grisaille-Malerei gestaltet. Die runden Bildmedaillons und Wappen sind hingegen monochrom Goldbraun in Goldbraun gemalt.

Die Südseite

In der Mitte der Südseite (Fenster zum Garten) befindet sich eine Wappenkartusche, begleitet von Lorbeerzweigen und Trompeten. In der Kartusche sind unter einer Krone zwei Wappen abgebildet. Es handelt sich um das Allianzwappen des Johann Georg II. von Anhalt-Dessau und seiner Gemahlin Henriette Catharina. Das rechte Wappen ist das Wappen des Fürstentums Orange (geviert, 1 und 4 Hifthorn, 2 und 3 Schrägbalken, Herzschild quadriert). Das linke Wappen mit einem Rautenkranz verweist auf das im 13. Jahrhundert eingeführte Stammwappen der sächsischen Askanier.

Die Nordseite

Auf der gegenüberliegenden Nordseite ist eine illusionistisch gerahmte Inschriftentafel dargestellt. Sie ruht auf einem Postament, wird von Voluten flankiert und ebenfalls von Lorbeerzweigen und Trompeten umgeben. Der französische Text in kursiver Kapitalisschrift in zehn Zeilen lautet: „POUR DE MOINDRES VERTUS POUR DE MOINDRES EXPLOIS / ET LA GRECE, LA ROME AUTREFOIS ONT VEU PLUS D UNE APOTHEOSE. / POUR NOUS DONT LA RELIGION / NE PERMET PAS LA MESME CHOSE, / RAUIS, PLEINS D` ADMIRATION / VENONS VOIR COURONER CES HEROS PAR LA GLOIRE / PUISSE LEUR ILLUSTRE MEMOIRE / LEUR VALEUR LEUR DOUCEUR LEUR GENEROSITÉ / SERVIR TOUIOUR D` EXEMPLE A LEUR POSTERITÉ (deutsche Übersetzung: „Für geringere Tugenden, für weltliche Heldentaten erlebten Griechenland und Rom in der Vergangenheit mehr als eine Apotheose. Für uns, deren Religion das Gleiche nicht zulässt, sind wir erfreut und voller Bewunderung, diese mit Ruhm gekrönten Helden zu sehen. Möge ihr glanzvolles Andenken, ihr Wert, ihre Sanftmut, ihre Großzügigkeit ihrer Nachwelt stets als Vorbild dienen.“).

Die Vier Embleme

In den vier Ecken befinden sich vier Embleme, die jeweils von einer reichen Dekoration aus Festons, Bändern, Flammenvasen und Arabesken umgeben sind. Während die runden Medaillons, die die Picturae des Emblems enthalten, eine goldbraun getönte monochrome Bemalung aufweisen, sind die illusionistisch angelegten Dekorationen, die sich bei jedem Emblem unterscheiden, in Grisaille gemalt. Über der Pictura befindet sich jeweils ein Schriftband mit der Inscriptio (Motto) in lateinischer Sprache, ausgeführt in Kapitalisbuchstaben.

Das Emblem im Nordosten

Das Emblem im Nordosten zeigt einen Turm, hinter dem sich der Blick in eine Landschaft mit Bergen öffnet. Im Himmel ist eine leuchtende Darstellung zu sehen. Das Motto lautet: „IN PVBLICA COMMODA FVLGET“ (deutsche Übersetzung: „Es steht im öffentlichen Interesse“).

Das Emblem im Nordwesten

Das Emblem im Nordwesten zeigt eine Landschaftsausblick mit einer Sonnenblume und einer strahlenden Sonne am Himmel. Das Motto lautet: „CAELESTES SEQVITVR MOTVS“ (deutsche Übersetzung: „Die Bewegung folgt dem Himmel“).

Das Emblem im Südwesten

Das Emblem im Südwesten, links neben dem Allianzwappen, zeigt einen fliegenden Vogel über einer Landschaft. Das Motto lautet: „SEMPER SVBLIMVS“ (deutsche Übersetzung „Immer erhaben“).

Das Emblem im Südosten

Das Emblem im Südosten, rechts neben dem Allianzwappen, bildet die Wasserfläche eines Meeres ab. Aus dem Wasser taucht ein großer Fisch auf. Das Motto lautet: „HVNC ET MONSTRA TIMENT“ (deutsche Übersetzung: „Sie fürchten sich auch vor diesem Ungeheuer“).

Die Datierung, Herkunft und kunsthistorische Einordnung

Das Deckenbild wurde von Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau und seiner Gemahlin Henriette Catharina in Auftrag gegeben. Es verherrlicht das Bündnis zwischen den Häusern Oranien-Nassau und Anhalt. Die Eheschließung mit der Tochter des Statthalters der Niederlande bedeutete für Johann Georg II. einen enormen Zuwachs an Prestige, da sein kleines Fürstentum nunmehr in internationale Zusammenhänge eingebunden war. Daher würdigt die Decke in einer Apotheose den Fürsten Johann Georg II., seinen Schwiegervater und seinen Schwager – beide waren bereits verstorben – als „Helden“. Die französische Inschrift unterstreicht den Ruhm dieser als Helden gefeierten Fürsten. Die Götter und Allegorien im Deckenbild heben die Tugenden der drei Fürsten hervor. Dabei ist der von Marie-Luise Harksen aufgestellten These zu widersprechen, die Caritas trage die Gesichtszüge der Henriette Catharina von Anhalt-Dessau. Die Gesichter der weiblichen Allegorien sind alle nur schematisch gemalt und jeweils sehr ähnlich. Im Unterschied zu den drei Fürsten lassen sich keine Porträtzüge erkennen.

Eine Herkunft der Decke aus dem Wörlitzer Schloss ist unwahrscheinlich. Wenn sie laut Harksen um 1750 aus dem Wörlitzer Schloss ausgebaut worden wäre, hätte man sie über 35 Jahre einlagern müssen, bis er Einbau um 1785 im Gotischen Haus erfolgte. Ein späterer Ausbau passt nicht zur Baugeschichte des Wörlitzer Schlosses. Deutlich plausibler ist eine Herkunft aus dem Schloss Oranienbaum. Ergänzt man die abgesägten Randbereiche, dann hat die Decke genau die Größe der Appartements im Erdgeschoss des Schlosses Oranienbaum. Es handelt sich um vier etwa gleich große Räume auf der Hofseite des Erdgeschosses, links und rechts vom Treppenhaus. Aus welchem dieser vier Räume die Decke stammt, lässt sich jedoch nicht sagen. Der betreffende Bereich gehört in die erste Bauetappe von 1683 bis 1685, was eine Entstehung der Decke um oder nach 1685 wahrscheinlich macht. Marie-Luise Harksen kommt mit einer anderen Herleitung ebenfalls auf die Datierung und ordnet sie „um 1685“ ein. Wie noch zu zeigen sein wird, ist eine Entstehung frühestens im Jahr 1690 möglich.

In den Archivalien zu Schloss Oranienbaum lassen sich keine Namen der ausführenden Künstler fassen. Der Maler verwendete offenbar Porträts der drei dargestellten Fürsten. Die übrigen Motive der Decke scheinen aus mehreren Vorlagen zusammengesetzt worden zu sein. Man kann das daraus schließen, dass die Einzelgruppen jeweils eigene, in sich geschlossene Kompositionen darstellen. Bisher konnten keine grafischen Blätter für diese Einzelszenen (z. B. Herkules und die Allegorien) ausfindig gemacht werden.

Die Embleme sind einem gedruckten Emblembuch entnommen. Es handelt sich um das Buch „Tapisseries Du Roy“, das 1679 in Paris gedruckt wurde und Stiche von Sébastien Le Clerc nach Tapisserien von Charles Le Brun enthält. Verwendet wurde die deutsche Ausgabe mit den nachgestochenen Abbildungen der französischen Ausgabe, die 1690 in Augsburg erschien (Titel: „Tapisseries du Roy, ou sont representez les quatre elemens et les quatre saisons; avec les devises qui les accompagnent et leur explication. Königliche französische Tapezereyen, oder überaus schöne Sinn-Bilder, in welchen die vier Element, samt den vier Jahr-Zeiten, neben den Dencksprüchen und ihren Ausslegungen, vorgestellet werden“). Die Embleme drücken Herrschertugenden aus. Ausgewählt wurden vier Embleme, die in der Ausgabe von 1690 in der nachfolgenden Reihenfolge erscheinen. Indem man die Erklärungen des Emblembuchs zur Hand nimmt, wird der Sinn der Embleme deutlich:

Seite 19: Leuchtturm mit auskragendem Leuchtfeuer und Motto „IN PVBLICA COMMODA FVLGET“. Erklärung: „Anzuzeigen / die stäts würckende Gütigkeit Seiner Majestät / als welche stäts vor das Heyl und Wolfahrt dero Unterthanen wachet“.

Seite 33: Ein Paradiesvogel mit dem Motto: „SEMPER SVBLIMVS“. Erklärung: „Der Paradeiß-Vogel / woferne den Naturalisten zu glauben / hält sich stäts in hohen Lüfften / und kommt nimmer auf die Erden / welcher mit dem Denck-Spruch: Nur immer in der Höhe / mit meinem Flug ich stehe! Die Hoheit und Vortrefflichkeit Seiner Majestät Königlichen Seele / welche immerdar mit hohen Dingen beschäfftiget / sich nichts / als was hoch und herrlich / vornimmt / vortrefflich außdrucket.“

Seite 51: Ein „Delphin“ im Wasser mit dem Motto „HVNC ET MONSTRA TIMENT“. Erklärung: „Dieser Fisch ist der rechtmässige Herr in der See / ungeacht sich weit grössere darin befinden. Die Naturalisten versichern / daß kein Monstrum so schröcklich / welches dieser Fisch nicht zu bestreiten und zu überwinden vermöchte; Eben dieses kann auch von Sr. Majestät sagen / daß nemlich keine Macht so groß und förchtlich / die sich nicht vor Deroselben förchte.“

Seite 61: Eine Sonnenblume wendet sich der Sonne zu. Motto: „CAELESTES SEQVITVR MOTVS“. Erklärung: „Anzuzeigen / daß Seine Majestät sich in all Dero Thun und Lassen / nach dem Himmel richte / eben wie die Sonnen-Blume der Sonnen folget.“

Französische Fassung: https://diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/gk-2f-84-4s&pointer=4

Deutsche Fassung: https://www.digitale-sammlungen.de/de/details/bsb11198804

Vgl. die Auszüge Wörlitz 2-Wörlitz 5

Der Maler verwendete die deutsche Ausgabe. Dies lässt sich daraus erschließen, dass die französischen Embleme genau seitenvertauscht sind. Bei der Herstellung der deutschen Ausgabe wurden diese Embleme „abgekupfert“, weshalb sie seitenverkehrt erscheinen. Bei der Umsetzung des Emblems „IN PVBLICA COMMODA FVLGET“ hat der Maler nicht genau auf die Vorlage gesehen. Das Bild im Emblembuch zeigt einen Turm mit einem auskragenden Balken, an dem ein Leuchtfeuer hängt. Bei der Umsetzung im Deckenbild wurde der Balken weggelassen, so dass das Leuchtfeuer – ohne sinnvolle Verbindung mit dem Turm – wie eine am Himmel leuchtende Sonne erscheint.

Im Ergebnis kann die Deckenbemalung nicht vor 1690 ausgeführt worden sein. Wie viele Beispiele zeigen (z. B. Herrenhaus Niederjahna, Sachsen), geschah die Umsetzung aus der Druckgrafik in die angewandte Kunst sehr schnell. Man muss also nicht davon ausgehen, dass nach dem Erscheinen der deutschen Ausgabe viel Zeit vergangen ist. Man muss von einer Entstehung der Deckenbemalung zu Beginn der 1690er Jahre ausgehen. Nicht auszuschließen ist eine Ausführung erst nach dem Tod des Fürsten Johann Georg II., der 1693 starb, was bedeutet, dass seine Witwe die alleinige Auftraggeberin gewesen wäre.

Bibliographie

  • Harksen, Marie-Luise: Landkreis Dessau-Köthen. Stadt, Schloß und Park Wörlitz, in: Giseau, Hermann (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Landes Anhalt (2), Burg bei Magdeburg 1939, S. 119.
  • Bechler, Katharina: Schloss Oranienbaum. Architektur und Kunstpolitik der Oranierinnen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Halle Saale 2002, S. 112-113.

Einzelnachweise