Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 6–7, geschrieben von Büttner, Frank und Rupprecht, Bernhard. Original (Passwortgeschützt)
danach


Das Gebiet, dessen Deckenmalereien in diesem Band 11 des >Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland« vorgestellt werden, hat keine gemeinsamen historischen Wurzeln. Der heutige Landkreis Traunstein umfaßt sowohl ehemals kurbayerische Gerichte wie Traunstein, Trostberg, Kling und Marquartstein als auch die Fürstbischöflich Salzburgischen Gerichte Tittmoning und Waging. Der Landkreis Berchtesgadener Land erstreckt sich über das Gebiet der ehemaligen reichsfreien Fürstpropstei Berchtesgaden sowie über die Salzburgischen Gerichte Laufen und Staufeneck. Historisch in sich geschlossen ist nur der Landkreis Ebersberg, der sich im wesentlichen mit dem ehemals kurbayerischen Gericht Schwaben deckt.

Die kirchlichen Zugehörigkeiten waren gleichfalls disparat. Das Gericht Schwaben lag im Erzbistum Freising, der Bereich des heutigen Landkreises Traunstein gehörte teils zum Erzbistum Salzburg, teils zum Salzburger Suffraganbistum Chiemsee; Archidiakonate waren Baumburg und Herrenchiemsee. Die Grenze zwischen den Bistümern Freising und Salzburg war der Inn. Die Fürstpropstei Berchtesgaden war im 18. Jahrhundert praktisch exempt.

In Ostbayern gab es schon frühe Vorläufer der barocken Deckenmalerei. Die bedeutende Ausmalung der Stiftskirche Seeon von 1579 wurde, obwohl nicht >barock<, als ein solcher Vorläufer kursorisch behandelt. Die gleichzeitige Ausmalung der Kirche St. Walburg in Seeon wurde erst während der Herstellung des vorliegenden Bandes freigelegt. Früheste barocke Deckenmalereien finden wir aus der Mitte des 17. Jahrhunderts in zwei Werkgruppen: Der Waginger Maler Michael Hueber freskierte in den Rippenfeldern gotischer Gewölbe hauptsächlich biblische Figuren und Szenen (in St. Leonhard am Wonneberg, Tettelham und Burg sind sie erhalten); der Traunsteiner Maler Wolf Jakob Schroff malte in die gotischen Gewölbefelder mehrerer Kirchen Engel, Rosetten und gegenständliche Ornamentmotive (davon sind nur Reste erhalten). Diese Arbeiten sind im Anhang aufgeführt.

Um 1700 traten im Chiemgau die beiden Tiroler Maler Joseph Eder und Jacob Carnutsch auf, die bald vor allem im Bereich des heutigen Landkreises Rosenheim eine lebhafte Tätigkeit entfalteten und als Deckenmaler recht erfolgreich waren. Mit der Ausmalung der Pfarrkirche Grassau ist Jacob Carnutsch im vorliegenden Band vertreten; ein Teil dieses umfangreichen Zyklus wurde 1766 durch Johann Nepomuk della Croce übermalt, ein vor allem ikonographisch sehr interessanter Teil blieb erhalten. In den Gebieten Staufeneck und Berchtesgaden war zu dieser Zeit der Maler und Höglwörther Laienbruder Christoph Lehrl auch als Freskant tätig: neben kleineren Arbeiten sind die Ausmalungen des Höglwörther Winterchors und der Wallfahrtskirche Maria Gern bei Berchtesgaden zu nennen. Der Maler Ruprecht Schweindl in Altenmarkt malte neben zahlreichen Altarbildern die Deckenbilder für die Sakristei in Baumburg. Im Gericht Schwaben holte man zu dieser Zeit für die Ausmalung der Wallfahrtskirche Altenburg den Münchner Hofmaler Johann Anton Gumpp, wie man denn in diesen Bereich auch in der Folgezeit bei jedem einigermaßen interessanten Objekt einen Maler aus München holte. Der damalige Maler in Schwaben, Anton Vicelli, wurde 1703 nur mit den zwei kleinen Deckenbildern in Frauenreuth betraut.

Die in Laufen, Tittmoning, Traunstein und Waging zum Teil recht florierenden Malerwerkstätten brachten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts keinen eigentlichen Freskanten hervor. Die Tittmoninger Maler Adam Panhammer und Ignaz Andreas Dinzl malten Deckenbilder, Ölbilder für Maria Ponlach, Bilder in empfindlicher Secco-Technik in Kay. Für die Ausmalungen von Maria Ettenberg und Maria Kunterweg holte man den Burghausener Maler Innozenz Warathi nach Berchtesgaden. Im Gericht Schwaben finden wir eine bedeutende Werkgruppe aus dieser Zeit mit den Arbeiten Johann Baptist Zimmermanns für Oberndorf, Grafing, Emmering und Ebersberg, die in diesem Band erstmals gründlich bearbeitet und umfassend vorgestellt sind.

In der zweiten Jahrhunderthälfte entstanden in den Klöstern bemerkenswerte Ausmalungen, für die auswärtige Maler verpflichtet wurden. In Seeon holte man für die Nikolaikapelle den Augsburger Maler Joseph Hartmann, in Baumburg den Prager Maler Felix Anton Scheffler, in Höglwörth den Salzburger Maler Franz Nikolaus Streicher. In Ebersberg ließen die Jesuiten ihre Kirche von dem Münchner Maler Franz Ignaz Schilling ausmalen: diese verlorene Ausmalung ist durch Zeichnungen, die ebenfalls verlorene Ausmalung Zimmermanns durch alte Beschreibungen und Archivalien gründlich dokumentiert. In Ostbayern gab es in dieser Zeit mit dem Trostberger Maler Franz Joseph Soll endlich einen guten und vielbeschäftigten Freskanten, und es entstanden in schneller Folge seine volkstümlich bunten und lebendigen Fresken, von denen viele schon in Band 9 (Landkreis Altötting) behandelt sind. 1758 malte der Freisinger Maler Johann Baptist Unterleutner die Kirche von Landsham aus, 1770/72 der Zimmermann-Schüler Martin Heigl die Kirche von Forstinning.

Dem zeitlichen Zusammentreffen eines Brandes in Ebersberg mit der Gründung der englisch-bayerischen Zunge des Malteserordens (1782) verdanken wir die Neuausmalung der Stiftskirche, die nach der Auflösung des Jesuitenordens Kirche der Malteser geworden war, durch den Münchner Maler Franz Seraph Kirzinger. Geprägt von dieser Spätzeit sind auch die Fresken des Schwabener Malers Georg Liechtmanegger in Gelting. Letzte Ausläufer der barocken Deckenmalerei, schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sind die Fresken in Ruhpolding von den Neubeurer Malern Johann Sebastian Rechenauer dem Alteren und dem Jüngeren.

Immer wieder überrascht, wie wenig stereotyp die barocke Ikonographie war. Der von dem Jesuiten Ignaz Bonschab ausgearbeitete Augustinus-Zyklus in Baumburg bringt völlig neue Betrachtungsweisen und Bildeinfälle. Das von Bonschab konzipierte Gründungsbild von Baumburg, das ›sepulcrum honoris‹, ist einzigartig. Da die Gründung Baumburgs mit der von Berchtesgaden historisch zusammenhing, wird hier in das Baumburger Bild auch die Gründung Berchtesgadens miteinbezogen. In den beiden frühen Ausmalungen Ebersbergs war die Geschichte der einst berühmten Wallfahrt zum hl. Sebastian ausführlich dargestellt, die vollständig rekonstruiert werden konnte. Interessant sind auch die beiden Gründungsbilder von Höglwörth, die von einer eingehenden Beschäftigung mit der Geschichte des Klosters zeugen, ebenso wie das damals brandaktuelle Fresko in Maria Kunterweg vom Auszug der Protestanten aus Berchtesgaden, das im Jahr dieses Auszugs entstand. In Siegsdorf stellt Franz Joseph Soll auf bunte und drastische Weise den Brand Traunsteins mit den brandstiftenden Kroaten und Panduren dar. In Grassau treffen wir zum erstenmal auf einen ausführlichen Zyklus vom Wirken des Schutzengels auf dem Weg zum Heil, und ebenfalls in Grassau finden wir auch eine volkskundlich einzigartige Darstellung: die Grassauer Bruderschaften schießen mit Kanonen Rosenkränze und Skapuliere, um den Himmel zu erobern. Die Eroberung des Himmels – letzten Endes die Quintessenz aller kirchlichen Barockikonographie.

DANK

Bei unserer Arbeit haben wir von vielen Seiten Unterstützung bekommen. Wir danken den Mitarbeitern des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und des Staatsarchivs München sowie der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Im Archiv der Erzdiözese München und Freising erfuhren wir Hilfe und freundliche Aufmerksamkeit durch Dr. Peter Pfister und seine Mitarbeiter. Hier wurde uns der Nachlaß Peter von Bomhards zur Verfügung gestellt, der große Teile eines Manuskripts umfaßt, das sich mit den Kunstdenkmälern des Landkreises Traunstein beschäftigt, ausgearbeitete Künstlerverzeichnisse enthält sowie ausführliche Exzerpte aus den Kirchenrechnungen und Akten der Pfarrarchive vor allem vor Grassau, Ruhpolding, Siegsdorf und Waging. Im Kunstreferat der Erzdiözese gewährte man uns bereitwillig Einsicht in die Quellen-Dokumentationen von Stefan Nadler und Maria Hildebrand, wofür wir Dr. Norbert Jocher und seinen Mitarbeitern herzlich danken. Wir danken auch Dr. Hans Roth vom Stiftsarchiv Laufen, Dr. Adolf Hahnl vom Archiv der Abtei St. Peter in Salzburg, Erich Boesmiller vom Stadtmuseum Trostberg, Wilhelm Haupt vom Stadtarchiv Wasserburg sowie allen Pfarrern und der Stiftung Ecksberg, die uns Zugang zu ihren Archiven gaben.

Dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege danken wir für die großzügige Gewährung der Akteneinsicht, Frau Angelika Reichenberger und Frau Christine Koslowski für damit verbundene Mühe.

An Ort und Stelle waren es vor allem die Pfarrer, die sich für unsere Arbeiten interessierten und uns Auskünfte jeder Art gaben. Ihnen sowie den Heimatpflegern, den Konservatoren des Landesamts, den Kulturreferenten der Städte, den Mitarbeitern des Kultur- und Bildungszentrums in Seeon, den Mitarbeitern der Schloßbrauerei Stein wollen wir an dieser Stelle herzlich Dank sagen. Ausdrücklich danken wir Erich Boesmiller in Trostberg, Dagmar Dietrich und Gabriele Dischinger in München, Heidi Emrich in Höglwörth, Dieter Goerge in Asten, Dr. Beatrix Holzer in Salzburg, Markus Krammer in Ebersberg, Dr. Georg Paula in München, Dr. Hans-Jürgen Schubert in Stein, Pfarrer Josef Stigloher in Baumburg und Alois Weichslgartner in Trostberg.

Die Damen und Herren Restauratoren gaben uns wertvolle Auskünfte und Erklärungen. Gedankt sei besonders Helmut Knorr in Grafing und Helmut Zernickel in München sowie Alois Stein in Inzell, der alle seinen Betrieb betreffenden Texte durchlas und ergänzende Kommentare gab.

Die Aufnahme eines Objekts, das Photographieren, das Ausmessen, das allfällige Nachprüfen der fertigen Texte an Ort und Stelle ist für die jeweiligen Kirchenpfleger, Mesner und Mesnerinnen oft mit Mühe verbunden: an dieser Stelle wollen wir uns doch einmal bedanken für jede Bereitwilligkeit, uns auch bei Winterkälte oder Regensturm ihre Kirche aufzusperren, Sachen beiseite zu rücken, um das Photographieren zu ermöglichen, und uns Auskünfte zu geben.

Aus ganzem Herzen danken wir Prälat Dr. Sigmund Benker für seine große Freundlichkeit, die Mühe und die Geduld, mit der er unsere Manuskripte auf mögliche historische und theologische Fehler hin durchsieht, wobei er auch die Lateinübersetzungen überprüft.

Unser Unternehmen wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft getragen. Wir möchten allen Damen und Herren, die mit unserer Sache befaßt sind, danken für ihre Geduld und ihr Verständnis, für manche Anregung und Kritik.

Dem Hirmer Verlag und Herrn Albert Hirmer selbst sind wir zu großem Dank für die verlegerische Betreuung verpflichtet. Frau Katja Durchholz betrieb wieder mit fachlichem Können, künstlerischem Geschick und großem persönlichen Einsatz die Herstellung dieses Bandes.

Frank Büttner und Bernhard Rupprecht