Laß, Heiko:Vechta, sog. Altes Rathaus, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/55845e59-7061-4342-ab42-8fac478c5a7e

Inventarnummer: cbdd20256

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Das Alte Rathaus in Vechta bewahrt ein Deckengemälde von 1711/13, das Apoll und die Musen mit Minerva in Vorbereitung auf den Wettstreit mit den Pieriden zeigt. Es folgt einem Entwurf von Johann Oswald Harms für Kassel aus dem Jahr 1704.

Das sog. Alte Rathaus in Vechta

Kurzbeschreibung und Lage

Das Alte Rathaus in Vechta[1] stellt sich heute als L-förmige Zweiflügelanlage dar. Es steht am östlichen Rand der Altstadt.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das so genannte Alte Rathaus wurde 1711-13 als Amts- und Wohnhaus für den Münsterschen Amtsrentmeister Alexander Wilhelm Driver erbaut. Es diente bis 1844 als Amtshaus. 1887 wurde das Amtshaus um einen im rechten Winkel angefügten westlichen Flügel erweitert. 1956 gelangte es in den Besitz der Stadt und diente dieser von 1957 bis 1999 als Rathaus. 2020-22 wurde es saniert.[2]

Beschreibung

Das Alte Rathaus setzt sich aus zwei zweigeschossigen Flügeln zusammen, die im rechten Winkel zueinander liegen. Der rechte, nördliche, ist das ehemalige Haus Drivers, der linke etwas höhere Bau im Westen der des 19. Jahrhunderts. Beide Flügel haben je ein Walmdach und sind verputzt. Die Tür- und Fenstereinfassungen des Altbaus sind aus Sandstein, die Wände waren ursprünglich nicht verputzt, sondern backsteinsichtig. Das Haus ist abgesackt und das Erdgeschoss war daher ehemals höher. Seine Binnengliederung ist weitgehend erhalten. Im Erdgeschoss befanden sich Wirtschaftsräume. Im Obergeschoss gruppierten sich die Wohn- und Repräsentationsräume um einen zentral an der Südseite gelegenen Saal mit Vorplatz im Norden.[3]

Das sog. Trauzimmer

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Trauzimmer war der Hauptsaal des Amts- und Wohnhauses für Alexander Wilhelm Driver. Die originalen Türen und Fenster sind 1956 entfernt worden. 1955-56 und 2020-22 wurde der Raum renoviert.[4]

Beschreibung

Der Raum misst 7,5 auf 7,2 Meter. Drei Türen erschließen ihn von Westen und Norden. Im Süden befinden sich drei Fenster. Die Wände zeigen ein ca. 1 Meter hohes umlaufendes Holzpaneel. Zwischen den Türen der Westwand steht ein Kamin; sein Wappen ist eine jüngere Zutat.[5]

Die Decke

Externes Bild
Johann Oswald Harms: Entwurf zu einem sternförmigen Deckengemälde: Apoll mit den Musen, Minerva und Pegasus am Helikon (1704)
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Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Stuckdecke wurde 1711-13 im Auftrag von Alexander Wilhelm Driver unter eine Eichenholzdecke gebracht. Aus dieser Zeit stammt auch das zentrale Deckengemälde. Es ist in Öl auf Leinwand gemalt und war ehemals an die Decke geklebt. 1985 wurde es abgenommen, mit einem Rahmen versehen, auf eine Spanplatte geklebt und an die Decke geschraubt. Die Malerei ist mehrfach konservatorisch und restauratorisch bearbeitet und teilweise übermalt worden. In der Bildmitte befindet sich eine besonders großflächige Übermalung – eventuell hing hier zwischenzeitlich ein Deckenleuchter.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Ein profilierter Stuckrahmen teilt die Decke in einen äußeren Randbereich und ein inneres Feld. Akanthusschlingen, Füllhörner sowie am Rand zusätzlich Muscheln und geflügelte Schnabelwesen in den Ecken füllen die Flächen. In der Deckenmitte befindet sich in einem weiteren Stuckrahmen ein Gemälde von 2,00 auf 2,00 Meter.[7] Zu sehen sind Apoll und die Musen zusammen mit Minerva am Berg Helikon. Dieser ist aufgrund des geflügelten Pferdes Pegasus eindeutig zu identifizieren. Auf ihn geht die mit einem Hufschlag freigelegte Quelle Hippokrene zurück, die Minerva zu sehen wünschte. Die Musen sind nicht mit ihren typischen Attributen dargestellt, sondern halten alle Musikinstrumente in Händen. Damit bezieht sich die Darstellung auf eine Erzählung von Ovid, nach der die neun Töchter des Pieros vermeint hätten, ebenso befähigt zu sein wie die neun Musen. In einem Wettstreit unterlagen sie jedoch den Musen und wurden zur Strafe von Minerva in Elstern verwandelt.[8] Die dargestellte Szene dürfte vor dem Wettstreit spielen, als die Musen ihre Instrumente stimmten.

Vorlagen und Vergleiche

Das Deckenbild folgt in leicht naiver Umsetzung sehr eng einem Entwurf von Johann Oswald Harms zu einem Deckengemälde für ein bislang unbekanntes Gebäude in Kassel.[9]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Schulte, Rathäuser, 1985. – Schulte, Ursula Maria: Rathäuser zwischen Ems und Elbe. Oldenburg 1985.
  • Archivalien:
  • Hicks, Untersuchungsbericht, 1984. – Hicks, Horst: Untersuchungsbericht. 1984, in: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung: 034-3418-005-05.
  • Maier, Rathaus Vechta, 2021. – Maier, Christiane: Untersuchung, Erarbeitung eines Konservierungskonzeptes und Erprobung konservatorischer Verfahren in den Räumen R.104 und 1.03. „Altes Rathaus Vechta“. Bürgermeister-Möller-Platz, 49377 Vechta. Hamburg 2021, in: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung: 034-3418-005-05.
  • Weßling, Rathaus Vechta, 2022. – Weßling, Danah: Konservierung und Restaurierung; Altes Rathaus Vechta. Stuckdecke im Sitzungssaal, Kölner Decke und historische Wandmalereien unter den Fenstern im ehem. Damenzimmer; Stuck im ehem. Herrenzimmer und Wandmalereifragmente im Flur (Vorplatz). Hamburg 2022, in: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung: 034-3418-005-05.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1295; Schulte, Rathäuser, 1985, S. 30-31.
  2. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1295; Schulte, Rathäuser, 1985, S. 30. Weßling, Rathaus Vechta, 2022, S. 5.
  3. Vgl. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1295.
  4. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1295. Maier, Rathaus Vechta, 2021, S. 9, 11; Hicks, Untersuchungsbericht, 1984, S. 1.
  5. Maier, Rathaus Vechta, 2021, S. 9; Hicks, Untersuchungsbericht, 1984, S. 1.
  6. Maier, Rathaus Vechta, 2021, S. 10-11; Hicks, Untersuchungsbericht, 1984, S. 2-3.
  7. Hicks, Untersuchungsbericht, 1984, S. 1, 3.
  8. Ovid, Metamorphosen V, 663 ff.
  9. http://kk.haum-bs.de/?id=z-03655.