Unterschweinbach, Filialkirche Mariä Himmelfahrt
Filialkirche, Pfarrverband Aufkirchen, Gemeinde Egenhofen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Aufkirchen. Aufkirchen war Monatspfarrei. Gericht Dachau, Amt Esting
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Romanische Chorturmanlage aus dem 13. Jh., im 15. Jh. gotisch verändert, im 18. Jh. – nach einem Brand von 1704 - barockisiert und an der LHs-Nordwand mit einer Seitenkapelle versehen. Ende 18. Jh. Rokokoausstattung. Erweiterungen nach W um je eine Fensterachse in 19. Jh. und 1977-79 (der Gedenkstein mit Datum 1977-79 an der südlichen LHs-Außenwand betrifft die Restaurierung der Kirche und diese Bauerweiterung). Der frühbarocke Stuck wohl von Benedikt Heiß aus Dachau wurde 1904 in Rokokoform ergänzt.
Ehemals vierachsiger (jetzt fünfachsiger), flachgedeckter Saalbau mit stark eingezogenem, quadratischen Chor. Belichtung durch rechteckige Fenster mit geschweiftem Schluß und Stuckprofilrahmen, Fensterrhythmus im nordöstlichen Joch der N-Wand durch die Seitenkapelle verändert, an der S-Wand verändert durch Vermauerung des vierten Fensters (von O her) und Anbringung eines kleinen fünften Fensters über der Empore. Im Innenraum keine Wandgliederung. Das barocke Deckenbild befindet sich im LHs, das im AR ist neubarock.
Auftraggeber: Pfarrer von Aufkirchen waren im fraglichen Zeitraum 1760–70 Johann Leonhard Jakob Jobst (1754–65) und Thomas Fellermayr (1765–86)
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Johann Nepomuk von Schöpf (* 1733 Prag † 1798, der Vater Johann Adam Schöpf 1757 geadelt; s. S. 134) bzw. einen Gehilfen; Entstehungszeit zwischen 1760 und 1770
In vereinfachter und abgewandelter Form ist die Unterschweinbacher Himmelfahrt Mariä eine Umsetzung des Fürstenfelder Hochaltarbildes gleichen Themas ins Fresko. Dieses Altarblatt lässt sich durch die Inschrift auf dem Nachstich Jungwirths (StadtA München, Maillinger Sammlung, Bd 1. Nr. 1219) »... Joan. Nep. de Schöpf Inventor et Pictor« als eine Arbeit des jüngeren Schöpf ausweisen. Eine 1973/75 in Fürstenfeld an der Wand hinter dem Hochaltar aufgedeckte Inschrift des Faßmalers mit der Zeile »... picto Joan[nes] Schöpf in Buelach...« (Ramisch, S. 127) würde auch eine Zuschreibung an den Vater Johann Adam von Schöpf (* 1702 Stadtamhof/Re gensburg † 10. 1. 1772 Egenburg) erlauben, der in Geiselbullach ansässig war (s. hierzu auch Kat. Fürstenfeld, Bd 1, Kat.Nr. F.IV. 12-14, S. 184-86 Altmann in Kat. Fürstenfeld 1988, Bd 2, S. 232, 234, 239). Die Frage der Zuschreibung des Fürstenfelder Hochaltarblattes an Vater oder Sohn Schöpf ist nicht mit absoluter Sicherheit zu beantworten; eine Zusammenarbeit beider ist denkbar.
Das Unterschweinbacher Fresko besitzt eine Reihe allgemein Schöpfscher Charakteristika (z. B. in der Gesichtsbildung der Engel), die in ihrer Ausprägung jedoch mehr dem jüngeren entsprechen (z. B. die gestreckteren Proportionen, die eckigeren Kopfumrisse bei bärtigen Männern im Gegensatz zu Johann Adams gerundeteren Kopfkonturen, eine kühler werdende Farbigkeit, die sich fast auf einen Zweiklang von Braun- und Blautönen zurückzieht). Dies alles gilt auch für die Fresken in Kloster Reichersberg am Inn/OC (1771/73), die für Johann Nepomuk gesichert sind, und für die späten, von ihm nach seinem Ungarnaufenthalt für die Cyriakuskirche Niederdorf (Schw., LKr. Memmingen) geschaffenen Deckenbilder (1792) mit der Himmelfahrt und Krönung Mariens (bei Breuer Albert Schöpf zugeschrieben, der von Max Gruber als mit Johann Nepomuk von Schöpf identisch erkannt wurde). Für Niederdorf verwendete Johann Nepomuk von Schöpf die Fürstenfelder Maria seitengleich und kaum variiert, während die gleiche Repertoirefigur, weißes Gewand, blauer Mantel und sandfarbenes Brusttuch, in Reichersberg als sitzende Madonna erscheint.
Die überlegte Gesamtkomposition des Unterschweinbacher Freskos und die Tatsache, dass die Elemente der Fürstenfelder Vorlage teils seitengleich, teils seitenverkehrt wiederverwendet wurden, sprechen mehr für Johann Nepomuk von Schöpf selbst als etwa für einen anderen Freskanten, der Schöpfs Vorlage verwendet hätte. Jedoch lässt die Ungeschicklichkeit, mit der einige Motive aus dem Fürstenfelder Altarblatt übernommen und funktionell unlogisch eingesetzt wurden, vor allem im mittleren Bildteil (der fälschlicherweise unter dem Standbein der Maria angebrachte Putto, der verrenkte Griff eines Engels an die Mondsichel, die unterbrochene Rosengirlande des großen Engels rechts), eher an eine Gehilfenarbeit denken. Auch das verunklärte Standmotiv der Marienfigur mindert die Qualität. - Als Entstehungszeit kommen aus stilistischen wie auch äußeren Gründen die sechziger Jahre in Betracht.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke
Rahmen: A doppelte, A1-4 einfache, mit Stuckprofilen eingefaßte Bandrahmung; der Rahmen von A ist an mehreren Stellen von stuckierten Rocaille-Kartuschen überlappt
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 5,85 m; 8,50 × 4,60
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1876 und 1905 fanden Restaurierungen statt, letztere durch Josef Albrecht und Bildhauer Schüler, der die Stuckrahmung anstelle einer gemalten Rokokodekoration schuf, die mit dem frühbarocken, teilweise durch das Deckenbild verschwundenen Stuck korrespondierte. 1964 wurde die ornamentale Deckengliederung übertüncht; die Medaillonbilder A1-4 wurden modern übermalt. Letzte Restaurierung 1979 durch Werner Peltzer, Starnberg, und Fa. Hans Hausch, Fürstenfeldbruck. Soweit möglich wurden alte Übermalungen und ›graphische‹ Gesichtskorrekturen in A entfernt, die Übertünchung des ornamentalen
UNTERSCHWEINBACH len Deckendekors abgenommen und dessen ursprüngliche Farbigkeit wiederhergestellt. Hierbei kam die Inschrift Orate fratres (von 1905?) an der kleinen Chorbogenkartusche zum Vorschein. Ebenso entfernte man die Übermalung von A1-4 und rekonstruierte auf Grund gefundener Farbspuren und Freskoeinritzungen die Mariensinnbilder Rose, Gefäß und Turm; für den Meerstern (A1) fanden sich keinerlei Spuren mehr. Das Fresko A ist jetzt in verhältnismäßig gutem Zustand. Wirklich original wirken jedoch nur einige Partien, so der Profilkopf und die Flügel des Engels mit der Rosengirlande. Formale Verunklärungen vor allem im mittleren Bildteil und im Mantelbereich der Marienfigur erscheinen gemildert. Im AR-Medaillon befindet sich eine neubarocke Darstellung: Puttenhimmel mit Auge Gottes.
Beschreibung und Ikonographie
A MARIÄ HIMMELFAHRT Das einansichtige Deckenfresko ist nach O gerichtet, Betrachterstandpunkt im westlichen LHs-Drittel. Von einem langgestreckten Vierpaß umzogen, nimmt es fast die gesamte Länge der freskierten Deckenfläche ein.
In der Bodenzone, die in Untersicht gegeben ist, erscheint der leere Sarkophag mit abgestelltem Deckel vor einer gekurvten Campo-Santo-Nischenarchitektur. Ein in Proskynese am Boden liegender Apostel und ein kniender mit staunend vorgestrecktem Arm verfolgen, von drei weiteren assistiert, die Auffahrt Mariens in den Himmel. Eine kleine Wolkensäule verbindet die aufschwebende Gruppe mit dem Sarkophag. Gegenüber den Aposteln sind die aufschwebenden Figuren übergroß dimensioniert und zeigen keinerlei Verjüngung nach oben hin, ein Beweis dafür, daß ein Tafelbild die Vorlage abgab. Zwei im Profil gegebene, einander zugekehrte Engel – der eine mit einer Lilie, dem Symbol der Reinheit, der andere mit Rosen, die zu Maria in vielfältiger symbolischer Beziehung stehen – bilden zusammen mit einer Wolkenformation die Basis der pyramidalen Engel- und Puttengruppe, die Maria emporträgt. Maria ist stehend dargestellt, mit ausgebreiteten Armen und nach oben gewandtem Gesicht, den rechten abgewinkelten Fuß auf die Mondsichel gesetzt, die von einem Engel und einem Putto gehalten wird. Weitere Engel raffen beidseitig Mariens Mantel.
Der farbliche Zusammenhang des Bildes, seine leichte Asymmetrie und die angedeuteten Diagonalachsen verraten eine mit Bedacht angelegte Komposition. Farblich trennt die rosa-violette Architektur den himmlischen und irdischen Bereich. Blau und eine reiche Abstufung von Brauntönen zwischen dunkel und ganz licht bestimmen diese beiden Bereiche, wobei das dunkelste Rostbraun den Aposteln gegeben ist. Maria in weißem Gewand, blauem Mantel und sandfarbenem Brust- und Schultertuch ist die bekrönende Figur, eingebunden in ein im wesentlichen ockerfarben getöntes Dreieck, das sowohl von Figuren als auch von Wolken gebildet ist und in das lichte Gelb der obersten Himmelspartie hineinwächst. Eine perspektivische Höhenillusion ist in der Hauptgruppe nicht angestrebt, das Aufschweben der Figuren wird allenfalls durch gebauschte Gewänder angedeutet.
A1-4 MARIOLOGISCHE SINNBILDER Die im W und O das Hauptbild begleitenden Medaillonbilder sind konzentrisch angelegt. Rocaille-Kartuschen verknüpfen sie mit dem Vierpaß. A1-4 zeigen Mariensymbole, die auf Anrufungen aus der Laurentanischen Litanei zurückgehen (teilweise abgebildet auf S. 260).
MORGENSTERN (stella matutina; modern)
TURM DAVIDS (turris Davidica)
KELCH (vas spirituale)
ROSE (rosa mystica)
Quellen und Literatur
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 268 f
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 255.
KDB I OB (1), S. 479.
Heimatbuch Fürstenfeldbruck (o.V.), Fürstenfeldbruck 1952 S. 312 f.
Historischer Atlas I. Bd 11/12, S. 38.
Landkreis Fürstenfeldbruck (o.V.), Heimatbuch, Pörsdorf 1963, S. 215.
Dehio-Gall OB, S. 142
Hans Ramisch, Die Innenrestaurierung der ehemaligen Zisterzienser-[Landhof-]Kirche Fürstenfeld, in: Jahrbuch der bayerischen Denkmalpflege, Bd 33, 1979, S. 127.
Kunst- und Kulturdenkmäler, S. 367 f
Altmann, Lothar, Die Ausstattungskünstler der bestehenden Barockanlage von Fürstenfeld (1690–1803), in: Kat. Fürstenfeld 1988, Bd 2, S. 232, 234, 239.
Dehio 1990, S. 1216.
Literatur zu Johann Nepomuk von Schöpf s. S. 139.