Uffing, Pfarrkirche St. Agatha


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 430–432, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte Kloster Benediktbeuern das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Gericht Weilheim

Patrozinium: St. Agatha

Zum Bauwerk: Die 1480 erbaute und 1483 geweihte Kirche wurde im 17./18. Jh. barockisiert.

Saalbau zu drei Fensterachsen, im W Empore; gleich breiter einjochiger AR mit dreiseitigem Schluß, durch vier Fenster beleuchtet

Autor und Entstehungszeit: Signatur in C joh: Seb: Troger Pinx: 1786. (Johann Sebastian Troger ab 1760 in Elbach nachweisbar † 1792 Weilheim). Stilistisch ist die Ausmalung in Uffing eng mit der in Weilheim St. Pölten verwandt, die 1782 entstanden ist (CBD, Bd 1, S. 564 f.). Die 1784 entstandenen Deckenbilder in der Filialkirche Piesenkam (S. 546–48) zeigen ebenfalls weitreichende Ähnlichkeiten.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A) Stichkappentonne und AR (B) verschliffenes Kreuzgratgewölbe

Rahmen: A und B gemalte Rahmung in Girlandenform (neu)

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 9,40 m; 9,10 × 5,20

B Höhe 9,20 m; 4,60 × 4,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Inschriften in B geben an: RENOV. 1898 und Andr. Bauer/ Renov. 1957. Das Freskofeld über der Orgel wurde 1923 von A. Wittmann mit einer Darstellung der hl. Cäcilia ausgemalt. Darunter befand sich ursprünglich ein Fresko Trogers mit der Darstellung der hl. Agatha im Freudenhaus der Aphrodisia, das 1898 übertüncht wurde.

In A zahlreiche Parallelrisse (Holzlattenwölbung?), z. T. schlecht gekittet; Feuchtigkeitsschäden und Übermalungen. Deutlich sichtbare Grenzen der Tagwerke in A und B um die einzelnen Bildteile

Beschreibung und Ikonographie

A MARTYRIUM DER HL. AGATHA Das Bildfeld erstreckt sich über zwei Joche des LHs; drei Ansichten. Betrachterstandort etwa unterhalb der Bildmitte. In mäßiger Untersicht sind drei Szenen aus der Vita der Martyre rin gegeben, in der Bildmitte und im W Himmelsszenerie. Die Bildanlage erinnert formal an die rundumlaufenden terrestrischen Schauplätze, die einen Schrägblick in eine Himmelsdarstellung andeuten. Hier zerfällt die Bodenzone in drei selbständig konstruierte Ansichten mit differierenden Fluchtpunkten; es besteht kein logischer räumlicher Zusammenhang zwischen der breitgelagerten Hauptszene über einem Treppenpodest an der östlichen »Bildbasis« und den beiden flacher und pyramidenförmig aufgebauten Szenen an der N- bzw. S-Seite des Freskos. Eine gewisse Höhenillusion kommt nur bei der Betrachtung der Hauptansicht gegen O zustande.

 
Martyrium der hl. Agatha

Hier ist Agatha vor dem Landpfleger Quintian dargestellt. Der Schauplatz, die Richtstätte mit einem erhöhten Thronsitz, ist durch eine geschwungene Mauer hinterfangen, die seitlich in zwei Pfeilern mit Zierobelisken endet, im Hintergrund historisierende Gebäude. Agatha wird ihrem Richter vorgeführt und zum Opfer an die heidnischen Götter aufgefordert. Priester weisen auf Räucherpfanne und Götzenbild, auf dem Platz drängen sich Soldaten und Volk. In Himmelszentrum sind anstelle der Glorie Putti mit den Symbolen der Göttlichen Tugenden (flammendes Herz, Hostienkelch und Anker) dargestellt, Strahlen fallen auf die Heilige herab.

Vorbereitung des Martyriums (S-Seite) Die schmale Bodenzone wird nach rechts von zwei Palmen begrenzt. Vor einer Jupiterbüste schüren Schergen unter Aufsicht heidnischer Priester ein Kohlefeuer, das mit Scherben gemischt ist. Seitlich und im Hintergrund Zuschauer, von denen z. T. nur die Köpfe sichtbar sind.

Erdbeben (N-Seite) Über einem niedrigen Grasstreifen erhebt sich eine mächtige Stadtmauer, deren Türme in Trümmer zerbersten und zu Boden stürzen. In einer Nische zwei entsetzte Männer am Schreibpult. Ein Laubbaum bildet das Pendant zu den Palmen der Szene an der S-Seite.

B GRAB DER HL. AGATHA Das nahezu runde Bildfeld zeigt den Schrägblick in das Innere eines Rundbaus, der eine große Deckenöffnung aufweist. Seitlich führen rechteckige Maueröffnungen in angedeutete Nebenräume, im Vordergrund setzt hinter einer fragmentarischen Einfassungsmauer der hohe, sich nach oben verjüngende Treppenpodest an, der den Sarkophag mit dem Leichnam der hl. Agatha trägt. Rechts und links davon auf den Stufen flehende Männer und Frauen, einer von ihnen als repoussoirhaft eingesetzte Rückenfigur. Über das Gesims der runden Deckenöffnung schweben Engel und Putti in den Grabbau herab, bringen eine Tafel mit Inschrift und spannen eine rote Draperie. Um das Dreifaltigkeitssymbol in der Glorie im höchsten Punkt des Freskos sind Figuren des Alten Testamentes gruppiert, von denen David, Noe und Johannes der Täufer zu erkennen sind (schlecht erhalten).

 
 
 
A Warnung vor dem Sturm

Auffallend die stilistische Nähe zu den Engeln des Matthäus Günther (z. B. Rottenbuch, CBD, Bd 1, S. 438–86; vgl. dazu auch Piesenkam, S. 546–48).

Die Farbigkeit beider Bilder wirkt sehr einheitlich durch den grau- bis ockerfarbenen Grund. Himmel und Architekturen unterscheiden sich farblich kaum voneinander. Davor sind gedämpfte Buntwerte, Rosa, Grün, Gelb und das für Trogers Farbskala charakteristische kräftige Ultramarin mit Weißbeimischung gesetzt.

Quellen und Literatur

Gailler, Franciscus, Vindeliciae Sacrae... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 41. KDB I OB (1), S. 727

Gernhardt, Ludwig, Uffing, in: Weilheimer Sonntagsblatt 1926. Nr. 6. S. 3–5.

Gebhart, Hansjakob, Staffelseechronik, Murnau [1931], S 197

Damrich, Johann, Johann Sebastian Troger und seine Sippe, in: Weilheimer Sonntagsblatt 1935, Nr. 12, S. 35. Thieme-Becker, Bd 33, (1939), S. 419 f.

Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 1964, S. 46

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