Traunwalchen, Wallfahrtskapelle Frauenbrunn


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 188–189, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
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TRAUNWALCHEN

Wallfahrtskapelle Frauenbrunn, Pfarrei Traunwalchen, Stadt Traunreut, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war Traunwalchen Filiale der Pfarrei St. Georgen, die dem Augustiner-Chorherrnstift Baumburg inkorporiert war; Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg. Der Ort Traunwalchen gehörte zur Hofmark Pertenstein, die im Besitz der Grafen von Törring war. Die Wallfahrt zum Mariengnadenbild in der Pfarrkirche Traunwalchen, schon im 15. Jh. bezeugt, war eine der bedeutenderen Wallfahrten im Chiemgau. Ab dem 17. Jh. gehörte zu dieser Wallfahrt auch der Besuch der nahegelegenen Heilquelle Frauenbrünndl, wo vor allem Augenleidende Heilung suchten. Gericht Traunstein

Patrozinium: Die Kapelle ist nicht geweiht. Sie bekam erst 1950 das Meßprivileg.

Zum Bauwerk: Schon im 16. Jh. wird gelegentlich eine Heilquelle nahe der Wallfahrtskirche Traunwalchen erwähnt. 1600 ließ Ladislaus Törring von Stein und Pertenstein (1617–38) Pfleger von Traunstein) die offene Quelle fassen und statt des verfallenden Brunnenhauses eine kleine achteckige hölzerne Kapelle errichten, deren Seitenwände teilweise nur vergittert waren. In der Kapelle hängt ein Kupferstich (um 1615) mit der ältesten Abbildung der Kapelle und einer Darstellung der Stifterfamilie, sowie dem Wappen Ladislaus von Törrings mit dem vereinigten Wappen seiner Gemahlinnen Fugger-Kirchberg und Gumppenberg. Erneuerung der Kapelle 1681/82, bei der wohl die offenen Seitenwände geschlossen wurden, denn damals wurden aller Wahrscheinlichkeit nach die 16 achteckigen Votivbilder auf die Wände gemalt und dort mit Leisten gerahmt. Um die Mitte des 18. Jh. wurde der heutige Altar aufgestellt (nach Bomhard 1770 ergänzt und bereichert) und das Deckenbild angebracht; der Kapellenraum wurde farbig neu gefaßt und die wandfesten Votivbilder dazu passend grau lasiert. 1770 wurde im Anschluß an die Kapelle das ehemalige Eremiten- und Schulhaus erbaut.

Der sehr reizvolle Baukomplex von Kapelle, Eremitenhaus und zugehörigem Garten befindet sich etwa 200 m im Norden der Pfarrkirche am Fuß eines Hangs, ehemals völlig für sich stehend, heute zur Hälfte vom modernen Friedhof umgeben. Achteckiger Holzbau über gemauertem Sockel, Zeltdach mit Zwiebelkuppel. Das ebenfalls achteckige Innere (Durchmesser 3,65 m) hat Holzwände mit Leistenfelderung. Altarmensa mit darunterliegendem Wasserbecken für die Heilquelle, darüber ein kleiner Rokokoaltaraufbau. Die Quellenfassung war ursprünglich gemauert mit drei schlitzartigen Rohröffnungen, das heute angebrachte Pumpwerk funktioniert nicht mehr. Zahlreiche Votivtafeln hängen an den Wänden.

Auftraggeber: Besitzer der Hofmark Pertenstein waren die Grafen von Törring. Die Rechte an der Kirche Traunwalchen waren umstritten, die Törring betrachteten sie als Hofmarkskirche, Baumburg betrachtete die Pfarrei als dem Stift inkorporiert. Ab 1652 wurden die Ausgaben für die Kapelle in der Traunwalchener Kirchenrechnungen verrechnet, wo die Umbauarbeiten 1680/82 aufscheinen, aber von der Ausstattungszeit um 1745 nichts zu finden ist. Deckenbild und Raumfassung dürften also von privaten Spenden finanziert worden sein.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1745. Bomhard datiert die Umgestaltung der Kapelle in die Zeit um 1740. Von 1722–44 war die Hofmark Pertenstein im Besitz von Johann Franz Adam Graf von Törring, der den Besitz völlig vernachlässigte. 1743 wurde im österreichischen Erbfolgekrieg das Schloß beschädigt und bestohlen, der Ort sehr in Mitleidenschaft gezogen. 1744 kam Pertenstein an den kaiserlichen Feldmarschall Ignaz Graf von Törring-Jettenbach, unter dem Schloß und Hofmark wieder in Blüte kamen. Historisch gesehen ist deshalb als Datum der Umgestaltung die Zeit um 1745 sehr wahrscheinlich, nach dem überstandenen Krieg, bei wieder einsetzender wirtschaftlicher Erholung. Als Maler des bescheidenen Deckenbildes kommt nur ein örtlicher Maler in Betracht, wahrscheinlich Andreas Junker, Maler in der Baumburgischen Klosterhofmark Altenmarkt (s.S. 379), möglicherweise aber auch der Traunsteiner Maler Timotheus Carl Baumgartner (s.S. 379): Dieser malte das rechte Altarblatt in der nahegelegenen Wallfahrtskirche Ising mit der Darstellung eines Mariengnadenbildes, das Ähnlichkeiten mit dem Traunwalchener Deckenbild zeigt. Alter als das Deckenbild und wohl in die Umbauzeit von 1681/82 zu datieren sind die sechzehn achteckigen Votivbilder, von denen je zwei querformatige nebeneinander oben an sechs von den acht Wandstücken in der Art eines umlaufenden Frieses angebracht sind, und je zwei hochformatige unter den querformatigen an der Wand zu seiten des Altars. Sie sind in Öl unmittelbar auf die Holzwand gemalt und dann mit den Leistenrahmen versehen. Sie stellen Wunderheilungen dar (Datum an einem Bett 1660). Möglicherweise stammen sie vom Altenmarkter Maler Ruprecht Schweindl (Danner 1995, S. 33–40; zu Schweindl s.S. 382). Das ist aber schwer zu beurteilen, da die Bilder im Lauf der Zeit mehrfach verändert wurden.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Weißgestrichene Holzdecke mit Leistenfelderung

Rahmen: Hölzerne Profilleiste im Achteck

Technik: Öl auf Holz; polychrom

Maße: Höhe 2,70 m; 1,20×1,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Der Innenraum und die wandfesten Votivbilder samt Rahmen wurden mehrfach überfaßt, das Deckenbild stark gefirnist. Restaurierung des Innern nach Bomhard 1950. Bei der letzten Innenrestaurierung 1991 durch Wolfgang Lauber, Bad Endorf, wurde der bis dahin graue Raum weißgrau gefaßt, das Deckenbild und die wandfesten Votivbilder wurden gereinigt und konserviert.

Beschreibung und Ikonographie

1 GNADENBILD VON TRAUNWALCHEN Das kleine achteckige Deckenbild zeigt die Gottesmutter in Gestalt des Gnadenbildes in der Pfarrkirche Traunwalchen. Dieses ist eine spätgotische Schnitzfigur (ca. 1,40 hoch), Maria auf der Mondsichel stehend, in der Rechten ein Zepter und auf der Linken das nackte Kind mit dem Reichsapfel. Eine Kopie davon befindet sich in Form einer sehr einfachen alten Schnitzerei auf dem Altar der Kapelle. Dort ist sowohl Maria als auch das Kind in der barocken Kleidung dargestellt, jeweils mit goldener Krone auf dem Haupt. Beim Deckenbild bemühte sich der Maler, Maria zwar unverkennbar als Gnadenmutter von Traunwalchen darzustellen, aber sie freier in der Bewegung und in natürlicher Kleidung als Heilige im Himmel, in einem Wolkenkranz vor gelblichem Glorienschein.

Quellen und Literatur

AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 193: Vorläufige Texte zu Kunstdenkmälern des Landkreises Traunstein. Traunwalchen, Kapelle am Frauenbrünndl.

AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 36/Baumburg, Pfarrei Traunwalchen (Georg Brenninger), Kapelle Frauenbrunn.

BLfD, Akt Traunwalchen, Kapelle Frauenbrunn.

 
Der Kapellenraum mit den wandfesten Votivbildern
 
Gnadenbild von Traunwalchen (um 1745)

Töpfer, Friedrich, Geschichte des gräflich-Törring-Gutenzellischen Schlosses Pertenstein und der dazu gehörigen Hofmarken Marbang und Sondermanning, in: OAVG 8, 1847 S. 348–89.

Wagner, Johann Joseph, Geschichte des Landgerichts Traunstein, IV. Geschichte des Decanats Haslach, IX. Pfarrei Traunwalchen, S. 306–11.

Mayer-Westermayer Bd 1, S. 567–69

KDB I OB (2), S. 1868

Lohr, Johann Baptist, Pfarrei Traunwalchen, München 1905. Kriß, Rudolf, Die Volkskunde der Altbayrischen Gnadenstätten, Bd 1, München 1953, S. 262–71.

Historischer Atlas I, Bd 26, Traunstein (Richard van Dülmen), München 1970, S. 149 f.

Schubert, Hans-Jürgen, Die Gemeinde Stein, Trostberg 1979 Rosenegger, Josef und Nikolai Molodovsky, Wallfahrten zwischen Inn und Salzach, Freilassing21985, S. 44 f.

Strauss, Heidemarie und Peter, Heilige Quellen zwischen Donau, Lech und Salzach, München 1987, S. 56–58.

Danner, Johannes, 1200 Jahre Traunwalchen, Trostberg 1989. Bauer, Anton, Wallfahrten im Landkreis Traunstein einst und jetzt, in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Bd I, Trostberg 1963, S. 171–86. Frauenbrünndl S. 175 f.

Dehio 1990, S. 1185

Danner, Johannes, Pfarrkirche Mariä Geburt – Frauenbrunn – Kirche Kirchstätt. Traunwalchen 1995, S. 26–65 (mit Auswertung der Kirchenrechnungen im Pfarrarchiv Traunwalchen).

А. В.