Tetenbüll, sog Staatshof
Inventarnummer: cbdd20200
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Im so genannten Staatshof hat sich in der Wohnstube eine bemalte Holzbalkendecke von 1765 erhalten. Vier Medaillons zeigen Szenen aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Der sog. Staatshof in Tetenbüll
Kurzbeschreibung und Lage
Der so genannte Staatshof[1] steht auf einer Warft und ist von Ost nach West ausgerichtet.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Der Staatshof geht auf das späte 16. Jahrhundert zurück und ist in seiner gegenwärtigen Substanz im 17. Jahrhundert errichtet worden. 1747 gelangte er an Nicolay Martens, der ihn umbauen ließ.[2]
Beschreibung
Der Staatshof ist ein Haubarg, der seinen Namen wegen seiner stattlichen Erscheinung erhalten hat. Es handelt sich um einen reetgedeckten eingeschossigen Backsteinbau mit breitem Zwerchhaus über dem Eingang im Süden. Im Westen ist der Wohnteil gelegen. Über eine Querdiele an der Südseite erreicht man die Wohnräume. Die Wohnstube (Pesel) liegt an der Südwestecke des Hauses.[3]
Die Wohnstube
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Wohnstube geht auf die Umbaumaßnahmen von Nicolay Martens zurück.[4]
Beschreibung
Der Raum ist an der Südwestecke des Haues gelegen. Er wird aus der Diele im Osten betreten und hat ein Fenster nach Süden und zwei nach Westen. An der Nordwand führt eine Tür in den Nachbarraum.
Die Decke - Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei wird auf die Zeit um 1765 datiert. Damit kann der 1759 verstorbene Nicolay Martens nicht der Auftraggeber sein.[5]
Beschreibung und Ikonographie
Die Holzbalkendecke wird von drei Balken in vier Fachen geteilt. Fachen und Balken sind blaugrau gestrichen. Die Balkenseiten zieren in der Mitte goldene Akanthusschlingen, auf denen Blumen- und Obstkörbe stehen. In den Fachen sind leicht aus der Mitte gerückt vier Szenen aus dem Gleichnis des verlorenen Sohns gemalt. Dieser ließ sich sein Erbe auszahlen, brachte das Geld durch und geriet in Elend und Armut. Als er nach Hause zurückkehrte, nahm ihn sein Vater überglücklich wieder auf. Zu sehen ist der Auszug des Sohnes aus dem väterlichen Hause, sein Prassen, seine Vertreibung, als er verarmt ist und seine Zeit im Elend. Erstaunlicherweise ist die Heimkehr zum Vater nicht ins Bild gebracht.
Ansichtigkeit
Die Malerei soll vom Eingang im Osten her angesehen werden.
Vorlagen und Vergleiche
Die Malerei erinnert an jene in der Kirche zu Tetenbüll.[6]
Der Abschied des verlorenen Sohns
Beschreibung und Ikonographie
Das erste Medaillon zeigt den Auszug des verlorenen Sohns. Er sitzt auf seinem Pferd – bereit, fortzureiten. Seine Familie verabschiedet sich von ihm – sein Vater hält seine Hand. Unter dem Bild steht geschrieben: „Der Jüngste unter Zweyen Söhn sprach zu seinem Vatter gib mir das Theil der Güter und zog ferne über Land“.[7]
Die Verschwendung des verlorenen Sohns
Beschreibung und Ikonographie
Das zweite Medaillon präsentiert den Sohn, wie er sein Erbe durchbringt. In einem Garten spielen Musiker auf, er trinkt Wein und versucht, eine barbusige Prostituierte zu erhaschen. Ein Text unter dem Bild erläutert: „Der Jüngling brachte sein Gut umb mit Prassen. Luc XV V 13.“.[7]
Der verarmte verlorene Sohn wird aus dem Haus gewiesen
Beschreibung und Ikonographie
Auf dem dritten Medaillon ist zu sehen, wie der Sohn, als er kein Geld mehr hat, von einem bärtigen Mann aus dem Haus gewiesen wird. Er zeigt dem in Lumpen gekleideten Sohn eine Schweineherde. Unter dem Bild steht geschrieben: „Da er nun alles das eine verzehret hatte war eine grose Theurung, und er fing an zu darben.“.[8]
Der verlorene Sohn im Elend
Beschreibung und Ikonographie
Das letzte Bild zeigt, wie der verarmte Sohn Schweine hütet. Er kniet mit gekreuzten Armen am Boden und bereut sein Handeln. Der Text unter dem Bild erklärt: „Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern die die Säu assen und niemand gab sie ihm“.[9]
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke, Eiderstedt, 1939. – Oberdieck, Gustav/Rohling, Ludwig/Seeger, Joachim/Perseke, Helmut (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Eiderstedt (Die Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein). Berlin 1939.
- Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 928; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 810-814; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke, Eiderstedt, 1939, S. 190.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 928; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke, Eiderstedt, 1939, S. 190-191.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 928; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke, Eiderstedt, 1939, S. 190.
- ↑ Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke, Eiderstedt, 1939, S. 190-191.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 810; Oberdieck/Rohling/Seeger/Perseke, Eiderstedt, 1939, S. 190.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 928.
- ↑ 7,0 7,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 810-811.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 810, 812.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 811-812.