Strassbach, Filialkriche St. Ottilia von Hohenburg
Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Markt Indersdorf, Erzdiozese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Wallfahrtskirche. Bis 1736 wurde Straßbach als Filiale der dem Augustiner-Chorherrenstift inkorporierten Pfarrei Indersdorf vom Kloster aus ›excurrendo‹ versehen. 1736 wurde mit dem Bau eines Pfarrhauses in Langenpettenbach, das mit Konventualen von Indersdorf als Expositi besetzt war, ein pfarrähnliches Zentrum geschaffen, von dem aus neben Ainhofen auch Straßbach versehen wurde. Der Ort Straßbach war seit 1313 im Besitz von Kloster Indersdorf und gehörte zur Hofmark Karpfhofen/Straßbach. Gericht Dachau
Patrozinium: St. Ottilia von Hohenburg
Zum Bauwerk: Umgestaltung einer älteren Kirche unter Propst Johann I. Prunner (Rothuet; 1442-70); Neubau des Chors 1652 unter Propst Martin Riegg (1640-62); Umgestaltung und Neudekoration 1716-20 unter Propst Georg Riezinger (1704–21). 1717 wurde Mathias Heimerl, Stukkator aus Haimhausen, mit 160 fl. für den neuen Choraltar bezahlt: Inschrift hinter dem Altar G. P. (= Georgius Praepositus) 1717. Im gleichen Jahr wurden die Kirchenfenster verändert bzw. neue ausgebrochen. Da zwar der Chor im gleichen Jahr ausgemalt wurde, von der Stuckierung aber keine Rede ist, war sie wohl bereits 1716 erfolgt (aus diesem Jahr ist keine Rechnung erhalten); daß sie wie der Choraltar ein Werk des auch anderweitig für Kloster Indersdorf beschäftigten Mathias Heimerl ist, ist anzunehmen. 1720 wurde die Kirche mit Kirchengestühl und weißem Pflaster fertig renoviert. Für die Seitenaltäre lieferte Heimerl neue Antependien. Noch im gleichen Jahr wurden die drei neuen Altäre in Straßbach durch den Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing geweiht. - Restaurierung der Kirche mit Neuausmalung des AR 1765.
Einfacher Saal zu drei Jochen mit Empore im W, gleichmäßige Belichtung von N und S; AR breiter als das LHs
Gliederung mit tiefen Pilastern, dreiseitiger Schluß, Belichtung durch zwei Fenster im N, eines im S.
Auftraggeber: Für die Ausmalung 1717/19 Propst Georg Riezinger von Indersdorf (1704–21): »Aedem S. Ottiliae, quam suis in Patronis numerabat, Strasbachii opere gypsato et picturis illustravit« (AEM, Deutingeriana B 1391). »Ecclesiam sanctae Othiliae in Straspach sibi Sponsam ornatam reddidit« (Rotel).
Auftraggeber: der Chorausmalung von 1765 war Propst Gelasius Morhart von Indersdorf (1748–68). – Die Vikare wechselten häufig. Eine Ausnahme bildete P. Patritius Schidl, einer der ersten in Langenpettenbach exponierten Patres, der ab 1736 Langenpettenbach vikarierte, dann Ainhofen und Arnzell von Langenpettenbach aus und nach einer Zwischenzeit als Vikar in Glonn noch lange Jahre bis zu seinem Tod 1774 als Vikar für Straßbach und Ottmarshart tätig war. In ihm kann man zumindest den Anreger der Chorausmalung sehen.
Autor und Entstehungszeit: A und B Franz Deschler 1719 übermalt (?) um 1765.
Franz Deschler war Maler in Freising. * um 1688, zunächst Maler in Schleißheim, Bürger in Freising 1717, heiratete ebda am 13. 6. 1718, † 5. 10. 1736 Freising (Werklisten s. Gruber, Maler, S. 280, und Georg Brenninger, Freisinger Künstler und Kunsthandwerker vor 1800, in: Freising, 1250 Jahre Geistliche Stadt I, Kat. 1989, S. 107). Über die Heirat seiner Witwe wurde Benedikt Dersch sein Werkstattnachfolger (s. Ainhofen, S. 20).
C Zuweisung an Ignaz Baldauf (* 1715 Inchenhofen † 1795 Inchenhofen) um 1765 (an dieser Stelle befand sich vorher ein 1717 gemaltes Fresko von Hans Georg Hörmann).


Ausmalung 1717
Der Chor wurde bei der Barockisierung 1717 ausgemalt. Diese Ausmalung ging bei der Neudekoration um 1765 verloren. »In dem Gottshaus zu Straßbach hat mehrersagter Hanns Georg Hörmann (Maler aus Dachau) den Chor nach den gezaichneten Riss yber sich in Fresco mit Flacharbeith sauber ausgemallen ... 62 f.« (Rechnung 1717). Das Fresko entstand wahrscheinlich ebenso wie A und B nach einer Zeichnung von anderer Hand (zu Johann Georg Hörmann s. Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann, in: Amperland 15,
Ausmalung 1719
In der Indersdorfer Klosterrechnung 1719 ist notiert: »Dem Maller in Freising Franzen Deschler, um daß er St. Ottilia Gottshaus zu Straßbach in Fresco gemallen, auch andere Arbeith verrichtet ... 108 fl.« Zu den LHs-Bildern A und B sind Zeichnungen erhalten (Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Graphische Sammlung, s. u.)
Inv.Nr. 1 30 (Heilung Ottilias), eine sauber ausgeführte Vorzeichnung, ist dem Münchner Maler Johann Degler zugeschrieben. Diese Zuschreibung ist überzeugend. Auch bei Inv.Nr. BD 6 (Tod Ottilias) dürfte es sich um ein Blatt von der Hand Deglers handeln, allerdings um eine weit flüchtigere Skizze in querformatigem Vierpaßfeld. Die ausgeführten Fresken weichen nur in unwesentlichen Details von den Zeichnungen ab: in A beim Becher auf dem Tisch links und bei der Felldecke, in B beim linken Raumabschluß und beim Gefäß auf der Platte im Vordergrund. Während aber in den Zeichnungen das Bildfeld jeweils mit großen Figuren kompositionell mühelos bewältigt ist, zeigen die Fresken eine zaghafte Umsetzung der Entwürfe, kleine Figuren im Vergleich zum Bildraum, die sich ohne Körpervolumen und o Sicherheit in den Proportionen auf der leeren Bildfläche fast verlieren.
Johann Degler malte 1717 für die Klosterkirche von Indersdorf drei Bilder. Es ist zu vermuten, daß er damals Entwürfe für Straßbach anfertigte, nach denen Franz Deschler - sonst nur als Faßmaler bezeugt – freskierte.
Ausmalung um 1765
Das jetzt existierende Fresko C im AR ist Ignaz Baldauf zuzuweisen und um 1765 zu datieren. Die Figurentypen Baldaufs lassen zwar die Schulung durch Matthäus Günther erkennen, sind aber ins Volkstümlich-Derbe und Drastische abgewandelt. Besonders die Figur des Knechts in der Bildmitte von C kann dabei als Beispiel dienen. Unverkennbar sind Baldaufs Gesichtstypen mit den dramatisch gerollten Augen, den kräftig akzentuierten Mundpartien und dem gerundeten Umriß. Er liebt es, seine Szenen mit geschäftig agierenden Frauen, mit genrehaften Handlungsmotiven zu füllen; er bevorzugt volkstümliche Details. Er baut seine Handlungsschauplätze mit Vorliebe mit steil ansteigenden Treppen (s. Lauterbach, S. 162-67). Seine Bildräume – dies ebenfalls in der Nachfolge Günthers - geben sich zwar zunächst als perspektivische Architekturen, zeigen Freude an gewagten Untersichten und zentralräumlichen Konstruktionen, schließen sich aber nie zu konsequent gebauten Räumen (vgl. das AR-Fresko in Schrobenhausen, LKr. Neuburg-Schrobenhausen, signiert und datiert 1760; das LHs-Fresko in Lauterbach, signiert und datiert 1765 und das AR-Fresko in Inchenhofen, LKr. Augsburg-Ost, 1776). Alle stilistischen Kriterien die sich vor Baldaufs gesicherten Werken feststellen lassen treffen auf das AR-Fresko von Straßbach zu.
Innerhalb von Baldaufs Œuvre zeichnet sich das Fresko von Straßbach durch stilistische Feinheit und eine zarte und differenzierte Farbgebung aus. Es ist in Baldaufs Frühzeit einzuordnen – zwischen 1760 und 1765. Aus äußeren Gründen kommt eine Entstehungszeit nach 1768 nicht in Betracht: der baufreudige Propst Gelasius Morhart resignierte 1768; unter seinem Nachfolger wurden nur mehr die dringendsten Reparaturen ausgeführt.
Die Embleme a-d sowie die Bilder der Emporenbrüstung sind um 1765 zu datieren; die vorher wahrscheinlich in ähnlicher Form vorhandenen Darstellungen wurden dabei übermalt. A und B wurden damals wahrscheinlich aufgefrischt (Details in der Gesichtsbildung, Teekanne auf der Platte in B).
Zeichnungen
Zu A Tod der hl. Ottilia. Entwurfskizze, Johann Degler zuzuschreiben, Feder in Braun, braun laviert, 29 × 35,7 cm, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Graphische Sammlung Inv.Nr. BD 6.
Zu B Heilung des Mädchens Ottilia. Vorzeichnung, Johann Degler zugeschrieben, Feder in Braun, grau laviert, 33,2 × 41,3 cm, Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Graphische Sammlung Inv.Nr. T 30.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Flachtonne mit Stichkappen
Rahmen: A und B vierpaßförmige Bildfelder, Stuckrahmen, mit Blütenrosetten besetzt; C Oval, mit Reben besetzter Stuckrahmen; a-d Dreipaßfelder mit ornamentiertem Stuckrahmen
Technik: A, B, C Fresko; a-d Secco; sämtliche Deckenbilder sind polychrom
Maße: A Höhe 5,80 m; 3,30 × 3,50
B Höhe 5,80 m; 3,30 × 3,50
C Höhe 5,70 m; 5,40 × 3,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Gleichzeitig mit der zweiten Chorausmalung um 1765 wurden die Fresken A und B im LHs restauriert, wovon vor allem die Gesichter der Figuren zeugen, die typische Physiognomien des späteren 18. Jh. sind. Eine Restaurierung in jüngerer Zeit ist nicht bekannt. Die Fresken sind in ihrer originalen Substanz und Farbigkeit sehr gut erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
A TOD DER HL. OTTILIA Ansicht nach W, Aufnahmestandpunkt zwischen A und B. - Durch eine Bogenöffnung links und eine Draperie rechts ist ein Innenraum angedeutet. Die hl. Ottilia liegt auf ihrem härenen Sterbebett und hält in der Linken den Äbtissinnenstab, in der Rechten eine Hostie. Nonnen umgeben sie, auf einem Seitentischchen steht ein Sterbekreuz zwischen zwei brennenden Kerzen, auf einem anderen Tisch sieht man ein Buch und einen Weihwasserkessel. Ein Priester steht am Fuß des Sterbebettes und hält einen Kelch. Ein Strahlenbündel fällt auf die sterbende Heilige. Auf Wolken, die von oben in den Raum eindringen, schweben Putten mit Lilien und Rosen, einziges abweichendes Detail zur Entwurfsskizze.
B HEILUNG DES MÄDCHENS OTTILIA Ansicht nach O, Aufnahmestandpunkt zwischen A und B. – Stufen führen zum bühnenartigen Bildschauplatz, der links durch einen säulenbesetzten Pfeiler, rechts durch eine Draperie abgeschlossen ist. Im Zentrum kniet das Mädchen Ottilia, von ihrer Mutter gehalten; Bischof Erhard von Regensburg steht vor ihr, mit Mitra und Stab, und legt die Rechte segnend auf ihre Augen; er ist von zwei Geistlichen begleitet. Ein Knabe im Vordergrund hält auf einer Platte ein Salbgefäß (vgl. die Zeichnung; durch die »Restaurierung« um 1765 wurde aus diesem Gefäß eine Teekanne). Links verfolgt ein Ritter, Ottilias Vater, das Geschehen mit Gesten des Staunens. Er legt die Hand auf die Schulter eines Knaben, der sich an ihn schmiegt. Zwischen Wolken und Putten, die von oben in den Raum eindringen, erscheint die Taube des Hl. Geistes und sendet Strahlen auf das Gesicht des Mädchens.
Bei beiden LHs-Fresken wird die Farbigkeit von Ocker und Rosa bestimmt, die im Bereich der Glorienöffnungen stark aufgelichtet, in den Wolkenpartien kräftiger und in Draperie und Gewändern als intensive Buntfarben auftreten. Dazu kommen vereinzelt Blau und Grün als Kontrastfarben.
C GEBURT DER HL. OTTILIA Ansicht nach O. Aufnahmestandpunkt unter dem westlichen Bilddrittel. - Über einem schräg in den Bildvordergrund gerückten Sockel erhebt sich eine Treppenanlage, die zunächst bildparallel verläuft und dann als halbrunde Treppe weiter nach oben zu einem baldachingekrönten Thronsitz führt. Diese Treppenanlage, die als Handlungsschauplatz dient, wird von einer halbrunden Bogenarchitektur hinterfangen, ohne daß zwischen Treppe und Wand eine räumlich logische Zuordnung bestünde.
Links auf den Stufen ist, von einem Baldachin überdacht, das Bett mit der Mutter Ottilias als Wöchnerin aufgebaut. Frauen umgeben es, bedienen die junge Mutter, weinen und beten. Auf dem Sockel im Vordergrund ist die Wiege des Kindes zu sehen, von einer klagenden Magd gehalten. Im Zentrum des Bildes steht eine weitere Magd und hält das Neugeborene in spitzenbesetzten Kissen: ein Knecht mit bedrohlich rollenden Augen und gesträubtem Haar will der Magd das Kind entreißen, während zwei weitere Mägde rechts auf den Stufen klagend zusammenbrechen. Auf dem Thronsitz rechts sitzt Ottilias Vater, der Fürst, umgeben von
Wächtern und Beratern, und senkt seinen Stab gegen das Neugeborene. Im Himmel sieht man auf Wolken Divina Providentia neben der Weltkugel thronen, das Zepter mit dem Auge Gottes in Händen. Eine Strahlenglorie hinterfäng sie. Schützend hält sie die Rechte über der Szene von Mutter und Kind und verheißt damit glücklichen Ausgang des Geschehens.
Die Farben von Himmel und Bildarchitektur, ein lichtes Ocker und Violett, werden in der Figur der Divina Providentia aufgenommen und im Baldachin über dem Thron zu kräftigen Farben verdichtet. Das Violett wird in den Gewändern der Frauen zu Blau und Purpur hin abgewandelt und in vielen Tönen differenziert. Als Kontrast zu diesem Blau-Purpur-Spektrum tritt lediglich Grün im Betthimmel als Kontrast auf. Die dramatische Szene von Geburt und Verstoßung des blinden Mädchens Ottilia gibt Baldauf Gelegenheit zum Aus spielen seiner besonderen Begabung für das Volkstümliche, für das Ausbreiten erzählender Details und für naive Drastik im Szenenaufbau und in den Einzelfiguren.
a-d EMBLEME
Im Gewölbescheitel befinden sich im LHs und AR jeweils im O und W ein Vierpaß mit einem
Emblem, das sich auf die hl. Ottilia bezieht. Thematisch begleiten sie die Darstellungen von Geburt (C) bis Tod (A); Zählung von O nach W.
schaft. Darüber schwebt die Taube des Hl. Geistes. - Wie der Bienenkorb von den Bienen mit Honig gefüllt wird, so füllt der Hl. Geist die Seele der hl. Ottilia mit himmlischer Süßigkeit.
d VENI CORONABERIS (Komm, daß du gekrönt werdest) Zwei Putten schwebend mit einem Kranz. Der Rest des Bildes ist zwar vom Orgeleinbau verdeckt, doch bezieht es sich zweifellos auf Fresko A (Tod der hl. Ottilia) und auf den himmlischen Lohn ihrer Tugend.
EB1-3 ST. OTTILIA ALS PATRONIN DER BLINDEN In drei Bildern an der Emporenbrüstung wird die hl. Ottilia als Patronin der Blinden gezeigt. Inschriften jeweils auf einem Schriftband oben im Bild.
EB1 Ich Will Helffen In Wolken erscheint die hl. Ottilia in Benediktinerinnentracht, den Äbtissinnenstab in der Rechten. Sie hält ein Buch, auf dem ihr persönliches Attribut, die beiden Augen, liegen. Strahlen gehen von der Heiligen aus und fallen auf die Landschaft, wo die Kirche von Straßbach mit einigen Häusern zu sehen ist.
EB2 H. Jungfrau Othilia Hilff uns Straße in weiter Landschaft. Ein Blinder mit verbundenen Augen wird von einem Knaben geführt.
EB, H. Jungfrau Othilia Hilff uns Felsige Landschaft mit Bäumen. Auf einem Weg rastet ein Blinder mit verbundenen Augen, seine Gefährtin weist auf ihre Augen.
Das Hochaltarblatt zeigt die Hl. Ottilia in der Glorie, darunter Bittflehende mit einer EX-VOTO-Tafel vor der Kirche von Straßbach.
Ergänzungen zur Ikonographie: Ottilia von Hohenburg war die Tochter des alemannischen Herzogs Adalrich, der im Auftrag Childerichs II. im Elsaß regierte. Ottilia wurde 657/61 blind geboren, was den Herzog in seinem Stolz so tief traf, daß er das Mädchen zum großen Schmerz seiner Gemahlin Bereswinda verstieß (C) und es in einem Kloster verbergen ließ. Nach der Legende bekam der hl. Bischof Erhard von Regensburg im Traum die Weisung, zu dem Kloster Baumeles-Dames zu gehen und dort eine junge Blinde zu taufen. Erhard folgte dem göttlichen Auftrag, taufte und salbte das Mädchen, das daraufhin sehend wurde (B). Ottilias Bruder brachte sie zurück ins Schloß ihres Vaters. Der Vater ließ in seinem Zorn den Bruder zwar deshalb umbringen, nahm aber das Kind doch endlich auf.
Erwachsen geworden, gründete Ottilia das Kloster Hohenburg, in das auch ihre Schwester Roswinda eintrat, und wurde dort Äbtissin. Ottilia starb ohne die hl. Sterbesakramente. Ihre Mitschwestern waren darüber untröstlich: da kehrte die Seele der Heiligen noch einmal in ihren Körper zurück. Ottilia klagte darüber, zurückgerufen worden zu sein; im Paradies sei es so schön gewesen. Sie ergriff Kelch und Hostie, gab sich damit selbst das Viaticum und entschlief (A). In einer Legendenvariation wird erzählt, sie habe ihre letzten Lebenstage in einer von ihr selbst gebauten Johanniskapelle zugebracht. Vor ihrem Tod habe sie ihren Mitschwestern noch letzte Ratschläge gegeben, sei in Verzückung geraten, habe dem Kelch mit eigener Hand die Hostie entnommen und sei gestorben. - Ottilia lebte sehr asketisch. Ihr Bett bestand aus einem Bärenfell und einem Stein als Kopfkissen (s. in A).
Die hl. Ottilia war Patronin und Helferin der Blinden. Dieses Patronat hatte sie nicht nur wegen ihrer blinden Geburt inne, sondern auch, weil auf ihr Gebet hin einst eine Quelle entsprungen war, an der viele Augenkranke Heilung fanden.
Erster Hinweis auf eine (schon bestehende) Wallfahrt in Straßbach ist eine Ablaßverleihung am 6. 10. 1432 an die Ottilia-Kapelle durch den Bischof von Chiemsee. In Straßbach bestanden ein Pfründner- und ein Leprosenhaus (Böck). Das Leprosenhaus kann der Grund für das Ottilien-Patronat der Kapelle gewesen sein, denn Lepra führt zur Erblindung. Mit dem Siechenhaus ist die Legende vom Bruder Maroldus verbunden, einem Konventualen von Indersdorf, der nach Wening im 12. Jh. gelebt und sich besonders der Siechen in Straßbach angenommen haben soll. Am Ort seines Todes auf dem Weg von Straßbach nach Indersdorf befindet sich der Maroldusstein.
Quellen und Literatur
BHStA I, KL Indersdorf: Nr. 14: Roteln 1683–1782; Nr. 220: Rechnungen des Löbl. Gottshaus und Closters Inderstorff de annis 1717–1721.
AEM, Pfarrakten Indersdorf: Pfarrbeschreibung;
AEM, Deutingeriana B 1391, Gelasius Morhart, Chronik des Klosters Indersdorf bis ca. 1734, Ms (Abschrift der Urschrif KB 65).
Wening, Bd I, S. 46. Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 388. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 150, 155. KDB I OB (1), S. 320.
Historischer Atlas I, Bd 11/12 (Pankraz Fried), München 1958, S. 124.
Heimatbuch Landkreis und Stadt Dachau, Aßling/München 1971, S. 86.
Dorner, Peter, Die silbernen Augenvotive in Straßbach, in: Amperland II 1975, S. 56.
Gruber, Max, Die für das Kloster Indersdorf bis gegen 1800 tätigen Künstler und (Kunst-)Handwerker, in: Amperland 18, 1982, S. 279-81.
Liebhart, Wilhelm, Die Bedeutung des Augustinerchor herrenstifts Indersdorf für das Dachauer Land, in: Amperland 18, 1982, S. 297–301; zur Wallfahrt Straßbach S. 298 f. Dorner, Peter, Indersdorfer Gnadenstätten, in: Amperland 18, 1982, S. 341–43 (kurze Erwähnung).
Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 357.
Dehio 1990, S. 1140 f.
Böck, Robert, Wallfahrt im Dachauer Land (= Kulturgeschichte des Dachauer Landes Bd 7, hg. im Auftrag des Museumsvereins Dachau e.V.), Dachau 1991, S. 205–09.
Literatur zu Ignaz Baldauf
Thieme-Becker, Bd 2, s. v. Baldauff, Ignatz, S. 390.
Gruber, Max, Der Maler Ignaz Baldauf 1715-95, in: Amperland 3, 1968, Heft 3, S. 7–9.
Biron von Kurland, Kristin, Ignaz Baldauf. Ein schwäbisch bayerischer Maler des 18. Jahrhunderts, Diss. München 1975.
Literatur zu Odilia von Hohenburg
Champion, Claude, Sainte Odile, Paris 1930.
Clauss, Joseph, Die Heiligen des Elsass, Düsseldorf 1935, S. 100-06.
Barth, Medard, Die hl. Odilia, Schutzherrin des Elsaß. Ihr Kult in Volk und Kirche (= Forschungen zur Kirchengeschichte des Elsaß, Bd 4,5), Straßburg 1938.
BiblSS, Bd IX, Sp. 1113–16, s. v. Odilia de Hohenbourg. ICI Bd 8 Sp. 76-79, s. v. Odilia von Hohenburg