Steinheim Vinsebeck, Haus Vinsebeck
Inventarnummer: cbdd10254
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Im Herrenhaus von 1720 haben sich Deckengemälde mythologischen Inhalts aus der Erbauungszeit erhalten, die sich etwa um das Thema Krieg und Frieden drehen. Die Wandmalerei präsentiert Chinoiserien, Aussichten in italienische Gärten sowie auf den Besitz der Familie mit Porträts ihrer Mitglieder.
Haus Vinsebeck
Kurzbeschreibung und Lage
Haus Vinsebeck[1] steht am Ostrand der gleichnamigen Ortschaft auf einer künstlichen Insel. Im Westen, zwischen Ortschaft und Graben, liegt der ehemalige Wirtschaftshof. Im Süden erstreckt sich jenseits des Grabens ein Garten. Die annähernd quadratische Insel, in dessen Südteil sich das Hauptgebäude erhebt, ist von Rondellen auf den Ecken betont, deren nördliche als Rundtürme ausgebildet sind.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Vinsebeck gelangte 1350 an die von der Lippe. Haus Vinsebeck wurde ab 1718 im Auftrag von Johann Friedrich Ignaz von der Lippe für sich und seine drei Brüder bis 1720 erbaut, nachdem bereits 1717 Kontakt zum Architekten Wehmer aufgenommen worden war. 1730 waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Familie von der Lippe zu Vinsebeck starb 1767 aus, und Vinsebeck gelangte auf dem Erbgang an die Wolff-Metternich zur Gracht. Das Haus und vor allem seine Innenräume und die erhaltenen Decken- und Wandgemälde wurden sukzessive von 1967 bis 1982 restauriert.[2]
Auftraggeber
Der Vinsebecker Gutsherr und Drost Johann Friedrich Ignaz von der Lippe war Domherr in Hildesheim und stammte aus einer Familie, die um 1700 zahlreiche Domherrenstellen in Paderborn und Hildesheim innehatte. Seine Brüder Adolf Franz Friedrich, Ferdinand Ernst Adam und Mauritz Lothar waren alle Domherren in Paderborn bzw. Hildesheim.[3]
Architekten, Künstler
Architekt des Hauses war Justus Wehmer.[4] Er war Landbaumeister im Fürstbistum Hildesheim, wo er unter anderem für den Dom und einige Kuriengebäude verantwortlich war. Er arbeitete aber auch in Westfalen, von wo zahlreiche der Domherren in Hildesheim stammten. Um 1690 ist Wehmer geboren und 1750 gestorben. Ab 1714 wurde Haus Körtlinghausen nach seinen Plänen erbaut,[5] ab 1718 folgten Vinsebeck und ab 1720 Herringhausen,[6] ab 1734 Welda.[7] Seine Bauten zeichnen sich durch eine H-Form aus, indem an der Vorder- und Rückseite jeweils kurze Flügel oder Risalite ausgebildet werden.
Die Ausgestaltung des Hauses lässt sich archivalisch nicht fassen[8] und die Künstler sind daher unbekannt.
Beschreibung
Das zweigeschossige Herrenhaus mit hohem Sockelgeschoss erhebt sich über H-förmigem Grundriss und wird von einem Walmdach abgeschlossen. Die eine Achse hervortretenden Arme des H sind jeweils drei Achsen breit, der Mittelteil umfasst sieben Achsen. Die mittleren drei werden von einem Dreiecksgiebel überfangen. Der schlichte Bau ist mit Lisenen gegliedert, lediglich den Eingang zieren Pilaster, die einen Dreiecksgiebel mit dem Wappen des Bauherrn tragen.
Das Innere ist in beiden Etagen annähernd spiegelsymmetrisch gegliedert. Der Mittelbereich wird im Erdgeschoss von einem Vestibül mit beidseitigen Treppenläufen (das östliche Treppenhaus fehlt heute) an der Eingangs- sowie einem Gartensaal an der Gartenseite eingenommen. Im Obergeschoss befindet sich an der Stelle von Vestibül und Gartensaal ein die ganze Gebäudetiefe durchmessender Hauptsaal. Die an diesen Mittelteil anschließenden Raumfolgen sind in beiden Geschossen in Enfilade angeordnet. Die Wohnräume sind dabei an der Gartenseite gelegen und setzen sich jeweils aus einem Vorzimmer und einem Gemach mit so genanntem Alkoven zusammen. Ein dritter Raum ist jeweils im Mittelbereich der Seite situiert. In der Hausmitte sind die Dégagements angeordnet. Im linken Seitenflügel der Hofseite befindet sich eine 1744 eingerichtete Schlosskapelle.
Ihre ehemalige wandfeste Ausstattung haben Gartensaal, Hauptsaal und fünf Räume an der Gartenseite bewahrt.
Der Gartensalon bzw. Steinerne Saal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Gartensalon[9] bzw. Steinerne Saal hat sich annähernd unverändert erhalten. 1971 wurde er restauriert.
Beschreibung
Der Gartensaal wird durch eine Mitteltür vom Vestibül aus betreten. Er öffnet sich mit einer Fenstertür und zwei begleitenden Fenstern zum Garten. Die Seitenwände schmücken zwei mittig platzierte Kamine. Zwischen diesen und den Fenstern befinden sich Türen, die die gartenseitigen Appartements erschließen.
Über umlaufenden bemalten Lambris als Postamentzone gliedern Ionische Pilaster die Wände, in die mehrere Gemälde in Stuckrahmen eingelassen sind. Nur die Früchtestilleben der Supraporten entstammen der Erbauungszeit. Die Portraits der Fürstbischöfe von Paderborn bzw. Hildesheim, Wilhelm Anton von der Asseburg und Friedrich Wilhelm von Westphalen kamen nach 1763 in den Raum und stammen von Anton Joseph Stratmann. Die Decke ziert ein zentrales Deckengemälde, das die Entführung der Oreithyia durch den Nordwind Boreas zeigt. Es wird begleitet von Stuckmedaillons, in denen Putten die vier Elemente verkörpern.
Der gesamte Raum hat einen kühlen Gesamteindruck. Dazu tragen ein Steinfußboden und die blauen fliesenähnlichen Gemälde in der Lambriszone bei. Die Darstellung des Nordwindes in der Deckenmalerei ergänzt diese Thematik, und der Raum insgesamt hat die Aufgabe, im Sommer für eine Abkühlung zu sorgen, wenn man aus dem Garten wieder in das Haus kommt.
Das Deckengemälde im Gartensalon
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde[10] im Steinernen Saal misst 3,90 auf 2,40 Meter und wurde in Öl auf Leinwand über einem Spannrahmen gemalt. Es ist nicht datiert. 1971 erfolgte seine Restaurierung. Es wurde gereinigt, von partiellen Übermalungen und vergilbten Flächen befreit, nachgespannt und retuschiert. Der ist Künstler unbekannt. Hohmann und Tronich haben Karl Bernardini vorgeschlagen, mit dem Wehmer auch in Hildesheim zusammenarbeitete.[11]
Beschreibung und Ikonographie
Das Gemälde zeigt inmitten von Wolken, wie der geflügelte Nordwind Boreas die Königstochter Oreithyia entführt, um sie zu seiner Frau zu machen. Sie ist mit einem weißen Unter- und roten Obergewand sowie einem flatternden grünen Mantel bekleidet und hat einen Arm in die Luft gestreckt, was zu ihrem für diese Darstellung typischen Klagegestus passt. Mit der anderen Hand hält sie sich aber an Boreas fest. Das Paar schaut sich an. Dass die Geschichte glücklich endet, deutet Venus an, die links oben auf ihrem von Tauben gezogenen Wagen vorbeifährt. Es handelt sich nicht um Eos. Zahlreiche Putten blasen aus den Wolken heraus.
Programm
Das Deckenthema mit dem Nordwind Boreas bezieht sich auf die kühlende Funktion des Gartensaals.
Die Malerei auf den Paneelen
Beschreibung und Ikonographie
Die komplett bemalte Lambriszone[12] ist marmoriert und unter den Pilastern als Postament vorgezogen. Hier sind Diamantquader aufgemalt. Der Bereich zwischen den Postamenten ist zweifarbig marmoriert. Es gibt schmale und breite Felder. Vor die schmalen Felder sind in Grisaille gemalte Prunkvasen mit Blumen gestellt. In die breiten Felder sind gemalte Landschaftsbilder eingelassen, die in Blau und Weiß gehalten sind. Sie wirken wie Fliesen, was die kühle Atmosphäre des Raums unterstreicht. Die eher zeichnerische Darstellungsweise erinnert zugleich entfernt an chinesische Porzellanmalerei.
Das östliche Appartement im Erdgeschoss
Beschreibung
Östlich des Gartensaals erstreckte sich das Appartement für einen der Brüder. Es bestand aus mindestens drei Räumen: einem Vorzimmer, einem Paradezimmer und einem dritten Raum. Die ersten beiden Räume in Enfilade sind weitgehend erhalten.[13]
Das Vorzimmer bzw. Italienische Zimmer
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Vorzimmer[14] wird aufgrund seiner Wandmalerei aus der Erbauungszeit auch Italienisches Zimmer genannt. 1968 wurde es restauriert.
Beschreibung
Das Zimmer wird vom Gartensalon im Westen aus betreten und führt zum anschließenden Paradezimmer im Osten. Eine weitere Tür in der Nordostecke führt zu einem Dégagement. Der Raum öffnet sich mit zwei Fenstern nach Süden zum Garten.
Die Wandmalerei des Vorzimmers
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die ursprüngliche Wandmalerei[15] hat sich erhalten. Sie wurde 1968 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Wände sind über den Lambris von Pilastern mit gemalten Kapitellen gegliedert. Zwischen diesen erblickt man eine gemalte Bogenarchitektur mit ebenfalls gemalten Vorhängen. Hinter den Bögen befindet sich eine Balustrade, über die teilweise Menschen in den Raum schauen. Umgekehrt sieht der Betrachter durch die Bögen in italienische bzw. römische Villengärten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. An jeder Wand gibt es drei Durchblicke. Durch jeweils zwei an West- und Nordwand bzw. einen an der Westwand ist in zentralperspektivischer Verkürzung ein Garten wiedergegeben. Drei Ansichten werden von den Türen überschnitten, die mittlere an der Nordwand zeigt keinen Garten. Da die gemalten Vorhänge den realen vor den beiden Fenstern gleichen, wird der Raum zu einem Pavillon, aus dem man in den Garten blickt.
Die Ostwand
Die Ostwand, auf die Eintretende zuerst blicken, präsentiert nur in der Mitte eine komplette Vedute. Man schaut in einen tiefen Hof ohne Grün. In seiner Mitte plätschert ein Springbrunnen, vor dem sich Cavaliere unterhalten. In den Nischen der umgebenden Wände befinden sich Prunkvasen oder Statuen. Oben auf der abschließenden Wand sind Kübelpflanzen aufgestellt. Über die vordere Balustrade lehnen sich ein Mann und eine Frau, offenbar die Eltern eines Kindes, das auf der Balustrade sitzt. Der Mann spielt mit dem Kind, indem er ihm eine blaue Frucht zeigt, die das Kind zu greifen sucht. Am linken Rand blickt hinter dem Bogen ein Harlekin hervor. Er stellt zu den Betrachtenden Blickkontakt her.
Die gemalte Architektur setzt sich hinter den Bögen auf den beiden benachbarten Malereien fort. Auf den Türstürzen erblickt man jeweils eine Architektur, die weit im Hintergrund steht. Linkst handelt es sich um ein Casino und rechts um ein Gartenhaus. Durch die Balustrade im rechten Feld blickt ein Hund.
Die Nordwand
Die Nordwand bietet theoretisch drei unverstellte Ausblicke. In der Mitte ist jedoch kein Garten zu sehen, sondern ein Berg. Das rechte und das linke Feld präsentieren jeweils zentral eine Gartenarchitektur hinter Brunnen und Wasserspielen. Die rechte erinnert an das Casino del Lago des Gartens der Villa Borghese in Rom. Rechts lehnt ein rotgewandeter Pfeifenraucher über der Brüstung, links ein älterer bärtiger Mann mit schwarzem Hut und blauem Mantel. Neben ihm blickt ein Knabe durch die Balustrade hindurch auf die Betrachtenden.
Die Westwand
Hier erblickt man in der Mitte ein Gartencasino, das in der ersten Anmutung an die Villa Borghese Pinciana erinnert, aber im Detail doch verschieden ist und vor allem weniger Achsen in der Breite misst. Links steht ein Brunnen mit Figur. Wenige Personen bevölkern den Platz vor dem Casino. An der Balustrade unterhalten sich zwei Menschen, vermutlich ein Lehrer und sein junger Schüler. Das rechte Gemälde gewährt den Blick auf ein Bassin in einem Hof. Von Brunnenfiguren strahlt Wasser in das Becken, auf dem ein Paar Boot fährt. Auf der Balustrade sitzt ein kleines Kind neben seiner Mutter, die einen Hund hält. Es blickt die Betrachtenden direkt an. Das linke Gemälde zeigt hinter der Tür eine große Villa aufragen. Rechts der Tür erkennt man einen Teil des Gartens mit Skulpturen. Im Gegensatz zur gegenüberliegenden Westwand wird hier nicht versucht, die drei Bilder zu einer Einheit zusammenzufassen.
Die Südwand
Die Südwand wird von zwei Fenstern bestimmt, die den Blick in den realen Garten freigeben. Zwischen den Fenstern steht in einer fingierten Nische eine steinerne Prunkvase mit Blumen.
Die Malerei in den Fensterlaibungen
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
In den Fensternischen der Südwand erblickt man in Grisaillemalerei in Nischen vier Statuen. Sie wurde 1968 restauriert und auf einen neuen Bildträger aufgezogen.[16]
Beschreibung und Ikonographie
Die vier Statuen stellen Frauen dar. Sie verfügen über keine Attribute, die sie als Personifikationen ausweisen würden. Sie sind allesamt barfuß, tragen lange Gewänder und haben den Kopf bedeckt. Eine schaut die Betrachtenden an.
Die Stellung der Wandmalerei
Die Wandmalerei des Vorzimmers ist in Westfalen einmalig und ein in der Region außergewöhnliches Beispiel barocker Innengestaltung.[13] Die analoge Gestaltung der gemalten Öffnungen und der realen Fenster stellt den Garten in Vinsebeck auf eine Höhe mit den italienischen Gärten der Wandmalerei.
Das Paradezimmer "Driburger Zimmer"
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Auch das so genannte Driburger Zimmer[17] hat seine originale wandfeste Ausstattung nahezu unverändert erhalten. Es wurde 1969 umfassend restauriert.
Beschreibung
Der Raum ist an der Südostecke des Hauses gelegen. Er hat zwei Fenster nach Osten, drei nach Süden und eines nach Westen. Eine Balustrade teilt den Raum in zwei Bereiche. Das hintere Drittel hinter der Balustrade erreicht man zwischen zwei Säulen rechts oder links hindurch. Dort stand ehemals ein Paradebett, dass heute im Obergeschoss im Raum über dem „Driburger Zimmer“ präsentiert wird.[18] Es handelt sich um eine Art Alkoven.
Die Wände des Zimmers sind komplett bemalt. Über den Lambris wird eine um den gesamten Raum umlaufende heimische Landschaft der Region gezeigt, so etwa das damalige Kurhaus in Bad Driburg, was dem Raum seinen Namen gegeben hat. Bad Driburg gehörte seinerzeit Adolph Franz Friedrich zur Lippe und man hat daher vermutet, dass das Appartement an der Ostseite seines war.
Die Decke des Raumes ziert eine zarte Stuckgirlande sowie Stuckrelief mit Medaillons in den vier Ecken, auf denen sich jeweils zwei Putten miteinander streiten.
Die Nordwand
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei an der Nordwand[19] wurde 1969 restauriert. An der Nordwand wurde ein Bereich, wo ehemals ein Ofen stand, ergänzt.
Beschreibung und Ikonographie
Die Nordwand zeigt in ihrem westlichen Bereich im Bildmittelgrund das damalige Bad in Driburg mit Kurbereich, Herrenhaus und Ortschaft. Vor dem Park geht ein Jäger mit seinen Hunden. Im Bildvordergrund betrachtet eine Bäuerin mit Kind eine Kutsche, in der Wasser des Driburger Brunnens transportiert wird. Ein Baum trennt diese Szene von einer weiteren rechts. Hinter einem Flusslauf mit Wasserfall erhebt sich ein steiler Berg. Im Bildmittelgrund weidet ein Schäfer seine Herde. Weiter rechts, wieder durch eine Baumgruppe abgetrennt, erblickt man im Bildmittelgrund ein Gehöft sowie im Bildvordergrund einen Stall mit kaputtem Dach. Rinder, Schafe, eine Ziege und Federvieh sind zu sehen, die von Menschen bewacht werden.
Die Südwand
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei an der Südwand[20] wurde 1969 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei wird von zwei Fenstern durchbrochen und ist in die Nischen hineingezogen. Zwischen den Fenstern wird hinter einem geschwungenen Baum ein Anwesen gezeigt. Eine Person hängt eine Fahne zum Fenster heraus, eine andere steht am Eingang, während sich rechts im Vordergrund zwei Männer mit einem Hund befinden. Links prügeln sich zwei Knaben. Im Mittelgrund steht eine Burgruine.
In der linken Fensternische erkennt man fahrende Musikanten, die an einer Haustür empfangen werden. Die rechte Fensternische und auf der Wand rechts daneben ist eine Landschaft mit Fluss und Felsen zu sehen. Vor einem steinernen Ansitz weidet ein Schäfer seine Herde an einem Gewässer. Die Landschaft wird rechts von einem Baum begrenzt, setzt sich aber nahtlos an der Westwand fort.
Die Westwand
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Auch die Westwand[20] wurde 1969 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei setzt unmittelbar jene an der Südwand fort. In der Südwestecke ist ein Baum gemalt, an den ein Jäger einen Fuchs gehängt hat. Vor ihm am Boden betteln zwei Hunde um die Beute. Im Bildmittelgrund steht ein Gebäude, zu dem auf einem Weg mehrere Personen hinstreben. Zwischen Fenster und Eingangstür wird ein größeres Gehöft gezeigt. Zwei weiße Taubenpaare sind auf den Dächern. Im Bildvordergrund sieht ein älteres Paar zwei Kindern zu, die vor der Anlage herumtollen. Links im Hintergrund ist eine Stadt auszumachen. Die Malerei zieht sich über die Tür hinweg und setzt sich bruchlos an der Nordwand fort.
Die Nordwand im Alkovenbereich
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei[20] an den Wänden des Alkovenbereichs wurde ebenfalls 1969 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei ist von der des vorderen Bereichs durch je eine Halbsäule an der Nord- und Südwand getrennt. Die Malerei scheint sich unverändert fortzusetzen. Man erblickt Häuser und Siedlungen sowie Ruinen in waldreichen Landschaften mit Flussläufen. Es sind aber keine Menschen zu sehen.
Die Ostwand im Alkovenbereich
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Auch die Malerei an der Ostwand[20] wurde 1969 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Da im Alkoven ein Paradebett stand, ist die Wand zwischen den beiden Fenstern malerisch kaum gestaltet. Heute überspielt ein Spiegel die Leere. Die Landschaften links und rechts sowie in den Fensternischen entsprechen der Nord- und Südwand.
Die Südwand im Alkovenbereich
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Wie die Malerei an den übrigen Wänden, wurde auch die an der Südwand[20] des Alkovens 1969 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Auch die Südwand präsentiert eine menschenleere Landschaft. In der Fensternische ist links eine antikisierende Ruine mit einer Statue auf dem Dach zu sehen. Die Darstellung dieses Gebäudes durchbricht das Prinzip, ausschließlich die heimische Landschaft zu zeigen.
Die Malerei auf den Paneelen
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Wie alle Malerei im Zimmer wurde auch die auf den Paneelen[21] 1969 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Paneele sind in Brauntönen gehalten und in mehr oder minder gleich breite Register unterteilt. Jedes nimmt in seiner Mitte ein kreisrundes und hochovales blaues Medaillon auf. Das mittlere an der Nordwand (wo der Ofen stand) und die seitlichen in den Fensternischen zeigen nur einen blauen Spiegel, die übrigen sieben bildliche Darstellungen. Dabei sind im vorderen Raumteil Tiere zu sehen, im Alkovenbereich Landschaften. An der Nordwand sind vor dem Alkoven ein Löwe und ein Panther gemalt. An der Südwand erblickt man einen Löwen, einen Bären und ein Dromedar, an der Ostwand einen Hirsch und ein Pferd. Die Darstellungen sollen gemäß Püttmann für die vier Kontinente stehen,[13] doch ist diese Interpretation nicht schlüssig. Jedoch ist Püttmann zu folgen, dass die Landschaften im Alkovenbereich die vier Jahreszeiten darstellen. An der Nordwand ist eine Winterlandschaft zu sehen, an der Ostwand in der linken Fensternische eine Landschaft mit Blumen, die für den Frühling steht, in der rechten Fensternische eine Landschaft mit geernteten Kornfeldern für den Sommer und in der Fensternische an der Südwand wird der Herbst mit einer Landschaft mit geerntetem Obst verbildlicht.
Die Stellung der Wandmalerei
Das Thema der Wandmalerei im „Driburger Zimmer“, das wohl als Audienz- und nicht als tatsächliches Schlafzimmer diente, war die einheimische Landschaft und der Besitz des die Audienz Gewährenden. Nach Italien im Vorzimmer erblickt der Besucher nun Westfalen. Die bäuerlichen Szenen erinnern an niederländische Gobelins und waren in Nordwestdeutschland damals weit verbreitet.[22] Hier stehen sie für den Wohlstand des Landes unter der Verwaltung der Herren von der Lippe.
Der Hauptsaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Hauptsaal[23] ist in seiner wandfesten Ausstattung nahezu unverändert erhalten.
Beschreibung
Er ist mit neun auf fünfzehn Metern der größte Raum des Hauses, reicht durch die ganze Tiefe des Gebäudes von Norden nach Süden und ist mit sechs Metern auch deutlich höher als die übrigen Räume mit lediglich 4,6 Metern. Er wurde an der Nordseite von einem Vorraum im Osten bzw. Westen betreten, die über die Treppenläufe aus dem Vestibül erreicht wurden. Die identischen Türen im Süden erschließen je ein Appartement nach Westen und Osten. Drei Fenster und ein Ochsenauge im Norden sowie zwei Fenster beiderseits einer Fenstertür und ein Ochsenauge im Süden geben dem Saal Licht.
Seine Wände sind mit kannelierten kompositen Pilastern gegliedert, die ein Gebälk mit kräftigem Gesims tragen. An den beiden Längsseiten stehen zentrale Kamine mit Spiegel und Gemälde von Kaiser Karl VI. und Kurfürst Clemens August. Stuckierte Putten raffen die Vorhänge von den Porträts. Die vier Wandflächen zwischen Kaminen und Türen sind identisch mit Ornamenten und Schmuckvasen stuckiert. Die vier Supraporten zeigen Schlachtenbilder aus den so genannten Türkenkriegen. Sie sind beschriftet und stellen allesamt Siege der Kaiserlichen Armee dar.
Über dem Gesims steigt eine hohe Voute auf. Die Spiegeldecke mit Stuck in Formen des Régence nimmt ein Deckengemälde auf. In den Ecken sind stuckierte Allegorien der vier Jahreszeiten zu sehen.
Das Deckengemälde
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengengemälde[24]eines unbekannten Künstlers misst zehn auf vier Meter und wurde 1970/71 umfassend restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Es zeigt ein Ereignis aus dem Trojanischen Krieg. Venus bittet Jupiter um Verzeihung für Mars, der gegen den Willen von Jupiter den Kampf gegen Troja neu entfacht hat. Erhöht über der Mitte thront Jupiter im roten Gewand mit dem Zepter in der Hand. Sein Adler hält zu seinen Füßen seine Blitzbündel im Schnabel. Rechts vor ihm kniet der bittende Mars. Helm und Waffen hat er abgelegt – mit seinem Schwert spielen zwei Putten. Hinter Mars steht bittend Venus. Ihre zwei schnäbelnden Tauben sind hinter Mars zu erkennen. Links lagern Blumen haltende Frauen. Gerahmt wird die Szenerie an beiden Seiten von zahlreichen Musikerinnen. Vom Himmel nähert sich eine Putte mit Siegeskranz und Palmwedel. Zwei weitere Putten über den Musikerinnen blasen in Hörner.
Programm
Die selten gezeigte Szene erschließt sich in ihrer Bedeutung über die Supraporten des Saales und gibt dem gesamten Raum ein kriegerisches Gepräge. Venus und Mars unterstützten die Trojaner gegen die Griechen, die dennoch unterlagen, wie auch die Türken gegen die Kaiserlichen Truppen unterlegen waren. Troja und die Osmanen wurden in dieser Zeit oft gleichgesetzt und der Kampf der Griechen gegen die Trojaner mit dem Kampf des christlichen Abendlandes gegen das muslimische Reich der Osmanen verglichen.
Das östliche Appartement im Obergeschoss
Beschreibung
Wie bereits im Erdgeschoss, erstreckt sich auch im Obergeschoss östlich des Saals das Appartement[25] für einen der Brüder. Vermutlich war es das des Johann Friedrich Ignaz von der Lippe. Es bestand ebenfalls aus mindestens drei Räumen: einem Vorzimmer, einem Paradezimmer und einem dritten Raum. Die ersten beiden Räume in Enfilade sind weitgehend erhalten. Das Appartement setzt die kriegerische Thematik des Hauptsaals fort. Sein Vorzimmer ist mit dem Inneren eines Türkenzeltes bespannt und im zweiten Raum ist Vinsebeck als mit Kanonen verwahrtes Haus zu sehen.
Das Vorzimmer "Grünes Zimmer"
Beschreibung
Das so genannte Grüne Zimmer[26] hat eine Wandbespannung, die als Innenverkleidung eines Türkenzeltes gilt. Es wird von Westen vom Hauptsaal aus betreten und führt in Enfilade in das angrenzende Paradezimmer. Eine dritte Tür gewährt Zugang zu einem Dégagement. Der Raum öffnet sich mit zwei Fenstern nach Süden zum Garten. In die Fensterlaibungen sind in Farbe Vasen mit Blumen gemalt.
Das Paradezimmer "Mohrenzimmer"
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Paradezimmer,[27] auch „Mohrenzimmer“ genannt, hat sich in seiner wandfesten Ausstattung nahezu unverändert erhalten. Es wurde 1972/73 restauriert.
Beschreibung
Der Raum gleicht in seiner Aufteilung dem im Erdgeschoss gelegenen „Driburger Zimmer“. Er ist an der Südostecke des Hauses gelegen und hat zwei Fenster nach Osten, drei nach Süden und eines nach Westen. Auch hier teilt eine Balustrade den Raum in zwei Bereiche. Sie ist malerisch auf den Paneelen um den ganzen Raum herumgeführt. Im hinteren Raumdrittel steht heute das Bett, das aus dem „Driburger Zimmer“ stammt. Gemalte Putten scheinen einen gemalten grünen Vorhang vor dem Alkoven emporzuziehen. Auf der Balustrade stehen vor dem Bett zwei hölzerne Skulpturen, die im Verständnis der Zeit „Mohren“ darstellten und dem Raum seinen Namen gegeben haben. Wie im Erdgeschoss, dürfte es sich nicht um das tatsächliche Schlafzimmer, sondern um ein Audienzzimmer gehandelt haben. Der aufwendige Spiegel mit dem Wappen von der Lippe an der Südwand gehört zur ursprünglichen Raumausstattung. Die Wände sind komplett mit einer umlaufenden heimischen Landschaft sowie Porträts bemalt und die Decke präsentiert ein Gemälde im Stuckrahmen.
Das Deckengemälde "Sturz des Phaeton"
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde[28] wurde 1972/73 restauriert. Es wurde von einem unbekannten Künstler in Öl auf Leinwand geschaffen.
Beschreibung und Ikonographie
Es zeigt den Sturz des Phaeton in starker Untersicht. Weit entfernt am Himmel erblickt man Jupiter im göttlichen Licht auf seinem Adler reitend. Die von ihm geschleuderten Blitze haben die dunklen Wolken durchdrungen und Phaeton getroffen. Er hatte sich anmaßend von seinem Vater Apoll gewünscht, dessen Sonnenwagen über den Himmel zu lenken, die Pferde aber nicht im Zaum halten können. Der Wagen mit der Sonne kam der Erde zu nahe und sie drohte, zu verbrennen. Jupiter rettete die Erde, indem er den unfähigen Lenker mit seinen Blitzen aus dem Wagen schleuderte. Dieser Moment ist zu sehen. Schreck- und schmerzverzerrt ist das Gesicht des aus dem Wagen Stürzenden. Hilflos breitet er seine Arme aus. Auch die vier Pferde, die den Wagen gezogen haben, stürzen – teilweise kopfüber – in die Tiefe und wiehern panisch.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Das Bild bezieht sich auf die Eintretenden. Sie stehen an der Stelle, an der Phaeton aufschlagen wird.
Programm
Man kann Phaeton auf die um 1700 stattgefundenen Kriege beziehen und damit in den Gesamtzusammenhang der Raumfolge stellen.
Die Nordwand
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei[29] an der Nordwand wurde wie alle Malerei im Raum 1972/73 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei an der Nordwand entspricht vom Prinzip her inhaltlich der des „Driburger Zimmers“, da sie ebenfalls den Besitz ihres Bewohners zeigt. In diesem Fall war das Vinsebeck selbst, welches daher mit Ortschaft links, Wirtschaftshof in der Mitte und Herrenhaus rechts von Süden her präsentiert wird. Die wohlbestellten Äcker und Gärten rund um die Ortschaft, die mit wenigen Menschen bevölkert ist, sollen natürlich positiv auffallen. Sie reichen bis auf die Westwand. Der Kontrast zwischen den braunen Fachwerkhäusern der Untertanen und den weißen Bauten der Herrschaft ist gewollt. Im Lustgarten stehen zahlreiche Springbrunnen, die vom technischen Geschick und der wirtschaftlichen Potenz der Herren von der Lippe zeugen. Auf ihren adeligen Status verweisen darüber hinaus die Kanonenrohre, die auf den Rondellen der Schlossinsel zu sehen sind.
Die Nordwand im Alkoven
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Auch die Malerei[28] an der Nordwand des Alkovens wurde 1972/73 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei setzt die Darstellung der Nordwand nicht fort. Statt Vinsebecks erblickt man links eine Kirche von Osten mit Chor und Querhaus sowie Vierungsturm. Da sie sich hinter einer Mauer befindet, dürfte es sich um eine Klosterkirche handeln, vermutlich ist es ein Zisterzienserkloster. Die Gesamtdarstellung mutet eher ideal an, und es dürfte sich um keinen realen Bau Westfalens handeln.
Die Südwand
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei[28] an der Südwand wurde ebenfalls 1972/73 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Prunkstück der Südwand ist ein barocker Spiegel, der zwischen den Fenstern an der Wand hängt. Die Malerei nimmt Bezug auf dieses Prunkstück. Putten scheinen einen grünen Vorhang emporzuheben, um ihn zu enthüllen. Die Wände rechts und links der Fenster zeigen eine Vorgebirgslandschaft mit Wasserläufen und Ortschaften.
Die Südwand im Alkoven
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei[28] an der Südwand des Alkovens wurde 1972/73 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Malerei zeigt in der Südostecke eine Kloster- oder Schlossruine und darüber hinaus die übliche Vorgebirgslandschaft mit Feldern, Dörfern und Waldungen.
Die Westwand
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Auch die Wandmalerei[28] an der Westwand wurde 1972/73 restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Sie präsentiert zwischen Fenster und Tür ein Ganzkörperporträt des Domherrn Adolph Franz Friedrich von der Lippe, eines Bruders des Bewohners. Links des Fensters ist ein weiteres Stück Landschaft zu sehen, rechts der Tür ein Teil der Äcker von Vinsebeck.
Die Familienpoträts an Süd- und Westwand
Beschreibung und Ikonographie
Neben dem Porträt von Adolf Franz Friedrich von der Lippe an der Westwand befinden sich in den Nischen der Fenster nach Osten und Süden vor dem Alkoven weitere Porträts mit Mitgliedern der Familie von der Lippe.[25]
Adolf Franz Friedrich von der Lippe
Eindeutig herausgehoben ist Adolph Franz Friedrich von der Lippe. Er war der erfolgreichste der vier Brüder und Domherr in Lübeck, Domherr und Senior in Hildesheim sowie Kurkölnischer Geheimer Rat und wird in Amtstracht gezeigt. Mit seiner Rechten verweist er auf eine Schrift „EX UNIONE DECOR“ (Schmuck und Einigkeit), die zusammen mit einem Blumenkranz an einem Baum hängt, vor dem er sich niedergelassen hat. Auf einem Tisch neben ihm liegen ein Buch und eine goldene Taschenuhr mit Petschaft.
Die Söhne des Bauherrn
In der Fensternische der Ostwand neben ihm sind die beiden Söhne des Bauherrn zu sehen: Viktor Adolph Theodor von der Lippe und Moritz Anton Johann von der Lippe. Sie reiten jeweils und sind trotz ihres jungen Alters von ca. 10-15 Jahren standesgemäß gekleidet und mit Perücke dargestellt. Links im roten Mantel erblicken wir Moritz Anton Johann, rechts Viktor Adolph Theodor.
Die Frau und die Töchter des Bauherrn
Die vier Frauen an den Seiten der Fensternischen im Süden werden allgemein als vier Varianten der Frau des Bauherrn, Ottilie Ursula Adolphine von Schorlemer, gedeutet, die für die vier Jahreszeiten stehen sollen. Nun hatte Adolf Franz Friedrich von der Lippe aber nicht nur zwei Söhne, sondern auch drei Töchter,[30] und es ist sehr wahrscheinlich, dass in den Nischen seine Frau sowie seine Töchter Theresia Sophie, Agnes Ursula Lucie und Sophia Catharina Lucia Maria Viktoria zu sehen sind. Die Kleider sind schlichter, um so jünger die Dargestellten sind.
Der Winter
Ganz links als Allegorie des Winters ist die Mutter zu sehen, reich gekleidet mit einem wärmenden roten Mantel und sich an einem Feuerbecken wärmend.
Der Herbst
Ihr gegenüber verkörpert eine ihrer Töchter den Herbst mit einer Schale voller Obst in einem hellblauen Kleid mit weißem Umhang.
Der Frühling
Das rechte der beiden Fenster zeigt rechts eine Verkörperung des Frühlings im grünen Kleid mit einem Blumenkorb.
Der Sommer
Gegenüber wird der Sommer personifiziert. Die Tochter trägt ein rotes Kleid mit gelbem Umhang und hält eine Sichel in der Hand und sitzt auf Korngarben.
Das Vorzimmer des westlichen Appartements "Chinesenzimmer"
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Wandbespannung des Vorzimmers[25] vom westlichen Appartement hat sich erhalten.
Beschreibung
Der Raum wird vom Hauptsaal im Osten betreten und führt in Enfilade in ein Audienzzimmer im Westen. Eine dritte Tür gewährte Zugang zu einem Dégagement. In der Mitte der Ostwand steht ein Kamin. Der Raum öffnete sich mit zwei Fenstern im Süden zum Garten.
Die Wandmalerei des Vorzimmers – die Westwand
Beschreibung und Ikonographie
Die Wände sind über bemalten Lambris komplett mit einer Leinwandbespannung[18] versehen, die Wandteppiche mit chinesischen Motiven imitiert. Es ist eine der frühesten Chinoiserien Westfalens. Die Malerei der Lambris zeigt im Gegensatz dazu keine exotischen Motive, sondern ein sich wiederholendes Ornament mit zentralen Blumenvasen. Jede Wand bis auf die vom Kamin geteilte Ostwand nimmt ein Gemälde auf, das mit breiten ornamentierten Rahmen umgeben ist, was den Eindruck eines Gobelins hervorrufen sollte. Gezeigt wird eine mehr oder minder mitteleuropäische Vorgebirgslandschaft mit grünen Bäumen und Wiesen. Wenige Blumen im Vordergrund und einige Vögel sollen sie als exotisch charakterisieren. Die Darstellung ist nur wenig naturalistisch, wie auch die der vermeintlichen Chinesen, die gängige Stereotype der Zeit bedienen.
Die Westwand
An der Westwand sieht man zwischen den beiden Türen einen sehr großen Chinesen mit einem Hund an einem Brunnen stehen. Neben ihm steht ein sehr kleiner Chinese, der einen Korb am linken Arm trägt und einen Papagei auf der rechten Hand hält. Durch die lichten Bäume geht der Blick in die Weite.
Die Nordwand
Die breite Nordwand zeigt zwei Paare – eines links und eines rechts. Bäume trennen die beiden Gruppen voneinander, die nicht miteinander in Beziehung stehen und sich die Rücken zuwenden. Links spielen ein Mann und eine Frau mit einem Papagei. Rechts hält ein vornehmer Chinese einen Schirm, während ihm ein Diener seine Schleppe trägt. Er wendet sich einem Wandbrunnen rechts zu. Wieder geht der Blick zwischen den Bäumen in die Tiefe.
Die Südwand
Die Südwand lässt aufgrund der zwei Fenster wenig Raum für Malerei. Sie ist in die Fensternischen hineingezogen. Zwischen den Fenstern ist ein Chinese zu sehen – wohl ein Mönch – der über eine Holzbrücke schreitet. Unten erblickt man im Wasser schemenhaft eine Nixe. Die Brücke führt zu einer Kirche.
Die Ostwand
Die Ostwand ist zweigeteilt. Links des Kamins wird ein chinesisches Paar mit Diener gezeigt. Der Mann ist über einen Kopf größer als die Frau. Der Diener, der über das Paar einen Schirm hält, ist noch einmal einen Kopf kleiner. Rechts des Kamins ist nur Landschaft zu sehen, da fast die gesamte Wandfläche von der Tür zum Hauptsaal eingenommen wird.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2016. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2016.
- Fahne, Geschichte, 1858. – Fahne von Roland, Anton: Geschichte der Westphälischen Geschlechter [...]. Köln 1858.
- Hohmann/Tronich, Boreas, 1978. – Hohmann, Friedrich Gerhard/Tronich, Gerhard: Ein Deckengemälde im Schloß Vinsebeck. Boreas entführt Oreithyia. In: Aus der praktischen Denkmalpflege 1 (1978), S. 41-45.
- Püttmann, Wehmer, 1986. – Püttmann, Klaus G.: Die barocken Schloßbauten Justus Wehmers in Westfalen. Zu Bedingungen und Wegen in der Architekturrezeption (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 13). Bonn 1986.
- Westfalen 53 (1975). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 53. Münster 1975.
- Westfalen 56 (1978). – Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, 56. Münster 1978.
- Archivalien:
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Schloss Vinsebeck 1. Wasserschloss Vinsebeck. Steinheim-Vinsebeck. Kreis Höxter. Akte V 2000-2001.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1060-1062; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 24, 62-73; Westfalen 53 (1975), S. 748-749.
- ↑ Hohmann/Tronich, Boreas, 1978, S. 41; Westfalen 53 (1975), S. 748; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Püttmann, Wehmer, 1986, S. 24; Hohmann/Tronich, Boreas, 1978, S. 41.
- ↑ Püttmann, Wehmer, 1986.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/f852ab0d-13e5-47cb-9383-d748586f89bc.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/1db82753-1dcf-4020-9e6d-c80a23163b8c.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/6f4125ad-550e-4001-a64f-7936ee46b559.
- ↑ Püttmann, Wehmer, 1986, S. 63.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 67-68; Westfalen 53 (1975), S. 748; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Hohmann/Tronich, Boreas, 1978, S. 41, 44; Westfalen 53 (1975), S. 748-749; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Hohmann/Tronich, Boreas, 1978, S. 41.
- ↑ Püttmann, Wehmer, 1986, S. 67.
- ↑ 13,0 13,1 13,2 Püttmann, Wehmer, 1986, S. 68.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 68; Westfalen 53 (1975), S. 748.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 68; Westfalen 53 (1975), S. 748; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Westfalen 53 (1975), S. 748.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 68-69; Westfalen 53 (1975), S. 749; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ 18,0 18,1 Püttmann, Wehmer, 1986, S. 71.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 69; Westfalen 53 (1975), S. 749; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ 20,0 20,1 20,2 20,3 20,4 Püttmann, Wehmer, 1986, S. 69; Westfalen 53 (1975), S. 749; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Püttmann, Wehmer, 1986, S. 68; Westfalen 53 (1975), S. 749; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Püttmann, Wehmer, 1986, S. 69.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 69-70; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 70; Westfalen 53 (1975), S. 749; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ 25,0 25,1 25,2 Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 71.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 71; Westfalen 56 (1978), S. 659; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 71; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ 28,0 28,1 28,2 28,3 28,4 Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 71; Westfalen 53 (1975), S. 749; Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2016, S. 1061; Püttmann, Wehmer, 1986, S. 71; Westfalen 53 (1975), S. 749. Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Fahne, Geschichte, 1858, S. 288.