Stadl, Pfarrkirche St. Johann Baptist


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 231, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Gemeinde Pflugdorf-Stadl, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Kloster Andechs inkorporiert, Pfleggericht Rauhenlechsberg

Patrozinium: St. Johann Baptist

Zum Bauwerk: Ursprünglich spätgotischer, vor 1750 umgestalteter einschiffiger Saalbau; eingezogener, halbrund geschlossener Altarraum

Autor und Entstehungszeit: Die Deckenbilder im jetzigen Zustand tradieren vom 18. Jh. nur noch die Thematik und die figürliche Bildanlage. – Die Ornamentformen des Stucks weisen in die 30/40er Jahre des 18. Jh. Auf die drei von Johann Baptist Baader stammenden Altarblätter der Pfarrkirche hin (Rochusbild signiert und datiert 1751) sind die Fresken bei Müller-Hahl und Dehio Johann Baptist Baader aus Lechmühlen zugeschrieben. Auffällig ist die Übereinstimmung der sechs Emblemkartuschen in Stadl mit jenen in der Johanneskirche von Wessobrunn (s. LKr. Weilheim-Schongau), die 1758/59 von Baader geschaffen wurden. Ein stilistischer Vergleich ist jedoch nicht mehr möglich.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachtonne mit Stichkappen; AR Stichkappengewölbe Rahmen: A, B Stuckprofil; a—f Kartuschrahmen

Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 8,50 m; 2,75 × 4,00 B Höhe 8,70 m; 2,70 × 3,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Laut Ortsakten Stadl in Landsberg/Lech, Stadtarchiv, wurden die Fresken im 19. Jh. durch Karl Vorhölzer übermalt (frdl. Mitt. Wilhelm Neu, B.L.f.D.). Letzte Renovierung 1937 durch Vogt. Die Kartuschbilder des Langhauses, eines zeigt die Signatur des Restaurators, E. Vogt, und das Deckenbild des Altarraumes wurde dabei völlig erneuert; letzteres ist fleckig und an einigen Stellen blättert die Malerei ab (keine Abbildung). Das LHs-Deckenbild A und die Embleme im AR (a—f) sind in ruinösem Zustand: starke Farbabblätterungen und Flecke. Auch hier stammen Kontur- und Binnenzeichnung wohl weitgehend vom Restaurator. Abgebildet nur A.

Bildabfolge und Inschriften

A Predigt Johannes des Täufers (Mt 3,1–12 u. Par.). Johannes predigt in einer bergigen Flußlandschaft (Jordan) dem jüdischen Volk die Bußtaufe: Baptismus Poenitentiae. Am Kreuzstab des Johannes ECCE AGNUS DEI ECCE QUI tollit Peccata Mundi. (Jo 1,29).

 
A Predigt Johannes des Täufer

A1-6 Die sechs Kartuschen im Langhaus zeigen Szenen aus der Jugendgeschichte des Johannes.

3 St. Johann Baptist in der Glorie. Engel tragen die spezifischen Attribute des Heiligen.

a-f In den sechs Kartuschen des Chores sind emblematische Darstellungen, welche sich auf Johannes beziehen. Die Lemmata entsprechen, soweit noch erkennbar, wörtlich jenen der Johannesembleme in der Pfarrkirche von Wessobrunn (s. LKr. Weilheim-Schongau), auch stimmen die Icones vollkommen überein.

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 380

Dehio-Gall OR (1964) S 291

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966

Fried, Pankraz und Sebastian Hiereth, Die Landgerichte Landsberg und Schongau (= Historischer Atlas von Bayern, Bd 22–23), München 1971, S. 209.