Stördorf, Hof Reimers
Inventarnummer: cbdd20199
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Im Bauernhof Reimers befand sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts eine für den bäuerlich-ländlichen Raum einmalige Deckenmalerei mit Quadraturmalerei und weltlichen Allegorien. Auch eine Wandmalerei mit Waldlandschaft ist verloren.
Der Hof Reimers in Stördorf
Kurzbeschreibung und Lage
Der Hof Reimers[1] in Stördorf steht an der Nordseite der Straße Stördorf nördlich der Stör.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Der Hof stammt aus dem 18. Jahrhundert. 1950 war seine wandfeste Ausstattung noch weitgehend erhalten, wurde dann jedoch Stück für Stück veräußert bzw. entfernt. Bereits 1964 war klassizistische Wandmalerei der Sommerstube nach Dänemark verkauft und die Täfelung der Vordiele ausgebaut worden.[2] Heute ist auch die Deckenmalerei der Vordiele und die Wandmalerei im Flur des Obergeschosses verloren. In Dehio 1994 wurde sie letztmals genannt.[3]
Beschreibung
Das reetgedeckte Kreuzhaus entspricht dem Typus eines Husmannshus. Der geschlemmte Ziegelbau hat vier verbretterte Giebel. Im Innern gelangt man zuerst in die Vordiele. Von hier führt an der linken Wand eine Treppe ins Dachgeschoss. Zur Rechten gelangte man über ein paar Stufen in die Sommerstube, einen Eckraum. Das linke Pendant war die getäfelte Döns, hinter der sich die Küche befand. Es handelte sich um ein „prächtiges Beispiel der hochentwickelten Bauernkultur in den Elbmarschen während des 18./19. Jh.“.[4]
Die Vordiele
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Vordiele entstammt dem 18. Jahrhundert und erhielt Ende des Jahrhunderts ihre Deckenmalerei. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging die Ausstattung verloren.[3]
Beschreibung
Die Vordiele wird durch eine zentrale Tür von Süden aus betreten. Sie misst 7,85 auf 10,85 Meter. Beiderseits der Tür gewähren je zwei Fenster Licht. Der Raum war ehemals vertäfelt. Fingierte rustizierte Pfeiler trugen die Holzbalkendecke. Im Norden gelangte man in die große Diele, nach Osten in die Sommerstube und nach Westen in die Stube. Rechts der Tür führt eine Treppe mit Wendepodest in das Dachgeschoss. Links der Tür springt die Wand aufgrund eines Alkovens der Stube in die Vordiele vor.[5]
Die ehemalige Deckenmalerei in der Vordiele
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei der Kiefernholzbalkendecke wird auf das Ende des 18. Jahrhunderts bzw. 1799 datiert.[6] Sie hat sich nicht erhalten.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke misst 7,85 auf 10,85 Meter. Sie wird von zwei Balken in drei Fachen mit illusionistischer Malerei unterteilt. Durch fingierte Geländer und Balustraden hindurch fiel der Blick auf Figuren vor Wolken. Jede Fache nahm ein quergelagertes Mittelbild auf, das an den Seiten von kleinen runden oder rechteckigen Nebenbildern begleitet wurde. Leider sind nicht alle Bilder fotografisch dokumentiert, so dass eine Beschreibung lückenhaft bleiben muss.
Die erste Fache im Süden präsentiert im Hauptbild hinter einem Geländer auf Wolken eine weibliche Allegorie, die zwei Pauken schlägt. Sie ist umgeben von Putten, die weitere Instrumente spielen wie Lyra oder Posaune. Die zwei Nebenbilder sind rundum von einem Ornamentband umgeben. Hier sind musizierende Putten und Genien vor Wolken zu sehen. Das Hauptthema der Fache ist offenbar die Musik. Auf dem Hauptbild sind drei Personen auf Wolken zu sehen, die anhand der Fotografien nicht zu bestimmen sind. Eine Person hält ein Zepter, ein bärtiger Mann öffnet die Arme. In den äußeren Feldern sind Putten und Genien zu sehen. Viele tragen Pfeil und Bogen.
In der letzten Fache im Norden geht der Blick im Hauptbild wieder an einem Geländer vorbei an den Himmel. Links reitet ein trunkener Bacchus auf einem Fass mit Rädern, dass von einem Hund und einer Ziege gezogen wird. Rechts sitzt eine weibliche Person auf einer Wolke. Eine Dienerin reicht ihr eine Weinschüssel mit Kelle, die sie einer Putte abnimmt. Die Putte steht auf einem Tablett, das von anderen Putten emporgehoben wird. Weitere Putten bringen Speisen und nicht zu bestimmende Dinge herbei, andere spielen Musikinstrumente. Auf den Nebenbildern sind weitere musizierende Putten zu sehen. Das Hauptthema dieser Fache könnte das Trinken sein.[7]
Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit der Hauptbilder ist auf den Eingang im Süden bezogen.
Stellung der Malerei
Die bemalte Decke der Vordiele in Stördorf war ein Einzelfall. Üblicherweise sind die Dielen in der Region mit Schnitzereien geziert, nicht mit Malerei. Diese findet sich vor allem in den Sommerstuben. Im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins war die Malerei einzigartig.[8]
Flur im Obergeschoss
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Auch der Flur dürfte zeitgleich mit dem Haus entstanden sein. Im Spätbarock erhielt er mindestens ein Wandbild.[9]
Die ehemalige Wandmalerei des Flurs
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Wandmalerei im Flur stammte aus dem späten 18. Jahrhundert. Sie hat sich nicht erhalten.[9]
Beschreibung und Ikonographie
Zu sehen war eine auf Holz gemalte Waldlandschaft mit einem Fluss in der Mitte. Links erblickte man eine von einer Mauer umgebene Kirche.
Bibliographie
- Literatur:
- Beseler, Kunst-Topographie, 1969. — Beseler, Hartwig (Hrsg.): Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein. Neumünster 1969.
- Dehio, Schleswig-Holstein, 1994. — Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 1994.
- Röper, Innenraumgestaltung, 1984. – Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.
- Archivalien:
- Lühning, Stördorf, 1974. — Schreiben von Arnold Lühning an (Carl Heinrich) Seebach am 19.08.1974, in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Stördorf, Stördorf 3, Fachhallenhaus, ONR 6771, Bd. 1.
- ONR 6771. – Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Stördorf, Stördorf 3, Fachhallenhaus, ONR 6771, Bd. 1.
- Schlee, Stördorf, 1964. — Schreiben von Ernst Schlee an Hartwig Beseler am 03.08.1964, in: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte IZ Stördorf, Stördorf 3, Fachhallenhaus, ONR 6771, Bd. 1.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 1994, S. 850; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1130-1140. ONR 6771.
- ↑ Beseler, Kunst-Topographie, 1969, S. 824. Lühning, Stördorf, 1974; Schlee, Stördorf, 1964.
- ↑ 3,0 3,1 Dehio, Schleswig-Holstein, 1994, S. 850.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 1994, S. 850 (Zitat); Beseler, Kunst-Topographie, 1969, S. 824.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 1994, S. 850; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1136, 1138.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 1994, S. 850; Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1060, 1138.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1136-1138.
- ↑ Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 1053, 1060.
- ↑ 9,0 9,1 Beseler, Kunst-Topographie, 1969, S. 824.