Siegertsbrunn, Pfarrkirche St. Peter
SIEGERTSBRUNN
Pfarrkirche Wallfahrtskirche St. Leonhard S. 169
Pfarrkirche, Gemeinde Höhenkirchen, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Hohenbrunn (bis 1922), die dem Stift St. Andreas in Freising inkorporiert war, Pfleggericht Schwaben (Markt Schwaben)
Patrozinium: St. Peter
Zum Bauwerk: Barocker Neubau aus dem späten 17. Jh. (Datierung der Kanzel 1681), Weihe am 17. 6. 1707 durch Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Lichteneck. Unter Martin Augustinus von Hofstetten, 1769-95 Pfarrer von Hohenbrunn, wurde der AR ausgemalt.
Saalbau zu vier Jochen, eingezogener, zweijochiger AR dreiseitig geschlossen; im W Doppelempore. Pilastergliederung; Belichtung durch hohe Rundbogenfenster im N und S, im O durch je 2 übereinander angeordnete querovale Fenster. Auf der N-Seite des AR Oratorien.
Autor und Entstehungszeit: Im Lunettenfresko W4 befindet sich rechts unten eine unvollständig lesbare Signatur AD (ligiert) emmel p [inxit] / [1] 78 [?] (Augustin Demmel *1724 München †1789 München, 1775 Münchner Hofmaler).
Die Chorfresken sind demnach in den 80er Jahren entstanden; in der Pfarrei Hohenbrunn malte Demmel außerdem 1778 in Hofolding (S. 122–26) und 1785 in der Wallfahrtskirche von Siegertsbrunn (S. 162).
Decken- und Wandfresken sind auffallend stark von Fresken des Matthäus Günther beeinflusst.
LHs-Fresken A. Ranzinger und O. Wieleitner 1912
W1 Berufung Petri zum Apostel
Glorie des hl. Petrus
A Glorie des hl. Petrus
A W3 Petrus im Kerker
A, W1-4 Petrus-Szenen
Die LHs-Deckenbilder stammen von Anton Ranzinger und Oskar Wieleitner aus dem Jahr 1912; über der Orgel: Hl. Cäcilia, LHs-Decke: Kreuzigung Christi, darin die Inschrift Gestiftet / von Maria Mair / 1912, vor dem Chorbogen: Geist Taube im Strahlenkranz beim Hl.-Geist-Loch.
Befund
Träger der Deckenmalerei: AR Tonne mit Stichkappen W1-4 in den Schildbögen / an der N- und S-Wand des AR Rahmen: A gemalter, goldfarbener Profilrahmen mit imitieren Stuckkonsolen, W1-4 gemalter, graufarbener Stuckwulst
Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 8,00 m; 6,20 × 3,10 W1-4 1,50 × 2,30
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1912 Restaurierung durch Anton Ranzinger und Oskar Wieleitner (vgl. Autor). Von dieser Restaurierung stammen Übermalungen in A (Kopf Christi, Engel bei Gottvater, Strahlen der Geist-Taube) und verkittete Risse, in W3 vor allem die Figur des Soldaten. Die Dekorationsmalerei wurde nach freigelegten Spuren weitgehend neu gemalt.
1982/84 Restaurierung durch Fa. Hans Wimmer, München. Die Decken- und Wandbilder waren sehr verschmutzt; W1-4 fleckig, die Farbsubstanz abgerieben; besonders beeinträchtigt war W2: klaffender Riß längs durch die Gestalt Christi. Die Schäden sind jetzt behoben. Die photographischen Aufnahmen zeigen den Zustand von 1982.
LHs-Deckenbilder 1912 von Anton Ranzinger und Oskar Wieleitner, über der Orgel: Hl. Cäcilia (ohne Rahmung) LHs-Decke: Kreuzigung Petri (Inschrift: Gestiftet / von Maria Mair / 1912), vor dem Chorbogen: Geisttaube im Strahlenkranz um Hl.-Geist-Loch.
Beschreibung und Ikonographie
A GLORIE DES HL. PETRUS Reine Himmelsszenerie: geringe Untersicht; Betrachterstandpunkt unter dem westlichen Bilddrittel. Höhenillusion wird erzielt durch den Einsatz von Licht und Schatten in der gemalten Rahmung wie in den Wolken des Bildhimmels.
Über die tiefblaue Himmelsfolie zieht ein üppiger, dicht von Figuren besetzter Wolkenbogen, der am östlichen Bildrand in einen ornamental den Rahmen überspielenden Wolkenschnörkel ausläuft. Im westlichen Bildteil lösen sich die Wolken in der dunstig gelben Glorie der Dreifaltigkeit auf. Diese ist von einem repoussoirartigen, dunklen Wolkenstreifen am Bildrand und von den weitausschwingenden rosaroten und gelben Mänteln Christi und Gottvaters eingefaßt.
Im Bildzentrum der hl. Petrus in goldfarbenem, blauunterfütterten Ornat. Die Schlüssel hält er in der Hand, die weiteren Attribute – Tiara, Papststab und Martyrerkreuz – tragen zahlreiche in lebhaften Gruppierungen ihn begleitende Engel. Christus-Salvator wendet sich Petrus zu und weist seine Wundmale vor. Ein Christus zu Füßen niedergefallener Engel ist virtuos in Rückenansicht gemalt.
Die Farbgebung ist insgesamt gesehen helltonig. Die Licht- und Schattenpartien des Wolkenhimmels erscheinen verhalten und in weichen Farbabstufungen. Charakteristisch sind in klassizistischer Manier intensiv klare Buntfarben in den Gewändern – Rosarot, Kobaltblau, Smaragdgrün changierend mit Gelbgrün – die sich vom graugelben Wolkengrund abheben. Das Himmelsblau ist als Hintergrund abgesetzt.
W1–4 PETRUS-SZENEN Großzügig komponierte, meist zweifigurige Darstellungen, die elegant in die muschelförmigen Bildfelder eingepaßt sind. Komposition und Figur entypus erinnern an Günthers Petrusszenen in Mittenwald (1740, CBD, Bd 2, S. 360, W1–3).
W1 Berufung Petri zum Apostel (Mt 4,19), im Hintergrund das Fischerboot auf dem See Genezareth.
W2 Du bist Petrus – Berufung zum Kirchenfürsten (Mt 16,18); Petrus ist vor dem Fels mit der Kirche, einem Tempietto, dargestellt.
W3 Petrus gefesselt im Kerker (Act 12,4)
W4 Befreiung aus dem Kerker durch den Engel (Act 12,11)
Die gotische Figur des thronenden Petrus im Papstornat, jetzt über der Sakristeitür angebracht, nahm früher den ikonologisch wichtigen Platz auf dem Hochaltar ein und bildete sinngemäß die Ergänzung zum Freskenzyklus.
Literatur s. S. 168