Seehausen, Pfarrkirche St. Michael


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 422–429, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

SEEHAUSEN

Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Kloster-Ettalisches-Gericht Murnau

Patrozinium: St. Michael

Zum Bauwerk: Der Augsburger Buchhändler Matthäus Rieger (* 1705 Seehausen † 1775) ließ 1774/75 in Seehausen eine neue Pfarrkirche für die Pfarrei Staffelsee erbauen, und zwar am Ort der auch von ihm gestifteten Kapelle. Die alte Pfarrkirche, auf der Insel Wörth im Staffelsee gelegen, wurde am 19. 12. 1773 exsekriert, in Teilen nach Seehausen überführt und beim Bau verwendet. Weihe am 21. 7. 1782 durch den Bischof von Augsburg (Gedenkinschrift, vgl. S. 429; über den Bauhergang bis zur feierlichen Weihe berichtet Stanislaus Aloys Kaiser in der Festschrift, Augsburg 1783). Baumeister war vermutlich Leonhard Matthias Gießl, amtierender Pfarrer war Bernhard Burkart (1770-89), die Kosten wurden ausschließlich von Matthäus Rieger getragen.

Saalbau zu zwei Jochen, Pilastergliederung, die NO- und SO-Ecke innen abgerundet und mit je einer flachen Altarnische versehen, im W Vorhalle mit Doppelempore; einge zogener quadratischer AR mit flacher Apsis. Gleichmäßige Beleuchtung durch Rundbogenfenster, im LHs von N und S, im AR nur von der N-Seite

Auftraggeber: Pfarrer und Dekan Stanislaus Aloys Kaiser (1790–1809)

Autor und Entstehungszeit: Die Fresken sind weder signiert noch datiert, jedoch sind Autor und Zeit der

Entstehung archivalisch überliefert: In einem Tagebucheintrag vom Jahre 1790 im Matrikelbuch II, S. 52 (Pfarrarchiv Seehausen) vermerkt Pfarrer Kaiser: »Gleich nach meiner Hierherkunft entschloß ich mich die Kirche herzurichten. Ich ließ meinen Vetter Johann Georg Kaysen mahler von Rhain kommen, die Sckizen wurden approbier - dann fing er nach Johann Bapt an, und ward mit der ganzen Kirche bis in October fertig.« Die Freskierung erfolgte also im Zeitraum 24. Juni bis Oktober 1790.

Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den genannten Johann Georg Kaiser um den bei Thieme Becker (Bd 19, S. 446) als Historien-, Stilleben- und Landschaftsmaler aufgeführten Georg Kaiser, * 1767 in Feldheim, OB, † um 1835, tätig in Rain an der Ach und Neuburg an der Donau, Vater des Landschaftsmalers Ernst Kaiser (* Rain an der Ach † 1865 München). Nach Bega (Weilheimer Tagblatt 1913) soll der Maler Paul Gege (* München, verheiratet 1785 Seehausen, † 16. 5. 1798 Seehausen), Begründer der Malerfamilie Gege in Seehausen, als Gehilfe Kaisers bei der Ausmalung der Seehauser Kirche beteiligt gewesen sein.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, 1-4, a-d) Tonne mit Stichkappen, über der NO- und SO-Nische gemuldet, AR (B, B1-4) flache Pendentifkuppel Rahmen: A, B imitierte Profilrahmen Technik: Fresko mit Secco; A, 1-4, B, W1, W1-II, Wa-b polychrom, a-d, B1-4, W2-4 Grisaillemalerei Maße: A Höhe 12,00 m; 12,00 × 8,10

 
A Kreuzigung Christi
 
 
Ambrosius

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1882 Restaurierung durch Johann Mangold aus Peißenberg und Josef Mangold aus Weilheim. Der erste übernahm die Bunt-, der zweite die Graumalerei; die Fresken seien in »lebhaften, jetzt zum Teil verwitterten Farben« gemalt, berichtet Bega (Weilheimer Tagblatt 1913). Zur Tausendjahrfeier der Pfarrei Seehausen-Staffelsee wurde 1959/60 eine Innenrenovierung von Restaurator Hans Pfohmann und Fa. Hatzelmann durchgeführt.

Die Gemeinderaumfresken sind schlecht erhalten und farblich großenteils verdorben. Über die ganze Malfläche breiten sich dunkle schwammig aussehende Flecken, wohl durch Feuchtigkeitseinwirkung entstanden; an einigen Stellen sind weiße Ausblühungen sichtbar. Die Himmelspartie ist dunkel fleckig und besitzt keine klare Farbigkeit mehr.

 
 
3 Matthäu

die bildräumliche Wirkung ist verlorengegangen. Auffallend ist auch ein weißliches Grün, das – ähnlich wie in Winks Kuppelfresko in Egling (CBD, Bd 1, S. 55) ganz verdorben ist. Die figürliche Zeichnung (Konturen Gesichtszüge) ist augenscheinlich bei der letzten Restaurierung nach- bzw. neugemalt worden, besonders augenfällig bei der Gruppe der Klagenden.

Die AR-Fresken sind ebenfalls durch Feuchtigkeitsschäden beeinträchtigt, jedoch nicht so stark wie im Gemeinderaum.

Beschreibung

Im Gemeinderaum ist der Ansatz des Tonnengewölbes durch eine reich ornamentierte, steinfarbig weißgrau gehaltene Quadratura-Malerei gestaltet. Oberhalb der von Pilaster und Gebälk eingefaßten Altarnischen und der die Querachse des Raumes betonenden Doppelpilaster an den Längswänden sind vier nischenartig gebildete Öffnungen illusioniert, die Einblick in gewölbte Nebenräume geben. In diesen paarweise angeordneten und gleich gebildeten Nischen (1 und 4, 2 und 3) sind die vier Evangelisten in Ganzfigur buntfarbig dargestellt. Der Chorbogen ist von einer Attika mit Segmentgiebel bekrönt, davor eine (reale) Uhr. Die Putti darum (= W4) sind als lebendig bewegte Figuren auf Wolken gegeben, dabei farblich der steingrauen Quadratura-Malerei eingefügt. Im gleichen Darstellungsmodus sind die Brustbilder der lateinischen Kirchenväter (a-d) als Tondi in die vier ornamental gegliederten Fensterstichkappen gemalt. In das westliche Bogenfeld oberhalb der Orgelempore ist in der Mitte die Gruppe der theologischen Tugenden polychrom gemalt (W1) und an den Seiten jeweils eine Adikula mit einer Standfigur des Alten und des Neuen Bundes in Grisaillemalerei (W2-3).

 
 
 
 
 

Den oberen Abschluß der Quadratura-Malerei bildet dreiteilig gegliederte ornamentierte Gesims- bzw. Rahmenprofile: Sie fassen das langgestreckte Bildfeld der Decke ein, das den Grundriß des Gemeinderaumes wiederholt. Diese breite imitierte Stuckleiste grenzt das Deckenbild aus der illusionistischen Architekturmalerei aus.

Das Dekorationsschema des quadratischen, überkuppelten AR ist einfacher. Der imitierte Profilrahmen um das

Drei-Königs-Bild (B) deutet einen Kuppelsprengring an, seine flächengebundene Ornamentierung mindert die illusionistische Wirkung. In den Pendentifs sind mit Palmwedeln geschmückte Ovalmedaillons eingesetzt (B1-4), die Leben-Jesu-Szenen darin sind als Grisaillen ausgeführt. Die Bogenfelder oberhalb der Fenster an der N- bzw. S-Wand sind vollkommen von polychrom gemalten, nicht gerahmten biblischen Bildszenen gefüllt (W I-II). Darunter befinden sich zwei Bildnistondi (W a-b).

A KREUZIGUNG CHRISTI Von dem zentralen Standort aus ist die einansichtige Bildszene mit der Basis im O – und die Quadratura-Zone mit 1–4 und a–d und den Wandbildern W1-4 – zu betrachten. Zwei Drittel des Bildfeldes sind von einem Wolkenhimmel gefüllt, in dessen Mitte nur eine Gruppe klagender Engel, weit entfernt von der inhaltlich unmittelbar dazugehörigen Kreuzigungs szene, wiedergegeben ist. Die Darstellung einer Himmels glorie bzw. der göttlichen Personen fehlt. Die zentralperspektivische Konstruktion dieses Bildes läßt den irdischen Schauplatz übermäßig zusammengedrängt erscheinen. Der mittlere, aus verschiedenen Teilen zusammengesetzte Bergaufbau, die Kreuzigungsstätte Golgotha, wird von den seitlich herangeschobenen terrestrischen Versatzstücken - Felsen, grasbewachsenen Erdschollen, Gebüsch - eingeengt.

Die drei Kreuze sind frei gegen den düsteren Himmel gesetzt, nur wenig gegen die übrige Szenerie verkürzt.

 
 
Die Hl. Familie
 
 
 

gegeben. Der reumütige Schächer wendet sich dem verstorbenen Herrn zu, der unbußfertige hat seinen Kopf abgewandt. Unter dem Kruzifixus stehen klagend Maria und Johannes, Maria Magdalena hat sich am Fuß des Kreuzes zu Boden geworfen, von links reitet Longinus mit der Lanze heran. In einem weiten Halbkreis sind um den Berg Staffagefiguren angeordnet: römische Soldaten und greise bärtige Männer in orientalischer Tracht – wohl die Schriftgelehrten vorstellend. Ein Baumstrunk und ein steinernes Monument mit einer griechischen (?) Inschrift trennen die seitlichen Zuschauergruppen, Soldaten, Männer und Frauen links und eine Gruppe Klagender rechts, von der mittleren Szenerie. Die untersichtig gegebenen Figuren, teils in Rückenansicht auf die Kreuzigungsgruppe weisend, tragen zu einer illusionistischen Entrückung der Mittelszene bei.

 
B Anbetung der Hl. Drei Könige
 
 
W3 Altes Testament

Der schlechte Erhaltungszustand hat die Struktur der Farbgebung nahezu unkenntlich gemacht. Die trüben grauen und weißlichen Flecken lassen die Himmelspartie viel zu schwer erscheinen. In der terrestrischen Szenerie heben sich die Blau- und Weißwerte zu grell gegen die verdorbenen Grün- und Ockertöne ab.

Die szenische Komposition ist der Kunst des bayerischen Hofmalers Christian Wink verpflichtet; es finden sich genaue Motivübernahmen, wie die Staffagefiguren (vgl. z. B. die in CBD, Bd 1, publizierten Fresken der 70er Jahre von Eching, Egling und Kempfenhausen). In dem manieristisch gelängten Figurentypus ist wohl der Münchner Maler Joseph Matthias Ott als Vorbild zu erkennen (vgl. CBD, Bd 1, Grünsink und Seefeld, 1776).

1-4 EVANGELISTEN Im Typus eines Autorenbildes sind die vier Evangelisten als Sitzfiguren mit ihren in die szenische Handlung einbezogenen Attributen wiedergegeben. Eine von Konsolen getragene Platte ist als Standort illusioniert. Hinter Lukas und Markus führt eine zweibogige Arkade zu Studierräumen. Bei Lukas (1) ist die Staffelei mit dem Madonnenbild, bei Markus (4) eine Bücherwand zu sehen. Volutenbesetzte Sockel und ein auf Pilastern ruhendes Gesims bilden die Öffnung zu weiten Kuppelräumen bei Johannes (2) und Matthäus (3). Johannes ist als der apokalyptische Visionär durch Lichtstrahlen vom Himmel ausgezeichnet, außerdem ist das legendäre Attribut des Giftbechers zu seinen Füßen wiedergegeben.

a-d KIRCHENVÄTER Die vier großen lateinischen Kirchenväter sind als Autoren jeweils mit Buch in Brustbildern wiedergegeben. Bischof Augustinus (a) ist durch eine Flamme auf der Brust, Papst Gregor d. Gr. (b) durch Papstkreuz und die Geisttaube der Inspiration und der Eremit Hieronymus (c) durch ein Handkreuz, den Kardinalshut und den legendären Löwen bezeichnet. Bei Bischof Ambrosius (d) ist der Bienenkorb wiedergegeben, außerdem hält er ein Gefäß in Händen.

B ANBETUNG DER HL. DREI KÖNIGE. Himmel und irdischer Schauplatz der einansichtigen Darstellung sind in nahezu waagerecht begrenzten Partien in das runde Kuppelfeld gemalt. Ähnlich wie in Fresko A sind einzelne terrestrische Platten dicht aneinander geschoben. Die aufragende Stallruine in der Mitte und an den Seiten die Palmen ebenso wie die Staffagefiguren sind perspektivisch verzeichnet, sie »stürzen«.

Der Stallaufbau, ausgestattet mit Säule und Rundbogen, bildet eine Nische, einen Würderahmen, für die Mutter Gottes. Himmlisches Licht fällt in breiter Bahn von dem Stern über Bethlehems Stall auf Maria und das göttliche Kind. Der durch zwei hohe Steinstufen thronartig erhöhten Gruppe nähern sich von beiden Seiten die Magier mit ihren Gaben, begleitet von ihren Pagen und Dienern. Es sind konventionelle, prunkvoll ausstaffierte Figuren, die, dem barocken Typenvorrat entnommen, in einer klassizistisch wirkenden Komposition zusammengestellt sind.

 
W4 Tod und Leben (Chorbogen)

Die Farbdisposition beruht auf dem Akkord Weiß und helles Blau zu Braunrot und Gelbocker. Die Mariengruppe ist durch reines Weiß und die Weißmischtöne Blau, Karmin und Goldocker ausgezeichnet. Bei den Magiern ist Weiß mit gesättigteren Goldocker- und Blauwerten verbunden. Der Schauplatz ist farblich zurückhaltend gestaltet, rötliches Braun und Grau dominieren in der Stallarchitektur. Die hellfarbig gemalte Himmelspartie ist durch graue Flecken entstellt.

B1-4 Die Grisaillemalerei der vier Tondi ist im Farbton der Wölbfläche und der Ornamentbänder von Rahmen und Chorbogenlaibung gehalten. Die Szenen zeigen:

B1 VERKÜNDIGUNG (Lc 1, 26–38)

B2 DARBRINGUNG IM TEMPEL (Lc 2, 25–32) Simeon als Hoherpriester hält, Gott preisend, das Jesuskind in seinen Armen

B3 DER ZWÖLFJÄHRIGE JESUS IM TEMPEL (Lc 2, 46–50) Der Jesusknabe diskutiert mit den Schriftgelehrten, im Hintergrund nähern sich Maria und Joseph

B4 DIE HEILIGE FAMILIE BEIM TISCHGEBET Erzählmotiv, basierend auf der Textstelle Lc 2, 51 (»und er war ihnen untertan«).

konographie

A KREUZIGUNG CHRISTI Die Darstellung folgt im wesentlichen den Evangelien des Johannes und des Lukas. So ist die Charakterisierung der gekreuzigten Schächer nach Lc 23, 39 zu verstehen. Maria und Johannes sowie Maria Magdalena als Klagende unter dem Kreuz vgl. Io 19, 25–27. Der heranreitende Longinus mit der Lanze, zu Christus aufschauend vgl. Io 19, 34. Das Kreuz ist mit einem dreisprachigen Kreuztitulus versehen, hebräisch, griechisch INBI und lateinisch INR[I]. Die imitiert griechische Inschrift auf dem hohen Steinsockel rechts weist wohl auf das Grab des Joseph von Arimathia hin, in welches Jesus gelegt wurde (Mt 27, 59–60).

Auf den Bildrahmen ist über dem Chorbogen eine Inschrifttafel gesetzt OBLATUS / EST. (= Io 19, 30, üblicher Wortlaut: Consummatum est). Im Fresko ist der Tod Jesu mit der Verfinsterung der Gestirne als Vollendung des Opfers Christi dargestellt.

 
WI Die wunderbare Brotvermehrung

W4 TOD UND LEBEN Die Inschrifttafel ist ikonologisch verbunden mit den symbolischen Gegenständen und Figuren am Chorbogen, den Symbolen der Vergänglichkeit (die reale Kirchenuhr), der Eitelkeit irdischen Lebens oder der Vanitas (der Seifenblasen pustende Putto), des Todes (der Totenschädel) und – in Antithese hierzu – des Lebens der menschlichen Seele (der Vogel, mit welchem der Putto spielt) – und der Auferstehung (die Auferstehungsfahne Christi mit dem Siegeszeichen, dem Palmzweig umwunden). Abbildung S. 426

W1-3 Die Fresken an der W-Wand des LHs sind zusammen zu sehen mit den Evangelisten- und Kirchenväter-Bildern (1–4 und a–d). Die Darstellungen repräsentieren das theologische Lehrgebäude des katholischen Glaubens. W1 DIE THEOLOGISCHEN TUGENDEN Fides in der Mitte hält die charakteristischen Attribute, Kreuz und Hostienkelch, außerdem hat sie auf dem Kopfschleier einen Lorbeerkranz und in der Hand einen Palmwedel, Ruhmes- und Siegessymbole. Links präsentiert Caritas ein flammendes Herz und eine brennende Ampel. Rechts Spes mit dem Anker, außerdem mit einem Ölbaumzweig (Zeichen des Friedens und der Versöhnung). Sie ist durch einen Stern über der Stirn ausgezeichnet.

W2 DAS NEUE TESTAMENT ist durch die Personifikation Ecclesia wiedergegeben; die Papstinsignien – Tiara, Kreuzstab und Schlüssel – und die Christuszeichen – Hostienmonstranz und IHS bezeichnen sie.

W3 DAS ALTE TESTAMENT wird durch die Figur eines Hohenpriesters dargestellt, gekennzeichnet durch Mitra, Ephod und Rauchfaß, sowie durch die mosaischen Gesetzestafeln und – als Zeichen der Überwindung des Alten Testaments durch das Neue – einen verdorrten Stab

B ANBETUNG DER HL. DREI KÖNIGE Im AR sind der in ikonographischer und motivischer Hinsicht traditionellen Anbetungs-Darstellung vier weitere biblisch-historische Szenen aus der Kindheit Jesu (B1-4) zugeordnet.

Die Inschriftkartusche im Rahmen gibt ein Zitat aus dem Evangelistenbericht Mt 2, 11 wieder: (Et intrantes domum, invenerunt puerum cum Maria matre eius, et procidentes adoraverunt eum: et apertis thesauris suis) OB-/TULE-RUNT /EI (munera, aurum, thus, et myrrham).

 
WI Die Hochzeit zu Kana

Durch die Worte der Inschrift wird der Opfergedanke hervorgehoben und die Darstellung ikonologisch auf die liturgische Eucharistiefeier und auf das eucharistische Thema des Altarblattes, eine Abendmahldarstellung, bezogen. Die Inschriften von A und B sind unter diesem Aspekt inhaltlich verwandt und aufeinander bezogen.

WI-II Auch die Darstellungen in den Bogenfeldern des AR haben eine eucharistische Thematik, zusammen mit der Anbetung der Hl. Drei Könige gehören sie zu den Festgeheimnissen der Epiphanie (vgl. LCI, Bd 2, s. v. Hochzeit zu Kana, Sp. 300).

WI BROTVERMEHRUNG (Mt 14, 13–21 u. Par.) Jesus segnet fünf Brote (im Bild drei) und zwei Fische, welche ihm die Jünger gebracht haben. Um diese auf einer Anhöhe stehende Gruppe schart sich die hungrige Volksmenge.

WII HOCHZEIT ZU KANA (Jo 2, 1–11) Christus und Maria nehmen die Plätze ganz links an dem winkelförmigen Tisch ein. Sechs große Krüge stehen vor der Mahltafel.

 
 
Wb Buchhändler Matthäus Rieger

Oberhalb des Brautpaares in der Mitte an der Mahltafel ist offenbar die Weinprobe des Architriclinus wiedergegeben

Wa-b Bildnisplatten an der N- bzw. S-Wand des AR, darunter Gedenkinschriften:

Wa BISCHOF CLEMENS WENCESLAUS – Inschrift: Anno Domini MDCCLXXXII / Dominica IX. post Pentecost. die XXI Mensis / Julij Eminent. mus ac Seren.mus DD. Clemens Wenceslaus / e Ducibus Saxoniae. S.R.I. Elector et Archi Episcopus / Treviren. Episcopus Augustanus hanc Ecclesiam / in honorem S. Michaelis archang; una cum / tribus altaribus Consecravit / in cuius rei memoriam / Mathias et Michael Filij quondam Matthaei / Rieger hoc monumentum posuerunt

Wb MATTHÄUS RIEGER – Inschrift: D.O.M. / MATTHAEVS RIEGER Seehusanus / Civis et Bibliopola Augustanus / Templum hoc Parochiale Amore / Salutis Proximi ex vicina Insula suis / Sumptibus huc Transtulit / Anno Domini MDCCLXXIV

Quellen und Literatur

Kaiser, Stanislaus Aloys, Beschreibung der feyerlichen Einweihung, und vorgegangenen Uebersetzung der uralten Pfarrkirche aus dem Staffelsee in Oberbairn nach Seehausen: sammt den bey dieser Gelegenheit gehaltenen Predigten, Augsburg 1783.

KDB I OB (1), S. 724 f.

Pfarrkirche in und am Staffelsee (o. V.), in: Baierisches Hochland 1891, S. 44.

Bega, Paul, Geschichte der Pfarrkirche Staffelsee-Seehausen, in: Weilheimer Tagblatt (Unterhaltungsbeilage) 1913, S. 218 f.

Gebhart, Hansjakob, Staffelseechronik, Murnau [1931], S. 126 f.

Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 2 1962, S. 47 f. Tausend-Jahrfeier der Pfarrei St. Michael Seehausen-Staffelsee (o. V.), Seehausen 1960.

Sakrale Kunst in Bayern, Bd 2: Die Diözese Augsburg, Marzoll bei Bad Reichenhall (o. V. und o. J.), S. 76.