Schweinfurt, Hofanlage Metzgergasse 16
Inventarnummer: cbdd20110
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Nach seiner Hochzeit 1731 richtete Hofrat und Konsulent der Stadt Schweinfurt, Johann Philipp Fehr, genannt Gampert im Erdgeschoss seiner spätrenaissancezeitlichen Hofanlage ein Empfangszimmer ein, dessen Deckengemälde des Frühlings und der Musik mit Duft und Wohlklang sinnliche Wirkung entfalteten.

Die Hofanlage Metzgergasse 16
Lage und Baugeschichte
Das Gebäude Metzgergasse 16 liegt innerhalb der ehemaligen Stadtmauer der protestantischen Freien Reichsstadt Schweinfurt nahe des Mains und des ehemaligen Brückentors, das die Mainbrücke sicherte. Im zugehörigen Stadtviertel südlich des Marktplatzes und in Flußnähe siedelte sich vor allem Gewerbe an.
Es handelt sich um eine dreiflügelige Hofanlage mit einem langgestreckten zweigeschossigen Vorderhaus. Sie wurde um 1570 von Conrad Senf erbaut.[1] 1594 war sie im Besitz der einflussreichen Familie Rüffer, wovon ein Wappenstein zeugt.[2] Eine Tür im Erdgeschoss trägt auf dem Türblatt die Jahreszahl 1617.
Im Jahr 1731 modernisierte der damalige Besitzer Hofrat und Konsulent der Stadt Schweinfurt Johann Philipp Fehr, genannt Gampert (1682–1739) mehrere Räume in Erd- und Obergeschoss, indem er Stuckdecken einzog. Aus dieser Bauphase stammen die beiden noch zu besprechenden Deckengemälde im Erdgeschoss.
Beschreibung der Fassade
Im fünfzehn Fensterachsen umfassenden Vorderhaus öffnen sich zwei rundbogige Durchfahrten unterschiedlicher Höhe und ein rundbogiger Kellerzugang. Etwas aus der Mitte gerückt befindet sich ein repräsentatives Portal mit genuteten ionischen Pilastern, das dem Wappen zufolge von Johann Philipp Fehr anlässlich oder kurz nach seiner Hochzeit mit Rosina Margareta Gampert am. 20. November 1731 hinzugefügt wurde. Im Sturz trägt es die Jahreszahl 1732.
Das rechteckig gerahmte, mehrfach profilierte Portal wird von Pilastern ionischer Ordnung mit genuteten Schäften flankiert. Zusammen mit gleichartig gestalteten Rücklagen tragen sie ein regulär ausgebildetes Gebälk mit Architrav, glattem Fries und Gesims. Über dem Türsturz, der das Wappen der Familie Fehr (Fährmann mit Zipfelmütze und Stocherstange) und die Jahreszahl 1732 trägt, kröpft sich der Architrav nach oben auf, sodass er den Fries überschneidet. Der sich aufkröpfende Architrav rahmt ein schmales Oberlicht. Im gesprengten Segmentbogengiebel prangt das Allianzwappen Fehr/Gampert und Gampert.
Johann Philipp Fehr hatte das Wappen seiner ersten Frau, die eine geborene Gampert war, beibehalten und mit seinem Wappen des Fährmanns vereint. Dadurch kam nach seiner zweiten Ehe im Allianzwappen das Wappen Fehr/Gampert heraldisch rechts, das Wappen Gampert mit einem aufrecht stehenden Widder mit Zepter heraldisch links zu stehen.
Erschließung des Vorderhauses
Aus der Spätrenaissance stammt der Zugang zum Obergeschoss als steinerne Wendeltreppe. Die Wendeltreppe mit gewundener Spindel befindet sich rechter Hand des besonders großen Rundbogentors und linker Hand des Portals von 1732. Sie ragt mit schrägen, den Treppenlauf nachziehenden Fenstern in den Hof hinein. Die der Treppe vorgelagerten Verteilerräume wurden von Johann Philipp Fehr vermutlich 1732 mit Stuckdecken versehen, deren Rahmenstuck Bandelwerkformen integriert. Dadurch wertete Fehr zwar den Zugang zur Wendeltreppe auf, doch fügte er seinem Haus keine barocke Treppe mit geraden Läufen hinzu.
Die für barocke Verhältnisse wenig komfortable Erschließung des Obergeschosses allein über die schmale Wendeltreppe könnte dazu geführt haben, dass das besprechende Empfangszimmer mit den Deckengemälden nicht im Piano nobile, sondern zu ebener Erde eingerichtet wurde. Es öffnet sich linker Hand der Durchfahrt, tangiert die Wendeltreppe also nicht.
Auftraggeber der Barockisierung Johann Philipp Fehr, genannt Gampert
Zu Johann Philipp Fehr, genannt Gampert, der am 25. Februar 1739 in Schweinfurt im Alter von 47 Jahren starb, liegt eine Leichenpredigt mit Porträtstich vor. Die Predigt wurde von Georg Gotthardt Schmidt, Diakon bei der Schweinfurter Pfarrkirche St. Johannis verfasst und bei der Witwe von Hieronymus Morich ebenfalls in Schweinfurt gedruckt.[3] Aus der Predigt gehen die Lebensdaten (1682–1739), die beiden Ehen zuerst 1713 mit Susanne Margareta Miltz, geborene Gampert, dann 1731 mit Rosina Margareta Gampert hervor. Fehr hinterließ seine Witwe, zwei Söhne und zwei Töchter.
Dem der Leichenpredigt beigefügten Porträtstich, der vor 1736 entstanden sein muss, da der Stecher Georg Friedrich Weigand (1667–1736) angeblich in diesem Jahr verstarb, sind die Titel in lateinischer Sprache und die Lebensdaten zu entnehmen. Von Beruf war Fehr Jurist. Laut Predigt war er Hofrat, Advokat und Konsulent der Stadt Schweinfurt. Gampert und vor allem Fehr waren in Schweinfurt angesehene Familien, die über mehrere Generationen Ämter in der Stadtverwaltung innehatten.[4]
Empfangszimmer im Erdgeschoss
Linker Hand der Durchfahrt befindet sich hinter einer Tür der Empfangsraum mit barocker Stuckdecke und Deckengemälden. Er wird durch zwei Fenster von der Straße und ein Fenster über den Hof belichtet. Ein Unterzug parallel zur Längsachse des Vorderhauses unterteilt die Decke in zwei Hälften. Jede Hälfte nimmt ein Deckengemälde umgeben von Bandelwerkstuck auf. Der Betrachterstandpunkt ist nicht einheitlich, sondern jeweils mit dem Rücken zur jeweiligen Fensterwand.[5]
Pendants weiblicher Allegorien des Frühlings und der Musik
Die beiden Deckengemälde stellen mit einer Allegorie der Musik und einer den Frühling allegorisierenden Flora zwar verschiedene Sujets dar, doch schließen sie sich dennoch als Pendants zusammen.[6] Sie haben das gleiche Format und den gleichen ein- und ausschwingenden querovalen Rahmen. Dargestellt ist jeweils eine weibliche Personifikation in halb sitzender, halb liegender Stellung. Beide Damen werden jeweils von zwei Putten begleitet. Eine ist blond, die andere dunkel. Die blonde trägt einen dunklen Mantel, die dunkle einen hellen Mantel. Eine hat eine Brust, die andere beide Brüste entblößt. Eine wendet ihre rechte, die andere ihre linke Seite dem Betrachter zu.
Der Maler der beiden mit Öl auf Leinwand gemalten Einsatzgemälde ist namentlich nicht bekannt.
Allegorie des Frühlings
Die Allegorie des Frühlings erscheint in Gestalt einer Flora mit Blumen im Haar und einer von zwei Putten gehaltenen Blumengirlande. Sie lagert auf einer Wolke, wendet dem Betrachter ihre linke Seite zu. Ihr weißes Gewand unter einem dunkelblauen Mantel lässt beide Brüste frei. In der rechten Hand hält sie ein Blumenbouquet während sie versonnen in den Raum unter ihr blickt.
Allegorie der Musik
Die Allegorie der Musik spielt auf einer goldenen Lyra, die in Anspielung auf Apoll mit einem Sonnenemblem verziert ist. Zu ihrer Rechten begleitet ein Putto sie auf einem Tasteninstrument, zu ihrer Linken bläst ein weiterer Putto eine Flöte. Es handelt sich also um ein himmlisches Konzert. Die dunkelhaarige Personifikation der Musik wendet dem Betrachter ihre linke Seite zu, hat eine Brust entblößt und blickt mit viel Liebreiz auf den Betrachter im Raum.
Programm und Synthese
Im repräsentativ-intimen Empfangsraum der Hofanlage Metzgergasse 16, den der Bauherr Johann Philipp Fehr, genannt Gampert vermutlich anlässlich seiner zweiten Hochzeit mit Rosina Margareta Gampert 1731 im Erdgeschoss des Vorderhauses einrichtete, entfaltete sich an der Decke ein Rausch der Sinne. Flora als Personifikation des Frühlings verbreitete zusammen mit zwei Putten angenehmen Blütenduft. Die Allegorie der Musik mit Lyra in Begleitung eines Tasteninstruments und einer Flöte erfreute die Ohren. Mit ihren zur Schau gestellten weiblichen Liebreizen rundeten die beiden Personifikationen die Stimmung ab.
Bibliographie
- Hofanlage Metzgergasse 16 (Schweinfurt) – Wikipedia
- KDM, Schweinfurt, 1917 = Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, 3: Unterfranken und Aschaffenburg, Heft 17: Stadt und Bezirksamt Schweinfurt, bearbeitet von Felix Mader und Georg Lill, München 1917, hier S. 79–80.
Einzelnachweise
- ↑ Infotafel am Gebäude.
- ↑ KDM, Schweinfurt, 1917, S. 79.
- ↑ Erschlossenes Exemplar: Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, GA 90 Nr 258 (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=3-155783).
- ↑ Liste der Bürgermeister und Oberbürgermeister von Schweinfurt – Wikipedia
- ↑ Bei Entstehung des Bands der Kunstdenkmäler war der Raum in zwei Räume unterteilt, was dort jedoch als nachträglicher Zustand eingestuft wurde. Siehe KDM, Schweinfurt, 1917, S. 80: „Die gleichen Stukkaturen hat ein jetzt unterteilter keiner Saal im Erdgeschoß“.
- ↑ Der Band der Kunstdenkmäler erwähnt nur die Allegorie der Musik (KDM Schweinfurt, 1917, S. 80).