Schwarzburg, Kaisersaalgebäude
Inventarnummer: cbdd10242
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Das Kaisersaalgebäude birgt einen einzigartigen Kaiserzyklus von 1710/15 mit 140 Kaiserbildnissen von Caesar bis Karl VI., der den 1710 erlangten Fürstenrang des Hauses Schwarzburg legitimieren sollte.

Das Kaisersaalgebäude auf der Schwarzburg
Kurzbeschreibung und Lage
Das so genannte Kaisersaalgebäude[1] gehört zum ehemaligen Jagd- und Lustschloss Schwarzburg – dem Stammsitz des 1710 in den Reichsfürstenstand erhobenen Schwarzburger Grafenhauses. Das Gebäude war ein Lust- und Gartenhaus und diente im Erdgeschoss als Orangerie. Es stand am Südende des Schlosskomplexes, das mit dem im Norden baulich verbunden war. Im Süden erstreckte sich ein kleiner, axial auf das Gebäude bezogener Lustgarten.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Schloss Schwarzburg geht auf den mittelalterlichen Stammsitz des Hauses Schwarzburg zurück und war bis in das 16. Jahrhundert Sitz der Landesherrschaft. Auch nach der Residenzverlagerung nach Rudolstadt behielt es einen hohen Stellenwert bei den Schwarzburger Grafen. Vor allem für die Teillinie Rudolstädter Grafen, in deren Territorium es lag, hatte es immer eine Sonderstellung und war mehr als nur Landesfestung, Jagd- und Lustschloss, sondern ab dem 18. Jahrhundert sogar Erbbegräbnis.
Der Komplex wurde immer wieder umgebaut, ergänzt und modernisiert. Die ältesten Teile stammten noch aus dem 12. Jahrhundert. Im 15. und 16. Jahrhundert entstanden repräsentative Bauten wie das ab 1548 errichtete sogenannte Leutenberger Gebäude. Aufgrund der Türkengefahr erfolgten ab 1662 umfangreiche Baumaßnahmen durch den „Ingenieur vom Friedenstein“ (Andreas Rudolph?) zum Ausbau einer Landesfestung. Die Leitung vor Ort hatte der Baumeister Andreas Adolf Meyland inne. Die geplante Bastionärbefestigung wurde aber nur zu einem geringen Teil ausgeführt. 1683 ließ Graf Albert Anton die Schwarzburg repräsentativ umbauen. Die Innenräume erhielten eine neue Ausstattung und die Schlosskapelle wurde neu gestaltet. Bereits 1695 brannten große Teile des Schlosses nieder. Der Wiederaufbau begann sofort und 1697 fand die Grundsteinlegung zum so genannten Kaisersaalgebäude statt. Dessen Rohbauarbeiten erfolgten weitgehend 1699-1708. 1709/10 folgte der Innenausbau. Abgeschlossen wurden alle Arbeiten aber erst unter Albert Antons Nachfolger Ludwig Friedrich I. 1713 konnte die neue Schlosskapelle eingeweiht werden und 1718/19 war dann auch das Kaisersaalgebäude vollendet.
Ein weiterer Brand im Jahr 1726 zerstörte das Schloss und seine Nebengebäude. Lediglich das Leutenberger Gebäude, das Kaisersaalgebäude und ein Zeughaus mit umgebenden Bauten blieben erhalten. Von 1726-44 entstanden die Neubauten von Corps de logis und Schlosskapelle. Aufgrund von statischen Problemen im Untergrund musste 1776 der westliche Flügel des Kaisersaalgebäudes abgetragen werden. Im 19. und 20. Jahrhundert erfuhr Schloss Schwarzburg starke Veränderungen, in deren Rahmen 1869 eine Umgestaltung des Kaisersaalgebäudes erfolgte. 1940/42 wurde nahezu das gesamte Schloss seiner Ausstattung beraubt und weitgehend abgerissen, um zu einem Reichsgästehaus umgebaut zu werden. Die Arbeiten kamen aber nie über den Abriss hinaus. Lediglich das Kaisersaalgebäude wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Das Kaisersaalgebäude wurde zwischen 1956 und 1971 restauriert und wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der heutige Zustand des Kaisersaals zeigt weitgehend die Fassung der Erbauungszeit, die durch Restaurierungen zwischen 1956 und 1971 wieder entstand. Schloss Schwarzburg gelangte 1994 an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die die Ruine sicherte und seit den 10er Jahren des 21. Jahrhundert sukzessive wieder instand setzte. 2018 konnte das Zeughaus wieder eröffnet werden.
Auftraggeber und politische Rahmenbedingungen
Der Ausbau der Schwarzburg und die Ausstattung des Kaisersaalgebäudes haben ihre Ursachen vor allem in der 1710 erfolgten Fürstung des Grafenhauses von Schwarzburg-Rudolstadt.[2] Diese erhielten die Rudolstädter unter den Herrschern Albert Anton und Ludwig Friedrich I. Albert Anton[3] regierte von 1662 bis 1707/10 die Grafschaft Schwarzburg-Rudolstadt. Der Landeshaushalt war finanziell ausgeglichen und der gebildete Herrscher beschäftigte zahlreiche Maler, Musiker und Literaten an seinem Hof. Obwohl er zahlreiche bedeutende Residenzen aus eigener Anschauung kannte, waren die für ihn errichteten Bauten anfänglich alle weitgehend schmucklos. Das änderte sich erst 1691 mit der Heirat seines Sohnes Ludwig Friedrich I.,[4] der mit Anna Sophia von Sachsen-Gotha-Altenburg die Tochter eines Fürsten heiratete. Als die beiden älteren Linien jedoch am 3. September 1697 gefürstet wurden, blieben die Rudolstädter Grafen ausgeschlossen.
Albert Anton bemühte sich nun zielstrebig um eine Standeserhöhung. Er ließ Schloss Schwarzburg aufwendig erneuern und das Residenzschloss Heidecksburg neu ausstatten sowie ein Jagschloss auf dem Rathsfeld erbauen. Seine Baumaßnahmen waren wie seine Hofhaltung fürstlich. Nachdem er aus gesundheitlichen Gründen nach einem Schlaganfall 1707 zugunsten seines Sohnes Ludwig Friedrich I. auf die Regierung verzichtet hatte, kam es am 2. Juni 1710 zur Fürstung von Ludwig Friedrich I. und dessen Nachkommen. Am 15. Dezember 1710 starb Albert Anton und seit dem 15. April 1711 führten die Rudolstädter den Fürstentitel. Ludwig Friedrich I. vollendete Schloss Schwarzburg und schuf mit dem Kaisersaal ein Gedenkmonument seiner Dynastie und seines Fürstenranges. Er starb bereits 1718.
Architekten, Künstler
Der Architekt des Kaisersaalgebäudes ist unbekannt. In der fraglichen Zeit wurden Johann Moritz Richter d. J. und David Schatz vom Rudolstädter Hof besoldet und eine Beteiligung in Schwarzburg ist daher denkbar, aber nicht nachgewiesen. 1707 ist die Ausmalung von Räumen des Schlosses durch Seivert Lammers mit seinen Gehilfen belegt.[5] Es ist möglich, dass er auch das Kaisersaalgebäude ausmalte, aber zu diesem frühen Zeitpunkt vor dem Innenausbau erscheint das eher unwahrscheinlich. So ist auch der Maler unbekannt.
Beschreibung
Schloss Schwarzburg steht auf einem langgezogenen, schmalen Bergsporn, ca. 80 m über dem Tal der Schwarza. Der Gebäudekomplex setzte sich im 16. und 17. Jahrhundert aus einem Konglomerat mehrerer Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten zusammen. Er ist noch heute über einen schmalen Grat von der gleichnamigen Ortschaft aus zugänglich. Am Eingang an der Nordseite des Schlosses erhebt sich neben dem Torhaus ein Zeughaus. Es folgten mehrere Nebengebäude. In der Mitte des Areals steht eine zusammenhängende Gebäudegruppe an der Westseite, die das ehemalige Corps de logis im Westen und die ehemalige Schlosskapelle im Süden umfasst. Weiter im Süden schließt sich die Ruine des ehemaligen Leutenberger Baus an. Auf diesen folgt das Kaisersaalgebäude. Es war ehemals baulich mit dem Schlosskomplex im Norden verbunden – heute steht es frei.
Das Kaisersaalgebäude setzt sich aus einem zweigeschossigen Mittelteil und ehemals zwei ebenfalls zweigeschossigen Seitenflügeln zusammen, von denen der linke heute verloren ist. Das Erdgeschoss des gesamten Baus hat hohe Fenster, die auf die ehemalige Funktion des Erdgeschosses als Orangerie hinweisen. Der Seitenflügel hat ein Mansarddach, der Mittelteil ein Zeltdach. Er ragt bedeutend höher als der Seitenflügel auf und ist zudem durch einen hohen rechteckigen durchfensterten Aufbau gleich einer überdimensionierten Laterne bekrönt, der sich aus dem Zeltdach erhebt. Im Gegensatz zu den Seitenflügeln ist der Mittelbau mit Ornamenten und Pilastern reich geziert. Zwischen die fünf Fenster sind im Erdgeschoss rustizierte Lisenen, im Obergeschoss ionische Pilaster gestellt. An seinen Rändern gibt eine Verdoppelung optisch Halt. Das Eingangsportal in der Mitte verweist mit Fürstenhut und Wappen auf die 1710 erfolgte Fürstung. Auf dem Dach stehen Statuen der Personifikation der Musik, der Rhetorik und der Geometrie. Sie wurden vermutlich durch vier weitere Skulpturen im Garten zu den sieben freien Künsten ergänzt.
Das Innere erreicht man heute vom Garten im Süden aus, wo man einen Gartensaal betritt. Historisch wurde das Gebäude von Norden her im ersten Oberschoss vom Schloss her erschlossen. Eine Treppe an der Nordwand stellt die vertikale Verbindung her. Die beiden Seitenflügel nahmen Appartements auf. Das östliche hat sich erhalten und man kann davon ausgehen, dass das westliche gespiegelt angeordnet war. Sie setzten sich jeweils aus einem zentralen Zimmer sowie einem Kabinett und einem Schlafkabinett genannten Raum an den Seiten zusammen. Sie werden im Allgemeinen als Appartement des Fürsten und der Fürstin bezeichnet. Nach dem Brand des Schlosses 1726 bezog das Fürstenpaar hier vorübergehend seine Wohnung. Es handelte sich um Prunkräume, zu denen ein Bilder- und Spiegelkabinett sowie ein Zimmer mit Lacktapeten nach japanischer Art gehörten. Lange Zeit vermeinte man, dass Appartement des Fürsten habe im Ostflügel gelegen und sei erhalten. Seit 2008 geht man jedoch davon aus, dass das Appartement der Fürstin jenes im Osten sei.[6]
Das zentrale Zimmer im Appartement der Fürstin
Beschreibung
Das zentrale Zimmer[7] des östlichen Appartements wird durch eine mittige Tür in der Westwand von einem Vorplatz aus betreten. Es öffnet sich mit zwei Fenstern nach Osten. In der Mitte der Süd- und der Nordwand befinden sich zwei weitere mittig angeordnete Türen, die das Kabinett zum Garten sowie das Schlafkabinett erschließen. Ihre ehemals reiche Ausstattung ist verloren. Erhalten hat sich die stuckierte Decke im Mittelraum. Sie wird von zwei kräftigen Unterzügen in vier längsrechteckige Felder unterteilt.
Die Deckengemälde
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Der innere Ausbau des Raums erfolgte sehr wahrscheinlich 1709/10 und daran anschließend seine Ausstattung bis 1718/19. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der 1707 auf der Schwarzburg nachweisbare Maler Seivert Lammers die Deckengemälde schuf.[5] Die Deckenmalerei wurde offensichtlich später überfasst, was die Qualität der Darstellung vermindert hat.
Beschreibung und Ikonographie
Die stuckierte Decke[8] ist in vier hochrechteckige Felder unterteilt. Sie präsentieren in ihrer Mitte je ein Gemälde mit einer Szene nach den Metamorphosen des Ovid.
Im Südosten erblickt man Aurora, die Göttin der Morgenröte. Nach dem Tode ihres Sohnes Memnon trauerte sie so sehr, dass ihre Tränen als Tau vom Himmel fielen. Jupiter erbarmte sich ihrer und gewährte dem Memnon Unsterblichkeit, indem er aus der Asche seines Scheiterhaufens eine Schar Vögel aufsteigen ließ. Dieser Moment wird dargestellt: Links ruht Aurora. Aus dem Krug unter ihrem Arm fließt der Tau. Rechts unten erblickt man den brennenden Scheiterhaufen mit dem Kopf des toten Memnon. Aus diesem steigen zahlreiche Vögel zum Himmel empor.
An der Nordostecke ist die Verwandlung der Coronis zu sehen. Der Gott Neptun verliebte sich in sie. Seine Gefühle wurden von Coronis jedoch nicht erwidert. Er wollte sie daraufhin vergewaltigen. Coronis versuchte zu fliehen, konnte ihm aber nicht entkommen und bat die Göttin Minerva um Hilfe. Diese verwandelte sie daraufhin in eine Krähe und in dieser Gestalt konnte sie Neptun entkommen. Gezeigt wird der Moment der Verwandlung, der im Feuer stattfindet.
In der Südwestecke erblickt man Boreas, der Orithyia raubt. Der geflügelte Windgott entführte die Nymphe gewaltsam und machte sie zu seiner Frau. Wolken und blasende Winde komplettieren die Darstellung.
In der Nordwestecke schließlich werden Luna und Endymion gezeigt. Luna hatte sich in den schönen Endymion verliebt und versetzte ihn mithilfe von Jupiter in einen ewigen Schlaf, um ihn so vor dem Tod zu bewahren. Sie kam jede Nacht zu ihm in eine Höhle, um ihn zu vergewaltigen. Insgesamt fünfzig Töchter gingen aus dieser Verbindung hervor.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Die Bilder beziehen sich auf die Bewohnerin des Appartements und nicht die Eintretenden. Die Ansichtigkeit der Bilder ist auf die Fensterseite im Osten ausgerichtet.
Programm
Alle vier Bilder zeigen Beziehungen von Unsterblichen zu Sterblichen. Sie stehen aber auch für die vier Elemente, wobei der Tau der Aurora für das Wasser steht, die Verwandlung der Coronis für das Feuer, der Windgott Boreas für die Luft und die Höhle des Endymion für die Erde.
Der Kaisersaal
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Hauptraum des Lusthauses war der namengebende Kaisersaal[9] im ersten Obergeschoss. Er war spätestens 1718 vollendet und ausgestattet. Der 1707 für die Schwarzburg nachgewiesene Maler Seivert Lammers scheidet daher als möglicher Künstler aus. Maler und Stuckateure sind nicht belegt.
Der Raum wurde 1869 umgestaltet. Dabei wurden die Fresken in der Voute und dem aufsteigenden Schacht weiß überstrichen, die großformatigen Gemälde im Schacht abgehängt bzw. hinter einer Verkleidung verdeckt. Restaurierungen zwischen 1956 und 1971 legten die Malerei, soweit sie erhalten war, wieder frei. Einige Gemälde – vor allem im Schacht – sind aber verloren. Die erhaltenen wurden 1958 abgenommen und in neue Reihenfolge gebracht. Auch ist die historische Wandgestaltung verloren.
Beschreibung
Der annähernd quadratische Raum[10] umfasst 141 Quadratmeter und ist vier Meter hoch. Über der Voute öffnet sich statt eines Deckenspiegels mit gemalter Quadratur ein tatsächlich realer fast acht Meter hoher Schacht. Er lässt den an sich hohen Raum gedrungen erscheinen. In den Raumecken sind in der Voute je zwei vollplastische Figuren stuckiert, die scheinbar den Schacht tragen. Es handelt sich um Erdteilallegorien. Sein Licht erhält der Kaisersaal durch fünf Fenster an seiner Südwand sowie je drei Fenster an jeder Seite oben im Schacht. An der Ostseite befindet sich die Eingangstür. Im 19. Jahrhundert gab es an der West- und Ostwand je zwei Türen, die je einen Kamin flankierten. Ursprünglich waren die Wände mit Alabasterplatten verkleidet. Voute und Schacht nahmen ehemals 140 Kaiserbildnisse von der Antike bis zur Gegenwart auf, von Gaius Julius Caesar bis Karl VI. Von ihnen hat der Raum seinen Namen. Der Zyklus war nicht abgeschlossen, weshalb ein Feld frei blieb. In der Voute sind die Bildnisse als Bruststücke in Stuckmedaillons gemalt, im Schacht überwiegend als überlebensgroße Ganzkörperporträts. Der obere Abschluss ist eine stuckierte Flachdecke mit fünf weiteren Deckengemälden.
Die Decke des Kaisersaals
Beschreibung und Ikonographie
Die annähernd quadratische, stuckierte Flachdecke[11] nimmt ein großes kreisrundes Deckengemälde auf, das von vier kleineren am Rand begleitet wird. Diese habe eine querovale Form mit herzförmigen Ein- bzw. Auszügen.
Das Hauptbild
Das Hauptbild zeigt den Gründungsmythos des Hauses Schwarzburg. Danach sei die Schwarzburg von einem Ritter Wittekind dem Schwarzen gegründet worden. Dieser sei ein naher Verwandter des Sachsenherzogs Wittekind (Widukind) gewesen und im Zuge der Sachsenkriege von Karl d. Gr. gefangengenommen worden. Seine Tapferkeit habe Karl gefallen, und er habe Wittekind zum Christentum bekehrt. Er sei auf den Namen Ludwig getauft worden und habe den Namen eines Grafen von Schwarzburg angenommen. Ferner sei er nach Osten gewandert und ihm sei geweissagt worden, dass er dort eine Burg erbauen solle, an der seine Lanze ausschlagen und zu grünen anfangen werde, wenn er sie in den Boden stoße. Und genau das sei am Platz der Schwarzburg geschehen.[12]
Dieser Moment wird im Deckengemälde gezeigt. Ludwig/Wittekind betrachtet seine in den Boden gestoßene Lanze, aus der bereits Blätter austreiben. Auf Wolken betrachten Jupiter mit seinem Adler und zwei weitere Göttinnen oder Genien das Geschehen. Die Malerei ist beschädigt und überarbeitet. Es muss sich ursprünglich nicht um Jupiter und Göttinnen/Genien gehandelt haben. Ebenso gut sind Gottvater und Engel möglich.
Die Herrschaft und das Territorium der Schwarzburger Fürsten werden als von Gott gegebene dargestellt.
Die Nebenbilder
Die vier Nebenbilder präsentieren Trophäen. Es handelt sich um Symbole der Ehre. Damit wird die Ehrwürdigkeit des Hauses Schwarzburg bezeugt und auf ihren langjährigen Dienst für Kaiser und Reich verwiesen.[13]
Die Kaiserporträts in der Voute
Beschreibung und Ikonographie
In der Voute mit Akanthusblattstuckaturen sind in drei Reihen 76 Stuckmedaillons mit – teilweise stark beschädigten – Kaiserfresken[14] angebracht. Es handelt sich um Bruststücke und teilweise auch Köpfe, wie sie auf antiken Münzen zur Darstellung kamen. Die Auswahl umfasst römisch-antike, byzantinische sowie deutsche Kaiser und Könige. Alle sind beschriftet, sodass eine Zuordnung eindeutig möglich ist. Die Folge beginnt mit Alexander Severus und endet mit Karl VI. Es fehlen die Kaiser zwischen Konstans II. und Albrecht II. Sie sind, ebenso wie die ersten Kaiser im Schacht dargestellt. Das Feld nach Karl VI. ist leer gelassen, was andeutet, dass die Entwicklung nicht abgeschlossen ist, sondern sich vielmehr in die Zukunft fortsetzt.
Der Schacht und seine Wandmalerei
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
An den Wänden des Schachtes befinden sich nicht nur freskierte Kaiserköpfe in Stuckmedaillons, sondern auch überlebensgroße ganzfigurige Temperagemälde auf Leinwand.[15] Zwischen der Zeit des Umbaus 1869 und der Freilegung 1958 sind 21 der ehemals 48 Leinwandbilder verloren gegangen. Nach 1958 wurden die Bilder neu gehängt. Die obere Reihe zwischen den Fenstern ist heute nicht besetzt und auch im Schacht sind an der Ostwand nur die fünf Felder der unteren Reihe und an der Südwand nur zwei Felder der mittleren Reihe mit Bildern versehen.
Die Kaisermedaillons zwischen den Fenstern des Schachtes
In den Eckfeldern zwischen den Fenstern sind in Stuckmedaillons die ersten 24 Kaiser[14] dargestellt, beginnend mit Julius Caesar und endend mit Elagabal. In Darstellung und Beschriftung gleichen sie den Medaillons in der Voute. Vorbilder waren vermutlich antike Münzen.[16]
Günther von Schwarzburg und die Kaiserdarstellungen im Schacht
Die Leinwandbilder[17] zeigen die Kaiser des Mittelalters, beginnend mit Leon IV. (reg. 775-780) und endend mit Kaiser Sigismund (reg. 1410-1437). Verloren sind offenbar die Bilder aus der Zeit von Justinian II. bis hin zu Konstantin V. sowie von Ludwig I. bis Ludwig IV.[14] Es handelt sich durchweg um Standporträts. Auch sie sind beschriftet, nennen aber neben dem Namen auch die Regierungsdauer. Unter den Kaisern findet man auch einen Vorfahren der Bauherren: Günther von Schwarzburg. Er war 1349 für wenige Monate gewählter König. Die Schwarzburger stellten sich damit auf eine Stufe mit den Herrschern der Welt und der Christenheit.
Bedeutung und politische Funktion des Kaisersaals
Der Zusammenhang von Kaisersaal und Fürstenrang ist offensichtlich.[18] Nachdem die beiden älteren Schwarzburger Teillinien Sondershausen und Arnstadt am 3. September 1697 gefürstet worden waren, begann der nicht gefürstete Albert Anton noch 1697 mit dem Bau des Kaisersaalgebäudes auf Schloss Schwarzburg. Dies war der Stammsitz des Gesamthauses, und er befand sich auf Rudolstädter Territorium. Die Baumaßnahmen ab 1697 wurden von weiteren Aktivitäten begleitet. So gelang es Albert Anton, 1705 für den Kaiser die Huldigung der Städte Mühlhausen und Goslar entgegenzunehmen. Am 2. Juni 1710 erfolgte die Fürstung seines Sohnes Ludwig Friedrich I. und dessen Nachkommen.
Mit der Darstellung des eigenen Vorfahren Günther XXI. als Kaiser reihten sich die Schwarzburger in die Reichsspitze ein. Mit dem Deckengemälde bekundeten sie, dass sie dem Uradel entstammten, mit Günther XXI., dass sie daher nicht nur höchster Ränge im Reich würdig waren, sondern des höchsten Ranges bereits für würdig befunden worden waren. Das waren zwei starke Argumente, um zu einem Reichsfürsten aufzusteigen. Die Schwarzburger verknüpften ihre Anciennität geschickt mit der des Reiches. Sie hatten einen konkreten Beitrag zum Reich geleistet und ihrer Dynastie war ein Platz in dieser Weltenordnung angemessen. Sie waren von königlichem Geblüt und ihre Herrschaft gottgewollt und vorherbestimmt. Das bezeugte zum einen ihr Gründungsmythos, zum anderen die Wahl Günthers XXI., denn auch der Kaiser herrschte von Gottes Gnaden. So wird der Saal zum Ehrentempel der Dynastie. Die Schwarzburger wollten nicht als Neureiche in den Fürstenstand aufsteigen, sondern stellten vielmehr unter Beweis, dass sie seit Karl d. Gr. und damit bereits seit der Translatio Imperii dazugehört hatten. Das war die Grundlage für ihren Fürstenrang. Die Allegorien der vier Erdteile unterstrichen den universalen kaiserlichen Herrschaftsanspruch. Fürstenhut und Schwarzburger Wappen am Eingang wiesen den Bau in seiner Gesamtheit dem neuen Fürstenhaus zu. Es ist nur bedingt wichtig, welche Bereiche des Kaisersaalgebäudes vor der Fürstung 1710 vollendet wurden und welche danach. Denn die Aufnahme in den Reichsfürstenrat erfolgte erst 1754. Es handelte sich daher nicht nur um die Präsentation neuer Würden, sondern immer noch auch um die Artikulation von Ansprüchen.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
- Fleischer, Funktionswandel, 2008. – Fleischer, Horst: Gestalt- und Funktionswandel des Schlosses im 18. Jahrhunderts. Vom feudalen Hoflager zum romantisch verklärten Ort. In: Henkel, Jens (Hrsg.): Die Schwarzburg. Kulturgeschichte eines Schlosses (Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte, 9). Rudolstadt 2008, S. 152-181.
- Fleischer, Ludwig Friedrich, 1997. – Fleischer, Horst: Ludwig Friedrich I. In: Henkel, Jens/ Unbehaun, Lutz (Red.): Die Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt 1710-1918. Rudolstadt 1997, S. 14-31.
- Hopf, Schwarzburg, 2018. – Hopf, Udo: Schwarzburg. Stammhaus, Schloss und Landesfestung. In: Kettlitz, Eberhardt (Hrsg.): Festungen in Thüringen (Deutsche Festungen, 5). Regensburg 2018, S. 190-197.
- Koch, Kaisersaal, 1971. – Koch, Ursula: Der Kaisersaal in Schwarzburg. In: Rudolstädter Heimathefte 17 (1971), S. 103-107, 148-153, 198-201.
- Koch, Kaisersaal, 1993. – Koch, Ursula. Kaisersaal Schwarzburg. München/Zürich 1993.
- Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
- Paulus, Kaisersaal, 2002. – Paulus, Helmut-Eberhard (Bearb.): Orangerie und Kaisersaal von Schloß Schwarzburg (Amtlicher Führer Special). München/Berlin 2002.
- Paulus, Kaisersaal, 2008. – Paulus, Helmut-Eberhard: Kaisersaal, Orangerie und Garten. Ein barockes Gesamtkonzept. In: Henkel, Jens (Hrsg.): Die Schwarzburg. Kulturgeschichte eines Schlosses (Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte, 9). Rudolstadt 2008, S. 182-201.
- Ulferts, Säle, 2000. – Ulferts, Edith: Große Säle des Barock. Die Residenzen in Thüringen. Petersberg 2000.
- Ulferts, Standeserhöhung, 2000. – Ulferts, Edith: Standeserhöhung als Programm? Die Festsäle in den Residenzen der Schwarzburger Grafen und Fürsten im späten 17. Jahrhundert. In: Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten 3/1999 (2000), S. 9-35.
- Unbehaun, Schwarzburg, 2008. – Unbehaun, Lutz: Architektur als Statussymbol. Das „Stamm-Hauss Schwarzburg“ im 17. und 18. Jahrhundert. In: Henkel, Jens (Hrsg.): Die Schwarzburg. Kulturgeschichte eines Schlosses (Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte, 9). Rudolstadt 2008, S. 90-115.
- Winker, Albert Anton, 2000. – Winker, Doreen: Albert Anton. In: Beger, Jens (Bearb.): Die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Albrecht VII. bis Albrecht Anton. Rudolstadt 2000, S. 180-209.
Einzelnachweise
- ↑ Hopf, Schwarzburg, 2018; Fleischer, Funktionswandel, 2008, S. 154-161; Paulus, Kaisersaal, 2008, S. 183-184; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 202-294, 370-374; Dehio, Thüringen, 2003, S. 1129-1230; Paulus, Kaisersaal, 2002, S. 11-19, 38-41; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 18-21; Ulferts, Säle, 2000, S. 70-74; Koch, Kaisersaal, 1993.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2007, S. 202-204; Ulferts, Säle, 2000, S. 71.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2007, S. 238-241; Winker, Albert Anton, 2000.
- ↑ Fleischer, Ludwig Friedrich, 1997.
- ↑ 5,0 5,1 Unbehaun, Schwarzburg, 2008, S. 100-101.
- ↑ Fleischer, Funktionswandel, 2008, S. 154; Paulus, Kaisersaal, 2008, S. 188.
- ↑ Fleischer, Funktionswandel, 2008, S. 154; Paulus, Kaisersaal, 2008, S. 188; Paulus, Kaisersaal, 2002, S. 18; Koch, Kaisersaal, 1993, S. 5-6; Koch, Kaisersaal, 1971, S. 150.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2008, S. 188; Koch, Kaisersaal, 1993, S. 5-6; Koch, Kaisersaal, 1971, S. 150.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2008, S. 184-186; Laß, Lustschlösser, 2006, S 203-204; Paulus, Kaisersaal, 2002, S. 11-19; Ulferts, Säle, 2000, S. 72; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 19, 21.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2008, S. 184-189; Paulus, Kaisersaal, 2002, S. 11-19; Ulferts, Säle, 2000, S. 71-72; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 18-19.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2008, S.186-187; Ulferts, Säle, 2000, S. 73; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 21.
- ↑ Ulferts, Säle, 2000, S. 73; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 21.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2002, S. 13.
- ↑ 14,0 14,1 14,2 Ulferts, Säle, 2000, S. 72; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 19.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2008, S. 184-186; Paulus, Kaisersaal, 2002, S. 11-19; Ulferts, Säle, 2000, S. 72; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 19.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2002, S. 11-19.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2008, S. 184-186; Ulferts, Säle, 2000, S. 72; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 19.
- ↑ Paulus, Kaisersaal, 2002, S. 11-19, 38-41; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 202-204; Ulferts, Säle, 2000, S. 72-74; Ulferts, Standeserhöhung, 2000, S. 19-20.