Laß, Heiko:Schleswig, sog. Prinzenpalais, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/687b4c1a-c401-45a4-b9c6-43a05b770bd0

Inventarnummer: cbdd20171

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Im Prinzenpalais hat sich eine Stuckdecke mit Deckenmalerei von ca. 1705/15 erhalten, die vermutlich Aeneas und Venus zeigt sowie vier Embleme. Ferner konnte eine Decke von ca. 1725 mit einer Darstellung der Flora mit ihren Gefährtinnen in einem Kranz von Bandelwerk wieder gewonnen werden.

Das Prinzenpalais in Schleswig

 
Prinzenpalais (Schleswig)

Kurzbeschreibung und Lage

Das so genannte Prinzenpalais[1] steht im Schleswiger Stadtteil Friedrichsberg unweit des ehemaligen Residenzschlosses Gottorf. Die Dreiflügelanlage öffnet sich nach Osten. Ein Graben trennt das Palaisgrundstück von der Straße. Im Westen befindet sich ein Garten.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Südlich von Schloss Gottorf standen mehrere Adelspalais. Der jetzige Bau wurde 1704 für Augusta Maria von Buchwald errichtet und geht auf einen älteren Sitz des Gottorfer Amtmanns aus dem 17. Jahrhundert zurück. Bereits kurze Zeit später erfolgte bis 1713 ein Umbau für den Geheimen Rat und Mitglied der Vormundschaftsregierung Georg Otto Heinrich von Schlitz gen. Görtz. Nach 1790 wurde das Palais modernisiert und 1886 in Mietwohnungen aufgeteilt. Von 1929 bis 1980 diente das Gebäude als Hotel. Anschließend wurde es bis 1989 instandgesetzt und für eine neue Nutzung als Landesarchiv um einen Neubau im Westen ergänzt.[2]

Beschreibung

Die zweigeschossigen Flügel der Dreiflügelanlage sind um einen tiefen Ehrenhof angeordnet. Das hohe Sockelgeschoss des Hauptflügels wird heute fast komplett von der Auffahrtsrampe verdeckt, die die ehemalige Freitreppe ersetzt. Die Seitenflügel sind der Sockelhöhe entsprechend niedriger. Der Hauptflügel mit Gurt- und Kranzgesims unter einem hohen Walmdach misst 13 Achsen in der Breite und hat in der Mitte einen schwach vortretenden dreiachsigen Mittelrisalit mit Zwerchhaus unter einem Dreiecksgiebel. Eckrustizierungen geben dem Bau Halt. Durch das zentrale Sandsteinportal gelangt man heute direkt in das Vestibül. Die historische Eingangshalle ist verloren. An der Rückseite erschließt eine moderne Treppe das Obergeschoss. Die barocke Raumaufteilung ist im Erd- und Obergeschoss weitgehend erhalten bzw. wiederhergestellt. Im Obergeschoss befindet sich über dem Vestibül zur Eingangsseite hin ein Saal. An der rückwärtigen Gartenseite sind die Räume in Enfilade angeordnet. Hier haben sich an der Südwest- und Nordwestecke zwei Kabinette erhalten, von denen das südliche noch barocke Deckenmalerei birgt.[3]

Die translozierte Deckenmalerei im Vestibül

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei erfolgte um 1725 in mehreren dünn lasierenden Farbschichten wohl in magerer Kasein-Tempera-Technik auf grau grundierten Tannenholzbrettern. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurden die Bretter von ihrem ursprünglichen Ort entfernt, als Schalmaterial zweitverwendet und erst bei den Umbauarbeiten in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wiedergefunden. Die stark verschmutzten und beschädigten Bretter wurden 1982 geborgen und gereinigt. Anschließend erfolgte 1987 die Restaurierung der Malerei in Öltechnik. Fehlstellen wurden in Vollretusche geschlossen, fehlende Blattvergoldungen ergänzt. Seit 1988 sind die neu verleimten Bretter unter die Decke des heutigen Vestibüls eingebaut.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Das erhaltene Deckenfragment umfasst 17 Bretter und misst 4,15 auf 5,10 Meter. Die Bretterfugen verdeckenden ehemaligen Leinwandstreifen sind verloren wie auch die äußeren Bretter an den Langseiten. Die Malerei besteht aus einer rahmenden Bandelwerkzone und einer zentralen mehrfigurigen Allegorie. Die ehemals vorhandene geschnitzte oder stuckierte Rahmung zwischen Allegorie und Bandelwerk fehlt. Das Bandelwerk ist in Gold auf rotem Grund gemalt. Die Zwischenräume sind in Weiß, Goldbraun und Schwarzbraun — teilweise mit Ornament – gefüllt. Hinzu kommt blauer Akanthus vor dem roten Fond und weißer vor dem goldbraunen. Vereinzelt finden sich stilisierte Vasen und polychrome Masken im Profil zwischen den Feldern. Die Allegorie gibt den Blick an einen blauen Himmel frei. Dort lagern auf Wolken drei modisch gekleidete Damen. Eine im roten Kleid und grünen Mantel trägt einen Blumenkranz im Haar und hält mit beiden Händen einen Blumenkorb, aus dem Blumen herabfallen. Ein Putto weiter links streut Blumen. Weitere Putten halten rechts eine Blumengirlande, wobei sie von der mittleren der drei Frauen unterstützt werden. Die rechte scheint der Linken weitere Blumen zu reichen. Es dürfte sich um eine Allegorie des Frühlings bzw. der Flora und ihrer Gefährtinnen handeln.[5]

Eckraum im Obergeschoss

 

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Kabinett ist in die Bauzeit des Gebäudes zu datieren.[6]

Beschreibung

Der längsrechteckige Raum befindet sich an der Südwestecke des Hauses mit je einem Fenster nach Süden und nach Westen. Er wird durch einen Vorraum im Norden erreicht. Nach Osten schließt sich ein weiteres Zimmer an. In der abgeschrägten Nordostecke steht ein Kamin.

Die Decke

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Stuckdecke könnte aus der Bauzeit des Hauses stammen.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Die Stuckdecke hat noch die originale Farbfassung. Im Mittelspiegel und den vier Kartuschen in den Ecken befinden sich Gemälde. Das Mittelbild zeigt Aeneas, wie er die siegbringenden Waffen von seiner Venus empfängt, die Medaillons nehmen Embleme auf. In den Kartuschen an den Längsseiten erblickt man die Initialen „CR“ und „JCR“ als Spiegelmonogramme unter Kronen. Diesen können keine Personen aus der Erbauungszeit des Hauses zugeordnet werden. Zu ihren Seiten sind blau gefasste muschelförmige Fächer stuckiert. Die Decke wird aus stilistischen Gründen der Werkstatt von Joseph Mogia zugeschrieben.[7]

Das Hauptbild
 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde stammt aus der Erbauungszeit des Palais und wurde 1987 restauriert.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Das Bild soll Aeneas zeigen, wie er von seiner Mutter Venus die siegbringenden Waffen vor seinem Kampf mit Turnus erhält. Rechts nähert sich ein Putto mit Palmzweig und Tuba, der den kommenden Sieg andeutet.[7] Merkwürdigerweise ist Aeneas mit Flügeln dargestellt. Das schließt ihn eigentlich aus. Ferner erinnert die geharnischte Frau eher an Minerva, denn an Venus. An dieser Stelle kann jedoch keine bessere Interpretation gegeben werden.

Die Nebenbilder

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Deckengemälde dürften aus der Erbauungszeit des Hauses stammen. Sie wurden 1987 restauriert.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Die vier Kartuschen in den Ecken nehmen emblematische Darstellungen auf. Ein Motto gibt es nicht. In der Nordostecke hält eine geharnischte Hand ein Zepter mit zwei Augen, in der Nordwestecke umgeben zwei Palmwedel ein Zepter. In der Südwestecke wird ein Kreuz mit einer Krone zusammen mit zwei Lorbeerzweigen über einem Schwert und einer Scheide gezeigt und in der Südostecke ein Harnisch.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellungen folgen den Devises von Daniel de la Feuille. Augenzepter[9] und Harnisch[10] sind nahezu unverändert übernommen. Beim Zepter mit Palmblättern wurde die Krone fortgelassen.[11] Krone, Kreuz und Lorbeerzweige kombinieren zwei Bilder.[12]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Bericht Denkmalpflege, 1988. — Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 1986 und 1987, in: Nordelbingen 57 (1988), S. 197-302.
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Müller, Adelshöfe, 2008. – Müller, Benno: Zur Geschichte der Adelshöfe in Gottorfer Zeit, in: Rasmussen, Carsten Porskrog u.a. (Hrsg.): Die Fürsten des Landes. Herzöge und Grafen von Schleswig, Holstein und Lauenburg. Neumünster 2008, S. 312-320.
  • Rinn, Stukkateure, 1999. – Rinn, Barbara: Italienische Stukkateure zwischen Elbe und Ostsee (Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte, 1). Kiel 1999.
  • Teuchert, Bericht, 1985. – Teuchert, Wolfgang: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein 1969-1984, in: Nordelbingen 54 (1985), S. 193-301.
  • Quellen
  • Feuille, Devises, 1691. – La Feuille, Daniel de: Devises et Emblèmes Anciennes et Modernes. Tirées des plus celebres auteurs, avec Plusieurs autres Nouvellement inventées et mises en Latin, en François, en Espagnol, en Italien, en Anglois, en Flamand et en Allemand. Amsterdam 1691.
  • Archivalien:
  • Beetz, Prinzenpalais, o. J. – Beetz, Alwin: Restaurierung einer illusionistisch gemalten Barockdecke aus dem Prinzenpalais zu Schleswig. Lübeck o. J..

Einzelnachweise

  1. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 882-883; Teuchert, Bericht, 1985, S. 273-285; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 177-179.
  2. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 882; Müller, Adelshöfe, 2008, S. 315; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 177; Teuchert, Bericht, 1985, S. 273-284.
  3. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 882-883; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 177; Teuchert, Bericht, 1985, S. 177-282.
  4. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 883; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 177; Bericht Denkmalpflege, 1988, S. 272. Beetz, Prinzenpalais, o. J., S. 1-6.
  5. Rinn, Stukkateure, 1999, S. 177; Teuchert, Bericht, 1985, S. 283. Beetz, Prinzenpalais, o. J., S. 1-4.
  6. 6,0 6,1 Teuchert, Bericht, 1985, S. 283.
  7. 7,0 7,1 Rinn, Stukkateure, 1999, S. 178; Teuchert, Bericht, 1985, S. 283.
  8. 8,0 8,1 Bericht Denkmalpflege, 1988, S. 272.
  9. Feuille, Devises, 1691, Taf. 26, Nr. 7.
  10. Feuille, Devises, 1691, Taf. 14, Nr. 4 bzw. Taf. 37, Nr. 8.
  11. Feuille, Devises, 1691, Taf. 28, Nr. 2.
  12. Feuille, Devises, 1691, Taf. 13, Nr. 9 und Taf. 12, Nr. 9 bzw. Taf. 37, Nr. 10.