Salzkotten, Rittergut, sog Dreckburg
Inventarnummer: cbdd10151
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In der sog. Dreckburg haben sich Reste der einzigen überkommenen Jungbrunnenwandmalerei nördlich der Alpen erhalten. Sie stammen von ca. 1550.

Die Dreckburg in Salzkotten
Kurzbeschreibung
Das von einem Wassergraben umgebene Haus Dreckburg[1] erhebt sich im Osten der Stadt Salzkotten. Die Anlage ist in mehreren Phasen entstanden. Das Hauptgebäude setzt sich aus einem spätmittelalterlichen Wohnturm (1358/59) und zwei neuzeitlichen Seitenflügeln an der Nordseite zusammen. So entsteht eine unregelmäßige, nach Norden geöffnete Dreiflügelanlage.
Bau- und Restaurierungsgeschichte
Die Burg wurde 1386 erstmals bezeugt, als sie an die von Brenken verlehnt wurde. Sie kam 1434 in den Besitz des Fürstbistums Paderborn, wechselte mehrfach den Besitzer und gelangte aber bald an die Familie von Hörde, die sie bis 1575 in Besitz behielt. Sie baute die Burg entscheidend aus und ließ 1564 auch das Dach erneuern. Dennoch war die Anlage einschließlich der Nebengebäude bereits 1580 in einem desolaten Zustand. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam die Dreckburg an die von Schilder, die sie 1676 teilweise entfestigten und aus dem Abbruchmaterial den Ostflügel errichten ließen. 1729 wurde auch der Westflügel angebaut. 1762–67 kam es zu weiteren Umbau- und Modernisierungsarbeiten. Erst in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Obergeschoss des Wohnturms niedergelegt und mit einem der Westgiebel unter einem Satteldach aus Fachwerk neu errichtet. 2002–03 erfolgte eine umfassende Restaurierung der Dreckburg.
Der ehemalige Wohnturm
Der viergeschossige Wohnturm stellt sich als schlichter Putzbau mit Werksteingliederung dar. Das Innere wurde häufig und vor allem tiefgreifend umgestaltet. In der obersten Etage haben sich jedoch in einem Saal bedeutende Reste von Wandmalerei aus der Mitte des 16. Jahrhunderts erhalten.
Der Saal im Wohturm und seine Wandmalerei
Der Saal
Im heute dritten Obergeschoss der Dreckburg haben sich Reste eines großen Saals erhalten.[2] Der Raum misst 16 auf 9 Meter und ist über 3 Meter hoch. Die Wände sind im westlichen Raumteil über 20 Laufmeter figürlich und ornamental ausgemalt gewesen. Die Fensterlaibungen waren offenbar vollflächig ornamental mit gemalten Ranken gestaltet. Zahlreiche Bildbereiche sind mit monochromer Kalktünche überschlämmt. An der Nordwand sind im oberen Wanddrittel Bildszenen einer Jungbrunnendarstellung zu erkennen.
Die erhaltene Wandmalerei
Die Malerei[3] an der Nordwand besteht heute noch aus drei inhaltlich zusammenhängenden Bereichen, die ungefähr sechs auf zwei Meter Fläche bedecken. Die Malereien sind links und rechts sowie unten mit einem roten bzw. schwarzen Begleitstrich begrenzt. Aufgrund der dargestellten Mode wird sie auf ungefähr 1550 datiert. Es handelt sich um die Reste einer Jungbrunnendarstellung. Die Leserichtung geht ungewöhnlicher Weise von rechts nach links.
Befund
Die Malerei wurde direkt auf die Kalkschlämme aufgetragen, die farblich manchmal in die Darstellung mit einbezogen wurde. Teilweise lassen sich dünne, schwarze Linien erkennen, bei denen es sich um Kohlevorzeichnungen handelt. Es ist davon auszugehen, dass die Darstellung ehemals farbintensiver und räumlicher war, denn die erhaltene Malschicht hat etwas von ihrer ursprünglichen Auftragsstärke verloren. Eine geringere Brillanz der Farben und eine stumpfe Malereioberfläche sind bei der verwendeten Technik jedoch typisch.
Die Jungbrunnendarstellung in drei Szenen
Vor einer hügeligen Landschaft kommen von rechts die Alten. Manche sind so gebrechlich, dass sie getragen oder gefahren werden müssen. Diese Szene ist der flächenmäßig kleinste Teil der Darstellung. Die Mittelszene zeigt den Jungbrunnen selbst. Es handelt sich um ein rechteckiges Wasserbecken, in dem der eigentliche Brunnen mit eigener Brunnenschale steht. Er hat einen filialartigen Aufsatz und mindestens drei Ausläufe, durch die das verjüngende Nass in das Becken fließt. Im kniehohen Wasser erblickt man die bereits Verjüngten – sowohl Männer als auch Frauen. Ein Mann wendet das Wasser mittels einer Trinkflasche auch inwendig an, ein anderer unterhält sich mit einer Frau. Alte Leute, die in das Wasser eintauchen, fehlen – der Prozess der Verjüngung wird nicht gezeigt. Allerdings sind zahlreiche Personen nur im Fragment zu erkennen. Es wird aber deutlich, dass die Darstellung von einer großen Erzählfreude geprägt ist. Die Protagonisten im Becken sind übrigens deutlich kleiner wiedergegeben als im rechten und im linken Bildteil.
Links erblickt man die Verjüngten beim Tafeln in einer Laube rund um einen längsovalen Tisch. Diese Darstellung nimmt am meisten Raum ein. Die Menschen sind in der Mode der Reformationszeit edel gekleidet. Die Mode der Reformationszeit wurde in Deutschland ab 1550 durch die spanische Hoftracht ersetzt. Daher kann die Malerei nicht weit nach 1550 entstanden sein. Mann und Frau bilden immer ein Paar und unterhalten sich meist. Ein Herr ganz links hat vor sich auf dem Tisch Würfel liegen. In seiner Linken hält er einen Stab.
Während die wichtigen drei Szenen mit ihren Protagonisten genau wiedergegeben sind, hat der Künstler der Umgebung wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Sie ist nur summarisch wiedergegeben. Die Szenerie mit dem eckigen Wasserbecken, in dem der eigentliche Brunnen steht, erinnert an Lucas Cranach, ohne dass dieser konkretes Vorbild wäre. Viele Ideen sind aber übernommen. Geht man davon aus, dass der Jungbrunnen Cranachs tatsächlich Vorbildcharakter hatte, ist eine Datierung nach 1546 anzunehmen, als Cranach das Bild schuf. Andererseits erinnert die Darstellung gerade der Verjüngten in der Laube an vergleichbare des Meisters ES oder des Hausbuchmeisters.
Bedeutung der Jungbrunnendarstellung
Die Darstellung in der Dreckburg ist die einzige überkommene Jungbrunnenwandmalerei nördlich der Alpen. Der Jungbrunnen war am Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit ein beliebtes allegorisches Motiv. Inwieweit die Malerei der Dreckburg aber auf die Sehnsucht nach ewiger körperlicher Jugend Bezug nimmt, oder ob es sich auf eine Anspielung auf die Brunnen im nahen Salzkotten handelt, kann ohne Quellen zurzeit nicht geklärt werden.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Knappe/Sachse/Wohlgemut, Dreckburg, 2006. – Knappe, Vanessa/Sachse, Conny/Wohlgemut, Katja: Salzkotten. Wasserburg Dreckburg. Die Jungbrunnendarstellung der Dreckarbeit. Teil 1. Diplomarbeit, 2006.
- Sigrist, Salzkotten, 2010. – Sigrist, Beat: Salzkotten (Kreis Paderborn), Dreckburg. Restauratorische Befunderfassung und Sicherungsarbeiten am Wandgemälde „Jungbrunnen“ im Jahre 2006. In: Westfalen 88 (2010), S. 547–550.
- Strohmann, Salzkotten, 2001. – Strohmann, Dirk: Ein „Jungbrunnen“ in Salzkotten. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe 7 (1/2001), S. 14–20.
Einzelnachweise
- ↑ Strohmann, Salzkotten, 2001, S. 14; Knappe/Sachse/Wohlgemut, Dreckburg, 2006, S. 17–23; Dehio, Westfalen, 2016, S. 949.
- ↑ Sigrist, Salzkotten, 2010; Knappe/Sachse/Wohlgemut, Dreckburg, 2006, S. 31–39.
- ↑ Strohmann, Salzkotten, 2001, S. 14, 16–17, 19; Sigrist, Salzkotten, 2010; Knappe/Sachse/Wohlgemut, Dreckburg, 2006, S. 34–39. 61, 78–79.