Salzdahlum, ehem erstes Lusthaus
Inventarnummer: cbdd10523
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Das Lusthaus Salzdahlum bestand von 1674 bis 1688. Zwei Deckenmalereientwürfe von Johann Oswald Harms für das Gebäude haben sich erhalten.
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Salzdahlum: Entwurf zu einem rechteckigen Deckengemälde mit Puttenreigen in offe
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Das erste Lusthaus von Salzdahlum
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Bevor ab 1688 das berühmte Lustschloss in Salzdahlum erbaut wurde, stand dort ein Lusthaus.[1] Der Bauherr, Herzog Anton Ulrich, war zu jener Zeit lediglich Statthalter seines Bruders Rudolf August und noch nicht Mitregent. Bereits seit 1663 versuchte er, ein eigenes Gut zu erwerben. Da ihm die Mittel dafür fehlten, pachtete er eines in Salzdahlum, das ihm sein Bruder 1672 schenkte. Ferner erwarben Anton Ulrich und seine Frau Elisabeth Juliane 1672 sowie 1677-80 verschiedene Grundstücke in Salzdahlum. Das Lusthaus wurde vermutlich zwischen 1673 und 1674 erbaut. 1688 ist es durch den Neubau des Lustschlosses ersetzt worden.
Auftraggeber
Herzog Anton Ulrich (1633–1714)[2] regierte ab 1685 gemeinsam mit seinem Bruder das Fürstentum Wolfenbüttel. Nach dessen Tod 1704 wurde er Alleinherrscher. Er konvertierte 1709 zum Katholizismus.
Architekten, Künstler
Die Decken- und Wandfresken des Schlosses schuf Johann Oswald Harms.[3] Harms hatte im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts eine prägende Stellung in Nord- und Mitteldeutschland inne. Nach Aufenthalten in Italien war er zwischen 1675 und 1708 u.a. an den Höfen in Bayreuth, Dresden, Eisenberg, Kassel, Weißenfels und Wolfenbüttel tätig. Zeitgenossen verglichen ihn mit Andrea Pozzo. Leider ist sein Werk fast komplett vernichtet und nur über seine Entwürfe greifbar. Lediglich in Eisenberg haben sich umfangreichere Zyklen von seiner Hand erhalten. Er konzipierte anfänglich aufwendige Quadraturmalerei in Bologneser Tradition, zuletzt aber auch Bandelwerk und Arabesken in Anlehnung an französische Vorbilder. In den 80er und 90er Jahren erstellte er für Weißenfels und Salzdahlum aber auch große illusionistische Wandfresken mit monumentalen Perspektivgemälden. Ferner schuf Harms Deckenfresken mit gewagten Untersichten und Verkürzungen wie etwa in der Schlosskirche der Christiansburg in Eisenberg 1684.
Anlässe
1684 wurde in Salzdahlum die Hochzeit zwischen Auguste Dorothea, der Tochter von Anton Ulrich, und Günther von Schwarzburg gefeiert.[4]
Beschreibung
Das Aussehen des Gebäudes ist unbekannt. Es muss aber weitläufig gewesen sein, sonst hätte man hier nicht die Hochzeitsfeierlichkeiten abhalten können.
Die erhaltenen Entwürfe für Deckengemälde von Johann Oswald Harms
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Salzdahlum: Entwurf zu einem rechteckigen Deckengemälde mit Puttenreigen in offe
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Entwurf zu einem kreisrunden Deckengemälde: Jupiter, Neptun und Pluto auf Wolken
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Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Für das Lusthaus in Salzdahlum haben sich zwei Entwürfe für Deckenmalerei von Johann Oswald Harms erhalten.[5] Sie stammen von 1687, woraus man schließen kann, dass Anton Ulrich nach seiner Ernennung zum Mitregenten die Ausstattung des Hauses verändern ließ.
Beschreibung und Ikonographie
Der eine Entwurf ist für einen rechteckigen Raum. Er zeigt eine illusionistische Architekturmalerei, die die Decke des wohl eher kleinen Raums durch eine Balustrade hindurch zum Himmel hin öffnet. Dort tummeln sich Putten. Eine sitzt auf der gemalten Balustrade und erhöht damit die Illusion. Nach den Angaben von Harms auf der Rückseite des Entwurfs handelte es sich um ein Fresko: „in Salzthal. gemalet a fresco. 1687 JOHArms“.[6]
Der andere Entwurf zeigt lediglich das runde Mittelfeld einer Decke. Er zeigt einen Götterhimmel. Die Darstellung folgt detailgenau einem Kupferstich von Cornelis Cort nach Francesco Primaticcio. Das Blatt ist auf der Rückseite beschriftet mit „in saltzthal gemahlet 16.95“ sowie „in Satzthale gemahlet. a fresco 1695“.[7] Die Malerei wurde erst 1695 im Lustschloss ausgeführt. Die Datierung auf 1687 folgt einer nachträglichen Beschriftung auf der Vorderseite. Vielleicht war der Entwurf auch gar nicht für das Lusthaus bestimmt.[8]
Bibliographie
- Literatur:
- Alvensleben, Korb, 1937. – Alvensleben, Udo von: Die Braunschweigischen Schlösser der Barockzeit und ihr Baumeister Hermann Korb. Berlin 1937.
- Brandes, Salzdahlum, 1880. – Brandes, Karl: Das ehemalige fürstliche Lustschloß Salzdahlum und seine Ueberreste. […]. Wolfenbüttel 1880.
- Gerkens, Salzdahlum, 1974. – Gerkens, Gerhard: Das fürstliche Lustschloß Salzdahlum und sein Erbauer Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte, 22). Braunschweig 1974, S. 137-138.
- Grote, Salzdahlum, 2017. – Grote, Hans-Henning: Schloss und Garten zu Salzdahlum. Vom Reich Apolls zum Paradies auf Erden. Metamorphosen eines Barockprogramms auf dem Weg zur Aufklärung. In: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte 98 (2017), S. 37-62.
- Jacob, Salzdahlum, 1983. – Jacob, Sabine: Schloß Salzdahlum. In: Klessmann, Rüdiger (Katalogred.): Herzog Anton Ulrich von Braunschweig. Leben und Regieren mit der Kunst. Zum 350. Geburtstag am 4. Oktober 1983. Ausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum vom 25. August bis 30. Oktober 1983. Braunschweig 1983, S. 49-69.
- Klessmann, Anton Ulrich, 1983. – Klessmann, Rüdiger (Katalogred.): Herzog Anton Ulrich von Braunschweig. Leben und Regieren mit der Kunst. Zum 350. Geburtstag am 4. Oktober 1983. Ausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum vom 25. August bis 30. Oktober 1983. Braunschweig 1983.
- Richter, Harms, 1963. – Richter, Horst: Johann Oswald Harms. Ein deutscher Theaterdekorateur des Barock (Die Schaubühne, 58). Emsdetten 1963.
- Steinacker, Salzdahlum, 1904. – Steinacker, Karl: Das fürstliche Lustschloss Salzdahlum. In: Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig 3 (1904), S. 69-119.
- Tintelnot, Harms, 1941. – Tintelnot, Hans: Johann Oswald Harms. Ein norddeutscher Maler des Barock. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstgeschichte 8 (III/IV/1941), S. 245-260.
- Wittig, Salzdahlum, 1999. – Wittig, Holger: Das Fürstliche Lustschloß Salzdahlum. 2. Aufl. Wolfenbüttel 1999.
- Wittig, Salzdahlum, 2005. – Wittig, Holger: Das fürstliche Lustschloss Salzdahlum, Bd. 1: Das Schloss und die Sammlungsbauten. Norderstedt 2005.
Einzelnachweise
- ↑ Grote, Salzdahlum, 2017, S. 37; Wittig, Salzdahlum, 2005, S. 30-35; Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 8-13; Jacob, Salzdahlum, 1983, S. 49; Gerkens, Salzdahlum, 1974, S. 44-47; Alvensleben, Korb, 1937, S. 16-17; Steinacker, Salzdahlum, 1904, S. 73; Brandes, Salzdahlum 1880, S. 1-4.
- ↑ Klessmann, Anton Ulrich, 1983.
- ↑ Richter, Harms, 1963; Tintelnot, Harms, 1941.
- ↑ Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 12.
- ↑ Wittig, Salzdahlum, 2005, S. 34-35; Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 12-13; Klessmann, Anton Ulrich, 1983, S. 112-113.
- ↑ Johann Oswald Harms: Entwurf für eine Deckenmalerei im Lusthaus von Salzdahlum. HAUM, Kupferstichkabinett, Z 3715.
- ↑ Johann Oswald Harms: Entwurf für eine Deckenmalerei im Lusthaus von Salzdahlum. HAUM, Kupferstichkabinett, Z 4158.
- ↑ Klessmann, Anton Ulrich, 1983, S. 113.