Sachrang, Pfarrkirche St. Michael
SACHRANG
Pfarrkirche, Gemeinde Aschau, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Sachrang war bis 1680 Filiale und Kaplanei der Pfarrei Prien; bei der Abtrennung der Kirchen des Herrschaftsgerichts Hohenaschau von der Pfarrei Prien im Jahr 1680 wurde Sachrang Filiale und Kuratie der neuen Pfarrei Niederaschau; seit 1806 ist es Pfarrei. Das Präsentationsrecht auf die Kuratie hatte bis ins 17. Jh. die Gemeinde Sachrang, später das Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee. Die Kuraten waren meist Weltgeistliche. Herrschaftsgericht Hohenaschau
Patrozinium: St. Michael
Zum Bauwerk: Planung der neuen Kirche anstelle einer sehr kleinen und völlig ruinösen mittelalterlichen Kirche seit 1685 Konsens zum Neubau vom Fürstbischof von Chiemsee am 8.11.1685. Abbruch der alten Kirche bis auf den Turm im Frühjahr 1687. Feierliche Grundsteinlegung am 26.5.1687 durch den Archidiakon Propst Rupert Kögl von Herrenchiemsee (1653-88). Die Bauaufsicht hatte der Kurat in Sachrang, Johann Baptist Molitor (bis 1691). Baumeister war Wolfgang Steindlmüller, Maurermeister vom Schlechtenberg bei Aschau; sein ursprünglicher Plan war von Giovanni Gaspare Zuccalli überarbeitet worden. Fertigstellung des Rohbaus noch 1687, 1688 Innendekoration mit Stuck von Giulio Zuccalli, genannt Giulio Christofori, unter Mithilfe seines Bruders Pietro um 405 fl. Im Sommer 1689 wurden die drei reichen barocken Altäre aufgestellt, Arbeiten des Hohenaschauer Kistlers Michael Furtner mit Gemälden von Eder und Carnutsch. Weihe durch Fürstbischof Sigmund I. Ignaz Graf von Wolkenstein und Trostburg am 31.8.1689. In den Jahren Westempore und machte das neue Chor- und Kirchengestühl sowie Beichtstühle. Turmerneuerung und -erhöhung 1699 durch Wolfgang Steindlmüller und den Zimmermeister Michael Schweinsteiger (der 1701 beim Streichen der Turmkuppel tödlich verunglückte). Neue Kanzel 1711.
Die Kirche ist genordet. Saal zu drei Jochen mit Doppelem pore im S, je drei Fenster im O und W; eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Belichtung von O und W durch Fenster im nördlichen Joch und in den S nur der Rahmen um A und die Jochteilung.
Auftraggeber: Auf Drängen seines Neffen Max II. von Preysing-Hohenaschau übernahm der Fürstbischof von Chiemsee Johann IV. Franz von Preysing-Hohenaschau (1670–87) mit 1400 fl. den größten Teil der Baukosten, unter der Bedingung, daß sein Wappen in der Kirche angebracht werde: Es befindet sich in einer von Engel gehaltenen Stuckkartusche am Chorbogen. Die Baumaterialien stiftete der Herrschaftsinhaber Maximilian Johann Franz (Max II.) Graf von Preysing-Hohenaschau, dessen Wappen sich am Hochaltar befindet. 600 fl. konnte die Kirche Sachrang selbst aufbringen, 400 fl. wurden von der Kirche Söllhuben aufgenommen, dazu kamen noch kleinere Schenkungen. Stuck und Deckenbilder wurden von den Baugeldern bezahlt (R 2801), doch machte sich um diese Innendekoration besonders Caspar Purkweger verdient, der Gerichtsverwalter von Hohenaschau, der die Baugelder verwaltete und sich überall um Geld für die Stuckierung bemühte (s. vor allem StAM, HAA, A 1888 und AEM). Pfarrvikar von Niederaschau z.Z. der Ausmalung war Matthias Winkler (1680–90), der spätere Pfarrer von Grassau (CBD Bd 11, S. 54f.), Kurat in Sachrang war Johann Baptist Molitor, der Matthäus Winkler als Pfarrvikar von Niederaschau nachfolgte (1691–94) und dann bis zu seinem Tod 1700 Pfarrer von Höslwang war.
Die drei prachtvollen Barockaltäre, Arbeiten des Aschauer Kistlers Michael Furtner d.J. 1688/89 sind Stiftungen. Der Hochaltar stiftete der Herrschaftsinhaber Max II. von Preysing-Hohenaschau; im Auszug ist als sein Namenspatron der hl. Maximilian von Lorch dargestellt. Den linken Seitenaltar, den ehemaligen Anna-Altar, stiftete Maria Anna Adelheid Gräfin von Preysing-Hohenaschau, die Gemahlin des Herrschaftsinhabers. Den rechten Seitenaltar stiftete der Hohenaschauer Gerichtsverwalter Caspar Purkweger und seine Ehefrau Sophia Schmid: Das Altarblatt zeigt die Anbetung der Könige (Kaspar war der Namenspatron Purkwegers), das Auszugbild die hl. Sophia mit Fides, Spes und Caritas. Die Altargemälde schufen Joseph Eder und Jacob Carnutsch, die Altarfiguren sind Werke des Neubeurer Bildhauers Carl Antretter.
Die Kosten der Renovierung der Deckenbilder 1768 wurde von privaten Geldgebern getragen: »Die ganze Kirche ist ausgeweisset, die Gwölbmahlerei, samt denen 12 Apostlleichter und Kränzen renovirt, auch das grosse von oben herabhängende Crucifix neugefasset worden. Die Uncösten ... haber sich auf 61 f. 30x. beloffen, und sind gutthätigerweise von der Gemeinde Sachrang, dann Nachbarschafft Tyrol bestritter worden« (StAM, HAA, R 2906).
Autor und Entstehungszeit: Erste Ausmalung: Joseph Eder (* unbekannt † 1712 Neubeuern) und Jacob Carnutsch (* unbekannt † 1716 Prien) Frühsommer 1688, gleichzeitig mit der Stuckierung.
»Verzaichnus was wür Endtsunderschribne in dem neuerpauten lobwürdigen St. Michaelis Gottshaus Sachrang für Mallereyarbeit, auf die Mauer verferttiget haben, wie volgt. Erstlichen an dem Chorgwelb, die 7 hl. Zuefluchten in ainem Ovä bey 16 Schuech lang, mit Öllfarben gemalt, warfür der Verdienst pactirtermassen trifft 15 fl. – Dann zu der Auffahr Christi ain Glori, in der Mite auf dem Lukh den heil: Geist, in den Zürkhl aber etliche Engel Köpff neben den Englischer Prustbildern, Bluemen und andere Zieraten gemalt, darfür 6f. – Item ausser der Kürchen, auf die Mauer, ober dem Portal S: Michael, den Lucifer in die Höll stürzent, gemalt, hiervor 4f. – Lestlichen 17 Blindtfenstern, darinnen ein langes, 2 halbe die ybrigen aber Ovät gemallen 5 f. – Summa 30 f. – Hieran ha mein Mitcons: vermög von Hand gegebnen Scheins de date 17. July 1688 empfangen 20f. – Thuet also der Rest annoch 10f. - welche mir von Herrn Gerichtsverwalter zu Hohenaschau Herrn Caspar Purkweger heunt dato par richtig gemacht worden sein, id est. 10f. – Den 27. August Anno 1688 Joseph Eder, Jacob Carnutsch, Maller von Prien« (A 1888 s. auch Bomhard, S. 424). Carnutsch und Eder schufen auch die Altarblätter der drei Altäre sowie die fünf Emporenbrüstungsbilder.
Ausmalung 1768: Erneuerung der Ausmalung durch Simon Zaglacher, Maler in Erl in Tirol. Signatur in B SIMon Zaglaher et pinxit / in Erll 1768.
In der Abrechnung von 1768 ist nur von einer Renovierung der Gewölbemalerei die Rede (s. dazu Bomhard S.425 und Anm. 786). Bei den letzten Befunduntersuchungen hat sich herausgestellt, daß Zaglacher den alten Kompositionen bei der Erneuerung der Malerei folgte, aber die Farben veränderte (s. Erhaltungszustand).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A) Kreuzgratgewölbe, AF (B) Stichkappentonne
Rahmen: A Rundbild, stuckierter Blattkranz, von Perlstableisten begleitet; B Hochoval, stuckierter Blattkranz mit vier übergreifenden Stuckornamenten, von Perlstableisten und Stuckbändern begleitet
Technik: Öl auf Putz; polychrom Maße: A Höhe 10,30 m; Ø 1,45
B Höhe 9,80m; 3,85 × 2,05
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Nach der »Renovierung« der Deckengemälde 1768 weitere Renovierung der Kirche 1852/54. Pläne zu neuen Ausmalungen 1884 und 1894 scheiterten. Bei der Gesamtrestaurierung 1931/33 sollte der Raum auf die ursprüngliche Fassung zurückgeführt werden. Die Deckenbilder, in einer Öl-auf-Putz-Technik gemalt, waren in sehr schlechtem Zustand. Neufassung des Kircheninnern durch die Fa. Max Zierer, Rosenheim, Restaurierung der Deckenbilder durch Max Faltner. Bei der Vorbereitung der letzten Restaurierung ab 1987 wurde festgestellt, daß die Fa. Zierer 1932 die Raumfassung recht farbig und keineswegs nach dem ursprünglichen Zustand gemacht hatte. Restaurierung 1991 durch Fa. Reiner Neubauer, Bad Endorf, mit Reinigen der Raumschale, Ausbessern der Risse, Ergänzen des Stucks; die Farbigkeit des Stucks von 1932 wurde beibehalten. Die Restaurierung der Deckenbilder war schwierig. »Schäden in der Malschicht des Deckenbildes von Eder und Carnutsch dürften die Ursache für die neuerliche Bearbeitung durch Zaglacher gewesen sein. Kleine Befundöffnungen von Herrn Neubauer belegen dabei eine enge Anlehnung an die Formgebung der ursprünglichen Malerei bei Abwandlungen in der Farbigkeit. Die Arbeit Eders und Carnutschs ähnelt in Aufbau und Materialverwendung (bolusartiger Grund, Ölmalerei) einem Leinwandgemälde« (Gutachten Bernhard Symank, BLfD, 10.10.1991). Die Malschicht, die sich schollenartig abgehoben hatte, wurde niedergelegt und verklebt, die Putzhohlstellen wurden gesichert, die Bilder gereinigt und Fehlstellen retuschiert.
Beschreibung und Ikonographie
A ENGELSGLORIE Das Bild befindet sich im nördlichen Joch des LHs. In einem umlaufenden Streifen um die Heilig-Geist-Öffnung, auf deren Deckel der Heilige Geist in Gestalt einer Taube gemalt ist, sieht man Engel und Engelsköpfchen in Wolken. Die Engel halten Blumen.
B SIEBEN ZUFLÜCHTEN Ansicht nach N. In dem hochovalen Bildfeld des AR sind die Heiligen Sieben Zufluchten dargestellt. Die Komposition folgt der Darstellung der Sieben Zufluchten auf einem Andachtsbild von 1685 (s. u.). Die Sieben Zufluchten waren: Die Heiligste Dreifaltigkeit, der Gekreuzigte, das Altarssakrament, Maria, die Erzengel, die Heiligen und die Armen Seelen.
Oben im Bild erscheint die Dreifaltigkeit. Auf Wolken thron Gottvater mit Zepter neben Christus über der Weltkugel, darüber schwebt die Taube des Heiligen Geistes. Darunter sieht man, von einem Kranz aus Engelsköpfchen umgeben, die Monstranz mit dem Altarssakrament. Daneben ragt links der Kruzifixus auf. Zu Füßen Christi am Kreuz sieht man drei Erzengel, Gabriel mit der Lilie, Michael mit der Waage und Raphael mit einem Kreuzstab. Rechts ist an der Spitze einer Schar von Heiligen Maria dargestellt; neben ihr ein bärtiger Heiliger im Aposteltyp mit rotem Mantel und Pfeilen (wohl der Apostel Thomas) und drei heilige Jungfrauen mit Martyrerpalmen in vornehmen Gewänder und Schmuck. Die vorderste ist durch den Kelch als Barbara kenntlich gemacht. Eine von ihnen hält einen Korb mit Rosen: es ist Dorothea von Cäsarea; die dritte ist nicht gekennzeichnet. Es handelt sich bei den drei Märtyrinnen um die ›Virgines Capitales‹, zu denen neben Barbara Margaretha und Katharina gehören, oft auch Dorothea. Die ›Virgines Capitales‹ erscheinen häufig im Zusammenhang der Sieben Zufluchten. Mit der nicht gekennzeichneten Jungfrau ist entweder Katharina von Alexandrien oder Margaretha von Antiochien gemeint. Am unteren Bildrand sieht man in Flammen drei Arme Seelen, deren einer Raphael die Hand reicht.
Der Kult der Sieben Zufluchten wurde im späten 17. Jh. durch den Jesuiten P. Tobias Lohner in München eingeführt. Lohner ließ sie auch erstmals 1685 erstmals in einem Andachtsbild darstellen und veröffentlichen. Wahrscheinlich schrieb Lohner auch das Buch über die neue Andachtsform: »Hevlwürckende Andacht der gottliebenden Seelen zu den Siber
Zufluchten ... zusammen getragen durch einen der Soc. Jesu Priestern, München 1689«. Zentrum des Kults war die Stiftskirche U.L. F. in München. Matthias Winkler, der Pfarrvikar von Niederaschau, propagierte den Kult in seinem Bereich. Das Deckenbild in seiner Filiale Sachrang gehörte zu den frühen Darstellungen. Winkler führte den Kult später auch in seiner Pfarrkirche Grassau ein und stiftete dort den Sieben-Zufluchten-Altar (Altarblatt von Carnutsch 1696). Seiner ersten Pfarrkirche Niederaschau stiftete er 1708 eine silberne Monstranz mit der Darstellung der Sieben Zufluchten.
Das Altarblatt des Hochaltars zeigt den Kirchenpatron St. Michael als Sieger über Luzifer. Das gleiche Thema zeigte ein Wandbild außen über dem Portal von Eder und Carnutsch (nicht erhalten). Michael tritt auch unter den Erzengeln im Sieben-Zufluchten-Bild auf.
EB1-5 An der Emporenbrüstung befinden sich fünf querovale Bilder aus der Bauzeit in Blattstab- und Akanthusrahmung. Sie gelten als Werke von Jacob Carnutsch, doch ist auch – vor allem in der Darstellung von Pfingsten, aber auch in der Fußwaschungsszene – die Hand Josephs Eders erkennbar. In der Kirchenrechnungen (s. o.) sind sie nicht abgerechnet, es handelt sich also um Stiftungen.
EB, Verkündigung
EB, Abschied Jesu von Maria
EB, Letztes Abendmahl
EB, Pfingsten.
Quellen und Literatur
StAM, HAA, Kirchenrechnungen der in der Herrschaft Hohenaschau und Hofmark Söllhuben gelegenen Kirchen; R 2800: 1688; R 2801: 1689; R 2803: 1690; R 2805: 1691. R 2906: Verficationes zur Niederaschauischen Pfarrgottshaus Rechnung pro anno 1768. A 1888: Akten, den Kirchenbau
SACHRANG
Sachrang betreffend, mit Überschlägen, Rechnungen und Quittungen.
AEM, Pfarrakten Sachrang, Akten vermischten Inhalts; Kirchen- und Pfarrhofbauten.
BLfD, Akt Sachrang, Pfarrkirche St. Michael
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 195 f., 216–18. KDB I OB (2), S. 1659 f. II C. 1 D. II. 1 D. 1 II
Hans Steinberger, Die Kirchen des Prientals, Wörishofen 1913, S. 96–101.
Bomhard Bd. 2, S. 420–34, 509–14, 533 f. Bomhard, Peter von, Sachrang (= KKF Nr. 629), 1955, 2196 Weidenhofer, Hansjörg, Giovanni Gaspare Zuccalli (um 1654–1717). Sein Leben und Zuschreibungen von Bauten in Salzburg und Bayern, in: Ars Bavarica 61/62, 1990, S. 29–78 Sachrang: S. 67–71.
Dehio 1990, S. 1045 f
Zumpf, Hugo, Graubündner Baumeister und Stukkateure im Chiemgau und in Salzburg, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für den Chiemgau 1992. Giulio und Pietro Zuccalli S. 53–56. Sachrang S. 53–55.
Pfister, Max, Baumeister aus Graubünden - Wegbereiter des Barock. Die auswärtige Tätigkeit der Bündner Baumeister und Stukkateure in Süddeutschland, Österreich und Polen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Chur-München-Zürich 1993. Sachrang S. 201 und 297.
1993. Sachrang S. 201 und 297. Naimer, Erwin, Das Bistum Chiemsee in der Neuzeit (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim Bd XI), Rosenheim 1990, S. 55. Wörndl, Rupert, Kirchengeschichtliches aus dem Priental. Die Pfarreien Aschau und Sachrang (= Chronik Aschau im Chiemgau, Quellenband XIV), Aschau 2001. Pfarrkirche Sachrang S. 154f., 159 und 350–52. A. B.