Saarbrücken, ehem Residenzschloss

Fachbach, Jens:Saarbrücken, ehem. Residenzschloss, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/d26aa4c7-3661-49b8-a88a-984579000139

Inventarnummer: cbdd10074

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Das 1794 durch Brand zerstörte Saarbrücker Schloss besaß in einigen Räumen Wand- und Deckenmalerei, im sog. Wintergarten war durch Malerei, ähnlich einer Theaterkulisse, die Illusion eines Waldes erzeugt.

Kurzbeschreibung und Lage

Das Saarbrücker Schloss liegt auf einem Felsen oberhalb der Saar, am Standort einer erstmals 999 urkundlich erwähnten Burganlage. Nach Baumaßnahmen des 16. und 17. Jahrhunderts präsentierte sie sich als Renaissance-Vierflügelanlage und wurde, nach Zerstörung im französisch-niederländischen Krieg, ab 1683 wiederhergestellt.[1] Von 1738 bis 1748 entstand das heute stark veränderte, in den Grundzügen aber nach wie vor erkennbare und stadtbildprägende Schloss als Dreiflügelanlage.

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Der Neubau des Saarbrücker Schlosses steht in enger Verbindung mit dynastischen Veränderungen, die sich innerhalb des Hauses Nassau Anfang des 18. Jahrhunderts ergeben hatten: Nach dem Tod Friedrich Ludwigs von Nassau-Ottweiler 1728 fiel die Grafschaft Saarbrücken an das Haus Nassau-Usingen, wo Fürstin Charlotte Amalie seit dem Tod ihres Gatten 1718 die Regentschaft führte.

Zu Gunsten ihrer beiden Söhne Karl und Wilhelm Heinrich (1718-1768) wurde 1735 eine Teilung des Nassau-Usingenschen Territoriums vorgenommen, wobei Karl die linksrheinischen, Wilhelm Heinrich dagegen die rechtsrheinischen Gebiete erhalten sollte. Nachdem Karl die ihm zugedachten Gebiete bereits 1734 übernommen hatte, wurde die Grafschaft Saarbrücken noch bis zur Volljährigkeit Wilhelm Heinrichs 1741 zunächst von seiner Mutter und nach ihrem Tod durch seinen Bruder Karl verwaltet, im Hinblick auf den Bau des Saarbrücker Schlosses musste Wilhelm Heinrich daher vor allem in der Planungsphase seine Entscheidungen noch von seinem älteren Bruder genehmigen lassen.

Somit konnte er auf die Planungs- und Baumaßnahmen des Schlosses erst mit Erreichen seiner Volljährigkeit frei Einfluss nehmen, vor allem aber in den folgenden Jahren auch durch verschiedene Baumaßnahmen und den Erlass einschlägiger Vorschriften auf eine sukzessive Umgestaltung der beiden einander am jeweiligen Saarufer gegenüberliegender Städte (Alt-) Saarbrücken und St. Johann hinwirken.[2] Dabei wurde durch typisierte Privatbebauung, Errichtung neuer öffentlicher Gebäude und Straßenregulierungen das Bild einer einheitlichen Residenzstadt angestrebt, Maßnahmen, deren Kosten noch seinen Sohn und Nachfolger Ludwig belasten sollten.

Die eigentliche Bauzeit des Schlosses begann noch unter der Vormundschaft der Fürstin, anlässlich der Erbteilung für ihre Söhne 1735. In diesem Jahr reiste der bereits zuvor für das Haus Nassau-Usingen tätige Architekt Friedrich Joachim Stengel (1694-1787) nach Saarbrücken und erstellte ein Gutachten, das dem Altbau Baufälligkeit bescheinigte und einen Neubau empfahl.[3]

Dieser wurde im Oktober 1735 beschlossen und im März 1738 begonnen. Sehr wahrscheinlich hatte man auch zu diesem Zeitpunkt bereits den endgültigen Standort des Neubaus und dessen Verhältnis zur Stadtstruktur, vielleicht schon im Hinblick auf die längerfristig geplante Umgestaltung der Stadt, festgelegt.[4]

Im März 1739 wurde mit dem Ausheben der Fundamentgräben begonnen, 1741 arbeiteten die Maurer am Corps de Logis, 1748 war das Schloss fertiggestellt und konnte bezogen werden. 1761-64 erfolgte die Anlage des großen Gartens auf der Ostseite des Schlosses.[5]

1786-87, also unter Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken (1745-1794) errichtete man nach Plänen von Balthasar Wilhelm Stengel (1748-1824), dem Sohn des Schlossarchitekten, das als „kleine Orangerie“ oder „Wintergarten “bezeichnete Gebäude am Schlossplatz, auf das noch einzugehen sein wird.[6] Wahrscheinlich in dieser Zeit und ebenfalls unter Balthasar Friedrich Stengel, wurden am Schloss auch kleinere Modernisierungen vorgenommen, etwa der Ersatz Schmiedeeiserner Gitter durch Gusseisen und die Entfernung dekorativer Vasen auf den Balustraden.[7]

Nachdem die Grafschaft Nassau-Saarbrücken bereits Anfang 1793 von französischen Truppen besetzt worden war, floh Fürst Ludwig am 13. Mai unter dem Vorwand einer Bäderreise. Bereits wenige Monate später fand auch das Schloss sein Ende: Am 7. Oktober 1793 zerstörte ein Brand das Gebäude bis auf die Außenmauern, wobei unklar ist, ob er absichtlich gelegt wurde oder auf Unvorsichtigkeit zurückzuführen war.

Die Ruine blieb allerdings erhalten und noch in französischer Zeit legten Johann Adam Knipper d. Ä. (1746-1811), Werkmeister unter Balthasar Wilhelm Stengel und Stengel selbst Pläne für einen Wiederaufbau des Schlosses vor, das zumindest teilweise für öffentliche Einrichtungen verwendet werden sollte. Letztlich kam es aber nicht dazu: Die Schlossruine wurde von verschiedenen Privatpersonen erworben und von ihnen, in kleinere Einheiten unterteilt, zu Wohnzwecken wiederaufgebaut.[8] Der Mittelpavillon des Corps de Logis fiel hierbei ganz weg, erst 1872 wurde in diese Lücke ein niedrigerer und nur die Hälfte der ehemaligen Tiefe einnehmender Baukörper nach Entwurf des Saarbrücker Architekten Hugo Dihm gesetzt, ein kleiner Anbau an den Südflügel kam ebenfalls hinzu.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die einzelnen Teile des ehemaligen Schlossgebäudes sukzessive von der öffentlichen Hand erworben und zur Unterbringung verschiedener Behörden genutzt. Im Zweiten Weltkrieg kam es zur Beschädigung des Südflügels die allerdings recht bald wieder behoben werden konnte, die kleine Orangerie wurde dagegen völlig zerstört und an ihrer Stelle 1954-56 ein Kreiskulturhaus in modernen Bauformen errichtet.

In den 1960er Jahren verschlechterte sich der bauliche Zustand der Anlage zunehmend, Teile mussten schließlich wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt werden. Bei der anschließenden Diskussion über dem Umgang mit dem Schloss reichten die Vorschläge vom Abbruch bis zur Rekonstruktion des ursprünglichen Aussehens. 1976 fiel die Entscheidung zur originalgetreuen Rekonstruktion des Stengelbaues, es zeigte sich jedoch bald, dass diese aufgrund fehlender Unterlagen und Befunde denkmalpflegerisch kaum vertretbar war und nicht finanzierbar geworden wäre.

Letztlich entschied man sich daher 1981 den historisch gewachsenen Zustand weitgehend zu respektieren und zu sanieren. An die Stelle des zerstörten Mittelpavillons wurde nach Entwurf Gottfried Böhms (geb. 1920) eine Stahl-Glas-Konstruktion gesetzt, die die Kubatur des ursprünglichen Baukörpers wiederaufnimmt und in die die Außenwände des Mittelbaus von 1872 integriert ist. Das Schloss ist heute Sitz des Regionalverbandes Saarbrücken.

Baubeschreibung

Beim Saarbrücker Schloss handelt es sich um eine nach Westen, d. h. Richtung Stadt, geöffnete Dreiflügelanlage.[9] Alle Bauteile, abgesehen vom Mittelpavillon, besaßen ursprünglich zwei Vollgeschosse über denen noch ein Mezzanin lag. Die Fensteröffnungen waren mit Segmentbögen geschlossen, die Fassaden durch rustizierte Lisenen gegliedert. Durch diese Gliederungen wurden am Ende der Seitenflügel zum Hof hin jeweils vier Achsen, entsprechend der Breite der Stirnseiten, abgetrennt. Da diese Teile leicht vorsprangen und durch ein Mansarddach betont wurden, entstand der Eindruck von Eckpavillons, ohne dass die Traufhöhe hier jedoch größer gewesen wäre. Der Rest des jeweiligen Flügels trug ein Satteldach, das zum Corps de Logis hin aber wiederum an ein Mansardach stieß, da die Enden des mittleren Flügels in gleicher Weise durch Wechsel der Dachform und Lisenengliederung betont waren.

Lediglich der drei Achsen breite Mittelteil des Corps de Logis konnte tatsächlich als Pavillon gelten, da er (wiederum mit Mansarddach) den restlichen Baukörper in der Höhe überragte und sowohl auf der Hof, als auch auf der Gartenseite vorsprang. Er war durch einen von Hermen getragenen Altan betont und trug wiederum ein Mansarddach, hier mit einem Belvedere. Bei allen Bauteilen war in Traufhöhe eine Balustrade mit Vasen aufgesetzt. Ein am Westende des Südflügels (in Richtung Süden) angefügter Anbau mit Altan bzw. Mansarddach, der auf älteren Fotos zu sehen ist, stammte erst aus dem 19. Jahrhundert, wurde 1908/09 barock umgestaltet[10] und in den 1970er Jahren wegen Baufälligkeit wieder abgerissen.

Zwischen den Seitenflügeln verlief ursprünglich ebenfalls eine geschweifte Balustrade, die den eigentlichen Ehrenhof vom davorliegenden, durch Gitter zwischen Steinpfeilern eingefassten Vorhof abtrennte.[11] Eine auf älteren Fotos sichtbare Freitreppenanlage vor dem Schloss stammte aus dem Jahr 1938 und wurde bei der letzten Sanierung des Schlosses beseitigt.

Die innere Raumaufteilung des Schlosses war lange Zeit nur ungenau zu rekonstruieren, da zwei unterschiedliche Grundrisse Stengels existierten. Durch die Bauuntersuchung der 1980er Jahre konnte jedoch festgestellt werden, dass die sog. „Röchling-Pläne“[12] weitgehend der gebauten Realität entsprachen. In Verbindung mit einem 1753 erstellten Inventar lässt sich darüber hinaus auch die Nutzung des Schlosses zumindest in dieser Zeit sehr genau rekonstruieren.[13]

Direkt neben dem Mittepavillon lag auf jeder Seite ein Treppenhaus, das den Zugang ins erste Stockwerk ermöglichte, wo zur Hofseite hin ein Vor- und zur Gartenseite hin der Speisesaal angeordnet waren. Der Speisesaal wurde flankiert von jeweils einer Antichambre, da hier die Appartements des Fürsten (auf der Nordseite, d. h. links) und der Fürstin (Südseite, d. h. rechts) begannen (gefolgt von Appartements für Gäste bzw. Hofdamen). Diese Aufteilung war im Übrigen auch für die im Erdgeschoss der Seitenflügel gelegenen Funktionsräume maßgeblich, da im Flügel der Fürstin die Küche usw. lagen, im Nordflügel dagegen die Regierungs- und Kanzleiräume. Somit waren die Regierungsgeschäfte dem Fürsten, der „halboffizielle“ Teil des Hoflebens der Fürstin zugeordnet.[14]

Im Mezzaningeschoss lagen auf der Südseite die Räume für die Kinder[15], im Mittelpavillon befand sich der Festsaal, wobei hier die Raumhöhe deutlich größer war als in den übrigen Räumen dieser Etage, da die zusätzliche Höhe des Mittelpavillons zur Ausbildung eines Vollgeschosses ausgenutzt wurde.

Malereien in verschiedenen Räumen des Corps de Logis

Durch die ungünstige Quellenlage lassen sich nur wenige Angaben über Decken- und Wandmalereien machen, auch erfasst das 1735 erstellte Inventar neben den zum Mobiliar gehörenden Gemälden nur Supraporten.[16]

Vestibül

Im 12 x 7 m[17] großen Vestibül dürften nicht näher bekannte Wand- oder Deckenmalereien vorhanden gewesen sein, da 1790 die Freskomaler „Catellli“ und dessen „Kons.“ Zahlungen für Ausbesserungen daran erhielten. Quittiert wurde dieser Betrag von „Barozzi, Pientre (sic!)Italien“.[18]

Speisesaal

Etwas mehr ist über die Ausmalung des 12 x 8,6 m großen, zur Gartenseite gelegenen Speisesaales im ersten Stockwerk bekannt. In einer Aufstellung seiner Arbeit in Saarbrücken gab Simon Feilner (1726-1798) an, er habe „den Speisesahl gemalet welcher accordirt vor 120 fl“ außerdem sei er gehalten gewesen „die vier Ecken u. der Sudepottes zu verändern, welche nach deme sind resolvirt u. gemacht worden 20 fl“ zudem wird die Malerei als „à la porcellaine“ bezeichnet.[19] Es dürfte sich also um porzellanimitierende Malerei gehandelt haben, zumal Feilner in späteren Jahren als Modelleur und Porzellanmaler an verschiedenen Manufakturen tätig war, auch gründete Fürst Wilhelm Heinrich 1763 die Porzellanmanufaktur Ottweiler.

Das Inventar von 1753 nennt zudem „zwölff porcellonen Wandleüchter mit mäßingen Armen“ und beschreibt die erwähnten Supraporten als „drey indianische Thüren-Stücker“[20]. Interpretiert man dies als im weitesten Sinne asiatisch, so passt es zum Charakter des Raumes, der ansonsten noch über zwei Spiegel in vergoldeten Rahmen, wohl mit zwei vergoldeten und mit Marmorplatte versehenen Konsoltischen zwischen den Fenstertüren zur Gartenseite angeordnet, verfügte.

Ebenfalls für die Annahme von porzellanimitierender blauer Malerei auf weißem Grund spricht, dass die Textilien des Raumes überwiegend in den Farben blau und weiß gehalten waren - nebenbei bemerkt auch die Wappenfarben des Hauses Nassau.

Kabinett des Fürsten

Die bereits erwähnten Ausbesserungen im Jahr 1790 betrafen auch das fürstliche Kabinett.[21]

Geht man von dem (allerdings bereits 1753 entstandenen Inventar) und den bauzeitlichen Plänen aus dürfte es sich dabei um einen der beiden kleinen Räume an der Nordostecke des Corps de Logis gehandelt haben. Der unmittelbare Eckraum diente 1735 als Sommerkabinett, der in westlicher Richtung anschließende, das „Pouder-Cabinet“ als Schreibzimmer.[22]

Für ersteres überliefert das Inventar „ein gemahlt Tableau, worauf der Gasso nach Eroberung deß goldenen Vließes seine Opfer thut“ sowie neben Portraits auch eine Supraporte „worauf der Jupiter im goldenen Regen sich presentirt.“ Im Sommerkabinett gab es dagegen „ein Stück Gemahlts, den Alexander, wie er den gordischen Knoten zerhaut, vorstellend.“[23] Da nicht genau erkennbar ist, ob es sich hierbei jeweils um bewegliche oder fest eingelassenen Malereien handelte, muss alles Weitere offen bleiben.

Ausmalung der Kleinen Orangerie - der Wintergarten

Der eigentliche Schlossgarten des Saarbrücker Schloss lag östlich des Gebäudes, in Terrassen zur Saar abfallend und in der Ebene weitergeführt wobei zeitgenössische Pläne auch nord-westlich des Schlosses eine kleinere Gartenanlage zeigen.[24]

Wohl in Ergänzung zum eigentlichen Schlossgarten wurde am oberen Rand dieser kleineren Gartenanlage 1786/87 nach Plänen Balthasar Wilhelm Stengels die sog. „kleine Orangerie“ errichtet.[25] Sie lag vor dem nördlichen (d. h. linken) Schlossflügel, etwas nach Norden verschoben, aber in der Flucht des Schlossflügels und ihre Vorderfront bildete wohl einen Teil der Einfassung des Vorhofes.[26] Somit war die Fassade, wie für Orangerien sinnvoll, nach Süden ausgerichtet und vom Gelände vor dem Schloss aus sichtbar. Der sommerliche Standplatz der Orangeriepflanzen lag dabei allerdings recht weit entfernt von dem Gebäude.[27]

Das Orangeriegebäude war auf rechteckigem Grundriss errichtet und besaß eineinhalb Stockwerke zu sieben Achsen unter einem einfachen Satteldach. Die einzelnen Achsen waren durch rustizierte Lisenen getrennt, die beiden Stockwerke durch ein einfaches Gesimsband. Während die unteren Fenster hochrechteckig angelegt waren, handelte es sich bei den oberen um Rundfenster. Die Mittelachse war breiter angelegt und durch einen niedrigen Dreiecksgiebel betont, hier befand sich ein zuletzt vermauertes, mit Segmentbogen geschlossenes Portal.[28] Inwieweit es sich dabei tatsächlich ursprünglich um eine Durchfahrt handelte[29] muss offen bleiben, da dies der überlieferten Beschreibung des Innenraums zu widersprechen scheint. Durch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und die Errichtung des Kreiskulturhauses an ihrer Stelle ist jedenfalls keine Überprüfung mehr möglich.

Die erwähnte Beschreibung stammt von dem bekannten Schriftsteller Adolph Freiherr (von) Knigge (1752-1796) der sich mehrfach in Saarbrücken aufhielt: „Neben dem Schlosse ist noch ein sogenannter Wintergarten angelegt, den ich Ihnen genauer beschreiben muß. Ueber einem niedlichen Bosquette ist ein großes Haus gebauet, oder vielmehr in einem weitläufigen Gebäude sind Pflanzungen angelegt. Die Säulen, worauf dieser ungeheure Saal ruht, sind mit Baumrinde bekleidet und scheinen also Bäume zu seyn; die Decke, wo sie hie und da durch das Gebüsch hindurch sichtbar wird, ist wie der Luft=Himmel gemalt; Fenster und Oefen sind durch Hecken und Bäume maskirt; so, daß man mitten im Winter die Täuschung hat, an einem schönen Sommertage in einem kleinen englischen Garten spazieren zu gehen. Da findet man dann vielerley Arten ausländischer und einheimischer Stauden, Gewächse, Blumen, Früchte; Vögel fliegen in den Gebüschen herum und beleben mit ihrem wilden Gesang die Scene; In einer kleinen Grotte sprudelt frisches Wasser und das Ganze ist in der That überraschend, wenn rund umher die Erde mit Schnee bedeckt ist, die entblätterten Bäume traurig da stehen und man dann in dies Gebäude tritt und auf einmal zurück in den Julius=Monat gezaubert wird.“[30]

Demnach war also im Inneren durch Bemalung der Decke und plastische, sicher auch gemalte Dekoration der Wände und lebende Pflanzen der Eindruck einer Waldszenerie geschaffen.

Zwar gab es solche „Wintergartenräume“ durchaus auch andernorts, teilweise ebenfalls mit plastischen bzw. gemalten Dekorationen als Hintergrund für die Pflanzen und Tiere[31], die Anregung für die Dekoration in Saarbrücken dürfte aber vermutlich im Bereich des Theaters und der Bühnenbildmalerei zu suchen sein. Balthasar Wilhelm Stengel war nämlich als Theaterarchitekt tätig, er entwarf auch für Saarbrücken im Auftrag des Fürsten ein Schauspielhaus, das im gleichen Jahr (1787) errichtet wurde und auch architektonisch in den Detailformen mit der Orangerie vergleichbar war.[32] Hinzu kam, dass er selbst Theaterstücke inszenierte und, ebenso wie seine Frau, als Schauspieler auftrat, zudem fand er wohl bei Fürst Ludwig hierfür ein offenes Ohr, denn dieser engagierte niemand geringeren als den berühmten August Wilhelm Iffland für Saarbrücken. Zudem machte Fürst Ludwig das Schauspielhaus auch den Bürgern zugänglich - abgesehen davon, dass er und die Mitglieder des Hofes bei Aufführungen häufiger mitwirkten.[33]

Leider sind die ausführenden Künstler dieses ungewöhnlichen Werks unbekannt, ebenso, ob es vielleicht seinerseits ebenfalls als Ort für Theateraufführungen genutzt wurde.

Schriftquellen

Die schriftliche Quellenlage zum Saarbrücker Schloss ist denkbar ungünstig, was bereits Karl Lohmeyer 1911 beklagte.[34] Die wenigen erhaltenen Archivalien der Grafschaft Nassau-Saarbrücken befanden sich 1932 überwiegend als Bestand 22 im Koblenzer Staatsarchiv und wurden mit dieser Angabe z. B. von Walter Zimmermann im Kunstdenkmälerinventar zitiert. 1979 erfolgte die Übergabe als Depositum an das Landesarchiv Saarbrücken, wo sie heute (mit gleichen Aktennummern) den Bestand N-S II bilden. Von besonderer Bedeutung ist ein 1753 erstelltes Inventar des Schlosses und seiner Nebengebäude, das eine Rekonstruktion der Raumnutzung ermöglicht.[35] Für die Jahre 1789-91 sind zudem die Rechnungen der Baukasse erhalten, aus denen aber naturgemäß nur die erwähnten, späteren Veränderungen bzw. Reparaturen am Schloss und den Malereien ablesbar sind.[36]

Bibliographie

  • Baulig, Josef: Der ehemalige barocke Schlossgarten in Saarbrücken. Denkmalpflegerische Aspekte bei der Umgestaltung, in: Dittscheid, Hans-Christoph; Günthlein, Klaus (Hrsg.); Tücks, Barbara (bearb.): Die Architektenfamilie Stengel. Friedrich Joachim (1694-1787). Johann Friedrich (Fjodor Fjodorowitsch, 1746-1846?). Balthasar Wilhelm (1748-1824), Petersberg 2005, S. 63-81.
  • Dittscheid, Hans-Christoph; Günthlein, Klaus (Hrsg.); Tücks, Barbara (bearb.): Die Architektenfamilie Stengel. Friedrich Joachim (1694-1787). Johann Friedrich (Fjodor Fjodorowitsch, 1746-1846?). Balthasar Wilhelm (1748-1824), Petersberg 2005.
  • Dimmig, Oranna: Pläne zum Wiederaufbau des Saarbrücker Schlosses von Johann Adam Knipper d. Ä 1805 und Balthasar Wilhelm Stengel 1806/07, in: Dittscheid, Hans-Christoph; Günthlein, Klaus (Hrsg.); Tücks, Barbara (bearb.): Die Architektenfamilie Stengel. Friedrich Joachim (1694-1787). Johann Friedrich (Fjodor Fjodorowitsch, 1746-1846?). Balthasar Wilhelm (1748-1824), Petersberg 2005, S. 241-253.
  • Güthlein, Klaus: Balthasar Wilhelm Stengels Theaterbauten und Theaterentwürfe, in: Dittscheid, Hans-Christoph; Günthlein, Klaus (Hrsg.); Tücks, Barbara (bearb.): Die Architektenfamilie Stengel. Friedrich Joachim (1694-1787). Johann Friedrich (Fjodor Fjodorowitsch, 1746-1846?). Balthasar Wilhelm (1748-1824), Petersberg 2005, S. 219-239.
  • Heinlein, Stefan: Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken und seine Vision vom himmlischen Jerusalem. Ein Held in den Künsten des Friedens. Dem Fürsten zum 300. Geburtstag, Heidelberg 2019. Online unter: https://books.ub.uni-heidelberg.de/arthistoricum/reader/download/444/444-17-85937-2-10-20190925.pdf
  • Jung, Michael: Saarbrücken und St. Johann während der Fürstenzeit (1741-89), in: Wittenbrock, Rolf (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 1: Von den Anfängen bis zum industriellen Aufbruch (1860), Saarbrücken 1999, S. 353-454.
  • Knigge, Adolph Freiherr: Briefe auf einer Reise aus Lothringen nach Niedersachsen geschrieben, Hannover 1793.
  • Lohmeyer, Karl: Friedrich Joachim Stengel. Fürstäbtlich-fuldischer Ingenieur, Hofarchitekt, fürstlich nassau-usingen’scher Baudirektor, herzoglisch sachsen-gothaischer Rat und Baudirektor, fürstlich-nassau-saarbrückischer Generalbaudirektor, würklicher Kammerrat und Forstkammerpräsident pp. 1694-1787 (Mitteilungen des historischen Vereins für die Saargegend XI), Düsseldorf 1911.
  • Maurer, Alfred: Die Baugeschichte des Saarbrücker Schlosses und deren Erforschung. In: Karbach, Jürgen; Thomes, Paul (Hrsg.): Beiträge zum Stengel-Symposion anläßlich des 300. Geburtstages von Friedrich Joachim Stengel am 29./30.9.1994 im Saarbrücker Schloß. (= Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend. 43,1995), Saarbrücken 1995, S. 177–217.
  • Mönig, Roland (Hrsg.): Staatsmann - Feldherr - Städtebauer. Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken 1718-2018, Saarbrücken 2018.
  • Olschewski, Eckhard: Die Schlösser in Saarbrücken und Biebrich. Zwei Residenzen des Grafenhauses Nassau-Saarbrücken - ein Beitrag zur Schloßarchitektur mindermächtiger Reichsfürsten im 18. Jahrhundert, Weimar 2001.
  • Paul, Minoti: Der Ludwigsberg. Fürstliche Gartenkunst in Saarbrücken (1769-1793) (Echolot. Historische Beiträge des Landesarchivs Saarbrücken 8), Saarbrücken 2009.
  • Sander, Eckhart: Das Saarbrücker Schloss in barockem Glanz. Eine historische Entdeckungsreise, Saarbrücken 2006.
  • Wittenbrock, Rolf (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 1: Von den Anfängen bis zum industriellen Aufbruch (1860), Saarbrücken 1999.
  • Zimmermann, Walther: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Stadtkreises Saarbrücken, Düsseldorf 1932.

Einzelnachweise

  1. Zur Baugeschichte des Renaissanceschlosses: Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 110-116.
  2. Olschewski, Schlösser, 2001, S. 45-48 mit Nennung der einzelnen Maßnahmen. Zum Einfluss Wilhelm Heinrichs auf das Stadtbild auch Heinlein, Wilhelm Heinrich, 2019, S. 167-198.
  3. Die Darstellung der Planungs- und Baugeschichte nach Lohmeyer, Friedrich Joachim Stengel, 1911, S. 98-105 (S. 98-99 ausführliches Zitat aus Stengels Bericht über das alte Schloss); Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 116-120; Olschewski, Schlösser, 2001, S. 60-76 (mit älterer Literatur).
  4. Olschewski, Schlösser, 2001, S. 63.
  5. Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 117.
  6. Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 121-122.
  7. Lohmeyer, Friedrich Joachim Stengel, 1911, S. 104-105.
  8. Vgl. den Grundriss des wiederaufgebauten Schlosses bei Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 120. Zu den Wiederaufbauplänen Dimmig, Wiederaufbau, 2005.
  9. Die Unklarheiten zwischen Befund und historischem Planmaterial müssen an dieser Stelle außen vor bleiben. Vgl. hierzu die Beschreibung bei Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 117-121 und die Abbildungen der verschiedenen historischen Pläne bei Olschewski, Schlösser, 2001, S. 192-199 sowie die daraus entwickelten Beschreibungen ebd., S. 52-56. Die genauesten und übersichtlichsten Angaben zur Raumaufteilung bei Sander, Schloss, 2006.
  10. Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 121, ebd. Abb. 80 u. S. 122, Abb. 81.
  11. Eine historische Ansicht bei Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 118, Abb. 77, heute im Saarlandmuseum Saarbrücken: https://www.bildindex.de/document/obj18800076
  12. Benannt nach den damaligen Eigentümern. Abgebildet bei Olschewski, Schlösser, 2001, Abb. 10-12; ein zweiter Satz Pläne waren die sog. „Erbach-Pläne“ abgebildet ebd. Abb. 11-15.
  13. Vgl. hierzu die Grundrisse und Angaben bei Sander, Schloss, 2006, S. 222-227.
  14. Olschewski, Schlösser, 2001, S. 54.
  15. Bei Sander, Schloss, 2006, S. 226 sind nur die Räume des Prinzen Ludwig eingetragen, da die Angaben auf dem Inventar von 1753 beruhen und die beiden Prinzessinnen Anna Karoline und Wilhelmine Henriette zu diesem Zeitpunkt erst ein bzw. zwei Jahre alt waren.
  16. Vgl. hierzu die Angaben bei Sander, Schloss, 2006, und das ebd. S. 154-195 abgedruckte Inventar der eigentlichen Schlossräume. Ebd., S. 229-230, Plan 2.1 u. 2.2, Angaben über die Anbringungsorte von Supraporten.
  17. Alle folgenden Größenangaben nach Sander, Schloss, 2006, hier S. 24.
  18. Zitate nach Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 119. Zimmermann nennt als Quelle die Baukassenrechnungen, heute Landesarchiv des Saarlandes Best. N-S II, Nr. 2220-2224.
  19. Zit. nach Lohmeyer, Friedrich Joachim Stengel, 1911, S. 102-103.
  20. Zit. nach Sander, Schloss, 2006, S. 163, vgl. dazu auch die Angaben ebd., S. 63.
  21. Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 119.
  22. Sander, Schloss, 2006, S. 41-48; S. 224, Plan 1.1
  23. Zit. nach Sander, Schloss, 2006, S. 161.
  24. Und zwar bereits vor dem Bau der Orangerie: Plan des Hofgärtners Koellner v. 1761, abgebildet bei Baulig, Schlossgarten, 2005, S. 66, Abb. 6. Ebd., S. 63, Abb. 1 eine aktuelle Luftaufnahme des Schlosses auf der der ehemalige Standort der kleinen Orangerie zu erkennen ist.
  25. Nach Götz, Orangerien, 1971, S. 382 soll sich in der Baukassenrechnung 1789 eine knappe Kostenübersicht für den Bau befinden: Landesarchiv des Saarlandes Best. N-S II, Nr. 2219, Bl. 27 (hier nicht eingesehen).
  26. Vgl. zur Lage das Luftbild bei Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 121, Abb. 80.
  27. Götz, Orangerien, 1971, S. 382.
  28. Abbildung der Orangerie bei Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 123, Abb. 82.
  29. So Zimmermann, Kunstdenkmäler, 1932, S. 121.
  30. Knigge, Briefe, 1793, S. 10-11.
  31. Götz, Orangerien, 1971, S. 386-390.
  32. Es besaß gleiche, oberhalb eines Gesimses gelegene Rundfenster.
  33. Güthlein, Theaterbauten, 2005, S. 221. Zur Saarbrücker Theaterkultur auch Jung, Saarbrücken und St. Johann, 1999, S. 444-445.
  34. Lohmeyer, Friedrich Joachim Stengel, 1911, S. 102
  35. Landesarchiv des Saarlandes, Best. N-S II, Nr. 2856. Bei Sander, Saarbrücker Schloss, 2006, S. 154-210 ist der das eigentliche Schlossgebäude betreffende Teil im Wortlaut ediert, die Angaben zu den Nebengebäuden z. T. zusammengefasst.
  36. Landesarchiv des Saarlandes, Best. N-S II, Nr. 2217-2230.