Rudolstadt, Apanagesitz Ludwigsburg

Laß, Heiko:Rudolstadt, Apanagesitz "Ludwigsburg", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/ea82b298-0e60-4394-b623-b1e6035714de

Inventarnummer: cbdd10218

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Die Ludwigsburg wurde 1734-42 erbaut. Der ehemalige Hauptsaal mit seiner Deckenmalerei von Christian Vogel hat sich erhalten. Es stellt den Dank an Ludwig Günther II. für das Beschenken der Künste sowie die vier Jahreszeiten dar. Hinzu kommt ein Deckgemälde aus dem Appartement seiner Gemahlin.

Rudolstadt, Schloss Ludwigsburg
Rudolstadt, Schloss Ludwigsburg

Schloss Ludwigsburg in Rudolstadt

Kurzbeschreibung und Lage

Schloss Ludwigsburg[1] lag ehemals außerhalb der eigentlichen Residenzstadt Rudolstadt unterhalb des Residenzschlosses Heidecksburg. Es setzt sich aus einer unregelmäßigen Dreiflügelanlage und einem Torbau zusammen. Zwischen Schloss und Torbau erstreckte sich ein Garten, zu dem auch eine Orangerie gehörte.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

An Stelle der Ludwigsburg soll sich die 1345 zerstörte Niedere Burg befunden haben. Später stand hier ein adeliges Gut, das 1707 von der Rudolstädter Kammer erworben wurde. An seiner Stelle steht heute Schloss Ludwigsburg, dessen Grundsteinlegung 1734 erfolgte. Pläne zu dessen Anlage waren bereits 1732 durch Johann Jakob Rousseau aus Dresden erstellt worden. Vermutlich stehen Planung und Baubeginn in Zusammenhang mit der 1733 erfolgten Hochzeit des Bauherrn Prinz Ludwig Günther II. mit Prinzessin Sophie Henriette Reuß zu Untergreiz. Die Planungen Rousseaus wurden nur vereinfacht ausgeführt, eventuell von David Steingruber aus Ansbach. 1744 war das Schloss vollendet, aber bereits seit 1742 bewohnt.

Ludwig Günther war lediglich ein apanagierter Prinz und die Ludwigsburg lediglich ein Apanagesitz. Erst nach dem erbenlosen Tod seines Neffen Johann Friedrich 1767 verließ er die Ludwigsburg und zog in das Residenzschloss Heidecksburg um. Bereits 1757 war im Schloss die Gründung eines der frühesten Naturalienkabinette in Thüringen erfolgt. Nun kam in der Ludwigsburg eine Zeichenschule unter. Die Nutzungen wechselten die nächsten 200 Jahre. 1993-97 erfolgten eine letzte Sanierung sowie ein Umbau des Gebäudes, das seit 1998 Sitz des Thüringer Rechnungshofes ist.

Beschreibung

Das Hauptgebäude ist eine unregelmäßige dreigeschossige Dreiflügelanlage mit Mansardwalmdach. Sie öffnet sich nach Süden. Die Seitenflügel schließen in unterschiedlichen stumpfen Winkeln an den Hauptflügel an. Vor allem im östlichen Seitenflügel sind Reste des Vorgängerbaus integriert. Die Fassadengliederung mit Lisenen und Wandfeldern ist bis auf ein Gurtgesims, das Sockelgeschoss und Hauptgeschoss voneinander trennt, weitgehend aufgemalt. Der Hauptflügel ist symmetrisch gegliedert. Seine Nordseite umfasst 15 Achsen, die Südseite zehn. Die mittleren vier Achsen werden jeweils durch einen Mittelrisalit unter Dreiecksgiebel zusammengefasst. An der Nordseite befindet sich das Allianzwappen Ludwig Günthers und Sophie Henriettes im Giebel, an der Südseite das Schwarzburger Wappen im Lorbeerkranz unter einem Fürstenhut, umgeben von Trophäen – Ludwig Günther war ein anerkannter Militär.

Im Sockelgeschoss sind zu beiden Seiten des Mittelrisalits Durchfahrten angelegt, die das Gebäude erschließen. Von den Durchfahrten gelangt man in eine östliche bzw. westliche Eingangshalle, an die sich an den Außenseiten zwei Treppenhäuser anschließen, über die man das Hauptgeschoss erreicht. Sie führen auf je einen offenen Vorsaal, zwischen denen sich der zentrale Hauptsaal befindet. Zugleich gelangt man von hier auch in die beiden Seitenflügel, von denen der westliche das Appartement Ludwigs Günters und der östliche das Sophie Henriettes aufnahm. An den Außenseiten erschließen Korridore je zwei zum Garten hin weisende Räume. An den Enden der Flügel waren Kabinette gelegen. Zwischen Appartements und Hauptsaal befindet sich ferner je ein Vorraum. Diese Funktionsaufteilung mit zwei Treppenhäusern entspricht annähernd den Staatsgemächern im Westflügel des Residenzschlosses Heidecksburg.

Forschungsstand

Der Forschungsstand zu Schloss Ludwigsburg beschränkt sich weitgehend auf das alte Großinventar von Ende des 19. Jahrhunderts und zwei Aufsätze vom Ende des 20. Jahrhunderts.[2] Die Malerei wurde, abgesehen von einer Dissertation zur Monumentalmalerei in Thüringen von 1984, bislang nicht untersucht.[3]

Der Hauptsaal

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Der Hauptsaal[4] wurde zwischen 1740 und 1742 vollendet. Die Stuckaturen von Tobias Müller werden auf ca. 1741 datiert. 1970 und dann noch einmal im Zuge des Umbaus zum Thüringer Rechnungshof wurde der Saal restauriert.

Beschreibung

Der annähernd quadratische Hauptsaal durchmisst die ganze Tiefe des Hauptflügels zwischen den Mittelrisaliten und reicht über zwei Geschosse. Nord- und Südseite nehmen Fenster auf, im Westen und Osten befinden sich jeweils zwei Türen mit je einem Kamin in der Mitte. Die Wände sind mit kannelierten korinthischen Kolossalpilastern gegliedert, die ein profiliertes, doppeltes Gesims tragen. Der schlichte Stuck zeigt im Flachrelief Schilde mit Blumenkörben, Bandelwerk und über den Kaminen vollplastische Putten. Die flach gewölbte Spiegeldecke ist mit Laub- und Bandelwerk verziert, in das neben fünf Deckengemälden auch der steigende Schwarzburger Löwe und der Reichsadler sowie das Monogramm des Bauherrn und das seiner Gemahlin stuckiert sind. Die Decke des Saals bzw. der ganze Raum setzen damit das Paar in Bezug zur Dynastie und zum Reich. Hinzu kommen stuckierte Fahnen und Trophäen.

Dank an Ludwig Günther II. für das Beschenken der Künste

 

Beschreibung

Das Hauptbild[5] der Decke zeigt in seiner Mitte einen Genius, der eine mit Fürstenhut bekrönte Kartusche hält. Sie präsentiert das Monogramm Ludwig Günthers II. Minerva ist im Begriff, den Genius mit einem Lorbeerkranz zu krönen, während Apoll aus einer kleinen Truhe Schätze an die unter dem Genius befindlichen Künste verteilt. Zu diesen gehören die Musik und die Geometrie, die als weitere Genien dargestellt werden. Von links werden noch mehr Güter zur Verteilung herbeigetragen. Hinter Apoll erkennt man Pluto mit seinem Zweizack, der auf diese Gaben zeigt, während rechts von Minerva durch einen Genius zusätzliche Lorbeerkränze an andere Genien verteilt werden, die etwa für die Architektur stehen. Das Bild ist in der Ansichtigkeit auf den Westeingang hin ausgerichtet.

Vorlagen und Vergleiche

Die Darstellung folgt einem 1711 veröffentlichten Kupferstich von Gérard Audran, der ein Gemälde von Pierre Mignard wiedergibt, das 1685 in Schloss Versailles für die Kleine Galerie in den Privatgemächern Ludwigs XIV. geschaffen worden war.[6] Der Raum befand sich über der Botschaftertreppe und wurde wie diese 1752 zerstört. Das Gemälde und auch der Stich zeigen Apoll, wie er Geschenke an die Wissenschaften und Künste verteilt, während Minerva den Genius Frankreichs krönt. Die Lilie, die er in Händen hält, ist in Rudolstadt durch die Kartusche mit dem Monogramm Ludwig Günthers II. ersetzt. Alle Attribute wurden übernommen, teilweise aber sichtbarer dargestellt wie die Flöte der Musik. Die Medaillen mit dem Profil Ludwigs XIV., die von einer der Truhen herunterhängen, entstammen ebenfalls nicht der Vorlage.

Programm

Im Allgemeinen wird das Gemälde als Verherrlichung des Namenszuges Ludwig Günthers II. durch die mythologischen Götter interpretiert. Dazu werden Bezüge zum erneuerten Stamm Ludwig Günthers hergestellt[7] oder es wird sogar eine Apotheose des Bauherrn vermutet.[8] Doch ist das eigentliche Thema des Bildes nicht die Verherrlichung Ludwig Günthers II. durch die Götter, sondern das Gedeihen der Künste unter Ludwig Günther und sein Krönung durch Minerva für seine Unterstützung eben dieser Künste. Dieses Thema scheint einem apanagierten Prinzen angemessen, der politisch nicht tätig werden konnte.

Die vier Jahreszeiten

Beschreibung und Ikonographie

In den vier Ecken der Decke werden in vier ovalen Bildern Allegorien der vier Jahreszeiten präsentiert.[9] Die Malerei wird Christian Vogel zugeschrieben. Es handelt sich jeweils um sitzende Frauen, die von Putten begleitet werden.

Der Frühling in der Nordostecke zeigt die blumenbekränzte Flora mit einer Blumengirlande im Schoß. Ein strahlender Putto sitzt neben ihr, währen aus dem Boden die Blumen sprießen. Zephyr bringt einen Blumenkorb herbei. Im Hintergrund erkennt man Bäume im frischen Laub und zwei sich unterhaltende Putten oder Kinder.

Der Sommer in der Südostecke zeigt die mit Kornähren bekrönte Ceres mit Sichel und Korngarbe in ihren Händen. Sie sitzt am Eingang einer Höhle. Zu ihren Füßen schläft ein kleiner Junge, den ein Mädchen mit Kornähren in der Hand gerade enthüllt. Links betrachten zwei Putten auf Wolken die Szene.

Der Herbst in der Südwestecke wird als eine weintrinkende Frau dargestellt, die ein Putto mit einem Sternenreif krönt. Zu ihren Füßen lagert der Panther des Weingottes Bacchus. Zahlreiche Weinreben und drei Putten mit Weinschale und Trauben kommen hinzu.

Der Winter in der Südwestecke zeigt eine Frau am Meeresufer. Zwei Putten blasen kalten Wind, eine schmiegt sich an sie und eine vierte wärmt sich an einem Feuerkelch. Der Gruppe ist ein Löwe beigegeben.

Entwürfe

Auf Schloss Heidecksburg haben sich die Ausführungsentwürfe zu den vier Jahreszeiten erhalten.[10]

So genannter Raum vor dem Putzkabinett – Kabinett der Sophie Henriette

 

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Appartement[11] von Sophie Henriette war im Ostflügel gelegen. Am Ende des Flügels befanden sich mehrere Kabinette. Im mittleren schmalen Raum mit einem Fenster nach Süden hat sich Deckenmalerei von ca. 1740/42 erhalten.

Die Decke des Kabinetts

 

Befund

Die Deckenmalerei[12] in polychromer Ölfarbentechnik wird auf 1740/42 datiert. Bei der Sanierung des Gebäudes 1993-97 mussten aufgrund Schwammbefalls ca. 35 % der Decke entfernt werden. 2002 wurde die Malerei restauriert bzw. rekonstruiert.

Beschreibung

Die Decke fingiert einen grau in grau gemalten Stuck, der am Deckenspiegel eine Malerei rahmt. Vor einem grauen Wolkenhimmel präsentiert eine Putte eine Kartusche unter einem Fürstenhut. In ihr sind die verschlungenen Monogramme von Ludwig Günther und Sophie Henriette dargestellt: "LG" "SH". Aus dem Himmel über der Kartusche kommen Früchte und ein Tuch herab. Da der weiter oben folgende Teil der Malerei zerstört ist, ist unklar, zu wem das Tuch und die Früchte gehörten. Es gibt keine Fotos des Verlustes.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Thüringen, 2003. – Dehio, Georg: Thüringen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Stephanie Eißing und Franz Jäger. 2. Aufl. München/Berlin 2003.
  • Fleischer, Ludwigsburg, 1998. – Fleischer, Horst: Zur Geschichte der Ludwigsburg. In: Die Ludwigsburg in Rudolstadt. Festschrift anläßlich der Fertigstellung des Thüringer Rechnungshofes 1998. Erfurt 1998, S. 14-23.
  • Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894. – Lehfeldt, Paul: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Band I. Oberherrschaft. Amtsgerichtsbezirke Rudolstadt, Stadtilm, Königsee, Oberweissbach und Leutenberg. Jena 1894.
  • Scheurmann/Frank, Neu entdeckt 1, 2004. – Scheurmann, Konrad/Frank, Jördis (Hrsg.): Neu entdeckt. Thüringen. Land der Residenzen 1485 – 1918. Schloss Sondershausen, 14. Mai – 3. Oktober 2004. Katalog Bd. 1. Mainz 2004.
  • Ulferts, Schloßbau, 1997. – Ulferts, Edith: Der Schloßbau in Rudolstadt und seine Beziehungen zu Dresden. In: Der frühe Schloßbau und seine mittelalterlichen Vorstufen (Forschungen zu Burgen und Schlössern, 3). München/Berlin 1997, S. 63-74.
  • Unbehaun, Ludwigsburg, 1995. – Unbehaun, Lutz: Zur Baugeschichte der Ludwigsburg. In: Jahrbuch Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 4 (1995), S. 126-127.
  • Archivalien:
  • Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [73.168-0045]. Rudolstadt. Ludwigsburg Ostflügel. Arbeitsdokumentation. Deckengemälde und Ornamentik Raum 1.10. März 2002.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Thüringen, 2003, S. 1038; Fleischer, Ludwigsburg, 1998, S. 14-18; Ulferts, Schloßbau, 1997, S. 64-65; Unbehaun, Ludwigsburg, 1995; Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894, S. 52-53.
  2. Fleischer, Ludwigsburg, 1998, S. 14-18; Unbehaun, Ludwigsburg, 1995; Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894, S. 52-53.
  3. Tolksdorf, Monumentalmalerei, 1984, S. 26-27.
  4. Dehio, Thüringen, 2003, S. 1038; Fleischer, Ludwigsburg, 1998, S. 17; Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894, S. 53.
  5. Dehio, Thüringen, 2003, S. 1038; Fleischer, Ludwigsburg, 1998, S. 17-18; Tolksdorf Monumentalmalerei, 1984, S. 26-27.
  6. https://library.princeton.edu/versailles/item/904/index.html.
  7. Fleischer, Ludwigsburg, 1998, S. 18; Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894, S. 53.
  8. Tolksdorf, Monumentalmalerei, 1984, S. 27.
  9. Fleischer, Ludwigsburg, 1998, S. 18; Tolksdorf, Monumentalmalerei, 1984, S. 27; Lehfeldt, KDM Oberherrschaft, 1894, S. 53.
  10. Scheurmann/Frank, Neu entdeckt 1, 2004, S. 412. Die Entwürfe befinden sich im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg. BZ 319. Graphit, Feder und Pinsel in Schwarz und Grau, rot laviert. 36,4 x 45,8 cm.
  11. Fleischer, Ludwigsburg, 1998, S. 18.
  12. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv [73.168-0045]. Rudolstadt. Ludwigsburg Ostflügel. Arbeitsdokumentation. Deckengemälde und Ornamentik Raum 1.10. März 2002.