Riding, Pfarrkirche St. Georg


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 262–270, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
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RIDING

Pfarrkirche (Pfarrverband Reichenkirchen/Maria Thalheim). Gemeinde Fraunberg, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war Riding Monatspfarrei, die als Filialen die reiche Wallfahrtskirche Maria Thalheim (S. 209) und Hinterholzhausen (S. 146) hatte. An der Kirche bestand eine unbedeutende Wallfahrt zu einem wundertätigen Josephsbild. Die Josephsbruderschaft wurde 1724 confirmiert. Riding war Hofmark (ohne Schloß) im Besitz der Freiherren von Fraunberg (Hofmarksgericht Altfraunberg und Riding); der Hofmarksherr hatte zwar das Kirchenpatronat, nicht aber das Präsentationsrecht, Gericht Erding

Patrozinium: St. Georg (Schmidt: St. Georg und Katharina)

Zum Bauwerk: Umbau der mittelalterlichen Kirche 1698 durch den Erdinger Maurermeister Hans Kogler. Das LHs wurde um 2 Schuh erhöht (ca. 0,6 m), neu gewölbt, die Fenster vergrößert. Im Chor wurden die Gewölberippen abgebrochen. Innendekoration 1704, im gleichen Jahr Konsens zu einem neuen Hochaltar. 1706 nannte Pfarrer Kögler die Kirche »nit allein ney gewölbt, sondern auch schön und kostbar mit Stukhador und Mallereven gezieret« (AEM).

Der eigenartige, reiche, phantasievolle Stuck stammt mit Sicherheit vom Trupp des Christoph Schäffler aus Wessobrunn, der 1697-1701 für die Stuckierung von Isen nachgewiesen werden konnte (S. 169) und dem auch die Stuckierung in St. Wolfgang zuzuweisen ist (S. 275). Der Reichtum und die Variabilität des Formenrepertoires entsprechen denen in Isen und St. Wolfgang, die Vorliebe für figürliche Motive ist unübersehbar und geht weit über das in Wessobrunn zu dieser Zeit übliche Maß hinaus. Der Stuck zeigt Qualitätsunterschiede der einzelner

Partien. Er ist teils schwungvoll und gekonnt, sehr variabel in den Ornamentdetails, teils wieder unbeholfener. Auch in Riding zeigt sich also Schäfflers Truppe, wie in Isen, als eine kleine Schar unterschiedlich fähiger Stuckatoren, die aber, wohl angeregt durch das Genie Johann Baptist Zimmermanns, neue Wege in der allmählich stereotyp werdenden Wessobrunner Ornamentik suchte, die noch vom Akanthus bestimmt war. Johann Baptist Zimmermann war an den sehr schlecht erhaltenen und grob ausgebesserten Apostelfiguren auf den Pilasterkämpfern wohl entscheidend beteiligt, wenn auch die Mitarbeit anderer dabei anzunehmen ist. Die Köpfe einiger Apostel, Christi und Mariens sind gut, zum Teil zeigen sie schon das stille Pathos, das Zimmermanns spätere Figuren auszeichnet. Auch bei der Darstellung der Körper, der Gewänder der Haltung gibt es sehr gute, aber auch wieder unbeholfenere Partien, vergleichbar den Figuren in Isen und St. Wolfgang. Saal zu drei Jochen, Doppelempore im W, gleichmäßige Belichtung von N und S durch hohe Rundbogenfenster, im westlichen Joch durch hochsitzende kleinere Fenster. AR in gleicher Breite, einjochig mit 5/8 Schluß; Pilastergliederung Belichtung durch vier hohe Rundbogenfenster im Chor.

Auftraggeber: Kirchenumbau und Dekoration entstandener unter Pfarrer Martin Kögler von Riding (1696–1707). Hofmarksherr war Ferdinand Amadeus Joseph Freiherr von und zu Fraunberg und Riding (Wappen am Hochaltar).

1697, kurz nach dem Amtsantritt Köglers, unterstützte Fraunberg die Pläne zum Umbau der Kirche »in meiner Hofmarl Ridting ... und under meiner Jurisdiction: und meinem Khir chenschuz ligent« (AEM; Kögler war bei der Visitation 170 anderer Meinung: »Jus Patronatus in quantum scit Dominu

 
Der Kirchenraum
 

Parochus ad Reverendissimum Dominum Ordinarium spectat«). Beim Bau und über die Rechnungslegung kam es zwischen Pfarrer und Hofmarksobrigkeit zu Differenzen, die mit dem Weggang Köglers 1707 endeten.

Wer Stuckierung und Freskierung bezahlte, ist nicht mehr zu klären; der Hofmarksherr kommt in Frage, doch spricht die Wahrscheinlichkeit eher für den Pfarrer und private Guttäter (in Köglers Abrechnung des Umbaus scheint die Dekoration nicht auf). Pfarrer Kögler war im Auftreiben von Spender offenbar recht begabt: Ab 1704 sammelte er für den neuen Hochaltar, »zu welchen ich /: wann H: Baron v: Fraunberg gögen mir in ain und andern nit so gar odios gewesen were:/ und noch woll mehrern, als Orgl, Canzl, Stiell und marmolsteinen Pflaster, ohne des Gottshaus Entgelt die nothwendige Mitl aufzutreiben mir schon getraut hette« (13.4.1707, AEM) Die Josephsverehrung in Riding nahm während der Amtszeit Martin Köglers ihren Anfang.

Autor und Entstehungszeit: Johann Jakob Pletzger (* 1669 Berchtesgaden † 1722 Landshut) 1704. Signatur in A Johann Jakob Pletzger Maler / in Landshut A. 1704 (übermalt; die ursprüngliche Signatur ist unter der Übermalung noch zu erkennen).

Pletzger (auch Plazger, Plätzger usw.) wurde am 26.7.1665 in Berchtesgaden als Sohn des Gärtners Johann Balthasar Pletzger und der Justina Schilling geboren (AEM, Matrikeln Berchtesgaden). 1685 wird er als Malergeselle in Berchtesgaden genannt (Franz Martin, Berchtesgaden, Augsburg 1923, S. 36 Plazger). Damals war er zwanzigjährig. Von seiner Ausbildung ist nichts bekannt. Er heiratete spätestens 1696 Christina Walch und bekam das Bürgerrecht in Landshut am 7.6.1698 Nach seinem Tod am 13.7.1722 in Landshut führte zunächst die Witwe die Werkstatt weiter, 1724 heiratete die Tochter Maria Franziska den Maler Joseph Anton Abfalter.

Pletzgers Hauptwerk war die Ausmalung der Wallfahrtskirche Maria-Hilf und der Stationskapellen in Vilsbiburg 1701/04 (nicht erhalten). Sechs Altarblätter von seiner Hand befanden sich laut Meidinger in Landshut (davon ist keines mehr vorhanden, s. Markmiller, S. 254). Erhalten sind zwei Altarblätter in Rohr, Glorie des hl. Joseph, bez. 1721, und Schutzengel, bez. 1722, außerdem das Hochaltarblatt in Högldorf, St. Martin, bez. 1720 (zu Pletzger s. Markmiller, S. 254; Liedke, S. 28f. und S. 80; Lambert Grasmann, Die Kirchenrechnungen von Maria-Hilf in Vilsbiburg, in: Der Storchenturm 40, 1985, S. 111 f.).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A und B, 2-5 und 10-13) und AR (C, 1, 5-8) Tonne mit Stichkappe, im AR nach O abgemuldet

Rahmen: A, B und C kräftige, ornamentierte Stuckrahmen; 3-4, 11-12 runde Bildfelder in flachen Rollwerk-Kartuschen; 1–2, 5–10, 13 Ornamentkartuschen

Technik: Fresko; A, B, C polychrom, monochrom ocker, monochrom karmin

Maße: A Höhe 9,40 m; 3,00×3,00

B Höhe 9,40 m; 3,00×3,00

C Höhe 9,30 m: 5,10×3,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Erneutes Ausweißen des weiß gefaßten Raums 1744. 1846 polychrome Tünchung des Chors und Chorbogens. Baureparaturen 1884 anschließend Innenrestaurierung mit Reinigung der Fresker und Schließen der Risse durch den Wartenberger Maler Pius Zach. Nach Feuchtigkeitsschäden Ausbessern des Stucks und Neufassung der Raumschale 1901 durch den Erdinger Maler Martin Irl. Innenrestaurierung mit Neufassen des Raums 1956 durch Johann Eder, Vaterstetten. Außenrestaurierung seit 1990 (Turm), Sicherungsmaßnahmen am Dachstuhl 1993. Sanierung des Dachstuhls 1995. Durch die Schäden am Dachstuhl vor 1993 hatte sich das Gewölbe verzogen, worauf sich der Stuck lockerte. Die Kirche ist deshalb seit 1997 eingerüstet. Befunduntersuchung und Beginn der Freskenrestaurierung 1999 durch Michael Hornsteiner, Dorfen. Pletzgers Fresken sind zwar technisch gut ausgeführt, aber durch unsachgemäßen Reinigungsarbeiten, weit über die Schadensbereiche greifende Verkittungen, großflächige Übermalungen sowohl durch Zach als auch durch Eder sehr beeinträchtigt. Umfangreiche Befallserscheinungen von Mikroorganismen. Die Nebenbilder sind teilweise fast neu gemalt.

Beschreibung und Ikonographie

Drei Hauptbilder und dreizehn Nebenbilder zeigen das Leben, den Tod und die Glorie des hl. Joseph. Die Kirchenpatrone Georg und Katharina kommen im Deckenzyklus nur in Bild B als Fürbitter neben Joseph vor.

A TOD JOSEPHS (apokryph, Hennecke/Schneemelcher 1, S. 320) Zwei bildparallele Stufen, auf denen Putten sitzen und mit Schreinerwerkzeug spielen, führen zum Bildschauplatz empor, einem weiten hohen Raum mit Ausblick in einen Nebenraum am rechten Bildrand und einem weißgedeckten Tisch mit Arzneien am linken. In der Bildmitte steht das Sterbebett Josephs, der halb aufgerichtet an seinem Kissen lehnt. Neben ihm, im Bildvordergrund, sitzt Maria. Jesus steht hinter dem Bett und hat die Hand seines irdischen Vaters ergriffen, mit der Linken weist er auf einen großen Engel, der mit einem etwas kleineren am Fußende des Bettes kniet. Auf lichten Wolken dringt von oben Gottvater in den Sterberaum ein, umgeben von Putten, die Weltkugel neben sich. Über Gottvater schwebt die Taube des Hl. Geistes.

Schon sehr früh wurde angenommen, daß der Tod Josephs in der Zeit des gemeinsamen Lebens in Nazareth, vor dem öffentlichen Leben Jesu eingetreten sei. Die Anwesenheit Jesu beim Tod und sein Trost wurden als sicher angenommen (Frie. Cap. 21, S. Josephus sanctissime moritur, S. 115-27). Im großen Engel am Sterbebett ist Michael zu sehen, im kleinen der Schutzengel Josephs, denn als Joseph seinen Tod nahen fühlte, bat er Gott um die Anwesenheit Michaels und seines Schutzengels (Frie, S. 115 f.; schon Birgitta sah in ihren Visionen Engel beim Tod Josephs, s. Revelationes 6,59 und 7,25). Die Darstellung Gottvaters und des Heiligen Geistes über der Szene ist in der barocken Bildtradition eher ungebräuchlich. Im Zusammenhang des Ridinger Josephszyklus bindet sie die Gestalt des sterbenden Joseph in den Zusammenhang von himmlischer und irdischer Trinität ein (s. u. zum unmittelbar anschließenden Nebenbild 12) und stellt Jesus in den Mittelpunkt, der sowohl der geschaffenen als auch der ungeschaffenen Dreifaltigkeit angehört. Joseph, der ›Vater‹ der irdischen Trinität, wird in Beziehung gesetzt zu Gottvater, den »Vater« der himmlischen Trinität

B JOSEPH MIT MARIA UND DEN KIRCHENPATRONEN ALS FÜRBITTER Das zweite Hauptbild im LHs zeigt eine Wolkenszenerie. Unten links knien die beiden Kirchenpatrone Georg und Katharina von Alexandria. Georg gerüstet, hält die Lanze in der Hand, zu seinen Füßen ist der Drache zu sehen. Ein Putto hält seinen Helm. Katharina trägt die reiche, etwas historisierende Kleidung einer Prinzessin und hat ein Krönchen auf dem Haupt. Ihre Attribute, Martyrerpalme, Schwert und Rad weist ein Putto zu ihren Füßen vor. Gegenüber von diesen zwei Heiligen, auf der rechten Bildseite, näher im Bildvordergrund und darum größer dargestellt, kniet der hl. Joseph in violettem Gewand und gelbem Mantel. Mit der Rechten führt er schützend einen Zipfel seines Mantels über den blauen Erdball, der vor ihm auf den Wolken ruht; mit der Linken weist er fürbittend und empfehlend nach unten in den Kirchenraum. Ein Putto neben ihm stützt den Erdball und hält das Attribut Josephs, die Lilie.

In der Bildmitte kniet Maria, eine Krone auf dem Haupt. Sie blickt nach unten auf Joseph, agiert aber gleichzeitig nach oben, indem sie die Hand Christi erfaßt, der über ihr in Gestalt des Auferstandenen mit den Wundmalen erscheint, die strafenden Pestpfeile in der Hand. Zuoberst tragen mehrere Putten das Kreuz Christi.

Es ist ein Intercessio-Bild, basierend wieder auf dem Gedanken der irdischen Trinität. Josephs Mantel hat dabei eine große Bedeutung, als Symbol des Schutzes: Wie Joseph einst das Kind Jesus unter seinen Schutz genommen hat, nimmt er jetzt die Menschen in Schutz, und weil er das Kind Jesus in Schutz genommen hat, hat er das Recht, bei Christus für die Menschheit zu bitten und damit die Sündenstrafen abzuwenden.

C GLORIE DES HL. JOSEPH In einer lichten Himmelsszene sitzt der hl. Joseph auf thronartig angeordneten Wolken im Vordergrund, das Haupt von Strahlen umgeben. Er neigt sich leicht dem Jesusknaben zu, der an ihn gelehnt steht, und stützt ihn mit der Rechten. In der Linken hat er die Lilie. Der Jesusknabe segnet mit erhobenem Händchen. Ein Engel zeigt den Winkel als Attribut des Zimmermanns Joseph und hält einen Kranz aus roten und weißen Rosen hoch. Ein weiterer Engel und ein Putto haben den Zirkel als Zimmermannsattribut und einen grünen Kranz in Händen.

 
Das Langhausgewölbe mit A Tod Josephs, B Joseph mit Maria und den Kirchenpatronen als Fürbitter, und den Begleitfresken 3–4, 11–12
 
 
 
 
 
 

Gottvater thront links oben, das Zepter in Händen, das Haupt vom dreieckigen Nimbus hinterfangen. Er blickt nicht auf Joseph und den Jesusknaben, sondern direkt auf den Betrachter, während er mit der Linken eine sowohl segnende als auch auf die Taube des Geistes weisende Geste macht, die in einer hellen Strahlenglorie erscheint.

Joseph wird hier in seiner Stellung zur himmlischen Trinität gezeigt, als Beschützer einer der göttlichen Personen, in seiner ganzen Würde, die ihm aus dieser Eigenschaft zukommt. Die Lilie weist auf die Reinheit seiner ›Ehe‹ mit Maria, auf Josephs Eigenschaft als ›Nährvater‹ Jesu, die Zimmermannswerkzeug auf seine irdische Sorge für das Kind und seine Mutter. Der grüne Kranz erinnert an den grünenden Stab bei Josephs Vermählung und hat hier wohl die Bedeutung eines Brautkranzes als Hinweis auf seine jungfräuliche Ehe. Der Kranz aus weißen und roten Rosen könnte sich – analog zu den roten und weißen Rosen des Freudenreichen und Schmerzhaften Rosenkranzes – auf die ›Sieben Freuden‹ und ›Sieben Schmerzen‹ Josephs beziehen (Neue Himmels=Porten).

1-13 SZENEN AUS DEM LEBEN DES HL. JOSEPH In dem Gewölbezwickeln von LHs und Chor sowie an der W-Seite des Gewölbescheitels im Chor befinden sich Stuckkartuschen mit einer Folge von Szenen aus dem Josephsleben, Szenen, die zum großen Teil natürlich auch Marien- bzw. Kindheit-Jesu-Szenen sind, da sich die Bedeutung Josephs ausschließlich auf sein Wirken in der hl. Familie gründet.

 
 
Darbringung im Tempel
 
 
8 Flucht nach Agypten
 
 

1 VERMÄHLUNG JOSEPHS MIT MARIA (Protoevangelium des Jakobus 9,2f.) In einem Tempelraum ist in der Mitte ein Hoherpriester dargestellt. Vor ihm stehen Maria und Joseph und reichen sich die Hand. Von den drei Assistenzfiguren ist die linke, ein bärtiger Mann, durch seinen Hirtenstab als Joachim gekennzeichnet; von den Frauen rechts bei Maria dürfte die vordere wohl Anna sein (Abb. S. 269).

2 ERSTER TRAUM JOSEPHS (Zweifel Josephs, Mt 1,25) Joseph, ein geschnürtes Bündel neben sich, sitzt schlafend an einem Tisch. Ein Engel faßt Joseph am Arm und weist zum Himmel. Nach der Vermählung fand die Verkündigung an Maria statt, und »... es begab sich, ehe sie miteinander lebten, daß sie empfangen hatte vom Heiligen Geist. Da aber Joseph, ihr Mann, gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, gedachte er, sie im stillen zu entlassen. Während er das überlegte, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traume und sprach zu ihm: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen, denn was in ihr gezeugt ist, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesu geben ... Als nun Joseph vom Schlafe erwachte, tat er, wie der Engel des Herrn ihn geheißen«. Die Szene vom Traum Josephs ist von großer Bedeutung in der Josephsikonographie, weil in ihr die Göttlichkeit des Kindes bestätigt wird und Joseph den ausdrücklichen Auftrag für seine Rolle in der Heilsgeschichte erhält.

3 HEIMSÜCHUNG (Lc 1,39-45) Maria und Elisabeth begrüßen sich an der Türe des Hauses von Elisabeth und Zacharias, der im Hintergrund im Türrahmen erscheint. Joseph, der Maria zu Elisabeth begleitet hat, steht seitwärts unter einem Baum beim Packesel. Während ihrer Schwangerschaft ging Maria zu Elisabeth, die ihrerseits Johannes erwartete. Bei Lukas ist nicht erwähnt, daß Joseph bei ihr war, doch seit der Spätgotik erscheint dieser oft als ihr Begleiter und Beschützer, im Barock fast immer.

4 GEBURT JESU/ANBETUNG DER HIRTEN (Lc 2,15-17) Das Bild zeigt den Stall von Bethlehem. Die Krippe mit dem Jesuskind steht in der Bildmitte, hinter ihr kniet Maria, die Hände über der Brust gekreuzt. Neben ihr steht Joseph, seitlich sind Ochs und Esel zu sehen. Ein Hirte kniet vor der Krippe, zwei weitere Hirten kommen heran.

5 ANBETUNG DER KÖNIGE (Mt 2,11) Maria sitzt vor dem Stall und hält das Kind auf ihrem Schoß. Joseph leuchtet mit der Laterne. Links sind die Heiligen Drei Könige herangekommen und bringen ihre Gaben.

6 BESCHNEIDUNG JESU (Lc 2,21) Tempelinnenraum, in den von oben Licht eindringt. Ein Hoherpriester nimmt die Beschneidung vor, in Anwesenheit Marias und Josephs. Ein Knabe bringt zwei Kännchen und ein weißes Tuch. Die Beschneidung mußte am achten Tag nach der Geburt vollzogen werden und war mit der Namensgebung verbunden, zu der der Engel im ersten Traum Joseph legitimiert. Die Beschneidung war das erste offizielle Auftreten Josephs als Vater des Jesusknaben.

7 DARBRINGUNG IM TEMPEL (Lc 2,22-28) Tempelraum. Von links kommen vier Personen. Maria geht voran und trägt zwei weiße Tauben in einem Ställchen. Joseph trägt das Kind Jesus. Dahinter kommen ein bärtiger Mann und eine Frau, in denen man den greisen Simeon und die Prophetin Hannah vermuten kann. »Und als die Tage ihrer (Marias) Reinigung nach dem Gesetz des Moses vollendet waren, brachten sie ihn (Jesus) hinauf nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen... und um ein Opfer zu bringen, nach der Vorschrift

RIDING

im Gesetze des Herrn ein paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

Die Genreszenen aus dem häuslichen Leben der heiligen Familie basieren auf dem letzten Passus der Erzählung vom zwölfjährigen Jesus im Tempel: »Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan« (Lc 2,56). In Barock erlebten sie eine Blütezeit infolge der neuen Vergegenwärtigung des intimen Lebens in der Heiligen Familie. Hatte man bisher Josephs Lebensleistung als Beschützer und Nährvater eher aus der Sicht Mariens und des Kindes gesehen, so versetzte man sich jetzt in die Gefühle Josephs und stellte sich die Freude vor, die er täglich durch den Umgang mit dem kleinen Gotteskind erlebte (Frie, S. 70 f.).

Zunächst war das Thema der Heiligen Familie bei Tisch auf das gemeinsame Essen im Haus von Nazareth beschränkt. Daraus entwickelte sich im 17. Jh. die moralisierend-didaktische Version vom Tischgebet der Heiligen Familie (s. Mikuda-Hüttel, Abb. 44, S. 221; zum Alltagsleben der Hl. Familie s. ebda, S. 105–25).

12 DIE IRDISCHE TRINITÄT / DER HEILIGE WANDEL Jesus geht zwischen Maria und Joseph, Joseph hält ihn an der Hand. Das Bildthema der Heimkehr nach Nazareth nach dem Wiederauffinden Jesu im Tempel (Lc 2,41-51) wurde im frühen 17. Jahrhundert von einer szenischen Darstellung zum Kultbild, was eine Aufwertung der Person des hl. Joseph bedeutete, der »in seiner bildhaften Vergegenwärtigung damit erstmals als mit Jesus und Maria gleichberechtigt erschien ... Der Heilige Wandel geht mit der nachtridentinischen Propagierung der Josephsverehrung einher« (Schmidt, S. 250). Die ursprüngliche und nie aufgegebene Form des Heiligen Wandels verband die irdische und die himmlische Trinität durch die Darstellung von Gottvater und dem Heiligen Geist über der Gruppe von Jesus, Maria und Joseph, wobei Jesus das Bindeglied zwischen himmlischer (unerschaffener) und irdischer (erschaffener) Trinität darstellt, da er beiden angehört.

Der vereinfachte Bildtyp des Heiligen Wandels ohne Gottvater und Hl. Geist tritt an prominenter Stelle 1637 in der plastischen Gruppe auf, die Kurfürst Maximilian I. für die Fassade der Jesuitenkirche in Burghausen stiftete. Auch auf dem Brüderschaftsaltar in Riding steht eine solche Gruppe.

13 DAS VERBORGENE LEBEN IN NAZARETH / JESUS HILFT JOSEPH BEI DER ARBEIT In einer friedlichen Genreszene vor dem Haus von Nazareth, an dessen Ecke ein Bäumchen wächst, ist Maria auf einer Bank sitzend und Wolle aufwickelnd dargestellt. Joseph arbeitet an einem Brett rechts, und Jesus ist zu ihm hingeeilt, um ihm zu helfen. Frie hebt hervor, daß der Gottessohn Jesus während der Zeit in Nazareth Joseph wie seinem leiblichen Vater untertan war und ihm bei der Zimmermannsarbeit half (Frie, S. 82 f.). Der Gedanke der Teilnahme des Jesusknaben an der Arbeit Josephs scheint dazu angetan, die Herzen zu rühren und den Gottesknaben den Menschen nahezubringen, vor allem den hart arbeitenden Menschen auf dem Land. Tatsächlich ist es aber so, daß das Thema in der Freskomalerei, deren Absicht es nicht zuletzt war, dem Volk die Glaubenswahrheiten sinnlich und gefühlsmäßig begreifbar zu machen, selten aufgegriffen wurde; hier in Riding übrigens auch nur in einem der zwei schlecht einsehbaren Bildfelder über der Orgelempore.

Das ausführliche Josephsprogramm in Riding ist bei einer Landkirche dieser Zeit ungewöhnlich. Der Josephskult war in Altbayern erst in der zweiten Hälfte des 17. Jh. aufgeblüht. Sowohl der Orden der Jesuiten als auch der der Karmeliten förderten den neuen Kult nach Kräften, die Jesuiten propagierten die Bruderschaft des hl. Wandels Jesus, Maria und Joseph (Isen 1660, Weihenlinden 1664, München Josephspital 1676), die Karmeliten die Josephsbruderschaft (1663 München, Karmeliterkirche, 1664 Abensberg, 1681 Altötting, 1724 Riding, s. Josef Krettner, Erster Katalog von Bruderschaften in Bayern, München-Würzburg 1980). Kurfürst Ferdinand Maria ernannte 1664 den hl. Joseph feierlich zum Schutzherrn des Kurhauses und Patron Bayerns. Zunächst blieb der neue Kult eher eine Devotion des Adels und der Gebildeten als des einfachen Volkes, wurde jedoch im Laufe des 18. Jh. populärer, bis er im 19. Jh. eine Blütezeit erlebte. Wichtig für die Popularität des Josephskults war das Buch des Jesuiten P. Michael Frie, »Vita S. Josephi Jesu Nutritii et Deiparae Sponsi ...«.

 
Glorie des hl. Joseph, 1 Vermählung (oben)

(München 1678), in dem eindringlicher als vorher das Glück vergegenwärtigt wurde, das trotz Mühen und Entsagung dem hl. Joseph durch die enge Gemeinsamkeit mit dem Gotteskind beschert war.

In Riding setzte die Josephsverehrung zu Beginn des 18.Jh. ein, initiiert von Pfarrer Martin Kögler. Der Visitationsbericht 1701 nennt das Josephsfest am 19. März noch nicht als Fest, das in Riding feierlich begangen wurde, auch war damals noch keine Bruderschaft vorhanden. 1707 wird der Josephstag als eines der Ridinger Hauptfeste genannt. Dazwischen liegt die Ausmalung der Kirche 1704. Für 1705 ist belegt, daß Pfarrer Kögler Spenden für seine Kirche im Namen des hl. Joseph erbat: Der Pfarrer von Lengdorf überließ der Ridinger Kirche ein Regal (kleine tragbare Orgel), hoffte aber, »es werde dem heyl. Joseph nit schwer fallen, hiervor 18f. hereinzuschicken« (AEM, 27.2.1705). Es mag bei Kögler der Gedanke eine Rolle gespielt haben, die Thalheimer Marienwallfahrt durch eine Josephs-Gnadenstätte zu ergänzen. Die Josephsbruderschaft wurde schon Jahre vor ihrer Konfirmierung am 19. 2. 1724 gegründet (Ablässe 1721). Am 21. 8. 1724 wurde der Bruderschaftsaltar an der N-Wand des Chors geweiht, in »honorem S. familiae«, der als Altarbild eine Skulptur des heiligen Wandels hat.

Literatur zur Ikonographie und Verehrung des Hl. Joseph Stengelius, Carolus, Josephus hoc est Sanctissimi Educatoris Christi Dom. Deig. nostri, in terris apparentis, ac Aeternae Virginis Mariae Sponsi vitae historia. München Sticheorie von Panhael Cadelan

Andreas von St. Theresia OCD, Allgemeiner Schutzherr und mächtiger Nothhelffer, das ist: Schuldige Lob- und Ehren- Predig von S. Joseph ... (zur Einsetzung der Bruderschaft in der Karmeliterkirche in München am 15.10.1663, München 1663.

Andreas von St. Theresia OCD, Die Hochheilige, Wunderbarliche, Erschaffene Dreifaltigkeit Jesus, Maria, Joseph ..., Predigt zur Einführung der Bruderschaft des h. Ertzvatters Joseph oder Bruderschaft der Allerheiligsten Gesellschaft Jesu, Maria, Joseph in Weihenlinden, München 1664.

Andreas von St. Theresia OCD, New-erklärter obrister Lands-Burggraf über das Durchleuchtigste Churhauß ..., das ist: Schuldige Lob- und Ehrn-Predig von dem glorreichisten H. Joseph ..., München 1664.

Frie, Michael SJ, Vita S. Josephi Jesu Nutritii et Deiparae Sponsi ..., München 1678.

o. V. Neue Himmels=Porten, eröffnet durch gantz besondere Andachten und Gebett zu dem glorwürdig- und heiligisten Patriarchen Joseph, Riedlingen 1729.

AASS, Martii Tom. 3, S. 4-26.

Seitz, Joseph, Die Verehrung des hl. Joseph in ihrer geschichtlichen Entwicklung bis zum Konzil von Trient dargestellt, Freiburg im Breisgau 1908.

Schiller, Bd 1, s. v. Kindheit Jesu, S. 36–135.

Gebhard Torsten, Die heilige Familie bei Tisch und das Tischgebet der heiligen Familie, in: Bayerisches Jahrbuch der Volkskunde 1956, S. 57–59.

Barth, Medard, Die Verehrung des heiligen Joseph im Elsass vom Mittelalter bis auf die Gegenwart (= Archives de l'Eglise d'Alsace), Haguenau 1970.

Schmidt, Michael, Die Baugeschichte des Burghauser Kollegs und der Studienkirche St. Josef, in: Das Kurfürst-Maximilian- Gymnasium von Burghausen. Vom Kolleg der Societas Jesu zur königlich bayerischen Studien-Anstalt, Burghausen 1997, S. 215-58.

Mikuda-Hüttel, Barbara, Vom > Hausmann < zum Hausheiligen des Wiener Hofes. Zur Ikonographie des hl. Joseph im 17. und 18. Jahrhundert (= Bau- und Kunstdenkmäler im östlichen Mitteleuropa Bd 4), Marburg 1997.

Quellen und Literatur

StAM, LRA 147927: Restaurierungen 1884 und 1901/2.

AEM, Pfarrakten Riding: Pfarrbeschreibung; Pfarrkirchenbauten 1688–1709: Bau, Stuckierung, Hochaltar, Orgel, Rechnungslegung; Resignations- und Verlassenschaftsakten 1669- 1723: Tausch Kögler/Heber 1707; Bauten II: Restaurierungen 1866-1907.

AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 23/Erding Pfarrei Riding, Pfarrkirche St. Georg (Georg Brenninger).

Kunstreferat der Erzdiözese: Maria Hildebrandt, Die Pfarrkirche St. Georg in Riding. Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte (MS im Akt BLfD).

BLfD, Akt Riding, Pfarrkirche St. Georg

Wening, Rentamt Landshut, 1723, S. 17 (Altenfraunberg S. 10). Schmidt, Bd 1, S. 499 f.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 390.

Hartig, Michael, Die in den Jahren 1661-1710 genehmigten und vollzogenen Kirchenbauten des Bistums Freising, in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst 6, S. 286-94, Nr. 104.

Markmiller, Fritz, Barockmaler in Niederbayern, Regensburg 1982, S. 254.

Liedke, Volker, Die Landshuter Maler- und Bildhauerwerkstätten von der Mitte des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, in: Ars Bavarica Bd 27/28, 1982, S. 1-113, Pletzger S. 28 f und 80.

Landkreis Erding 1963, S. 252 f.

Dehio 1990, S. 1020

Historischer Atlas I, Bd 58, Erding (Susanne Margarethe Herleth-Krentz) 1997, S. 161 f. A.B.

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